„...Bemühet euch daher, euer Leben schon hier zu vereinen in Mir, so wird euch der Tod des Leibes dereinst vorkommen wie eine große aufgehende Sonne dem nächtlichen Wanderer an einem Meeresgestade, welches voller Klippen und Abgründe ist. Glaubet es Mir, dass es also ist, so wird niemand mehr euch den inneren Frieden rauben! Das sagt der Herr des Lebens und des Todes! Amen!“ (HiG.01_41.04.29,08)


 

"Siehe, was ist der Tod des Menschen?"

 

Vom Sterben und vom Jenseits


1
U
nd Joseph sagte selbst ganz gerührt:
„Oh, ist doch diese Erde als die Erziehungsstätte der Kinder Gottes schon so schön, dass man sich nichts Schöneres und Herrlicheres wünschen kann; wie schön muß dann erst der Himmel sein, den wir nach dem Tode dieses Leibes und nach der Auferstehung am Jüngsten Tage
zu erwarten haben! Es liegt zwischen diesem matten Leibesleben und jener herrlichen Auferstehung eine gar lange, leblose, finstere Nacht; aber ich betrachte die Sache also: Wenn jemand eine ganze Nacht im Leibesleben noch durchwachen müsste, wie lang müsste sie ihm vorkommen?

 

Da aber der Mensch die ganze Nacht gar süß durchschläft, so kommt sie ihm am Morgen oft noch zu kurz vor. Und so meine ich, dass uns am Tage der Auferstehung die lange Nacht nicht zu lang vorkommen wird. Der liebe Herr hat ja alles allerbestens also eingerichtet, dass es zum Glück und größten Heile jener Menschen gereichen muß, die Seine Gebote halten und mit aller Zuversicht auf Ihn vertrauen. Darin stimmte auch unser Grieche mit der Meinung des alten Joseph überein, fragte Mich aber doch, was Ich dazu sage.

 

Ich (Jesus) aber sagte: „Ja, ja, das sind wohl recht schöne und weise klingende Worte! Es war das ein recht gutes Bild; nur das einzig Fatale hat es, dass es nicht auch also wahr ist, wie es sich recht schön und erbaulich aussprechen und anhören lässt. So Ich nun aber bei euch bin, - warum fraget ihr denn Mich nicht, wie sich die Sachen mit dem Leben der Seele nach dem Abfalle des Leibes verhalten werden?

 

Ich werde es doch besser wissen als ihr! Ich aber weiß nichts von einer beinahe ewig langen Todesnacht der Seele nach dem Abfalle des Leibes, sondern in dem Augenblick, in dem der schwere Leib von dir abfallen wird, wirst du dich auch schon in der Auferstehung befinden und fortleben und wirken in Ewigkeit, das heißt, wenn du als ein Gerechter vor Gott diese Welt verlassen wirst. Stirbst du aber als ein Ungerechter vor Gott, so wird dann wohl eine sehr lange Nacht zwischen deinem  Leibestode und deiner wahren Auferstehung folgen – aber keine dir unbewusste, sondern eine der Seele wohl bewusste -, und das wird der Seele rechter und lange währender Tod sein.

 

Denn ein Tod, um den die Seele nicht wüsste, wäre ihr auch kein Tod; aber der Tod, dessen sie bewusst sein wird im Reiche der unlauteren Geister, wird ihr zur großen Pein und Qual werden.

 

Sehet, also stehen die Sachen! Und weil ihr das nun wisset, so denket und redet ein anderes Mal klarer und wahrer; um was ihr aber nicht wisset, um das fraget Mich, damit ihr durch eure Worte nicht in allerlei Irrwahn verfallet! Das merket euch alle!“

 

Sagte darauf der Grieche: „Ja, also ist es, und also muß es sein, und anders kann es nicht und nimmer sein! Aber da wir nun schon hier eine wunderherrliche Rundschau genießen und diese offenbar nur unsere lebendige, fühlende und empfindende Seele durch die Augen des Leibes wie durch ein paar Fenster ihres zeitweilig belebten wandelnden Hauses, das wir Leib nennen, selbst schaut, darüber denkt und sich an der Herrlichkeit hoch ergötzt, so fragt es sich, ob die Seele auch nach dem Abfalle des Leibes diese Welt und ihre Schönheit wird schauen und beurteilen können, das heißt, wenn sie sich irgendwo auf dieser Erde Boden befände. – Was kannst du, gottvoller Jüngling, darüber für einen Aufschluß geben?“

 

Sagte Ich:Des vollkommenen und gerechten Menschen Seele wird nicht nur diese ganze Erde mit einem Blick durch und durch und über und über beschauen und über alles hellst und vollkommenst urteilen können, sondern noch über endlos mehr; denn diese Erde ist nicht die einzige im endlosen Schöpfungsraume, sondern es gibt deren noch gar endlos viele und auch um gar vieles größere im endlos großen Schöpfungsraume und ebenso viele entsprechende im Reiche der reinen Geister. Doch über das kann ein Mensch erst dann eine helle Vorstellung bekommen, wenn er es vom Geiste Gottes im Herzen seiner Seele vernimmt und in ein erweitertes Schauen übergegangen ist.

 

Kurz und gut, die vollkommene Seele kann alles; nur die unvollkommene, die geistig blind ist, die wird nichts anderes sehen können als die leeren und wesenlosen Ausgeburten ihrer eitlen Einbildung. Wenn aber dann eine Seele auch im andern, leiblosen Leben in sich gehen und sich möglicherweise bessern wird, so wird sie dadurch dann auch in ein helleres, wahreres Schauen übergehen, - aber freilich auf einem längeren und um vieles beschwerlicheren Wege (als hier).

