„Von einem Ruhepunkte, von einem `es ist vollbracht!` träume dir nichts!, dieser Punkt existiert in Meiner Schöpfung nicht, denn sonst wäre etwas endlich und Mir als Unendlichem nicht angemessen, da Ich nur Dinge Meinesgleichen schaffen konnte.“



Aufklärungen über die Lebenskunst

 

1. Aufklärungen über die Lebenskunst

2. Aufklärungen und Lebenswinke

3. Ein Wort für alle

4. Nahet euch Gott - so nahet er sich euch

5. Trost im Unglück

 


1. Aufklärungen über die Lebenskunst

Ein Gnadenwort des Trostes vom himmlischen Vater

 

Jesus:Mein lieber Sohn, du hast in langer Rede all deine Schmerzen geklagt, die dich öfters beunruhigen und auf dem Wege zu Mir mehr abhalten als befördern. Nun der kleine Sinn deiner Worte ist eigentlich: `Ich möchte – aber kann nicht`, das heißt: `ich möchte stets in inniger Liebe nur bei meinem Vater im Himmel sein, ich möchte von der Welt und ihren Bedürfnissen, ihren Ereignissen gar nicht behelligt werden, ich möchte ewig nur dein Antlitz schauen, o Herr, und nur von Stufe zu Stufe geistig höher steigen, bis mein Körper dann meiner Seele zur Last – von mir genommen wird und ich als reiner Geist in den Seligkeiten schwelgen könnte, die der Herr allen vorbehalten hat, die Ihn und nur Ihn lieben und anbeten!`

So ist deine Idee, in welche du dich manchmal vertiefst und dann mit Schaudern, neben dem festen Vorsatze, die Wege zu verfolgen, um solches Ziel zu erreichen, nebenbei die Gebrechlichkeiten und Wankelmütigkeiten deiner eigenen Natur gewahrest, die oft mitten in den schönsten Momenten geistiger Erhebung dich daran mahnen, dass du noch nicht Geist bist, sondern Fleisch und Knochen hast, die andere Bedürfnisse und andere Bestimmung haben, als um mit der freigelassenen Seele durch alle Himmel schweben zu können!

Dann erfasst dich die Wehmut, du ersiehst, wie gering deine eigentlichen Fortschritte auf geistigem Gebiete sind, und wie leicht und wie unvorhergesehen das Materielle, welches an dir klebt, den Flug der Seele hemmt, alle Illusionen vernichtet und dir mit wenigen Worten zuruft: `Was faselst du von Seligkeiten, was träumst du von höheren Stufen, noch bist du festgebannt und deine Seele eingerahmt in feste und starre Materie!`

Das Vergeistigen derselben ist nicht so leicht ausführbar, daher begnüge dich mit einzelnen erhabenen Stunden, permanent in selben zu schwelgen, dazu ist die Erde nicht als Ort bestimmt.

So entstehen dann deine Lamentationen, deine Grübeleien und langen Bitten an mich.

Damit du aber begreifen lernst, was Ich eigentlich von euch und auch von Dir verlange, so will Ich dir einige Aufklärungen geben, damit du solche Rückfälle nicht so oft bekommst und an dich selbst nicht Forderungen machst, die Ich nicht an euch stelle und die zu stellen du noch weniger berechtigt bist!

Sieh, Mein Kind, dass du diese Gebrechlichkeit und Wankelmütigkeit im Denken und Handeln bei dir erkennst, ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass du stets aufmerksam bist auf die wellenartigen Bewegungen deines Inneren, welches ebenfalls, wie das Wasser stets den Luftströmungen ausgesetzt, nicht ruhig bleiben kann, damit es eben wie das Wasser im Meer nicht faul, nicht stinkend wird und der Fäulnis anheimfallen müsste.

Dass solche verschiedene Stimmungen im menschlichen Herzen stets vorgehen, ist eben notwendig zur Erreichung höherer geistiger Stufen.

Siehe, bei allen mechanischen Übungen im menschlichen Leben gehört natürlich das Fehlen dazu, denn nur durch Fehler bessert man sich! –

Sieh einen Kunstreiter, einen Seiltänzer an, Menschen, die sich solche mühsame Professionen erwählt haben, wie oft mussten sie fallen, bis sie im Stande waren, frei auf Pferd oder Seil sich bewegen zu können!

Eben ihr oftes Fallen hat sie zu jener Vervollkommnung erhoben, wo sie sich dem Publikum öffentlich zeigend, den Lebensunterhalt verdienen können!

Nehme ferner den Bau des menschlichen Organismus, z.B. die Muskeln, wann werden selbe kräftig und stark?, sieh, nur durch Übung, durch Kraftanstrengung, diese letztere ist ihre Nahrung, hört diese auf, so verliert der Muskel seine Elastizität, seine Schwungkraft und ist in kurzem nicht mehr fähig, den zehnten, ja den hundertsten Teil von dem zu leisten, dessen er früher fähig war.

Schau so einen Menschen an, der sich wegen großer, körperlicher Kraft öffentlich sehen lässt, sieh`, auch er hat nicht mit zentnerschweren Steinen angefangen, auch er fing mit Pfunden an und hörte mit Zentnern auf!

Nimm jede andere Beschäftigung, wo zwar Geistiges der Hauptgrund, jedoch Technik der Hände erforderlich ist und was siehst du dort?, eben wieder dasselbe: ewiges, fortwährendes Üben, Schaffen und Verändern, bis endlich das Materielle überwunden, dem Geiste keine Hindernisse mehr entgegenstehen – das auszuführen, was schon längst und klar vor seinem geistigen Blicke oder Sinne gestanden hat.

Nun, was du da überall siehst, wobei doch nur Materie den Hauptfaktor ausmacht, wie kannst du verlangen, dass es im Geistigen nicht ebenfalls nach den nämlichen Gesetzen geschieht!

