„Diese Liebe, wie sie bei euch gang und gäbe ist, diese soll nicht der Inhalt dieses Wortes sein, sondern jene Liebe, welche Ich Selbst repräsentiere, welche Mein Ich ausmacht, welche der Grundton der ganzen Schöpfung ist, auf welcher alle Gesetze des Universums beruhen…(Siehe unter 2., „Die Liebe, Grundgesetz allen Lebens“)

 

 

Die Liebe,

Grundgesetz allen Lebens

 

1. Gott ist die Liebe

2. Die Liebe, Grundgesetz allen Lebens

3. Wie soll man lieben?

4. Liebe mit Weisheit

5. Weiteres über die Liebe

6. Bruder-, Nächsten- und Menschenliebe

 

 

1. Gott ist die Liebe

 

„Liebe und Heiligkeit ist Mein Wesen, das vom Anfang war und ewig bleibt, nach welcher Ich bin, das Ich bin, und bleibe Derselbe immer und ewiglich, denn Ich bin heilig und bleibe heilig, wann schon keine Sünde und Strafe der Sünden gewesen und Ich bin die Liebe und bleibe die Liebe, wann die Sünden und Strafen der Sünden nach Meiner Gerechtigkeit aufhören.

 

Aus Meiner Heiligkeit kommt es, dass die Sünder und Heuchler bei Mir nicht wohnen können, da Ich ein verzehrend Feuer bin und kann nicht leiden den, der unheilig ist, sondern hasse die Sünde und alle so lange sie die Sünde lieb haben.

 

In dem Geschöpf und aus des Geschöpfes Abkehr von Mir entspringt die Sünde und lockt Meinen Zorn in Meiner Heiligkeit heraus gegen sich, bei welcher ewigen reinen Glut der Sünder nicht wohnen kann; aber aus Meiner Liebe kommt es, dass Ich die Sünde wegnehme und Meine Geschöpfe davon reinige, den eigenen Willen verzehre und Meinen Willen, den einigen und heiligen, wieder einführe zu Meiner Heiligkeit, durch den einigen Mittler, den heiligen Messiam, durch welchen sie alle müssen gereinigt und geheiligt werden, in dem Gehorsam des Glaubens und in der Heiligung des Geistes.

 

Ein solcher ist durch den Sohn der Liebe, den Heiligen in Israel, wieder zur Liebesgeburt worden, wie er war, ehe die Sünde war und ist mit Mir der ewigen Liebe und Heiligkeit vereinigt, wonach Ich bin und heiße, was Ich bin.

 

Wer aber durch den eigenen Willen sich von Mir abkehrt, der kehret sich von seiner Seligkeit ab und findet Pein, und Ich habe einen Ekel von seiner Unheiligkeit und bin hinter ihm her mit Meinen Strafen, die doch Meine Liebe und Heiligkeit zum Grund haben und dahin gehen, dass Ich Mein Geschöpf von der Sünde los mache und zu Meinem Sohne treibe, auf dass sie Mein Sohn wieder zu Mir führe und sie in Ihm und durch Ihn mit Mir vereinigt werden.

 

Mein Hass gegen die Sünde ist zwar keine Liebe, aber Ich führe solchen Hass aus Liebe, damit die Sünde aufhöre. Nach der Sünde wird Meine Straf-Gerechtigkeit offenbaret und nach der Strafe offenbaret sich Meine Barmherzigkeit, die aus Meiner ewigen Liebe kommt und den Zorn verschlingt durch den einigen Mittler, Der die Sünde und die Strafe der Sünder träget und wegnimmt. Amen.“

(„Gott ist die Liebe“ (ohne Namensangabe) aus „Lebensgarten“)

 

 

2. Die Liebe,

Grundgesetz allen Lebens

 

Schon mehreres sagte Ich dir über dieses Wortes Bedeutung und seine Tiefe. Beinahe in jedem Worte, das Ich euch gab, wird der Liebe Erwähnung getan und doch hat noch keiner von euch – nicht der anderen zu gedenken – es in seiner ganzen Fülle verstanden, was Liebe heißt, was sie ist, wie sie aufgefasst und wie sie praktisch ausgeübt werden soll – und so will Ich nun wieder einen Lichtstrahl Meiner Liebe zu euch senden, der euch über das Wesen der Liebe näheren Aufschluss geben und selbes näher beleuchten soll.

 

Sehet, Meine Kinder, `Liebe`, dieses Wort ist gleich ausgesprochen und gewöhnlich wird dabei an nichts gedacht als an einen unklaren Begriff derselben oder an die sinnliche oder geschlechtliche Liebe, wie ihr selbe auf eurer Erde kennet, sie ausübet und leider nur zu sehr sie missdeutet und missbraucht.

 

Diese Liebe, wie sie bei euch gang und gäbe ist, diese soll nicht der Inhalt dieses Wortes sein, sondern jene Liebe, welche Ich Selbst repräsentiere, welche Mein Ich ausmacht, welche der Grundton der ganzen Schöpfung ist, auf welcher alle Gesetze des Universums beruhen und welche wohl oft in einzelnen Fällen als schwacher Lichtstrahl durch das dicke Gewebe eurer sinnlichen Natur hindurch leuchtet und euch fühlen lässt, dass es noch eine ganz andere Stufe von Gefühlen gibt, die hier auf Erden nur geahnt, teilweise erfasst, aber nie ganz festgehalten werden können.

 

Diese Liebe, welche eine Haupteigenschaft Meines Ichs und  gleichsam der Träger alles Geschaffenen ist, - diese Liebe hat keine Grenzen und kein Ende, ist in sich selbst stets die gleiche, beständig und ausdauernd und es können nur durch den wahren Begriff von ihr die zwei Grundgesetze Meines geistigen Reiches erst verstanden und ausgeübt werden, denn – Liebe Gott über alles – ist nur dann verständlich, wenn vorerst der Begriff `Gott` und dann der Begriff `Liebe` festgestellt ist – ebenso das zweite Gesetz: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – nur dann erst  verstanden und im wahren Sinn ausgeübt werden kann, wenn der Begriff `Nächster` und der der `Liebe zu ihm` in seine Grenzen eingerahmt ist.

 

Der Begriff `Gott` ist bei euch allen ein so verschiedener, dass es der Mühe wert ist, vorerst eigentlich diese Idee richtig aufzufassen, damit nicht irrige Vorstellungen zu falschen Schlüssen führen.

 

Sehet nun, Meine Kinder, um das Wort `Gott` und was es bedeutet, zu begreifen, müsset ihr von euren weltlichen Ideen gänzlich abgehen, denn der Gedanke eines Gottes ohne Anfang und ohne Ende ist für ein endliches Wesen nicht fassbar.

 

Ihr sollet aus dem Bestehenden nur den Schluss ziehen, dass über der Materie ein großes Geisterreich besteht, wo Gesetze walten, die in der Materie ihren sichtbaren Ausdruck finden, dass aber neben oder über dieser nicht wegzuleugnenden Tatsache auch ein Gesetzgeber sein muss, der alles so geregelt hat, dass menschliches Grübeln nie darüber zu einem fasslichen Resultate führen kann, weil eben die Gesetze göttliche Natur und das  Urteilen darüber menschlichen Ursprungs ist.

 

Ferner könnet ihr aus der Materie wahrnehmen, dass wenn gleich in seine ursprünglichen Elemente aufgelöst, doch nichts sich in Nichts verwandeln lässt, daher die Materie anscheinend ebenso unverwüstbar ist wie das Geistige in ihr seine Unsterblichkeit bei jedem Schritte beweist.

 

Aus diesem die unendliche Fortdauer und auch seinen nie gehabten Anfang bedingend – erhellt, dass die Gottes-Idee nur eine geahnte, aber wohl nie eine ganz begriffene werden kann, weil unüberschreitbare Grenzen im Denk- und Fassungsvermögen dieselbe beschränken.

