„Ich sage euch: Diese Maid hat viel gesündigt, – aber sie liebt Mich auch mehr denn ihr alle zusammen; darum wird ihr auch vieles vergeben werden. [GEJ.06_185,14]



Die echte Maria Magdalena


1. Kleine Einführung
2. Maria Magdalena in der Neuoffenbarung Jesu
3. Kommentar (Gerard Huige)


1. Kleine Einführung

Ein uralter Papyrus deutet darauf hin, dass die Christenheit heute anders aussehen könnte. Denn danach war Maria Magdalena (Maria von Magdalon) wichtiger als die Apostel – doch der Text wurde von der Kirche aussortiert und blieb lange geheim.“ (Dietmar Pieper in einem ausführlichen Bericht in DER SPIEGEL Nr.52 / 22.12.2018)

Die Spekulationen um Maria Magdalena vor allem im Rahmen von nicht kanonischen Texten sind teilweise absurd. In dem oben genannten Artikel im SPIEGEL wird die Wissenschaftlerin Judith Hartenstein zitiert:

 

Im Mariaevangelium*) wird sie (Maria Magdalena) als wichtigste Nachfolgerin Jesu beschrieben, als seine Stellvertreterin. Ihre Rolle lässt sie hier als die der ersten Päpstin interpretieren.“
*) Papyrus aus der Zeit von vor 1500 Jahren mit Namen „Evangelium nach Maria“

Wieder Zitat SPIEGEL: „Maria Magdalena kommt auch in den Papyri von Nag Hammadi prominent vor. Das Philippusevangelium*) beschreibt eine enge Verbundenheit zwischen ihr und Jesus. Sie sei seine `Gefährtin`, heißt es darin, und `Der Erlöser liebte Maria Magdalena mehr als alle Jünger, und er küsste sie oft auf den Mund`“.
*) Verfasst wohl am Ende des 2.Jahrhunderts oder später…

Und so weiter. Hier ranken sich also um diese Maria Magdalena zahllose abstruse Geschichten bis zu der Aussage, sie sei „die Gemahlin Jesu“ gewesen.

Selbst der Vatikan hat Maria Magdalena offenbar neu positioniert und sie „liturgisch den männlichen Aposteln gleichgestellt“.

Grund genug zu fragen, was hat uns Jesus Selbst in Seiner Neuoffenbarung über diese Maria Magdalena mitgeteilt.


2. Maria Magdalena in der Neuoffenbarung Jesu

AUS: JOHANNES, DAS GROSSE EVANGELIUM (Jakob Lorber)
2.1.
...Wozu aber benötigte dieser (gemeit ist Jesus) auch des Geldes? Zu essen und zu trinken bekommt er umsonst, soviel er nur immer will, – und sonst braucht er nichts! Dazu ist er zweitens ein Fresser und Vollsäufer und ein Sündergeselle und hat sogestaltig ein Leben nach Wunsch. Und drittens braucht er auch keinen Gott und Dessen Gesetz; denn er dünkt sich, dass er gleich selbst ein Gott sei oder wenigstens ein Sohn Desselben, den unser Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs mit der uns nur zu bekannten Maria von Nazareth soll gezeugt haben. Wer von uns ist wohl so dumm, dass er solchen neugebackenen, echt heidnischen Magierschwank nicht merkte auf den ersten Augenblick?!

Kurz, wir wissen nun genug, und so ist es hohe Zeit, dass wir uns entfernen von ihm; sonst tut er uns noch was an, und wir sind ohne Rettung des Teufels! – Da, sehet nur hin, wie er mit den fünf Töchtern dieses verhasstesten Zöllners schöntut, und wie ihn diese förmlich anbeten! Ich wette tausend Pfund auf einen Stater, dass dieser Prophet und Heiland, so er heute nach Jerusalem kommt, nur zu bald mit der Königin aller Huren, mit der weltberühmten Maria von Magdalon, die intimste Bekanntschaft machen und die süßeste Freundschaft schließen wird, – vielleicht auch mit der Maria und Martha von Bethanien, die nach der Maria von Magdalon von den Großen Jerusalems die meisten Besuche haben sollen!“ [GEJ.01_146,11 f]

2.2.
Sagte Ich (Jesus):Du hast dich an Mich gewandt, ohne zu wissen, wer Ich bin; aber dein halbes Vertrauen, dass an unserem Tische jemand der Besessenen helfen könnte, hat dich zu Mir geführt. Und Ich sage es dir, dass dich dein Geist schon an den rechten Mann gewiesen hat, der ihr auch helfen wird zu ihrem leiblichen Wohle und zum Wohle ihrer Seele. Gebet denn wohl acht, mit welchen Mitteln Ich dieser Maid (Maria Magdalena) für immerdar helfen werde!“

Hierauf erhob Ich Mich von Meinem Stuhle, ging hin zur schon ganz erstarrt daliegenden Maid, streckte Meine Hände über sie aus und bedrohte die sieben argen Geister in ihr.

Die Geister aber schrien laut aus ihrem Bauche: „O Jesus, Du Sohn Davids, lass uns nur noch eine kurze Zeit in dieser unserer Wohnung!“

Ich aber bedrohte sie noch einmal, und sie verließen die Maid im selben Augenblick.

Und die Maid erhob sich und war so heiter, frisch und gesund, als ob ihr nie etwas gefehlt hätte. Als sie aber Mich an ihrer Seite ersah und man ihr gesagt hatte, dass Ich ihr geholfen habe, da sah sie Mich fest an und sagte: „Ach, das ist doch sicher jener herrliche Mann, für den mein Herz schon seit einem Jahre stets lebendiger schlug! Und gerade der, den ich gar unendlich liebte und noch liebe, seit ich ihn nur einmal im Vorübergehen gesehen habe, kam mir nun zu Hilfe! O Freund, hättest du mich nur lieber sterben lassen, als dass ich dich zur größten Qual meines Herzens wiedersehen muss, ohne je eine Hoffnung zu haben, auch von dir geliebt zu werden! Denn du bist ein reiner Mensch, und ich bin eine verworfene Hure!“

Hierauf fiel sie zu Meinen Füßen nieder, umklammerte sie kniend und benetzte sie mit Tränen der Liebe und Reue.

Da traten einige Jünger hinzu und wollten sie von Meinen Füßen hinwegziehen und bemerkten ihr, dass sich so etwas hier nicht schicke.

Ich aber sagte zu den Jüngern:Was geht euch denn das an?! Bin denn nicht Ich der Herr über Mich und nun auch über sie? Wenn es Mir zu viel sein wird, da werde schon Ich ihr sagen, was sich da schickt oder auch nicht schickt! Ich sage euch: Diese Maid hat viel gesündigt, – aber sie liebt Mich auch mehr denn ihr alle zusammen; darum wird ihr auch vieles vergeben werden. Und noch sage Ich euch, dass allenthalben, wo Mein Evangelium gepredigt wird, auch dieses Vorfalles und dieser Maid Erwähnung gemacht wird.“

Da zogen sich die Jünger zurück und gaben sich zufrieden.

Ich aber sagte darauf zur Maid:Stehe nun auf; denn es ist dir geholfen, und deine Sünden alle sind dir vergeben! Aber gehe nun hin und sündige nicht mehr, auf dass dir darob nicht noch etwas Ärgeres widerfahre! Denn wenn der böse Geist einen Menschen verlässt, so durchzieht er dürre Steppen und Wüsten und sucht, ob er eine Wohnung fände, und so er nichts findet, da kehrt er wieder zurück. Da findet er seine alte Wohnung sauber gefegt und gereinigt, dass er darob eine große Lust fasst, wieder einzuziehen. Wenn er aber sieht, dass er allein zu schwach ist, da nimmt er noch sieben andere Geister, die noch ärger sind denn er, und diese alle ziehen dann mit Gewalt in die gereinigte Wohnung ein, und dieser zweite Zustand des Menschen ist dann ein um vieles ärgerer, als da war der erste. Darum habe wohl acht, dass dir nicht ein Gleiches widerfahre! Stehe darum auf, gehe hin und sündige ja nicht mehr!“

Hier erhob sich die Maid und wusste sich vor lauter Liebe und Dank gegen Mich kaum zu helfen. Nach einer Weile bat sie Mich, ob sie doch diese Nacht hier in der Herberge verbleiben dürfte, da es schon spät in der Nacht geworden sei.

Und Ich sagte zu ihr:Ich redete nicht mit deinem Leibe, sondern mit deiner Seele und mit ihren mannigfachen weltlichen Begierden; mit deinem Leibe kannst du bleiben, wo du willst!“

Damit war die Maid zufrieden und setzte sich wieder zu Tische, – aber ihre Augen wandte sie keinen Augenblick von Mir ab. [GEJ.06_185,07 ff]

2.3.
Sagte Ich:
Jene Maid wusste es nicht, dass Ich Mich hier noch aufhalte; aber sie hat es gestern in Bethanien erfahren aus dem Munde der Schwestern unseres Freundes Lazarus und ist nun auf dem Wege hierher. Um die Zeit des Aufgangs der Sonne wird sie auch hier eintreffen, und du kannst mit ihr alles Gute und Rechte abmachen.

Was aber ihren bisherigen Lebenswandel anbelangt, so hast du richtig geurteilt; aber sie hat dabei stets der Armut gedacht, weil sie als eine irdische Schönheit durch ihren Wandel zu großen Schätzen gekommen ist und schon von ihren Eltern aus mit allem reich ausgestattet war.

Dort, weit gen Mittag, ersiehst du auf einem Hügel ein Schloss, es führt den Namen Magdalon. Dort ist die Maid geboren, und das Schloss, viele Gärten, Äcker, Wiesen, Weinberge und Waldungen sind nun ihr Eigentum, da ihr ihre Alten schon vor ein paar Jahren gestorben sind. Sie hätte schon mehrere Male ehelichen können, aber die Templer hielten sie davon ab, weil sie bei ihr stets eine gute Herberge fanden und sich auch sonst mit ihr gut unterhielten. Aber seit sie Mich ersah, kennenlernte und Meine Worte hörte, ist es anders in ihrem Hause, Verstande und Herzen geworden; und weil sie viel geliebt hatte die Armen, so wurden ihr auch viele ihrer Sünden vergeben.