Um geistig sich zu vervollkommnen, muss ebenfalls gefehlt, es muss ebenfalls gekämpft werden; und was ein Künstler in seinem Fache ist, d.h. ein über der Masse höher stehender Mensch, das muss auch der werden, der Meiner Lehre gemäß ein Mir wohlgefälliges Kind werden will!

Das Fehlen bedingt eure menschliche Natur, aber aus den Fehlern eine geistige Frucht zu ziehen, das ist Sache des geistigen Menschen, der, ebenso wie der Künstler, über die ihn umkleidete Materie gesiegt und selbe zu höheren Zwecken sich dienstbar gemacht hat! –

Was die menschliche Natur ist und wie stark das Fleisch oft gegen den Willen drängt, davon hast du Beispiele selbst bei Meinen Aposteln, die doch unter Meinem persönlichen sichtlichen Einflusse noch der Mahnungen bedurften, wie Petrus, dem Ich zurufen musste: `Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du Mich verleugnen!` und wie Paulus in der Verzweiflung seiner eigenen Schwäche an seine Gläubigen schrieb: `Der Wille ist stark, aber das Fleisch ist schwach!` oder `Wäre das Gesetz nicht, so entstände in mir nicht die Lust, dagegen zu sündigen!`

Siehe, diese Männer erlagen oft der Gewalt der Umstände und hatten doch eine weit höhere geistige Stufe wie du erreicht, auch sie klagten über ihr Doppelwesen und Ich konnte es ihnen nicht abnehmen, nicht ihnen diese Bürde erleichtern, denn nur so, im Kampfe mit ihrer Erden-Natur wurden sie das, was sie jetzt sind, d.h. die geistigen Säulen Meiner ganzen Schöpfung!

Daher gräme dich nicht so oft wegen dem Schwanken in der Stimmung, wo Schwanken – ist Bewegung, wo Bewegung – ist Leben, wo Leben – ist Fortschritt! Nur Ruhe ist Tod, ist Fäulnis, ist Rückschritt!

Sei aufmerksam auf dich, soviel du kannst, verbessere wo es möglich und sei überzeugt: Je mehr du fortschreitest, desto mehr wirst du Fehler an dir bemerken, weil eben auch die Fähigkeit des Auffindens von Fehlern und Mängeln mit dem Fortscheiten wächst, was dir dadurch eine Übung bereitet, die dich bekräftigt, stärkt und dir so weiterhilft.

Von einem Ruhepunkte, von einem `es ist vollbracht!` träume dir nichts!, dieser Punkt existiert in Meiner Schöpfung nicht, denn sonst wäre etwas endlich und Mir als Unendlichem nicht angemessen, da Ich nur Dinge Meinesgleichen schaffen konnte.

Verfolge deine Bahn, so dornig sie auch oft erscheint; eben weil sie Dornen hat, soll sie dich zur Aufmerksamkeit, zur Vorsicht reizen, anregen.

Du musst dir bewusst werden, dass du gehst und vorwärts schreitest, - auf ebenem, gebahntem Wege, ohne Hindernisse würden alle diese Eigenschaften einschlafen und du würdest an Momenten vorüberschleichen, die jetzt Hauptwendungen in deinem Leben ausmachen werden und dort ganz unbeachtet geblieben wären!

`Also nur zugekämpft!, geputzt und gereinigt!` Müsst ihr ja tagtäglich eure Kleider, eure Wohnungen (euren Körper, Krankheiten. Red.) ausputzen und reinigen und doch sind sie am andern Tage wieder mit Staub und Schmutz bedeckt, warum sollet ihr dann nicht auch dasselbe mit eurem geistigen Kleide tun, um es rein zu halten!

So ist das materielle, so das geistige Leben bedingt! Schatten und Licht, Nacht und Tag, schwarz und weiß, kalt und warm, alle bedingen sich ebenfalls, ebenso Leben und Tod, Vor- und Rückschritt; wäre dieses Hin- und Herwogen nicht, zwischen diesen beiden Extremen, zwischen Gutem und Schlechtem, zwischen Tugend und Laster, zwischen Fehlen und Verbessern , - es wäre geschehen um das geistige und materielle Leben, welches Letztere ja so nur eine scheinbare Überkleidung des Geistigen ist und auch unter jeder Hülle den Prozess des Gehens und Kommens, Erscheinens und Vergehens, des Anziehens und Zerfallens, immer die nämlichen Tendenzen zeigt, wie bei geistigen Wesen das Fehlen, Fallen, Verbessern und Wieder-sich-aufrichten.

Nur wer nicht mehr aufsteht nach dem Falle – verfällt dem Tode oder Rückschritte, wer aber seine Kräfte nach jedem Falle neu anstrengt, der verdoppelt selbe, beschleunigt seinen Fortschritt und wird gewiss, wenn einst die schweren Bande der Materie leichter werden, auch größere Stufen nicht für einzelne Momente, sondern als bleibend behalten können!

Dies sei dir gesagt, Mein Sohn, auf dass du nicht den Mut verlierst ob der Unreinigkeiten, die du oft an der Schwelle deines inneren Tempels findest; auch im gewöhnlichen Leben weht der Wind oft in einer Minute mehr Staub in eure Gemächer als sonst im ganzen Tage bei ruhigem Wetter; wer zum Reinigen des Zimmers beauftragt ist, wenn er den Schmutz sieht, der sich wieder zusammengehäuft hat, wo er gestern oder vor einer Stunde alles rein glaubte, dieser Mensch, verzweifelt er darob? Gewiss nicht, er beginnt von Neuem, bis alles wieder glatt und rein ist.

