Die Kraft des Gebetes Teil 2




Teil 3: Das vollkommene Bitten


11. Die Übung des Betens und Bittens

im Geist und in der Wahrheit

 

Wollen wir vom himmlischen Vater etwas erbitten, so sollten wir in unser Liebeskämmerlein des Herzens gehen und mit dem Geist, der dort wohnt, beten und bitten. – Wie geht das?

 

Jesus zeigt uns dazu im Gedicht „Stille Einkehr“ eine Übung, mit der wir lernen können, allein mit dem Geist im Herzen zu beten und sagt: „Es sei euch ein Lied beschieden, aus dessen geheimnisvoller Weise ihr sollet im Geiste und in der Wahrheit beten; denn wer das nicht kann, der ist noch nicht geschickt zu Meinem Reiche, daher ist es nötig, euch davon eine kurze Meldung zu tun. Das kurze Lied soll es euch lehren, wie folgt:

 

Der Leibesstimme Hauchgewimmer,

das dringt zu Meinen Ohren nimmer,

und ein Gebet – nur mit dem Munde

sei niemals eurer Bitten Kunde.

 

Ein lautes, nur mit dem Munde gesprochenes Gebet dringt nicht bis zu den Ohren Gottes, es sei denn, es wäre auch gleichzeitig mit dem Herzen gesprochen worden.

 

Im Herzen nur soll reden lernen,

auf Erden so wie in den Sternen,

der da mit Mir will Rede führen,

ansonsten wird er sich verirren.

 

Wer seine Gebete von Gott erhört haben will, der muss mit dem Geiste im Herzen beten. Aber das muss gelernt werden, wozu viel Übung gehört.

 

Und wenn ihr möcht’t Mein Wort vernehmen,

sollt ihr an Stimme euch nie stemmen,

im Herzen müsst ihr Worte bauen

und nur in dessen Inn’res schauen.

 

Wessen Aufmerksamkeit immer auf die äußere Welt gerichtet ist, kann des Vaters Stimme nicht vernehmen. Er zeigt uns nun eine Übung, wie wir mit dem Herzen beten lernen können. Dazu müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf unser Inneres richten.

 

Ihr nehmt zum Beispiel: „Unser Vater“,

und sprecht es matt und immer matter,

am Ende lasst ihr weg die Stimme,

horcht nur noch auf des Geist‘s Gewimme.

 

Dann sollen wir das Gebet sprechen, das Jesus uns lehrte, indem wir laut anfangen und dann immer leiser werden. Schließlich sollen wir die Stimme weglassen und es soll nur noch die Seele die Worte des Gebets denken. Auch die Gedanken der Seele sollen immer schwächer werden, bis wir nur noch den geistigen Begriff der Gebetsworte in unserem Herzen erklingen lassen.

 

Gleich einem Echo werd’t ihr finden

sich Worte sanft dem Geist entwinden,

und geht’s – wie schwer auch – im Beginnen,

nicht lasset ab, ihr werd’t gewinnen.

 

Nach viel Übung ertönen ähnlich einem Echo die Worte des Gebets, die wir mit unserem Geist im Herzen sprechen. Wenn es auch anfänglich schwer geht, so sollen wir aber doch im Üben nicht nachlassen.

 

Gleich wie die Kinder anfangs lallen,

um ihren Willen euch zu malen,

so ist es auch mit innrer Sprache,

Gewöhnung kläret wohl die Sache.

 

Wie die Kleinkinder anfangs ihre ersten Worte lallen und wir sie noch nicht richtig verstehen können, so sind auch unsere ersten Worte, mit dem Geist im Herzen gesprochen, vorerst nur wie ein Lallen. Aber wie die Eltern Freude an den ersten gelallten Worten ihrer Kinder haben, so hat auch der Vater Freude an unseren ersten mit dem Geist im Herzen gesprochenen Worten, die Er versteht, auch wenn sie noch nicht ganz gelungen sind.

 

Zu allem – höret! – gehöret Schule,

sonst wird gar all’s zu einer Nulle,

darum muss Obiges geschehen,

sonst könnt ihr nie den Geist verstehen.

 

Wie wir alles lernen müssen und uns ohne Übung nichts Großes gelingt, so müssen wir auch das Beten mit dem Geiste im Herzen üben, wenn wir den Geist verstehen und aus ihm handeln wollen.

 

Und habt ihr das in euch gewonnen,

und seid zu beten gern gesonnen,

dann sollt derart im Geist ihr flehen,

Ich werde euch gar wohl verstehen.

(PG Seite 75)

 

Wem das gelungen ist, der hat das Beten seines Kopfes vom Beten seines Geistes unterscheiden gelernt. Dann sollen wir im Geiste beten und flehen, denn dann dringt das Gebet zu den Ohren des himmlischen Vaters.

 

 

12. Die Übung im Bitten,

um zur vollen Glaubenskraft zu gelangen

 

Ein bekehrter Schriftgelehrter fragte einst Jesus: „So wir Dich nun in Deiner Gegenwart um etwas Rechtes bitten, so erhörst Du denn auch bald und leicht unsere Bitte; aber wie dann, so Du persönlich nicht also gegenwärtig bist wie jetzt? Wie haben wir dann zu bitten?“

 

Da gab ihm Jesus zur Antwort: „Diese Deine Frage sieht wohl noch ganz pharisäisch aus! So du lebendig an Mich glaubest, so wird dir auch allzeit werden, was du den Vater in Mir in Meinem Namen bitten wirst, und dazu bedarf es Meiner persönlich sichtbaren Gegenwart nicht, da Ich im Geiste überall gegenwärtig bin und alles sehe und höre und um alles vom Größten bis zum Kleinsten auf das allergenaueste und klarste weiß.“ (9.GEJ 86,8-9)

 

Wer aber voll lebendigen Glaubens im Herzen Mich um etwas Rechtes bitten wird, dem wird auch werden, um was er gebeten hat.

 

Wer aber in Meinem Namen nach Meiner Lehre lebt und handelt, der betet wahrhaft ohne Unterlass, und es wird ihm darum auch allzeit gegeben werden, wessen er bedarf.“ (9.GEJ 86,12-13)

 

Wenn die Menschen nach Jesu Lehre leben und handeln, dann wird ihnen gegeben, wessen sie bedürfen und dann werden auch ihre Bitten erhört. Darin sahen aber einige Jünger Jesu den Haken, weil der Mensch eben dann und wann eine Sünde begeht und dann seine Bitten nicht erhört werden. Sie sagten: „Herr, es wäre schon alles recht, so der Mensch in dieser Welt keinen Versuchungen zur Begehung einer Sünde ausgesetzt wäre! Wenn der Mensch irgend in einer schwachen Stunde dann doch sehr leicht möglicher Weise eine oder die andere Sünde begeht, so wird er dadurch in seinem Vertrauen und Glauben schon geschwächt; und so er auch die begangene Sünde bereut und irgendeinen durch sie verursachten Schaden völlig gutgemacht hat, so bleibt doch eine Scheu in der Seele, vermöge der er sich nicht so glaubensvoll zu Dir zu wenden getraut, als hätte er nicht gesündigt.

 

Was soll dann solch ein Mensch tun, um Dich also um etwas zu bitten, dass er es voll glaubte, dass Du ihn erhören werdest?“

 

Sagte Jesus: „Der soll wissen, dass Ich erstens kein zorniger und rachgieriger, sondern ein geduldiger und liebevollst sanftmütiger Gott bin, wie das schon durch den Mund der Propheten ist gesagt worden und Ich nun zu allen Sündern rufe: Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und mit Sünden belastet seid; denn Ich will euch alle erquicken!

 

Und zweitens sollen sich die Menschen im wahren Beten allzeit üben und darin nicht laß werden; denn ein rechtes und festes Vertrauen wird dem Menschen auch durch eine rechte Übung eigen, die noch stets dem Jünger in was immer für einem Fache zur Meisterschaft verholfen hat.