 

Und jetzt wisset ihr auch in dieser Hinsicht das Nötigste; glaubet, dass es also und nicht anders ist, und haltet die Gebote, so werdet ihr vollkommen werden in euren Seelen!“

 

Sagte darauf noch der Grieche: „Das glaube ich nun auch ungezweifelt fest und bin überzeugt, dass es also ist; aber uns Griechen fehlt es noch an einer richtigen und wahren Vorstellung von der Gestalt und Form einer Seele. Möchtest du uns nicht auch noch darüber einen Wink geben?“

 

Sagte Ich: „O ja, was euch frommt, das tue Ich stets gerne!

 

Siehe, die Seele hat die gleiche Gestalt und Form wie ihr Leib, aber nur in durchaus vollkommenerem Maße. Doch ist hier nur von einer vollkommenen Seele die Rede. Sie hat alles, was ihr Leib hatte, aber natürlich und von selbst verständlich zu anders gestalteten Zwecken. Aber ihr geistiger Leib ist nicht Materie, sondern pure Substanz. Die Substanz aber ist gleich dem aus der Sonne gehenden Lichte, das gegenüber der Materie wie gar nichts zu sein scheint und dennoch der Grundstoff der Materie ist, ohne mit ihr ein und dasselbe zu sein; denn aller Urstoff ist frei und ungebunden. Und so wisset ihr nun auch um das. Damit ihr euch aber davon noch einen klareren Begriff machen möget, so mache Ich euch nur darauf aufmerksam, dass ihr euch zurückerinnert an Erscheinungen verstorbener Menschen, die ihr schon auf Momente zu öfteren Malen gesehen und sogar gesprochen habt. Haben sie ein anderes Aussehen gehabt, als sie bei ihren Leibeslebzeiten hatten?“

 

Sagte der Grieche: „Ja, ja, jetzt erkenne ich erst völlig, dass du in allem die volle Wahrheit geredest hast! Ich habe schon zu gar vielen Malen derlei Erscheinungen gehabt, habe mit mehreren Verstorbenen sogar gesprochen und bin von ihnen über manches sogar belehrt worden, und ich habe sie nie anders gesehen denn in der vollkommenen Menschengestalt. Ich danke dir darum für diese Belehrung.“ (GEJ.07_209,10 ff)


2
Der Herr: „Siehe, was ist der Tod des Menschen?! Weiter nichts als das Abfallen der reifen Frucht vom Baume, welches Fallen auch geschieht wie von selbst, ohne besonderes Zutun der Frucht. Ist der Mensch in seinem innersten Wesen soweit geläutert, um als reife Frucht zu gelten, so wird die Ablösung der reifen Seele von dem Stamme, dem Körper, auch völlig zwanglos geschehen. Dieser Augenblick tritt aber bei dem Menschen, der nach Meinem Willen gelebt hat, derart ein, dass er auch ohne Meine Gegenwart völlig schmerzlos, ja sogar mit den freudigsten Empfindungen, hinübergleitet vom irdischen zum geistigen Leben.

 

Du aber hast dennoch, trotzdem du am Leben nicht gerade hängst, eine Art Besorgnis vor diesem Augenblick und denkst, gestärkt von Meiner Gegenwart, am leichtestens über diesen dir unangenehmen Wendepunkt hinwegzukommen. Ich sage dir aber nun, dass du auch diese verzeihliche menschliche Schwäche ablegen musst, damit dein Glaube, der dich bis jetzt erhalten hat und dieses hohe Alter erreichen ließ, völlig gekräftigt werde; denn der Glaube an Mich soll ja gerade das beste und einzige Mittel sein, alle drohenden Schrecknisse des Todes zu besiegen.

 

Ist der Mensch völlig gläubig geworden, und habe Ich ihm ins Herz gelegt, es sei Zeit für ihn, die Fleischesbande zu lösen, da sein irdisches Tagewerk vollbracht, so werde Ich ihm sogar die Kraft geben, selbst die Fesseln zu sprengen, und er entschlummert sanft vor den Augen der Seinen in Frieden. Das ist der Tod, wie er sein soll, wie er jedoch in den allerseltensten Fällen nur eintreten kann, weil die Menschen den Augenblick des Abrufens mehr fürchten als alles andere und nicht durch  gerechte Abnutzung, sondern durch gewaltsame Zerstörung der Körpermaschinerie den Übergang herbeiführen. Das verkehrte Leben hat daher auch die vielen Krankheiten geschaffen, die mit dem eigentlichen Tode nichts zu tun haben sollen, da nicht diese den Übergang, sondern die seelische Vollreife ihn bedingen soll.

 

Du, Mein Rael, sieh es daher nicht an, als wolle Ich dir einen Wunsch versagen, wenn Ich dir sage: Lebe noch eine kurze Zeit, und sieh das nicht als Strafe an, sondern übe dich, auch noch den letzten Rest eines irdischen Anhangs zu tilgen, um mit Mir vereint dann einzugehen in Mein Reich!“ (GEJ.11_030,14 ff)


3
Ein Schriftgelehrter: „Wozu das lange Hinsiechen bis zum Tode, wozu die Schmerzen, und wozu das Bittere des Todes und das darauf im Grabe lange Verwesen und Vergehen des toten Leibes? Kurz und gut, mit der gewöhnliches Todesart des Menschen bin ich durchaus nicht einverstanden und kann sie nicht als etwas Billiges ansehen!“

 

Sagte Ich: „Da kann Ich Selbst dir eben nicht ganz unrecht  geben; denn auch Ich bin mit der gewöhnlichen Todesart der Menschen durchaus nicht einverstanden. Aber was kann da Ich dafür, so die Menschen sich selbst eine so bittere und  unangenehme Todesart bereiten?