So mache es auch du!, entdeckst du wieder Mängel an dir, so poliere von neuem, damit die Fläche deiner Seele, glatt und rein erscheinend, die Lichtstrahlen aus Meinen Himmeln aufnehmen könne, soviel es ihr möglich ist, bis der weltliche Staub die Silberfläche wieder verdunkelt und du dich zum erneuerten Reinigen bequemen musst! Amen.“

(Gottfried Mayerhofer, „Aufklärungen über die Lebenskunst“, „Lebensgarten“, Lorber Verlag)

 

 

2. Aufklärungen und Lebenswinke


Dein Freund und Bruder hat Mich in einer gerechten und demütigen Weise um Hilfe angerufen, ihm den rechten Weg aus dem Labyrinte seiner Zweifel und gewissen Skrupel zu zeigen.


Nachdem er so ganz frei sein Innerstes vor Mir und auch vor dir als seinem Bruder eröffnet hat, so soll ihm des Trostes werden, damit wieder Ruhe und Frieden in seinem Herzen einkehre.


So schreibe denn für ihn:


Ich kenne sein Innerstes wohl sehr gut und manches, was ihm jetzt als so große Fehler vor Meinen Augen vorkommt, ist es nicht; sondern, nachdem er durch das Lesen Meines Wortes zur Erkenntnis gekommen, wie das höchste Bild eines Menschen beschaffen sein sollte, das auf Meine Kindschaft Anspruch machen will, so sieht er erst jetzt, wie eitel sein Suchen und Forschen in der Natur war, wo überall er Mich suchte und wo Ich zwar auch bin, aber auf dem Wege, wie er Mich finden wollte, nie gefunden werden kann. *)

*) Im bloßen Verstandes-Wissen


Jetzt, wo er mit einfachen Worten der Liebe und Demut sich an Mich wendet und den Weg zu Mir vorgezeichnet sieht, jetzt erschrickt er vor den vielen Irrwegen und den darauf begangenen Fehlern und glaubt, Ich hätte ihm dieses alles so angerechnet, wie es ihm in seinem aufgeregten Gemüte vorschwebt.


Nein, Mein liebes Kind, hier bist du im Irrtum; du dachtest Mich als Gott und Richter, fürchtetest Mein strenges Urteil und vergisst dabei, dass Ich dem Hartnäckigen und Verstockten wohl ein Richter und zwar sogar ein unerbittlicher Richter werden kann, dem Reumütigen aber und dem, dessen Auge durch geistiges Licht geöffnet wurde, nur ein liebender Vater bin.

 

Du, Mein Kind, beurteilst Mich noch als zu hoch, zu groß, zu mächtig, als dass Ich Mich herablassen könnte, mit dir zu sprechen, mit dir wegen deinem Seelenheile zu unterhandeln und begreifst nicht, dass Mir, dem Schöpfer der Unendlichkeit, etwas daran gelegen sei, ein Würmchen, kleiner als eine Milbe, vom Verderben zu retten! –


Du siehst dies alles noch nicht so klar ein, doch bedenke, wo wären die Welten, die materielle und die geistige, würde Ich nicht gerade dem Kleinsten all Meine Sorge zuwenden, wisse, denn durch die Erhaltung des Kleinsten und Unansehnlichen ist der Bestand des Großen gesichert.

 

Und wenn du diese Ideen von deiner Nichtigkeit hast, wie reimst du dir dann das zusammen, dass gerade Ich, der Schöpfer des Unendlichen, auf eure finstere Erde herabgestiegen, auch zu lieb geduldet und gelitten habe, was für einen Menschen schon das Äußerste und erst für Mich, als Schöpfer, ein nicht auszusprechendes Opfer war, um gerade euch vom Verderben zu retten! –


Wie bringst du denn diese Ideen Meiner Größe und Meiner Nichtigkeit unter ein Dach? (Beispiel der Demut als das geistig Größte. Hsg.)


Siehe also, du bist Mir nicht so gleichgültig als du glaubst, es freut Mich dein reuiges Bekenntnis, welches der erste Schritt zur Besserung ist; man muss vorerst zum klaren Bewusstsein seiner Fehler kommen, denn ehe man selbe kennt, kann man sie ja nicht vermeiden und durch bessere Taten ersetzen.


Also die Erkenntnis ist der erste Schritt. Diesen Schritt habe Ich bezweckt durch Meine Führung, indem Ich dich, wie die Zugvögel über Berg und Tal, einer besseren Heimat entgegenführte; unbewusst, was dir in dieser Stadt zuteil werden wird, kamst du hier an, ein stetes ungewisses Gefühl, ein Vorahnen deines Geistes ließ dich nicht weiter, aber es ließ dir auch keine Ruhe hier, bis durch zusammengefügte Umstände du dahin geführt wurdest, wo du über deine Zweifel und dein Suchen aufgeklärt, das fandest, was du in den Büchern der Wissenschaften und in der Natur selbst gefunden zu haben glaubtest, das dich aber doch nie ganz befriedigen konnte, weil überall noch ein `Warum` übrig blieb, das dir weder die Wissenschaft noch die Forschung erklären konnte, weil du mit dem Kopfe suchtest, was mit dem Herzen allein nur gefunden werden kann.


Ich erbarmte Mich deiner und nachdem ich sah, dass der Ackergrund gut zubereitet und du als Ackersmann bei leichter Einsicht gerne das Unkraut aus selbem ausmerzen willst, so sandte Ich dir den Samen Meines göttlichen Wortes; er fiel auf guten Grund, geht jetzt auf und fängt an, das Unkraut zu verdrängen. – Es ist also ein Erwachen deines besseren Ichs, das dich zur Bekennung deines Inneren zu Mir drängte, es ist aber auch der erste und mächtigste Schritt für den Fortschreiten-Wollenden.