 

Ein mit allen diesirdischen Gütern wohlversehener Mensch verlernt leicht das wahre und glaubensvolle Beten. Kommt endlich einmal eine Not über ihn, so fängt er wohl auch an, durchs Beten bei Gott Hilfe zu suchen; aber er hat bei sich zu wenig Vertrauen dahin, dass er bei Gott werde Erhörung finden, und der Grund liegt offenbar im Mangel an der Übung des lebendig vollen Vertrauens zu Gott.

 

Wodurch aber kann der Mensch sein Vertrauen zu Gott wohl besser kräftigen als durch die Übung, bestehend im Beten und Bitten ohne Unterlass? Worin aber hauptsächlich das Beten und Bitten ohne Unterlass besteht, habe Ich euch schon gezeigt.“ (9.GEJ 87,1-6)

 

Dann gab Jesus den Jüngern ein Gleichnis: „Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich auch vor keinem Menschen. (Luk.18,2) Es war aber auch eine Witwe in derselben Stadt; die kam zu ihm und sprach: ,O du gerechter Richter, rette mich vor meinem Widersacher; denn siehe, so und so stehen die Sachen völlig gerecht auf meiner Seite!‘ (Luk.18,3)

 

Der gerechte Richter sah das wohl auf den ersten Blick ein; aber er war nicht gelaunt und wollte der Witwe Prozess nicht annehmen. Die Witwe aber ließ nicht nach, kam zu wiederholten Malen zum Richter und bat ihn auf den Knien, sich ihrer anzunehmen.

 

Da dachte der Richter bei sich selbst: ,Was will ich da machen? Ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte und auch keinen Menschen scheue, – da mir diese Witwe nun schon so viele Mühe macht, so will ich sie retten, auf dass sie am Ende nicht noch zu öfteren Malen wiederkommt und mich mit ihren Bitten vollends betäubt!‘ (Luk.18,4-5)

 

Habt ihr aus diesem Bilde wohl vernommen, was der Richter gesprochen und auch getan hat? Wenn aber schon ein nach dem Gesetze streng gerecht richtender Richter das anhaltende Bitten einer bedrängten Witwe wohl erhört und ihr hilft, sollte dann Gott nicht noch eher Seine Auserwählten retten, die Tag und Nacht zu Ihm rufen, und sollte Er etwa weniger Geduld und Liebe mit und zu ihnen haben, als solches der Richter mit und zu der Witwe hatte? (Luk.18,6-7)

 

Wahrlich sage Ich euch, Er wird sie erhören und erretten in Kürze, und das nun in dieser Zeit, wie auch in der fernen, allwann Er als Menschensohn, wie nun, auf diese Erde wiederkommen wird!“ (9.GEJ 88,2-6)

 

Sagte darauf Andreas: „Hier handelt es sich pur um die Übung im Glauben und Vertrauen; ist dieses einmal zu einer gewissen unbeugsamen Kraft gelangt, so ist die Erhörung und die Hilfe auch schon da.“ (9.GEJ 88,11)

 

Jesus will, dass wir Ihm Mühe machen und im Bitten nicht nachlassen. Ein Beispiel:

 

Ein südkoreanischer Pastor bekam während seiner Predigt einen Anruf seiner Frau, dass der Sohn im Sterben läge. Es kam später heraus, dass 30 Studenten mit Insektizid stark vergiftete Nahrung gegessen hatten. Der Sohn hatte sein Bewusstsein verloren und zitterte am ganzen Leibe. Der Arzt hatte ihn aufgegeben. Der Pastor, durch dessen Gebet schon viele Kranke geheilt wurden, war wohl sehr verzweifelt, aber dann sagte er in größter Entschlossenheit: „Ich werde nicht aufgeben!“

 

Er begann zu beten. Er betete während einer Stunde, aber nichts geschah. Er betete während zwei Stunden und nichts geschah. Während drei Stunden betete er und es geschah immer noch nichts. Sein Sohn wurde immer schwächer und schien schon fast gestorben zu sein. Es kam ihm der Gedanke, aufzugeben, weil er schon tot sei, aber er verwarf den Gedanken sofort und schrie in höchster Not zu Jesus.

 

Als er mehr als vier Stunden gebetet hatte, fühlte er, dass Jesus ihn berührt hatte. Er fühlte, wie die lebendige Kraft Jesu Christi durch ihn floss und alle Furcht sein Herz verließ. Sein Herz wurde voll festen Glaubens. Da sprach er mit lauter Stimme: „Im Namen Jesu Christi, Samuel, steh auf!“ Im nächsten Moment sprang Samuel von seinem Bett auf. Er öffnete seinen Mund und brach all das Gift heraus. Er sah Jesus an seiner Seite stehen. Er wurde wieder gesund, während alle anderen Studenten gestorben waren. (YC)

 

 

13. Den Herrn mit größerer Festigkeit um Hilfe bitten

 

Johannes, der Jünger der Liebe ist es, der uns in die tieferen Geheimnisse des Bittens einführt, indem er erklärt, wie diese ganz sicher erhört werden und sagt: –

 

Der Herr muss nach dem Grade und Maße eines Problems zu Hilfe gerufen werden, sodann erst wird es geschehen, was da geschehen soll.“

 

Wir fragen hier wohl: „Ja, warum denn? So wir den Herrn um Hilfe anflehen, da wird Er uns wohl genau so viel helfen, als wir es vonnöten haben.“

 

Johannes aber sagt uns, dass dem Herrn an unserer Selbsterkenntnis gelegen ist. Deshalb will uns der Herr unsere Not und das der Not zugrundeliegende sündige Hindernis selbst beurteilen und bemessen lassen, „denn der Herr“, sagt Johannes, „ist zwar überaus liebevollst gut und freigebig mit Seiner Gnade und Erbarmung, aber dabei dennoch stets im vollkommensten Grade respektierend die freie Tätigkeit des Geistes in jeder Beziehung, sowohl in der Willens- als in der Erkenntnissphäre.“

 

Deswegen sollen wir unser Anliegen als groß und dringend beurteilen und nicht mit falscher Bescheidenheit um weniger bitten und weniger dringend erbitten, als wir es benötigen, denn sonst müssten wir es uns selbst zuschreiben, wenn nach vielen Gebeten nicht die gewünschte Hilfe gewährt wird. Wenn wir unser Anliegen als ein größeres Problem vor den Herrn bringen, so muss es auch mit größerer Festigkeit erbeten werden.

 

Worin aber besteht die größere Festigkeit, mit der wir den Herrn angehen sollen?

Johannes sagt: „Der Schmied sagt zu seinem Gesellen: Zur Schmelzung von wenig Eisen genügt auch eine geringere Kohlenglut, und die Esse braucht dazu den Atem nicht so tief zu holen; wenn aber ein großer Klumpen Eisen soll geschmolzen werden, da spricht der Schmiedmeister zu seinem Gesellen: Nun bringe drei Körbe fester Kohle, und lass die Esse festweg gehen, sonst wird der große Metallklumpen kaum an die Rotglühhitze gelangen. Ich meine, diese Schmiedmeistersregel… wird auch für uns gar überaus wohl anzuwenden sein. Mehr Kohle, mehr Essenwind heißt so viel als: mehr Liebe und mehr Vertrauen, und es wird werden nach dem gläubigen Verlangen!“ (2.GS 30,10-20)

 

Mit mehr Essenwind allein, ohne dass genügend Kohlen da sind, kann das Eisen nicht geschmolzen werden. Das heißt: Mit mehr Vertrauen und Glauben allein, ohne dass genügend Liebe zum himmlischen Vater da ist, kann kein großes Wunder geschehen.

 

Aber auch mit mehr Kohlen allein, ohne dass der Essenwind genügend bläst, kann das Eisen ebenfalls nicht geschmolzen werden. Das heißt: Mit viel Liebe zum Vater allein, ohne auch ein unerschütterliches Vertrauen und einen festen Glauben zu Ihm zu haben, dass Er ganz gewiss die Bitte erhört, kann ebenfalls kein großes Wunder geschehen.

