„Du kannst nicht irgendwohin in einen Himmel kommen, sondern du musst dir deinen Himmel selbst bereiten. Der Same zum Himmelreich ist das Wort Gottes; wer dasselbe in sich aufnimmt und danach Tätig wird, der hat dieses himmlische Samenkorn in sein Erdreich gelegt und der Himmel wird aus ihm gleich einem Baume erwachsen.“ (GS.01_057,09)

„…Aus diesem Grunde wird auch ein jeder Geist dasjenige Reich bewohnen, schauen und nützen, das er sich in sich erworben hat durch die Liebe zu Mir.“ (GS.01_008,15)

 

 

Die geistige Sonne -

Offenbarungen über Himmel und Hölle

 


Teil 1
1. Vorbemerkung
2. Wo sind Himmel und Hölle?
3. Die drei Himmel – ihre Struktur
4. Wesen und Folgen des Lasters (über die Höllen)
5. In der zweiten Hölle
6. In der ganzen Schöpfung ist nichts Vernichtbares vorhanden
7. Bilder der ersten und zweiten Hölle
8. Herrschsucht und Hochmut – Samen der Hölle
9. Früchte, die für die Hölle reifen
10. Alle Geheimnisse werden im geistigen Zustande offenbar
11. Himmel und Hölle – Polaritäten des Menschen
12. Himmlische und höllische Prinzipien
Teil 2
13. Der Geist, Schöpfer seiner eigenen Welt
14. Weiterentwicklung der jenseitigen Schüler. Das Mittelreich (Hades)
15. Jedes Leben hat vom Herrn aus Seiner Liebe bestimmte Wege
16. Jeder Mensch trägt ein anderes Samenkorn für die Entwicklung der geistigen Welt in sich
17. Das Himmelreich ist gleich dieser gegenwärtigen Zeit
18. Nachtrag: Wo sind drüben die Heiden?


1. Vorbemerkung

Die geistige Sonne, das ist das unfassbare ewige Leben, welches immer neu dem Urquell der göttlichen Liebe entströmt und in allen Weltensphären den Gedanken Gottes Form und Bestand verleiht. Auch der Mensch als Geistwesen und Kind Gottes trägt in sich einen Funken dieser ursprünglichen Schöpferkraft und vermag damit in den feinstofflichen und rein geistigen Sphären selbst zum Gestalter seiner innerseelischen Welt zu werden. So besitzt ein jeder seine eigene geistseelische Sphäre, der je nach seiner Entwicklungsstufe bestimmte Grenzen gesetzt sind, die sich jedoch bei steter Annäherung an das universelle Gottesleben ins Unendliche zu weiten beginnen.“ (Aus dem Vorwort des Lorber Verlages)

Das Neuoffenbarungswerk „Die geistige Sonne“ wurde Jakob Lorber  in den Jahren 1842 bis 1843 diktiert. Nachfolgend einige Textauszüge, insbesondere zu den Themen Himmel und Hölle, sozusagen als Einstieg in das zweibändige Hauptwerk Lorbers über das Jenseits.


2. Wo sind Himmel und Hölle?
(Aus Bd.1, Kapitel 39)

…“Aber ihr fraget schon wieder und saget: Aber lieber Freund, nachdem wir noch gar wohl wissen, dass wir uns in deiner Sphäre (Markus) und im Grunde auf der geistigen Sonne befinden, wo wir nichts als nur Himmlisches wähnten; wie kommt es denn, dass wir da auch die Hölle im vollkommensten Maße antreffen? –

Ja, meine lieben Freunde, ist es euch denn nicht gleich bei dem Übergange in die geistige Sonne vom Herrn Selbst erklärt worden, dass das Geistige ist ein Inwendigstes, ein alles Durchdringendes und ein Allumfassendes? Wenn das Geistige also beschaffen ist, so durchdringt es ja alle Planeten und die ganze Sphäre, soweit das Licht der naturmäßigen Sonne dringt; und rein geistig genommen aber noch ums Endlosfache weiter.

Sonach befindet ihr euch nun nicht in der Sphäre der eigentlichen Sonne, sondern in der sonderheitlichen Sphäre eures Planeten. Wie aber von der eigentlichen Sonne aus alle Planeten ihr Licht und ihre Wärme empfangen und ihre Wirkung alle diese Planeten durchdringet, so ist es auch der Fall mit der geistigen Sonne, da wir auf den Schwingen ihrer geistigen Strahlen auch das Geistige ihrer Planeten durchblicken. Da wir nun solches näher kennen, so wird es euch hoffentlich doch auch klar sein, dass man auf diesem geistigen Wege auch das geistige Wesen der Hölle, euren Planeten betreffend, ganz klar durchschauen kann.

Ihr müsst euch den Himmel und die Hölle nicht materiell räumlich voneinander entfernt denken, sondern nur zuständlich. Räumlich können Himmel und Hölle sich also nebeneinander befinden, wie da ein himmlisch guter Mensch neben einem höllisch bösen einhergehen kann, und kann mit selbem sogar auf einer Bank sitzen. Der eine hat in sich den vollkommenen Himmel und der andere die vollkommene Hölle. Zum Beweise dessen könnte ich euch augenblicklich in meiner eigenen Sphäre zeigen, dass sich hier ebensogut der Himmel wie die nun von euch geschaute Hölle befinden kann; denn ihr schauet ja alles dieses ohnehin nur in meiner Sphäre, und ihr brauchet nichts als nur einen Schritt aus dieser meiner Sphäre zu tun, und ihr werdet euch wieder auf demselben Punkte befinden, von dem ihr ursprünglich in meine Sphäre getreten seid.“… (GS.01_039,09 ff)


3. Die drei Himmel – ihre Struktur
(Bd. 2, Kapitel 4, Sphäre des Markus)

Sehet nun, wie alle die zahllosen Heere von seligen Geistern her an unsere Straßen ziehen und da gleichsam ein lebendiges Spalier bilden, welches, wie ihr in eurem Geiste leicht sehen könnet, sich in einer geraden Linie unabsehbar hin vorwärtszieht. Betrachtet euch die mannigfaltigen himmlisch schönen Gestalten, welche sich zu beiden Seiten im Vorübergehen unserer Anschauung darbieten, denn in dieser Betrachtung könnet ihr Bewohner aller Gestirne besehen, nur müsst ihr euch dabei nicht denken, dass in dieser endlosen Reihe nun etwa viele von einem Gestirne oder Planeten hier gegenwärtig sind, sondern von jedem Gestirne sind nur zwei, nämlich ein männlich und ein weiblich Wesen. Denn würden mehrere nur von jedem einzelnen Gestirne gegenwärtig sein, so wäre dieser wenn schon für euer Auge endlos weitgedehnte Raum, wenn auch geistig genommen, zu klein, um sie alle zu fassen, und ihr möchtet sie dann nicht überschauen.

Ihr fraget hier: Nachdem eures inneren Wissens zufolge sich auch auf so manchen großen Planeten und besonders Sonnen riesenhaft große Menschen vorfinden, so ist es hier zu verwundern, dass diese seligen Geister hier dennoch von ganz gewöhnlicher Größe sind, nur mit kleinen Unterschieden wie allenfalls auf dem Erdkörper. Ich sage euch: Hier, wo der Herr wohnt, ist nirgends ein Unterschied, wohl aber in anderen Himmelsgebieten, wo der Herr nur in Seiner Gnadensonne gegenwärtig ist.

Dergleichen Himmelsgebiete sind fürs erste der erste oder unterste Himmel, in dem bloß die Weisheit und die aus dieser hervorgehende Liebachtung zum Herrn wohnt, und fürs zweite der Mittags oder zweite Himmel, welcher da besteht aus denen, die aus dem Glaubenswahren in der Liebe zum Nächsten und daraus zum Herrn sind.

Jeder dieser zwei genannten Himmel ist an und für sich unendlich und fasset alle die zahllosen Myriaden Geister, welche irdischermaßen ehedem auf ihren Weltkörpern rechtlich gelebt haben. Und dazu sind diese beiden Himmel noch so eingeteilt, dass in entsprechender Form die Planetargeister gerade an jener Stelle des Himmels ihre freien seligen Wohnungen haben, allwo sich naturmäßigerseits ihr Erdkörper befindet. Ihr müsset euch demnach diesen Himmel also vorstellen, dass sein geistiger Flächenraum ein endlos weitgedehnter und alle Sonnen und Planeten in sich wie einzelne Punkte fassender ist.

Ihr fraget freilich, wie solches möglich, da es fürs erste drei geschiedene Himmel gibt, die Planeten aber ungeschieden, und zudem auch die Planeten und Sonnen so unter- und übereinander gesteckt sind, dass sie darob unmöglich mit einer Fläche gewisserart planimetrisch übereinstimmen können. Wie sei demnach solches zu verstehen?

Ich sage euch: Naturmäßig genommen wird das freilich wohl nicht so recht übereinander zu bringen sein; aber entsprechend geistig sicher auf das anschaulichste und klarste. Dessen ungeachtet aber kann euch auch ein naturmäßiges Bild die Sache sehr aufhellen. Wir wollen versuchen, ob wir nicht eines aufzustellen imstande sind, das da für unseren Zweck taugen möchte. Und so höret denn!

Nehmet z.B. euren Erdkörper. Der feste Boden und dessen bevölkerte Oberfläche bilde den ersten Himmel, die Region der Luft, namentlich die der Wolken, bilde den zweiten Himmel, die über den Wolken weitgedehnte Äther-Region den dritten und obersten. So greifen alle diese drei Himmel ineinander, sind aber dennoch voneinander so abgesondert, dass aus dem unteren Himmel wohl niemand in den zweiten und noch weniger in den dritten, wie auch vom zweiten in den dritten niemand gelangen kann; wohl aber ist es umgekehrt der Fall.

Auf jedem Erdkörper halten sich in diesen drei Regionen zahllose lebende Wesen auf. Auf dem Boden gröbere materielle, in der Wolkenregion geistigere und leichte, in der dritten Region ganz ätherisch leichte und völlig unsichtbare. Und dennoch stehen diese drei Wesengattungen auf jedem Erdkörper in beständiger wechselseitiger Korrespondenz.

Nun hätten wir einen Teil des Bildes. Ihr wisset aber auch, dass ein jeder sich frei bewegende Erdkörper von den zahllosen Strahlen anderer entfernter Weltkörper beschienen wird. Sehet, auf diese Weise nimmt er in seine drei Regionen oder seine drei Flächen Teile vom ganzen Universum auf.

Durch diese wechselseitige Einwirkung steht er denn auch in steter Verbindung mit dem ganzen Universum, und der ganze Einfluss setzt sich dann auf einem und demselben Erdkörper in all seinen drei Regionen wohl entsprechend in die stete Verbindung. Das Ätherische bleibt in dem Äther, das Atmosphärische in der Atmosphäre und das Tellurische*) auf dem Erdkörper.
*) Auf die Erde bezüglich, von ihr herrührend


Dadurch stehen aber die Atmosphären aller Sonnen und Planeten stets also gegeneinander in wechselseitiger Entsprechung, dass sich das Ätherische fremder Planeten nur mit dem Ätherischen eures Planeten, das Atmosphärische mit dem Atmosphärischen und das Tellurische mit dem Tellurischen verbindet.