Beachte alles wohl, was du bis jetzt gelesen, bedenke und überlege oder verkaue und verdaue Mein göttliches Brot und du wirst bald erleben, wie gesund dein Geist und deine Menschenseele bei solcher Kost werden wird.

 

Arbeite eifrig daran das Unkraut auszumerzen und göttliche Pflanzung und Erkenntnisbäume auf deines Herzens Grund anzubauen und du wirst bald die Vöglein des Himmels dort ihre Wohnung nehmen sehen, die durch ihren tröstenden und lieblichen Gesang dich entschädigen für alle bekämpften und jetzt aufgegebenen, aber früher so geschätzten Ansichten und Lieblingsideen.


Folge Meinem Rat. Brot hast du genug, es liegt an Dir, nur den weisen Gebrauch davon zu machen, damit es zu deinem Nutzen und deinem Fortschritt auf dem neu begonnenen Wege dir gedeihe.


So arbeite mächtig fort und Mein Segen soll dir nicht ermangeln. Das sagt dir dein Vater, Der dich bis hierher führte und auch Seine Hand nicht von dir zurückziehen wird, solange du suchst, ihrer wert zu sein. Amen.“


(Gottfried Mayerhofer, „Aufklärungen und Lebenswinke“, „Lebens-Garten“, Lorber Verlag)

 

 

3. Ein Wort für alle


Gestern bemühtest du dich, einem deiner Pfleglinge begreiflich zu machen, wie Meine Worte aufgefasst werden sollten, wie selbe mit dem praktischen Leben zu verbinden wären, wie man lieben und wie man leben sollte, um für jeden, sei es Glücks- oder Unglücksfall, stets gerüstet zu sein, damit nie falsche Ansichten auch falsche Beurteilungen hervorrufen; und heute will ich zu deinen Schützlingen reden und will ihnen mit wenigen Worten sagen, wo sie eigentlich in Bezug auf geistige Erziehung stehen und ihnen auch zeigen, wie weit die Meisten von dem rechten Wege abgewichen sind, weil ihr Hauptfehler stets gewesen ist, die weltlichen Interessen voran zu stellen und den geistigen Verband mitunter nur so nebenbei betreiben, soweit es eben die oben angeführten Interessen nicht gefährdet.

 

Siehe, Mein Sohn, dich habe Ich auserkoren, eine kleine Schar von Menschen geistig zu erziehen, eben weil erstens dein eigenes Herz schon längst ein guter Boden zur Aufnahme meines Wortes war und zweitens, weil du mit deinen Kenntnissen Mir ein brauchbares Werkzeug bist, um durch dich auch andere zu gewinnen.


Du hast bis jetzt deine Schuldigkeit getan, soweit es deine eigene soziale Stellung und andere Verhältnisse erlaubten, du hast den Samen ausgestreut; aber wie Ich einst in einem Gleichnisse sagte, wird der Same teils auf gutes Erdreich, teils unter die Dornen, teils auf steinigen Boden fallen und von den Vögeln aufgefressen und so den letzteren wohl zum Nutzen sein, nicht aber die gehörige Frucht bringen.


So ist es auch bei deinem kleinen Häuflein, wenig gutes Erdreich finde ich dort, wenige Gläubige sogar und wenige, welche Mein Wort so aufnehmen, wie Ich es Dir in die Feder diktiere oder wie alle ein Wort aus Meinem Munde aufnehmen sollten, welches als ein Geisteswort nur auch geistig aufgefasst werden muss. Noch immer ist die Sucht nach Neuem bei vielen vorherrschend, während doch das alles, was euch schon gegeben wurde, nicht für euch allein, sondern für tausend Generationen ausreichen wird, um zu zeigen, wie eure Bibel und besonders das Neue Testament Schätze birgt, die jetzt noch lange nicht ergründet sind, wovon Ich euch zeitweise Selbst Beweise gegeben habe, wie wenig ihr dessen Inhalt verstehet oder fassen könnet.


So seid ihr stets nach Neuerem haschend und trotz der Fülle von Aufklärungen von Mir, doch meist nur am alten Flecke stehen geblieben und klaget und  seufzt, wenn es nicht nach euren Ideen geht, nicht wie ihr wollt und habt noch nie weder geistig zu Mir beten gelernt noch den seligen Genuss eines solchen wahren Erhebens zu Mir geistig gefühlt! –

 

Ich will also heute wieder ein väterliches Mahnwort an euch ergehen lassen und rufe euch, wie einst im Garten Gethsemane, zu:

`Wachet und betet! Auf dass ihr nicht in Versuchung fallet!`

 

`Wachet` will heißen: seid aufgeweckten Geistes!, begreifet einmal doch, dass die Welt sich nicht nach euch, sondern ihr euch  nach der Welt richten müsset. Tuet eure geistigen Augen auf, um deutlicher zu sehen, wie viele Gnaden Ich über euch ausgieße, wovon ihr bis jetzt nicht den geringsten Teil erkannt habt, da ihr stets über euer Schicksal, über eure Verhältnisse murret! Mich und die Welt beschuldiget oder anklaget, während an dem meisten ihr selbst Schuld seid, weil ihr immer den weltlichen Ansichten huldiget und Meine Ideen: Seelen zu Meinen Kindern zu machen noch nicht im Mindesten begriffen habt. –

 

So ist die Lauheit im Glauben, im Vertrauen, im Gutestun bei euch zur Tagesordnung geworden. –


Ihr seid mit Mir und glaubet an Meine Worte nur solange, selbe keine Aufopferung fordern, sobald es aber heißt: `Richte nicht andere, sondern vorerst dich selbst`, sobald es heißt: `Vergiss ob der materiellen Wünsche nicht deine geistige Mission`, wenn du Mich und Meine Handlungen oder die der Menschen beurteilen sollst, da tauchen Zweifel über Zweifel auf, ein jeder glaubt es besser zu wissen, glaubt dieses oder jenes anders machen zu können, glaubt Richter über die Handlungen Anderer sein zu dürfen und überdenkt seine eigenen nicht.