 

 

14. Sich mit allen Gedanken und Gefühlen

in die Tiefe des Herzens versetzen

 

Woher bekommen wir nun mehr Kohle oder Holz, um den Funken der Liebe im Seelenherzen in ein hell loderndes Feuer übergehen zu lassen? – Das verrät uns Jarah, als sie einst gefragt wurde, wie sie bete. Sie antwortete: „Ich versetze mich mit allen meinen Gedanken und Gefühlen in die tiefste Tiefe meines Herzens, worin die Liebe zu Gott zu Hause ist. Dadurch bekommt diese heilige Liebe ebenalso Nahrung, als wenn du auf eine stille Glut, die nicht mehr flammt, gutes, dürres und sehr leicht brennbares Holz legst.

 

Das Holz wird die stille Glut gar bald dahin erwecken, dass sie über sich ganz kleine Flämmchen wird zu treiben anfangen; diese Flämmchen werden dann alsbald das Holz ergreifen, und darauf wird das Ganze in die hellsten Flammen übergehen, und es wird dann überlicht und vollends lebenswarm werden im Herzen. Dann erst spricht der dadurch erweckte gottähnliche Geist im Herzen (das Gebet).

 

Sieh, das heiße ich beten, welches Beten aber vor Gott erst offenbar nur dann etwas gilt, wenn zuvor in aller Tiefe des Herzens auf die vorbeschriebene Art und Weise die Liebe zu Gott in die lichten und heißen Flammen übergeschlagen hat durch die Einung aller Gedanken und Gefühle im göttlichen Zentrum des Herzens; fehlt dieser Vorakt (Vorgang), so ist jedes Gebet mit bloßen, noch so schönen Worten vor Gott ein Greuel und wird nicht angesehen und nicht angehört.“ (3.GEJ 123,1-5)

 

Wenn wir nasses Holz auf die Glut legen, wird es nicht brennen, solange es nass ist. Das nasse Holz ist die Freude und das Verlangen im Herzen nach allem, was Welt, Materie und Fleisch heißt, sowie auch alle Gedanken, die aus diesem Verlangen hervorgehen.

 

Das trockene Holz sind die Gefühle der Liebe zum himmlischen Vater in Jesus und die aus ihnen hervorgehenden Gedanken an Ihn. Die Gedanken und Gefühle müssen eins sein, müssen beide auf Jesus hin ausgerichtet sein, denn mit dem Herzen denkt der Mensch oft schnell an das, was ihn wirklich bewegt und was er wirklich liebt und nicht an das, was er mit den Kopfgedanken gerade betet.

 

Wenn wir aber unser Herz in der Liebe zum himmlischen Vater erheben und mit unseren Herzensgedanken oder Gefühlsworten der Liebe Ihn im Namen Jesu um etwas bitten und dann noch in die Glut blasen, indem wir mehr Vertrauen zu Ihm fassen, dann muss ja das Feuer der Liebe zum himmlischen Vater hell auflodern und dann wird geschehen, was Jesus spricht:

 

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.“ (Joh 15,7)

 

Der himmlische Vater sagt: „Rufet Mich an in der Not, und Ich will euch erhören. So ihr also glaubet, dass Ich bin und dass Ich euch liebe, dass Meiner Macht und Meinem Willen nichts unmöglich ist, wird auch euer Ruf aus dem Herzen kommen, und ohne zu zweifeln, werdet ihr der Erfüllung eurer Bitte, Meiner Hilfe, harren. Und es wird euch geholfen werden. Doch jeder Zweifel schwächt die Kraft des Glaubens, ihr machet dann das Wirken des Geistes in euch unmöglich, ihr hindert ihn selbst daran, Mir, dem Vatergeist, zuzustreben, und er kann euch dann auch nicht die Kraft vermitteln, die von Mir auf euch durch den Geistesfunken überströmt.

 

Wahrhaft gläubige Kinder will Ich Mein eigen nennen, die dem Wort des Vaters schrankenlos vertrauen, die sich Ihm hingeben in jeder Not und Gefahr, die nicht bangen und kleinmütig werden, weil sie sich im Schutz des liebenden Vaters geborgen wissen. Diese Tiefe des Glaubens macht euch überstark im Geist, sie bannt jede irdische und geistige Not, denn ein unerschütterlicher Glaube gestattet Mir ungehindertes Wirken und ständige spürbare Gegenwart. Dann kann Ich auch offensichtlich wirken, Ich kann unmöglich Scheinendes zustande kommen lassen, weil ein tiefer Glaube eine Kraftfülle zur Folge hat, durch die der Mensch selbst oder auch geistige Kraft für ihn zum Überwinder wird dessen, was ihm Sorge macht.

 

Glaubet, und es wird euch immer geholfen werden, lasset durch euren Glauben Meine Kraft in euch einströmen und euch nun vom Geist in euch Ruhe und Sicherheit gewähren, denn die vermehrte Kraft in euch geht von Mir aus, sie ist Ausfluss Meiner Selbst, und also bin Ich Selbst in und bei euch je nach der Stärke des Glaubens und der Innigkeit eures Rufes zu Mir.“ (BD 3681)

 

 

15. Des Geistes vereinte Willenskraft in der Liebe zum Herrn

 

Wer die mit seinem Geiste vereinte Willenskraft in dem Herrn hat, der wird in seinem Geiste im Besitze der Kraft und der Reichtümer des Geistes sein, und das ist ein Besitz in der Fülle. Der Herr schuf den Menschen nach Seinem Ebenbilde und hat ihn mit werktätig schöpferischer Kraft ausgerüstet. Die schöpferische Kraft aber hat Er nur wie ein Samenkorn in uns hineingelegt. Wenn aber also, dann kann ein unfester, kraft- und werkloser Mensch, der sich noch nie in der Festigkeit des Geistes versucht hat, ja doch unmöglich im Bereiche des Bittens etwas erreichen. Wie vieles aber daran liegt, dass wir festen, nicht wankelmütigen Geistes sind, zeigt uns der Herr bei verschiedenen Gelegenheiten.

 

Er begünstigt Petrum wegen der Festigkeit seines Glaubens; wieder heißt Er denjenigen einen klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baut, wieder spricht Er von Johannes dem Täufer, dass er kein Rohr ist, das von dem Winde hin und her bewegt wird. Gar oft spricht Er: „Es geschehe dir nach deinem Glauben; dein Glaube hat dir geholfen!“ Mit diesen Worten will Er sagen, dass wir uns einen Gott gleich festen Willen aneignen und uns durch nichts aus der festen Richtung des Geistes bringen lassen sollen. Ebenso preist Er auch die Macht des festen Geistes mit folgenden Worten an:

 

So ihr Glauben hättet wie ein Senfkörnlein groß, so könntet ihr zu diesem Berge sprechen: Hebe dich von hinnen und stürze ins Meer! – Es wird geschehen nach eurem Glauben.“ (Matth. 17,20)

 

Aus diesen angeführten Texten, dergleichen es noch mehr gibt, können wir hinreichend klar entnehmen, worauf es vorzugsweise beim Bitten ankommt. (2.GS 18,11-17)

 

Wenn die Menschen auf der Erde wüssten“, spricht Johannes, „worauf es ankommt, um in ihrem Wollen etwas zu effektuieren, so würde gar manches Wunderbare geschehen; aber die Menschen wissen zum größten Teile ja kaum, dass sie einen Geist haben, weil dieser bei ihnen schon lange von ihrer Materie aufgesogen worden ist. Woher sollen sie es dann wissen, was in ihrem Geiste liegt?

 

Euch aber, die ihr nun den Geist schon ein wenig habt kennengelernt, kann ich es nun schon ein wenig kundgeben, worauf es hauptsächlich ankommt, um eben aus dem Geiste mächtig, unfehlbar, bestimmt und wahrhaft wunderbar zu wirken.

 

Worauf kommt es denn eigentlich an? – Höret, ich will euch dafür ein kleines Rezeptchen geben. Nehmet davon alle Morgen und Abende einen guten Esslöffel voll ein, und ihr werdet euch überzeugen, dass dieses Rezept ein wahrhaftiges Wunder-Arkanum ist.

