„Mit den Augen des Fleisches nehmet ihr wahr Dinge außer euch; mit den Augen der Seele in euch, und mit den Augen des Geistes schauet ihr aus dem Zentrum der Dinge und so auch eures Wesens. Aber erst durch den Hinzutritt Meines Geistes werden alle Dinge sprachfähig und lebendig durch und durch.“ (1.Hi. Seite 55,12)

 


Das ganze Wesen des Menschen,

Geist, Seele und Leib

 

Gerd Kujoth

 

 

1. Die Dreiheit in der Einheit

2. Der Materieleib, eine Läuterungsmaschine

3. Der Nervengeist, ein Verbindungsglied

4. Die lebendige Seele

5. Was ist die Seele

6. Wo kommt die Seele her?

7. Die Seele ohne den Geist

8. Die Einfleischung der Seele

9. Der rein essenzielle, jenseitige Geist

10. Was ist der Geist des Menschen?

11. Wo kommt der Geist des Menschen her?                                              1

12. Der einst böse gewordene Geist kann erneut böse werden

13. Die Beschaffenheit des Menschen vor Jesus

14. Der Brennpunkt des göttlichen Wesens

15. Der reine Funke der Vaterliebe

16. Die Beschaffenheit eines Christenmenschen

17. Der Gottesgeist bleibt rein

18. Die Lebensvollendung

 

 

1. Die Dreiheit in der Einheit

 

Der Mensch besteht nicht nur aus seinem materiellen Leib, sondern er besteht vollständig, wie es Paulus an die Thessalonicher schrieb, aus Geist, Seele und Leib (1.Thess. 5,23). Was Paulus in diesem Brief über das Wesen des Menschen geschrieben hat, wird heute zumeist nicht mehr als wahr erkannt. Es wird in der Bibel aber auch nicht erklärt, was Geist, Seele und Leib sind und worin sie sich unterscheiden. In der Neuoffenbarung dagegen sind uns viele umfassende Aufschlüsse darüber geoffenbart worden.

 

Das Wesen des Menschen besteht aus einer Dreiheit, aus Geist, Seele und Leib, die nicht nebeneinander, sondern ineinander existieren, weshalb sie auch nur ein Mensch, nur eine Person sind.

 

Jesus sagt: „Siehe, der Mensch ist ganz nach dem Ebenmaße Gottes erschaffen, und wer sich selbst vollkommen kennen will, der muss wissen und in sich erkennen, dass er als ein und derselbe Mensch eigentlich auch aus drei Persönlichkeiten besteht!“ (8.GEJ 24,6)

 

Doch da wir Menschen nur unseren Leib sehen und anfassen können und keinen Beweis für die Existenz von Seele und Geist haben, können viele nur schwer oder auch gar nicht glauben, dass der Mensch mehr ist als nur der Leib. Seele und Geist halten sie nur für Funktionen des Körpers, als chemische Vorgänge in ihm, und da soll die Seele den Gefühlen und der Geist dem Verstand des Menschen entsprechen.

 

Aber Seele und Geist sind mehr als nur chemische Vorgänge des Körpers. Wer ein Nahtoderlebnis oder ein Out of Body-Erlebnis hatte, der weiß mit Sicherheit, dass er mit seinem Bewusstsein nicht sein Körper ist, weil er aus seinem Körper heraustrat und ihn schlafend oder ohne Bewusstsein da liegen gesehen hat. Sein Seelenleib, der heraustrat, war nicht etwas unsichtbares, denn auch diesen konnte er mit seinen Seelenaugen sehen mit allem, was dazugehört, mit Armen, Händen und Beinen. Wer das nicht erlebt hat, kann es nur denen, die es erlebt haben, glauben. Oder wir glauben es denen, welchen es von Gott geoffenbart worden ist, dass wir eine Seele und einen Geist haben oder besser gesagt, dass wir Seele und Geist sind und nur einen Körper haben, genauso wie wir ein Kleidungsstück anhaben und nicht das Kleidungsstück sind. Wie wir abends, wenn wir zu Bett gehen, die Kleidung ausziehen, so zieht auch die Seele samt Geist im Schlaf den Körper aus, damit sie sich von ihm erholen kann. (4.GEJ 54,7) Wir verlieren dann unser Bewusstsein im Körper, weil sich die Seele im Schlaf vom Körper zurückzieht, denn der Leib als Ganzes hat für sich kein Bewusstsein, wohl aber ist Bewusstsein in einem jeden einzelnen Atom des Leibes vorhanden.

 

Es war eines der Hauptzwecke des Lehramtes Jesu, (11.GEJ 10,8) die Menschen über ihre Seele und ihren Geist und deren Einswerdung zu belehren und ihnen zu zeigen, wie das erreicht werden kann. Gott, der Mensch und alles, was Gott geschaffen hat, besteht aus einer Dreiheit.

 

Jesus sagt dazu: „Ihr merket an jedem Dinge, so ihr nur ein wenig aufmerksam sein wollet, und an jeder Sache ein unterscheidbares Dreifaches: Das erste, das euch in die Augen fällt, ist doch sicher die Außenform; denn ohne diese wäre kein Ding und keine Sache denkbar und hätte auch kein Dasein. Das zweite aber, so das erste einmal da ist, ist offenbar der Inhalt der Dinge und der Sachen; denn ohne den wären sie auch gar nicht da   und hätten auch keine Form oder Außengestalt. Was ist denn nun das dritte zum Dasein eines Dinges oder einer Sache ebenso Notwendige wie das erste und zweite? Sehet, das ist eine innere, jedem Ding und einer jeden Sache innewohnende Kraft, die den Inhalt der Dinge und Sachen gewisserart zusammenhält und das eigentliche Wesen desselben ausmacht. Und weil eben diese Kraft den Inhalt und somit auch die Außenform der Dinge und Sachen ausmacht, so ist sie auch das Grundwesen von allem wie immer gearteten Dasein, und ohne sie wäre ebensowenig ein Wesen, ein Ding oder eine Sache denkbar wie ohne einen Inhalt und ohne eine äußere Form.“ (8.GEJ 25,1)

 

Nun könnte eingewendet werden, dass z.B. ein Stück Metall keine dreifache Struktur, sondern nur eine einfache habe, die durchwegs aus einem gleichen Metall bestehe. Wo wäre dann bei einem Stück Metall eine dreifache Struktur vorhanden? – Die Dreiheit des Metalls liegt im Inneren eines jeden Atoms dieses Metalls, nämlich in der Atomhülle, in dem Atomkern und in der Kraft, die das Atom zusammenhält.

 

Gehen wir nun zu unserer Seele zurück!“, sagt Jesus, „Die Seele muss des sicheren und bestimmten Daseins wegen einmal eine Außenform, die eines Menschen nämlich, haben. Die Außenform ist demnach das, was wir den Leib oder auch das Fleisch nennen, ob noch materiell oder vergeistigt substantiell, das ist da ganz einerlei.

 

Ist aber die Seele als ein Mensch der Form nach da, so wird sie auch einen der Außenform entsprechenden Inhalt haben. Dieser Inhalt oder innere Körper der Seele ist ihr eigenes Lebenswesen selbst, also die Seele.

 

Ist das alles aber da, so ist auch die Kraft da, die die ganze Seele bedingt, und diese ist der Geist, der am Ende alles in allem ist, da es ohne ihn unmöglich eine gediegene Substanz (der Seele) und ohne diese auch keinen Leib und somit auch keine Außenform gäbe.

 

Obschon aber die drei wohl unterscheidbaren Persönlichkeiten im Ganzen nur ein Wesen sind, so müssen sie aber dennoch eigens als unterscheidbar benannt und erkannt werden.“ (8.GEJ 25,3-6)

 

 

2. Der Materieleib, eine Läuterungsmaschine

 

Nun wollen wir die Beschaffenheit des Menschen näher betrachten und mit dem anfangen, was wir sehen und anfassen können, nämlich mit dem Leib. Der Leib ist nur eine Maschine und hat für sich allein kein Leben und kein Bewusstsein. Er ist nur ein Werkzeug der Seele, künstlich eingerichtet zu ihrem Gebrauche. (2.GS 79,10) Wenn die Seele den Leib verlässt, z.B. in einem Out of Body-Erlebnis, bleibt eine Verbindung zwischen beiden erhalten. Der Leib wird dann durch die sogenannte Silberschnur, einem ätherischen Band zwischen Seele und Leib, am Leben erhalten. Die Seele kann dann wieder in den Leib hineinschlüpfen, ihn beleben, so dass die Seele wieder im Leib zum Bewusstsein kommt. Erst wenn die Lebensfähigkeit des Körpers durch eine schwere Krankheit, einen Unfall oder durch Schwachheit des Lebens zu Ende geht, wird der Lebensfaden von einem Engel durchgetrennt und der Körper stirbt. Ist der Lebensfaden einmal vollständig durchgetrennt, so kann der Mensch durch keine Maßnahme mehr wieder belebt werden. Nur Gott könnte solch einen Menschen wieder zum Leben erwecken.

 

Der Leib besteht aus Materie und Materie ist gefangenes, gefesseltes und fixiertes Geistiges, (EME 27,2) denn sie ist durch den Fall der Urgeister entstanden, die sich mit Luzifer von Gott abwandten und böse wurden. Damit die böse gewordenen Geister keinen Schaden anrichteten, musste Gott sie gefangen nehmen. Diese Gefangenschaft ist die Materie. Die Seelen lösten sich in ihre Atome auf; die Seelenatome wurden durch die Willensmacht Gottes eingehülst, wodurch die Materieatome entstanden. Aus diesen zu Materie erstarrten Seelen sind dann erst durch die erbarmende und endlose Willensmacht des Herrn die Welten, wie sie sind, geschaffen und geformt worden und sind für ein Geistesauge chaotische Konglomerate von Seelen zu Seelen (2.GS 66,5) oder anders gesagt, ein Gemisch von Seelenpartikeln zu Seelenpartikeln. Die Geister dieser Gefallenen aber waren und sind in der Materie gefangen.

 

Unser Leib ist von Gott geschaffen und höchst kunstvoll eingerichtet worden. Er ist somit als Gesamtheit gut, aber die Atome des Leibes, so wie aller Materie, die aus den gefallenen Seelenintelligenzen bestehen, sind in sich böse, hochmütig, herrschsüchtig und selbstsüchtig. Wie böse sie sind, können wir an der zerstörerischen Wirkung sehen, wenn die Atome gespalten werden.