Wo ist das Vertrauen auf Mich?, wo soll die Liebe zu Mir sich entfalten?, wo die Liebe zu dem unsichtbaren Vater, wenn ihr die sichtbaren Menschen als eure Nächsten noch nicht zu lieben verstehet!, so wie Ich es euch predigte und durch Meinen Lebenswandel bewiesen habe, als Ich unter den Menschen in Menschengestalt wandelte, um eben durch das Beispiel zu zeigen, dass es nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, das auszuführen, was Ich den Erdbewohnern als Gesetz vorgeschrieben, sondern dass mit  festem Willen es gelingt, wenn das geistige Verständnis da ist, warum man lebt und wie das Verhältnis des Menschen zu seinem Nächsten und zu seinem Schöpfer sein solle, wenn – als ein flüchtiger Wanderer in körperlicher Hülle – er sich vorbereiten solle, einst ein tüchtiges Werkzeug im Jenseits zu werden, wo statt kurzer Erden- ein ewiges Fortschrittsleben ihn erwartet

 

Bittere Schläge werden noch manchen von euch treffen, aber nicht, weil Ich es so will, obwohl Ich selbe zulassen muss, sondern die Bitterkeit hängt nur von dem ab, wie eben der Beteiligte die Welt und sein Schicksal beurteilt, wo – je weltlicher seine Ideen sind, desto fühlbarer die Schläge werden, wovon er meist selbst der Urheber ist und am Resultate erst gewahren wird, welch falschen Meinungen und Ansichten er sich hingegeben hat, während der Vertrauensvolle stets den Blick zu Mir richten wird und wie Ich eben sagte, die Unglücksfälle nur Prüfungen für ihn gewesen sind.

 

Wachet und betet!, so rief Ich euch schon öfters zu! Wachet, dass nichts euch überrasche und trachtet, dass euer ganzes Leben nur ein fortgesetztes Gebet werde! Dann seid ihr stets bereit, jedem Unfall als geistige Kinder eines großen mächtigen Vaters zu begegnen, und zwar mit der Zuversicht und dem Vertrauen, wie er es verdient und dann haben selbst die größten Verluste ihre Bitterkeit verloren, da ein Gebet zu Mir, ein Gebet im wahren Sinne noch nie jemand ungetröstet gelassen hat.

 

Ich sehe jetzt schon lange zu, wie so mancher in seine weltlichen Interessen stets sich mehr verwickelt, stets Dinge zu erreichen sucht, von denen er sich große Zufriedenheit verspricht. Ich sehe aber nebenbei auch im voraus, wie diese Zufriedenheit selbst beim Erreichen des Gewünschten nicht erlangt werden wird.


Ich sehe, wie verkehrt die Ansichten und Ideen sind, und wenn dann Ich als voraussehender Gott eben in Meiner Barmherzigkeit das abwende, was Meinen Kindern nur zum Schaden gereichen kann und muss, dann werde Ich von ihnen erst noch als `ungerecht`, als Rache-Gott angeklagt, wo der Ausruf dann vorkommt: `auch nicht einmal dieses unschuldige Begehren hast Du mir o Gott  gewährt!`

 

Armes Geschöpf, wie oft willst du deinen Meister, deinen Schöpfer bekritteln!, wie blind bist du!, und wenn Ich Sehender dich führe damit du nicht fallest, so befreiest du dich mit Zorn und Unmut davon, verlässt Meine Hand, glaubst allein besser zu gehen, fällst und klagst dann Mich an, dass Ich dich fallen ließ und dass Ich die Schuld der Folgen des Falles sei!!!

 

Urteilet selbst wie ungerecht, wie falsch oft dann die Reden sind, welche Ich aus eurem Munde hören muss und wäre Ich nicht der ewig liebende Vater, der, wie Ich Selbst einst sagte, `alle Tage die Sonne über Gerechte und Ungerechte aufgehen lässt`, wie sollte Ich solchen Frevel an Meiner Größe und Weisheit bestrafen!

 

Und sehet, Ich tue es nicht, erzürne Mich nicht, bemitleide euch, Meine Kinder, die ihr von der euch gegebenen Freiheit so großen Missbrauch machet und muss dann geduldig abwarten, bis ihr von allen Irrwegen  endlich müde, einen Sehnsuchtsstrahl in euren Herzen fühlet, der nach geistiger Kost, nach geistigem Frieden sucht, da die Welt nur zu oft allen Wünschen hohnlächelnd, das Entgegengesetzte gegeben oder selbst die größten Glücksverhältnisse in Unglückstage und –Jahre verwandelt hat.


Daher trachtet vorerst liebe und leben zu lernen, so wie Ich es lehrte und bewies und wie Meine Kinder es ebenfalls nach ihren Kräften ausüben sollten!


Leben, so dass die geistige Herzens-Erziehung mit dem weltlichen Leben sich vereinen lässt; denn allein nur geistig zu leben geht in der Welt nicht; aber auch dem Kleinsten im menschlichen Leben geistiges Interesse abzugewinnen oder geistiges hineinzulegen, dieses ist eure Aufgabe, wodurch ihr zeiget, dass ihr als Geister auch einer anderen Welt, einem anderen Reiche angehöret, wo euer Aufenthalt lange, aber auch euer eigenes Gebaren seliger sein kann als hier, während dieses kurzen irdischen Lebenswandels.


Ich gab euch viele Worte, in welchen das Leben nach allen möglichen Seiten beleuchtet wurde. Ich gab euch Worte, welche die Liebe als Liebe zum Nächsten und als die Liebe zu Mir euch genügend erklärten.