 

Wenn sich nun die Idee eines Gottes festgestellt hat, so ist natürlich die zweite Frage: welche Eigenschaften hat Er oder wird er wohl haben, soweit selbe den geschaffenen Wesen begreifbar und fassbar sind und soweit selbe in der sichtbaren Materie sich überall ausgedrückt finden?

 

Nun, hier stoßen die aufmerksamen Beobachter bei ihrem Forschen überall auf eine gewisse väterliche Fürsorge, welche alles bedacht, alles so geordnet hat, dass neben dem Bedürfnis des Hungers die Sättigungsmittel neben der Furcht vor Gefahr die Rettungsmittel sich vorfinden, was ganz natürlich auf die Eigenschaften hinführt, wie selbst der Mensch in seinem engeren Beisammenleben sowohl als wie auch im Tierleben die väterliche Vorsorge vorfindet, deren Grundbasis eben keine andere sein kann als `Liebe`, d.h. Liebe zu seinen Kindern, die bei einem Schöpfer des Universums als Liebe zu allem Erschaffenen ebenfalls ihren Ausdruck findet und da sein musste, ehe selbst die Welten erschaffen wurden, da der Gedanke des Erschaffens doch dem Akte selbst vorausgehen musste. Nun sind wir wieder bei dem eigentlichen Worte `Liebe` angekommen, welches der Zweck dieser Belehrung sein soll.

 

Die Frage ist also: `Wie ist denn diese Liebe beschaffen, welche das ganze sicht- und unsichtbare Reich des Wesenden erschaffen konnte und zwar so, wie wir die materielle Schöpfung sehen und die geistige teilweise ahnen?`

 

Diese Liebe also euch zu erklären muss Ich aus Beispielen der sichtbaren Natur oder aus dem Materiellen das Geistige erklären, damit es euch fasslicher wird und ihr euch leichter auf diesen Standpunkt erheben könnet, von wo aus diese große Übersicht über alles Geschaffene möglich ist.

 

Wenn ihr die Natur betrachtet, so wird euch die Ordnung auffallen, dass nirgends ein Sprung, sondern überall nur ein sanfter Übergang von Stufe zu Stufe, von einem Ding zum andern ist und dieses allein schon beweist euch den ersten Hauptpunkt der Liebe, wo sie sich zeigt, das heißt: die Sanftmut! –

 

Die Liebe, die mit der Weisheit verbunden ein ewiges Fortschreiten, ein ewiges Steigen von Gefühl zu Gefühl bedingt, diese Liebe will, eben weil sie eine allgemeine, allumfassende ist, dass jeder Übergang ein sanfter sei; weil Liebe nur liebend den Weg zum Fortschritt bezeichnet und höchstens strengrichterlicher Ernst große Gegensätze aneinander reihen würde, um seinen Zweck (vermeintlich) zu erreichen.

 

So entwickelten sich die Welten nach und nach aus der Dunstform bis zum festen Körper und bis zum Aufenthalte lebender Wesen. -  Wenn ihr auch auf eurer Erde selbst die Spuren großer Revolutionen der Massen auffinden könntet, so sind diese Revolutionen doch nur nach und nach vorbereitet worden, so zwar, dass selbst die letzte große Umwälzungs-Epoche nicht so fürchterlich war, als es euch scheint.

 

Selbst bei dem wie grausam scheinenden Tode mancher Tiere, die anderen zur Nahrung dienen müssen, ist der Tod nicht so grausam wie ihr es glaubt, erstens weil das Tier den Tod selbst nicht kennt, sondern nur dem Schmerz entfliehen will und zweitens, weil bis zum Aufzehren schon Bewusstlosigkeit eingetreten ist. Ja, manche Tiere haben selbst in ihren Zerstörungswaffen eine Art Gift, aber nur für ihre Beute, die selbe bei erster Berührung schon bewusstlos macht, wo der Verlauf des Aufgehens in andere Organismen dann willen- und schmerzlos vorübergeht (trotz erscheinlich schmerzhafter Zuckungen).

 

Sanftmut ist ein großes Prinzip der Liebe, weil Liebe nichts Böses, nichts Hartes will und deswegen könnet ihr selbst in anderen Gegenständen bemerken, wie z. B. in den Farben des Regenbogens dieselben sanft ineinander übergehen, wie die Töne der Harmonie sich sanft verschmelzen, das Herz und das Gefühl langsam von Stufe zu Stufe höher ziehend – und wie eurem Einschlafen, selbst der Tod bei dem sich selbstbewusstem Menschen langsam denselben ins Geisterreich hinüber führt, wo er seine Laufbahn als Geist so antreten wird, wie er selbe als Mensch geendet hat.

 

Dieser Sanftmut ist aber noch beigesellt die (Liebe-) Sorge für das geistige und leibliche Wohl, wodurch gesorgt ist, dass das Tier instinktiv seine Nahrung findet, die zugleich als Vorbereitung zu seinem Übergange in höhere Stufen dient. Bei dem Menschen sind es seine Vernunft und sein Verstand, die ihm erfinden und entdecken helfen, was zu seinem zeitlichen Leben nötig ist, damit er sich dann mehr dem Geistigen hingeben könne.

 

Die Liebe hat neben diesen Eigenschaften auch noch die Eigenschaft der Beständigkeit. Alles, was die Liebe schuf, schuf sie so, dass der Akt des Schaffens nur einmal nötig war und später die Erhaltung dessen bedingt schon in den Keimen lag, welche jedes Ding oder Wesen als das charakterisierte, was es sein oder einst werden sollte! –

 

So sehet ihr in der ganzen Schöpfung, wohin immer euer Auge blickt oder euer forschender Geist dringt, dass Liebe der erste Grundgedanke und zwar Liebe für alles im gleichen Maße war, welche den großen  Welten-Sonnen ihre Bahn ebenso gut bezeichnete wie dem kleinsten Wurme seine Wege, welche er durchlaufen muss, um als Wurm seine Mission zu erfüllen und als Nährmittel einem anderen Tiere zu seinem Bestande als Grundlage zu dienen.

 

So ist Meine Liebe eine allgemeine, eine allumfassende, sie kennt keinen Unterschied, kein Rang- und Geburts-Verhältnis, gerade entgegengesetzt euren Ansichten. Meine Liebe schuf Welten und Wesen, nicht aber, um über sie zu herrschen, der Herrsch-Gedanke lag Mir ferne, sondern Meine Liebe schuf Wesen, um von diesen Wesen ihre eigene Liebe – je nach dem Maße der Einsicht – wieder zurück zu erhalten.

 

Meine Liebe schuf alles, um aus dem Erschaffenen durch Erkenntnis desselben den mit Geist begabter Menschen ihre Liebe wieder zu gewinnen, damit sie auf allen Welten und Sonnen durch das Geschaffene den Schöpfer vorerst erkennen und dann Ihn lieben lernen sollen, da die Liebe nur Gegenliebe, nicht aber sklavisches Beugen vor der Macht will.

 

Meine Liebe schuf alle Geister und Menschen frei, mit freiem Willen, weil ungezwungen sie zurückkehren sollten zu Mir, von Dem sie ausgegangen waren. –

 

Meine Liebe hält daher auch das Banner der Sanftmut und der Duldung fest, weil eben, was frei geschaffen wurde, auch irren kann; allein eben durch das Fehlen kann und muss es erst seine eigene Würde selbständig wieder gewinnen, da die Liebe als Gottes-Geist nur vergeistigte selbständige Wesen um Sich haben will, die sich ihren Sieg errungen haben, denen nicht im Schlafe alle Seligkeiten zuteil werden sollten, ohne Mühe und ohne Kampf (und somit auch ohne Sieges-Bewusstsein).

 

So war und ist Meine Liebe die Liebe eines Vaters, der Seine Kinder liebt, ihnen aber auch verzeiht, wenn sie unwissend oft gegen die Gesetze ihres liebenden Vaters fehlten. –

 

Dieses alles ließ Ich euch schreiben, damit ihr von eurem Kastengeiste abweichen sollet und nicht jeder glaube, er sei etwas Besseres als ein anderer, dem Geburt und Verhältnisse eine untergeordnete Stellung eingeräumt haben. –

 

Mich als Gott kann man nur dann von ganzem Herzen lieben, wenn man meine Eigenschaften begriffen und in Meiner sichtbaren Natur nur diejenigen Eigenschaften ausgedrückt findet, die eines Gottes würdig sind.