Ihr Name ist Maria von Magdalon. Ihrer Armut wegen benötigt sie sonach keine Unterstützung von eurer Seite; aber so sie von euch für ihre vielen Armen etwas wird annehmen wollen, so könnet ihr es ihr ja wohl antragen. Und so wisset ihr nun auch, wer und woher jene Maid ist, und wie sie heißt; doch auch ihre Schuld sei in den Sand geschrieben!

Und nun gut von dieser Sache, und wir betrachten nun lieber den schönen Morgen, aus dessen Gestaltungen nach allen Richtungen hin ihr so manches, besonders für die letzte Zeit der neuen Heiden, werdet entnehmen können!“ [GEJ.06_185,07 ff]

2.4.
Als wir uns aber da auf dieser Höhe noch eine Zeitlang vergnügten, da ersahen wir alle die gewisse Maria von Magdalon zur Herberge des Lazarus kommen, und sie fing auch sogleich bei dessen Dienern sich nach Mir zu erkundigen an. Diese aber hießen sie warten, bis Ich zurückkehren werde; aber sie ließ sich nicht zurückhalten, als sie uns bald und leicht auf der Anhöhe gewahrte, und zog eilenden Schrittes zu uns herauf.

Als sie sich unserem Standorte nahte, da ging ihr Agrikola entgegen, grüßte sie freundlich und führte sie dann vollends zu uns, wo sie auch von den andern Römern auf das freundlichste begrüßt wurde.

Sie (Maria von Magdalon) aber sagte: „Ich weiß es wahrhaftig nicht, aus welchem Grunde mir hier eine solche Ehre zuteil wird! Ich bin nur eine Sünderin und verdiene, von allen Menschen tief verachtet zu werden; aber dass ich auch einer Ehre würdig wäre, besonders von solchen hohen Herren, wie ihr es seid, das fasset mein Verstand nicht. Dazu bin ich nun nur hergekommen, um allein dem Herrn meines Lebens zu danken, da Er mich von den argen Geistern des Fleisches erlöst hat; aber um mich ehren zu lassen, bin ich nicht hierher gekommen!“

Sagte Agrikola:Höre, du holde Maria von Magdalon! Wir alle, die wir aus Rom hierher gekommen sind, haben dir gar vieles zu verdanken; denn hättest du uns an jenem Abende vor ungefähr acht Tagen nicht hierherauf den Weg gezeigt und uns auch geführt, so hätten wir vielleicht gar nicht das ewig unschätzbare Glück gehabt, den Herrn alles Lebens und alles Seins persönlich kennen, Ihn als den allein wahren Gott erkennen und über alles lieben zu lernen. Siehe, darin liegt denn auch einzig und allein der Grund, dessentwegen wir dir so dankbar sind und auch fortan bleiben werden; und so wundere dich nun darob nicht also sehr, wenn wir dir so freundlich entgegenkommen! Denn wir erachten das als unsere Pflicht, weil du uns zu einem so unschätzbarsten Glück verholfen hast.

Denn wir haben ein gutes Staatsgesetz, laut dem derjenige, der durch einen andern Menschen zu einem großen und wahren Glück gelangt ist, eben diesem Menschen zeitlebens im hohen Grade dankbar zu verbleiben hat durch Gebärden, Worte und Taten, auch dann, wenn der Mensch, durch den ein anderer zum großen Glücke kam, nicht darum wusste, dass er seinem Nebenmenschen zu einem Glücke verhelfen werde. Die Dankbarkeit hat sich auch auf des Glück verursachenden Menschen Nachkommen zu erstrecken.

Was sind aber alle materiellen Glücksgüter, zu denen ein Mensch durch einen andern gelangen kann, gegen diese rein geistigen, die wir hier geerntet haben? Durch diese haben wir den allein wahren Gott und durch Ihn uns selbst, die wir verloren waren, und das wahre ewige Leben unserer Seelen gefunden, und das ist endlos mehr, als so du uns zu allen Schätzen der Erde verholfen hättest. Und darum sind wir dir, da du die erste Veranlasserin dazu warst, auch allen Dank für alle Zeiten schuldig.

Wärest du eine Arme an irdischer Habe, so würden wir dich auch königlich belohnen; da du aber ohnehin mit den Gütern dieser Erde reichlichst versehen bist, so können wir dir wohl unsere Dankbarkeit mit nichts anderem als mit unseren wahren und ungeheuchelten Worten, wie sie in unserem Herzen gewachsen sind, allerfreundlichst ausdrücken, und du wirst solche unsere dir pflichtschuldigste Dankbarkeit nicht von dir weisen?“

Sagte nun ebenfalls in einem sehr freundlichen Ton die Maria von Magdalon: „Es ist das wohl gar sehr schön und artig von euch edlen Römern, dass ihr mir darum dankbar sein und bleiben wollet, weil ich euch zufällig – wahrlich ohne mein Wissen und Wollen – zu einem, wie sich's leicht begreifen lässt, so endlos großen Glück verholfen habe, aber es gebührt mir darum dennoch kein Dank und keine Ehre; denn das war alles also des Herrn Wille, und ich selbst war nur Sein stummes und blindes Werkzeug. Und so seid ihr dem Herrn allein auch nur allen Dank und alle Ehre schuldig!“

Sagte abermals Agrikola:O du liebe und holdeste Maria von Magdalon! Das wissen wir auch, dass wir alle nur Ihm allein alles zu verdanken haben; aber wir denken da nun also: Wollen wir dem Herrn unsere wahrste und vollste Dankbarkeit für die endlos große Gnade erweisen, die Er uns nun in einem so nie erhört überschwenglichsten Maße erwiesen hat, so dürfen wir das Werkzeug, dessen Er Sich zu unserer Heiligung bedient hat, doch nicht verächtlich über die Achseln anblicken, sondern es auch ehren des Herrn wegen. Und nur in dieser Hinsicht ehren wir nun dich denn auch, abgesehen davon, ob du zu unserem größten Lebensglücke ein sehendes oder nur blindes Werkzeug in der allmächtigen Hand des Herrn warst, und ich bin der Meinung, dass das auch in der Folge beachtet werden wird. Denn wenn man das Werkzeug des Herrn nicht mit dankbarem Herzen begrüßen möchte, wie stünde es dann mit der wahren Nächstenliebe, die wir doch nach der Lehre des Herrn sogar unseren Feinden schuldig sind und sicher um so mehr denen, durch die uns der Herr so große Gnaden zukommen ließ?

Siehe, du unsere nun holdeste und unvergeßliche Freundin, da habe ich recht und lasse es mir von gar niemand bestreiten und nun schon am allerwenigsten von dir, die der Herr zu unserem Glücks- und Leitstern auserkoren hat, und wir dir darum Ehre und wahre Liebe schulden! Lass mich darum nur bei meinem guten Rechte!“

Sagte die Maria von Magdalon: „Ja, ja, in dieser Hinsicht hast du, hoher Herr, schon ganz recht, aber ich selbst werde darum den Herrn, meine einzige Liebe, loben, rühmen und preisen immerdar, dass Er mich, eine große Sünderin, zu einem blinden und stummen Werkzeuge gemacht hat! Denn hätte ich gewusst, dass Er hier oben sei, so hätte ich euch nicht hierherauf geführt; denn ich hätte es als eine zu grobe Sünderin ja selbst nicht gewagt, mich dem Herrn zu nahen, da ich von der Wahrheit Seiner Lehre und Seines heiligsten göttlichen Wesens nur zu tief überzeugt bin und auch einsehe, dass eine Sünderin, wie ich eine war, nie wert sein und werden kann, sich Seiner heiligsten Person zu nahen.

Ich aber wusste erstens nicht, dass sich der Herr hier aufhalte mit Seinen getreuen Jüngern; aber das wusste ich, dass diese Bergherberge eine der besten von ganz Jerusalem ist. Und weil diese Herberge gewöhnlich von den Fremden besucht wird, so habe ich, da ihr mich in einer Straße der Stadt aufhieltet und um eine gute Herberge befragtet, euch hierherauf geführt und habe daher von euch nur den Dank nach menschlicher Weise zu beanspruchen, der mir als einer Wegweiserin zu einer guten Herberge gebührt; aber dafür, dass ihr hier der höchsten Gnade des Herrn teilhaftig geworden seid, gebührt mir wahrlich kein noch so geringer Dank, da es unmöglich in meiner Absicht hat liegen können, euch solche hier zu verschaffen, indem ich selbst keine Ahnung haben konnte, dass ihr einer solchen hier würdet teilhaftig werden. Daher gebet darum nur allein dem Herrn allen Dank und alle Ehre, und gedenket deshalb meiner nicht, worum ich euch sogar inständigst bitte!“

Hierauf sagte Ich: Höre du, Meine Maria! Du hast nun ganz wohl und wahr gesprochen und hast völlig recht in deinem Teile; aber auch die Römer haben recht in dem ihrigen. Dass du Mir allein alle Ehre und allen Dank zuwendest, dadurch zeigst du, dass du vom wahren Geiste der Demut vollends erfüllt bist und dir darum auch alle deine Sünden vergeben sind; aber auch die Römer zeigen, dass sie vom rechten Geiste der Nächstenliebe durchdrungen sind, und begehen deshalb keine Sünde gegen Mich, so sie dich in ihrer dankbaren Erinnerung behalten, wenn du auch nur ein blindes Werkzeug Meiner Liebe und Meines Willens warst.

Ich aber sage nun bei dieser Gelegenheit allen: Ihr sollet zwar nicht suchen Dank und Ehre bei den Menschen, denen ihr in Meinem Namen werdet Gutes getan haben, so wie auch Ich Selbst bei den Menschen desgleichen nicht suche, da Der, der in Mir wohnt, Meine allerhöchste Ehre ist; aber so euch die Menschen für die in Meinem Namen erwiesenen höchsten Lebenswohltaten verunehren und mit Undank begegnen werden, so werde Ich ihnen das ebenso anrechnen, als hätten sie Mir Selbst das angetan! Denn wer den rechten Jünger, den Ich erweckt habe, nicht ehrt und ihm in Meinem Namen nicht dankbar ist, der ehrt auch Mich, den Herrn und Meister, nicht und ist Mir für die ihm erwiesene Gnade auch nicht dankbar.