 

Lebten die Menschen nur nach der ihnen schon vom Urbeginne hellst geoffenbarten Ordnung, so gäbe es auch nicht einen, der sich über das Bittere des Todes beklagen könnte.

 

Die Altväter starben alle eines leichten und ganz sanften Todes; denn ihre Seelen verließen, so der Engel sie rief, mit großer Freude den Leib, der von Kindesjahren an bis ins hohe Alter keine Schmerzen zu bestehen hatte, sondern stets zumeist kräftig und gesund verblieb, und der endliche Leibestod war auch keine Folge von großen Leiden und Schmerzen, sondern erfolgte nur auf den stets ersehnten Ruf eines Engels, nach welchem die Seele frei und ohne allen Zwang aus dem Leibe trat, der Leib aber ohne den geringsten Schmerz gewisserart einschlief.

 

Als aber dann die Menschen anfingen, stets mehr und mehr nach ihrem Sinne zu leben und sich mehr und mehr der Unzucht, Hurerei und andern schwelgerischen und die Sinne betäubenden Genüssen ergaben, so verdarben sie selbst ihre gesunde Natur, wurden schwach, elend und krank, und ihr Leibestod musste dann selbstverständlich einen andern Charakter annehmen.

 

Wenn du ein Messer nimmst, dich irgend ins Fleisch schneidest und dabei einen Schmerz empfindest, kannst du das bei gesunder Vernunft dem Schöpfer zur Schuld legen, oder möchtest du da nicht etwa auch sagen: `Ja, warum hat denn der Schöpfer dem Menschen nicht einen unempfindlichen Leib gegeben? `Ich aber sage dir: So dein Leib völlig unempfindlich wäre, wie möglich könnte er dann lebendig sein? Nur ein völlig toter Leib ist auch völlig unempfindlich!

 

Ich setze aber den Fall, dass ein Mensch, wenigstens nach außen hin, einen unempfindlichen Leib hätte, etwa so, wie da sind seine Haare. Was wäre davon bei einem leichtsinnigen Menschen die nur zu bald sichere Folge?    Selbstverstümmelungen aller Art und Gattung, so dass die Menschen am Ende gar keine menschliche Gestalt mehr hätten und auch zu keiner Arbeit mehr fähig wären.

 

Damit aber die Menschen wenigstens doch noch ihre Außengestalt nicht zu sehr verstümmeln können, so ist ihnen die Empfindlichkeit als ein guter Wächter gegeben worden.

 

Zudem aber versteht es sich schon von selbst, dass ein Mensch, der keine Empfindung für Schmerzen hätte, auch keine Empfindung für die Wonne und Seligkeit haben könnte; denn da bedingt eins das andere, und es kann eines ohne das andere nicht bestehen, ja nicht einmal gedacht werden.

 

Ich weiß aber wohl, dass die Menschen infolge ihrer großen Blindheit nun und schon seit langem namentlich beim Sterben sehr viel leiden, und das erstens, weil sie zum größten Teil gar keine sichere Kunde vom Fortleben der Seele nach des Leibes Tode haben und gar viele schon in dem Glauben der Sadduzäer (Angehöriger einer altjüd.Partei, Red.) stecken, und zweitens, weil die Menschen durch ihre höchst unordentliche Lebensweise ihren Leib mit allerlei unreinen Geistern angefüllt haben, aus denen mit der Zeit unvermeidbar auch allerlei böse und schmerzvolle und auch den frühen Tod zur Folge habende Krankheiten entstehen müssen.

 

Und so bin Ich auch aus dem Grunde Selbst im Fleische auf diese Erde gekommen, dass Ich dem Menschen jene Wege zu wandeln vorzeichne, auf denen er erstens wieder wahr und lebendig inne wird, dass und wie seine Seele als sein eigentliches Ich nach dem Tode des Leibes fortlebt, und zweitens, dass er so lange, als er auf dieser zu leben hat, gesund und kräftig bleibe bis in ein hohes Alter und sein Scheiden kein schmerzliches und qualvolles, sondern ein fröhliches und höchst beseligendes werde.

 

Und so kann Ich als der Herr des Lebens euch die volle Versicherung geben, dass derjenige, der – wohl verstanden! – Mein Brot essen und Meinen Wein trinken wird, den Tod nicht sehen, fühlen und schmecken wird.

 

Mit anderen Worten gesagt: Wer nach Meiner Lehre leben wird, der wird auch in ihre allbeseligende Wirkung versetzt werden. – Ich meine nun, dass du, mein schriftgelehrter Freund, diese Sache anders verstehen wirst, als du sie ehedem verstanden hast?“ (GEJ.08_081,10 ff)


4
Fängt darauf Mathael an zu reden, und seine Worte lauteten also:

 

Liebe Freunde und Brüder, ich weiß es zwar nicht, wie ich dazu kam, dass ich zuweilen schon von meiner frühesten Jugend an Geister habe sehen und mich mit ihnen sogar besprechen können, was denn auch ein Hauptgrund war, demzufolge ich so ganz eigentlich in die Mauern des Tempels trat; denn man sagte mir, dass darin die mir oft schon sehr lästig gewordenen Geister keine Gewalt mehr über mich haben würden, und ich würde von da an auch keine mehr zu Gesichte bekommen. Nun, das war richtig und ganz in der Ordnung; denn als ich des Tempels gebenedeite Kleider anzog, war es mit meinem Geistersehen völlig zu Ende! Wie und warum das, könnte ich nicht angeben; aber es ist vollkommen wahr und richtig.

 

Obwohl ich aber von dieser Plage durch die Mauern und durch die Kleider des Tempels befreit worden bin, so wussten sich aber die Geister dennoch auf eine andere Art zu rächen. Mein nachheriges furchtbares Besessensein war sicher eine sehr leidige Folge davon! Das Weitere jenes meines höchst  bedauerlichen Zustandes ist bekannt, und ich brauche darüber kein weiteres Wort mehr zu verlieren.