 

Nur dann kann der Mensch Gott über alles lieben, wenn er erfasst hat, wie hoch Gott über alles Geschaffene erhaben eben jene  Eigenschaften repräsentiert, die den höchsten Geistesadel ausmachen und wo ein stetes Annähern wohl, aber ein Erreichen nie möglich ist.

 

Was die Nächstenliebe betrifft, so entspringt selbe vorerst aus der Gottesliebe und führt ebenfalls wieder zur ersteren zurück; denn nur wer – erstens den Begriff `wer sein Nächster ist` und zweitens – wie weit die Selbstliebe als Maßstab zur Nächstenliebe dienen soll – ganz aufgefasst, nur der kann sodann den Nächsten wie sich selbst lieben und indirekt durch diese Liebe seinem Gott beweisen, dass er die Gesetze der Liebe begriffen und eben Gott zu Liebe die Nächstenliebe im vollsten Maße frei ausüben will. - *)

*) Siehe auch linke Randspalte unter „Texte der Neuoffenbarung zu…“, Thema „Die Liebesgebote Jesu“

 

Schon oben habe Ich euch gezeigt, wie Herrschgedanken Mir stets fern waren und sind und eben dieser Nachweis führt zur Nächstenliebe, denn wenn ihr alle Menschen als Brüder und Schwestern erkennt, wie Ich selbe als Meine Kinder betrachte, nur dann tritt auch in euren Herzen die Sanftmut und Duldung auf, indem ihr erstens die Fehler anderer leichter beurteilet und zweitens – indem ihr dem Nächsten nichts als nur Gutes erweisen wollet, denn Liebe im Großen wie im Einzelnen will nur beglücken und nie beschämen, wenn sie auch das Recht dazu hätte.

 

So muss die Nächstenliebe die Leiter sein, auf welcher der Mensch emporklimmend zur Gottesliebe gelangt, wie es Gott als Herr des Weltalls verdient und auch verlangen kann, um so mehr, da selbst auf eurer kleinen Erde geschichtliche Beweise vorliegen, was Er persönlich für euch Menschen sowohl, als wie für Sein ganzes Geisterreich getan hat.

 

Zu dieser Liebe müsset ihr euch alle aufschwingen können, zu der Ich euch während Meines Lebenswandels Beweise genug geliefert habe, wie selbe allgemein, die ganze Menschheit umfassend, keinen über und keinen unter Mir erkannte, sondern allen alles sein wollte, Vater, Bruder, Sohn! –

 

So müsset ihr die Worte verstehen, wo Ich sagte: `Liebet auch eure Feinde`, - oder: `wenn jemand von euch den Rock will, dem gebet auch den Mantel` - oder wie Ich noch am Kreuze rief: `Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!`

 

Diese allgemeine Liebe gegen (für) alles Erschaffene muss euch durchglühen, wollet ihr Meine Kinder werden und eure Selbstliebe, die als Maßstab der Nächstenliebe von Mir hingestellt ist, soll so eingerichtet sein, dass ihr für euch selbst nichts wollet, als was gerecht und eure menschliche Würde nicht verletzt, denn nur das Gute sollet ihr dem Nächsten angedeihen lassen, nicht aber eine Affenliebe für den Körper z.B. auch auf andere übertragen wollen, was der Fehler von so vielen Müttern ist, welche dadurch ihre Kinder verziehen und betören und nur schlechtes statt gutes damit anrichten.

 

Erhaben über alle kleinen Rang- und Geburtsunterschiede, erhaben über alle menschlichen Schwächen, - der Meinigen gleich, soll eure Liebe stets nur darauf bedacht sein, Gutes zu tun, leiden zu lindern, zu trösten und zu helfen, ebenso wie Ich – neben Meinem großen Geisterreiche und den Weltkomplexen – nicht das kleinste Tier vergesse, sondern der nämliche Schöpfer und liebende Vater dem größten Engelsgeiste und dem kleinsten Wurme bin.

 

So, erhaben über die menschlichen Vorurteile, soll eure Liebe Grad für Grad zu Mir empor steigen, euren eigenen Geist und eure Seele veredelnd, die Nächstenliebe im rein geistigen Sinne ausüben; denn so ausgeübt ist sie die wahre Gottesliebe, wie sie von allen gefühlt und aufgefasst werden sollte. –

 

Wohl gibt es Augenblicke in eurem Prüfungsleben, wo ihr einen Strahl jener kosmopolitischen Liebe fühlet, jedoch nur auf kurze Zeit, wenn ein großer Gedanke des allgemeinen Wohles der Menschheit euch durchzuckt – und so manche angenehme Stunde verlebet ihr, wenn ihr, nachdem ihr einen geliebten Gegenstand gefunden, selbem alles geben wollet, Blut und Leben, wo ihr eure ganze Habe zu seinen Füßen legen möchtet, nur um mit einem Liebesblicke dafür belohnt zu werden!

 

Sehet, solchen Wonne-Momenten liegt diese große Liebe zu Grunde, die Mich bewog, das große Universum zu schaffen, es mit liebe- und lebenfühlenden Wesen zu bevölkern, die aber ebenfalls – aus Liebe erschaffen – nur durch das Band der Liebe einander entgegenkommen und aneinander gekettet sein sollen.

 

Solche Momente sind Strahlen jener Nächstenliebe, wie Ich sie gegen (für) alles fühle, wie sie nie wankt und stets die gleiche ist, weil eben Derjenige, der wahrhaft und geistig liebt, wie Ich, auch Mir ebenfalls Mein Bruder, Mein Nächster ist!

 

Die Innigkeit solcher Liebe ist es nur, die euch zu erhalten schwer fällt, weil stets wieder irdische, soziale Verhältnisse euren geistigen Blick trüben und daher gelingt es euch nur auf Momente, Gefühle festzuhalten, die einst ganz in euer Herz gelegt waren, um dort bleibend Wohnung zu nehmen. –

 

Der Mensch, wie Ich ihn schuf, war ein ganz anderer als wie ihr jetzt seid ,– ihm gehorchte die ganze Natur, er kannte bloß das Regiment der Liebe und Hass sollte ferne von ihm bleiben, allein ein Gebot stellte Ich ihm als Probe seines Gehorsames und dieses eine Gebot, er hielt es nicht, verjagte sich selbst aus dem Paradiese der allgemeinen Liebe und musste sich dann zumeist nur mit der geschlechtlich sinnlichen Liebe zufrieden stellen, welche ihn nach und nach so herabzog, dass er auf den Standpunkt herunterkam, auf dem ihr jetzt ihn sehet, wo er schon alles Heilige, alles Geistige abgestreift, nur mehr den tierischen Bedürfnissen als den geistigen seines Ichs nachjagt. –

 

Und was wird er in der andern Welt sein, wenn er diese verlassen muss? – Die Antwort ist sehr leicht und heißt:

 

`Das, zu was er sich hier gemacht hat!`

 

Deswegen `erhebet euch!` - Manche von euch stehen schon am Rande ihres Lebens, - kurz ist die Zeit, die noch übrig bleibt zu verbessern, was Jahre vergeudet haben, - die Zeit, sie steht nicht still, sie flieht, mit jedem Pulsschlag geht eine Sekunde in die Ewigkeit hinüber, von wo sie nimmer zurückkehrt und euch auch nie mehr zurückbringt, was ihr in dieser Minute oder Sekunde getan oder versäumt habt! – Beachtet es wohl, es sind gewichtige Worte die Ich zu euch rede, - erhebet euch von euren angeborenen Irrtümern der Ungleichheit, des Rangstreites und des Herrschenwollens: erhebet euch auf den Standpunkt, wo Ich stehe als Meister, umgeben von seligen Engelsgeistern, die alle Mich preisen, Mich lieben und Mir Hosianna singen, eben weil Ich Der bin, der Ich sein muss, d.h. der liebende Vater, Der nur aus Liebe Welt und Geisterreich geschaffen hat, um Liebe wieder zu ernten, aber nicht einseitige Liebe, auch nicht bloß in einzelnen Momenten der Begeisterung, sondern stete, konstante Liebe, die stets Meine eigene als Ideal im Auge hat und so sich Meinem Throne nähern kann, wo – wie Ich einst sagte – Seligkeiten für jene aufbewahrt sind, die keines Menschen Auge je gesehen, noch keines Menschen Ohr je gehört hat.