Denn so Ich Jünger und Propheten erwecke, so geschieht das nicht der Jünger und Propheten allein wegen, sondern aller Menschen wegen; und darum sollen die Jünger und Propheten auch als das geachtet werden, als was sie von Mir berufen sind. Wer denn einen Jünger und einen Propheten in Meinem Namen mit Liebe und rechter dankbarer Achtung aufnehmen wird, dem werde Ich es auch also anrechnen, als hätte er Mich Selbst also aufgenommen, und er wird denn auch dereinst eines Jünger- und Prophetenlohnes teilhaftig werden. Und deren Lohn wird wahrlich kein geringer sein!

Aber wehe auch jenen falschen Jüngern und Propheten, die sich gleich den Pharisäern und Hochpriestern von den Menschen werden ehren lassen und solches von den Menschen sogar gesetzlich verlangen werden! Wahrlich, die sollen als Diebe und Räuber angesehen werden und dereinst vor allen Engeln zu großen Schanden werden! Je mehr Ehre sie sich in dieser Welt für sich nehmen werden, desto mehr der ärgsten Schande werden sie dereinst zu gewärtigen haben.

Dieses sollet ihr euch alle auch wohl merken und könnet das auch leicht; denn so ihr Mein Gebot der wahren und reinen Nächstenliebe recht in Betrachtung ziehet, so werdet ihr es gar leicht begreifen, dass jedem echten und wahren Menschen der stinkende Hochmut seines Nebenmenschen am meisten weh tut!“ [GEJ.08_050,01 ff]

2.5.
Hier trat die Maria von Magdalon näher zu Mir und sagte:O Herr und Meister, kann auch ich noch selig werden und dereinst das ewige Leben ernten? Denn ich bin eine große Sünderin, und mir kommt es in Deiner heiligsten Nähe stets mehr und mehr vor, dass ich auch Deiner allergeringsten Gnade zu unwürdig bin!“

Sagte Ich:Bleibe du nur fortan in der reinen Liebe und sündige nicht mehr! Das sei deine Sorge; um alles andere werde schon Ich für dich Sorge tragen. Ich habe dich befreit von deinen unreinen Geistern und habe zu dir auch gesagt: Deine Sünden sind dir vergeben, weil du den Armen viel Liebe erwiesen hast und nun auch Mich liebst über alles. Zu wem Ich aber sage: ,Deine Sünden sind dir vergeben!‘, dem sind sie auch wahrhaft vergeben. Aber er muss hinfort keine Sünden mehr begehen; denn sündigt er von neuem wieder, so versetzt er sich in einen noch ärgeren Zustand, als da war sein erster. Aber Ich sehe bei dir den ernsten Willen, nicht mehr zu sündigen, und so wirst du auch verbleiben in Meiner Gnade und Liebe. Wer aber in Meiner Gnade und Liebe verbleibt, der hat schon das ewige Leben in sich und mit ihm die ewige Seligkeit.

Wer aus Liebe zu Mir alles tut, was die Nächstenliebe fordert, dem werde auch Ich alles tun, was in Meiner Macht steht. In Meiner Macht aber steht nicht nur vieles, sondern alles. So du, liebe Maria, nun das weißt, da sei du frohen Gemütes, und tue fortan Gutes, und Ich werde dich nicht verlassen!“

Hierauf fiel die Maria von Magdalon zu Meinen Füßen, dankte Mir mit dem gerührtesten Herzen und benetzte Meine Füße mit ihren Tränen und trocknete sie mit ihren Haaren. Meinen alten Jüngern aber kam diese Szene etwas zu lange dauernd und nach ihrer Meinung auch etwas unanständig vor, und sie murrten heimlich unter sich.

Ich aber merkte das und sagte zu ihnen:Warum ärgert denn ihr euch darob? Ich bin schon lange unter euch, und ihr habt Mir eine solche Liebe noch nie bezeigt, und Ich verlangte sie von euch auch nicht. Darum aber sage Ich euch nun auch: Wo immer Mein Evangelium den Menschen gepredigt wird, da soll auch dieser Maria volle Erwähnung gemacht werden; denn sie hat Mir einen großen Liebedienst erwiesen. Das merket euch auch! Du, Maria, aber erhebe dich nun wieder, und sei Meiner vollen Liebe und Gnade versichert!“

Darauf erhob sich die Maria und dankte Mir nochmals mit dem liebevollsten Herzen.

Die Jünger aber baten Mich und sie um Vergebung ob ihrer kleinen Ungeduld.

Und Ich sagte:Lernet die Schwachen ertragen, so werdet ihr dadurch mehr Stärke eurer Seelen vor Mir an den Tag legen, als so ihr nur mit den Helden kämpfet und über sie sieget!

Nun aber ist die Sonne schon ziemlich hoch über den Horizont gestiegen, und das Morgenmahl steht in Bereitschaft; wir wollen dasselbe zu uns nehmen und uns dann von hier nach Bethanien begeben!“

Darauf begaben wir uns behende ins Haus und nahmen das Morgenmahl ein, an dem auch unsere Maria teilnahm.

Nach dem Morgenmahle aber machte Lazarus mit seinem Wirte die Rechnung und nahm den Gewinn, wie auch die andern Schätze und Kostbarkeiten mit sich. Es hatten daran zehn Maultiere zu tragen, da auch die Schätze von den etlichen bekehrten Pharisäern dabei waren, die Lazarus zur Verwaltung übernahm.

Nikodemus, Joseph von Arimathia und der alte Rabbi empfahlen sich Meiner Gnade und Liebe, dankten für alles und gingen samt den Magiern in die Stadt, allwo sie zu tun hatten. Die Magier aber begaben sich zu den Ihrigen, die schon mit vieler Sehnsucht ihrer harrten. Die beiden Römer aber, die zu Emmaus wohnten, zogen mit den sieben Oberägyptern nach Emmaus, von wo aus dann die letzteren nach einigen Tagen wieder in ihr Land zogen. Alle andern Anwesenden aber zogen mit uns nach Bethanien.

Es braucht hier nicht weiter und sonderheitlich angegeben zu werden, welche Menschen noch da waren, da dieselben im Verlaufe der erzählten Begebenheiten auf dem Ölberge ohnehin mehrere Male benannt und bezeichnet wurden.

Maria von Magdalon bat Mich auch, uns nach Bethanien nachkommen zu dürfen, und fragte Mich, wie lange Ich wohl in Bethanien verweilen werde.

Und Ich sagte:Ich werde daselbst drei Tage hindurch ruhen; denn Ich habe nun viel gearbeitet, und auf viel Arbeit kann man sich eine kleine Rast nehmen. Wenn du dein Haus bestellt haben wirst, dann komme zu uns nach Bethanien!“

Darauf begab sich auch die Maria sogleich nach Hause, um daselbst schnell alles zu ordnen, und das auf einige Tage, da sie es sich vornahm, diese Zeit bei Mir zuzubringen. [GEJ.08_052,01 ff]

2.6.
Wir ruhten nun so bei einer halben Stunde lang, als ein Diener des Lazarus zu uns in den Saal kam und sagte, dass draußen ein gar schönes junges Weib mit ein paar Dienern angekommen sei und den sehnlichsten Wunsch habe, den Herrn zu sehen und zu sprechen. Solle sie hereingelassen werden oder solle man ihr eine andere Wohnung anweisen.

Sagte Ich:Das angekommene Weib kenne Ich; darum lasset sie hereinkommen!“

Mit dem entfernte sich der Diener und Lazarus und die Jünger fragten Mich, was es für ein Weib sei.

Und Ich sagte: „Ihr kennet die Maid Maria von Magdalon, die heute frühmorgens auch schon bei uns am Ölberge war. Diese hat daheim schnell ihre Haussachen geordnet und sich beeilt, hierher zu kommen; darum ärgere sich niemand von euch darob, dass sie nun hierher gekommen ist!“

Als Ich diese Worte noch kaum ausgeredet hatte, da trat die Maid auch schon, wohlgekleidet und geschmückt, in den Saal, fiel Mir gleich zu Füßen, öffnete sogleich eine goldene Büchse, die mit der kostbarsten Nardussalbe gefüllt war, und salbte damit Meine Füße, denn dies war bei den vornehmsten Juden als eine der höchsten Ehrenbezeigungen von alters her gebräuchlich, so man jemandes Füße, wenn er von einem königlichen Hause abstammte, mit der Nardussalbe salbte.

Als aber Meine Jünger das merkten, sprachen sie untereinander: „Ist denn das Weib irrsinnig geworden? Die Salbe hätte mindestens um zweihundert Groschen verkauft werden können, welches Geld man dann unter die Armen hätte verteilen können, – und der Herr bedarf ja derlei weltlicher Ehrenbezeigungen nicht!“

Ich aber sah die murrenden Jünger an und sagte:Was kümmert und ärgert euch das denn schon wieder?! Arme werdet ihr stets unter euch haben, Mich aber nicht, wie Ich nun unter euch bin. Dies Weib aber hat nun ein gutes Werk an Mir getan, und wo dies Mein Evangelium gepredigt wird, da soll auch dieses Weibes und dieser Begebenheit wohl erwähnt werden! Ich bin doch schon lange unter euch und ihr habt Mir zum Waschen Meiner Füße noch nie einen Krug reinen Wassers gereicht; dies Weib aber hat heute morgen schon Meine Füße mit ihren Tränen gewaschen und ist nun wiedergekommen und hat Mir die Füße gesalbt. Wie mag euch dann das ärgern? So es aber geschrieben steht, dass Ich ein Sohn Davids sei, da gebührt Mir ja auch, dass jemand Mir diese königliche Ehre erweiset!“

Auf diese Meine Worte sagte niemand irgend mehr etwas dagegen und alle belobten das Weib und ihre Tat.

Darauf aber erhob sich das Weib und wollte gehen.