 

Jesus sagt: „Sehet, der Leib ist Materie und besteht aus den gröbsten urseelischen Substanzen, die durch die Macht und Weisheit des göttlichen und ewigen Geistes in jene organische Form gezwängt werden, die der einen solchen Formleib bewohnenden freieren Seele in allem Nötigen wohl entspricht... Der Leib ist für die noch unlautere Seele eigentlich nichts als eine höchst weise und übergut und zweckmäßig eingerichtete Läuterungsmaschine.“ (2.GEJ 210,1-2)

 

Der materielle Leib dient der Seele zur Läuterung. In der Materie kann ein Wesen, das Gott ähnlich werden soll, von Gott ganz abgelöst werden und die Willensfreiheitsprobe durchmachen, um zur wahren Lebensselbständigkeit zu gelangen. (6.GEJ 239,2) So musste der Mensch aus der Materie sein Fleisch bekommen, in das für ihn ein probendes Gegengewicht gelegt ist und das ist die Versuchung. (5.GEJ 70,4) Das Fleisch ist das Gegengewicht zum Worte Gottes. Der Mensch muss sich entscheiden, wem er Gehör geben will, dem Worte Gottes oder dem Begehren des Fleisches. Die Menschen sollen im freien Willen zu Gott zurückkehren, indem sie sich von der Materie und allen Begehrlichkeiten des Fleisches lösen und durch ein Leben in der Liebe und Demut Gott wieder ähnlich werden.

 

 

3. Der Nervengeist, ein Verbindungsglied

 

Zwischen Leib und Seele befindet sich der Nervengeist, der die Form des Körpers besitzt. Der Nervengeist ist das gleiche, wie der Ätherkörper der Theosophen. Er ist der eigentliche Leib, während der Fleischleib nur ein Exkrement des Nervengeistes ist. (3.Hi. Seite 16,22) Er ist das Verbindungsglied zwischen Seele und Fleischleib und bewirkt, dass sich die Seele des Fleischleibes bedienen kann. (EME 49,2) Die Seele kann über den Nervengeist die Nerven beeinflussen und durch sie den Fleischleib bewegen und benutzen. (EME 50,8)

 

Neigt sich der Nervengeist mehr dem Fleischleib zu, was dann der Fall ist, wenn ein Mensch nach dem Weltlichen strebt und dem Begehren des Fleisches nachgibt, dann ist der Nervengeist während des Schlafes mit dem Fleischleib verbunden, und dann behält dieser Mensch nur selten Träume. Davon sind schwachnervige Menschen ausgenommen, die trotzdem oftmals ihre Träume behalten. Neigt sich der Nervengeist mehr der Seele zu, (6.GEJ 111,5) was dann der Fall ist, wenn ein Mensch nach dem Geistigen strebt und das Begehren seines Fleisches überwunden hat, dann ist der Nervengeist während des Schlafes mit der Seele verbunden, und dann erinnert sich dieser Mensch vieler Träume und auch realer Aufenthalte der Seele im Jenseits. (EME 67,10) Der Nervengeist behält dann, da er mit der Seele verbunden ist, was die Seele während des Schlafs erlebt hat und zeichnet es in das materielle Gehirn. Der Nervengeist wird beim Tode von der Seele aufgenommen (BM 1,8) und geht ganz in den geistig substantiellen Leib, welcher das Fleisch der Seele ist, über. (8.GEJ 25,3)

 


4. Die lebendige Seele

 

Im großen Evangelium wird berichtet, wie Zinka auf Anweisung von Jesus durch sein Handauflegen den Zorel in einen Verzückungsschlaf versetzte, wodurch seine Seele in seine innere Geisteswelt verrückt wurde. Nachdem Zorel vom Zustand seiner Seele erzählt hatte, stellte Zinka erstaunt die Frage: „Hat denn die Seele auch einen Leib?“ Diese Frage stellte Zinka, weil er keinen blassen Dunst von dem hatte, wie eine Seele aussieht und beschaffen ist. Denn die Juden stellten sich die Seele als eine Art dunstigen Nichts vor, der weder eine Gestalt und noch viel weniger irgendeinen Leib habe.

 

Zinka machte darum große Augen, als Zorel ihm zur Antwort gab: „Na freilich hat die Seele auch einen, zwar nur ätherischen Leib, – aber für die Seele ist ihr Leib ebenso vollkommen Leib, wie dem Fleische das Fleisch vollkommen Leib ist. Nichts fehlt dem Seelenleibe, was immer da innehat der fleischliche Leib. Du siehst solches mit deinen Fleischaugen freilich wohl nicht, aber ich kann das alles sehen, hören, empfinden, riechen und schmecken; denn auch die Seele hat dieselben Sinne, wie sie der Leib hat.“ (4.GEJ 51,1-3)

 

Die Seele ist für sich ein ganz vollkommener Mensch, der substantiell geistig die ganz gleichen Bestandteile enthält wie der Leib und in höherer geistiger Entsprechung sich derselben auch also bedient wie der Leib seiner materiellen. (8.GEJ 24,9) Nur ist bei einer vollkommenen Seele auch ihre Gestalt vollkommen, während bei einer unvollkommenen Seele ihre Gestalt unvollkommen ist. Sie hat alle Glieder und Organe, die ihr Leib hat, aber diese dienen ihr zu anders gestalteten Zwecken als sie für den Leib gebraucht werden. (7.GEJ 209,19)

 

Der Leib ist ohne die Seele tot, die Seele aber kann ohne den Leib leben. Die Seele gibt dem Leib erst das Leben und lebt nach dem Tode weiter. Die Seele ist unsterblich, auch wenn in der Bibel vom Tod der Seele die Rede ist. (Psalm 89,49; 116,8) Mit diesem Tod ist eine böse gewordene Seele oder der geistige Tod gemeint, der dann eintritt, wenn sich die Seele ganz dem weltlich Materiellen hingibt. Auch wenn die Seele sich noch im Fleisch befindet, kann sie geistig tot sein und doch lebt der Mensch weiter. So lebt auch die Seele im Jenseits naturmäßig weiter, auch wenn sie geistig tot ist. Ganz geistig tot sein aber ist das gleiche wie ein Teufel sein.

 

Wenn der Körper verletzt wird, empfindet nicht der Körper den Schmerz, sondern die Seele. „Was im Leibe fühlt, hört, sieht, riecht, schmeckt, denkt und will“, sagt Jesus, „das ist ja das unsterbliche Wesen der Seele und nicht der an und für sich tote Leib, dessen Scheinleben ja nur durch das wahre Leben der Seele bedingt ist.“ (9.GEJ 167,6)

 

Die Seele hat Selbstbewusstsein (EME 38,3) und ist das eigentliche Ich des Menschen. (8.GEJ 82,7) Wir haben nicht eine Seele, sondern wir sind eine Seele. Wir sind nicht der materielle Leib, sondern wir haben einen materiellen Leib und haben ihn nur für eine bestimmt Zeit bekommen. Wenn wir „Ich“ sagen, so ist das zunächst die Seele, aber auch der Geist. Sie ist das Wachbewusstsein und das niedere Selbst, das durch die leiblichen Sinne in Verbindung zur Außenwelt steht.

 

 

5. Was ist die Seele

 

Die Seele ist gewisserart durch die Kraft des Geistes wieder aufgelöste Materie“, sagt Jesus, „die in des Geistes eigene Urform, durch seine Kraft genötigt, übergeht und sodann, mit ihrem Geiste vereint, gleichsam seinen lichtätherisch- substantiellen Leib ausmacht.“ (7.GEJ 66,7)

 

Der einst gefallene, jenseitige Geist ist es, der die Materie wieder auflöst und sich aus ihr einen lichtätherischen Leib nach seiner eigenen Urform gestaltet, und das ist die Seele.

 

Die Seele ist das Aufnahmeorgan für alle endlos vielen Ideen des Urgrundes“, sagt Jesus, „aus dem sie wie ein Hauch hervorgegangen ist. Sie ist der Träger der Formen, der Verhältnisse und der Handlungsweisen. Alle diese Ideen, Formen, Verhältnisse und Handlungsweisen sind in ihr in kleinsten Umhüllungen niedergelegt. Ein gerechtes Maß von allem dem in ein Wesen zusammengefasst bildet eine vollkommene Menschenseele. Weil die Seele aber eben ein Kompendium von einer zahllosen Menge verschiedenartiger substanzieller Intelligenzpartikel ist, so kann sie als ein Zusammengesetztes auch wieder getrennt werden in ihren Teilen.“ (EME 52,4-5)

 

Wie der Leib aus zahllosen Atomen aufgebaut ist, so setzt sich auch die Seele aus zahllosen Seelenatomen zusammen, in denen Gottes Ideen niedergelegt sind. (EME 40,5)

 

Die Seele, sagt Jesus, „ist eine rein ätherische Substanz, also… aus sehr vielen Lichtatomen (Photonen) oder möglich kleinsten Teilchen zu einer vollkommenen Menschenform zusammengesetzt durch die Weisheit und durch den allmächtigen Willen Gottes“ (7.GEJ 66,5) und „ist anfangs (nach der Geburt) um nicht viel reiner als ihr Leib.“ (2.GEJ 210,2)

 

Die Seele ist der substantielle Leib des Geistes. (EME 30,2) Dieser geistige Leib besteht nicht aus Materie, sondern aus ätherischer Substanz, und diese Substanz ist gleich dem aus der Sonne gehenden Lichte. (7.GEJ 209,19-20)

 

Die Seelensubstanz setzt sich aus den verschiedensten Seelenintelligenzspezifika oder Miniaturbegriffsbildern zusammen. Einzelne Intelligenzen wirken in einer und derselben Art, andere Intelligenzen in einer anderen Art. (EME 42,4) Ein Intelligenzspezifikum ist ein Gedanke Gottes und besitzt eine ganz einfache spezielle Intelligenz, denn es erkennt nur ein Einziges aus dem zahllos Vielen (EME 39,3) und hat demzufolge nur einen einzigen speziellen Trieb. (EME 30,2) Eine andere Art Intelligenzspezifikum erkennt nur ein anderes Einziges aus dem zahllos Vielen und hat deshalb einen anderen Trieb. Vereinigen sich diese beiden zu einer kleinsten Seele, so hat diese Seele eine größere Intelligenz als jedes Intelligenzspezifikum für sich allein, denn sie kann schon Verschiedenes erkennen und hat schon zwei verschiedene Triebe.