 

Aber aus meinem früheren geisterseherischen Zustande ist mir noch so manches bekannt, und wenn ich hier einige Züge daraus nun zum Besten aller meiner nunmaligen Freunde und Brüder gebe, so glaube ich, wenigstens bei dieser Gelegenheit ihnen auch einen kleinen Dienst zu erweisen.

 

Als ich erst so ungefähr sieben oder wohl etwa schon acht Jahre alt war, da starben an einer pestartigen Epidemie plötzlich fünf Menschen; es waren das des Nachbarn Weib, zwei ältere Töchter und zwei sonst ganz gesunde Mägde. Merkwürdig war, dass an dieser sonderbaren Epidemie nur lauter Erwachsene und sonst sicher ganz kerngesunde Mägde und Weiber verstarben.

 

Als in des Nachbars Hause aber das Weib erkrankte, während schon den Tag vorher die zwei Töchter und die zwei Mägde den Tod erlitten, kam der Nachbar voll Verzweiflung vor lauter Trauer zu uns und bat uns inständig, ihm beizustehen und wo möglich sein Weib dem Tode zu entreißen; denn mein Vater, in der Nähe von Jerusalem eine recht schöne Besitzung habend und zumeist daselbst wohnend, war zur Not auch ein Arzt, und es war darum desto mehr eine Art Pflicht, dem Rufe des unglücklichen Nachbarn zu folgen. Daß ich da nicht daheimbleiben durfte, werdet ihr aus dem Umstande leicht entnehmen, dass ich dem Vater nicht selten ganz gute Heilmittel angeben konnte, weil mir solche meine Geister nicht selten und treuherzig anzeigten.

 

Mein Vater meinte ganz zuverlässig, dass ich im Hause des Nachbarn mit Geistern zusammenkommen werde, die mir zur Heilung der todkranken Nachbarin etwas ansagen würden, und so ward ich den NOLENS VOLENS (wollend oder nichtwollend) mitgenommen. Mein Vater hatte sich auch nicht geirrt; ich bekam wirklich eine Menge Geister – sicher gute und schlechte durcheinander – zu Gesichte. Aber mit dem Anraten irgendeines heilenden Mittels hatte es diesmal seine geweisten Wege; denn ein großer Geist, mit einem lichtgrauen Faltenkleid angetan, sagte zu mir, als ich ihn nach dem Wunsche meines Vaters um ein Heilmittel anging; `Sieh hin auf die Verscheidende! Ihre Seele entsteigt ja bereits ihrer Brustgrube, die der gewöhnliche Ausweg der Seele aus dem Leibe ist!` Ich besah mir nun die Sterbende näher. Aus der Brustgrube erhob sich wie ein weißer Dunst, breitete sich über der Brustgrube immer mehr aus und wurde auch stets dichter; aber von irgendeiner menschlichen Gestalt merkte ich lange nichts.

 

Als ich das so etwas bedenklich betrachtete, da sagte der lichtgraue Geist zu mir: `Sieh nur zu, wie eine Seele ihr irdisches Wohnhaus für ewig verlässt!` Ich aber sagte: `Warum hat denn diese scheidende Seele keine Gestalt, während doch ihr, die ihr auch pure Seelen seid, ganz ordentliche Menschengestalten habt?` Sagte der Geist: `Warte nur ein wenig noch; wenn die Seele erst ganz aus dem Leibe sein wird, wird sie sich schon ganz fein zusammenklauben und wird dann auch recht schön und freundlich anzusehen sein!`

 

Während ich solchen Dunst über der Brustgrube der Kranken sich immer mehr ausbreiten und verdichten sah, lebte der Leib noch immer und stöhnte zuweilen wie jemand, der von einem schweren Traume geplagt wird. Nach etwa dem vierten Teile der Zeit einer römischen Stunde schwebte der Dunst in der Größe eines zwölfjährigen Mädchens etwa zwei Spannen hoch über des sterbenden Weibes Leib und war mit dessen Brustgrube nur noch durch eine fingerdicke Dampfsäule verbunden. Die Säule hatte eine rötliche Färbung, verlängerte sich bald und verkürzte sich auch wieder dann und wann; aber nach jedesmaligem Verlängern und abermaligem Verkürzen ward diese Dampfsäule dünner, und der Leib trat während der Verlängerungen stets in sichtlich schmerzhafte Zuckungen.

 

Nach etwa zwei römischen Stunden der Zeit nach ward diese Dampfsäule von der Brustgrube ganz frei, und das unterste Ende sah aus wie ein Gewächs mit sehr vielen Wurzelfasern. In dem Augenblick aber, als die Dampfsäule von der Brustgrube abgelöst ward, bemerkte ich zwei Erscheinungen.

 

Die erste bestand in dem völligen Totwerden des Leibes, und die andere darin, dass die ganze weißneblige Dampfmasse sich in einem Augenblick in das mir nur zu wohlbekannte Weib des Nachbarn umwandelte. Alsogleich umkleidete sie sich mit einem weißen, faltenreichen Hemde, grüßte die umstehenden  freundlichen Geister, fragte aber auch zugleich deutlich, wo sie nun sei, und was mit ihr vorgegangen sei; auch verwunderte sie sich gleich höchlichst über die schöne Gegend, in der sie sich nun befinde.