 

Dies ist der Zweck dieses Wortes, euch aus eurem Taumel zu wecken, damit ihr nicht glaubet, wenn ihr etwa einem Armen von eurem Überflusse gegeben, ihr dann schon weiß Gott was für ein großes Opfer gebracht habt; dieses ist noch lange keine Nächsten- noch Gottes-Liebe.

 

Meine Nächsten-Liebe steht noch bei weitem höher, denn sie dehnt sich auch auf die unter Mir stehenden nichtvernünftigen Wesen aus.

 

Seid gegen Tiere eben so sanft und geduldig wie gegen eure Nächsten, denn wisset, dort, wo keine polizeilichen Gesetze euch verfolgen, dort, wo ihr frei und ohne Zwang handeln könnet, dort zeigt sich, wes Geistes Kinder ihr seid!

 

Gegen die Gesetze der Regierung sündigt ihr nicht, weil ihr die plötzliche Strafe fürchtet, aber gegen Meine Liebesgesetze waget ihr hundert- und tausendmal zu sündigen, weil ihr Mich nicht sehet, weil Ich nicht gleich als strafender Richter auftrete und euch züchtige, eben weil Ich der Gott der Liebe bin und nicht der des Zornes. Aber am meisten strafet ihr euch durch solches Gebahren selbst, indem ihr eure Seele und euren Geist in den Schlamm der Leidenschaften herunterziehet und euch oft unvernünftigen Tieren gleich stellet, während ihr doch mit ganz andern Eigenschaften ausgerüstet, als Herr der sichtbaren Welt anders euch benehmen solltet, um auch würdige Bürger Meiner geistigen Welt und nebenbei noch Meine Kinder zu werden.

 

Letzteres ist nicht so leicht erkauft wie ihr glaubet, dazu gehört, wie Ich es Selbst gezeigt habe, Aufopferungssinn, ein großes Humanitäts-Gefühl und ein steter Hinblick auf Den, Der euch dieses und schon vieles gab, um euch zu dem zu stempeln, was ihr doch alle gern sein und werden möchtet, d.h. Meine Kinder!

 

Soll Ich aber jemandem diesen Titel verleihen, so muss er doch wenigstens teilweise Meine Eigenschaften anstreben und sich selbe zu eigen machen, so viel es ihm während seiner kurzen Lebensreife möglich ist, damit Ich dann, wenn er im Geisterreiche angekommen, ihm hilfreiche Hand bieten und das weitere Fortschreiten möglich machen kann. –

 

Gesetze der Liebe habe Ich eingesetzt in der ganzen Welt, nach welchen alles geschaffen wurde, alles besteht, sich erhält und vervollkommnet, Gesetze der Liebe sind es, die die Grundbasis aller geistigen Wesen sind und Gesetze der Liebe sind es, welche euch Menschen veredeln, vergeistigen und Mir näher führen können. Diese Gesetze sind unwandelbar, wie Ich Selbst. Wer dagegen fehlt, straft sich nur selbst, indem er sich das Vorwärtsschreiten erschwert, in Verhältnisse kommt, die nicht immer die angenehmsten sind und ebendeswegen will Ich als liebender Vater euch im Voraus den Weg zeigen und so euch manche Mühe und Arbeit ersparen, damit euch diese Gesetze keine Zwangsgesetze werden sollen, sondern damit ihr spielend und genießend den Pfad gehen sollet, den Ich allen bestimmt habe, die Mich, Meine Schöpfung und Meine Liebes-Gesetze begreifen und auffassen gelernt haben! Amen!“

(Gottfried Mayerhofer, „Die Liebe“, “Lebensgarten“)

 

 

3. Wie soll man lieben?

 

Ja, so schreibe denn auch du Mein liebes Kind.

 

Die Liebe ist der hellleuchtende Stern, der die Weisen aus dem Morgenlande zu Meiner Krippe führte, bei Meiner damaligen Darniederkunft auf diese Erde.

 

Um euch zu Meinen Kindern zu machen, litt Ich den schmählichsten Kreuzestod, was noch nie ein Sterblicher in solcher Art litt und fühlte. – Auch jetzt noch immer leide Ich, was nur ein göttlicher Vater, dessen Herz voll von Liebesflammen ist, leiden kann.

 

Ich beleuchte mit Meiner Liebe Meinen Kindern den Weg zu dem heiligsten Vaterherzen – aber kaum angefacht in euren Herzen, ist dieses Lichtlein schon erloschen und kann zu keinem funkelnden Sterne heranwachsen, damit es auch anderen den Weg zu Meinem liebenden Vaterherzen beleuchte.

 

Liebe du Mich immer mehr und mehr!, damit auch du fühlen kannst, wie süß es ist, in der Liebe des liebenden Vaters zu leben und du dann auch mit Johannes an Meiner Brust ruhen kannst, wo keine Glückseligkeit jene Wonne überwiegt.

 

Lasse nicht ab von Mir, denn der weltlichen Leiden bin Ich wert, also gehe mutig vorwärts! Hänge nicht mit anderen den Kopf, betrübe dich nicht in deinem Herzen, lasse alle Sorgen, ja, du überlasse alles Mir! Ich bin der Überwinder der Hölle und ihrer Macht und als Überwinder glorreich auferstanden. Es triumphierte Meine Liebeslehre, wieder muss sie neu auftauchen in allem Gewühle der Welt. Keine Macht wird sie mehr unterdrücken können sowie auch jene, die auf diesem Wege sind.

 

Lasse nicht ab und sprich mit Mir die Worte am Kreuze, bei Leiden und Verfolgungen: `Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.` - Lese in deinem Herzen in inhaltsschweren Worte: `die Liebe überwindet alles!`

 

Mit großen und feurig-goldenen Buchstaben grabet sie in euer Herz: `zu lieben Mich über alles, dann alle übrigen gleich wie Brüder und Schwestern zu lieben – ist eure Pflicht!`

 

Nicht diese eure Söhne und Töchter, welche Ich euch auf dieser Erde zur Aufbewahrung, bis Ich sie wieder abberufe, anvertraut habe – sollen eure Affenliebe im Herzen sein, welche, sobald eine Gewitterwolke darüberhängt, auch gleich schwindet und das Mutterherz dann keinen ruhigen Augenblick finden kann und noch weniger Zeit gewinnt, sich an Mich zu klammern, um alle rauschenden Meereswogen mit ruhigem Gemüte ansehen zu können; wie es doch bei vielen in euren und einigen auch in eurer kleinwinzigen Gesellschaft sich zeigt, wo es heißt: `Ja, es sind doch Meine Angehörigen, Gott gab sie mir ja!`- O ja, Gott gab sie euch zur Freude der Welt, aber dazu nicht, um sie mit der ganzen Hast eures Herzens zu überschütten, wo das Herz nur der Thron Meiner Freude sein und aus solcher Liebe der Segen in die Liebe zu euren Kindern überfließen sollte! –

 

Das sagt euer liebevollster Vater, welcher mit traurigem Herzen eurer Torheit zusehen muss und nicht als Familienvater wohlerzogener Kinder sich erfreuen kann! Amen.“

(E.M.M., „Wie soll man lieben?“, „Lebensgarten“)

Siehe auch linke Randspalte unter „Texte der Neuoffenbarung zu…“, Thema „Über die Erziehung unserer Kinder“

 


4. Liebe mit Weisheit

 

Mein liebes Kind, du hast schon wieder Worte der Liebe und des festen Glaubens an Meinen Schreiber (Gottfried Mayerhofer), deinen geistigen Führer, gerichtet, und wie du sagst, dass Meine Worte durch das Herz und die Feder desselben dir zufließen, ebenso strömt auch dein Gebet durch ihn zu Mir wieder zurück. –

 

Liebe du nur so fort!, glaube und vertraue auf Meine Hilfe, sie wird dir dann nie fehlen.