 

Je mehr Intelligenzspezifika in einer Tierseele beisammen sind und sich viele niedere Tierseelen zu einer höheren Tierseele vereinigt haben, umso größer wird die Intelligenz einer Seele. Je einfacher die Form eines Tieres, umso geringfügiger ist auch die ihr innewohnende Intelligenz. Je ausgebildeter und ausgebreitet zusammengesetzter eine Form erschaut wird, umso mehr Intelligenz wird man in ihr finden. (6.GEJ 53,7) Mehrere höhere Tierseelen vereinigen sich, nachdem sie von ihren Leibern frei geworden sind, zu einer Naturseele, die schon als Menschenseele inkarniert werden kann. (6.GEJ 165,11)

 

 

6. Wo kommt die Seele her?

 

Aber so viel kann Ich dir wohl sagen“, sagt Jesus, „dass hier niemandes Seele jünger ist denn die ganze sichtbare Weltenschöpfung!“ (4.GEJ 246,4)

 

Die gefallene geistige Schöpfung, die zu Materie erstarrte, besteht aus lauter aufgelösten Seelen, also einzelnen Seelenintelligenzen, welche, weil sie vom Fall her böse geworden sind, von höheren Kräften und Intelligenzen nach göttlicher Ordnung zeitweilig festgehalten werden, (EME 41,10) womit sie gefangen sind. Wie höllisch böse die Seelenspezifika sind, die aus dem Innern der Erde aufsteigen, zeigt sich am giftigen Wesen fast sämtlicher Metalle, am Gift in den Pflanzen, am Gift in den Tieren, an der großen Wut derselben, besonders bei den reißenden Tieren. Ja selbst bei den Menschen äußert sich dieses Böse, rein Höllische, oft noch in einem so hohen Grade, dass nicht selten zwischen manchem Menschen und zwischen dem Fürsten der Finsternis wenig oder gar kein Unterschied vorhanden ist. Dieses rein höllisch Böse wird erst im Menschen durch das Wort Gottes einer neuen geistigen Gärung ausgesetzt, in welcher das Höllische gesänftet und in Himmlisches verkehrt wird, aber nur nach und nach. (EME 54,6-7)

 

Alles Materielle ist nichts anderes als der beharrliche Wille des Geistes, die gefallenen Naturgeister gefangen zu halten, gibt sie aber nach und nach frei und gestaltet sie in einen ihm ähnlichen substantiell-seelischen Leib um. Das geschieht in einer kürzeren oder längeren Zeit, denn wenn in einer Seelensubstanz der freie Wille erwacht ist, kann sie sich der lebendigen Ordnung des Geistes fügen oder ihr widerstreben. (7.GEJ 74,4)

 

Aus dem allem aber kannst du nun doch erkennen, dass alle Wahrheit, Wirklichkeit und Realität nur im Reingeistigen daheim ist, und dass alles Materielle nichts anderes ist als der beharrliche Wille des Geistes, den er nach und nach sänftigen, mehr und mehr auflösen und endlich in einen ihm ähnlichen substantiell-seelischen Leib umgestalten kann in kürzerer oder längerer Zeit, je nachdem eine Seelensubstanz infolge des auch in ihr erwachten freien Willens sich mehr oder weniger fügbar für die innere, lebendige Ordnung des Geistes erweist.“ (7.GEJ 74,4)

 

Wenn jeweils die Zeit der Gefangenschaft bzw. des Festhaltens in der Materie vorbei ist, da erwachen die einzelnen Intelligenzen und einen sich wieder durch die Naturseelenentwicklung als Ursubstanz in jenem Wesen, in welchem sie uranfänglich aus dem Schöpfer gestaltet worden sind. (EME 41,10) In der Materie sind die gefallenen Seelen in zahllose Seelenintelligenzen zerteilt. Sie steigen zum Teil aus der Erde auf und kommen zum Teil von oben, von der Sonne und den Sternen, herab und gehen gemeinsam den Weg der Läuterung durch das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich. „Bei der Übertragung der Sonnengeister“, sagt Johannes, „handelt es sich um die Entwicklung eures Leibes und eurer Seele, welches alles wie ein tausendmal tausendfach Zusammengesetztes erscheint.“ (2.GS 17,22)

 

Die substanziellen Seelen sind beim Fall der Geister aufgelöst und zerstreut worden und müssen wieder zusammengefügt werden. Bei der Entwicklung der Seelen vereinigen sich die geistigen, also auch seelischen einzelnen Spezifikalintelligenzen wieder zu einer ganzen, vollkommenen geistigen Form in eine komplette Naturseele. (EME 38,3)

 

Die substantiellen Intelligenzspezifika fügen sich nicht von selbst aneinander, sondern werden von ihrem geistigen Zentrum angezogen und solch ein Zentrum ist ein engst gefesselter Urgeist, der ursprüngliche Liebefunke aus Gott. (EME 38,5-9) Dieser Wiedervereinigung steht als oberster Leiter der Herr Selbst vor und wird von den Engeln mitgeleitet. (EME 39,11-12) Unter der Leitung der Engel wiederum stehen viele mitarbeitende höhere gute Geister. (EME 39,14) Zur Hauptsache ist die Wiedervereinigung der Seelenintelligenzen das Werk des gefallenen und gefesselten Urgeistes oder jenseitigen Geistes, welcher der eigentliche Erwecker, Fortführer, Bildner und Erhalter der Pflanzen- und Tierseelen bis zur Menschenseele ist (10.GEJ 184,5-6) und auch der Intelligenzen selbst. (EME 41,10) Die Geister verbinden die siderischen (von der Sonne und den Sternen kommenden) und tellurischen (aus der Erde aufsteigenden) Spezifikalintelligenzen miteinander und ordnen sie zu einem Wesen. (EME 49,1) In den Pflanzen vereinigen sich die Sepzifikalintelligenzen mit dem von der Sonne gekommenen reinen Geistfünkchen. Dort werden sie mit der Vollreife der Frucht ätherische frei und in eine höhere, intelligentere Wesenheit eines Tieres geführt. (1.Hi. Seite 65,19)

 

Die substanziellen Intelligenzspezifika teilen sich in Seelisches und Geistiges ab. In dem Seelischen tauchen das Ich und das Selbstbewusstsein wieder aus der Materie auf, und mit dem Geistigen wird die Erkenntnis Gottes wieder in das Seelische eingepflanzt. Das Seelische und Geistige, aus denen sich die komplette Seele zusammensetzt, (EME 33,5-10) entspricht dem Astral- und dem Mentalkörper der Theosophen.

 

Die Seelen der Tiere verwandeln die materiellen Spezifika der Nahrung in substanzielle, wodurch die Seele erweitert wird. Jesus sagt: „Die äußeren materiellen Formen der Kreaturen  verzehren sich wohl gegenseitig, dadurch aber werden viele in den Kreaturen wohnende Seelen frei, und es vereinigen sich die gleichartigen und werden in eine nächste, höhere Stufe wieder in eine materielle Form eingezeugt, und so fort bis zum Menschen.“ (10.GEJ 184,4)

 

Jesus zeigt Seinen Jüngern die Vereinigung der Seele einer Gazelle, eines Schakals und eines Adlers zu einer Naturseele und sagt: „Und nun sieh her! Da vor der Tür steht schon eine Menschengestalt, wie die eines Kindes, und wartet, bei einer nächsten Zeugung in den Leib einer Mutter aufgenommen zu werden.“ (10.GEJ 185,4)

 

Naturgeister mit ihren Naturseelen, die von der Materie frei geworden sind, sind nicht mehr so leicht wieder in die Materie hineinzubringen. (EME 34,3) Deshalb wollen sie zunächst auch nicht als Mensch inkarniert werden, aber erst im Menschen können sie in ihre volle Freiheitssphäre treten und sind dann imstande, sich selbst in der moralischen Hinsicht weiter fortzubilden. (10.GEJ 184,5)

 

Jesus sagt: „Siehe, in den Bergen, so wie in der Luft, wie auch in der Erde, im Wasser und im Feuer, gibt es gewisse Naturgeister, die noch nicht den Weg des Fleisches durchgemacht haben, weil sich dazu noch nicht die Gelegenheit geboten hat, in der sie bei einem menschlichen Zeugungsakte den Eingang ins Fleisch hätten finden können, um durch den Leib eines Weibes im Fleische zur Welt geboren zu werden. Massen solcher noch ungeborener Seelen sind in allen Elementen vorhanden.“ (2.GEJ 64,6)

 

Die Naturgeister, von denen Jesus hier spricht, sind Geister mit ihren schon aus der Materie freigewordenen kompletten Seelen, die aber noch nicht als Mensch inkarniert worden sind.

 

Naturgeister bzw. Naturseelen halten sich auf der Oberfläche der Erde und in allen Elementen als Erd- Berg- Wasser- Feuer- und Luftgeister auf, (EME 40,4) wo sie Aufgaben zu erfüllen haben. Naturverbundene, hellsehende Menschen haben schon oft Elfen, Feen oder Gnome (Zwerge) gesehen, die für den Durchschnittsbürger unsichtbar sind. Erlebnisse mit ihnen waren manchmal der Ursprung für Märchen. (EME 33,13-15)

 

Im großen Evangelium wird berichtet, wie Jarah einmal solche Naturgeister sieht und sagt: „Aber Herr! Was sind denn das für kleine Männlein? Sie kamen vom Walde her und umlagern uns nun scharenweise in allen Farben! Einige scheinen ein dunstiges Kleid zu haben; die meisten aber sind ganz nackt und haben aber alle die Größe von kaum zwei Jahre alten Kindern.“ Da gab Jesus ihr zur Antwort: „Das sind diesirdische, schon konkrete Menschenseelen, die den Weg des Fleisches noch nicht durchgemacht haben. Sie haben auch bis jetzt noch keine besondere Lust dazu, weil sie eine neue Einkerkerung in die Materie zu sehr fürchten. Die Bekleideten haben sogar eine Art Sprache, die freilich nicht gar weit her ist; aber eine gewisse Affenintelligenz besitzen alle!“ (4.GEJ 115,1-2)

 

 

7. Die Seele ohne den Geist

 

Über pure Seelen sagt Johannes in der geistigen Sonne: „Die Seele ohne den Geist ist eine bloß stumme polarische Kraft, welche den stumpfen Sinn nach Sättigung in sich trägt, selbst aber keine Urteilskraft besitzt, daraus ihr klar würde, womit sie sich sättigt und wozu ihr die Sättigung dient. Sie ist zu vergleichen mit einem Erzkretin, der keine andere Begierde in sich verspürt als diejenige, sich zu sättigen... Und diese angeführten Kretins haben eben auch bloß ein seelisches Leben, das heißt, in deren Seele ist entweder ein zu schwacher Geist oder oft auch gar kein Geist vorhanden.“ (2.GS 79,12-14)

 

Bei anderen Kretins (Schwachsinnige) ist die Ursache ihres Zustandes eine andere. Jesus sagt: „Die Seele z.B. eines Kretins ist in sich ebenso vollkommen als die eines Doktors der Philosophie; aber der Leib dieser Seele ist zu plump und schwer und lässt nur äußerst wenig oder gar kein Licht in die Seele, – oder der Lichtfunke (der jenseitige Geist), der in die Seele gelegt ist, kann nicht auflodern, weil er zu sehr gedrückt wird von der plumpen Fleischmasse. Die Seele eines Philosophen aber lässt viel Licht durch; die Fleischmasse ist durch das viele Lernen lockerer geworden und drückt nicht so sehr die geistige Flamme auf einen Punkt zusammen.“ (EME 52,16)

 

Kretins haben manchmal nur einen schwachen Geist, manchmal auch gar keinen, oder sie haben einen recht ordentlichen Geist, der aber der Seele kein Licht geben kann, weil der Geist oder die geistige Flamme zu sehr vom plumpen Leib auf einen Punkt zusammengedrückt wird.