 

Die erste Spezies besteht darin, dass man sich gleich nach dem Erwachen mit dem Herrn durch die Liebe in Seinem Willen vereint; solches muss auch abends geschehen. – Wenn dann jemand etwas möchte (also eine Bitte hat), so habe er acht auf den ersten Gedanken; das ist die zweite Spezies. Diesen halte er nun augenblicklich fest und vertausche ihn um alle Weltreichtümer nicht mehr mit einem zweiten.

 

Hat er solches getan, dann bitte er den Herrn, dass Er Sich möchte mit Seiner unendlichen Stärke vereinen mit der Schwäche des eigenen Willens, erfasse den Herrn dabei abermals mit seiner Liebe, – das ist die dritte Spezies. Ist solches in aller wankellosen Festigkeit geschehen, dann geselle er zu diesen drei Spezies noch eine vierte hinzu, und das ist der fixiert feste Glaube.

 

Wenn diese vier Spezies beisammen sind vollkommen, so ist die Wundermedizin auch schon fertig.

 

Wer es nicht glauben will, der wird in sich wohl schwerlich die Probe ausführen können; wer es aber glaubt, der gehe hin und tue desgleichen, und er wird sich überzeugen von der vereinten Kraft des Herrn in seinem Geiste.“ (2.GS 18,18-24)

 

Zusammenfassung die vier Spezies:

  1. Morgens, gleich nach dem Erwachen sich mit dem Herrn durch die Liebe in Seinem Willen vereinen. Das musste auch schon abends vor dem Einschlafen geschehen.
  2. Eine Bitte an Jesus richten und Acht auf den ersten Gedanken haben. Diesen Gedanken festhalten und nicht mit einem anderen vertauschen.
  3. Den Herrn bitten, dass Er Sich mit Seiner unendlichen Stärke vereinen möchte mit der Schwäche des eigenen Willens, und den Herrn dabei abermals mit seiner Liebe erfassen.
  4. In aller wankellosen Festigkeit den Glauben fixieren.

 

 

Teil 4: Die Anwendung des Bittens

 

16. An wen sollen wir unsere Bitten richten?

 

Viele Christen richten ihre Bitten an Schutzgeister, Schutzpatrone, Engel, Heilige oder an Maria, der Leibesmutter Jesu. Jesus aber sagt: „Es gibt auf dem Wege der reinen Wahrheit nur einen einzigen wahren Schutzgeist - und dieser bin Ich Selbst. Wer zu Mir kommt, mit was immer für einem Bedürfnisse und schlingt das lebendige Band des Glaubens um Mich, den allein Lebendigen, wie soll dem nicht werden, darum er sich mit Mir durch den lebendigen Glauben verband? Alle anderen ‘Schutzgeister’ rühren her vom… Schwachglauben (der Menschen). Da sich aber Menschen darauf berufen haben, sich noch jetzt berufen und in die Zukunft berufen werden, so bleibt vorderhand, um die Freiheit der Menschen unbeschadet zu lassen, nichts anderes übrig, als den Schwachgläubigen auf dem Wege der vermeintlichen Dazwischenkunft (der Mittlerschaft eines Schutzpatrons) Meine Hilfe und Vorsehung angedeihen zu lassen.“ (1.Hi. Seite 379,6-380,8)

 

Der Schwachglaube ist der Glaube, der dem Vater selbst nicht voll vertraut und sich deswegen an andere geistige Wesen wendet. Was würden aber irdische Eltern sagen, wenn sich ihre Kinder, wenn sie einen Wunsch haben, sich an den Onkel oder die Tante wenden würden, anstatt vertrauensvoll zu ihnen zu kommen? Ich glaube, sie wären doch sehr enttäuscht, dass ihre Kinder so wenig Vertrauen zu ihnen haben. Damit aber der Glaube nicht ganz untergeht, so bleibt dem himmlischen Vater nichts anderes übrig, als den Schwachgläubigen, die sich an Schutzgeister gewandt haben, ab und zu ihre Bitten in Erfüllung gehen zu lassen.

 

Es kann sich jeder, auch der, welcher Gott nicht kennt und kaum glauben kann, dass es einen Gott gibt, jederzeit ernsthaft an Gott wenden, wenn er in eine Not kommt, denn dann wird ihm der Vater entgegenkommen und ihm helfen. Wer aber Gott schon kennengelernt hat und weiß wer Er ist, der soll sich nicht an Gott wenden, sondern an den Vater. Denn Gott ist ein ewiges, unendliches, heftigstes Feuer, welches alsbald alles auf ewig zerstören würde, wenn es der Vater nicht mildern würde. Daher soll jeder Gott fürchten über alles, den Vater aber lieben über alles; denn der Vater ist die ewige Liebe in Gott. Gottes Heiligkeit ist unantastbar; aber Gottes Liebe steigt zu den Kindern herab. Wie aber der Vater alles Leben in Gott ist, so auch ist Gott alle Kraft und Macht im Vater; und so sind Gott und der Vater eins! (1.HG 167,9-15)

 

Jesus lehrte die Jünger, sich mit ihren Bitten in Seinem Namen an den Vater zu wenden. Er sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er‘s euch geben!“ (Joh. 16,23)

 

Die Menschen bitten sich manchmal gegenseitig um Hilfe. Auch Sethlahem bat den Henoch um Hilfe, falls er ihn auf seinem geistigen Wege einen Irrtritt machen sehe. Da sagte Henoch zu ihm: „O Sethlahem! Siehe, du hast einen redlichen Willen und bist voll guten Eifers, dass dir darob ein Lob gebührt; aber eines noch ist zu tadeln an dir, und das ist, dass du das, was nur allein Gott, unser aller heiligster Vater, Seinen Kindern geben kann, bei mir, einem ebenfalls nur schwachen Menschen, suchst und so auch das Werkzeug statt des Meisters lobst!

 

Meinst du denn, ich sei erbittlicher denn die unendliche Liebe und Erbarmung des ewigen, heiligen Vaters?! O Sethlahem, lasse dich nimmer betören von der geheimen Torheit deines Herzens, und wende dich nie eher zu den Menschen, als bevor du dich im innersten Grunde gewendet hast voll Liebe und Reue zu Gott! Und solltest du unerhört bleiben längere Zeit, sodann denke erst, dass alle allerbesten Menschen gegen Gott eitel böse und lieblos sind, und dass Gott dir doch lange eher alles geben wird, bevor dich das mitleidigste Menschenauge auch nur eines Blickes würdigen wird.“ (1.HG 72,5-6)

 

Jesus lehrte uns in der Bergpredigt: „Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.“ (Matth. 5,42) Jeder darf einen anderen Menschen um eine Hilfe bitten. Aber bevor er sich an einen Menschen wendet, soll er sich zuerst an den himmlischen Vater wenden, dann wird er Hilfe bekommen. Jesus lehrte: Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!“ (Matth. 7,11)

 

 

17. Um was dürfen wir bitten und um was nicht?

 

Viele Christen nutzen das Bitten viel zu wenig oder oft auch gar nicht. Dabei könnten wir durch Bitten, wenn wir darin geübt wären, vieles erhalten. Jesus hat uns verheißen, wenn wir den Vater in Seinem Namen um etwas bitten würden, so würden wir es erhalten. Werden wir aber auch wirklich all das erhalten, um was auch immer wir Ihn bitten werden?

 

Um was ihr den Vater in Meinem Namen bitten werdet“, sagte Jesus, „das wird euch denn auch gegeben werden, und wo auch nur zwei oder drei von euch in Meinem Namen vollgläubig sich versammeln werden, da werde Ich im Geiste Meiner Liebe, Macht und Kraft mitten unter euch sein. Um was ihr dann volltrauig bitten werdet, werde Ich euch denn auch geben, so das, um was ihr bittet, fürs Heil eurer Seelen gedeihlich ist.