Ich aber sagte:Nun bleibe du bei Mir; denn von nun an sollst auch du eine Zeugin Meiner Taten und Erbarmungen werden und bleiben!“

Da blieb das Weib voll Freuden und Lazarus bewirtete sie freundlichst und ließ auch ihre Diener bewirten. Und wir unterhielten uns dann bis nahe gen Abend, bei welcher Gelegenheit uns diese Maid so manches von ihren Erlebnissen treuherzig erzählte.

Als das Weib uns aber bei einer Stunde lang ihre Erlebnisse in sittsamster Weise erzählte, da meinten einige der zu Mir bekehrten Pharisäer, dass sich so manches des von dem Weibe Erzählten für diese erhabene Gesellschaft nicht fein schicke; solches aber bemerkten sie eigentlich nur darum, weil in der ganz guten Erzählung des Weibes so manches ganz zart eingeflochten war, was auch sie sehr nahe anging.

Ich aber belobte des Weibes Offenheit und Treuherzigkeit und sagte dann zu den Pharisäern und Schriftgelehrten:Meine nun ein wenig aufgeregten Freunde! Ärgert euch darum ja nicht, dass nun durch den Mund dieses Weibes so manches an das Tageslicht vor Mir kam, woran auch ihr einen bedeutenden Schuldanteil an eurem Fleische traget! Wenn euch aber schon die Worte des Weibes, das niemandes Namen nannte, in eurem Gemüte beirren, warum beirrt euch denn nicht auch Meine Allwissenheit? Ich sage es euch: Jenseits im Reiche der Geister wird man euch das laut von den Dächern herab verkünden, was ihr auf dieser Welt noch so sehr zu verbergen suchtet; darum ist es besser, ein kleines Gericht noch in dieser Welt zu bestehen und sich eine leichte Demütigung gefallen zu lassen, als jenseits vor allen Engeln der Himmel zuschanden zu werden.

Wer sich hier auf dieser Erde als ein besserer Mensch zeigen will, als er es der Wahrheit nach ist, in dem rastet noch ein heuchlerischer Sinn; mit diesem aber kann man ins Gottesreich noch nicht wohl gelangen. Wer aber vor Mir einst wird bestehen wollen, der muss sich auch der Welt so zeigen, wie er beschaffen ist, dann wird er auch vor Mir und Meinen Engeln kein weiteres Gericht mehr zu bestehen haben, so er sich in seinem Tun und Lassen gebessert hat.

Sehet an dies Weib! Sie hat wahrlich viel gesündigt; weil sie aber voll Offenheit im Herzen ist und dabei auch viele Werke der Nächstenliebe ausgeübt hat, so ist ihr nun auch vieles vergeben, und sie ist Mir nun lieber denn so mancher Gerechte, der nie gesündigt hat. Denn der Gerechten wegen bin Ich nicht in diese Welt gekommen, sondern nur der reuigen Sünder wegen, gleichwie auch ein Arzt nur zu denen geht, die seiner bedürfen, und nicht zu den Gesunden, die des Arztes nicht bedürfen.“

Auf diese Meine Worte sagten die ein wenig ärgerlich gewordenen Pharisäer und Schriftgelehrten nichts mehr und stellten sich mit dieser Zurechtweisung zufrieden.

Darauf aber bat Mich das Weib, dass Ich mit ihr Geduld haben möchte, und sie werde auf das eifrigste bemüht sein, noch alles gutzumachen, was durch sie je irgend Sündiges verübt worden sei.

Ich aber sagte liebfreundlich zu ihr:Du hast wenig mehr gutzumachen; aber andere hätten an dir gar vieles gutzumachen! Aber da sage Ich dir: Vergib allen, die an dir und gegen dich gesündigt haben, so wie auch Ich dir vergeben habe, und Ich werde dann auch denen vergeben ihre Sünden gegen dich! Nun aber iss und trink und stärke deine Glieder!“

Sagte die Maid:O Herr! Du allein bist für mich das beste Brot und der allerkräftigste und süßeste Wein aus den Himmeln; Du allein bist die rechte und wahrste Lebensstärkung meiner Seele und meines Leibes; sei nur Du mir gleichfort gnädig und barmherzig, und verlasse mich arme Sünderin nicht!“

Sagte Ich:Meine liebe Tochter, diese Worte hat dir dein Fleisch nicht gegeben, sondern der Geist der Liebe im Herzen deiner Seele!

Ja, Ich bin ein wahres Brot aus den Himmeln und also auch ein wahrer Wein; wer dies Brot essen und den Wein trinken wird, den wird es ewig nicht hungern und nicht dürsten. Ich bin sonach eine rechte Speise und ein rechter Trank; wer Mich genießen wird im Geiste und in der Wahrheit, der wird den Tod nicht sehen, noch fühlen und schmecken. Aber darum iss und trink nun auch leiblich dieses irdische Brot und den irdischen Wein!“

Darauf nahm die Maid erst Brot und aß und trank dazu auch etwas Wein. [GEJ.08_080,05 ff)

2.7.
Darauf sagte Ich zu den andern Anwesenden:Wem es eine Freude macht, Mir zu folgen, dahin Ich nun gehe, der folge Mir!“

Auf diese Meine Einladung erhoben sich alle und machten sich reisefertig. Auch die Maria von Magdalon fragte Mich, ob auch sie Mich begleiten dürfe.

Sagte Ich:Das steht dir frei; so du aber hier verbleibst bei den Schwestern des Lazarus und hilfst ihnen in der Bedienung der Gäste, die zum Teil schon hier sind, zum andern Teil aber heute noch nachkommen werden, so ist es Mir lieber. So aber Gäste aus Jerusalem und auch aus andern Orten hier ankommen und nach Mir fragen werden, da machet Mich nicht ruchbar, und die Angekommenen sollen wieder also weiterziehen, wie sie hierher gekommen sind!“

Die Magdalena dankte Mir für diese Worte und blieb bei den beiden Schwestern; desgleichen blieb auch die Helias mit den Ihrigen und die arme Familie aus Emmaus. [GEJ.08_109,07 ff]

2.8.
Es bat Mich nun aber auch die Maria von Magdalon, dass sie Mich begleiten dürfe.

Ich aber sagte zu ihr:Maria, das steht dir frei, wie Ich es dir ja auch verheißen habe; doch auf dass die blinde Welt an uns kein Ärgernis nehme, so würdest du besser tun, hier im Hause des Bruders Lazarus zu verbleiben und Mir, anstatt zu Fuße, im Herzen zu folgen. Die Schwestern des Bruders haben dich lieb, und du wirst ihnen manchen guten Dienst zu erweisen die Gelegenheit bekommen, was Ich auch also ansehen werde, als hättest du solchen Dienst Mir erwiesen. Doch Ich gebe dir damit dennoch kein Gebot, sondern stelle es dir ganz frei, was du nun lieber tun willst.“

Hierauf sagte die Magdalena:Herr! Ich werde von nun an nur stets das tun, was Dir lieber und angenehmer ist, und somit werde ich bis zu Deiner baldigen Wiederhierherkunft bei Lazarus verbleiben und Dir im Herzen folgen! Aber wir bitten Dich, o Herr und Meister, alle, dass Du ja bald wieder zu uns hierher kommen wollest! Denn ohne Dich wird unser Sein und Leben ein trauriges Aussehen haben.“

Sagte Ich:Maria, so Ich körperlich auch nicht bei euch und unter euch Mich befinden werde, da werde Ich aber im Geiste dennoch bei euch sein und wirken; denn im Geiste bin Ich ja gleichfort allgegenwärtig, da Ich alle Dinge in der ewigen Unendlichkeit erhalten und leiten muss. Wäre Ich im Geiste aber nicht allgegenwärtig, so würde alles Sein zunichte, und es bestünde keine Kreatur in der ganzen Unendlichkeit, – was du nun schon begreifen wirst. Denn durch die Macht Meines allerlebendigsten und allertätigsten Willens bin Ich Selbst ja von Ewigkeit her Alles in Allem, und alles ist in Mir! Der Vater, der Mich als einen Menschensohn in diese Welt gesandt hat, ist in Mir, und Ich und Er aber sind nicht zwei, sondern vollkommen Eins; des Vaters Wille ist sonach auch Mein Wille, und der wirket allenthalben.

Den Vater für Sich aber kann freilich kein Mensch sehen; denn Er wäre ohne Mich nicht da und Ich nicht ohne Ihn, weil Ich und Er vollkommen Ein Wesen sind! Wer aber nun Mich sieht und hört, der sieht und hört auch den Vater; denn Ich als Vater habe Mich durch Meinen Willen Selbst in diese Welt gesandt. Darum wohl euch, die ihr an Mich glaubet; denn wer an Mich glaubet, der glaubt auch an den Vater, der Mich gesandt hat, und Der wird ihm darum geben das ewige Leben!

Wenn ihr diese Worte recht beherziget, so werdet ihr fröhlich sein in eurem Gemüte; denn ihr werdet es wohl gewahr werden, dass Ich trotz Meiner leiblich persönlichen Abwesenheit dennoch bei euch sein und bleiben werde. – Maria, hast du diese Meine Worte wohl begriffen?“

Sagte Maria: „Ja, Herr und Meister und Vater, Sohn und Geist! Darum werde ich Dir um so leichter und entschiedener im Herzen folgen können.“

Hierauf wandte Ich Mich an Meine Jünger und sagte:Bis jetzt habe Ich als der Herr und Meister allein gearbeitet, und ihr waret nur wie stumme Zeugen von allem, was Ich gelehrt und gewirkt habe; doch von nun an werdet auch ihr mit Mir arbeiten, gleichwie auch Raphael mit Mir gearbeitet hat sichtbar vor aller Welt Augen. Und so denn lasset uns nun von dannen ziehen!“ [GEJ.08_158,13 ff]

2.9.
Aber das Wort, das Ich zu euch rede, gilt nicht allein nur für diese Erde, sondern entsprechenderweise für die ganze Unendlichkeit; denn Meine Worte sind nicht Menschenworte, sondern Gottesworte, werden auch von den zahllosen Myriaden von Engeln vernommen und von einem Ende Meiner endlos vielen Schöpfungen zum andern als wirksam getragen.