Ich gab euch Worte über Meine Schöpfung, sei es im Großen, sei es über einzelne Gegenstände derselben, wo Ich euch zeigte, wie die Liebe stets das Gleiche im kleinsten Sandkorn, im Tautropfen, im Grashalm oder im Infusionstierchen ist und das nämliche Prinzip überall verfolge, welches in dem aus Millionen Meilen kommenden Lichtstrahl ebenso gut enthalten ist, und dort wo er ausging wie dort wo er auffällt, nur Liebe entfaltet und Liebe erwecken will.

 

Wer von euch – lege die Hand aufs Herz – wer von euch denkt beim Aufwachen vom nächtlichen Schlafe, beim ersten Lichtstrahle, welcher sein Auge berührt, wer denkt da an Mich, wer fühlt die große Gnade, dass Ich ihn nicht im Schlafe aus dieser Welt abberufen, sondern ihm vergönnt habe, Mein Sonnenlicht wieder einzusaugen, um neue Kräfte für die Tageszeit und für seine Berufsgeschäfte zu sammeln!


Wer von euch richtet in später Abendzeit den Blick an den über seinem Haupte ausgebreiteten Sternenhimmel und sieht dort Welten flimmern, die – einst ihm näher gerückt – Seligkeiten und Wunder enthalten, wo jetzt das menschliche Herz zu schwach wäre, nur eines zu ertragen. –


Wer von euch denkt bei solchem Anblicke Meiner?, wer von euch ruft dann aus: `Was bin ich, o Herr, dass Du meiner gedenkst!`


Wer von euch, wenn er ein Wort von mir vernommen hat, wer nimmt es so auf wie Ich es gegeben, vertieft sich in selbes, widmet ihm einen größeren Zeitraum als nur das Lesen oder Vorlesen benötigt! Ja, schön und herrlich findet ihr Meine Worte, aber deswegen habe Ich sie euch nicht gegeben, eure Bewunderung nützt Mir und euch nichts, sondern wie Ich einst sagte: `an ihren Taten sollt ihr sie erkennen!` So sollten eben auch Taten den Beweis liefern, dass ihr nicht bloß eifrige Zuhörer, sondern Ausüber des Gesagten werden wollet! –


Hierin ist die Saumseligkeit auf eurer Seite groß und warum?, weil ihr euch wohl durch Meine Worte erwärmen lasset, aber nicht im Stande seid, diese geistige Wärme dauernd zu erhalten und noch weniger selbe andern mitzuteilen fähig seid!


Dessen befleißigt euch! Denn sehet, wer nichts weiß, von dem kann auch nichts gefordert werden. Wer nicht weiß, was gut und recht ist, und sündigt dagegen, dem kann keine Verantwortlichkeit auferlegt werden! Erinnert euch, was Ich am Kreuze sprach: `Verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!`


Allein, wer weiß was recht ist, wer weiß, wie er geistig leben solle und doch dagegen handelt, der legt sich selbst die größte (Schulden-)Last auf; und wenn dann missliche Umstände eintreten, wenn bittere Schicksale sich fühlen lassen, dann erwacht das längst stumm gemachte Gewissen und wirft dem Menschen vor, dass er – obwohl er wusste, dass es nicht recht ist – doch gegen die großen moralischen Gesetze gefehlt hat, wo es dann keine Entschuldigungen gibt und ein jeder sodann die Schuld sich selbst beimessen muss und also ein Trost dann schwer zu erlangen ist.


Bedenket also, was Ich euch hier sagen lasse; es helfen keine Ausflüchte, keine Ausreden.

 

Erforschet jeden Abend vor (dem) Schlafengehen euer Herz, ob ihr den moralischen Gesetzen genüge geleistet habt und wenn auch die Antwort selten zu euren Gunsten ausfallen wird, übergebet euch Mir und leget euch zu Bette mit dem Vorsatze, am morgigen Tag zu verbessern, was heute versäumt wurde; und so stets an sich und dem eigenen Seelenheile arbeitend von Stufe zu Stufe gehend, wird euch der große Wendepunkt vom Körperlichen ins Geistige nicht unvorbereitet überraschen.

 

Dünket euch nicht so sicher, denn ihr wisset nichts, sehet nichts und könnet nichts beurteilen, wenn ihr nicht an Meiner Hand und unter Meiner Führung lebet; dort seid ihr geborgen! Wer aber auf eigenen Füßen gehen will, der wird bald erfahren, dass ohne Mich nichts, aber mit Mir nur alles zu erlangen ist, besonders wenn es nicht Meinen großen ewigen Gesetzen zuwiderläuft.

 

Überdenket also wohl alle eure Pläne und Wünsche, welche ihr für euch und die eurigen in eurer Phantasie erbauet.


Wisset, sobald ihr ersehet, dass selbe nicht mit Meinen Gesetzen vereinbar sind, sobald weltliche Interessen dazwischen stecken, dann schreibt selbe in den Sand oder überlasset das Gelingen Mir. Ich werde die Herzen der Menschen wenden, leiten, es wird euch gereicht werden, was ihr erflehen oder wünschen möchtet, aber nur wenn Ich – (und nicht ihr) – es für euch angemessen finden werde.

 

Dieses zur Richtschnur für euer künftiges Gebaren, damit ihr nicht Mich anklaget, wo die Schuld des Misslingens nur auf eurer Seite ist, weil ihr der Welt mehr als Mir ergeben waret! Amen.“


(Gottfried Mayerhofer, „Ein Wort für alle“, „Lebensgarten“, Lorber Verlag)

 


4. Nahet euch Gott – so nahet er sich zu euch!


Du willst ein paar Zeilen für deine Schwester, welche vor kurzem dem Bruder M. einen so lamentablen Brief geschrieben hat. Du glaubst, wenn Ich zu ihr spreche, so wird sie getröstet! Da irrst du dich gewaltig; denn wenn sie Meiner Stimme Gehör gegeben hätte, so würde sie sich nicht unglücklich fühlen. Wer Meiner Stimme sein Ohr leiht und auch dieser Stimme bereitwillig folgt, der wird gewiss nie über Unglück zu klagen haben.