 

Würdet ihr aber um eitle Dinge dieser Welt bitten, so werden sie euch nicht gegeben werden, gleichwie auch ihr einem Kinde, so es euch noch so bitten würde, kein scharfes Messer zum Spielen in die Hände geben werdet, aus dem Grunde, da ihr es wohl wisset, dass sich eure Kinder mit dem scharfen Messer nur zu bald und zu sicher beschädigen würden.

 

Ihr seid aber nun in den geistigen Dingen auch noch mehr oder weniger unerfahren, und Ich allein weiß es am allerbesten, was euch nottut zur Erreichung des ewigen Lebens. Darum suchet nur vor allem Mein Reich und seine Gerechtigkeit, alles andere wird euch schon hinzugegeben werden; denn Ich weiß es allzeit und ewig, wessen ihr bedürfet.

 

So ihr Mich in der Folge aber schon um eines oder anderes bitten werdet, da bittet Mich um etwas Gerechtes, Gutes und Wahres!“ (10.GEJ 108,11-14)

 

Die Person, zu der Jesus dies gesagt hatte, weil sie um diesirdische Dinge gebetet hatte, meinte daraufhin, dass er doch sicher nicht um etwas Ungerechtes, Ungutes und Unwahres gebeten habe.

 

Doch Jesus gab ihm zur Antwort: „Nun, durchaus nicht; aber so ihr Mich fürder um pur diesirdische Dinge bitten würdet, so wäre das dann nach Meiner Ordnung eben nicht zu sehr gerecht, gut und wahr, weil zu große irdische Vorteile stets Nachteile für die Seele sind.

 

Ich aber bin nicht gekommen zum Nutzen des Leibes, sondern zum Nutzen der Seele des Menschen nur bin Ich in diese Welt gekommen; darum sollt ihr Mich auch vor allem nur um das bitten, was eurer Seele zum wahren, ewig währenden Nutzen gereicht. Denn was nützte es dem Menschen, so er gewinnen möchte alle die toten Schätze dieser Welt, an seiner Seele aber dadurch sicher den größten Schaden erlitte? Wie wird er diese wohl retten können vom Tode und Gerichte der Weltmaterie?

 

Bittet sonach vor allem stets um das, was zum wahren Wohle eurer Seele dienlich ist, und sehr selten und wenig um das, was eurem Leibe dienlich ist! Mit dem aber will Ich gar nicht gesagt haben, als dürftet ihr in euren Leibesnöten nicht zu Mir um Hilfe flehen.“ (10.GEJ 109,11-12)

 

Um was bitten denn die Menschen meistens? – Der eine bittet um Geld, ein anderer um Gelingen seiner Unternehmung, der dritte bittet um seinen beruflichen Aufstieg, der vierte um Gesundheit, der fünfte bittet, dass seine Kinder in der Welt etwas werden, aber niemand bedenkt dabei, dass beim Gewähren ihrer Bitten das geistige Wohl des Betreffenden schlechter würde. (PH 24,28)

 

Ja, wenn wir in einer leiblichen oder irdischen Not sind, dann dürfen wir auch um Irdisches, nämlich um Aufhebung der Not bitten, aber wir müssen es dem himmlischen Vater überlassen, ob und wann Er uns die Bitte erfüllt oder nicht erfüllt. Deswegen sollen wir der Bitte hinzusetzen: Dein Wille geschehe. (PH 24,35) Er sieht besser und weiter als wir und weiß es, wann Er die Not von uns nehmen kann, denn Er hat in erster Linie unser geistiges Fortschreiten und dann erst unser irdisches Wohlergehen im Auge. (PH 24,27)

 

So ihr den Vater um etwas bittet“, sagt Jesus, „da bittet Ihn nicht so sehr um die Güter dieser Erde, nach denen die blinden und törichten Heiden und auch die Gottes vergessenen Juden und Pharisäer trachten, sondern bittet Ihn vielmehr um die unvergänglichen Schätze für Seele und Geist, und sie werden niemandem vorenthalten werden. Was aber die zum zeitlichen Lebenserhalt nötigen diesirdischen Güter betrifft, so werden sie jedem, der sein Bestreben und Bitten und Suchen nur nach dem Reiche Gottes und nach dessen liebevollster Gerechtigkeit richtet, frei hinzugegeben werden.

 

Wer da stark im Geiste und somit im Reiche Gottes geworden ist, der wird auch ein Herr sein über die Dinge der Welt und wird niemals eine große Nährnot für seinen Leib zu erdulden haben; aber besser ist es auch für den im Geiste Erweckten, in den Gütern der Himmel Gottes zu schwelgen, aber dabei sich an den Gütern dieser Erde eine kleine Not gefallen zu lassen. – Das merket euch auch und beachtet es in der Tat!“ (9.GEJ 209,9-10)

 

Welches sind die unvergänglichen Schätze für Seele und Geist, um die wir vorzüglich bitten sollen? – Es sind die Güter des Himmels, von denen wir nie genug haben können. Je mehr wir uns diese Schätze erwerben, umso mehr Freude hat unser himmlischer Vater an uns. Diese himmlischen Schätze sind immer dieselben, nämlich Überwinden der Welt, Liebe, Demut, Sanftmut und Geduld. Bitten wir also darum, geistig ein besserer Mensch zu werden, dass wir den Willen des himmlischen Vaters besser erkennen und tun, und bitten wir um mehr Liebe zu unseren Mitmenschen, damit wir sie immer mehr mit Geduld und Nachsicht behandeln lernen. (1.Vb 97) Wir sollen deshalb um das Große bitten, denn dann wird uns das Kleine als freie Zugabe gegeben werden. Das Große ist das Himmlische, das Kleine aber, das uns frei hinzugegeben wird, ist das Irdische. (2.Hi. Seite 300,9)

 

Wir sollen auch darum bitten, dass wir nicht in Versuchung fallen, da bekanntlich zwar unser Geist willig, aber unser Fleisch schwach ist. (Mark. 14,38) Mit Fleisch ist nicht das Fleisch des Leibes gemeint, sondern das Fleisch des Geistes, und das ist die Liebe des Geistes. (2.Hi. Seite 1,1-3) Dieses geistige Fleisch ist bei uns noch sehr schwach und aller Versuchung ausgesetzt, denn uns Menschen sind die Dinge dieser Welt noch bei weitem lieber, als die Güter des Himmels. Anstatt unsere Liebe allein auf den Vater zu richten, richten wir sie auf alles Mögliche in der Welt. Das Verlangen nach allem möglichen Weltlichen und Materiellen ist bei uns oft noch bei weitem stärker als das Verlangen nach dem himmlischen Vater und nach der Erfüllung Seines Willens.

 

 

18. Wie die Fürbitte geartet sein soll

 

Das Gebot der Nächstenliebe legt uns Christen die Verantwortung auf, unseren, in irgendeine Not geratenen Mitmenschen zu helfen, soweit wir dazu in der Lage sind. Sind wir nicht dazu in der Lage, was oft der Fall ist, so sollen wir für sie beten und sie segnen. (6.GEJ 180,5)

 

Wie die rechte Gesinnung einer Fürbitte beschaffen sein soll, erklärt uns der himmlische Vater und sagt: „Wenn du siehst, dass da irgendein wie immer geartet armer Bruder oder auch Schwester wandelt, das heißt, dass er entweder arm ist am Leibe durch die Schwäche oder gar gänzliche Unbrauchbarkeit eines und des andern Sinnes… oder ganz verarmt am Geiste und an allem, was des Geistes ist, und du erbarmst dich seiner aus der Liebe deines Herzens zu Mir und daraus erst zum Bruder oder zur Schwester, siehe, dann ist dein Erbarmen ein vollkommenes, da es dann schon eine Aufnahme Meiner großen Erbarmung ist auf gleiche Art, als so der Wind zieht durch den Wald und bewegt da die Bäume und rührt jegliches Blättchen am Baume, darum dann jegliches Blättchen fächelt und durch das Fächeln auch einen eigenen kleinen Wind zuwege bringt, welcher vom allgemeinen großen Winde aufgenommen wird also, als wäre er im Verhältnisse zu ihm wirklich etwas.“ (1.HG 172,19)