Da wir nun solche Verbindungen ersichtlichermaßen dargestellt haben, so können wir zur dritten Betrachtung unseres Bildes übergehen, und diese ist die entsprechend geistige. Vollkommen entsprechend Gleiches entspricht in geistiger Beziehung einer Fläche, die sich allenthalben durchaus gleich ist; demnach ist in der geistigen Erscheinlichkeit das naturmäßig oder tellurisch Gleiche aller Weltkörper wie eine endlos weitgedehnte Fläche, ebenso das Atmosphärische wie das Ätherische anzusehen.

Die Entsprechungen aber bestehen in der geistigen Welt nur aus dem Gemütsleben der Menschen auf den Erdkörpern. Ihr saget, dass das Tellurische in seiner endlosen Mannigfaltigkeit den vielen naturmäßigen Gestirnen entspricht. Also ist es auch. Auch das naturmäßige Gemütsleben eines Menschen hat Entsprechung mit dem naturmäßigen Gemütsleben der Menschen aller Gestirne; eben also ist es der Fall mit dem weisegeistigen, und eben also auch mit dem liebegeistigen Teile des Menschen auf eurem Erdkörper. – Nun sehet und habet acht!

Der Mensch auf eurem Erdkörper ist gleichsam in seiner Art das Zentrum aller Menschen anderer Erdkörper und das darum, weil der Herr auf der Erde Selbst ist ein Mensch dem Fleische nach geworden.

Der erste oder unterste Himmel, welcher auch der naturmäßig-geistige Himmel genannt wird, fasst selige Menschen eures Erdkörpers, und ein jeder solche selige Mensch bildet eine gleiche Fläche, in welcher alle anderen Gestirnmenschen zu ihm sich also verhalten wie die Linien, welche von einem Mittelpunkte ausgehen oder von einem möglichst weitesten Kreise wieder in den Mittelpunkt zusammenlaufen.

Aber die naturmäßige Fläche ist und kann nicht sein eine ununterbrochen fortlaufende, sondern ist in sich allzeit wie erscheinlich abgeschlossen. Daher werdet ihr auch den naturmäßigen Himmel allzeit wie in einzelne, wenn schon zahllos viele Vereine getrennt erschauen.

Der zweite Himmel, welchen wir unter dem mittägigen kennen, ist schon konkreter, hat aber dennoch in seiner endlosen Ausdehnung gewisse Zwischenräume, die sich wie endlos weitgedehnte Meere ausnehmen, über welche die diesem Himmel eigentümlichen Geister nur unter einer höheren Leitung gelangen können.

Betrachtet aber nun die dritte ätherische Abteilung, in welcher naturmäßig alle zahllosen Weltkörper schwimmen. Diese ist allenthalben vollkommen konkret. Also ist demnach in entsprechender Form auch der höchste Liebehimmel so gestellt, dass er alle anderen umgibt, sie trägt und leitet. Es wird nun gar nicht schwer sein zu begreifen, dass mit diesem höchsten Himmel sich alles andere am Ende wie konkret verflachen muss, indem alles von ihm werktätig durchdrungen wird.

Daher haben die seligen Geister der Erde in diesem Himmel denn auch diesen unbegrenzten Wirkungskreis aus der Liebe des Herrn. Sie können sich allenthalben hin verfügen. Überall ist für sie ein ebener Weg. Für sie gibt es nirgends ein `Auf` und ein `Ab` wie ihr in entsprechender Weise auch nicht annehmen könnet, dass ein ätherisch leichter Mensch, auf welchen kein Erdkörper mehr eine Anziehung zu äußern vermag, sich im lichten Äthermeere irgend leichter und schwerer, auf und ab bewegen könnte, indem er sicher nach jeder Richtung sich mit gleicher Leichtigkeit bewegen wird, also wie ein Gedanke, dem das `Auf` und `Ab` doch auch hier sicher einerlei ist.

Solches aber wird in entsprechend geistiger Weise `eben` genannt und ist erschaulich wie eine unendliche Fläche, darum denn auch aller Welten Geister sich in dieser Fläche notwendig samt ihren entsprechenden Weltkörpern aufhalten und dann auch mit uns Zentralgeistern aus dem Herrn in notwendig dienlicher Verbindung stehen müssen.

Das sei euch vorläufig eine gute Beantwortung auf eure Frage. Wenn aber mit unserer nächsten Betrachtung der Herr diese Seine Gesellschaft installieren wird in ihre ewige Bestimmung, da werdet ihr aus Seinem Munde alles dieses in einem werktätig noch viel helleren Lichte erschauen.

Es ist schwer, geistige Verhältnisse und naturmäßige mit der naturmäßigen Sprache in ersichtlich begreifliche Verbindung zu bringen. Aber dessen ungeachtet vermag die große Liebe und Weisheit des Herrn allenthalben Wunder zu wirken. Daher werdet ihr auch hier den besseren Teil erst aus dem Munde des Herrn bekommen. – Nun aber nähern wir uns schon wieder der heiligen Stadt, daher wollen wir unsere Aufmerksamkeit auch dahin wenden.“ (GS.02_004,01 ff)


4. Wesen und Folgen des Lasters
(Bd. 2, Kapitel 106, Sphäre des Johannes)

„…Wenn unsere in der Geduld wohl geübten Schüler (Schutzgeister) von ihrem Amte gewöhnlich nach dem Ableben eines ihnen anbefohlenen Schützlings von dieser äußeren Welt zurückkehren, dann haben sie noch so lange in ihrer Nähe zu verbleiben, solange der naturmäßig-geistige Zustand der Seele eines hier verstorbenen Menschen dauert. Zur Zeit der Enthüllung oder Abödung, da ein jeder Geist ohnehin sich selbst gänzlich überlassen bleibt, kehren sie dann wieder in die geistige Sonne zurück. Von da an erst geht es auf eine neue Bestimmung aus. – Wohin aber? Das ist sehr leicht zu erraten, wenn man bedenkt, dass unsere Schüler bis jetzt hinreichend Gelegenheit gehabt haben, die Gesetzwidrigkeiten zuerst als Lehrlinge geistig-wissenschaftlich, dann als Schutzgeister praktisch zu beschauen und zu erkennen.

Dass aber hinter diesen Erkenntnissen noch ein drittes steckt, und hinter dem dritten noch ein viertes, das muss einem jeden klar sein, der weiß, dass jedes Laster eine gewisse Folge als das erreichte Ziel in sich hat, und dass sich erst in diesem Ziele der Grund oder die Hauptursache des Lasters erkennen lässt. Denn wenn jemand die Folgen des Lasters nicht geschaut hat und nicht völlig den Grund des Lasters erkennt, so hat er immer noch keine genügend frei und feste Abneigung gegen das Laster. Ersieht er aber einmal solches und erkennt es lebendig, wie die Folge eine ganz ordnungsmäßige und unabänderliche ist und wie sie in sich schon solchen Grund birgt, dann erst wird er aus seinem freien Erkennen und Wollen ein vollkommen fester Gegner alles Lasters.

Wo aber müssen unsere Schüler hingehen, um solches zu erkennen? Sie müssen an der Seite mächtiger und wohlerfahrener Geister die Höllen durchwandern, und zwar von der ersten bis zur letzten und untersten. In der ersten und zweiten erschauen sie die Folgen des Lasters, und besonders in der zweiten, wie sich innerhalb der noch wohlersichtlichen Folgen der Grund des Lasters schon mehr und mehr durchleuchtend erschauen lässt. Und in der dritten und untersten Hölle erst lernen sie den Grund oder die Hauptursache alles Lasters erkennen.

Es dürfte vielleicht mancher sagen: Die Folge und der Grund sind zwei Punkte eines Kreises, die auf einem und demselben Punkte zusammentreffen, denn sicher begeht niemand eine Handlung aus einem andern Grunde als allein aus dem, den er eben als die Folge seiner Handlung realisiert haben will.

Wenn z.B. einer den diebischen Entschluss fasst, jemandem das Geld zu stehlen, so haben ihn dazu die Liebe zum Gelde und sein Vorteil zu dieser Handlung bestimmt; das war sicher der Grund seiner Handlung. Hat er sich nun auf diebische Weise des Geldes bemächtigt, so war diese Bemächtigung doch sicher die Folge seiner Handlung. Dies war und ist aber nichts anderes als der realisierte frühere Grund zu der Handlung selbst.

Ich aber sage: Wenn man die Sache von dem Standpunkte betrachtet, dann tut man nichts anderes, als an seiner eigenen Erkenntnis einen Hochverrat begehen, und zeigt dadurch an, dass man mit der inneren Weisheit noch nie etwas zu tun gehabt hat. Daher wollen wir sogleich ein Gegenbeispiel aufstellen, aus dem sich klar ersehen lassen wird, dass die Folge und der eigentliche Grund der Handlung ganz verschieden aussehen.

Bevor wir aber das Beispiel aufstellen, müssen wir einige Sätze kundgeben, welche aus der göttlichen Ordnung herausfließen und somit jeder Handlung die bestimmte Folge von Ewigkeit her anzeigen, in welcher dann im Einklange mit der Handlung sich der Grund ersehen lässt.

Die Sätze aber lauten also:

Jede Handlung hat eine von Gott aus entsprechend bestimmt sanktionierte Folge. Diese Folge ist das unabänderliche Gericht, welches jeder Handlung unterschoben ist. Also ist es vom Herrn gestellt, dass sich jede Handlung am Ende selbst richtet.

Wie aber von jeder guten Handlung der Herr nur als ein Grund anzunehmen ist, also verhält es sich auch mit jeder bösen Handlung. Auch jede böse Handlung hat demnach allezeit ihren einen und denselben Grund. Das sind die Lehrsätze.

Nun wollen wir diese beispielsweise beleuchten.

Nehmen wir einen Hurer an. Dieser trieb, solange er lebte, ohne Schonung und ohne die geringste Rücksicht auf was immer für Personen die Unzucht. Äußerlich konnte niemand die Folgen des Lasters an ihm erschauen, denn der Leib ist nicht immer ein Folgenspiegel des Lasters. Dieser Mensch aber hatte durch seine lasterhafte Handlungsweise seinen Geist ganz in die grobe fleischlich-materielle Liebe herabgezogen, hat seine Lebenskräfte vergeudet, materiell und geistig genommen. Was bleibt ihm am Ende übrig? Nichts als ein Polypenleben seiner Seele. Diese langt jenseits mit nichts als mit ihrer sinnlich-fleischlichen Genussbegierde an. Ihr Bestreben ist das eines Polypen, nämlich in ihrer Art unausgesetzt fortzugenießen. Von einer geistig dirigierenden Reaktion ist da keine Rede mehr, indem der Geist schon bei Leibesleben bis auf den letzten Tropfen mit der sinnlichen Seele verschmolzen worden ist.