 

Jesus sagt: „Wenn wir aber das Leben und Sein der Seele für sich (d.h. ohne den Geist in ihr) noch näher betrachten, so werden wir auch bald und leicht finden, dass sie als auch noch ein substantielles Leibmenschwesen für sich um nichts höher stünde als allenfalls die Seele zum Beispiel eines Affen. Sie würde wohl eine instinktmäßige Vernunft in einem etwas höheren Grade innehaben denn ein gemeines Tier, aber von einem Verstande und einer höheren freien Beurteilung der Dinge und ihrer Verhältnisse könnte da nie eine Rede sein.“ (8.GEJ 24,11)

 

Eine Menschenseele ohne den Geist steht um nichts höher als die Seele eines Tieres. Solch eine Seele wäre stumpf, interessierte sich nicht für geistige, sondern nur für materielle Dinge, (11.GEJ 10,4) hätte zwar bereits etwas mehr Vernunft als eine Menschenaffenseele, aber diese Vernunft wäre mehr instinktmäßig. Höhere Tierarten haben oft ein sehr scharfes Erkennen (4.GEJ 262,5) und damit hat auch die pure Menschenseele oft ein sehr scharfes Erkennen und kann das Erkannte auch beurteilen, aber dieses Beurteilen bleibt nur auf ein äußeres Beurteilen weltlicher Dinge und Verhältnisse beschränkt. Zu einer freien, höheren geistigen Beurteilung der Dinge und Verhältnisse ist sie nicht in der Lage, das kann nur der Geist. So könnte eine pure Seele nie eine Maschine erfinden oder einen Plan für ein Haus entwerfen, könnte es aber bauen helfen, wenn ihr gezeigt würde, was sie dabei zu tun hat.

 

Im Menschen ist sein Geist im Herzen seiner Seele in einem kleinen Bläschen eingeschlossen. Ihre Aufgabe im Erdenleben ist es, ihren Geist zu erwecken, aus seiner Gefangenschaft zu befreien, ihn geistig zu ernähren und zum Wachsen zu bringen, um dann eins mit ihm zu werden. Das könnte sie mit ihren eigenen Fähigkeiten nicht. Deshalb gibt ihr der Geist einen wie von ihm getrennten Willen und eine freie, selbständige Intelligenz, die sich die Seele durch die Sinne und ihr inneres Innerwerden so vervollkommnen kann, als wäre sie ihre eigene Intelligenz. Auf diese Weise ist die Seele fähig, eine äußere Offenbarung, von Gott gegeben, zu erkennen, zu verstehen und eine innere zu empfangen. Richtet sie sich danach, so fängt sie an, sich mit ihrem Geiste zu vereinen, wodurch sie in die volle Freiheit ihres Geistes eingeht und das Ziel ihres Lebens erreicht hat. (8.GEJ 25,8-9)

 

 

8. Die Einfleischung der Seele

 

Eine zukünftige Menschenseele ist schon vor der Zeugung komplett mit ihrem Grundbestand an Intelligenzspezifika vorhanden. (EME 50,3) Wenn eine Naturseele zur Inkarnation bereit ist, dann hält sie sich bei den Menschen auf und bekommt aus deren Außenlebensätherkreis eine gewisse Nahrung. Wenn sich dann ein Ehepaar durch den Naturtrieb genötigt fühlt, eine Begattung zu begehen, so wird eine dem Ehepaar gleichartige Naturseele durch die dabei verstärkte Kraft des Außenlebensäthers des Gatten angezogen. Sie tritt dann unter Zwang während der Begattungshandlung in den Strom des Mannes und wird durch diesen bei der Befruchtung in das Ei der Gattin gelegt. (2.GEJ 216,1-4)

 

Erst im siebenten Monate“, sagt Jesus, „wenn schon das leibliche Wesen organisch, wenn auch noch nicht ganz der Form, doch aber all den Teilen nach ausgebildet wird durch das vegetative Leben der Mutter, – so erst wird in der Gegend der Magengrube ein für eure Augen nicht wahrnehmbares, vom Zeuger herrührendes Bläschen, darinnen die Substanz der Seele enthalten ist, geöffnet und teilt sich dann dem ganzen Organismus durch die Verbindung der Nerven mit, umwandelt dann ein in allen Nerven vorfindliches magnetisches Fluidum in die seinige und dringt dann in aller elektrischen Schnelle bald auch in alle übrigen Organe, namentlich aber zuletzt erst in die Herzmuskeln, was gewöhnlich erst am siebenten Tage, bei einigen manchmal etwas später erst geschieht.“ (3.Hi. Seite 10,3)

 

Von der Befruchtung an befindet sich die Seele bis zum 7. Monat in einem Bläschen in der Gegend der Magengrube. Während dieser Zeit werden die Intelligenzspezifika der Naturseele entwirrt und ordnen sich nach dem Willen der Schutzgeister zur menschlichen Form. Etwa am Anfang des 7. Monats zerplatzt das Bläschen und die nun geordnete Seele dringt in den ganzen Körper und in alle Organe ein, aber erst zum Schluss, nach ca. sieben Tagen in die Herzmuskeln. Dann werden der Seele aus dem Mutterleibe neue Spezifika zugeführt, welche sie zur festeren Aneinanderbindung ihrer eigenen Intelligenzspezifika und zur Bildung der Nerven verwendet. (EME 50,4-8)

 

Weil die Seele bereits von der Befruchtung an im Embryo vorhanden ist, so ist jede Abtreibung, auch wenn sie innerhalb der ersten drei Monate geschieht, Mord. Es wird dadurch einer Seele und ihrem Geist die Gelegenheit genommen, hier auf der Erde ihre Weiterentwicklung bis zur Gotteskindschaft machen zu können.

 

 

9. Der rein essenzielle, jenseitige Geist

 

Als Jesus Seinen Jüngern die Vereinigung dreier Tierseelen zu einer Naturseele zeigte und erklärte, wies Er auch auf eine Lichtgestalt hin und sprach: „Hinter dieser Seelenerscheinung siehst du eine Lichtgestalt; das ist schon dieser Seele jenseitiger Geist, der dafür Sorge tragen wird, dass diese – gegenwärtig noch – Naturseele bei der allernächsten Gelegenheit in einem Mutterleibe versorgt wird.“ (10.GEJ 185,4)

 

Jesus schildert, wie der Geist des Menschen (die Lichtgestalt) außerhalb seiner Seele, die er heranzog, steht, denn die Vereinigung von Geist und Seele erfolgt erst im Menschen. Er heißt jenseitiger Geist, weil er unabhängig von Zeit und Raum ist und ihm keine Materie ein Hindernis sein kann. (2.GEJ 141,8) Der jenseitige Geist war das geistige Zentrum, um das sich die Seelenintelligenzen aus der Materie sammelten, und als rein jenseitiger Baumeister bewirkt er den Bau und die zeitweilige Erhaltung des Fleischleibes. (7.GEJ 69,5) Er sorgt außerdem dafür, dass seine Naturseele, die er heranzog, in den Leib einer Mutter gelangt, wo sie zur Menschenseele gebildet wird.

 

(Das Göttlich-Geistige“,) sagt Jesus, „ist… ganz besonders gottähnlichst im Menschen vorhanden, darum er denn auch vernünftig und verständig werden kann, eine Sprache hat und Gott als seinen Schöpfer anfangs ahnen und später reiner und reiner erkennen, lieben und seinen eigenen Willen dem erkannten göttlichen völlig unterordnen kann.“ (6.GEJ 32,5-6)

 

Durch diesen Geist sind dem Menschen höhere Fähigkeiten gegeben, die ihn über die Tiere, die nur eine Seele haben, erheben. Durch diesen Geist bekommt der Mensch eine vollkommene Intelligenz, (EME 34,5) ist befähigt, Gott zu erkennen (EME 33,10) und kann erkennen, was wahr und falsch ist. (3.Hi. Seite 12,9) Mit diesen höheren Fähigkeiten kann er sich selbständig geistig entwickeln und vollkommen werden.

 

Jesus sagt: „Von einem Verstande und einer höheren freien Beurteilung der Dinge und ihrer Verhältnisse könnte (bei einer puren Seele) da nie die Rede sein.

 

Dieses höhere und eigentlich höchste und Gott völlig ähnliche Vermögen in der Seele bewirkt ein rein essentiell geistiger dritter Mensch, eben in der Seele wohnend. Durch ihn kann sie Wahres vom Falschen und Gutes vom Bösen unterscheiden und kann frei nach allen erdenklichen Richtungen hin denken und völlig frei wollen.“ (8.GEJ 24,11-12)

 

Dieser rein essenzielle, jenseitige Geist ist der dritte Wesensteil des Menschen (3.Hi. Seite 12,8). Er heißt essenzieller Geist, weil er das Grundwesen und somit das Wesentliche des Menschen ist. Der ewige, göttliche Geist ist es, der alles im Menschen schafft und ordnet, denn er ist in sich die Kraft, das Licht und das Leben selbst. (5.GEJ 211,3-4)

 

Jesus erweckt im Zorel durch die magnetische Behandlung des Zinka den essenziellen, jenseitigen Geist. Dieser hatte zuvor in seiner Seele noch nie eine wie immer geartete Stärkung erhalten. Er lag so im Herzen der Seele wie das Ei im Weibe ohne eine männliche Erweckung. Doch nun fängt er als ein innerster Lichtmensch aus dem Herzen der Seele an aufzukeimen. (4.GEJ 54,8)

 

Zorel spricht: „In mir wird es nun sonderbar helle, und ich fange an wahrzunehmen, als finge in meinem Herzen etwas an, sich zu regen; und das, was sich regt, ist ein Licht, und das Licht hat eine Form im Herzen wie die eines Embryos im Mutterleibe. Es ist ganz rein, – ich sehe es. Es wird aber stets größer und mächtiger nun! Ah, was das doch für ein herrliches und völlig reinstes Licht ist! Das ist sicher die eigentliche Lebensflamme aus Gott im wahren Herzen des Menschen! Ja, ja, das ist es! Es wächst nun in einem fort, und ach, wie wohl tut mir das!“ (4.GEJ 52,12)

 

Ah, mein inneres Lebenslicht wird nun aber schon ungeheuer stark; es durchdringt nun schon alle meine Eingeweide! Oh, wie wohl doch tut dieses Licht meinem ganzen Wesen! Aber ich sehe es nun in der Gestalt eines vierjährigen Kindes von ungemein freundlichem Aussehen! Und sehr weise muss es sein; denn es sieht aus wie ein reinst gedachter kleiner Gott, aber nicht wie ein Phantasiegott der Ägypter, Griechen und Römer, sondern wie ein wundersames Abbild des wahren Gottes der Juden! Es ist ein Abbild der wahren Gottheit!“ (4.GEJ 52,12)

 

Zorel sieht, wie sein essenzieller, jenseitiger Geist oder Lichtgeist in ihm, bis zu seiner vollen Mannesgröße heranwächst. (4.GEJ 53,10) Er beschreibt ihn als ein Abbild der wahren Gottheit, denn der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen worden. Zorel sagt aber nicht, dass er Jesu Antlitz hätte, denn der jenseitige Geist besitzt dasselbe Antlitz wie die Seele und der Fleischleib. (4.GEJ 256,4)

 

 

10. Was ist der Geist des Menschen?

 

Was ist denn der Geist?“, fragt Johannes in der geistigen Sonne und gibt uns als Antwort: „Der Geist ist das eigentliche Lebensprinzip der Seele.“ (2.GS 79,12)

 

Des Menschen Geist ist aus Gott, denn „dieser ist ein wesenhafter Teil des ewigen wahrhaftigen Geistes Gottes.“ (3.HG 54,11)