 

Wir dürfen nicht der Meinung sein, den himmlischen Vater mit unserer Bitte für jemand anderen zu einer Mitbarmherzigkeit bewegen zu müssen. Wer mit dieser Gesinnung für andere bittet, der muss ja von sich meinen, barmherziger als der himmlische Vater zu sein. Es ist gerade umgekehrt: Wir müssen uns durch Seine große Barmherzigkeit zur Mitbarmherzigkeit anregen lassen und dann für unsere Nächsten bitten. (1.HG 172,25-29)

 

Der himmlische Vater gibt uns noch ein weiteres Beispiel, wie unsere Fürbitte beschaffen sein soll und sagt: „Sehet, irgendein großer, mächtiger Herr hatte in seinem Kerker mehrere Gefangene, die ihn zwar sehr dauerten, da sie lauter arme Verführte waren. Doch aber konnte er in seiner Gerechtigkeit das einmal gegebene Gesetz nicht aufheben und sie dadurch von der Strafe befreien, die das Gesetz über sie verhängt hatte. Als sie nun aber schon lange genug in den Kerkern der Besserung geschmachtet und dadurch den heiligen Anforderungen des Gesetzes genügt hatten, da beschloss der Herr, sie wieder frei zu geben. Allein er gedachte bei sich: ‚Ich habe ja auch eine Geliebte! Damit meine Freude vollkommen sei, so will ich, dass sie durch irgendwen erfahre, dass in meinem Kerker so viele Unglückliche schmachten. Sie liebt mich unendlich und hat das vollste Vertrauen zu mir; sie wird gewiss eilends kommen und wird mich mit pochendem Herzen um Gnade und Erbarmen für die Gefangenen anflehen.‘ – Und wie der Herr sich dachte, so geschah es dann auch.

 

Was meinet ihr nun, was der Herr da getan hat? – Der Herr hatte eine große Freude daran, dass er seiner Geliebten hatte zeigen können, wie viel ihre Liebe und ihr Zutrauen vermochte, und dass er zugleich aber auch seiner Geliebten eine Gelegenheit verschaffen konnte, durch welche ihr die Früchte wahrer Liebe und Treue so recht anschaulich wurden. Die Gefangenen aber werden den Herrn loben, so sie sehen werden, wie er einzig und allein nur durch Liebe zugänglich ist, und werden dann selbst Freunde und Kinder der Geliebten und so auch ihres Geliebten werden.

 

Sehet, so sollet ihr beten – und sollet nicht denken, Mich etwa durch euer laues Gebet zur Barmherzigkeit zu bewegen; sondern damit ihr euch selber vor Mir in eurer Liebe stärken möget und Mir darum wohlgefällig sei eure Bitte. Nicht um der Gefangenen willen, sondern eurer selbst willen sollet ihr für sie beten.“ (1.Hi. Seite 165,15-17)

 

 

19. Für andere bitten

 

Wir sollen den himmlischen Vater nie nur für uns alleine um etwas bitten, sondern neben unserem Anliegen auch der Not unserer Mitmenschen gedenken. Wahre Liebe, Mitleid und herzliches Erbarmen sollen uns bewegen, den himmlischen Vater anzurufen, und je größer die Liebe zu Jesus und zum Nächsten ist, umso machtvoller kann Er helfen. Denn das verlangt Seine göttliche Ordnung, dass Er nach unserem freien, vertrauensvollen Verlangen und nach der Stärke unserer Liebe helfen wird. (1.Vb 90+114)

 

Aber da sieht es bei vielen Christen zumeist noch nicht so gut aus, denn der himmlische Vater sagt: „Was die gerechte Fürbitte betrifft, so nimmt dieselbe in Wahrheit noch immer den geringsten Teil eures Herzens ein. Ihr bittet wohl für dieses und jenes Menschenkind um Hilfe, so es sich in einer Not befindet, aber in den seltensten Fällen seid ihr so recht von Liebe erfüllt, so vollkommen von Liebe durchdrungen, wie eine nach Meinem Sinne gemeinte Fürbitte es erfordert. Ihr möchtet wohl selbstlos und uneigennützig nur auf das Wohl eurer Mitmenschen bedacht sein, aber im Grunde eures Herzens ist doch all dies nur Schein. Und wenn ihr die Wahrheit gestehen wollt, liegt euch euer eigenes Wohl doch allezeit mehr am Herzen als jedes andere.“ (Lw Seite 130)

 

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, heißt das Gebot, und wenn wir mit der Fürbitte die Nächstenliebe ausüben, so sollten uns die Probleme unserer Mitmenschen genauso am Herzen liegen, wie unsere eigenen. Dabei spielt das Gefühl der Liebe, nämlich das Mitfühlen des Leidens unserer Mitmenschen eine große Rolle beim Beten.

 

Dazu ein Beispiel: Eine Frau, die in Südamerika von einem Blitz getroffen wurde, war am ganzen Leib verbrannt und ihre Haut schwarz geworden. Vier Tage war sie klinisch tot. Als sie wieder zu sich kam, konnte sie sich an das erinnern, was sie erlebt hatte, als sie getrennt von ihrem Leibe war. Im Jenseits wurde sie einer Gewissensprüfung in Bezug auf ihr bisheriges Leben unterzogen, die nicht gerade gut für sie aussah. Daraufhin schrie sie zu Jesus Christus um Mitleid und Vergebung und bat um eine zweite Chance. Da hörte sie die Stimme Jesu, die zu ihr sagte, dass sie auf die Erde zurückkehren und eine zweite Chance bekommen werde.

 

Jesus sagte aber auch, dass sie die Gnade der Rückkehr nicht wegen der Gebete ihrer Freunde und Familienangehörigen bekomme, denn es sei normal und wäre zu erwarten, dass die, die sie schätzten, für sie beten und flehen würden. Sie könne zurückkehren wegen der Gebete vieler ihr fremder Menschen, die wegen ihres Unglückes geweint und mit zerbrochenem Herzen für sie aus tiefster Seele zu Ihm gebetet hätten und mit einem Gefühl größter Liebe und Zuneigung für sie ihr Herz zu Ihm erhoben hätten.

 

Danach wurden ihr eine große Zahl kleiner Lichter gezeigt, die von den Personen ausgingen, die für sie gebetet hatten. Sie hatten in Zeitungen oder Radio- und Fernsehnachrichten von ihrem Unglück gelesen oder gehört und von Mitleid ergriffen für sie gebetet. Die Frau wollte nun wissen, wer die Person sei, deren Licht besonders groß und hell leuchtete. Sie erfuhr, dass es sich um einen armen Bauern indianischer Herkunft handelte. Er konnte nicht lesen, aber er hatte ihren zerschundenen Körper in einer Zeitung gesehen, die er nur zum Einwickeln benutzen wollte.

 

Da überwältigte ihn ein großes Mitleid, dass er sich weinend niederkniete und betete: „Vater im Himmel, mein Herr und Gott, hab doch Erbarmen mit meiner Schwester. Herr, rette sie, Herr, hilf ihr und lasse sie nicht zugrunde gehen. Herr schaue gnädig auf sie herab und nimm Dich ihrer an.“ Das tat er für jemanden, den er überhaupt nicht kannte und noch nie getroffen hatte. – Obwohl ihr die Beine amputiert werden sollten, ist sie aber zum Erstaunen der Ärzte vollständig geheilt worden. (IZ Seite 86-95)

 

Wenn du einen Armen siehst“, sagt Jesus, „der einer nötigen Hilfe wegen zu Gott betet, da gehe hin und hilf ihm, so du etwas hast, um ihm zu helfen; hast du aber nichts, so bete auch du bei dir für ihn zu Gott, und Ich sage dir: Gott wird dein und des Armen Gebet erhören! Denn so zwei oder drei wahrhaft zu Mir beten, so wird ihr Gebet auch sicher allzeit erhört werden. Aber es soll sich dummer und rein weltlicher Dinge wegen niemand betend an Gott wenden, denn derentwegen würde ihn Gott nicht erhören; aber so da jemand um das wahrhaft Nötige bittet zum Leben des Leibes und zur Stärkung des Glaubens und der Seele, so wird es ihm nicht vorenthalten werden. – Siehe, also stehen der Wahrheit gemäß die Dinge des wahren Gebets, das da auch ein wahrer und rechter Segen Gottes im Menschenherzen ist!“ (6.GEJ 180,8)

 

Ja, Ich sage es euch noch hinzu, dass ihr, so ihr euren Nächsten aus Liebe zu Mir und in Meinem Namen leibliche Wohltaten erweisen werdet, dafür mit geistigen Gütern zum Wohle für eure Seelen reichlichst werdet belohnt werden, und dass euch, so ihr durch die Werke der Liebe im lebendigen Glauben an Mich verbleiben werdet, von Mir die Kraft erteilt wird, die Kranken durch die Auflegung eurer Hände zu heilen und die von argen Geistern Besessenen, deren es besonders in dieser Zeit viele gibt, von solcher Quälerei zu befreien.