Frage: Kann jenseits eine solche Seele für eine höhere Belebung zugänglich oder fähig sein? Wer solches völlig einsehen will, der fange sich einmal einen Polypen aus dem Meere und versuche, ob er aus ihm einen Luftspringer machen kann. Diese Arbeit wird sicher niemandem gelingen, denn sobald er den Polypen aus seinem Schlammelement hebt und auf einen trockenen Ort in die reine Luft setzt, wird der Polyp bald absterben, einschrumpfen, in die Verwesung übergehen und endlich zu einem leimartigen Klumpen vertrocknen.

Sehet, gerade derselbe Fall ist es mit einer solchen geilen, genusssüchtigen Seele. Sie ist ein Schlammpolyp und hat nur eine lebenerregende Begierde, nämlich die des Genießens. Ihre ganze Intelligenz geht dahin, sich die Genüsse zu verschaffen. Was ist demnach die Folge? Nichts anderes als dieser elende und höchst klägliche Zustand der Seele selbst, nämlich das stets tiefere Zurücksinken in das allergemeinst und niedrigst Tierische. Und dieser Zustand ist eben das, was man die `erste Hölle` nennt. Diese ist somit die Folge, und zwar die ganz natürliche, ordnungsmäßig gerechte Folge, indem die Seele durch diese verbotene Handlungsweise am Ende in denjenigen untersten Tierzustand zurückkehrt, aus dem sie früher vom Herrn durch so viele Stufen (Mineralien-, Pflanzen-, Tierreich) aufwärts bis zum freien Menschen erhoben wurde.

Dieser Zustand als Folge aber wird vom Herrn in Bezug auf die Genussbegierde darum so überaus kümmerlich gehalten, damit dadurch der in der Seele noch immer sich vorfindende Geist mehr und mehr von der Sinnlichkeit ausscheiden möchte. Diese Operation ist die einzige, durch welche eine solche Seele samt ihrem Geiste noch möglicherweise rettbar ist und sein kann. Denn wird die Seele also fortgenährt, so wird sie in ihrer Begierde immer stärker, und da wird von der Rettung des Geistes wohl ewig nie eine Rede sein können.

Was ist aber im schlimmen Falle gewöhnlich die zweite Folge dieser notwendigen Behandlungsweise?

Höret! Da der Geist einer solchen Seele mit ihr völlig eins war, so ist auch seine ganze Liebe in die Begierlichkeit seiner Seele übergegangen. Wird er nun durch das Fasten der Seele freier, so tritt er dann böswillig und überaus tief beleidigt und gekränkt auf, darum, dass man ihn durch Vorenthalt der Nahrung für seine leibhaftige Seele hat verkümmern lassen, um ihn dadurch zu bändigen.

Aus solcher Beleidigung und Kränkung geht der Geist in einen Zorn über und verlangt Entschädigung. Wo aber findet er diese? In der zweiten Hölle!

Was ist nun die zweite Hölle?

Nichts anderes als die Folge der ersten. Und in dieser Folge lässt sich schon auf den eigentlichen Urgrund der ersten Handlungsweise blicken.

Denn der Zorn ist nichts anderes als eine Frucht der übermäßigen Selbstliebe und diese hat ihre Wurzeln in der Herrschsucht, welche die Triebfeder zu allen Lastern ist und hat die dritte oder unterste Hölle zu ihrem Wohnsitze. – Wie sich aber aus der zweiten Hölle endlich auch eine dritte entwickelt, und wie unsere Schüler solches alles praktisch mit anschauen und erfahren müssen, das wollen wir in der Folge betrachten.“ – (GS.02_106,01 ff)


5. In der zweiten Hölle
(Bd. 2, Kapitel 107)

Wisset ihr, warum die Menschen auf der Erde den Gehorsam leisten? Die Antwort ist sehr leicht. Etwa aus großer Achtung vor der Person des Herrschers? O nein! Denn was man hochachtet, über das schimpft man im geheimen nicht, noch weniger verflucht und verwünscht man es. Dergleichen aber geschieht nicht selten von Seiten der Untertanen gegenüber ihrem Monarchen. Dem man aber nicht aus Achtung gehorcht, dem gehorcht man noch weniger aus Liebe. Also können wir hier keinen andern Grund des Gehorsams auffinden als die Furcht.

Worauf gründet sich die Furcht? Diese gründet sich erstens auf die eigene Ohnmacht, zweitens auf die Übermacht des Herrschers und drittens auch darauf, dass man weiß, dass ein Monarch mit dem Leben seiner Untertanen bei gewissen Gelegenheiten nicht schonend umgeht. Einem Menschen, der nicht selten mit mehr als einer Million Mordwerkzeugen versehen ist und für die Tötung eines wie vieler Menschen niemandem eine Rechenschaft schuldig ist, dem ist in keinem Falle übers Maß zu trauen; denn der Zorn eines Herrschers kann der Tod von vielen Tausenden sein.

Wenn wir die Sache betrachten, wie sie ist, so stellt sich immer mehr heraus, dass die Todesfurcht das Hauptmotiv des Gehorsams ist.

Nehmen wir an, in einem Staate wären lauter vollkommen wiedergeborene geistesgeweckte Menschen, so hätte es mit der Furcht vor der Todesstrafe seine geweisten Wege. Der Herrscher müsste da ganz andere Maßregeln ergreifen, wenn er ein Volksleiter verbleiben wollte.

Worauf gründet sich aber die Todesfurcht bei den Menschen? Ich sage euch: Auf nichts anderes, als lediglich auf die Ungewissheit, ob es nach dem Verluste dieses Lebens noch ein anderes gibt (Unglaube). Wer von euch fürchtet sich wohl vor dem Schlafengehen, obschon der Schlaf nichts anderes als ein periodischer Tod des Leibes ist? Warum fürchtet man sich vor dem Schlafe nicht? Weil man die erfahrungsmäßige Sicherheit hat, dass man nach dem Schlafe wieder zu eben demselben, wenn schon gewisserart neuen Leben erwacht. Könnte man diese Erfahrung hinweg nehmen, so würde sich ein jeder Mensch vor dem Schlafe ebenso fürchten wie vor dem Leibestode. So gibt es auch tatsächlich Menschen auf der Erde, die glauben, sie haben ein ephemeres Leben, welches alle Tage vergeht und am nächsten Tage stecke ein ganz anderer in ihrer Haut als am vorhergehenden. –

Dieser Glaube ist ein Zweig einer an die Seelenwanderung glaubenden Volksklasse in einem Teile Asiens, die der Meinung ist, ihre Seele fahre von Tag zu Tag von einem Tiere in ein anderes und wohne höchstens einen Tag im Leibe eines Menschen. Wenn sich in demselben Menschen anderntags eine andere Seele der Vergangenheit erinnert, so rühre das von der Einrichtung des Leibes her. Eine jede nachkommende Seele müsse notwendig in dasjenige Bewusstsein versetzt werden, das von der Einrichtung des Leibes bewirkt werde. Das ist also ihre Philosophie, derzufolge sich ein solcher Mensch vor dem Schlafe entsetzlich fürchtet, denn er sieht darin nur das Mittel, durch welches die alte Seele aus dem Leibe herausgeschafft wird, um einer andern Platz zu machen. Aus dem Grunde suchen diese Menschen auch so viel als möglich den Schlaf durch allerlei Mittel zu vertreiben. Dieses alles hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem sich Fürchten gewöhnlicher Erdmenschen vor dem Leibestode.

Würde der Mensch eines geweckten Geistes sein, so würde er sich um den Abfall des Leibes ebensowenig kümmern und denselben fürchten, als sich ein gewöhnlicher Mensch um den Schlaf kümmert und denselben fürchtet. Denn des Geistes Erfahrung ist das ewige Leben, welches unzerstörbar ist, so wie der Seele Erfahrung es ist, dass der schlafende Leib anderntags wieder erwacht, darum sie auch vor dem Schlafe keine Furcht hat.

Die Furcht vor dem Tode als vor einer möglichen Vernichtung des Daseins liegt demnach in der Seele so lange, als der Geist in ihr nicht erwacht und dann in ihr sonach auch ein ganz anderes Bewusstsein erzeugt. –

Also gehen wir nun mit dieser Vorkenntnis wieder in unsere erste Hölle. In dieser ist die Seele nichts als ein Genuss- oder Fresspolyp, und zwar aus lauter stummer Selbstsucht und Selbstliebe, aus dem Grunde, weil sie in der Nichtrealisierung ihrer Genusssucht die Vernichtungsmöglichkeit fortwährend vor Augen hat.

In der zweiten Hölle ist durch die starke Fastenbehandlung, wie uns bekannt, die begierliche Seele mehr und mehr eingeschrumpft, und dem mit ihr verschmolzenen Geiste ist durch diese Absonderungsmethode mehr Freiheit geworden. Im seltenen besseren Falle kehrt ein Geist hier um, kräftigt sich und erhebt dann seine Seele mehr und mehr. Im gewöhnlichen, schlimmen Falle erwacht der Geist zwar auch; da er aber in diesem Erwachen in solcher Vernachlässigung seiner Seele sich überaus gekränkt und beleidigt und auch selbst mitvernachlässigt zu fühlen anfängt, so wird er zornig und lässt in diesem seinem Zorne stets mehr die Idee in sich aufkeimen, derzufolge ihm für solche Unbill von seiten der Gottheit eine kaum zu berechnende große Genugtuung zugute kommen sollte.

Allein, je mehr der Geist mit dieser Idee großwächst, desto stärker setzt er seine Rechnung an und auch desto unzufriedener wird er mit jeder der ihm vorgeschlagenen Maßgabe der ewigen Genugtuung.

Aus dieser immer größeren Forderung, welche in der stets größeren Unzufriedenheit ihren Grund hat, geht dann der also mehr und mehr wach werdende Geist in ein sich rächen wollendes Selbstgenugtuungsgefühl über. In diesem Gefühle wird er stets mehr zum `Verächter Gottes` (Teufel). Er ersieht auch stets mehr seine Unzerstörbarkeit und stärkt sich mit der Idee, dass der Geist sich durch die Erhöhung seiner Begriffe und Forderungen ins Unendliche stärken kann. Aus diesem Gefühle erwächst dann sogar die satanische Idee, dass die Gottheit sich vor der ständig wachsenden Macht solcher Geister fürchte, sich darum verberge und diese ihre mächtigen Feinde durch gewisse furchtsame und schwache Spitzelgeister in ihrem Tun heimlich beobachten lasse. Sieht es bedenklich aus, ziehe sich die Gottheit wieder tiefer zurück und suche sich auf alle mögliche Weise vor einem übermächtigen Angriffe solcher Kraftgeister zu verwahren.

Durch diese Idee wird das übermächtige Selbstgefühl des Geistes immer stärker, das Rachegefühl gegen eine vermeintliche Verschmitztheit der Gottheit stets größer. Die Gottheit wird dann natürlich stets ohnmächtiger, ja der Geist geht förmlich in Abscheu vor der Gottheit über, fängt an, sie zu verachten und bitter zu hassen, sich selbst aber als ein höheres Wesen anzusehen!