 

Wenn du nicht so lieben kannst wie du möchtest, so ist dies eben die Eigenschaft der unbegrenzten Liebe. Siehe, hätte Ich der Liebe durch die Weisheit keine Schranken gesetzt, so wäre keine Schöpfung, kein anderes lebendes Wesen vorhanden, denn die Liebe würde die sich Liebenden so aneinander reißen oder drängen, dass dann ein sanftes Anziehen, eine sanfte, erwärmende Glut eines wonnevollen Seins gar nicht möglich wäre, es wäre ein Aneinanderdrängen, ein an sich reißen, welches nicht ein ewiges Leben, sondern eine ewige Vernichtung zum Resultat hätte.

 

So aber habe Ich der Liebe ihre weisen Schranken gesetzt, sie durch Leibeshüllen getrennt, wo zwar eine immerwährende Vereinigung angestrebt werden kann, die aber nie ganz möglich ist und zwar aus gutem Grunde, weil der Erfolg davon gerade das Entgegengesetzte wäre, was sie beabsichtigen wollte. –

 

Siehe, Ich will menschlich mit dir reden – was glaubst du wohl, was seliger ist, eine Umarmung zweier liebender Herzen öfter wiederholen zu können, wo das eine voll Liebe brennende Herz wonnevoll die Pulsschläge des andern fühlt, wo dann die vereinten Seelen sich geistig im Blick begegnen und diesen seligen Genuss wiederholen können, so oft sie wollen – oder aber eine Umarmung ohne Grenzen, die, wenn sie auch ewig dauerte, doch nie eine Sättigung hervorbringen würde, dessen was die liebende Seele eigentlich will, denn sie will lieben und lieben, und eben dieser unbegrenzte Drang würde, statt sie zu erhalten, sie nur verzehren.

 

Daher siehe, Meine liebe Tochter, habe Ich die Materie oder geistig die Form dazwischen geschoben, dass sie die Vermittlerin und beruhigende Gewalt sei, welche dem Drängen der Liebe zwar Schranken setzt, aber dadurch ihr Erhalter und Förderer wird.

 

Nur so kann eine Welt, ein Fortbestehen des Geschaffenen, erreicht werden, denn in allem liegt der ewige Drang der Vereinigung oder das stets Anziehen des Gleichgesinnten. Dieses ist der große Impuls, der Welten an Welten, Wesen an Wesen, Herzen an Herzen fesselt, ja selbst die scheinbar leblose Materie hat ihre Assimilations-Gesetze (Verbindungsgesetze).

 

Das Ringen vom untersten Atome materieller Substanz bis zum Liebes-Drängen des höchsten Engels in Meiner Nähe – ist nur ein und dasselbe, ist nichts als die durch Weisheit in entsprechenden Schranken gehaltene Liebe.

 

Wäre dieser Drang nicht oder würde er seine Befriedigung so leicht erreichen können, was und wo wäre eine Welt, wo eine Schöpfung und wo der Zweck, selbst eines Schöpfers, Dinge und Wesen zu erschaffen, die statt ewig sich zu erhalten, aus (Über-)Liebe sich zerstören würden!

 

Du siehst also, Mein Kind, aus dem, was Ich dir bisher gesagt habe, dass der Damm, den du in dir fühlst, nicht dein Fleisch oder eine noch nicht gereinigte Seele oder ihre noch unvollkommene Vereinigung mit dem Geist ist, sondern dass dein himmlischer Vater eben durch diese materiellen Schranken eine unendliche große Stufenleiter dir zeigt, auf welcher du zwar stets aufwärts steigen kannst und so der Liebe Wonne mehr und mehr fühlen und ertragen lernen wirst, aber zu einer (absoluten) Sättigung wird es nie kommen, das wäre dein Tod und nicht dein Leben!

 

Daher liebe! – und liebe so stark du kannst – Mich, ja liebe Mich in deinen Nächsten, als geistige Brüder und Schwestern und liebe Mich in Meiner Natur, denn auch die für eure Augen anscheinend leblosen Gegenstände sind doch auch nur Produkte der Liebe, Produkte einer göttlichen Liebe, die – wäre sie nicht, was sie wirklich ist – sie nicht solche Gefühle in dein Herz legen könnte, welche dich oft beschleichen als eine Ahnung aus einer höheren Welt, wenn du z.B. die Schönheiten eines Blümchens siehst oder den sanften Klang einer flötenden Nachtigall vernimmst; überall ist es die nämliche Stimme, die dem Vogel seine Liebesseufzer und dir deine Liebesworte verleiht.

 

Bleibe du nur auf dem Wege den du jetzt betreten hast, er führt dich zu Mir, er wird dir die Liebe, die jetzt noch wie ein süßes Ahnen dich umfasst, in größeren deutlicheren Formen zeigen – je mehr du liebst, d.h. geistig liebst, desto mehr wird sich die Welt für dich verschönern und desto mehr wirst du erfahren, dass nur ein liebend Herz dazu gehört, um auch – wie Ich Selbst es tue – die Fehler, Leidenschaften, ja selbst Verbrechen der Menschen mit dem Schleier der Liebe zu verdecken, statt Zorn, Ärger und Verachtung nur Mitleid fühlend, dem ersten reuigen Sünder oder Sünderin, mit Tränen der Teilnahme im Auge, die Schwesterhand zur Hilfe reichen.

 

Schon bist du auf dem Wege, ein wahres geistiges Kind Meiner Liebe zu werden – schon blüht diese Blume der Toleranz in deinem vielgeprüften Herzen – schon leuchtet das Licht der christlichen Duldung aus deinen Handlungen heraus – noch hast du zwar zu kämpfen mit den Leiden deines Körpers – doch Geduld, auch dieses wird sich heben, es wird auch für dich der Tag anbrechen, wo du zu Meinen Füßen in Wonne vergehen möchtest, ob des Dankes und der Gnade, die Ich dir angedeihen ließ und es wird sich dann eine neue Lebensbahn für dich eröffnen, denn du wirst immer mehr und mehr erkennen, dass in der Ausübung der Nächstenliebe der eigentliche Weg zu Meinem Herzen ist.

 

Je mehr du anderen hilfst, desto mehr wird dir (von Mir) selbst geholfen sein. Dann findet die Liebe ihre eigentliche Beschäftigung, ihren eigentlichen Wirkungskreis, dann wirkest du im Kleinen wie Ich im Großen und erhaben über die Kleinlichkeiten des menschlichen Lebens, erhaben über die Fehler deiner verirrten Mitmenschen – wird sich dir ein Himmel voll Wonne und Seligkeit auftun, der dir dann erst ganz zeigen wird, wie wohlweislich und klug es von Mir ist, der Liebe Schranken zu setzen, weil sie nur so eine Lebens- und Wärme-Verbreiterin statt eine zerstörende Macht geworden ist.

 

Jetzt habt ihr wieder ein Wort von Mir, das euch stärken, trösten und leiten solle. Folget nur Meinen väterlichen Mahnungen und dem Drange eures Herzens und ihr werdet den Vater und Seine Liebe bei allem, was ihr unternehmen wollet, mit im Spiele finden.