 

Von der Gegend aber nahm ich selbst nirgends etwas wahr. Ich fragte darum meinen großen Lichtgrauen, wo denn die so schöne Gegend zu sehen wäre. Da sagte der Geist: `Diese kannst du aus deinem Leibe heraus nicht sehen; denn sie ist nur ein Produkt der Lebensphantasie der Verstorbenen und wird erst nach und nach in eine größere und gediegenere Realität übergehen!` Mit diesen Worten ward ich abgefertigt, und der Geist redete darauf in einer mir ganz unverständlichen Zunge; er muß aber der nun freien Seele etwas sehr Angenehmes gesagt haben, weil sich darauf ihr Angesicht gar so aufgeheitert hatte.

 

Merkwürdig aber kam es mir vor, dass die nun freie Seele sich gar nicht mehr darum zu kümmern schien, was mit ihrem früheren Leibe geschehen ist, sie unterhielt sich sichtlich gleich sehr gut mit den Geistern, - aber alles in einer mir ganz fremden Zunge.

 

Mit der Weile wurden auch die beiden verstorbenen Töchter und die beiden Mägde herbeigeführt und grüßten ihre frühere Mutter und Herrin mit aller Freundlichkeit, - aber nicht, als wären die ersten beiden Töchter und die andern beiden ihre früheren Dienstmägde gewesen, sondern als echte, wahre, gute Freundinnen und Schwestern, und zwar in einer mir fremden und ganz unverständlichen Zunge. Keine aber schien sich im geringsten um ihren früher doch sicher sehr in Ehren gehaltenen Leib zu kümmern; auch schienen sie niemanden von uns noch Sterblichen wahrzunehmen.

 

Merkwürdig war es, dass die Seele des eben verstorbenen Weibes gleich nach dem Austritt aus dem Leibe wohl noch ganz gut hebräisch ihre Freude über den Anblick der schönen Gegend zu erkennen gab; als sie sich aber gewisserart mehr gesammelt und kondensiert hatte, bediente sie sich einer Sprache, die meines schwachen Wissens nun wohl auf der ganzen Erde und unter allen sterblichen Menschen nirgends bestehen dürfte.

 

Ich wandte mich darum wieder an meinen Lichtgrauen und fragte ihn:

 

`Was ist das, was nun die fünf neu in eurem Reiche Angekommenen mit einander besprechen, und in welcher Zunge?`

 

Sagte der Lichtgraue: `Was du doch für ein neugieriger Knabe bist! Sie reden ja eben deinetwegen diese eigene Geisterzunge, weil sie von dir nicht verstanden werden wollen; denn sie wissen und fühlen es genau, dass du hier weilest als einer, der aus dem Leibe die Geister sehen und sprechen kann gleich einem Birmanen in Hochindien. Sie wissen und fühlen es auch, dass ihre Leiber noch hier sind; aber diese kümmern sie nicht mehr als wie dich ein alter Rock, den du als gänzlich zerrissen weggeworfen hast. Du dürftest ihnen nun alle Reiche der Welt mit der Aussicht auf ein tausend Jahre langes Leben voll  Gesundheit bieten, so würden sie doch nimmer in ihre Leiber zurückkehren! Das aber, was sie miteinander reden, würdest du nicht verstehen, und wäre es auch in deiner Zunge; denn sie sehen nun eben in dieser Zeit, dass der große Verheißene bereits als Mensch, wennschon noch erst als ein zartes Kind, in der materiellen Welt sich befindet. Wenn du ein Mann bist, wirst du Ihn erkennen in Galiläa.`

 

Das war der ganze Bescheid, den mir der Lichtgraue ganz artig und freundlich hatte zukommnen lassen. Es war das gewiß eine sehr denkwürdige Erscheinung, die ich damals als ein Knabe ebenso wahr und lebendig geschaut habe wie jetzt euch alle;  und dass der Lichtgraue keine Unwahrheit mir aufgetischt hatte, davon liegt der Beweis darin, dass ich nun Dich, o Herr, wirklich in Galiläa gefunden habe also, wie der Lichtgraue es mir angesagt hatte. Ich möchte nun nur das ein wenig mehr erläutert haben, warum die Seele im Moment des Scheidens als ein Dunst der Brustgrube entsteigt, und warum nicht gleich als eine ausgebildete Menschenform, - Herr, Du liebevollster, Du allweisester Meister allen Lebens, möchtest Du uns darüber wohl eine Erklärung geben?

 

Sage Ich: „Die sollet ihr sogleich haben; und so höret denn!

 

Der ersichtliche Dunst – in dem Maße (Form) eines Menschen doch immerhin – ist eine Folge der großen Beklommenheit der Seele im Moment des Scheidens, in welchem sie vor lauter Furcht und Entsetzen auf einige Augenblicke ganz bewusstlos wird. Es ist eine außerordentliche Tätigkeitsanstrengung der scheidenden Seele, sich zu erhalten in ihrer sich selbst bewussten Existens. Alle ihre Teile werden in eine außerordentlich heftige Vibration gesetzt, dass darob auch das schärfste geistersehende Auge irgendeine bestimmte Form nicht  entdecken kann.

 

Ein Beispiel in der Natur böte die tiefklingende Saite einer Harfe. Wenn du sie stark angeschlagen hast, so wird sie sich eine Zeitlang also schnell hin und  her schwingen, dass du ihren Körper auch nur als einen durchsichtigen Dunstfaden sehen wirst; hat die Saite aufgehört mit dem Schwingen, dann wird infolge ihrer Ruhe auch ihre eigentliche Form wieder ersichtlich.