 

Aber eben weil sie von Mir abgewichen ist, ebendeswegen ist sie wieder eine Beute geworden aller ihrer früheren Leidenschaften oder bösen Geister, welche sie beherrschen.

 

Solange in einem Menschen nicht die gehörige von Mir gesetzte Herrschaft des Einen Geistes über das Andere hergestellt ist, so lange ist verkehrtes Wesen und Unordnung, so lange herrscht nicht Friedens-, sondern Zwietracht-Geist!

 

Die von Mir gesetzte Ordnung aber ist diese:

 

Es solle im Menschen der Geist über die Seele und die Seele über den Leib herrschen; wo aber umgekehrt der Leib Einfluss auf die Seele hat und die Seele allen Neigungen und Leidenschaften nachgibt, da kann nichts Gutes herauskommen, daher das Elend und die Verlassenheit,

wovon deine arme Schwester jammernd schreibt.


Sie hat keine Geistesstärke um ihren Leidenschaften zu gebieten, will von Mir Hilfe, da wo sie sich doch nur selbst helfen soll und muss. Ich habe ihr genug gesagt und durch dich und T. schreiben lassen, warum hat sie dieses alles bloß gelesen und will nicht einen Buchstaben davon praktisch in ihrem Leben anwenden. Wo ist bei ihr die Liebe, die Verzeihung und die Demut, die Ich ihr überall anempfahl? Hätte sie diese Tugenden geübt, so hätte sie auch die besten Erfolge für sich und für ihre Familie davon gehabt.


Warum kann sie nicht verzeihen, nicht die Fehler und Schwächen anderer dulden und verlangt aber doch, dass die anderen die Ihrigen als Gesetz annehmen und sich danach richten sollten. Wo ist also die Frucht alles Gelesenen und alles dessen, was Ich in Meiner Gnade in so überreichem Maße ihr angedeihen ließ! –


Jetzt steht sie verlassen da und jammert, sucht Meine Hilfe und hat nicht einmal so viel Stärke, sich selbst aus dem Schlamme von schlechten Eigenheiten herauszuarbeiten, wo sie sich doch freiwillig selbst hineingewühlt hat!


Hilf dir selbst und dann werde auch Ich Dir helfen!, so muss ich ihr zurufen; bis dorthin bist du dir selbst überlassen. Sie glaubt, weil sie es ist, ihre Stellung in der Welt solle Mich betören; aber da irrt sie sich. –


Wirf weit weg von dir allen Geld- und sonstigen Stolz, er ist in Meinen Augen ein Gräuel und du bist vor Meinen Augen um kein Haar besser als die letzte Bettlerin, die den bedrängten Blick zu Mir erhebt.


Falle nieder vor Mir, dem allmächtigen Herrn und bitte um Gnade und Stärkung, weil du den Vater in Mir, Der so oft Seine liebenden Arme nach dir ausgestreckt hat, nicht erkennen wolltest! Im Staube musst du vor Mir liegen, gedemütigt, in Tränen zerflossen, dein Herz durchfurcht von Reue, so musst du Mir deine Schuld vortragen und den Vorsatz fest und unerschütterlich fassen, den alten Menschen auszuziehen!

 

Dann, nach solcher Buße, dann hoffe – vielleicht kehrt sich der Richter dann wieder in den Vater um und statt dich allein zu lassen, wie jetzt, reicht Er dir die Hand zur Rettung. Aber als erstes muss in Dir wach werden und stetig bleiben das, was Ich am Kreuze gegen Meine Feinde getan – verzeihe deinen Nächsten!, damit auch sie dir deine Fehler nachsehen mögen. So lang du aber diesen großen Kampf nicht siegreich bestehen wirst, so lange wirst du leiden und dulden müssen!


Nicht ohne Grund habe Ich dir diesen Mann und diese Kinder gegeben, die du besitzest; sind sie nicht, wie Ich sie will, so tue du dein möglichstes, sie dazu zu machen und weißt du mit was für Mittel? Siehe, mit deinem eigenen Beispiele! – Sei versichert, wo Herzensgüte und wirkliche Mutter- und Gattenliebe in aller Reinheit sind, da widersteht diesen sanften Trieben niemand. Deswegen verlange nicht, dass die andern sich ändern sollen um dir zu gefallen, sondern ändere du dich zuvor, um ihnen Bewunderung und Staunen abzugewinnen.

 

Wisse, die Liebe ist der beste Schlüssel zu Meinem Herzen; sie ist es aber auch zu den Herzen der Menschen. Wenn du mit dieser Waffe kämpfest, so widersteht dir niemand, ja selbst Ich nicht.

 

Also besinne dich, zwei Wege stehen dir offen: der Weg des Leidens, körperlich und geistig, oder der Weg des Friedens und der Seligkeit!

 

Auf ersterem wandelst du jetzt, weil du ihn selbst gewollt, auf den zweiten möchte ich dich gerne führen; jedoch ohne Anstrengung und Selbstverleugnung von deiner Seite geht es nicht. Willst du bei Mir und in Meinem Reiche unendlich reich werden, so musst du hier auf Erden erst ganz arm und entblößt von allem dich vor Meinen Richterstuhl werfen.