Tritt dieser Fall ein, dann ist die dritte Hölle auch schon fertig. Wie sich diese so herausbildet, müssen unsere Schüler auf dem Wege der göttlichen schützenden Vorsehung geheim mitbeobachten, und dann in der untersten Hölle bis zum eigentlichen Grund des Lasters alles auf dem Wege der Erfahrung erkennen lernen. – Wie sich aber am Ende in dieser untersten und bösesten aller Höllen des eigentlichen Lasters Grund beurkundet, wird die Folge zeigen.“ – (GS.02_107,01 ff)


6. In der ganzen Schöpfung
ist nichts Vernichtbares vorhanden

(Bd. 2, Kapitel 108)

Es dürfte hier mancher fragen: Wie ist das wohl einzusehen und zu verstehen, dass irgendeine im höchsten Grade untergeordnete Lebenskraft aus der Sphäre ihres Bewusstseins sich gegen eine unendliche, vollkommenste Lebenspotenz auflehnen kann, von welcher sie, nämlich die untere Lebenspotenz, doch sicher irgend etwas weiß und innewerden muss, dass sich ein Minimum der Lebenskraft gegen das Unendliche nimmer behaupten kann, und von einem Überwinden ja doch ewig keine Rede sein kann! – Gut, sage ich, solcher Einwurf klingt nicht übel, aber er rührt von einem noch bedeutenden Grade des Unverstandes her. Man könnte ihn wohl im außerordentlichen Falle approximativ (annähernd) nennen. Aber da es im reinen Geisterreiche keine Hypothesen und somit auch keine Approximationen gibt, sondern nur Wahrheiten, so kann er nicht einer völligen Beantwortung würdig sein.

Eine geistige Antwort ist eine volle Wahrheit. Enthält aber ein Fragesatz diese nicht in sich, so kann ihm auch keine Antwort werden. Der Fragende wird zwar wohl eine Antwort bekommen, aber nie als direkt auf seine Frage passend, sondern nur als eine indirekte Wahrheit. Also wird es auch hier sein. Wird die Antwort da sein, dann wird sich der fragliche Einwurf von selbst aufheben.

Ob also eine untere, oder wie hier eine höchst untergeordnete Lebenspotenz sich auflehnen kann oder nicht, oder ob sie durch die unendliche völlig zerstörbar ist, sollen sogleich einige kleine Beispiele zeigen.

Wie schwer ein ganzes Felsengebirge ist, braucht kaum eine nähere Bestimmung für den, der nur einmal mit dem Tragen einiger kleiner Steine zu tun hatte. Woraus besteht denn ein kleines Felsengebirge? Aus lauter atomistisch kleinen Partikeln, welche durch die wechselseitige Anziehungskraft fest aneinanderkleben. Wenn wir unter dem Gebirge hineingraben bis zu der Stelle, auf der die höchste Gebirgskuppe, also die schwerste, ruht, so entdecken wir bei dieser Grabung überall wohlerhaltene und überaus feste Steinwände. Nehmen wir aus diesen festen Steinwänden nur ein kleinstes Partikelchen, legen es auf eine Platte aus Stahl oder aus einem Steine, drücken dann einen Hammer nur ein wenig auf dieses Partikelchen, so wird es zerstäuben.

Frage: Weshalb hat sich dieses Partikelchen gegen den Druck des Hammers nicht halten können, während es vordem Jahrtausende hindurch einem unberechenbar mächtigen Drucke einer ganzen Gebirgsschwere Widerstand zu leisten vermochte? Man wird sagen: Unter dem Gebirge war es ein konkreter Teil der ganzen Masse und konnte sohin mit Hilfe der anderen Teile dem allgemeinen Drucke widerstehen, einzeln aber hatte es keine Nebenhilfe und musste daher schon einem geringen Drucke weichen. – Gut, hat aber dieser geringe Druck dieses Partikelchen völlig zerstört? Durchaus nicht, sondern nur zerteilt in noch viel kleinere Partikelchen.

Könnte man denn keinen solchen Druck anbringen, um diese Partikelchen völlig zu vernichten? – Auch das ist weder durch den Druck, noch durch was immer für eine andere Kraftanwendung möglich. Denn auf dem einen Wege kann es nur in kleinste Teile zerteilt, auf einem andern aber in ein einfaches und hernach noch weniger zerstörbares Element verwandelt werden.

So ruht auch die ganze Schwere der Erde auf ihrem kleinen, winzigsten Mittelpunkte. Wie kann dieser wohl einer solchen von allen Seiten auf ihn einwirkenden Schwerkraft widerstehen? Aus dem einfachen Grunde, weil nach der ewigen göttlichen Ordnung in der ganzen unendlichen Schöpfung nichts Vernichtbares vorhanden ist, und das Allerkleinste kann sich gegen das Allergrößte fortwährend behaupten, wenn nicht in dieser, so doch wieder in einer andern Form.

Unterschieben wir aber nun diesen kleinen Teilchen ein vollkommenes Bewusstsein, demzufolge sie inne sind, ewig unvernichtbar zu sein, Frage: Welche Kraft kann sie da bändigen und welche besiegen? Oder verliert darum ein ganzes Gebirge etwas, wenn sein Minimum der Unterlage unzerstörbar ist? Sicher nicht, denn wäre ein Atom zerstörbar, müssten es auch die andern sein, und auf diese Weise wäre es auch mit dem ganzen großen Gebirge geschehen.

Derselbe Fall wäre es mit der Erde, und mit Gott Selbst würde es am Ende nicht besser gehen, wenn in Seiner ganzen Unendlichkeit irgend etwas Vernichtbares vorhanden wäre.

Also ist das die feste, ewige göttliche Ordnung, dass da das Allerkleinste neben dem Allergrößten bestehen kann. Wenn aber demnach die kleinste Lebenspotenz in ihrer geistigen Sphäre sich als untötbar und somit unvernichtbar erkennt, so hat sie auch keine Furcht mehr vor der allerhöchsten Lebenspotenz. Und dieses Bewusstsein erhebt dann die unterste Lebenspotenz zu einem Herrschergefühle, in welchem sie spricht: Ich bin der obersten Lebenspotenz, die sich als die Gottheit ansieht, zu ihrem Dasein so notwendig und unentbehrlich, dass sie ohne mich nicht bestehen kann. Wenn wir mehrere, ja zahllos viele untere Potenzen uns in eins vereinen, so können wir vom Zentrum aus wirken und die vermeintliche oberste Potenz zu der untersten machen. Diese kann uns dann ebenso gut anbeten, wie sie solches nun von uns verlangt. Wie man möglicherweise einer Welt Innerstes nach außen kehren kann, also kann es auch mit uns Lebenskräften der Fall sein. Vereinen wir untere Potenzen uns, legen wir nach außen einen Sturm, und die Gottheit liegt als untere Lebenspotenz zu unseren Füßen. –

Sehet, das ist rein höllische Philosophie, und das ist zugleich der eigentliche Grund alles Lasters, und sein Name ist – Herrschsucht!

Mit diesem Begriffe haben wir nun auch das ganze Wesen der untersten (3.) Hölle kennengelernt und dieses Wesen entspricht der äußeren Erscheinlichkeit eines Weltkörpers. – Auf der Oberfläche ist der erste Grad der Hölle in der polypenartigen Genusssucht deutlich zu erkennen; denn da ist alles ein Fresser, was ihr nur ansehet. In der mehr inneren Rinde der Erde beurkundet sich das Fasten und Magerwerden; es besteht nirgends eine Vegetation. Wie im starren und rachebrütenden Tode liegt alles da; höchstens zeigen sich hier und da Feuerquellen und andere heiße Wasserquellen als entsprechende Bilder des schon überall durchblickenden Zornes der Geister dieser Hölle.

Gehen wir in das Inwendige der Erde, da entdecken wir nichts als ein fortwährendes mächtigstes Durcheinandergedränge. Ein Feuer weckt und erstickt das andere. Jeder Wassertropfen, der da hineingelangt, wird alsobald in glühenden Dampf verwandelt.

Je mehr aber hier vorgeht, desto größer stellt sich die Reaktion über der Oberfläche der Erde dar und dämpft allezeit mit der größten Leichtigkeit alle diese inneren Reaktionen. Und so ist es vom Herrn weise eingeleitet, dass Ihm auch alle diese Höllen trotz stärksten Widerwillens zur ewigen Erhaltung der Dinge dienen müssen. Und dieser Mussdienst, welcher den höllischen Geistern wohlbekannt ist, ist ihre größte Qual, weil sie da sehen, wie trotz ihres Widerwillens all ihre Aktion im allgemeinen der göttlichen Ordnung auf ein Haar entsprechen muss. –

Das ist aber auch zugleich die unendliche Liebe und Weisheit des Herrn, denn auf diesem Wege ist es allein möglich, diesen argen Wesen in ihrer herrschsüchtigen Handlungsweise Schranken zu setzen. Denn sehen sie, dass Sich der Herr ihre bösesten Unternehmungen allzeit zugute machen kann, da werden sie erbost und tun gar nichts mehr, – bis sie wieder einen neuen Plan gefasst haben, um ihn gegen den Herrn in Ausführung zu bringen. Welchen der Herr natürlich auch wie die früheren zu benützen weiß. – Das ist theoretisch betrachtet die Aktion und das Wesen der untersten (3) Hölle.

Wie sich aber alles dieses in der Erscheinlichkeit kundgibt, dazu wollen wir in der Folge einige Betrachtungen machen, und zwar alle drei Höllen hindurch!“ – (GS.02_108,01 ff)


7. Bilder der ersten und zweiten Hölle
(Bd. 2, Kapitel 109)

Wie es erscheinlich in der ersten Hölle aussieht, das habt ihr schon einmal im Verlaufe der Mitteilungen aus der Sonne gesehen, wie auch die verschiedenartigen Eingänge in die erste Hölle. Nur muss ich das Wenige noch beisetzen, dass der Eifer eben derjenigen höllischen Geister, die ihr in der ersten Hölle geschaut habt, vorzugsweise nur ein Genuß- oder, wie ihr zu sagen pfleget, ein Fress-Eifer ist. Es gleicht dieser Zustand demjenigen auf der Erde, in welchem die Menschen auch alles Mögliche ergreifen, um, wie ihr zu sagen pfleget, zu einem Brote zu gelangen.

Die einen errichten verschiedenartige Gewerbe, die andern haschen nach Beamtenstellen, wieder andere nach irgendeiner guten Heirat. Aber das alles tun sie nicht etwa des Guten wegen, sondern rein nur ihrer selbst und des Brotes wegen. Sie kümmern sich in diesem Zustande wenig um irgendeine Herrlichkeit, sondern es liegt ihnen alles daran, eine gewisse Versorgung zu bekommen.

Nach himmlischer Art sorgt man sich um gar nichts außer allein um die Liebe und die Erkenntnis Gottes. Für alles andere sorgt der Herr!

Nach höllischer Art aber sorgt man sich gerade umgekehrt. Man will eine sichere Versorgung haben und denkt im besten Falle: Wenn ich erst für alle äußeren Bedürfnisse gedeckt bin, dann will ich sehen, ob der Geist mit dieser Versorgung zufrieden ist. Wenn aber dann jemand eine äußere Versorgung erlangt, welche gewöhnlich mit irgendeiner kleinen Herrlichkeit verbunden ist, so geht der Versorgte bald in einen seiner Herrlichkeit entsprechenden Hochmut über, den er durch einen gewissen Glanz stets mehr aufzurichten bemüht ist. Aus diesem Grunde fangen denn auch junge Beamte wie auch angetretene Gewerbsleute – versteht sich ein jeder in seiner Sphäre – sich mehr und mehr aufzublähen an. Gar bald wissen sie nicht mehr, wie sie sitzen, stehen, gehen, sehen, hören und reden sollen, damit man ihnen auf den ersten Augenblick anmerkt und gewisserart anerkennen und von der Nase ablesen soll, in welcher Herrlichkeit sie stecken und was für ein vielsagendes Amt sie bekleiden.