 

Eine gleiche Erscheinung hast du beim Anblick einer summenden Fliege, deren Flügel du erst dann als Flügel wahrnehmen kannst, wenn die Fliege zu fliegen und dadurch zu summen aufgehört hat; im fliegenden Zustand hast du sie nur wie mit einem kleinen Dunstwölkchen umgeben geschaut. Wenn die Seele im Scheidemomente austritt aus dem zerstörten, zerrissenen und fürderhin nicht mehr brauchbaren Leibe, so vibriert sie in oft eine Spanne langen Schwingungen, und zwar so schnell, dass du tausend Schwingungen als hin und her und auf und ab in einem Augenblicke annehmen kannst; da ist es dann während der Dauer solcher Seelenvibration dem disponierten Beschauer rein unmöglich, nur irgend etwas von der seelischen Menschenform auszunehmen.

 

Nach und nach beruhigt sich die Seele mehr und mehr und wird dadurch auch als menschliche Form ersichtlich; tritt sie aber endlich ganz in den Zustand der Ruhe zurück, die gleich nach der völligen Ablösung eintritt, so ist sie dann auch sogleich in der vollkommenen Menschenform zu erschauen, vorausgesetzt, dass sie sich zuvor durch allerlei Sünden nicht zu sehr entstellt hat. – Versteht du nun solches?“

 

Sagt Mathael: „O Herr, Du Allerweisester, wie sollte ich nun das nicht bestens verstehen? Du hast mir diese Erscheinung ja als mit den Händen zu greifen klargemacht! Aber nun möchte ich – Herr, vergib mir meine Wissbegier – denn auch noch dazu wissen, was für eine Zunge die fünf Seelen miteinander geredet haben! Ich selbst bin doch auch mehrerer Zungen fähig; aber dem ungeachtet verstand ich keine Silbe, was diese miteinander geredet haben. Besteht in dieser Welt noch irgendeine ähnliche Zunge?“

 

Sage Ich: „O ja, die birmanischen Priester sind im Besitze dieser Zunge (Sanskrit), und es ist das die Ursprache der ersten Menschen dieser Erde gewesen; eure, die altägyptische, und mitunter auch die der Griechen, stammen alle von dieser einen und ersten Menschensprache nahe vollkommen ab. Meinet ihr wohl, dass ihr verständet den Vater Abraham, Isaak und Jakob, so sie hier wären und redeten also, wie sie dereinst geredet haben? O mitnichten, nicht ein Wort würdet ihr von ihnen verstehen! Verstehet ihr doch schon die Bücher Mosis schwer, die doch nahe um tausend Jahre jünger sind denn Abraham, um wie viel weniger die Erzväter selbst! Ja, es hat sich bei den Juden gar vieles sehr verändert, also auch die Sprache, ohne eine zweite babylonische Sprachverwirrung. – Verstehest du nun auch das?“ (GEJ.04_128,01 ff)


5
"Um nun nicht mehr auf dieses Gespräch zu kommen, begann Lazarus selbst von seiner früheren Krankheit zu reden und wie er sich noch recht gut aller Einzelheiten vor seinem Tode erinnere, aber nichts mehr von dem wisse, was sodann mit ihm vorgegangen sei. Das gab nun Gelegenheit, von dem Leben nach dem Tode selbst zu reden, und wie die ankommende Seele im Jenseits sich doch sogleich fühlen möge.

 

Lazarus fragte Mich, warum er denn so gar kein Gedächtnis mehr von dem habe, was mit ihm in der Zeit geschehen sei, als er im Grabe gelegen habe.

 

Ich erörterte ihm nun, der Grund läge darin, weil seine Seele sich in einem Zustand der höchsten Glückseligkeit befunden habe, der es ihr unerträglich machen würde, bei Beibehaltung des Gedächtnisses sich jetzt noch der irdischen Tätigkeit zu widmen. Dem sei vergleichbar, als würde ein überaus guter und weiser König, der sich auch nur in einer ihm würdigen Gesellschaft bewegt hat, plötzlich gezwungen sein, mit dem allerschlechtesten Volk zu verkehren in der erbärmlichsten Behausung zu leben, ohne imstande zu sein, seine Lage zu verbessern.

 

Der Herr: `Damit du aber siehst, dass Ich nicht zuviel gesagt habe, sollst du auf kurze Zeit das Gedächtnis zurückerhalten und uns allen klar auseinandersetzen, wie es dir ergangen ist, und was du erlebt hast. Rede denn nun, wie dir die Rückerinnerung kommt, und sprich klar aus, was du empfindest! Ich will aber, dass du nicht irgendwie dabei deine jetzige Körpergefangenschaft empfindest, sondern als freier Geist redest!`

 

Alsogleich verfiel Lazarus in eine kurze Betäubung von einigen Augenblicken, erwachte dann und sprach mit würdigstem, verklärtem Ausdruck folgendes:

 

`Oh, ich sehe jetzt im Geiste nochmals klar und deutlich, was ich in jener Todesstunde fühlte und dachte! Es war mir am Anfang unsäglich bange, als ich merkte, dass das Leben in mir erlöschen wollte. Dann aber trat ein Gleichmut ein, und ich empfand das Bedürfnis, fest zu schlafen. Das Weinen der Schwestern, die an meinem Lager standen, kam mir unnütz vor; denn ich wusste doch, dass ich wieder erwachen würde. Dann schlief ich ein.

 

Als ich erwachte, fühlte ich mich leicht und frei von allen körperlichen Beschwerden. Ich atmete die reinste Luft und fühlte mich wunderbar gestärkt.

 

Ich hatte die Augen geschlossen, da es mir wohlig und angenehm war, mich der Ruhe hinzugeben. Dann aber empfand ich das Bedürfnis, die Augen zu öffnen, was aber nicht so recht gelingen wollte. Ich fühlte, wie eine Hand meine Augen  berührte, und nun konnte ich diese öffnen. Ich sah in das lächelnde Antlitz meines Vaters und war erst sehr erstaunt darüber, da ich ihn doch gestorben wusste und ihn nun neben mir stehen sah. Er sagte mir, dass ich körperlich gestorben und nun in die freie Geisteswelt eingegangen sei und in seinem Wohnhaus mich befände.