 

Wie Meine Hand, als die Allmächtige, überall eingreift – und auch eingreifen muss, so lenkt sie auch die Schicksale der Welten, Geister und Menschen und führt sie alle an das gemeinschaftliche Ziel, an das Ziel einer einstigen Vereinigung in der Liebe, als dem Bande, welches alles umschlingt und auch eure Herzen an Mich, euren himmlischen Vater, gezogen hat, Der euch auch hier den Segen gibt. Amen.“

(Gottfried Mayerhofer, „Liebe mit Weisheit“, „Lebensgarten“)

 

 

5. Weiteres über die Liebe

 

Liebe Tochter!, nachdem Ich ja so weiß, dass du nur Meine Worte vernehmen willst, so will Ich denn, statt Meinem Schreiber (Gottfried Mayerhofer) auf deine Zeilen antworten (und) durch Meine Antwort dich Mir näher bringen.

 

So höre denn: Liebes Kind, du hast ganz recht, wenn du anfängst, in der ganzen Natur, ja in allem nur Mich zu suchen und Meine Liebe zu sehen, aus welch letzterer alles hervorgegangen ist.

 

Je mehr du liebst, je höher steigst du!, je mehr öffnen sich dir die Geheimnisse Meiner Schöpfung und Meines Wesens selbst.

 

Wenn du sagst, dass du das Wort: `Niemand ist gut als der alleinige Gott`- jetzt erst verstanden hast, so beweiset dieses zur Genüge, dass du auch begriffen hast, in wie fern alles Geschaffene Gutes enthält, weil es von Mir kommt, ein Ausfluss von Mir ist und ebendeswegen nicht anders sein kann als wie Ich selbst bin, d.h.: gut!`

 

Der Missbrauch ist es ja nur, welcher alle Dinge zu Feinden des Menschen machen kann; wenn selbe gleich nur zu seinem Besten geschaffen wurden.

 

Fahre fort, Mein Kind, in allem nur Mich und Meine Liebe als Ausdruck in der sicht- und unsichtbaren Welt zu verstehen und es werden dir dann alle Meine Führungen und Anordnungen stets klarer, stets deutlicher werden, du wirst, die große Verkettung alles Geschaffenen erkennend, stets mehr einsehen: `ohne Liebe gibt es kein Leben und ohne Leben keinen Fortschritt!`

 

Leise und sanft habe Ich in alles diesen Funken Meiner Liebe gelegt, und nur ein liebendes, sanftes, gutmütiges Herz kann deren Wirkung erschauen und in sich selbst verspüren; wärest du nicht auf diese Stufe des geistigen Lebens gebracht worden, die Natur mit all ihren Wundern wäre für dich ein stummes, unverständliches Buch geblieben.

 

So aber ließest du dich durch Mich erwecken, leiten, führen und schon begreifst du, wenn auch Meine Mittel nicht gerade die angenehmsten für dich waren, dass es doch nur eine liebende Hand war, die durch Leiden und Schmerzen, durch Duldungen und Verleugnungen hindurchführend – doch nur zu einem seligen Ziele – weit über alles Weltliche erhaben – dich führen wollte!

 

Und so bist du angelangt auf dem Punkte, wo wir uns Beide endlich verstehen, wo Meine Liebesworte dir keine Rätsel, keine Hieroglyphen mehr sind und wo in deinem Herzen die Flamme jetzt brennt, die in der ganzen Natur leuchtet, von der größten Zentralsonne angefangen bis zum kleinen Johanniswürmchen, - nämlich die Flamme der Liebe!

 

Ja, Mein Kind, liebe nur recht viel, recht stark – Mich deinen Vater, - umfasse Mich mit deiner ganzen Inbrunst, es ist ein Vaterherz, das dir entgegenschlägt, dessen Pulsation nichts anderes ist und sein kann, als Liebe und nur Liebe!

 

Vertraue auf Mich, - Ich, der Ich die Welten in ihrem bestimmten Kreise zur Vollendung treibe, - Ich, der Ich Millionen und Millionen Wesen alle den Liebeweg zu Mir, zu Meinen Himmeln führe, - siehe, Ich habe euch und alle Geister und Engel, statt sie durch Gesetze leitend, frei in Meine Schöpfung hinausgestellt, habe euch kein anderes Gebot als das der Liebe gegeben: denn Ich will freiwillige und nicht gezwungene Wesen um Mich haben, - und eben deswegen ist die Liebe dieses mächtige Band, das eingeflochten in alle Formen, in alle Lebensverhältnisse durch seinen sanften Trieb und Zwang die verwandten Elemente – seien es materielle oder geistige – zusammenführt, sie miteinander verbindet und Mir dann wieder als Ganzes zurückbringt, was Ich als Einzelnes in die Welt hinausgestellt habe.

 

So ist der einzelne Funke einer sehnsüchtigen Ahnung einer höheren geistigen Abstammung, der auch im kleinsten Geschaffenen lebt und webt, vereint mit seinen gleichverwandten Elementen – das ewige Lob und Liebe-Lied, was zu Mir emporsteigt, - wohl sich dessen gar nicht oder nur wenig bewusst, bis es – vom Menschen angefangen – durch alle geistigen Stufen weitergehend bis zum höchsten Engel in Meinen Himmeln – sich selbst bewusst als der eigentliche Liebefunke aufflammt, dort erst anfängt, eine Seligkeit zu fühlen in der Ausübung von Liebe in Liebeswerken.

 

So, Mein Kind, bist auch du nun angelangt an dem Punkte, wo der Vorhang vor dem großen Schöpfungsgeheimnisse sich dir gelüftet hat, wo der sanfte Strahl der göttlichen Liebe dein von Schmerzen durchfurchtes Herz mit balsamischer Wärme zum geistigen Leben brachte, - wo die große Lob-Hymne, die täglich aus der ganzen Schöpfung zu Mir herauf ertönt, dir verständlich ward; - und jetzt stimme nur ein, als bewusstes Wesen, als Mein Kind, in diesen Jubel aller Kreatur; - auch dein Lobgesang ist Balsam für Mein Vaterherz, das an dir eine Seele für Sich gewonnen, für Sich erzogen hat.

 

Fahre also fort in jeder Blume, in jedem Tierchen ein dir verwandtes Geschöpf zu sehen, - alle sind sie Ableger deines Vaters, - und wenn du dann auf einsamen Spaziergängen die sanfte Stimme Meiner Natur verstehen gelernt hast, wenn du die Mich unbewusst Liebenden schätzen lernest, - dann wird erst die Nächstenliebe zu deines Gleichen dir in ihrer ganzen Größe wahr und deutlich werden; dann wirst du den Vater erst in Seinen frei gegebenen Geistern erkennen und recht lieben lernen, - dann wirst du erst begreifen, warum Ich, als Gott, die Liebe, für euch und für Meine ganze Geisterwelt am Kreuze als Mensch den Todeskampf eurer Natur mit Standhaftigkeit ertrug und warum Ich eben in diesem höchsten Momente der Verlassenheit für Meine Feinde beten, und – nachdem Ich dieses getan – mit den Worten: `Es ist vollbracht!` den großen Gnadenakt schließen konnte.

 

Es liegt in allem was dich umgibt viel und tiefer Sinn; aber den Sinn und seine geistige Tiefe in diesem letzten Liebes- und Aufopferungsakte könnet ihr Kinder sowie die größten Geister nie ganz begreifen: welcher Grad von Liebe es sein muss, der einen allmächtigen Schöpfer zu solcher Erniedrigung bewegen konnte.

 

Daher liebe, Mein Kind!, liebe Mich mit aller Glut, mit aller Inbrunst! Liebe deinen Nächsten mit all deinen Kräften!

 

Gedenke – auch er ist Mein Ebenbild, verzeihe ihm seine Verirrungen, seine falschen Ansichten der Welt und seiner eigenen Wege.