Dieses verstehest du auch nicht; wenn du aber im Geiste wiedergeboren sein wirst, so wirst du auch in die endlose Tiefe Meiner Erbarmungen schauen können. Vorderhand aber begnüge dich mit dem, was du vernommen hast; denn Ähnliches, wie Ich jetzt zu euch geredet habe, werde Ich in dieser Welt nicht vieles mehr reden! Darum behaltet das bei und in euch bis zur Zeit eurer inneren Erleuchtung, nach der auch ihr mit den Verständigen und Erleuchteten werdet reden können von allem, was ihr von Mir vernommen habt; aber vor den Unverständigen haltet das inne, und werfet den Schweinen Meine Perlen nicht zum Fraße vor!“

Dieses behielten die Jünger bei sich, hielten sich bei der Ausbreitung Meiner Lehre auch daran und haben auch besonders den Juden wenig anderes von Mir geoffenbart als besonders Mein Leiden und Sterben und Meine Auferstehung, und dass Ich demnach wahrhaftig der Messias war. Aber selbst über diese letzten Begebenheiten waren sie nicht völlig einig miteinander, – was schon aus dem hervorgeht, dass auf die Nachricht der Weiber über Meine Auferstehung – besonders die der Magdalena – einige der Jünger glaubten, andere wieder nicht und hielten die Aussage der Weiber für ein Märchen, bis Ich ihnen Selbst persönlich erschien und noch da Meine Not hatte, sie völlig zu überzeugen, dass Ich auferstanden sei. Ich habe zwar den Jüngern eben bei dieser Gelegenheit gesagt, dass sie sich vor allem vor dem Uneinswerden hüten sollen; aber es ging bei ihnen und unter ihnen ebenso zu wie auch bei andern Menschen: Ihr Geist war willig, aber ihr Fleisch schwach. [GEJ.10_188,23 ff]

AUS: JOHANNES, DAS GROSSE EVANGELIUM, BAND 11 (Leopold Engel)
2.10.
Als wir nun alle nach der Rede des Judas in Stillschweigen noch dasaßen, ein jeder mit seinen Gedanken beschäftigt, öffnete sich die Tür und Maria, die Schwester des Lazarus, trat herein. Die Augen auf Mich gerichtet, kam sie zu Mir, ohne sich um die Anwesenden zu kümmern. Sie sank Mir zu Füßen und bedeckte diese mit Küssen. Sodann nahm sie eine Flasche köstlichen Nardenöls, zerbrach diese und salbte Mir mit dem Öl die Füße, diese sodann mit ihrem langen Haare wieder trocknend. Dabei weinte sie laut und bat Mich mit rührender Stimme, Ich möchte diese Salbung doch zulassen.

Es ist nun wenig bekannt, dass nur sehr vornehme Personen sich einen solchen Luxus gestatten konnten; denn ebenso wie das oftmalige Fußwaschen eine unbedingte Notwendigkeit in jener Zeit war, da Schuhe zu tragen von den meisten der Ärmeren verschmäht wurde, so war auch das öftere Salben der Füße notwendig, um die Haut geschmeidig zu erhalten.

Das Nardenöl jedoch hatte besondere belebende Eigenschaften, duftete sehr lieblich und wirkte ungemein erfrischend, war aber seiner gesuchten und seltenen Eigenschaften wegen sehr teuer, so dass eine derartige Fußwaschung zu dem außerordentlichsten Luxus gehörte, den nur sehr Reiche sich gestatten konnten.

Das Haus ward von dem Geruche des Öls auch ganz voll, ein Zeichen von der außerordentlichen Güte desselben, so dass Judas, der stets das Geld arg im Auge hatte, sich nicht der Bemerkung enthalten konnte: „Hätte man nicht lieber die Salbe verkaufen können und mit deren Erlös soundso viele Arme speisen können?! Was bedarf denn der Herr eines solchen Öls, da Ihm doch die Kraft innewohnt, auch ohne eines solchen sich jederzeit zu erfrischen?!“

Dieses sagte er aber nur aus Geiz, da der Reichtum des Lazarus ihm stets ärgerlich war und er auch oft Gelegenheit nahm, anzudeuten, dass die Reichen schwelgten, während rechtschaffene Israeliten Not leiden müssten.

Ich aber antwortete darauf, auf die noch knieende Maria deutend:Was diese getan hat, hat sie aus Liebe getan, und Mir ist ein jedes Opfer angenehm, das da aus liebevollem Herzen kommt. Mit dieser Tat aber hat sie nicht wohl so sehr Meinen Leib, als Meine Seele gestärkt; denn wo soviel Liebe geboten wird, werde Ich durch diese der Menschheit noch mehr Liebe wiedergeben. Sie hat sich dadurch das Recht behalten, Mir für den Tag Meines Begräbnisses die rechte Kraft zu geben, die die Seele noch braucht, das Schwerste zu überwinden. Und darum soll auch ihre Liebestat nie vergessen werden, und wo ihr Mein Evangelium predigen werdet, sollet ihr auch diese nicht vergessen! Drum lasset sie in Frieden!“

Ich hob nun die noch heftig Weinende vom Boden auf, segnete sie und sagte zu ihr:Maria, deine Sünden sind dir vergeben von Meinem Vater! Doch was du Mir, dem Sohne, getan, davon werde Ich zeugen vor Meinem Vater, und es wird dir in Seinem Hause tausendfältig und abertausendfältig vergolten werden.

Jetzt aber setze dich zu uns, stärke deinen Leib und verbleibe in unserer Mitte; denn die da Mir Kraft spendete durch ihre Liebe, soll nicht von Meiner Seite gehen!“ –

Diese Tat, die der der Maria Magdalena ähnlich ist, hat zu Verwechslungen Anlass gegeben. Maria, die Schwester des Lazarus, war es jedoch, welche in reinster Liebe Mir zugetan war als ihrem Herrn und Meister, nicht mit irgendwelcher irdischen Liebe; daher ist auch ihre Tat von ganz anderer Bedeutung als die der Maria von Magdalon. –

Ich wandte Mich nun zu den Jüngern und redete also weiter:Wer da wahrhaft reich im Herzen ist, kann auch von seinem Reichtum abgeben, ohne dass er selbst arm würde, – ja, um so mehr er gibt, um so reicher wird er noch werden; wer aber arm ist in sich, dem wird noch das wenige genommen werden, weil er es verlieren muss durch sich selbst. Leiblich und geistig Arme habt ihr nun immer um euch, und denen gebet auch stets von eurem Überfluss! Mich aber habt ihr nicht immer, und so werdet ihr auch bald Meinem Leibe nach Mir nichts mehr erweisen können.“

Ich sagte dieses aber, um die Jünger immer wieder auf Mein Hinscheiden vorzubereiten, dessen baldiger Augenblick ihnen nicht vor der Seele stand. [GEJ.11_062,01 ff]

2.11.
Am dritten Ostertage nun kehrte die Gottheit zurück und rief den Körper des Menschensohnes an, der sich sofort gänzlich auflöste und nun als Gewand der Seele noch hinzugefügt wurde. Diesen Vorgang ersahen die römischen Wächter als ein glänzendes Licht, das die Grabhöhle erfüllte, und das sie so erschreckte, dass sie eilends davonliefen, um Kunde zu geben, Ich sei auferstanden. Der Stein wurde von der Öffnung hinweggewälzt, so dass nun jedermann Einblick in das Grabgewölbe haben konnte.

Die Soldaten eilten zu Pilatus, der sich höchlich verwunderte und dem Hohen Rat mit einer gewissen Schadenfreude Mitteilung machte. Bald gingen daher einige von dessen Mitgliedern hinaus und fanden die Stätte leer, worauf sie ängstlich des Volkes wegen, dessen Unmut sie kannten, die Sache zu vertuschen suchten, den Wächtern Geld gaben und verlangten, sie sollten sagen, die Jünger hätten den Leichnam, während sie schliefen, gestohlen. Gleichzeitig sicherten sie ihnen Straflosigkeit zu bei Pilatus, der ein solches Vergehen des Schlafens auf dem Posten mit dem Tode hätte bestrafen müssen.

Pilatus aber wollte diese Straflosigkeit nicht zugestehen, sondern sagte, als ein höherer Priester mit ihm zu verhandeln suchte: „Entweder haben die Kriegsleute geschlafen, so sind sie doppelt schuldig, indem sie schliefen und mich belogen haben, oder sie haben nicht geschlafen; sodann stelle ich mich nicht dem Zorn des Auferstandenen durch eine Lüge entgegen!“

Es war mit ihm da nichts zu machen, weswegen die Priester den Soldaten viel Geld gaben, dass sie in ferne Gegenden flüchten sollten, was diese auch taten, wonach dann die Rede vom Diebstahl des Leichnams ins Werk gesetzt wurde, welcher Glaube sich auch erhalten hat bis auf diesen Tag.

Es ist aus den Evangelien bekannt, dass Ich nach diesem Vorgang vielen erschienen bin und nicht nur an den angegebenen Orten ist das geschehen, sondern überall, wo Ich gelehrt habe, um den Anhängern zu beweisen, dass die Lehre, die Ich ihnen gab, richtig sei.

Nicht nur Meine Person ist sichtbar geworden, sondern auch viele derer, die schon vorher abgerufen worden waren, erschienen ihren Angehörigen in hellen Träumen und vereinzelt auch selbst am Tage, um ihnen Kunde zu geben von dem neuen Jerusalem. Diese Tatsachen sind später mit dem Augenblick des Todes in Verbindung gebracht worden, und es ist hier die Erklärung dafür zu suchen, dass viele Tote auferstanden und ihren Anverwandten in den Häusern erschienen sind.

Was nun noch wichtig ist aus der Zeit bis zur Wegnahme auf dem Ölberge, soll jetzt ganz kurz erwähnt werden.

Zunächst war es Maria Magdalena, welche Mich gesehen hat. Es war der Vorgang genau so, wie ihn Johannes angibt. (Joh.20,1-18).