 

Doch solches werdet ihr nur im vollsten und lebendigst festen Glauben an Mich zu bewirken imstande sein. Kurz, mit Mir werdet ihr alles vermögen, ohne Mich aber nichts! Darum bleibet gleichfort durch die Liebe und durch den Glauben in Mir, und Ich werde also bleiben mit Meiner Liebe, Wahrheit, Macht und Kraft in euch!“ (10.GEJ 109,12-13)

 

Es ist ein Zeichen der Gegenwart Jesu in uns und unter uns, dass es mit den leiblich Kranken besser werden wird, wenn wir ihnen im Namen Jesu die Hände auflegen werden.

 

Es versteht sich aber von selbst“, sagt Jesus, „dass ihr dabei allzeit saget im Herzen: Herr, nicht mein, sondern nur Dein Wille geschehe! Denn ihr könnet es nicht wissen, ob und wann das Besserwerden des Leibes einer Seele zum Heile dienlich ist, und ein ewiges Leben auf dieser Erde im Leibe ist keinem Menschen beschieden! Daher kann das Händeauflegen auch nicht allzeit und jedem Menschen von seinen Leibesübeln Befreiung verschaffen. Aber ihr werdet dennoch keine Sünde dadurch begehen, so ihr jedem Kranken die euch angezeigte Liebe erweiset; den Helfer werde schon Ich machen, so es zum Seelenheile des Menschen dienlich ist, – was Ich allein nur wissen kann.

 

So ihr irgend aus der Ferne vernommen habt, dass da ein oder der andere Freund von euch krank daniederliegt, da betet über ihn, und leget im Geiste die Hände auf ihn, und es soll auch besser werden mit ihm!

 

Dabei aber bestehe das im Herzen nur auszusprechende Gebet in folgenden wenigen Worten: ,Jesus, der Herr, wolle dir helfen! Er stärke dich, Er heile dich durch Seine Gnade, Liebe und Erbarmung!‘ So ihr das voll Glauben und Vertrauen zu Mir über einen noch so ferne von euch sich irgendwo befindenden kranken Freund – oder Freundin – aussprechen und dabei über ihn im Geiste eure Hände halten werdet, so wird es mit ihm zur Stunde besser werden, wenn das zu seinem Seelenheile dienlich ist.“ (9.GEJ 43,6-9)

 

Selbst mit dem festesten Glauben und mit einer großen Liebe gebetet, kann der himmlische Vater aber doch nicht denjenigen Menschen aus ihrem Leid und ihrer Not helfen, die zu ihrem Seelenheile Leid und Not ertragen müssen. Dann sollen wir denken, dass des Vaters Gerichte stets gerecht sind und nur diejenigen treffen, welche sich derselben schon lange wohlverdient gemacht hatten. Dennoch ist eine Fürbitte nie nutzlos, denn der Nutzen wird zumindest auf Seiten des Beters sein, wenn er sich in der Nächstenliebe geübt hat. (1.Hi. Seite 56,5)

 

 

20. Das anhaltende Bitten

 

Paulus schrieb: „Haltet an am Gebet!“ (Röm. 12,12) Das heißt nicht, dass wir lange Gebete mit vielen Worten beten sollen, denn Jesus hat uns gelehrt: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichstellen. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet.“ (Matth. 6,7)

 

Wie können wir aber nun anhaltend beten? – Jesus sagt: „Anhaltendes Beten – das heißt nicht etwa stundenlange Gebete, sondern dass da im festen und lebendigen Glauben und Vertrauen mit dem Gebete an Meinem Namen angehalten wird, in welchem allein jede Bitte sichere Gewährung finden kann und wird.

 

Wann aber das Gebet die gerechte Glaubenskraft erreicht hat, das weiß nur Ich. Das Gelingen richtet sich allezeit nach der selbsttätigen Glaubenskraft. Je mehr diese fest und unerschüttert anhält an Meinen Namen, desto näher liegt auch das Gelingen, welches allezeit in der gänzlichen, ungezweifelten Ergebung, Geduld und aller Liebe und Sanftmut liegt.

 

Wann aber diese den rechten Grad erreicht hat, das weiß nur Ich, wie schon gesagt. Daher darf in jeder Bitte die Geduld nicht ausgeschlossen werden, damit sich ein jeder selbst prüfe, wie stark er an Meinem Namen hält.“ (1.Hi. Seite 331,2-4)

 

Unsere Gebete werden erhört, je fester und lebendiger wir im Glauben und Vertrauen an dem Namen Jesu anhalten. Wie können wir aber einen unerschütterlichen Glauben erreichen?

 

Der Evangelist Johannes sagt: „Ergreifet unseren allerliebevollsten Herrn und Vater in Jesu Christo so recht kernfest in eurem Herzen, und ihr werdet euch sodann bald überzeugen, was alles die Liebe zu Gott vermag. Fürwahr, ich sage nicht zuviel: Wenn ihr Liebe hättet im Vollmaße, so hättet ihr auch den mächtigen, lebendigen Glauben; und mit solcher Liebe und solchem Glaubenslichte aus ihr könntet ihr Sterne vom Firmamente herabreißen!“ (2.GS 49,21-22)

 

Wie können wir die Liebe zu Jesus im Vollmaße erhalten? – Durch die Hingebung an Seinen Namen. Wie machen wir das? – Wir gehen in einen Raum, in dem wir uns allein und ungestört aufhalten können und setzen uns entspannt hin. Von Vorteil ist es – aber nicht Bedingung – sich auf einen Stuhl oder Hocker zu setzen, ohne den Rücken anzulehnen, mit gerader und aufrecht gehaltener Wirbelsäule. Wir legen die Hände auf den Oberschenkeln ab, ohne dass Arme und Hände angespannt sind. Wir schließen die Augen und sprechen in Gedanken oder noch besser mit unserem Geiste in aller Liebe den Namen „Jesus“ aus. Diesen Namen wiederholen wir nun nicht ständig mit unseren Kopfgedanken, sondern halten ihn im Herzen mit unserem Geiste in aller Liebe und Sehnsucht fest, solange wir die Übung durchführen wollen.