 

Der Geist ist in sich zwar keine Form“, sagt Jesus, „aber er ist eben dasjenige Wesen, das die Formen schafft; und erst, wenn die Formen geschaffen sind, kann er in eben diesen geschaffenen Formen selbst als Form wirkend auftreten, – was ebensoviel sagen will als: Jede Kraft, wenn sie sich als solche beurkunden soll, muss sich eine Gegenkraft stellen; erst zufolge dieses geschaffenen Stützpunktes kann die Kraft ihre Wirkungen äußern und zur Erscheinlichkeit bringen. Der Geist ist demnach gleich dem Lichte, welches in sich selbst zwar ewig Licht bleibt, aber als Licht so lange nicht bemerkbar auftreten kann, solange es keine Gegenstände gibt, die es erleuchtete.“ (EME 52,9-11)

 

Das Licht hat keine Form und ist unsichtbar. Erst wenn es auf die Form eines Gegenstandes trifft, von dem es zurückgeworfen wird, wird es sichtbar und erleuchtet die Form. So hat auch der essenzielle, jenseitige Geist keine Form und ist unsichtbar. Aber er hat die Form der Seele und des Fleisches als eine Gegenkraft zu seinem Sein geschaffen und tritt in dieser Form als eine Lichtgestalt in gleicher Form auf. Er ist das Licht, welches sich aus seiner eigenen Wärme von Ewigkeiten zu Ewigkeiten erzeugt, und ist gleich der Wärme die Liebe und gleich dem Lichte die Weisheit. (EME 52,14)

 

Also hinter der Substanz des Äthers“, sagt Raphael, „ist das deinen Sinnen nicht sichtbare Geistfeuer eine ewig waltende Kraft, die, von Gott ausgehend, ewig den unendlichen Raum erfüllt und in einem fort wirkt und schafft. Gott Selbst aber ist der ewige Urgeist und der ewige Urmensch in Seinem Zentrum und erfüllt die ewig aus Ihm hervorgehende Unendlichkeit mit Seinen großen Gedanken und Ideen, die, durch Seine Liebe erfüllt zu einem Ihm gleichen Lebensfeuer, durch Seine Weisheit zu geordneten Formen und durch Seinen Willen zu voneinander abgesonderten und wie für sich bestehenden Wesen werden, in welche die Fähigkeit gelegt wird, sich selbst als solche ewig fortzupflanzen, fortzubilden und auf der Stufenleiter der ewigen Ordnung Gottes sich mit der Zeit zu einen und zur Gottähnlichkeit emporzusteigen.“ (7.GEJ 72,9)

 

Der rein essenzielle, jenseitige Geist oder der ewige Lebensgeist in der Seele ist ganz identisch mit dem Lebensäther und ist ein kondensierter Brennpunkt dieses allgemeinen Lebensäthers (4.GEJ 256,2) oder des Geistfeuers, das die ganze Unendlichkeit erfüllt. Jeder einzelne Geist besitzt seine eigene Individualität (4.GEJ 256,4) und ist sich seiner selbst bewusst.

 

Bei der Ausgeburt des Leibes aus dem Mutterleibe“, sagt Jesus, „wird der ewige Lebenskeim als ein Fünklein des reinsten Gottesgeistes in das Herz der Seele gelegt.“ (2.GEJ 217,5) „Nach der Einlegung des Geistes in das Herz der Seele, welche Handlung bei einigen Kindern früher, bei anderen später geschieht, bei vielen drei Tage vor der Geburt, wird der Leib schneller ausgereift, und die Geburt wird vor sich gehen.“ (EME 51,7)

 

Ungefähr zwischen drei Tagen vor und bis zur Geburt wird der rein essenzielle, jenseitige Geist, der entweder ein einst böse gewordener oder ein ungefallener Engelsgeist sein kann, in ein kleines substantielles Bläschen, (3.Hi. Seite 11,6) das aus einer siebenfachen geistigen Hülle seelischer Schwächen besteht, welches sich aus der feinsten Seelensubstanz im Herzen der Seele gebildet hat, durch einen Engelsgeist hineingelegt. (EME 51,5-7)

 

Zunächst ist des Menschen Geist, wenn er in das Bläschen gelegt wird, noch geistig tot. Das heißt nicht, dass er noch böse ist, sondern dass er noch nicht die Willensfreiheitsprobe auf der Erde durchgemacht hat. Er besitzt bereits wieder eine Lichtgestalt (10.GEJ 185,4), denn der himmlische Vater hat ihn der Materie – und damit dem Tode – entrissen und in das Herz der Seele gelegt. (3.Hi. Seite 13,11) Im Fleischesleben soll er durch das Handeln nach Gottes Wort wieder lebendig werden.

 

Der lebendige Geist im Menschen“, sagt Jesus, „ist Meine ewige Liebe und Weisheit, die alles schafft, ordnet und erhält; und dieser Geist ist der eigentliche wahre und in sich schon ewige Mensch im Menschen, der sich aber nach Meiner ewigen Ordnung in ihm erst mit der Zeit, der Selbständigwerdung halber, mit Seele und Leib umkleidet und so in eine äußerlich beschauliche Form tritt.“ (9.GEJ 85,10)

 

Der rein essenzielle, jenseitige Geist ist von seinem Ursprung her ein Funke der göttlichen Liebe, (3.Hi. Seite 11,6) den Gott der Selbständigkeit wegen von Sich getrennt hatte, (9.GEJ 85,11) wodurch er ein eigenes von Gott unabhängiges Bewusstsein und einen freien Willen bekam. Er kann, wie die Seele, geistig sterben, (EME 41,7) womit er gerichtet ist. Im Menschenleben erhalten Seele und Geist ihre Freiheitsprobe, wodurch sie entweder geistig sterben oder aber ins freie, göttliche Leben übergehen können.

 

 

11. Wo kommt der Geist des Menschen her?

 

Die Erde besteht aus lauter gebannten Seelen und Geistern und so sind die einst gefallenen und böse gewordenen Geister in der Erdmaterie gebannt. (EME 33, 13-14) Sie sind freiwillig an die Materie, die einstmals ihr Seelenleib war, gebunden, denn kein Geist verlässt seine Seele, mag diese substantiell oder materiell sein. (EME 55,1)

 

Wie ist nun der gefallene Geist aus der Materie befreit worden, dass er wieder licht wurde und in das Herz einer Seele gelegt werden konnte? – Aus der Naturseelenentwicklung gehen die Seelen hervor, und wie es mit der Seele geht, so geht es auch mit ihrem jenseitigen Geiste. (10.GEJ 184,4-5) Die jenseitigen Geister sind die geistigen Zentren, zu denen die frei gewordenen Seelenintelligenzen hinströmen und eine zunächst noch kleine Seele einer Pflanze oder eines Tieres bilden. Die jenseitigen Geister sammeln ihre Seelenintelligenzen so lange, bis die ursprüngliche Seele wieder hergestellt ist.

 

Die Nebelchen“, sagt Jesus, „die so hie und da, besonders auf hohen Steingebirgen bald über einem oder über dem andern Felsenkranz, sich entwickeln, sind, wenn kein Regen vorhergegangen ist oder auch kein Schnee und dergleichen, zumeist Naturgeister, die nicht von verstorbenen Menschen herrühren, sondern erst nach Zeiten Menschenseelen und Geister werden können.“ (EME 34,1)

 

Diese Naturgeister, die sich als Erd- Berg- Wasser- Feuer- und Luftgeister in der Materie aufhalten, sind Geister mit ihren Seelen. Geist und Seele sind da wohl schon zusammen, aber noch nicht fest und bleibend vereint, denn das geistige Zentrum wird in die Seele, in einem Bläschen eingeschlossen, erst wieder in der Form des Menschen gegeben. (EME 38,9)

 

Sind Seele und Geist im Menschen einmal zusammen, so bleiben sie auch nach dem Tode des Leibes zusammen. Hatte aber ein Mensch auf Erden aber viel gesündigt, so gingen viele Seelenatome verloren, wodurch an der Seele wieder Teile von Tierformen zum Vorschein kamen. Darstellungen von Teufeln werden ja auch z.B. mit einen Pferdefuß und Hörnern gezeichnet. Der Geist aber bleibt eine Einheit, denn Jesus sagt: „Der Geist aber ist nicht teilbar; sondern wo er als eine Einheit in eine große oder kleine Seele gelegt wurde, da bleibt er auch als eine Einheit“, (EME 53,10)

 

Auch von den Sonnen und Zentralsonnen werden Geister auf der Erde inkarniert. (2.GS 17, 21-23) Ein bis zwei Prozent der Menschen stammen direkt von den Sonnen, Zentralsonnen und Planeten oder sind ungefallene Engelsgeister. (4.GEJ 35,3) Im Grunde aber kommen alle Menschen, die auf der Erde geboren werden, ursprünglich von einer Sonne, (2.GS 15,25-27) denn die Geister dieser Erde stammen aus der Urzentralsonne. (6.GEJ 233,13)

 

 

12. Der einst böse gewordene Geist

kann erneut böse werden

 

Wenn der mit Luzifer gefallene und einst böse gewordene Geist in das Bläschen gelegt wird, ist er noch geistig tot, wie er es in der Materie seit langen und langen Zeiten war. (3.Hi. Seite 11,7) Dieser Geist muss mit geistiger Kost aus dem Denken der Seele genährt werden. Ist die Kost gut, d.h. wenn die Seele über das geistig Wahre und Gute nachdenkt, es erkennt und sich tätig danach richtet, so wird der Geist genährt, bis er reif wird, das Bläschen zu zersprengen und nach und nach alle Organe der Seele zu durchdringen, wodurch er in der Seele ein dritter Mensch wird. (3.Hi. Seite 12,7-8)

 

Ist die Kost für den Geist schlecht, d.h. bewegt sich das Denken und die Tätigkeit der Seele nur um weltlich unreine Dinge, in die nach und nach auch der Geist einwilligt, (1.GEJ 16,4) dann wird der Geist wieder weltlich, sinnlich und endlich materiell und dadurch tot wie vor der Geburt. (3.Hi. Seite 13,11) Der Geist ist dann ganz in die Materie übergegangen und auch die Seele wird dann wieder tot, da sie dadurch selbst wieder ganz fleischlich geworden ist. (3.Hi. Seite 12,11) Für diese Menschen ist dann die Materie etwas Festes und allein Begreifliches geworden und alles Geistige kommt ihnen als eine Torheit vor. (2.Hi. Seite 97,4) Solche Menschen können nicht an einen persönlichen Gott glauben, glauben nicht an ein Weiterleben von Seele und Geist nach dem Tode, weil sie auch nicht glauben können, dass sie selbst Seele und Geist sind.