Maria war mit noch sechs anderen Weibern schon sehr frühe zum Grabe gegangen – noch bevor der Hohe Rat Kunde hatte –, um dort zu beten und die wohlriechenden Salben, die den Körper vor der Zersetzung bewahren sollten, nochmals über diesen auszugießen. Sie fanden aber das Grab leer und eilten nun zurück, es den Jüngern zu sagen.

Als sich die Aufregung derselben gelegt hatte und alle zurückgingen, die Kunde den übrigen zu bringen, die noch nicht wussten, dass etwas geschehen sei, blieb Maria Magdalena allein zurück.

Es ist nun bereits gesagt, warum Ich sie zurückwies mit den Worten: „Rühre Mich nicht an!“ – Ihre noch unreine Liebe zu Mir hätte sie vernichten können, wenn sie Mein nun reingeistiges Wesen berührt hätte. [GEJ.11_076,01 ff]

AUS: DIE GEISTIGE SONNE (Jakob Lorber)
2.12.
Wenn ich aber zurückdenke an alle die Lieblinge des Herrn bei Seinen irdischen Lebzeiten, so hat Er allda dennoch diejenigen am liebsten gehabt, welche sich Ihm mit der ganz gewöhnlichen kindlichen Herzensliebe genähert hatten. Also war der Johannes, der den Herrn sicher gar oft kreuz und quer abgeküsst und selbst noch beim letzten Abendmahl sich förmlich verliebtermaßen an Seine Brust hingelegt hatte, Sein Liebling. Dasselbe war auch der Fall mit Maria, einer Schwester der Martha, und nicht weniger mit der Magdalena, die in Ihn doch förmlich verliebt war; welch letztere eben zufolge dieser großen Liebe Ihn nach der Auferstehung zuerst ersah. [GS.01_058,10]

2.13.
Das Beispiel des samaritischen Weibes am Jakobsbrunnen, das mit sieben Männern gebuhlt hatte, ist obigem Beispiele gleich, wo der Herr zu ihm spricht: „Weib, gib Mir zu trinken!“ Und wieder: „Wenn du wüsstest, wer Der ist, der zu dir spricht: Weib, gib Mir zu trinken, so würdest du zu Ihm sagen, dass Er dir vom lebendigen Wasser zu trinken gebe, auf dass dich ewig nimmer dürste!“ Also lauten die Worte getreu, wie sie an Ort und Stelle gewechselt wurden.

Wer aber sieht hier nicht, welchen geringen Ersatz der Herr von dieser Sünderin für die Hingabe des Himmelreiches verlangt – bloß einen Trunk Wassers! Also ist auch einem jeden nur einigermaßen in der Schrift bewanderten Christen das Begebnis mit der Ehebrecherin und das Leben der Maria Magdalena bekannt. Der ersteren Schuld schreibt der Herr zweimal in den Sand und Magdalena durfte Ihm die Füße salben und war diejenige, zu der der Herr nach Seiner Auferstehung zuerst kam! Ebenso zeigt der Herr auch beim verlorenen Sohne und im Suchen des hundertsten verlorenen Schafes, wie wenig Er von dem Sünder zur Erlangung der Gnade und Erbarmung verlangt! [GS.02_117,17 f]

AUS: BISCHOF MARTIN (Jakob Lorber)
2.14.
Ich aber wende Mich zur Chanchah und sage: „Du herrlichste Blume Meines Herzens, komm her und lasse dich umarmen! Wahrlich, solch eine Liebe ist überaus selten und kaum eine so rein!

O du Lieblichste, du bist nun endlos glücklich, da du Mich so sehr gewonnen hast. Aber auch Ich als dein Geliebter bin überglücklich, da Ich in dir, einer Heidin, eine Liebe gefunden, dergleichen in der Christenheit außer einer Magdalena und der Mutter Meines Fleisches kein drittes Beispiel aufzuweisen ist! [BM.01_115,10 f]

AUS: VON DER HÖLLE BIS ZUM HIMMEL. ROBERT BLUM (Jakob Lorber)
2.15.
Rede Ich:Mein lieber Freund, es tut Mir leid, hier Ihrem Verlangen auf gar keinen Fall Gewähr leisten zu können. Und zwar aus dem alten Grunde, weil vor Gott alles ein Gräuel ist, was die sogenannte bessere Welt groß, glänzend, erhaben und schön nennt und preist! Denn Gott bleibt sich stets gleich und hat nie ein Wohlgefallen an solchen Ehrenmännern, die den Menschenwert nur nach der Anzahl der Adelsahnen oder nach der Amtswürde oder nach der Vielheit des Geldes bestimmen, alles andere aber als Canaille bezeichnen. Aber alles, was vor der Welt klein, gering und oft sehr verachtet ist, das steht wieder bei Gott in großen Ehren! Und so muss Ich Ihnen hier offen bekennen, dass Mir, als einem allerintimsten Freunde Gottes, diese von euch verachtete Lerchenfelderin um eine Million mal lieber ist als Ihr, Meine hochadeligen Freunde, d.h. wenn Ich so frei sein darf, euch als Meine Freunde zu titulieren! – Ihr habt aber dieser Armen nun sehr genützt; denn von nun an will Ich sie erst recht an Mich ziehen und ihr eine Bildung hinzugeben, vor der selbst die Engel einen Respekt bekommen sollen. Sie wird bald sehr hoch oben stehen und eine Zierde dieses Hauses sein! Wo ihr Ehrenmänner aber euch in Kürze befinden dürftet, das wird die leidige Folge zeigen! Ich ersuche euch aber eures eigenen Heiles willen, diese Arme ja nicht mehr zu belästigen, denn sie gehört nun ganz Mir an! – (Mich zur Heldin wendend): Und du, Meine liebe ,Magdalena‘, bist du damit zufrieden?“ [RB.01_068,05]

2.16.
Meine Apostel waren die erste und somit vorzüglichste christliche Gemeinde in der Welt, weil sie unmittelbar von Mir gestiftet war! Als Ich am dritten Tag wieder aus dem Grab erstand, wen wohl sandte Ich zuerst zu den Brüdern hin, ihnen Meine Auferstehung zu verkünden? Siehe, ein Weib, ungefähr von deiner irdisch moralischen Beschaffenheit! – Nun, wenn das nachträgliche Gebot Pauli für noch ganz weltliche Weiber überall, d.h. auch bei Gott wohlgefälligen Weibern, soll in die Anwendung kommen – wie hätte sich dann eine Magdalena je unterstehen können, an Meine ersten Apostel selbst einen Boten zu machen?!

Zudem habe Ich auch einmal den Sadduzäern gezeigt, dass im Himmelreich alle irdischen Unterschiede aufhören, d.h. die irdischen Geschlechtsrechte. Alle sind den Engeln Gottes gleich und genießen das eine Recht, nämlich Gottes Kinder zu sein. [RB.01_084,07 f]

2.17.
Wie hat denn ein Johannes, ein Jakobus, ein Petrus, wie auch ein Paulus den Herrn geliebt? Wie liebte Ihn eine Magdalena und tausend andere mehr? Siehe, diese waren in den Herrn vollkommen verliebt, noch um einige Grade stärker als du in deine holdeste Mathilde. Und eben solch ein Verliebtsein in den Herrn hat in diesen Wesen den Grund gebildet, dass sie als rechte Liebhaber des Herrn ehestmöglich zu Seinen innigsten Freunden und zu Meistern der Liebe und Weisheit geworden sind. – Dort hinter dem Herrn stehen Petrus, Paulus und Johannes. Gehe hin und frage sie, ob ich nur eine Silbe unwahr geredet habe!“ [RB.02_247,06]


AUS: SCHRIFT-TEXT-ERKLÄRUNGEN (Jakob Lorber)
2.18.
Was ist nun wohl besser: den Leichnam in das Grab legen oder den Lebendigen über dem Grabe finden? – Ich meine, es wird offenbar das Zweite besser sein denn das Erste.

Warum aber fand die Magdalena, was Joseph von Arimathia nicht gefunden hat? Weil sie wenig gelesen, aber viel geliebt hat; Joseph aus Arimathia aber hat viel gelesen – wie Nikodemus –, aber dafür weniger geliebt. Daher hatte er auch mit dem Leichnam zu tun, – Maria aber mit dem Lebendigen! [Ste.01_007,21 f]

AUS: PREDIGTEN DES HERRN (Gottfried Mayerhofer)
2.19.
Der vorherige Evangelientext behandelte Meinen Einzug in Jerusalem und im Tempel; der obenerwähnte beschreibt Meine Grablegung und Auferstehung, sowie Meine Erscheinung bei verschiedenen Meiner Jünger und der Magdalena. Zwischen dem Einzug in Jerusalem und Meiner Grablegung liegt Meine gerichtliche Verurteilung, liegen Meine größten, als Mensch und Gott ausgestandenen Schmerzen, Meine größte Demütigung als Schöpfer und Herr der Welt und der Beweis Meiner größten Liebe, der nur Ich allein fähig sein kann, indem Ich ungeschaffener, ewiger Gott und Herr Mich dem allem unterzog, um Meinen geschaffenen Wesen und Geistern als Beispiel voranzugehen, damit sie alle sehen können, was dazu gehört, ein Kind Desjenigen zu sein, der Welten, Sonnensysteme und große Geisterreiche ins Leben rufen konnte und auch wieder aus demselben vertilgen könnte, wenn Sein mächtiger Wille nicht eben durch die allumfassende Liebe zur Erhaltung statt zur Vernichtung des Geschaffenen angeregt würde.