Sind solche Menschen auf diese Weise versorgt, da sollen sie sich um nichts mehr sorgen, denn sie haben ihr bestimmtes Einkommen und Brot erhalten. Sie sollten jetzt für das Geistige zu sorgen anfangen. Aber – ganz umgekehrt – jetzt ist mit der Versorgung das Glanz- und Herrschbedürfnis eingetreten. Darum sorgen sie jetzt mehr als je dafür, um nur höher und höher zu steigen, wie die Gewerbsleute, um nur reicher und reicher zu werden. In dieser Lage werden sie voll Neides und inneren Hasses gegen diejenigen, die ihnen irgend im Wege stehen.

Die Nächstenliebe geht bei ihnen so weit, dass so mancher Unterbeamte nichts sehnlicher wünscht als den Tod seines ihm vorgesetzten höheren Beamten, um bei solcher Gelegenheit dann die Stelle des Höheren einzunehmen. Der Gewerbsmann wünscht nichts sehnlicher als den geschäftlichen Ruin seiner Kollegen, damit er dann alles Geschäft an sich reißen könnte. Ja, seine Nächstenliebe geht so weit, dass er alle seine Geschäftsgenossen mit einem Tropfen Wasser umbringen möchte, wäre solches nur irgend möglich. Er unternimmt auch alles Erdenkliche, um, wo und wie nur immer möglich, seinen Nebengeschäftsmann zu ruinieren.

Wenn ihr dieses weltliche Benehmen nur ein wenig klar beleuchtet, so habt ihr schon die erste Hölle vollkommen in dem Fressbestreben und auch, wie diese in die zweite Hölle übergeht, im Hass, Zorn, Neid und Herrschbestreben auf ein Haar genau getroffen vor euch. Ihr brauchet hier nichts als die äußeren sittlichen und bürgerlichen Staatsgesetze hinwegzustreifen, und die erste wie die zweite Hölle sind buchstäblich und bildlich vor euch.

Was sich auf der Welt unter dem Deckmantel der sittlichen und bürgerlichen Gesetze noch in einer gewissen Dezenz ausnimmt, das tritt bei Hinwegnahme dieser Gesetze sogleich als Raub, Krieg und Mordbrennerei auf. Da habt ihr dann das vollkommene Bild der ersten Hölle.

Wollt ihr aber das Bild der zweiten Hölle, so tuet dasselbe. Ihr werdet sogleich allenthalben eine geheime Verschmitztheit zu entdecken anfangen, und nirgends werdet ihr Menschen oder Geister sich gegenüberstehend entdecken, die nicht gegenseitige Todfeinde wären. Begegnen sie sich auch äußerlich freundlich und voll Höflichkeit wie auch voll scheinbarer gegenseitiger Liebe, so ist aber alle diese Liebe dennoch nichts anderes als purer Hass. Denn alles das ist Politik, um den Gegner zum Frieden zu stimmen, ihn auf die feinste Art zu entwaffnen, um ihn dann desto sicherer ohne Widerstand überfallen zu können und bis in den Grund und Boden zu verderben.

Betrachtet nur auf eurer Erde die sogenannten Kriecher und Speichellecker. Das sind gewöhnlich die größten Todfeinde derjenigen, vor denen sie kriechen. Sie erheben sie aus demselben Grunde wie ein Geier eine Schildkröte, um sie, wenn er mit ihr die rechte Höhe erlangt hat, auf das schmählichste fallen zu lassen und so durch ihren Fall noch mehr zu gewinnen.

Sehet, das ist wieder buchstäblich und bildlich die rein höllische Liebe des zweiten Grades. Daher werden in dieser Hölle auch schon allerlei Trugkünste gehandhabt, um sich gegenseitig zu fangen und zu verderben, in der tollen Meinung, durch den Fall anderer auf jede mögliche Weise stets mehr zu gewinnen. –

Auf diese Weise lernen auch unsere Schüler die Höllen zuerst theoretisch und dann praktisch erscheinlich durch und durch kennen. Und so hätten auch wir in möglichst gründlicher Kürze die ersten zwei Höllen erscheinlich beschaut. – Wer diese Darstellung nur ein wenig nachdenkend beachtet, der hat alles sonnenklar vor sich. Was aber die Erscheinlichkeit der dritten Hölle betrifft, so wollen wir derselben eine eigene Betrachtung widmen, denn diese muss am meisten erkannt sein, weil sie der Grund alles Lasters ist.“ – (GS.02_109,01 ff)


8. Herrschsucht und Hochmut – Samen der Hölle
(Bd. 2, Kapitel 114)

Es braucht einen geringen Grad psychologischer Kenntnis, um im allgemeinen herauszufinden, dass im weiblichen Geschlecht die Herrschsucht der vorherrschendste Charakterzug ist; denn Herrschlust und Eitelkeit sind Zwillingsgeschwister und haben somit eine und dieselbe Stammwurzel. Wo aber ist das Weib, das nicht irgendeinen Grad von Eitelkeit besäße, sei es in ihrem Kleiderwesen oder in ihrer Zimmereinrichtung oder in noch so manchem anderen?

Prüfet den Zug dieser Eitelkeit und ihr werdet hinter ihm nichts finden als das lebendige Samenkörnchen des Hochmutes und der nachfolgenden Herrschsucht.

Man wird hier sagen: Nein, das heißt die Sache zu tief und zu grob angepackt! Man sollte im Gegenteil einen gewissen Grad von Eitelkeit beim weiblichen Geschlecht eher loben als schonungslos an den Pranger des tiefsten Tadels stellen. Denn dieser gewisse Grad von Eitelkeit ist sicher nur ein Kind der weiblichen Scham und des damit verbundenen Reinlichkeitssinnes, was aber offenbar nur eine lobenswerte Tugend und nie ein Fehler des weiblichen Geschlechts ist. Gut, sage ich, es ist auf der Welt leider so weit gekommen, dass man das Gefühl der Scham für eine Tugend hält und mit der Ehre die Menschheit krönt, und das ist die beste Ernte für die Hölle; denn auf diesem Wege müssen die Menschen fallen, wo sie auf einem anderen höchstens fallen könnten.

Man fragt: Wieso denn? Ich aber frage: Wessen Anteil ist des Menschen irdische Ehre? Ist sie ein Anteil seiner Demut oder seines Hochmutes? Der Demütige strebt nach der untersten Stufe, wo es keine Ehre und Auszeichnung mehr gibt, wie der Herr mit dem großen Beispiele vorangegangen ist und Seine Ehre in die allertiefste Demütigung und in das, was eigentlich die größte Weltschande ist, gesetzt hat.

Eine ähnliche Ehre wurde allen Seinen ersten Nachfolgern zuteil. Ich aber frage: Was hat da das Schamgefühl zu tun, wo man verfolgt, verspottet und endlich nackt ans Kreuz geschlagen wird? Wie viel Ehre mag wohl der noch im Leibe haben, wie viel Schamgefühl, der auf den Galgen gezogen wird? Ich meine, bei dieser Gelegenheit dürften diese beiden so hochgeachteten Menschlichkeitsattribute in den Hintergrund gestellt sein.

Wenn man aber schon etwas als eine Tugend aufführen will, so sollte man dasselbe doch wenigstens in einem oder dem andern Punkte auf Christum als den Zentralpunkt aller Tugend beziehen können. Ich aber frage: Wann hat Er je die Scham und das Ehrgefühl als eine Tugend des Menschen gepriesen? Im Gegenteil untersagte Er es Seinen Jüngern und Aposteln, nach irgendwelcher Ehre zu streben, indem Er zu ihnen sagte, dass sie sich nicht sollen grüßen und ehren lassen, wie es die Pharisäer verlangten und gerne sehen und haben, dass man sie auf den Gassen grüßt und Rabbi nennt.

Demzufolge aber kann ich durchaus nicht begreifen, aus welchem Grunde man das Schamgefühl und die damit verbundene Ehrsucht, welche beim weiblichen Geschlechte ganz besonders vorherrschend ist, als eine Tugend bezeichnen kann.

Man wird hier sagen: Man nehme dem weiblichen Geschlechte das Schamgefühl und man wird bald lauter Huren vor sich haben. Oho, sage ich, geht es auf diesem Wege? Dann sage ich ganz bestimmt hinzu: Es gibt in dieser Hinsicht kein besseres Reizmittel für das weibliche Geschlecht, als das Schamgefühl. Es braucht nichts als ein bisschen Gelegenheit dazu und ein jedes weibliche Wesen ist vermöge dieses Gefühles zur Unzucht reif; denn nichts ist leichter über den Daumen gedreht als eben ein solches Gefühl, das nichts anderes als seine eigene Eitelkeit zum Grunde hat. Das bisschen Ehre, das dem Schamgefühl gegenübersteht, ist eine so schwache Stütze für die Tugend, dass man über sie auch nicht den leisesten Wind kommen lassen darf, um sie nicht augenblicklich zu verwehen.

Aus dem aber geht doch klar hervor, dass es mit dieser Art weiblicher Tugend einen außerordentlich verhängnisvollen Haken hat. Um aber dieses in ein recht scharfes Licht zu stellen, will ich euch aus eurem Leben gegriffene Beispiele vorführen.

Ich setze den Fall, einer von euch gerät zufällig an einem Morgen in ein weibliches Ankleidekabinett, in welchem einige Jungfrauen noch im Negligé versammelt sind. Ein Zetergeschrei wird sich erheben, und die Jungfern werden nach allen Winkeln und hinter alle Vorhänge die Flucht ergreifen; natürlich aus lauter `Schamgefühl`. Was aber habt ihr bei dieser Gelegenheit von all ihren weiblichen Reizen gesehen? Höchstens einen zerzausten Kopf, ein ungewaschenes, schläfriges Gesicht, einen kaum bis über den Ellenbogen bloßen Arm und allenfalls noch eine halbe Brust. Nun aber ziehen sich diese Jungfern an. Der Arm wird nicht selten bis unter die Achseln entblößt, Nacken und Busen, soviel es eine gewisse Dezenz gestattet, unbekleidet gelassen oder höchstens mit einem durchsichtigen Spitzenzeug bedeckt, um damit die Reize der nackten Teile zu erhöhen. Damit hat es mit dem Morgen-Schamgefühl ein Ende.