 

Ich sah mich um und erblickte ein herrliches Gemach, strahlend in hellsten, reinsten Farben. Mich ergriff die Schönheit dieses Gemaches, in welches helles Licht flutete, so sehr, dass ich staunend ausrief:

 

`Wenn ich nicht deinen Worten glauben wollte, so würde doch dieser Raum mir zeigen, dass ich der Welt entrückt bin, mein Vater! Sage, ist das hier dein Aufenthalt?!`

 

Antwortete mein Vater: `Es ist dieses Gemach gleichsam mein Geheimkämmerlein, wo ich mich mit meinem Herrn und Schöpfer ganz allein und doch durch Ihn überall befinde, wo es notwendig ist. Ich habe dich, mein Sohn, in diesem Heiligtum aufgenommen, weil du nur erst ein Gast dieses Reiches bist und später in dein Eigentum eigehen wirst. Mir ist es aber eine große Freude, dich hier aufnehmen zu können; denn der ein Freund des erdenwandelnden Herrn ist, hat auch Anspruch auf unser Bestes in uns und damit außer uns.

 

Du verstehst nicht, wie das gemeint ist? So siehe, dieses Gemach bedeutet das innerste Herzenskämmerchen meines Wesens und ist somit das Zentrum meiner Sphäre, von wo aus ich dich überall hinführen kann, sowie sich mein Geist erstreckt! Dadurch bist du gleichzeitig mit mir, umschlossen von meiner Liebe, Mitherrscher meines Selbst, solange du dich hier befindest.

 

Jeder Mensch hat im Jenseits so ein Allerheiligstes, in das er sich gänzlich zurückziehen kann, um von den Strahlen des reinsten Lichtes, das hier durch alle Wände ungehindert hereindringt, durchdrungen zu werden. Auch du wirst das genießen, so du dauernder Bewohner hier sein wirst; aber jetzt bist du es, wie gesagt, noch nicht, sondern nur ein Gast, weil ich, als dein irdischer Vater, das nächste Anrecht auf deine Seele habe, diese zu schützen!`

 

Ich erhob mich nun von dem Ruhesitz, auf dem ich mich wiedergefunden hatte, und umarmte voller Liebe meinen Vater, dessen Seite ich auch nicht verlassen habe, bis Du, o Herr, mich zurückriefst.

 

Ich habe mit ihm auch Wanderungen gemacht, und er hat mir gezeigt, was alles ihm untersteht. Es war das vornehmlich die Aufgabe, ankommende Seelen der Erde zu sammeln und diese in die rechte Geistestätigkeit einzuführen. Ich habe auch gesehen, wie diese Seelen oft schwer behangen waren mit allerlei Weltunrat, von dem sie sich befreien mussten, und habe  gesehen, wie alles das, was im Geiste sich darstellt, auch ein entsprechendes Bild in der äußeren Erscheinung zeigt, so dass aus diesem Willen und Wollen der Seelen bleibende Bilder entstehen, die erst mit dem wechselnden Willen sich ändern und so die Sphäre oder die sichtbare Gedankenwelt der Seele darstellen. Die verbergende Körperhülle ist geschwunden und damit auch die Möglichkeit der Verbergung des Gedankenwillens.

 

Es ist aber diese Gedankenwelt durchaus nicht etwas, was nicht vorhanden ist – also Phantasie wäre -, sondern auch für jeden Geist etwas stofflich Vergeistigtes, Aufgebautes, sobald der Liebewille, der mit dem Liebewille Gottes harmonieren muß, es fixiert. Harmoniert der Wille des Geschöpfes nicht mit dem Liebewillen Gottes, so kann dessen Gedankenkraft nicht dauernd bestehen, sondern wird wieder vergehen müssen.

 

Die irdischen stofflichen Aufbauten und in das Materielle übersetzten Gedanken des Menschen sind vergänglich, weil die Materie im Liebewillen Gottes überhaupt nicht besteht, sondern nur zu bestimmtem Zweck als wandelbare Form fest gestellt wurde; diejenigen des Geistes aber sind unvergänglich, weil dessen Schaffen der Endzweck des göttlichen Schaffens selbst ist, das heißt, Gott will durch seine Geschöpfe schaffen und so Seligkeiten geben, genießen lassen und durch Seine Geschöpfe Selbst genießen.

 

Es ist daher das jenseitige Leben hauptsächlich ein Arbeiten im Geiste, das heißt also ein Schaffen unvergänglicher Werke, nicht aber der materiellen Werke, die in Schutt und Staub wieder zerfallen müssen.

 

Im Anschauen der vielen Dinge, die sich meinem Geiste nun darboten, habe ich einen Teil der künftigen Seligkeit bereits genossen und werde daher stets gern bereit sein, diesen Körper wieder abzulegen, wenn Du, o Herr, es befiehlst, ebenso willig, als ich auch wieder zurückkehre, als Deine Stimme in das Gemach hallte und mich zur Rückkehr anhielt.

 

Mein Vater hatte mir dieses Ereignis bereits angekündigt, so dass ich völlig darauf vorbereitet war.

 

Ich weiß nunmehr aber auch, dass ein jeder Mensch von Dir also auferweckt werden muß dem Leibe nach, da in diesem nach Verlassen der Seele noch vielerlei zurückbleibt, was die Seele für ihr jenseitiges Leben braucht. Es beruht das darauf, dass diejenigen Stoffe, welche im Körper die Materie ausmachen, auch nach ihrem Auflösen und Aufsteigen aus der Körperform in einer Verwandtschaft zur Seele bleiben, - ungefähr wie ein Mensch, der lange Zeit in einer Gegend lebte, nach Verlassen derselben doch stets eine Sympathie für diese behält und die Erfahrungen, welche er in derselben machte, doch stets in seinem seelischen Fühlen mit der Umgebung zusammenhängen, so dass eines ohne des anderen Wechselwirkung nur ein unklaren Bild geben würde.