 

Liebe den Nächsten, weil Ich ihn liebe!, und du sammelst Wonne und Seligkeit für dein eigen Herz, du streuest ähnliche Gefühle in andere Herzen und wenn nicht gleich eine Flamme dort aufzulodern beginnt, so glimmt es doch und dieser unter der Asche von weltlichen Leidenschaften verdeckte Funke wird durch Mich dann gehegt und zur Zeit schon angefacht werden. –

 

Siehe, Mein Kind, Ich habe dir einen Begleiter auf deiner Lebensbahn gegeben, - dein Mann war eher als du auf dem Wege zu Mir, begleite ihn und sei so mit ihm nur eine Flamme, die nämlich der gleichen Liebe, die Mir entgegen leuchtet, - gehet ihr beide, Meine lieben Kinder, ruhig den Weg fort, den Ich euch führen werde. Bis jetzt habe Ich euch nicht irre geführt und so habet Vertrauen! – Je mehr ihr lieben lernet, desto mehr wird euch Mein Segen verständlich werden, der Segen, der in eure Herzen einströmend, euch zum geistigen, ewigen Ziele führen wird, zu dem Ziele: Meine Kinder zu werden! -

 

Jetzt, denke Ich, werdet ihr die Liebe wieder etwas tiefer, geistiger und höher aufgefasst haben und noch gibt es eine weit höhere Bezeichnung dieses Funkens aus Meinem Herzen, - allein ebenso wenig, als ihr Mich in Meiner Herrlichkeit als Schöpfer eines Universums ertragen und dabei fortbestehen könnet, - ebenso wenig könnet ihr fassen das Wort und seine geistige Bedeutung, was es heißt: die Liebe eines Gottes! – ihr müsset euch begnügen mit der eines Vaters; die liegt nahe an eurem Herzen; die eines Gottes ist niemandem verständlich und kann selbst vom Engel, wie auch von euch nur geahnt werden! Amen.“

(Gottfried Mayerhofer, „Weiteres über die Liebe“, „Lebensgarten“)

 

 

6. Bruder-, Nächsten- und Menschenliebe

 

Hier hast du drei Worte, die im ersten Anblick als geistiger Begriff eigentlich alle das nämliche sagen, denn den Bruder aus der leiblichen Verwandtschaft sollet ihr nicht mehr lieben als den Nächsten und die Menschen im allgemeinen sollet ihr lieben wie eure Brüder!

 

Das ist so, wie Ich es in Meinen Evangelien, von dem Samaritaner und von der Nächsten- und Bruderliebe bei mehreren Gelegenheiten gesagt habe. –

 

Dass Ich diese drei Worte wählte ist nicht, um euch diese gleichbedeutende Liebe in allen drei Worten zu wiederholen, sondern um euch mehr daran zu erinnern, dass, obwohl zwischen allen drei Worten kein Unterschied in ihrer Auslegung und werktätigen Verwirklichung sein sollte, ihr leider Unterschiede machet und das oft zu Meinem Missfallen sehr bedeutende, indem ihr eure Kinder, Brüder und Schwestern und sonstige Verwandte mit Wohltaten und Geschenken überhäufet, während ihr euren armen Menschenbruder, der an eure Türe klopft, mit einigen schönen Worten oder ein paar Pfennigen abfertigt.

 

Das ist der Grund, warum Ich diese Worte wählte und Ich will euch dazu noch nebenbei beweisen, dass, wenn ihr bei euren Handlungen auf Dankbarkeit rechnen wollet, ihr eben bei den Verwandten im allgemeinen weit weniger Anerkennung eurer Freundschaftsdienste finden werdet, als bei ganz fremden Menschen.

 

Die Blutsverwandtschaft hat allerdings ein leichtes Band der Seelen, was die verschiedenen Abkömmlinge ein und desselben Familienhauptes geistig verbindet und es war in den ältesten Zeiten das innigste, wahrste und aufrichtigste Band; allein die Zeiten und die Menschen haben sich geändert und die jetzigen Menschen sind weit abgekommen von der Urquelle aller uninteressierten Liebe, mit der noch zu Adams Zeiten die Familien einander liebten, wo das Eigentum des einen auch Gemeingut für alle war.

 

Jetzt sind statt Herzensverhältnisse weltliche Interessenverhältnisse eingetreten, welche die Glieder einer Familie aneinander ketten und trennen.

 

Sehet nur die Töchter an, - sie, für die ihre Eltern seit ihrem ersten Atemzuge Ruhe und Glück aufgeopfert haben, um sie einst glücklich zu machen – wie belohnt nun häufig eine solche die oft und lange durchwachten Nächte einer Mutter? – Kaum reif verheiratet sie sich, wo sie mit ihrem Gefährten in neue Lebensverhältnisse tritt, da vergisst sie fast das väterliche Haus; die Liebe zu ihrem Manne und später zu ihren Kindern verdrängt alle die schönen Gefühle der Tochterliebe beinahe ganz und wären nicht vielleicht manchmal Erbschafts-Interessen, manche Tochter würde in vielen Fällen ihre Mutter und ihren Vater gänzlich verleugnen und sich gebärden, als wenn sie selbe nie gekannt hätte.

 

Beim Sohn ist die Sache ebenfalls so, nur mit dem Unterschiede, dass es bei ihm nicht die Liebe zu seinem Weibe, als mehr das Bewusstsein seiner Selbständigkeit ist, welche ihm dann den Gedanken einflüstert: jetzt brauche ich meine Eltern nicht mehr! Das ist, wenn nicht künftige Erbschaften oder dergl. ihn zu anderen Handlungen zwingen, meistens die Denkungsart der Söhne, so wie Ich früher die der Töchter geschildert habe.

 

Nun frage Ich aber: wer ist denn an allem Diesem eigentlich schuld? – Sehet, das sind die Eltern selbst, die ihren Kindern entweder mit schlechten Beispielen der Lieblosigkeit und des Undankes vorangegangen oder ihren Kindern statt einer Herzens-Erziehung nur die oberflächliche weltliche gaben, sie eine Masse von Sachen erlernen ließen, die zwar den Kopf beschäftigen, aber das Herz kalt und leer ließen oder als nicht für das praktische und Seelenleben tauglich, später wieder vergessen wurden.

 

Sehet nun, eben solche Kinder, die von ihren Eltern so erzogen wurden, werden dann auch ihre Kinder so erziehen und werden von ihren eigenen Kindern den Undank wieder zurückbezahlt erhalten, mit dem sie selbst ihren Eltern die durchwachten kummervollen Nächte und Sorgen vergolten haben.

 

Aus diesem Gesagten geht aber hervor, dass solche Kinder und Verwandte, die Geld- und Rangs-Interessen zusammengeführt haben wie der Herbstwind die Blätter von verschiedenen Bäumen zusammenweht, - eben solche, die durch keine Bande aneinander gebunden sind und wegen ihrer sozialen Stellung in der Welt glauben, eher dazu berechtigt zu sein Wohltaten mit Undank zu lohnen, als ein Freund oder ein fremder Bedrängter, dem ihr helfend wie ein Himmelsbote erscheint.

 

Der Letztere wird eure Tat stets im Andenken behalten, eurer stets segnend gedenken, während die Ersteren der Meinung sind, dass es wegen gleichen Namen und gleicher Abstammung, Pflicht und Schuldigkeit der Verwandtschaft ist, sie in Fällen der Not zu unterstützen, indem diese Verwandte mit ihren Unterstützungen nicht nur allein die Glieder ihrer Familie, sondern auch vor der Welt ihren eigenen Namen und Ehre gerettet haben.

 

So ist eure Bruder- und Schwesterliebe beschaffen und wenige Beispiele werden sich als Ausnahme davon finden, im Gegenteil aber viele, wo nicht die Liebe, sondern – was zwischen solchen Verwandten nie stattfinden sollte – nur Neid und Rachsucht als Hauptgründe das Handeln bestimmen. Jetzt habt ihr ein Bild eurer sozialen Bruderliebe, wie sie ist, wie sie aber nicht sein sollte.

 

Gehen wir nun zur Nächstenliebe über. Auch hier fehlen die Menschen ebenfalls bedeutend, weil sie zwischen Nächsten und Nächsten einen großen Unterschied machen, während sie Mein in der Bibel angeführtes Gleichnis vom Samariter als Grundbasis annehmen sollten. – Der Reiche hat im allgemeinen nur Mitgefühl mit dem Reichen, der Adelige oder Hochgestellte nur für die, welche mit ihm auf gleicher Stufe stehen.