Frage: Liegt hier das Schamgefühl in der Jungfrau oder im Negligékleide? Aber nur weiter! Dieselbe schamhafte Jungfrau, die beim Morgenbesuch aus lauter Scham beinahe vom Schlage getroffen wurde, und die sich in dieser Stunde um keinen Preis der Welt von einem Manne hätte anrühren lassen. – eben diese super-schamhafte Jungfrau wird abends in beinahe halbnacktem Zustande auf einen Ball geführt und lässt sich nun von ihrem Tänzer ungeniert angreifen und nicht selten, wie ihr sagt, kreuz und quer abdrücken. Frage: Wo bleibt hier das morgendliche Schamgefühl? Sicher auch zu Hause im unvorteilhaften Negligégewande. Aber nur weiter!

Dasselbe schamhafte Mädchen hat entweder auf dem Balle oder bei einer anderen Gelegenheit, etwa bei einer ehrsamen Visite oder bei einem noch ehrbareren, unschuldigen Spaziergange eine ihr zusagende jungmännliche Augenbekanntschaft gemacht. Für diesen Gegenstand wird soviel als möglich bei jeder Gelegenheit dem Schamgefühle Lebewohl gesagt. Gar bald wird unsere Schamhafte den Blicken ihres erwählten Gegenstandes ablauschen, wohin diese am meisten gerichtet werden, und unsere schamhafte Jungfrau wird sobald alle Sorgfalt darauf verwenden, um diejenigen Teile so vorteilhaft als möglich öffentlich zu präsentieren.

Wenn ihr Auserwählter unsere schamhafte Jungfrau aber in einer Gesellschaft treffen wird, in der sie sich gewisserart von der ehrbarsten Seite zeigen will, da wird er sich begnügen müssen, so sie ihm bei günstiger Gelegenheit ein paar verstohlene Blicke zuwirft, aber noch mehr wird sie bemüht sein, ihm ihre Königschaft in der Gesellschaft an den Tag zu legen. Wehe ihm, wenn er sich da vergäße und sich ihr zu viel nähern wollte. Wenn es aber eine Zusammenkunft gilt, besonders an einem Orte, wo die Strahlen der Sonne nicht direkt einfallen, auch die Schallwellen des Weltgetümmels nur gebrochen oder gar nicht hingelangen, da wird das Schamhaftigkeitsgefühl völlig besiegt, und unsere am Morgen so schamhafte Jungfrau gibt sich ihrem geliebten Gegenstande, ich möchte sagen, von Angesicht zu Angesicht oder vom Scheitel bis zur Ferse zur Beschauung preis. Und ein freies Betasten wird bei solcher Gelegenheit durchaus nicht als ein Verstoß gegen das jungfräuliche Schamgefühl betrachtet.

Auf diese Weise geht dieses gepriesene Tugendgefühl völlig unter; und ich frage: Wo ist nun die Wirkung dieses so hoch gepriesenen Gefühles? Es ist verflogen und hat seine wahre Gestalt bei Abnahme der Maske gezeigt. Und jeder Nüchterne kann so erschauen, wie es nichts anderes ist als eine Schlange in der weiblichen Brust, oder der untersten Hölle erstes Samenkorn, von welchem hernach, wenn es sich entfaltet hat, alle möglichen weiblichen Laster wie aus einem Füllhorne hervorsprudeln. – Wie aber dieses vor sich geht, wollen wir in der Folge so handgreiflich wie bis jetzt vor jedermanns Augen stellen.“ – (GS.02_114,01ff)


9. Früchte, die für die Hölle reifen
(Bd. 2, Kapitel 115)

Gehen wir auf unsere `züchtige` Jungfrau zurück und folgen ihr abermals in eine Gesellschaft, wo sie zufolge ihrer weiblichen Reize die Königin spielt. Ihr Geliebter findet sich auch in dieser Gesellschaft ein. Was tut aber nun seine Favoritin? Gibt sie sich etwa mit ihm ab? O nein, dagegen mit einer Menge anderer Gesellschaftsbesucher, von denen sie sich über Hals und Kopf, wie ihr sagt, den Hof machen lässt. Aus welchem Grunde eigentlich?

Ich sage, weil ich die Welt sehr genau kenne: Sie tut das nicht etwa deshalb, um ihrem erwählten Liebhaber untreu zu werden, sondern nur um ihm zu zeigen, welchen enormen Wert sie hat. Sie sagt ihm dadurch gewisserart indirekt: Erkenne aus dieser Erscheinung, welch einen Millionenschatz du an mir hast!

Der Liebhaber aber, weil er nicht im Besitze der Allwissenheit ist, fasst die Sache von einem andern Gesichtspunkte auf, er wird bald düster und wendet seine Augen ab von der Stelle, wo sich seine Geliebte den Hof machen lässt. Wirft er auch noch verstohlene Blicke auf den verhängnisvollen Punkt, so sind diese schon voll brennender Eifersucht.

Unsere Jungfrau merkt dieses, bessert sich aber dadurch nicht im geringsten. Wohl aber fängt sie an, ihr Spiel noch ärger zu treiben, um sich an ihrem Liebhaber zu rächen, der gerade da ihren hohen Wert zu verkennen anfing, wo sie ihn am meisten vor ihm entfalten wollte. Bei dieser Gelegenheit sucht der Liebhaber so früh als möglich sich von der Gesellschaft zurückzuziehen, mit dem Vorsatz im Herzen: Warte Kanaille! Wenn wir nur einmal noch unter vier Augen zusammenkommen, da werde ich dir meine Meinung auf eine Art bekanntgeben, an die du denken sollst! Denn nun verlange ich nichts mehr, als mich nach Gebühr für deine Untreue an dir zu rächen.

Sie kommen zusammen, und die Frucht dieser Zusammenkunft sind die brennendsten Vorwürfe. Eine Liebescheidung ist meist die Folge, nur selten eine Wiedervereinigung, welche aber ebenso wenig mehr Stand hält wie die erste Liebe. Nichtwiedervereinigung und Vereinigung gehen hier immer auf dasselbe hinaus; denn vereinigen sie sich wieder, so dient diese Wiedervereinigung gewöhnlich dazu, sich beiderseitig den Wert möglichst noch fühlbarer zu machen, und so ist eine solche Wiederliebe meistens nichts anderes als eine verkappte Rache. Und vereinigen sie sich nicht, so werden sie gegenseitig auch jede Gelegenheit suchen, wo eins das andere darin zu übertreffen sucht, seine Verachtung auf das Unbarmherzigste fühlen zu lassen.

Die Jungfrau setzt sich bald aus lauter Rache über alle Schranken des Schamgefühls hinweg und wird eine Kokette. Kriecht da der alte Liebhaber nicht zu Kreuze, was sie wünscht, so wird sie aus demselben Rachegefühl eine Hure, worauf der Liebhaber den letzten Rest seines alten Gefühls aus seinem Herzen verbannt. Und hat unsere ehedem schamhafte Jungfrau den süßen Stachel der Wollust verkostet, so bringt sie, wie ihr zu sagen pflegt, kein Gott mehr auf die Bahn der Tugend zurück. Wird sie dadurch unglücklich, so wälzt sie im vollen Grimme ihres Herzens zumeist alle Schuld auf jenen ersten Liebhaber, der ihre Absicht und ihre erste Tugend schändlich verkannt habe.

Was ist aber das hernach? Es ist nichts anderes als die schon völlig entwickelte Frucht des erst so hoch gepriesenen weiblichen Schamgefühls. Der Name der Frucht lautet: Unterste vollkommene Hölle! Oder auch: Vollkommen reife Hölle, wenn die äußere Schale abfällt! Denn was würde eine solche unglückliche Jungfrau demjenigen alles antun, den sie, wenn auch irrig, als den Grund ihres Unglückes ansieht?

Wenn es ihr möglich wäre, im Augenblicke ihrer freien Wut ihn von tausend glühenden Schlangen zerstückt zu sehen, so würde diese Rache kaum ein kühlender Tautropfen auf ihr wutentflammtes Herz sein.

Wer das nicht glauben möchte, der besuche eine solche unglückliche Jungfrau und lasse sich mit ihr in ein Gespräch über den bewussten Gegenstand ihres Unglückes ein. Er wird im besten Falle aus dem weiblichen Munde sobald gleichsam alle Vulkane der Erde sprühen sehen; im schlimmeren Falle aber wird es heißen: Ich bitte, mich damit zu verschonen! Wenn ihr solches vernommen habt, so könnt ihr schon denken, um welche Zeit es ist. – Wir hätten nun so weit die Früchte beleuchtet, wie sie für die Hölle reifen; nächstens aber werden wir die Sache spezieller beleuchten.“ – (GS.02_115,01ff)


10. Alle Geheimnisse werden
im geistigen Zustande offenbar

(Bd. 2, Kapitel 116)

Nicht selten geschieht es, dass eine solche gekränkte Jungfrau aus bloßer Rache gegen ihren früheren Liebhaber einen andern heiratet, für den sie keinen Funken Liebe in ihrem Herzen trägt. Mit dieser Tat wollte sie ihren früheren, sie verkennenden Liebhaber aufs empfindlichste strafen, ja womöglich ihn durch diese Kränkung sogar aus der Welt schaffen. Was geschieht aber?

Der alte Liebhaber kränkt sich nicht, sondern sucht sich guten Mutes eine andere Geliebte. Nicht selten eine bessere, als die erste war. Welche Wirkung aber hat das bei der verheirateten ersten Geliebten? Sie wird mürrisch und verschlossen. Ihr Mann fragt sie um die Ursache, aber umsonst! Was sie bedrückt, ist vor ihren Augen zu groß und schwer und zu verdächtig gegen ihren neuen Gemahl, als dass sie es ihm anvertrauen wollte. Sie unternimmt zwar keine weiteren Schritte mehr, um ihrem alten Geliebten Steine unter die Füße zu legen und ihn über Abgründe zu locken, aber desto tiefer begräbt sie die Ursache ihres Grams in ihr Herz. Es vergehen Jahre, und wie gewöhnlich die Zeit das beste Pflaster ist zur Heilung mancher Wunden, freilich nur ein palliatives (umhüllendes), so heilt sie auch diese. Solche Menschen werden dann nicht selten noch recht gute Freunde.

Man wird hier sagen: Nun, wenn das der Fall ist, da wird wohl auch die Hölle ihren letzten Rest empfangen haben; denn wo Freundschaft an die Stelle ehemaliger Feindschaft tritt, da tritt doch sicher entsprechendermaßen auch der Himmel an die Stelle der Hölle. So scheint es wohl dem außen nach. Aber da sehen wir eben vor uns einen Krieger, der viele Wunden auf seinem Leibe trug. Diese Wunden haben ein palliatives Pflaster und die Zeit geheilt. Wenn das Wetter schön ist, geht unser Krieger munter einher und weiß kaum, dass sein Leib voll vernarbter Wunden ist. Aber nun kommt ein böses Wetter. Seine Wunden fangen an, sich zu rühren, und je böser das Wetter wird, desto unausstehlicher brennen ihn seine Wunden. Wie ein Verzweifelter wälzt er sich auf seinem Lager. Er flucht über das Kriegswesen, über alle Feldherrn, über den Kaiser, ja über Gott, über seine Eltern und über den Tag, an dem er geboren wurde.