 

Die Seele sucht daher das seelische Element, welches die kleinsten Stoffteile ihres verlassenen Körpers beherrscht, zu sich heranzuziehen und mit sich zu einen, da dadurch ebenfalls eine Art Erlösung der Materie geschieht, oder – besser gesagt – ein In-sich-Aufnehmen, Verschlingen des noch Unreinen vom Reinen.

 

Das ist nun allerdings ein Vorgang, der dem noch irdischen Menschen ganz unverständlich bleibt, wenn er nicht in geistigen Dingen weit vorgeschritten ist.

 

Jedenfalls aber ist diese Auferweckung des Leibes von der Seele, die nicht schnell vor sich zu gehen braucht, ebenso notwendig wie die Auferweckung der Seele vom Geiste, während dieser wieder erst von Dir, o Herr, erweckt, das heißt ins Leben gerufen wird. Diese Stufenfolge ist ein besonderes Geheimnis Deiner Schöpfung, wie ich erst im Jenseits gesehen und erfahren habe, und wie jeder Mensch an sich erfahren wird.

 

Als nun Deine Stimme zu mir erschallte, fühlte ich mich hinweggezogen und hatte die Empfindung, als wenn im Traume die Bilder wechseln und sodann bald das Erwachen folgt. Zwischen den geträumten Bildern empfinden wir aber eine Lücke, die die Seele in ihrem Bewusstsein nicht auszufüllen imstande ist.

 

Ich glaube also, wie von einem langen Schlafe zu erwachen, und fand mich sodann im Grabe liegend. Ich wusste, was mit mir vorgefallen war, hatte aber doch nur die Rückerinnerung des Traumes.

 

Jetzt, wo ich mich momentan von meinem Körper frei fühle, empfinde ich es auch sehr wohl, dass die Fesseln des Körpers nicht imstande sind, die sich frei fühlende Seele zu bändigen, wenn sie erst einmal die wahre, seelische Freiheit gekostet hat, weswegen Du, o Herr, auch die Körperbande mir gelöst hast, damit dieser nicht zerstört werde. Ich weiß jetzt auch, dass Du nach meiner Erweckung mir alles erklärt hattest, was jedoch meinem Gedächtnis wieder entschwunden war.

 

Nun aber werde ich diese Ereignisse nicht wieder vergessen, sondern als unschätzbares Gut gewisslich in mir bewahren.`

 

Ich sagte nun zu Lazarus, er solle wieder der frühere werden und der irdisch lebende Lazarus sein, worauf er abermals in eine kleine Betäubung verfiel und dann wohlgemut mit der Erinnerung eines lebhaften Traumes in dem Kreise der Meinen erwachte.

 

Allen Anwesenden war diese Szene nun ein lebhaftes Anschauungsbild des Sterbens gewesen und diente später sehr dazu, ihnen jede etwa noch übriggebliebene Furcht vor dem Augenblick des Todes fortzunehmen." (GEJ.11_064,01ff)


6
"Des Leibes Tod ist des Lebens letzte Not und ist gleichsam die Anheftung ans Kreuz.

 

Wäre nicht des Leibes Tod, so ginge alles Leben verloren. Aber durch des Leibes Tod wird das Leben gesammelt und gefestet, damit es nach dem Abfalle des Leibes selbst im schlimmsten Falle doch noch als etwas bestehen kann.

 

Die mit dem Tode verbundene, vorhergehende Angst ist eben der Akt der Vereinigung des Lebens, welches vorher nur gar zu häufig schon in alle Weltwinde zerstreut war.

 

Daher geschieht es auch, und das überaus notwendig, daß die Weltlichen einen oft überaus bitteren Tod schmecken müssen. Denn würde solches nicht geschehen aus Meiner übergroßen Erbarmung, so würden sie vollends ewig zunichte.

 

Und daß solche (weltlichen Seelen) nach dem herben irdischen Tode in einen höchst unfreien Zustand kommen, ist ebenfalls wieder nur, damit ihr im Leibestode (nur) schwer gesammeltes Leben sich nicht wieder verflüchtige und endlich gänzlich zunichte werde.

 

Und so ist denn selbst der angst- und qualvolle sogenannte ewige Tod nichts als eine durch Meine große Erbarmung gesetzte Lebensverwahrung.

 

Welche Menschen aber schon bei ihrem Leibesleben ihr Leben durch Selbstverleugnung, Demut und Liebe zu Mir in Mir vereinigt haben, wahrlich, diese werden von des Leibestodes Angst nicht viel verspüren. - Und wenn ihr irdisches Lebensschifflein einmal an den trüglichen Weltklippen zerstäuben wird, so wird der Wanderer schmerz- und sorglos sagen: `Ich bin mit meiner Habe im trockenen!`

 

Bemühet euch daher, euer Leben schon hier zu vereinen in Mir, so wird euch der Tod des Leibes dereinst vorkommen wie eine große aufgehende Sonne dem nächtlichen Wanderer an einem Meeresgestade, welches voller Klippen und Abgründe ist.

 

Glaubet es Mir, daß es also ist, so wird niemand mehr euch den inneren Frieden rauben!

 

Das sagt der Herr des Lebens und des Todes! - Amen. Amen. Amen! (HiG, Bd.1,S.336)

 

Siehe auch linke Randspalte unter "Texte der Neuoffenbarung zu...", Thema "Über das Jenseits" und "Warum wir leben"