 

Wenn ein Reicher aus übermäßiger Habsucht durch schlechte Spekulationen gänzlich verarmt oder durch verschwenderisches Leben das Seinige aufgezehrt hat, so tut es allen anderen Gleichbegüterten leid, sie unterstützen den Verarmten so viel als möglich, greifen ihm unter die Arme, damit er wieder wohlhabend wird und in seiner verkehrten Lebensweise wieder fortmachen oder standesgemäß leben kann, - wie sie sich ausdrücken – wie er früher gelebt, wo er nicht sein Brot im Schweiße des Angesichtes verdiente, sondern alles zu seinem Vorteil ausbeutete, was tausend andere mit schwerer Mühe verdienten, wobei er häufig die, die nicht so reich wie er waren, für Canaille (Gesindel) hielt, das nicht einer Beachtung wert ist.

 

So auch viele Adelige, die sich höher gestellt glauben, weil sie ohne ihr Zutun und ohne ihr Verdienst in besseren Verhältnissen geboren wurden. Ein Graf, ein Baron unterstützt den andern mit allen Mitteln, wenn vielleicht im Zufall beim Spiel oder auf sonstige Weise er sein – und oft auch von anderen ihm anvertrautes – Gut verprasst hat.

 

Für solche adelige Abenteurer hat gewöhnlich die ganze adelige Welt Sympathie und Mitleid, unterstützt das Laster mit Freuden, während dieselben dem vielleicht ohne sein Verschulden arm gewordenen Arbeitsmann die Türe vor der Nase zuschlagen und ihn nicht einmal zu Mir, sondern zu Meinem Gegner schicken.

 

Das ist die Nächstenliebe, wie sie in den höheren Klassen häufig genug ausgeübt wird, in jenen Klassen von Menschen, die auf Erziehung Anspruch machen und glauben, in ihren Adern fließe anderes Blut als in den Adern des Proletariers.

 

Wo noch eher Nächstenliebe anzutreffen, weil das Elend stets vor der Türe ist und das Herz nicht verhärten lässt, sondern es warm erhält – das ist in den unteren Klassen, dort lassen sich noch Beispiele einer – wie Ich sie nennen möchte - `christlicher Nächstenliebe` finden, obgleich auch selten, aber doch öfters als in den höheren Klassen, wo noch die Geburts- und Geld-Scheidewand für den verarmten Bürger oder Landmann ein unübersteigliches Hindernis ist. –

 

Jetzt komme Ich zur Menschenliebe. Da werden freilich viele fragen: `Was ist denn das für ein Ding? Lieben wir denn nicht den Menschen in unseren Verwandten und in den uns gleichgestellten Nächsten? Was sollen wir denn mit dieser Liebe anfangen? – Erstens ist sie ein Fantasiegemälde des Kosmopolitismus, der nur in schwärmerischen verrückten Köpfen spukt, zweitens – wollte Ich allen Menschen helfen, würde ich schon beim ersten Versuche bettelarm werden und den andern Menschen doch nicht bleibend geholfen haben.` -

 

So urteilt der größere Teil der Menschen, weil in ihnen keine höhere Idee je aufgetaucht ist als jene, zu der der Eigennutz und die Erhaltung des eigenen Interesses sie geführt hat. Der Haufe der Menschen, der keine Religion besitzt, keine höheren Ideen fassen kann um zu fühlen, dass alle Menschen, nach göttlichem Ebenbilde geschaffen, gleiche Rechte, aber auch gleiche Pflichten auf dieser Erde haben, der kann in seinen schmutzigen Lastern eingehüllt nicht begreifen, wie es eine Menschenliebe geben könne, die erhaben über Religionssekten, Nationalitäten, soziale Stellung und Farbe in jedem Menschen – weil begabt mit einem göttlichen Funken aus Mir – den Bruder erkennt.

 

Diese erhabenen Gefühle wachsen nicht in einer niedrigen, verkörperten*) Menschenseele, sie wachsen nicht im Sumpflande des Lasters und der egoistischen Leidenschaften, - nein, sie wachsen auf geistigen Höhen, wo reinere Lüfte wehen, die über die Welt und das in ihr Geistige, erhabenere Ansichten gewähren und wo angesichts eines allgütigen und allgnädigen Schöpfers, der alle Menschen Seine Kinder nennt, auch sie sagen können: Was unser Vater an kindesstatt angenommen, da dürfen wir uns nicht schämen, es mit der Bruder- und Nächstenliebe zu umarmen. –

*) im Gegensatz zu „vergeistigten“ Seelen

 

O dort hinauf in jene Räume des Friedens, wohin weltliche Leidenschaften sich nicht versteigen, wo stets Ruhe und Vergebung neben der Duldung der Fehler anderer ihren Wohnsitz haben, - dort hinauf dringen wenige von den Einwohnern dieser Erde. Dort oben erst tritt der Mensch in seine eigentliche Würde ein, dort gibt es keine unverzeihlichen Fehler, dort ist alles nur Verzeihung und auch der größte Bösewicht findet dort kein zürnendes, sondern nur ein erbarmendes Auge, keine Racheschwert, sondern Bruderhand eines ihm Gleichen, die ihn nicht fallen lassen, sondern zu sich ans Herz ziehen möchte.

 

Dort oben ist alles zusammengeschmolzen, die Bruder-, die Nächsten- und die Menschenliebe, und als erstes Beispiel und ausführbares Exempel stehe Ich allein da, als Schöpfer und Vater unter dem herrlichen Bilde des einstigen Zimmermanns-Sohnes.

 

Dort klimmet hinauf, Meine Kinder!, dort wird euer Herz, geläutert von allen Leidenschaften, erst den wahren Frieden und die wahre Ruhe finden. Dort findet ihr in und durch den Menschen den Vater, Bruder und Nächsten – in Mir und in eurem Nebenmenschen, - dort ist auch Verzeihung und Vergessen.

 

Der Hügel, wo die himmlische Aussicht ist, liegt hoch über allem Getriebe; dort weist kein Bruder den andern mit schönen Worten, sondern mit schönen Taten, als wahren Trost für sein Leiden, ab. Honig fließt dort in klaren Bächen aus dem Munde der vergeistigen Seelen und die Galle, als fremdartiges Element im menschlichen Körper, zum Ausscheiden des Guten vom Bösen in der eingenommenen Speise, fehlt dort ganz; denn es gibt da nichts Böses zum Ausscheiden, weil in der Sumpfebene des menschlichen Treibens alles Trübe und Schlechte zurückgeblieben ist. –

 

Ja, Meine Kinder, dort oben auf jener von sanften Engelslüften umspielten Höhe steht auch euer Vater und ruft euch zu: `Kommet hier herauf, Meine lieben Kinder!, hier ist Mein Wohnhaus, hier bekommt alles eine andere Ansicht! Von dieser Höhe könnet ihr nicht mehr das Hügelland von der Ebene unterscheiden, - hier scheint alles gerade und eben, was euch dort unter dem Gewühle aller Leidenschaften holperich und uneben erschienen ist!

 

Hier breitet eure Arme aus, werdet gleich Mir Väter der Bedrängten und Tröster der Unglücklichen und ihr werdet da durch diese drei Worte – sie ins wirkliche Leben übertragend – den höchsten Meiner Himmel in der Brust, alles andere Irdische nicht mehr mit materiellen Augen, nicht mit Missgunst und Neid, sondern mit Liebe und Barmherzigkeit erschauen, so wie Ich Selbst euere und alle anderen Welten beurteile, leite und richte. Ihr werdet da nicht mehr Menschen, sondern Halbgötter sein nach dem Bilde dessen, Der euch hier wieder einen jener größten Hochgenüsse in Aussicht gestellt hat, wenn ihr statt der Welt und ihren Lockungen – nur Seiner sanften Lehre und Seinem Beispiele folgen wollet.` Amen.“

(Gottfried Mayerhofer, „Bruder-, Nächsten- und Menschen-Liebe“, „Lebensgarten“)

 

Siehe auch unter „Themenregister“, Stichwort Liebe