Sehet, in dem haben wir ein treues Bild für dergleichen moralische Palliativfreundschaften, welche eine Folge der irdischen vergesslichen Zeit sind. Lassen wir aber ein böses Wetter kommen, das heißt, lassen wir solcher Freunde absolute Geister jenseits in dem Momente zusammentreten, in dem sie auf der Erde gegeneinander gesündigt haben, dann im Momente, wo sie mittels des hellen Schauens ihres Geistes die aus ihrer gegenseitigen Versündigung hervorgegangenen Nachteile erschauen, daneben aber auch die Vorteile, welche sie auf dem Wege der Nichtversündigung hätten erlangen können, und wir werden sie einander mit größter Verachtung und entsetzlichen Verwünschungen begegnen sehen. Und das ist doch sicher kein Himmel im entsprechenden Maße, wie es sich nach außen zu erschauen gab, sondern die barste Hölle in unterster Potenz.

Daher heißt es auch in der Schrift, dass sich ein jeder gar wohl prüfen soll, und: es ist nichts so verborgen und so Geheimes im Menschen, dass es dereinst nicht laut von den Dächern der Häuser verkündet würde. Das will sagen: Der Mensch hat nichts so vollkommen Allerinwendigstes in sich, dass es sich im absolut geistigen Zustande nicht äußerlich erschaulich beurkundet. Aus diesem Grunde ist einem jeden Menschen nachdrücklich zu raten, alle freundlichen und feindlichen Verhältnisse, in denen er sich je befunden hat, genauest zu prüfen, welche Wirkung sie auf sein Gemüt ausüben würden, so er in diese zurückversetzt würde. Denn darauf muss sich ein jeder hier auf der Erde lebende Mensch gefasst machen, dass er jenseits im absolut geistigen Zustande in alle jene verhängnisvollen Zustände lebendigst versetzt wird, welche ihm hier als die größten Steine des Anstoßes galten; – denn der Herr Selbst ist mit diesem Beispiele vorangegangen.

Zuerst wurde Er auf der Welt von Seinen Feinden gerichtet und inmitten von Missetätern gekreuzigt, dann stieg Seine wesenhafte Seele nicht sogleich auf in den Himmel, sondern hinab zur Hölle, wo Seine größten Feinde Seiner harrten, wennschon auch manche alte Freunde wie die alten Väter und gar viele Propheten und Lehrer. –

Wenn jemand auf dieser Welt nicht den letzten Heller zurückbezahlt hat, wird er nicht vermögen, in das Himmelreich einzugehen. Darum heißt es hier fleißig alle diese alten Schuldbücher durchgehen und besonders diejenigen, welche das Wort Liebe als Aufschrift führen. Liebeschulden sind für Jenseits die hartnäckigsten. Ein Millionenraub wird leichter aus der geistigen Gedächtniskammer vertilgt als eine Liebeschuld. Warum? Weil ein Millionenraub nur eine äußere, den Geist nichts angehende, große Verschuldung ist; aber die Liebeschuld betrifft zumeist den ganzen Geist, weil alles, was Liebe ist, das eigentliche Wesen des Geistes ausmacht. Aus diesem Grunde ist für den Menschen auf dieser Welt nichts so gefährlich, wie das sogenannte `Verliebtwerden`; denn dieser Zustand nimmt den ganzen Geist in Anspruch. Treten hernach äußere Hindernisse ein, welche dergleichen vorzeitige gegenseitige Geschlechtsliebe nicht verwirklichen lassen, so ziehen sich die beleidigten Geister wohl zurück, lassen sich durch allerlei Weltgeflitter ihre erhaltenen Wunden wohl palliativ verheilen; aber nichtsdestoweniger werden sie aus dem Grunde geheilt.

Kommt dann das geistige böse Wetter hinterdrein, so brechen diese Wunden von neuem auf. Dieser zweite Zustand wird um vieles ärger sein als der erste; wie auch in der Schrift von den ausgetriebenen sieben Geistern die Rede ist. Da wird auch durch äußere Mittel wohl das Haus gereinigt und der böse Feind durchwandert dürre Wüsten und Steppen; aber weil er da keines Bleibens findet, nimmt er noch sieben andere, die ärger sind denn er, zu sich und zieht dann wieder in sein altes, gereinigtes Haus ein.

Das alte, gereinigte Haus ist der Geist, der auf dieser Welt durch äußere Mittel gereinigt wird; der böse Geist ist der schlechte Zustand, in dem sich ein Mensch auf dieser Erde einmal befunden hat. Dieser wurde durch die äußeren Mittel völlig hinausgeschafft. Er durchwandert nun dürre Wüsten und Steppen, das heißt, der Geist des Menschen heilt und vernarbt seine Wunden, dass sie dürre werden und nicht mehr bluten. Aber der böse Geist kehrt zurück mit noch sieben anderen, das heißt, im absolut geistigen Zustande werden alle Wunden wieder bloßgestellt, brechen von neuem und mit bei weitem größerer Heftigkeit auf; und das ist dann der Zustand, der schlimmer ist als der erste.

Überall aber, wo ihr ein Wesen gegen das andere im höchsten, verderblichsten Zorne auftreten sehet, da ist auch schon die Fundamentalhölle vollendet da!

Aus diesem Grunde rate ich, Johannes, als nun wohlerfahrener, ewiger Diener und Knecht des Herrn allen Menschen, besonders aber den Eltern, dass sie ihre Kinder vor nichts so sorgfältigst warnen wie vor dem sogenannten Verliebtwerden. Wie sehr der Geist darunter leidet, könnet ihr bei jedem studierenden Jünglinge, der sich unzeitigermaßen verliebt hat, schon naturmäßig klar erschauen; denn ein solcher Jüngling ist sicher für seine ganze Lebenszeit verdorben und keines geistigen Fortschrittes fähig. Mag er sonst auch was immer für eine Leidenschaft haben, so könnet ihr sie ihm durch eine gerechte Leitung hinwegnehmen und aus ihm einen ordentlichen Menschen machen. Aber ein gewisses lebendiges Zauberbild, das sich mit dem Geiste einmal verbunden hat, bringet ihr schwerer aus einem jugendlichen Gemüte, gleich welchen Geschlechtes, als einen Berg von seiner Stelle.

Und eben solchem unzeitigen Verliebtwerden liegt die größte geistige Unzucht zugrunde; denn Unzucht oder Hurerei ist alles, was auf den Betrug des Geistes absieht.

Da aber die Liebe am meisten des Geistes ist, so ist ein Betrug der Liebe oder eine offenbare Verschuldung an dieser der wahren geistigen Unzucht tiefster und unterster Grad oder die eigentliche unterste Hölle.

Das bisher Gesagte hat jedermann überaus und lebendigst zu beherzigen." – (GS.02_116,01 ff)


11. Himmel und Hölle – Polaritäten im Menschen
(Kapitel 117)

Man wird hier sagen: Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass die Sache am Ende eine solche Wendung nimmt und jede dem Geiste versetzte Wunde in dessen absolutem Zustande offenbar wird und reagiert. Aber nach der Grunderläuterung der Fundamentalhölle sehen wir noch immer nicht ein, wie dergleichen Reminiszenzen auf dieser Welt beleidigter Liebe sich dann im absoluten geistigen Zustande als Grundhölle beurkunden sollen. Denn es gibt ja doch nicht leicht einen Menschen auf der Erde, der nicht ähnliche Kränkungen entweder selbst erlitten hat oder Ursache derselben war. Nimmt man aber das an, dass sich im absolut geistigen Zustande solche lebhafte Erinnerungen als grundhöllisch beurkunden, so möchten wir im Ernste wissen, wie viel Menschen eines ganzen Jahrhunderts in den Himmel gelangen?

Wie kann solches dem Menschen auch zu einem so verdammlichen Gerichte gereichen, wenn er sich in einem höchst passiven Zustande gegen eine göttliche Ordnung versündigen muss, die in sich aufrecht zu halten ihm die dazu erforderliche Kraft vielfacher Erfahrung gänzlich mangelt?!

Gut, sage ich, wer mir solchen Einwurf macht, den ersuche ich, das Frühere etwas gründlicher durchzugehen. Er wird da dargetan finden, wie ich durchaus nicht darstellte, wer in die Hölle kommt und wie viele; sondern lediglich nur das jedermann kundtue, was bei den Menschen rein Hölle in ihrer Erscheinlichkeit ist. Denn auf der ganzen Erde gibt es keinen so vollkommenen Menschen, der nicht ebenso gut die ganze Hölle vom Grunde aus in sich trüge, als wie er in sich trägt den ganzen Himmel.

Wie ich aber zuvor hinreichend dargetan habe, was im Menschen der Himmel ist und wie dieser in ihm geschaffen und fortgepflanzt wird, ebenso muss ich ja auch zeigen, wie im Menschen die Hölle geschaffen und fortgepflanzt wird.

Es wäre traurig und höchst unbarmherzig, wenn ein Mensch aus dem Grunde, weil er das vollkommen erscheinliche Bild der Hölle in sich trägt, auch schon ein Bewohner derselben sein sollte. Wäre das der Fall, so müssten auch alle Engel höllische Geister sein; denn auch sie tragen das vollkommene Bild der Hölle erscheinlich in sich. Wäre das nicht der Fall, da wäre es keinem Engel möglich, je in diesen Ort einzudringen und da die empörten Geister zur Ruhe zu bringen. Ich selbst könnte euch die Hölle nicht zeigen und enthüllen, hätte ich sie nicht vollständig in mir. Zudem wäre das für die Bewohner des Himmels auch sehr gefährlich, so sie nicht das entsprechende erscheinliche Bild der Hölle in sich hätten, indem sie da nicht erschauen könnten, was die Hölle alles gegen sie unternimmt.

So aber kann kein Geist in der ganzen Hölle irgend etwas unternehmen, was wir nicht augenblicklich in uns zu erschauen vermögen.

Zugleich verhalten sich Hölle und Himmel in den Menschen wie die zwei entgegengesetzten Polaritäten, ohne die kein Ding existierbar gedacht werden kann.

Und so dient das zu jedermanns Kenntnis, dass hier durchaus nicht davon die Rede ist, wer in die Hölle kommt, denn das hieße die Menschheit auf der Erde richten, sondern allein davon, was die Hölle in sich selbst ist.

Dass aber dergleichen Liebeveruntreuungen in sich selbst rein Hölle sind, kann ein jeder daraus ersehen, dass diese Veruntreuungen Eigenliebe und Herrschsucht zum Fundamente haben.

Denn was ist die Eifersucht anderes als die Erweckung der Eigenliebe, der Selbst- und Herrschsucht? Der Eifersüchtige ist nicht darum eifersüchtig, weil etwa sein erwählter Gegenstand zu wenig Liebe hätte, sondern nur darum, weil er selbst in seiner Forderung verkürzt wird und seinen Wert zu gering angesetzt findet in demjenigen Gegenstande, von dem er eben die höchste Achtung erwartete.

Frage: Ist das nicht der ganz entgegengesetzte Pol von dem Zustand, wo man seiner selbst aus Liebe zu seinem Nächsten was immer für eines Geschlechtes gänzlich vergessen soll, um sich ganz zum Wohle seines Nächsten bereit zu halten?

Wie aber kann ein jeder Mensch diese Grundhölle in sich unterjochen, sie nicht aktiv, sondern rein passiv machen?