Die letzten Tage Meines irdischen Lebenswandels sollten allen Geistern den tatsächlichen Beweis liefern, dass jeder, der einen Gottesfunken in sich trägt, auch, weit über alle Begriffe geschaffener Wesen hinaus, noch größerer Aufopferungen und Verleugnungen fähig ist, und zwar nicht seines eigenen, sondern des Heiles anderer wegen. [PH.01_019,01 f]

AUS: HIMMELSGABEN (Jakob Lorber)
2.20.
Nochmals: „Rühre Mich nicht an!“
Frage: „Bei Matthäus, Kap. 28,1 heißt es: ‚Bei der Morgendämmerung der ersten Tages nach dem Sabbat gingen Maria Magdalena und die andere Maria, das Grab zu sehen.‘

Und Kap. 28,9 heißt es weiter:Und siehe, Jesus begegnete ihnen und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten hinzu, umfassten Seine Füße und beteten Ihn an.‘ – Nach dem Evangelium des Johannes, Kap. 20,17 wollte Magdalena Dich, o Herr, anrühren. Und Du sprichst zu ihr: „Rühre Mich nicht an!“ – Nach dem Evangelium des Matthäus, Kap. 28,9 dagegen, hat Maria Magdalena sowohl als auch die andere Maria Deine Füße umfasst. Und in der gestrigen Erklärung heißt es dagegen: ‚Hätte denn da sollen eine bekehrte Hure zugrunde gehen, so sie Mich angerührt hätte?‘

O Herr, sende gnädigst Dein Licht, um dieses Dunkel aufzuhellen! – Es sei kein Wille, weder in der Höhe, noch in der Tiefe, denn der Deinige! Und was da geschieht in der Höhe wie in der Tiefe, geschehe nach Deinem heiligen Willen! Amen. Damit dadurch Dein heiliger Name allezeit möchte gepriesen, gelobet und verherrlicht werden! Amen. Amen.“

Der Mensch, der solches nicht begreift, ist blind, taub und stumm – oder er ist gleich dem fruchtlosen Feigenbaum, den ein Gärtner lange Zeit im Garten pflegte, und da der Baum nichts als Blätter zum Vorscheine brachte, kamen die Knechte und meldeten es dem Herrn und rieten ihm, solchen fruchtlosen Baum abzuhauen, dass er nicht fürder vergeblich Platz wegnehme in dem so köstlichen Garten. Da aber der Herr solches vernommen hatte, so sprach er: „Lasset ihn noch stehen ein Jahr, reinige und dünget ihn, und so er dann keine Frucht bringen wird, dann falle eure Axt über seine Wurzeln und fälle ihn zum Verbrennen!“

Siehe, du, der du fragest um so leichte Dinge aus deinem eigenen Widerspruche, dir sei es gesagt, dass es schwer ist, zweien so zu dienen, dass es jedem zur Genüge wird, dem Freunde wie dem Feinde! – Wenn es dich um Mich kümmert, was kümmerst du dich denn der Welt? – So du aber sorgest, um der Welt ebenen Pfad zu leihen, wo soll da wohl geistige Frucht werden?

Siehe, Mein Wille steht höher denn der Wille der Welt! Willst du aber beides, als da ist: ein Glück der Welt, dem entgegen ist Meine Gnade – höre, das kann nicht sein! – Ich sage aber, es wird das erste schon ohnehin zur rechten Zeit kommen. Aber alle deine und deiner Kinder Wege sollen genau gerichtet sein nach Meiner Gnade – dann werde Ich sorgen für alles! – So es dir aber behaget zu tragen so manche unnötige Weltsorge, so trage sie immerhin, aber habe ja acht, dass die Zahl eins nicht zu einer Legion gebrochen wird.

Die Liebe der Eltern ist allezeit blind gegen ihre Kinder. Sie sehen nicht den Samen, sondern nur den Baum und bedenken nicht, was alles in einem Samenkorne verschlossen ist. Es geht aber der gute Same mit tausendfältiger Frucht nur in Meiner Erde auf. In der Erde der Welt aber erstickt er alsobald. Aber der Weltsame gedeiht gar wohl, alles Unkraut hervorbringend, in der Welterde. Aber frage dich selbst, wozu nütze? Höre! – Zu Meinem Reiche und für Meine Scheuern nicht!

Siehe, dieses in dir selbst bestehenden Widerspruches wegen sagte Ich dir dieses, damit dir dein Widerspruch des Evangeliums klar werde. Dieses aber merke dir ganz besonders: Wie du jetzt weißt, wer Der ist, vor dessen Augen alle Geheimnisse offen liegen, so solltest du denn auch, wenn dir in weltlichen Dingen Irrwege vorkommen entweder für dich oder deine Kinder, wissen, dass nur Ich es bin, dem der rechte Weg allein bekannt ist. – Nun, derzeit sorge somit du für deine etlichen drei – und lasse für die übrigen Mich sorgen!

Und damit der Matthäus in dir schuldlos werde, so nehme diesen Widerspruch auf dich und verstehe, wenn Ich sage zu Magdalena: „Rühre Mich nicht an, sondern falle zuvor vor Mir nieder, umklammere die Füße und bete Mich an im Geiste und aller Wahrheit, und gehe dann hin zu Meinen Brüdern und sage ihnen, dass Ich auferstanden bin!“

Desgleichen sollet auch ihr tun und nicht eher nach der Weisheit trachten, sondern nach der wahren, reinen Liebe, die da entspricht Meinen Füßen und daraus zunächst nach der Läuterung eurer Liebe, die in ihrer größten Reinheit doch noch immer etwas Sinnliches an sich hat (und demnach ist gleich den „Füßen“ aus Mir, auf welchen allein ihr zum Leben eingehen könnet). Daher soll auch euch vorderhand nicht gestattet sein, Meine Weisheit „anzurühren“, bevor nicht Meine Füße in aller Liebe erfasst worden sind.

So ihr aber saget: Herr, wie ist hernach die Antastung des Thomas zu verstehen?“ – Da sage Ich: Auch er musste seine Blicke an die Wundmale der Füße und Hände richten, bevor Ich ihn hieß anzurühren Meine breite und weite Wunde der Brust. – Damit aber dir, Frager, dein eigener Widerspruch klarer werde, so will Ich dir noch einen Grund davon zeigen, warum Ich zu Magdalena vorerst sagte: „Rühre mich nicht an!“ und hernach aber doch zuließ, dass sie mit den übrigen Meine Füße umklammerte.

Siehe, Magdalena war auch sinnlich in Mich bis zur Eifersucht verliebt und hielt Mich förmlich für ihren einzig erwählten Liebhaber. Sie hatte von Mir nur die Meinung, dass Ich ein großer Prophet sei, aber Meine Göttlichkeit war ihr noch fremd. In Anbetracht ihres verliebten Herzens hatte somit durch Mein Leiden und Sterben auch niemand so viel verloren wie gerade sie, da sie nicht nur ihren Retter, Herrn und Meister, sondern im Ernste ihres Herzens auch ihren einzigen Geliebten verloren hatte; daher sie auch untröstlich war.

Sehet, daher kam's denn auch, dass sie die erste war, die sich nach Mir erkundigte im Beisein der übrigen, die ebendasselbe mehr aus andächtiger Trauer als aus solch unbesiegbarer Liebe taten.

Als sie Mich, ihren verlorenen Geliebten, nun auf einmal vor sich stehen sah, da war ihr Herz aus allen Fesseln gehoben. Sie schrie auf und wollte alsogleich im Ausbruch ihrer leidenschaftlichen Liebe auf Mich losstürzen. Nun aber bedenke, wer und was Ich bin – so wird dir klar das „Noli me tangere!“ – Bedenken sollst du aber auch Magdalenas starke Liebe, und dir wird klar die Umfassung Meiner Füße.

Und denke noch hinzu, dass Mein Liebling Johannes Mir aus der Seele, Matthäus aber aus Meinen „Füßen“ schrieb, so wird dir alles dieses noch klarer werden – und begreiflich auch die große Buße der Magdalena nach Meiner vollen Auffahrt, da sie erst dadurch erfahren hat, wer eigentlich hinter ihrem vermeinten Geliebten war, worauf sie Mich dann erst durch ihre große Buße im Geiste der Demut und dadurch in aller Wahrheit hat zu lieben angefangen.

Ich sage dir aber, so Mich jemand nicht lieben wird gleich der Magdalena, der wird Mich nicht finden fürder und eingehen zum Leben auf „Meinen Füßen“ und wird nimmer eine Auflösung finden im steten Widerspruche seines Weltlebens. Siehe, Mein Reich ist von größter, heiligster Klarheit, und es kann nichts Unreines je hineinkommen. Daher denke nur an den Feigenbaum ohne Frucht im Garten und an den Diener zweier Feinde – und löse den Widerspruch in dir! – Vergesse in der Zukunft nie mehr ob der Welt, wer Ich, dein Gott, dein Vater, dein allzeitiger Ratgeber bin!

Siehe, heute rede Ich, morgen handle Ich und übermorgen möchte Ich kommen! – Wer nicht zu Hause sein wird, vor dessen Wohnung werde Ich vorüberziehen! – Amen. – Das sagt, Der da Sich allezeit umklammern lässet Seine Füße! [HiG.01_40.12.17 ff]

2.21.
Sehet, sonach ist ja schon wieder alles in der schönsten Ordnung. Was die ersten drei der Mitteilung für geringfügig halten, das muss der Vollendete dennoch bekennen und es aussagen! – Ist nun noch irgend ein Widerspruch vorhanden? – Und also bliebe schließlich nur noch Meine Erscheinung den Weibern zu erwähnen übrig.

Bei Matthäus erscheint Jesus nur der Magdalena und der anderen Maria, als sie schon auf dem Wege sind zu den Aposteln und Jüngern, unweit des Grabes.

Bei Markus erscheint Er zuerst der Magdalena und wird nicht gesagt, ob Er auch den andern erschienen ist, sondern es wird solches nur unbestimmt dadurch angedeutet, da gesagt ist, zuerst der Magdalena und von selbst verstanden werden solle, hernach auch den andern.

Bei Lukas erscheint den Weibern Christus gar nicht; und Petrus eilt ohne Johannes erst nach der Nachricht zum Grabe.

Bei Johannes kommt gar nur die Magdalena allein zu den Jüngern und sagt ihnen, dass der Stein abgewälzt ist (Joh. 20,2); – und nachdem Petrus und Johannes wieder zurückkehren, da erst erscheint allein ihr der Herr und verbietet der Zudringlichen die Anrührung (Joh.20,14.17) und ist da weiter von keiner andern die Rede.