 

Der Apostel Johannes gibt uns im 2. Band der Geistigen Sonne ein Beispiel: „Nehmen wir einen Hurer an. Dieser trieb, solange er lebte, ohne Schonung und ohne die geringste Rücksicht auf was immer für Personen die Unzucht. Äußerlich konnte niemand die Folgen des Lasters an ihm erschauen, denn der Leib ist nicht immer ein Folgenspiegel des Lasters. Dieser Mensch aber hatte durch seine lasterhafte Handlungsweise seinen Geist ganz in die grobe fleischlich-materielle Liebe herabgezogen, hat seine Lebenskräfte vergeudet, materiell und geistig genommen. Was bleibt ihm am Ende übrig? Nichts als ein Polypenleben seiner Seele. Diese langt jenseits mit nichts als mit ihrer sinnlich-fleischlichen Genußbegierde an. Ihr Bestreben ist das eines Polypen, nämlich in ihrer Art unausgesetzt fortzugenießen. Von einer geistig dirigierenden Reaktion ist da keine Rede mehr, indem der Geist schon bei Leibesleben bis auf den letzten Tropfen mit der sinnlichen Seele verschmolzen worden ist.“ (2.GS 106,10)

 

Und dieser Zustand ist eben das, was man die „erste Hölle“ nennt. Diese ist somit die Folge, und zwar die ganz natürliche, ordnungsmäßig gerechte Folge, indem die Seele durch diese verbotene Handlungsweise am Ende in denjenigen untersten Tierzustand zurückkehrt, aus dem sie früher vom Herrn durch so viele Stufen aufwärts bis zum freien Menschen erhoben wurde.“ (2.GS 106,12)

 

Der Menschengeist kann durch das Leben in der wahren göttlichen Liebe in Freiheit mit der Seele eins werden, oder aber er verschmilzt mit ihr durch das Ausüben der sinnlich-fleischlichen Genussbegierde, wodurch er gefesselt wird. Da kehrt die Seele wieder in den Tierzustand zurück und wenn sie diesen Weg weitergeht, so wird sie wieder zu Materie, in der dann der wieder böse gewordene Geist erneut gefangen wird.

 

In der ersten Hölle muss die Seele einer Fastenbehandlung unterzogen werden, um sie vom materiellen Zustand zu befreien. Johannes sagt:

 

Da der Geist einer solchen Seele mit ihr völlig eins war, so ist auch seine ganze Liebe in die Begierlichkeit seiner Seele übergegangen. Wird er nun durch das Fasten der Seele freier, so tritt er dann böswillig und überaus tief beleidigt und gekränkt auf, darum, dass man ihn durch Vorenthalt der Nahrung für seine leibhaftige Seele hat verkümmern lassen, um ihn dadurch zu bändigen. Aus solcher Beleidigung und Kränkung geht der Geist in einen Zorn über und verlangt Entschädigung. Wo aber findet er diese? In der zweiten Hölle!“ (2.GS 106,15-16)

 

In der zweiten Hölle ist durch die starke Fastenbehandlung, wie uns bekannt, die begierliche Seele mehr und mehr eingeschrumpft, und dem mit ihr verschmolzenen Geiste ist durch diese Absonderungsmethode mehr Freiheit geworden. Im seltenen besseren Falle kehrt ein Geist hier um, kräftigt sich und erhebt dann seine Seele mehr und mehr. Im gewöhnlichen, schlimmen Falle erwacht der Geist zwar auch; da er aber in diesem Erwachen in solcher Vernachlässigung seiner Seele sich überaus gekränkt und beleidigt und auch selbst mitvernachlässigt zu fühlen anfängt, so wird er zornig und lässt in diesem seinem Zorne stets mehr die Idee in sich aufkeimen, derzufolge ihm für solche Unbill von Seiten der Gottheit eine kaum zu berechnende große Genugtuung zugute kommen sollte.“ (2.GS 107,10)

 

Dieser Zorn gegen die Gottheit ist höchster Hochmut und Herrschsucht. Da ist dann der Menschengeist erneut böse geworden und befindet sich in der dritten Hölle, die er freiwillig nicht mehr verlässt.

 

 

13. Die Beschaffenheit des Menschen vor Jesus

 

Oalim, der zur Zeit der Urväter der Erde lebte, schilderte, wie er in einer Vision schaute, wie sein Leib durchsichtig wurde und in ihm drei Herzen ineinander steckten, „wie da stecken hinter oder vielmehr innerhalb der stachelicht rauhen Kastanienfrucht drei Kerne, und zwar zuerst der braune Schalekern, in diesem Schalekerne das eigentliche Fleisch oder der Fleischkern, und in diesem Fleischkerne erst hernach der kleine Keimkern, in welchem erst das Leben eingeschlossen ist, und in diesem die unendliche Mannigfaltigkeit und endlose Vielheit seiner selbst.

 

Das äußere Herz aber zersprang bald und fiel alsbald abgelöst hinab in eine endlose Tiefe, wo es vollends vernichtet wurde; und das war das äußere Fleischherz des Leibes.

 

Das inwendigere, substantielle Herz aber blieb und erweiterte sich beständig, (Bewusstseinserweiterung) darum es das innerste, überstark leuchtende Keimherz also nötigte, dieweil dieses selbst fort und fort wuchs und also auch stets größer wurde, wie da der Keim eines in die Erde gelegten Samens sich stets erweitert und zwar so lange fort, bis aus ihm dasteht ein mächtiger Baum.

 

Also auch war es mit diesem meinem innersten Keimherzen der Fall. Anfangs sah es nur aus, als wäre es ein Herz; als es aber dann stets größer und größer wurde, da bekam es auch immer mehr und mehr eine menschliche Gestaltung, und nun gar bald erkannte ich mich selbst in diesem neuen Menschen, der da geworden ist aus diesem meinem ehemals inwendigsten lichten Keimherzen.

 

Beim Anblicke dieses Menschen aber dachte ich mir: ,Hat etwa dieser neue Herzmensch in mir denn auch noch ein Herz in sich?‘

 

Und siehe da, alsbald wurde ich in diesem neuen Menschen gewahr, dass auch er noch ein Herz in sich barg!

 

Dieses Herz aber sah aus wie eine Sonne, und deren Licht war stärker denn das Licht der Tagessonne tausendfach genommen.“ (2.HG 72,11-17)

 

Hier schildert uns Oalim die dreifache Gliederung des Menschen vor Jesu Erdenleben. Der braune Schalenkern entsprach dem Fleischherzen mit dem Fleischleib, der Fleischkern der Kastanie entsprach dem Seelenherzen mit der substantiellen Seele, und der Keimkern, der wie ein Herz aussah, aber kein Herz war, entsprach dem Geist des Menschen. In dem Keimkern war das Leben eingeschlossen. Das Keimherz sah wohl wie ein Herz aus, aber in Wirklichkeit war es kein Herz, sondern ein Keim, aus dem ein neuer Mensch wuchs, nämlich der Geist des Menschen mit dem Geistherzen (Sonnenherzen). Alle drei Körper, der Fleischkörper, die substantielle Seele und der Menschengeist, hatten die Gestalt und das Antlitz des Menschen, hier des Oalim.

 

 

14. Der Brennpunkt des göttlichen Wesens

 

Nun aber sah Oalim in dem Geist- oder Sonnenherzen eine Gestalt, die nicht mehr sein Aussehen besaß, sondern das Aussehen des himmlischen Vaters hatte, so wie Er vor ihm stand.

 

Oalim: „Als ich aber dieses Sonnenherz stets mehr und mehr betrachtete, da entdeckte ich auf einmal in der Mitte dieses Sonnenherzens ein kleines, Dir, o heiliger Vater, vollkommen ähnliches, lebendiges Abbild.“ (2.HG 72,18)

 

Oalim ersah in der Mitte des Sonnenherzens ein kleines, lebendiges Abbild des heiligen Vaters. Das öffnete alsbald den Mund und sprach zu Oalim: „Richte empor nun deine Augen, und du wirst bald gewahr werden, woher und wie Ich in dir nun lebendig wohne!“ (2.HG 72,20)

 

Oalim richtete alsbald seine Augen aufwärts und erschaute in einer endlosen Tiefe der Tiefen der Unendlichkeit ebenfalls eine unermesslich große Sonne (Sie wird in der Welt der Geister die Gnadensonne genannt. 6.GEJ 88,3) und in der Mitte dieser Sonne aber dann den himmlischen Vater. Das war das Gotteszentrum. Vom heiligen Vater aus aber gingen endlos viele überlichte Strahlen, und einer dieser Strahlen fiel in das Sonnenherz des neuen Menschen und bildete dort das lebendige Abbild des heiligen Vaters. (2.HG 72,21-22) Dieses vollkommene Ebenbild des heiligen Vaters ist Sein Odem oder das eigentliche Leben in einem jeglichen Menschen. (1.HG 185,19)

 

Wie kommt nun das Abbild des himmlischen Vaters zustande? – Die Seele des Menschen gleicht einem Hohlspiegel. Wenn seine Spiegelfläche, durch die wahre Demut und Liebe fein poliert ist, so fängt dieser die Strahlen der Gnadensonne auf und konzentriert sie im Brennpunkt im Sonnen- oder Geistherzen. Der Brennpunkt des Seelenhohlspiegels verdichtet das Geisteslicht und entzündet das Feuer der Liebe. (5.GEJ 14,9-15) Da in der geistigen Sonne der himmlische Vater wohnt, so konzentriert sich im Brennpunkt Seine Gestalt mit Seinem Antlitz.

 

Johannes spricht: „Ihr wisset, dass der Geist des Menschen ein vollkommenes lebendiges Abbild des Herrn ist und hat in sich den Funken oder Brennpunkt des göttlichen Wesens.“ (2.GS 10,14)

 

Damit sich das Leben, das vom Gotteszentrum wie die Strahlen der Sonne ausgestrahlt wird, nicht in der Unendlichkeit verliert, sind die geschaffenen Geister als Lebenssammelpunkte in den Raum gestellt, damit sie das Gottesleben im Hohlspiegel ihres Herzens auffangen, (Fl. 7,7) im Brennpunkt konzentrieren und dem Gotteszentrum verstärkt zurückgeben. (Fl. 7,23)

 

Jesus sagt: „Wie du aber die Sonne dieser Welt wirken siehst dadurch, dass sie allenthalben gegenwärtig ist durch den beständigen Ausfluss ihres Lichtes nach allen erdenklichen Richtungen hin, also wirkt auch der Gnadensonne allenthalben wirkende Kraft als ein aus ihr strömendes Licht in allen Wesen schaffend und belebend gegenwärtig.

 

Wer nun versteht, recht viel des Lichtes aus der Gnadensonne der Himmel im Herzen seiner Seele aufzufangen, aufzunehmen und dann zu behalten durch die Macht der Liebe zu Gott, der bildet in sich selbst eine Gnadensonne, die der Urgnadensonne in allem völlig ähnlich ist, und die volle Innehabung einer solchen Gnadensonne ist dann ebenso viel als die Innehabung der allein wahren Lebensmeisterschaft.“ (6.GEJ 88,4-5)

 

 

15. Der reine Funke der Vaterliebe

 

Was wir bisher betrachtet haben, war die Beschaffenheit eines Menschen bis zu Jesu Menschwerdung und ist auch heute noch die Beschaffenheit eines Nichtchristen. Seit Jesu Erdenleben bekommen alle echten Christen, die an die Göttlichkeit Jesu und an Seine Lehre glauben, einen neuen Geist. Jesus sagt

 

Damit eine jede Seele ein vollkommenes göttliches Ebenmaß bekomme, wird einer jeden Seele ein neuer Geist aus Gott eingepflanzt, und sie dadurch eine neue Kreatur werden.“ (EME 54,9) Die Einlegung dieses neuen Geistes ist die Eingeburt, wobei ein reiner Funke der Liebe in das Herz des Geistes und damit auch in die Seele gelegt wird.