Das ist überaus leicht. Man vergebe dem beleidigten wie dem beleidigenden Teile von ganzem Herzen im Namen des Herrn und segne den Beleidigten wie die Beleidigenden ebenfalls im Namen des Herrn (es versteht sich von selbst, dass solches alles vollernstlich geschehen muss) – und die ganze Hölle ist im Menschen schon unterjocht!

Ich sage euch, fürwahr, ein reumütiger Blick zum guten Vater genügt, um der Hölle für alle Ewigkeit zu entrinnen! –

Sehet an den Missetäter am Kreuz, er war ein Räuber und Mörder; aber da blickte er zum Herrn empor und sprach mit großer, schmerzlicher Zerknirschung seines Herzens: `O Herr! Wenn Du in Dein Reich kommst und wider uns große Missetäter zu Gerichte ziehen wirst, da gedenke meiner und strafe mich nicht zu hart für meine großen Missetaten, die ich verübt habe!`

Und sehet, der große, allmächtige Richter sprach zu ihm: `Wahrlich, heute noch sollst du bei Mir im Paradiese sein!`

Aus diesem wahrhaftigen Begebnisse kann doch hoffentlich ein jeder nur einigermaßen gläubige Christ entnehmen, wie überaus wenig es im Grunde bedarf, um die ganze allerunterste, mächtigste Hölle auf ewig zu unterjochen.

Das Beispiel des samaritischen Weibes am Jakobsbrunnen, das mit sieben Männern gebuhlt hatte, ist obigem Beispiele gleich, wo der Herr zu ihm spricht: `Weib, gib Mir zu trinken!` Und wieder: `Wenn du wüsstest, wer Der ist, der zu dir spricht: Weib, gib Mir zu trinken, so würdest du zu Ihm sagen, dass Er dir vom lebendigen Wasser zu trinken gebe, auf dass dich ewig nimmer dürste!` Also lauten die Worte getreu, wie sie an Ort und Stelle gewechselt wurden.

Wer aber sieht hier nicht, welchen geringen Ersatz der Herr von dieser Sünderin für die Hingabe des Himmelreiches verlangt – bloß einen Trunk Wassers! Also ist auch einem jeden nur einigermaßen in der Schrift bewanderten Christen das Begebnis mit der Ehebrecherin und das Leben der Maria Magdalena bekannt. Der ersteren Schuld schreibt der Herr zweimal in den Sand und Magdalena durfte Ihm die Füße salben und war diejenige, zu der der Herr nach Seiner Auferstehung zuerst kam! Ebenso zeigt der Herr auch beim verlorenen Sohne und im Suchen des hundertsten verlorenen Schafes, wie wenig Er von dem Sünder zur Erlangung der Gnade und Erbarmung verlangt!

Darum wollen wir hier auch nicht kundtun, wer in die Hölle kommt, sondern nur, wie die Hölle in sich selbst beschaffen ist." – (GS.02_117,01 ff)


12. Himmlische und höllische Prinzipien
(Bd. 2, Kapitel 118)

Ich habe schon wieder einen, wie ihr zu sagen pflegt, auf der Mücke, der da spricht: Es ist alles recht; die Anschauung des Erscheinlichen der Hölle kann von manchem Nutzen sein, aber nicht eher, als bis man weiß, wann die im Menschen oder in einer ganzen menschlichen Gesellschaft erscheinliche Hölle so positiv auftritt, dass sie zur Hauptpolarität wird, und diejenigen, bei denen sie sich also äußert, wirklich der Hölle angehören. Kurz gesagt, wer in die Hölle kommt, wie und wann man in sie kommt, muss man erst genau wissen, sonst nützt einem jede noch so genaue Kenntnis des Erschaulichen der Hölle nichts. Wer da nicht weiß, wo er in die Hände des Feindes geraten kann, wie und wann, der ist schon verloren; denn wo er sich am sichersten wähnen wird, eben da wird er von seinem Feinde überfallen werden, und er ist sicher ohne Rettung verloren. Daher fragt es sich: Wann kommt ein wie immer gearteter Sünder in die Hölle und wann nicht?

Diese Frage kann man füglich stellen, weil man in der hl. Schrift so viele Beispiele hat, wo ganz gleiche Sünder in die Hölle gekommen sind und ganz gleiche wurden gerettet. – Ich Johannes aber sage: Diese Frage klingt wohl, als hätte sie irgendeinen weisen Grund; aber dennoch ist hier nichts weniger als das der Fall. So ich die Erscheinlichkeit der Hölle dartue, so tue ich auch indirekt das dar, wem so ganz eigentlich die Hölle zukommt. Man wird sich doch hoffentlich bei dieser Darstellung unter dem Begriffe Hölle keinen positiv kerkerlichen Ort denken, in welchen man kommen kann, sondern nur einen Zustand, in welchen sich ein freies Wesen durch seine Liebeart, durch seine Handlung, versetzen kann. Ein jeder Mensch, der nur einigermaßen reif zu denken imstande ist, wird hier doch leicht mit den Händen greifen, dass ein Mensch so lang der Hölle angehört, solange er nach ihren Prinzipien handelt. Ihre Prinzipien aber sind Herrschsucht, Eigenliebe und Selbstsucht. Diese drei sind den himmlischen Prinzipien gerade entgegen, welche da sind Demut, Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten.

Wie leicht ist das voneinander zu unterscheiden, ja leichter, als man die Nacht vom Tage unterscheidet. Wer bei sich klar erfahren will, ob er der Hölle oder dem Himmel angehört, der frage sorgfältig sein inneres Gemüt. Sagt dieses nacheinander nach der Grundneigung und Liebe: Das ist mein und jenes ist auch mein, und das möchte ich und jenes möchte ich auch, dieser Fisch ist mein und den andern will ich fangen, gebt mir alles, denn ich möchte, ja ich will alles. – Wo das Gemüt sich also hören lässt, da ist noch die Hölle der positive Pol.

Wenn aber das Gemüt sagt: Nichts ist mein, weder dieses noch jenes, alles ist des Einen und ich bin des geringsten nicht wert, und so ich etwas habe oder hätte, soll es nicht mein, sondern meiner Brüder sein – wenn das die innere Antwort des Gemütes ist, so ist der Himmel der positive Pol.

Wenn sonach jemand eine Maid erwählt hat, und ein anderer erwählt sie auch, und der erste ist dann sobald voll gröbster Eifersucht, wenn der zweite auch Zutritt erhält, so ist bei ihm schon der Pol der Hölle vorherrschend. Spricht aber der erste: Meine Liebe, du allein bist deines Herzens Gebieterin. Ich liebe dich wahrhaft, darum will ich kein Opfer von dir, wohl aber bin ich bereit, dir jedes Opfer zu deinem Besten zu bringen; darum bist du von mir aus vollkommen frei. Tue demnach, was du willst und wie es dir gut dünkt; meine aufrichtige Liebe und Freundschaft wirst du darum nie verlieren. Denn zwänge ich dich, mir deine Hand zu reichen, da würde ich nur mich in dir lieben und möchte dich zu einer Sklavin machen. Ich aber liebe nicht mich in dir, sondern dich allein in mir. Daher hast du von mir aus auch die vollkommene Freiheit, alles zu ergreifen, was du zu deinem Glücke für am meisten tauglich hältst.

Sehet, aus dieser Sprache leuchtet schon der Bürger des Himmels, denn so spricht man im Himmel. Und wer so vom Grunde seines Herzens sprechen kann, in dem ist schon kein positiver Tropfen einer Hölle mehr vorhanden.

Wer sich bei diesem am meisten kitzligen Punkte also verleugnen kann, der wird sich in den anderen weniger kitzligen Punkten um so leichter verleugnen. Wer aber da eifersüchtig wird, und sogleich mit seiner Geliebten die Liebe bricht, sie in seinem Herzen durch Verachtung, Groll und Zorn verwünscht und ebenso seinem Nebenbuhler begegnet, der handelt schon aus der Hölle, die bei ihm ganz klar den positiven Pol bildet.

Die Regel für den himmlischen Menschen ist diese: Wer bei was immer sieht, dass damit auch die Liebe seines Nächsten beschäftigt ist, der soll sich sogleich zurückziehen und seinem Nächsten gegen die Verwirklichung seiner Liebe keine Schranken setzen; denn es ist besser, bei jeder Gelegenheit in der Welt leer auszugehen, als durch irgendeinen wenn auch ganz unbedeutenden Kampf etwas zu gewinnen.

Denn je mehr einer hier opfert, desto mehr wird er jenseits finden. Wer hier einen härenen Rock opfert, wird dort einen goldenen finden, wer zwei opfert, der wird dort zehn finden, und wer hier eine gewählte Jungfrau opfert, dem werden dort hundert unsterbliche entgegenkommen. Wer hier einem auch nur ein mageres Stück Land abtritt, dem wird dort eine ganze Welt gegeben. Wer hier einem geholfen hat, gegen den werden jenseits hundert ihre Arme ausstrecken und ihm helfen ins ewige Leben! – Und so wird niemand etwas verlieren, was er hier opfert. Wer reichlich sät, der wird auch reichlich ernten, wer aber sparsam sät, der wird auch sparsam ernten.

Ich meine nun, das dürfte wohl hinreichen, um jedermann ziemlich handgreiflich zu machen, wann bei ihm die Hölle oder wann der Himmel zum positiven Pole wird. Und so wird wohl niemand mehr vonnöten haben, mit der lächerlichen Frage zum Vorscheine zu kommen: Wer kommt in die Hölle oder in den Himmel und wie und wann kommt man in dieselben? – Denn niemand kommt weder in die Hölle noch in den Himmel, sondern ein jeder trägt beides in sich.

Ist die Hölle positiv, so macht der ganze Mensch schon die Hölle aus, wie er leibt und lebt; ist aber der Himmel positiv, so ist eben auch schon der ganze Mensch der Himmel selbst, wie er leibt und lebt. Und so braucht auch niemand zu fragen: Wie sieht es im Himmel und wie in der Hölle aus, sondern ein jeder betrachte die eigene Polarität, und er wird es genau sehen, wie es entweder in der Hölle oder im Himmel aussieht.

Denn es gibt nirgends einen Ort, der Himmel oder Hölle heißt, sondern alles das ist ein jeder Mensch selbst; und niemand wird je in einen andern Himmel oder in eine andere Hölle gelangen, als die er in sich trägt. –

Ihr habt euch hinreichend überzeugt, wie wir uns in jener Zentralsonne befanden und haben dort Wunderdinge geschaut. Wo war diese Sonne? In euch! Wo sind wir jetzt? Der Erscheinlichkeit nach zwar auf der geistigen Sonne, aber der Wirklichkeit nach in euch selbst.

Wie solches möglich ist, zeigt euch ein jeder Traum, davon ihr schon die triftigsten Abhandlungen erhalten habt, und gerade so verhält es sich (nur mit der Ausnahme vom Traume, wo das Dasein ein unentschiedenes ist) mit der größten, klarsten Entschiedenheit im absoluten geistigen Zustande. – Um das aber noch gründlicher zu verstehen, wollen wir nächstens einige Beispiele betrachten.“ – (GS.02_118,01 ff)

Fortsetzung siehe Teil 2