Wie alles Frühere, so hat auch dieses alles ganz besonders vorzugsweise einen inneren, allein geistigen Grund. Was daran das Geschichtliche betrifft, so haben eigentlich nur Magdalena zuerst und dann auch die Maria Johanna Jesum gesehen, und zwar die Magdalena zuerst, da sie dann sogleich über Ihn herfallen wollte, aber zurückgewiesen ward. Darauf Ihn dann erst auch die Maria Johanna ersah und dann mit der Magdalena zu Seinen Füßen hinfiel und diese gemeinschaftlich umfasst wurden von beiden (Matth.28,9). Maria Jakob und die Salome sahen zwar nichts (Mark.16,1), sondern empfanden nur die Nähe des Geistes des Herrn. Die drei noch andern aber merkten von der Erscheinung des Herrn nichts und waren unterwegs sogar sehr bemüht, den zweien ihr Gesicht als ein reines Werk ihrer erhitzten Einbildung darzustellen.

Was die erste Benachrichtigung an den Petrus betrifft, so ist da wirklich nur allein die Magdalena die Botin gewesen, und alle anderen sind im Garten geblieben, in dem das Grab in einen Felsen gehauen war – und haben also fünfe den Petrus und den Johannes übersehen. Und nur die Maria Johanna sah den Petrus kommen und abgehen, aber den flinken Johannes hatte auch sie übersehen und hätte auch den Petrus sicher übersehen, so sie nicht die fast außer Atem daherkeuchende Magdalena sobald darauf aufmerksam gemacht hätte. Dass sich aber weder Petrus noch Johannes lange am Grabe aufgehalten haben, erklärt sich wohl aus der großen Furcht, welche sie da vor den Juden hatten.

So ihr nun dieses alles zusammenfasset, da kann es euch doch unmöglich mehr schwer werden, den Grund dieser sich scheinbar widersprechenden Angaben der vier Evangelisten mit den Händen zu greifen. Denn je nachdem die Angaben waren von Seiten der verschieden sehenden Weiber an die Apostel und Jünger, also waren auch die Aufzeichnungen nach dem Glauben der Schreiber verschieden; denn obschon sie unter der Leitung Meines Geistes alles dieses geschrieben haben, so war aber ihr Wille dennoch ganz frei und so auch ihr Urteil und ihre Annahme danach. Und so selbst ihr Wille durch die erfolgte Wiedergeburt ein gerichteter gewesen war, da war aber demnach ja ihre Mitteilung, was noch mehr ist, vollkommen Meinem Willen gemäß. Und so ihr dieses alles wisset, da lasset euch durch solche Mückenklüfte nicht mehr beirren, sondern werdet dafür eifrige und wahre Täter des Wortes, so werdet ihr gar bald an keinen Widerspruch mehr stoßen.

So ihr aber nur bloße Hörer des Wortes seid und möchtet dasselbe unter die träge Ordnung eures Verstandes bringen, da werdet ihr freilich gerade dort die größten und die ärgsten Widersprüche finden, wo es sich um eure ewige Auferstehung handelt! – Wenn ihr aber schon durchaus kritisch zu Werke gehen wollet, da fasset zuerst die Ordnung der aufeinanderfolgenden Evangelisten und vergleichet sie mit den vier Hauptzuständen des Menschen, das heißt, von seinem äußersten Glauben bis zur innersten Wiedergeburt; oder da der Mensch am Abende beginnt, durch die Nacht versuchet wird, bis dann die Morgendämmerung anbricht und also stets zunimmt bis zum Aufgange des ewigen Lebenstages durch Johannes! – Verstehet ihr das, so werdet ihr ewig an keine Widersprüche mehr stoßen. [HiG.03_42.03.28,13 ff]

2.22.
Ich schonte sicher jedes Sünders – der Ehebrecherin Schuld schrieb Ich in den Sand; von einer Buhldirne ließ Ich Mir die Füße salben; bei einem Zöllner und öffentlichen Sünder speiste Ich; die voll Aussatzes der Geilerei waren, reinigte Ich; Meinen Verräter begrüßte Ich als einen Freund; den Mörder am Kreuze nahm Ich ins ewige Paradies auf, und für alle, die Mich kreuzigten und kreuzigen ließen, bat Ich am Kreuze sterbend den heiligen Vater um Vergebung. Nur die Industrieritter wurden ohne Rücksicht und Schonung aus dem Tempel mit Stricken getrieben, und der reiche Prasser musste zur Hölle! – Aus dem könnet ihr schon den Maßstab finden, wie dies Geschlecht bei Mir in Gnaden steht und stehen wird ewig amen, amen, amen. – – – [HiG.03_47.06.13,15]


3. Kommentar


Gerard Huige

Viel wird über Maria Magdalena spekuliert, wer sie war und was sie tat. Leider werden viele Menschen über ihre Person falsch unterrichtet. So wird erzählt [von einigen Schriftstellern], dass sie eine große Eingeweihte war und eine der wichtigsten Anhängerinnen Jesu war. Nichts ist weniger wahr und wo die Wertvorstellungen der Fantasie freien Lauf lassen, liest man solche Dinge nur zu gern, weil wenig über sie bekannt ist. Wer war sie aber in Wirklichkeit?

In der Bibel lesen wir deutlich, dass diese Frau eine besondere Bindung zu Jesus hatte und dies war entstanden, nachdem Jesus sie von den sieben Dämonen befreit hatte (Lukas 8:2). Maria Magdalena war Prostituierte, bevor sie bekehrt wurde. Dies wird nicht so explizit in der Bibel erwähnt, jedoch wohl in den Neuen Offenbarungen des Johannes von Jakob Lorber.

Direkt vor dem Textteil, worin beschrieben wird, wie sie von den Dämonen befreit wurde, gibt es einen Abschnittteil über eine Sünderin, die zu Füßen Jesu fiel und ihre Sünden wurden vergeben (Lukas 7:37). Aus der Beschreibung könnte man die Vorstellung gewinnen, dass dies eine Prostituierte sei. Gibt es Hinweise darauf, dass dies Maria Magdalena ist, oder gibt es außerhalb der Bibel auch andere Quellen, die mehr über ihr Leben erzählen? Ja, das liest man in den Neuen Offenbarungen von Jesus durch Jakob Lorber.

Maria Magdalena wird in allen vier Evangelien erwähnt. Wir treffen Maria Magdalena mit anderen Marias, besonders auf Golgatha beim Kreuz (Matthäus 27:56, Markus 15:40; Johannes 19:59). Sie bleibt bis zuletzt bei Jesus und sieht, wo Er begraben ist. (Matth. 27: 61; Markus 15:47) und sie ist es auch, die am Morgen seiner Auferstehung mit anderen Frauen zum Grab im Hof von Joseph geht, um das Grab zu sehen. (Matth.28:1, Mark.16:1, Joh. 20:1). Dort trifft sie den auferstandenen Jesus, jetzt nun Jesus Christus (Markus 16:9, Johannes 20:11-18, siehe auch Lukas 24:10).

Man sagt uns, dass sie Jesus auf seinen Reisen (aus Galiläa) lange Zeit gefolgt war, zusammen mit anderen "bemittelten" Frauen, die Jesus folgten und Ihm aus ihren Gütern dienten (Luk. 8:2 u.f). Man nennt sie (auch zur Unterscheidung von anderen Marias): Maria Magdalena oder Maria von Magdala (eine kleine Stadt nördlich von Tiberias, genannt Migdal). Die Evangelisten erwähnen, dass Jesus sie von sieben Teufeln erlöst hatte.

Man könnte vermuten, dass Lukas (in Lukas 8:2) auch Maria Magdalena nennt, weil er in ihr dieselbe Frau sieht wie "die Sünderin" des vorigen Kapitels. Maria Magdalena wird jedoch manchmal mit der Sünderin von Lukas 7:36 ff. "verwechselt" (eine Frau mit langen, lockeren Haaren, die von Jesus von sieben "Sündengeistern" erlöst wurde). Markus 16:9: ‚Und als Jesus am ersten Tag der Woche frühmorgens auferstanden war, erschien er zuerst Maria Magdalena, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte.‘

Maria Magdalena war eine ehemalige Hure und Tänzerin für die Großen der Welt und der Heiden. Im zwölften Jahr war sie von sieben Teufeln besessen und wurde von Jesus erlöst. Dann tat sie danach viele gute Werke und bereute ernsthaft ihre Vergangenheit, Jesus bezeichnete ihre Liebe als besonders und rein wie die Liebe Seiner physischen Mutter Maria. Maria Magdalena und viele andere, wie Johannes, Jakobus und Petrus, liebten Jesus sehr, besonders Maria Magdalena hatte sich in den Herrn verliebt. Eine solche formelle Verblendung in den Herrn hat sie zu wahren Liebhabern des Herrn, zu seinen lieben Freunden und Meistern in wahrer Liebe und Weisheit gemacht.

Maria Magdalena war nicht nur geistig, sondern auch körperlich in Jesus verliebt. Sie war eifersüchtig und nahm förmlich an, dass Er [Jesus] ihr einziger geliebter Auserwählte sei. Sie betrachtete den Herrn als einen großen Propheten, aber seine Göttlichkeit war ihr bis nach der Auferstehung unbekannt. Erst – nach Jesu Kreuzigung - tat sie Buße und merkte erst dann, wer ihr Geliebter war!

Sie hatte ihr Herz in aller Aufrichtigkeit ihrem einzigen Geliebten geschenkt, den sie nun wegen des Leidens und Todes ihres Herrn, Meisters und Erretters verloren hatte. Deswegen war sie jetzt untröstlich. Ihre weltliche, leidenschaftliche Liebe zum Herrn war gerecht, aber der himmlischen Ordnung nicht völlig gemäß. Weil Maria Magdalena den Herrn am meisten liebte, war sie auch die erste, die Ihn nach seiner Auferstehung kommen sah. Sie war also nicht nur in geistiger Hinsicht in den Herrn verliebt, sondern auch körperlich [sinnlich] bis zur Eifersucht.

Nach dem Aufstieg Jesu bereute Magdalena ihre Gefühle, weil sie erst dann erfuhr, wer hinter ihrem vermeintlichen Liebhaber stand. Erst dann begann sie durch ihre große Buße im Geist der Demut und damit in aller Wahrheit Jesus zu lieben.

(Kommentar aus: Jakob Lorber International Bulletin, Januar 2019)