 

Jesus sagt: „Wird nun aber gegeben dem Geiste eine gute Kost, welche ist Mein geoffenbarter Wille und die Vermittlung durch die Werke der Erlösung – oder Meine Liebe im Vollbestande durch den lebendigen Glauben, so wird in dem Herzen des Geistes ein neues geistiges Bläschen gestaltet, in welchem ein reiner Funke Meiner Liebe eingeschlossen wird. Und wie es früher ging bei der Zeugung der Seele und aus derselben der des Geistes, ebenso geht es auch mit dieser neuen Zeugung des Heiligtums. Wird es nun vollends reif, dann zerreißt diese heilige Liebe die lockeren Bande des Gefäßes und strömt dann wie das Blut des Leibes oder wie die feinsten Substanzen der Seele oder wie die Liebe des Geistes in alle Organe des Geistes über, welcher Zustand dann die Neugeburt genannt wird, so wie der der Einlegung dieses Lebensbläschens genannt wird die Eingeburt.“ (3.Hi. Seite 13,12)

 

Was ist nun der Unterschied zwischen dem rein essenziellen, jenseitigen Geist und dem reinen Liebegeist? – Der essenzielle, jenseitige Geist ist ein kondensierter Brennpunkt des Allgeistes, (4.GEJ 256,2) wie er im ganzen unendlichen Raum vorhanden ist, aber der reine Funke der Liebe ist ein Geist aus dem Gotteszentrum und ist, wenn er in die Seele übergegangen ist, der Gott im Menschen, (3.Hi. Seite 14,14) denn Jesus sagte: „Der Geist aber, von dem Ich sage, dass er euer Geist sei, ist eben auch Mein Geist in euch.“ (5.GEJ 236,10) Er ist das jenseitige Alter ego, (5.GEJ 232,11) welches das andere oder zweite Ich im Menschen ist. Mit ihm können wir erst volle Gotteskinder werden.

 

Aus welchem Grund bekommen wir Christen einen neuen Geist? Jesus sagt: „Darum bin Ich gekommen in die Welt, um euch zu zeigen die rechte Umkehr zu Meiner Ordnung zurück und den rechten Weg, fortzuwandeln in derselben bis zur Erreichung der wahren Wiedergeburt des Geistes in die Seele, nach der kein böser Rückfall mehr denkbar und möglich ist. Dieses muss bei euch nun angebahnt werden, da denen, die einmal verkehrt worden sind, mit der alleinigen geflickten Umkehr der Seele wenig geholfen wäre. Die Seele muss zwar vorher ganz umkehren, bevor die Wiedergeburt des Geistes in die Seele zu erlangen ist; aber der ausgestopfte und ausgeflickte, also auf den rechten Weg gebrachte bessere Seelenzustand ist nicht haltbar, weil durch die Macht der Welt und ihre zeitlichen Vorteile eine pur ausgeflickte Seele nur zu leicht bei der nächsten, etwas stärker lockenden Gelegenheit wieder in ihre alt angewohnte Verkehrtheit verfällt.“ (4.GEJ 220,6-7)

 

Wenn sich die Seele und der Geist des Menschen bessern und zur Gottesordnung zurückkehren, so ist dieser bessere Seelenzustand bei so manchen Menschen und Geistern doch nicht auf Dauer haltbar. Nur zu leicht hält der Stopfen nicht und das schon angesammelte Lebenswasser fließt wieder aus der Seele heraus. Erst mit dem Erreichen der vollen Wiedergeburt des neuen Liebegeistes in die Seele ist kein Rückfall mehr möglich.

 

Um das (den Rückfall) aber möglichst zu verhüten“, sagt Jesus, „habe Ich nun den neuen Weg also angebahnt, dass Mein Geist, den Ich nun als einen Funken Meiner Vaterliebe in das Herz einer jeden Seele lege und gelegt habe, durch eure Liebe zu Mir, und daraus wahrhaft und tätig zum Nächsten, genährt werde, in eurer Seele wachse und nach Erreichung der rechten Größe und Kraft sich völlig mit der gebesserten Seele vereine und eins werde mit ihr, – welcher Akt dann die Wiedergeburt des Geistes heißen soll und auch heißen wird.

 

Wer diese erreicht hat, der steht dann freilich ums unvergleichbare höher als eine für sich allein noch so vollkommene Seele, die zwar auch vieles vermag, aber dessenungeachtet dennoch ewig nicht alles, was dem völlig Wiedergeborenen vorbehalten ist.

 

Dieser Funke Meiner Liebe aber wird in das Herz einer Menschenseele erst dann gelegt in der Fülle, wenn ein Mensch Mein Wort vernommen und es in seinem Gemüte gläubig und mit aller Liebe zur Wahrheit angenommen hat; solange dies nicht der Fall ist, kann kein noch so seelenvollkommener Mensch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen. Denn ohne Mein Wort, das Ich nun zu euch rede, kommt der Funke Meiner Liebe nicht in das Herz eurer Seele, und wo er nicht ist, kann er auch nicht wachsen und gedeihen in einer Seele und somit in derselben auch nicht wiedergeboren werden.“ (4.GEJ 220,8-10)

 

Jesus sagte, dass auf dieser Erde einer jeden Seele ein neuer Geist aus Gott, der Funke der Vaterliebe, eingepflanzt wird, (4.GEJ 220,8) aber eine jede Seele bekommt ihn erst dann in der Fülle, wenn sie Jesus und Sein Wort der Wahrheit mit aller Liebe angenommen hat. Das kann auch erst im Jenseits der Fall sein. (11.GEJ 52,8-13) Durch den lebendigen Glauben an Jesus wird der Funke der Vaterliebe eingelegt, aber erst durch die Tat der Liebe zu Jesus und zum Nächsten fängt dieser Funke an zu wachsen.

 

In der Folge aber werden auch die Kindlein, so sie auf Mein Wort und auf Meinen Namen gezeichnet und getauft werden, den Geistesfunken Meiner Liebe ins Herz ihrer Seele gelegt bekommen; aber dieser wird dennoch nicht wachsen bei einer verkehrten Erziehung, wohl aber bei einer Erziehung nach Meiner euch allen nun überklar gezeigten Ordnung, nach der vor allem das Gemüt, und von dem aus erst entsprechend der Verstand, gebildet werden soll. Das Gemüt aber wird gebildet durch die wahre Liebe und durch Sanftmut und Geduld.“ (4.GEJ 220,11)

 

Bereits die Kindlein, wenn sie durch einen lebendig glaubenden Christen getauft werden, bekommen den neuen Geistfunken der Vaterliebe ins Herz gelegt. Er fängt aber erst dann an zu wachsen, wenn sie in späteren Jahren Jesu Wort in die Tat umsetzen.

 

Den Geist aber“, sagt Raphael, „und noch mehr die eigenste Liebesflamme aus dem Gottesherzen, der zufolge ihr erst so eigentlich zu wahren Gotteskindern werdet, bekommet ihr Menschen dieser Erde eben jetzt erst und seid demzufolge unaussprechbar über uns hinaus bevorzugt, und wir werden euren Weg zu wandeln haben, um euch gleich zu werden.“ (3.GEJ 180,4)

 

Das heißt: Durch die Einlegung des Geistfunkens der Liebe und noch mehr durch die eigenste Liebesflamme aus dem Gottesherzen, welche Flamme die Taufe aus den Himmeln ist, werden wir Menschen erst zu wahren und vollen Gotteskindern. Die Eingeburt des Geistfunkens der Vaterliebe ist erst seit Jesu Erdenleben möglich. Allen, die damals Sein Wort gehört und an Ihn geglaubt hatten und Ihm ernsthaft gefolgt sind, bekamen durch ihre Liebe zu Jesus bereits den neuen Funken der Vaterliebe in ihre Herzen gelegt. (4.GEJ 220,8) Cyrenius war ein Erstling der Liebe Jesu, der diesen Funken bereits schon eingelegt bekam, als Jesus noch ein kleines Kind war. (JJ 189,17-22) An Pfingsten wurden die Jünger dann mit dem Geist der Wahrheit erfüllt, welcher die Taufe aus den Himmeln ist. Diese Taufe aus den Himmeln ist nicht die Einlegung des Liebefunkens, sondern sie führt zur Vereinigung des Liebegeistes mit der Seele und damit zur vollen Wiedergeburt. (6.GEJ 142,8)

 

Durch den Geist der Vaterliebe wird der jenseitige Geist aus Gott zur Seele oder zum Gefäß dieses neuen Geistes. (1.Hi. Seite 54,7) Durch ihn sind wir gleich Jesus erst wahrhaft frei, und Jesus denkt, fühlt, urteilt und handelt dann in uns wie ein vollkommenes zweites Ich. (1.RB 95,6)

 

Dein Geist“, sagt Jesus, „ist ganz das, was Ich Selbst bin. Somit bleibt zwischen uns fortan das völlig gleiche Verhältnis wie zwischen Vater und Sohn oder wie zwischen Bruder und Bruder. Denn deiner Seele nach, die nun dein äußeres Wesen ist, bist du Mir ein Sohn und deinem Geiste nach ein Bruder! – Die Seele ging hervor aus dem Urlicht Meiner Weisheit und ist um endlos vieles minder als das erschaffende Urlicht. Darum ist die Seele ein Sohn zu Mir, der Ich im Grunde des Grundes pur Liebe bin. Aber dein Geist, der da Meine Liebe Selbst in dir und somit Mein höchsteigener Geist ist, ist demnach Mein Bruder durch und durch! (1.RB 146,9)

 

 

16. Die Beschaffenheit eines Christenmenschen

 

Durch die Eingeburt des reinen Liebefunkens besitzt ein Christ eine vierfache Gliederung. Wie sich innerhalb der Schale eines Eies das Weiße, das Gelbe und in der Mitte des Gelben das rötliche Lebensknäulchen befindet, welches den Lebenskeim birgt, so steckt „in allem Naturmäßigen“, sagt Jesus, „Geistiges, Himmlisches und Göttliches.“ (5.GEJ 272,9-13) Hierbei entspricht das Naturmäßige der Schale des Eies oder dem Leib, das Geistige dem Eiweiß oder der Seele, das Himmlische, Reingeistige dem Eigelb oder dem Geist und das Göttliche dem rötlichen Lebensknäulchen oder der göttlichen Liebe im Menschen.