Jetzt weißt du, was du zu tun hast, wähle als freies Wesen, die Folgen trägst nur du und nicht Ich. Sei zufrieden, dass Ich dir noch die große Gnade angedeihen ließ, diese Meine Worte an dich zu richten. Es ist eben der Vater, Der nicht aufhört, Seine Kinder zu lieben, wenn selbe sich auch eigensinnig und halsstörrig von Ihm entfernt haben. Er sucht sie stets wieder auf Seine Wege zurückzuziehen, damit die Gleichnisse vom `Guten Hirten` und `vom verlorenen Sohn` wieder erneuert in ihrem Gedächtnisse sich wach erhalten! Amen.“

 

(Gottfried Mayerhofer, „Nahet euch zu Gott – so nahet Er sich zu euch!“, „Lebensgarten“, Lorber Verlag)


 

5.Trost im Unglück


Schon wieder wirst du angegangen von einem Bruder um einige Worte des Trostes für eine neu gewonnene Seele, die eben jetzt in die Taufe genommen das Wasser scheut, das Ich auf sie herabträufeln lasse.

 

Ja, so ist es mit den meisten Menschen, zuerst sehnen sie sich nach Meiner Gemeinschaft, bitten und flehen darum, komme Ich aber dann, wie Ich gewöhnlich es zu tun pflege, um – nämlich in dem Tempel, den Ich bewohnen will, allen weltlichen Mist auszuräumen, der sich darin angehäuft hat, so widersetzen sie sich der Räumung und glauben, das, was Ich zu ihrem Besten tue, sei eine Strafe, während es doch nur ein Füllhorn von Segen ist! –

 

Arme Kinder, sehet ihr denn nicht ein, dass Ich und die Welt nicht zusammenpassen und um so weniger die Kaufmannswelt. Ich, Der alles hingibt für andere, gegenüber dem alles verschlingenden Egoismus eines Kaufmanns!, welche Extreme! Und diese sollten sich vereinigen können?!


Bedenke solches dein Freund wohl selbst nur ein wenig! Je mehr er sich in Meine Worte hineinlas, desto mehr musste es ihn ja anekeln, mit solchen Menschen zu tun zu haben, die gerade das Entgegengesetzte sind von dem, was Ich aus den Menschen machen wollte und was er nun selbst am Wege ist zu werden, d.h. Mein Kind!


Nachdem Ich schon längst diesen Drang, Mich zu suchen, in ihm fand und er nicht Geistesstärke genug hatte, sich von dem loszumachen, was ihn doch anwidern sollte, so leitete Ich die Umstände so, dass auf eine geraume Zeit die Lust ihm vergehen wird, mit den weltlichen Interessen die göttlichen nebenbei verbinden zu wollen.


Ich weiß es wohl, die Arznei ist bitter, er wird von Menschen und euren menschlichen Gesetzen verurteilt; allein wenn Ich über ihn urteile und nicht strafe, was ist besser? Meinem Gerichte anheim zu fallen oder einem gewöhnlichen Gesetzes-Tribunal, wo man die Gerechtigkeit wie eine wächserne Nase biegen kann, wie man will, eine Nase bleibt sie immer.


Wie viele sind schon eingekerkert worden, welche zu redlich waren und wie viele schon verurteilt, weil sie Meine Gesetze höher achteten als die der Welt!


Es ist eine harte Probe für den redlichen Mann, gestraft zu werden, während derer eigentliche Schuldige frei ausgeht und sich mit dem brüstet, was er nicht hat und nie gehabt hat, mit der Rechtlichkeit; allein gerade eine solche Schule öffnet denn Meinen Verehrern und Zöglingen die Augen erst ganz, da fangen sie an zu sehen, wie wichtig alles in der Welt ist und wie unvollkommen eure Staats- und Religions-Gesetze sind!


Mit Abscheu wendet er sich davon weg, er hat – es ist wahr – das Ansehen der Welt verloren, aber bei Mir hat er gewonnen.

 

Für eine kurze Spanne Zeit von scheinbarem Wohlleben und Hochachtung von Seite seiner weltlichen Genossen hat er dies vertauscht mit einem künftigen – sage ewigen Seelenheil, das die Welt ihm mit allen ihren Schätzen nicht ersetzen kann.

 

Fällt also dein Freund anderer wegen, so sei es ihm zum Troste gesagt, dass auch Ich (Jesu) für andere gelitten und geduldet habe.


Wer Mich liebt, dem lege Ich ein Kreuz auf, nur unter der Last des Kreuzes blüht Mein Reich; es ist auch dem Anscheine nach schwer, so helfe Ich schon mittragen und werde momentane weltliche Kränkungen und Miss-Zustände durch selige Genüsse ersetzen, die dann den Leidenden für alles entschädigen werden.


Das Herz frei von Schuld, kühn den Ereignissen entgegen geschaut, auf Mich vertrauend, Meine Wege verfolgt! Was kann ihm da begegnen, das nicht zu überwinden wäre? –


Auch Ich wusste Mein Schicksal bei Meinem irdischen Lebenswandel voraus; auch Ich litt und starb sogar und zwar nicht für lauter gute, sondern meistens für schlechte Menschen; auch Ich hatte den Verräter unter Meiner nächsten Umgebung; also folge dein neuer Bruder nur Mir nach!, wenn der Weg gleich mit Dornen bespickt ist, die Rosen werden doch nicht ausbleiben.

 

Die Dornen reicht ihm die Welt und die Rosen behalte Ich Mir vor, sie dann in seinem geläuterten Herzen Selbst zu pflanzen!

 

Das gebe ihm Trost und Meine Versicherung dazu, dass Mein Segen – trotz aller scheinbaren Misshelligkeiten des Lebens – ihn nicht verlassen, sondern stets ihn begleiten wird, solange er fest gewillt ist, Mein Kind zu werden! Amen."


(Gottfried Mayerhofer, „Trost im Unglück“, „Lebensgarten“, Lorber Verlag)