 

Denn „Jesus ist etwas so ungeheuer Großes“, sagt Johannes, „dass, so dieser Name ausgesprochen wird, die ganze Unendlichkeit von zu großer Ehrfurcht erbebt… Jesus ist der wahrhaftige, allereigentlichste, wesenhafte Gott als Mensch, aus dem erst alle Gottheit, welche die Unendlichkeit erfüllt, als der Geist Seiner unendlichen Macht, Kraft und Gewalt gleich den Strahlen aus der Sonne hervorgeht. – Jesus ist demnach der Inbegriff der gänzlichen Fülle der Gottheit oder: In Jesu wohnt die Gottheit in Ihrer allerunendlichsten Fülle wahrhaft körperlich wesenhaft; darum denn auch allezeit die ganze göttliche Unendlichkeit angeregt wird, so dieser unendlich heiligst erhabene Name ausgesprochen wird!“ (2.GS 13,2)

 

Was für eine kräftige Wirkung der Name „Jesus“ hat, können wir an dem erkennen, was der Revolutionär Robert Blum erlebte. Als er sich nach seiner Hinrichtung in einer Finsternis befand, kam ihm auch mal Jesus in den Sinn. Solange er nur mit seinem Kopf an Jesus dachte, geschah nichts. Immer aber, wenn er mit dem Herzen teilnahmsvoll und mitfühlend Seines Leidens und Seiner Kreuzigung gedachte, ging von Jesus ein Blitzstrahl aus und erhellte mehr und mehr seine Finsternis. (1.RB 4-13) So wird sich auch unser Inneres mehr und mehr erhellen, wenn wir Seinen Namen mit all unserer Liebe im Herzen aussprechen.

 

Es kann auch das Wort „Vater“ im Herzen festgehalten werden, denn Johannes sagt: „Die Liebe zum Herrn erfüllt und sättigt fortwährend Geist, Herz und Leib des Menschen mit großer Freudigkeit und genügender lebendiger Speise. Daher brauchet ihr nur in eurem Herzen „Vater“ zu rufen, und ihr habt genug getan! Und der Vater wird euer Herz allezeit, insoweit es nottut, sättigen und kräftigen mit Seiner Liebe.“ (2.GS 50,17)

 

Wer es möchte, kann auch „Lieber Vater, Jesus“ in seinem Herzen sagen und dieses mit der Bitte erweitern: „Komme in mein Herz und fülle es mit Deiner Liebe.“ Anschließend halten wir mit unserem Geiste und mit allen unseren Liebegefühlen für Jesus diese Bitte fest, ohne abzuschweifen und an etwas anderes zu denken. Wir erwecken dabei eine Sehnsucht nach Jesus in unserem Herzen und stellen uns dabei vor, dass Jesus anwesend ist und ein Strahl Seiner Liebe von Ihm ausgeht und unsere Seele ganz erfüllt. Das spüren wir dann mit der Zeit deutlich. Unsere Liebe zu Jesus wird mit der Zeit größer und unser Glaube stärker.

 

Diese Übung kann für den Anfang zwei- oder dreimal zehn Minuten pro Tag durchgeführt werden. Diese Zeit kann dann langsam gesteigert werden. Aber auch den ganzen Tag über, wenn wir gedanklich nicht angestrengt beschäftigt sind, z.B. bei handwerklicher Tätigkeit oder beim Spazierengehen können wir den Namen oder die Bitte mit dem Herzen in aller Liebe und Sehnsucht aussprechen.

 

Wir können auch andere Bitten an Jesus richten. Was uns auf dem Herzen liegt, können wir als Bitte nach unserem Bedürfnis individuell anpassen. Wer seine Zigaretten-, Alkohol-, Süßigkeiten-, Kaffee-, Medikamenten-, Drogen-, Sex-, oder Esssucht oder sonst etwas nicht überwinden kann, der spreche folgende Bitte in Gedanken im Herzen aus: „Jesus, gib mir Kraft, dass ich vom Verlangen (z.B.) nach Zigaretten frei werde.“ Der Text muss eine Bitte enthalten und kurz sein. Die Bitte wird nach der Kraft unserer Liebe und unseres Glaubens erhört.

 

Wenn wir abends zu Bett gehen, so sollten wir nicht über die Ereignisse des Tages nachdenken, noch irgendwelche Probleme wälzen, sondern bis zum Einschlafen weiter an dem Namen Jesus oder einer Bitte anhalten. Das ist besonders wichtig, denn dann werden wir während des Schlafens mit geistiger Kraft erfüllt und wachen morgens gestärkt auf. Auch nach dem Aufwachen ist es gut, gleich mit dem Anhalten an Jesu Namen oder der Bitte bis zum Aufstehen fortzufahren. Diese Zeiten sollten uns so zur festen Gewohnheit werden, wie die Essenszeiten oder das Zähneputzen.

 

Der himmlische Vater sagt: „Ziehet euch in die äußerste Stille zurück, dort werdet ihr Mich viel leichter finden und mit Mir verkehren können, wie ein Kind mit seinem Vater verkehrt.“

 

Ohne Unterlass sollet ihr Meiner gedenken und mit Mir Zwiesprache führen, und es wird dies Mir wohlgefällig sein, weil ihr daraus ungemessen Gnade schöpfen könnet.“ (BD 3734)

 

Vermögt ihr nun, euch völlig abzuschließen von der Welt, um mit Mir innige Zwiesprache zu halten, dann lobet ihr Mich ohne Worte schon durch euren Willen, mit Mir in Verbindung zu treten, dann ist es ein stummes Gebet, das ihr in Gedanken zu Mir richtet, eine rechte Anbetung, die eurer Seele reichen Segen einträgt, denn die Verbindung mit Mir lässt euch in den Besitz von Kraft und Gnade gelangen, welche die Seele empfindet als Hilfe zum Ausreifen.“ (BD 6012)

 

So euer Ruf zu Mir aus tiefstem Herzen kommt, ist es der Geistesfunke in euch, der Mir, dem Vatergeist von Ewigkeit, zustrebt, der untrennbar ist von Mir und der Mich also zu sich zieht. Ich bin euch zwar immer nahe, doch spürbar nur dann, so euer Wille Mir bewusst zustrebt und ihr Meine Gegenwart erbittet. Und spüren werdet ihr Meine Nähe insofern, als dass euch von innen heraus eine Ruhe überkommt, die im festen Glauben an Mich und Meine Hilfe ihre Begründung hat.“ (BD 3681)

 

Wer im anhaltenden Bitten ausharrt und nicht nachlässt, wird nach einiger Zeit die Wirkung des Bittens spüren. Wir werden uns immer wieder in Liebe an Jesus erinnern. Im Laufe der Zeit sollte das Bitten mit den Gedanken immer mehr zum Schweigen kommen und die Bitte nur im Bewusstsein der Liebe des Herzens zum himmlischen Vater festgehalten werden, wie uns das Jesus im Gedicht „Stille Einkehr“ gezeigt hat. Wenn wir die Bitten im richtigen Geiste durchführen, spüren wir einen kraftvollen Strom in unserem Körper. Nach und nach wird sich unsere Seelenstimmung aufhellen und wir werden mit Fröhlichkeit, Liebe und Glückseligkeit erfüllt werden.

 

Seht, alle eure Pflicht ist, war und wird ewig sein die Liebe“, sagt Jesus, „die reine, göttliche Liebe in euch zu Mir und im gleichen auch zu allen euren Brüdern und Schwestern. Nach dem Grade dieser Meiner Liebe in euch wird euch gegeben werden von Mir, der Ich in Meinen ganzen Wesen die Liebe selbst bin.“ (1.Hi. Seite 14,1-2)

 

(Mit Genehmigung des Verfassers, 5/2020)

 

Quellenverzeichnis


GEJ -  Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber,

10 Bände, 1981

HG -  Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1981

GS -  Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955

RB -  Von der Hölle bis zum Himmel, (Robert Blum)

Jakob Lorber, 2 Bände, 1963

BM -  Bischof Martin, Jakob Lorber, 1990

JJ -  Die Jugend Jesu, Jakob Lorber, 1996

Hi. -  Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände, 1935, 1936,

1993

PG -  Psalmen und Gedichte, Jakob Lorber, 1898

BF -  Betrachtungsbuch, Festgarten, 1899, 1991

Vb -  Vaterbriefe, Johanne Ladner, 3 Bände, 1933

Lw -  Lebensworte der ewigen Liebe, Ida Kling, 1932

Lorber Verlag, D-74321 Bietigheim, Hindenburgstr. 5

BD -  Kundgaben Bertha Dudde

IZ -  Der verhängnisvollste Irrtum unserer Zeit,

Rudolf Passian, Amadeus Verlag, 2011

YC -  Predigt von Pastor Yonggi Cho in Basel, am 16.9.1979