 

Auch im folgenden Vers kommt die vierfache Gliederung eines Christen zum Ausdruck: „Mit den Augen des Fleisches nehmet ihr wahr Dinge außer euch; mit den Augen der Seele in euch, und mit den Augen des Geistes schauet ihr aus dem Zentrum der Dinge und so auch eures Wesens. Aber erst durch den Hinzutritt Meines Geistes werden alle Dinge sprachfähig und lebendig durch und durch.“ (1.Hi. Seite 55,12)

 

Ein Christ besteht also aus dem Fleischleib, der Seele, dem Menschengeist und dem Gottesgeist. Einst fällt mit dem Tode der Fleischleib weg, womit der Mensch wieder aus einer Dreiheit besteht.

 

Jesus sagt: „Obschon aber ein im Geiste vollends wiedergeborener Mensch ganz nur ein vollkommener Mensch ist, so besteht seine Wesenheit aber dennoch ewigfort in einer in sich wohl unterscheidbaren Dreiheit.“ (8.GEJ 24,14)

 

Die Dreiheit des menschlichen Wesens bleibt ewig bestehen, denn im Jenseits besteht ein vollkommener Geist aus der vergeistigten Seele als der Außenform, dem jenseitigen Geist als dem Inhalt und dem Liebegeist als der Kraft.

 

 

17. Der Gottesgeist bleibt rein

 

Das eigentliche Gottwesen“, sagt Jesus, „kann niemand sehen und leben, denn Es ist unendlich und somit auch allgegenwärtig und ist sonach als Reinstgeistiges auch das Innerste eines jeden Dinges und Wesens.“ (6.GEJ 88,3)

 

Über alle Reiche aber wacht der Fürst der Fürsten, wie Er auch wacht – was kein Geist tun kann – in einem jeden einzelnen Spezifikum; und es ist darum, dass des Herrn Auge überall sieht, was da ist und geschieht.“ (EME 44,13)

 

Somit ist im ganzen unendlichen Raum, in jedem materiellen und substanziellen Spezifikum und damit in den Steinen, den Pflanzen, den Tieren und den Menschen das Reinstgeistige vorhanden, wodurch Gott alles wissen kann, was da ist und geschieht.

 

Jede Seele aber“, sagt Jesus, „ob in sich noch so schwach, ohnmächtig, zertragen und verdorben, hat in sich den Urlebenskeim, der nimmerdar verdorben werden kann.“ (4.GEJ 35,4)

 

Der Urlebenskeim, das Reinstgeistige eines jeden Dinges und Wesens kann nicht verdorben werden. Wenn ein Mensch sich mehr und mehr dem Wesen des Satans nähert und so zu einem Teufel wird, so bleibt das Reinstgeistige, der Urlebenskeim, der Gottesgeist (der reine Funke der Liebe) rein, da Er der Gott im Menschen ist. Dieser Geist ist das Entgegengesetzte des Satansgeistes. (EME 58,10)

 

Jesus sagt: „Will sich so eine Seele dem Satan nähern, dann tritt ein solcher Geist in ihr selbst als Richter, Rächer und Strafer auf und peinigt die Seele als ein unerlöschliches Feuer von innen aus.“ (EME 58,11)

 

Der reine Funke des Geistes Gottes ist das Gewissen im Menschen. (2.GEJ 210,3) Folgt ein Mensch seinem Gewissen, so gelangt er zur Seligkeit, folgt er ihm nicht, so peinigt ihn sein reiner Gottesgeist. Diese Pein, die sich zunächst als Gewissensbisse bemerkbar machen und sich dann bis zur höchsten Qual steigern können, wird umso stärker, je mehr er sich von der Ordnung Gottes entfernt.

 

Denn das ist der Unterschied zwischen der Seligkeit und zwischen der Verdammnis“, sagt Jesus, „In der Seligkeit geht die Seele (Seele und Menschengeist) ganz in den (Gottes) Geist über, und der Geist ist dann das eigentliche Wesen; in der Verdammnis will die Seele den Geist ausstoßen und einen anderen, nämlich den des Satans, annehmen. In diesem Falle wird sie das Unähnlichste dem Geiste, daher der Geist in ihr die vollkommen entgegengesetzteste Polarität ist. Als solche übt er dann jene Gegenkraft aus, welche von dem Satan fortwährend allergewaltigst abstößt; je näher eine Seele dem Wesen des Satans kommt, desto heftiger ist die Reaktion des Geistes in ihr gegen den Satansgeist. Diese Reaktion aber ist für die Seele die allerschmerzlichste Empfindung, und daher datiert sich auch das Leiden und die Pein der Hölle, wie sich auch eben diese Reaktion als das unerlöschliche Feuer in der Erscheinlichkeit kundgibt. Und das ist eben auch der Wurm in der Seele, der nicht stirbt, und dessen Feuer nicht erlischt; und es ist dann ein und dasselbe Feuer, welches im Engel die höchste Seligkeit und im Teufel die höchste Unglückseligkeit gebiert.“ (EME 58,12)

 

Ein gewordener Teufel kann seinen Gottesgeist solange nicht loswerden, bis die substantielle Seele wieder in einzelne Partikel aufgelöst worden ist, denn dabei geht er des Gottesgeistes verlustig. Wenn solch ein Teufel in der dritten und untersten Hölle angekommen ist, dann ist er aus ihr durch keine göttliche Erziehungsmaßnahme mehr herauszubringen. Sein Zorn gegen Gott und damit sein Hochmut und seine Herrschsucht sind dann so groß geworden, dass Gott beim großen Weltgericht seine Seele auflösen und wieder in die Materie einbinden muss. Dann muss er nochmals die Naturseelenentwicklung durch das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich durchlaufen. (2.Hi Seite 445,6-8) Jesus sagt:

 

Wohl ist die Materie (Mit Materie ist hier die substantielle Seele gemeint, und der Menschengeist war an sie gebunden.) ja bestimmt, erweckt zu werden durch die Kraft eines jenseitigen, reinen Geistes zur Auferstehung aus den langen Gerichten; aber dann muss die Materie nach der ihr wohl eingeprägten freien Intelligenz übergehen in die rechte Form und Wesenheit ihres jenseitigen Geistes, der ein Licht ist aus Gott. Geschieht das von der Materie nicht, so kehrt der jenseitige Geist in seinen Urquell zurück, und die für immer belebt werden sollende Materie fällt abermals in ihr altes Gericht und wird im selben lange zu harren haben, bis etwa einmal abermals ein jenseitiger Geist sie erwecken wird zu einer neuen Lebensprobe.“ (5.GEJ 171,8)

 

Die Urindividualität einer Seele, d.h. die individuelle Zusammensetzung ihrer Eigenschaften, bleibt ihr auf ewig erhalten. Nur wenn eine Seele mit ihrem Geist ganz homogen mit dem Satansgeist geworden ist, geht sie ihrer Urindividualität verlustig. Dann wird die Seele wieder aufgelöst, die mit großer Mühe zusammengefügt worden war. Mit den böse gewordenen Geistern und ihren Seelen muss dann wieder ein langwieriger Weg in der Naturseelenentwicklung eingeschlagen werden.

 

Da wird dann nach langen Zeiten aus einem Teil dieser Seelenatome zusammen mit anderen eine neue Seele. Die ursprüngliche Seele mit ihrem Geist hat damit ihre Urindividualität und damit ihre Gotteskindschaft verloren, kann aber noch die geschöpfliche Seligkeit erreichen. (2.RB 294,4-7) Sie erinnert sich dann nicht mehr an ihr ursprüngliches Wesen, weil sie ein anderes Geschöpf geworden ist.

 

 

18. Die Lebensvollendung

 

Jesus sagt: „Der menschliche Geist aber soll ebenso vollkommen werden in sich und durch sich, wie der Urgeist Gottes in Sich und durch Sich vollkommen ist, ansonst der Geist kein Geist, sondern ein gerichteter Tod ist. Damit aber der Menschengeist das werden kann, muss ihm die Gelegenheit geboten werden, sich ebenso entwickeln zu können in der Zeit, wie sich der göttliche Geist in Gott Selbst von Ewigkeit her in, aus und durch Sich Selbst gebildet hat!“ (2.GEJ 28,9-10)

 

Den Geist des Menschen, der in einem Bläschen eingeschlossen ist, gilt es aus seinem Gefängnis zu befreien, indem er aus seinem Bläschen heraustritt und zu wachsen anfängt. Dazu muss er mit geistiger Kost genährt wird, welche das Wort Gottes und das Handeln danach ist, damit er bis zur vollen Größe des Leibes wachsen, in die Seele übergehen und mit ihr eins werden kann.

 

Ist die allgemeine Kost schlecht“, sagt Jesus, „so wird am Ende alles schlecht und somit auch verwerflich; ist aber die allgemeine Kost gut, so wird am Ende auch alles gut und annehmbar. Nun seht, das sind einmal die natürlichen Bestandverhältnisse zwischen Leib, Seele und Geist. Nun fragt sich, was da eine schlechte und was da eine gute Kost ist?

 

Seht, alles Weltliche ist schlecht, weil es den Geist wieder zur Welt wendet, aus deren Todeskerkernacht Ich ihn der Materie entriss und gelegt habe in das Herz der Seele, damit er da wieder lebend und geläutert werde von allem sinnlich naturmäßig materiell Weltlichen, und damit er da endlich fähig würde zur Aufnahme des Lebens aus Mir.“ (3.Hi. Seite 12,10-11)

 

Der reine Funke der Vaterliebe, der im Herzen des Geistes in einem Bläschen eingeschlossen ist, muss ebenfalls befreit werden. Durch die Liebe zu Jesus wird dieser Funke genährt, wächst heran und eint sich dann mit dem Menschengeist und der Seele, wodurch erst die volle Wiedergeburt des Geistes erreicht wird.

 

In dem Maße aber die Seele die stets reineren geistigen Wege tätig begeht“, sagt Jesus, „in demselben Maße eint sich dann auch ihr innerer, reiner und jenseitiger Geist mit ihr. Und hat sie sich durch ihren in sich stets lauterer gewordenen Verstand und durch ihren dadurch auch stets freier gewordenen Willen aller Welt vollends entäußert, so ist sie ihrem Geiste gleich und eins mit ihm geworden, welche Einswerdung wir die geistige Wiedergeburt nennen wollen.“ (7.GEJ 69,7)

 

Mit der vollen geistigen Wiedergeburt ist der Mensch mit Gott eins geworden, und dann beginnt eigentlich erst das wahre Leben in der Seligkeit, das ewig kein Ende nehmen wird.

 

(Mit Genehmigung des Verfassers, 7/2020)

 

 

Quellenverzeichnis

GEJ - Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981

Band 11, Leopold Engel, 1987

HG - Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1981

GS - Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955

EME - Erde und Mond, Die Erde, Jakob Lorber, 1953

RB - Von der Hölle bis zum Himmel, Robert Blum, Jakob Lorber, 2 Bände, 1963, 1965

BM - Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960

JJ - Die Jugend Jesu, Jakob Lorber, 1996

Hi. - Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände, 1935, 1993

DTT - Die drei Tage im Tempel, Jakob Lorber, 1952

Fl. -  Die Fliege, Jakob Lorber, 1979

Alle Bücher sind erhältlich im Lorber Verlag, Hindenburgstr. 5, D-74308 Bietigheim/Württ.

1.Thess. - Bibel, 1.Thessalonicher

Ps. - Bibel, Die Psalmen