„Der größte Fehler, der bis jetzt immer zu verkehrten Resultaten geführt hat, ist, wenn selbst gute Menschen, um Meinen Gesetzen zu entsprechen, selbe nur im Wortsinne ausführen wollen, wo sie meistens sich täuschen und mehr Schaden anrichten als Gutes bewirken.“ (Siehe unten unter 5.8.)


 

Migration -

Mit Liebe und Weisheit den Mittelweg wählen

Über Armut, Hochmut, Nächstenliebe

und die Hilfe durch den Herrn

 

Klaus Opitz

 

 

1. Über die Verschiedenheit der Menschen und Völker
2. Die Erde, ein Gemeingut aller Menschen
3. Weiteres über die Armut
4. Winke über soziale Fragen
5. Hilfe durch Nächstenliebe
6. Hilfe durch den Herrn
7.
Zusammenfassung


Weltweit ringen Menschen und Völker um soziale, politische und religiöse Themen, um Armut, Flucht, Reichtum und Konfliktbewältigung. Es gibt Stimmen für Migration und es gibt Stimmen dagegen. Es wird die Vielfalt (Multikulti) gelobt und Deutschland als multiethnische Gesellschaft gepriesen und es werden sich abzeichnende Kulturkämpfe und religiöser Fanatismus vorhergesehen. Es wird mit Überfremdung argumentiert und die Nächstenliebe ins Feld geführt.

Um es vorweg zu sagen, konkrete Handlungsanweisungen oder gebrauchsfertige Rezepte gibt uns Jesus offenbar nicht. Wir müssen in freier Entscheidung unsere Meinung selbst finden. Aber es gibt viele Texte, die weiterhelfen können, auch wenn sie sich manchmal zu widersprechen scheinen.



1. Über die Verschiedenheit der Menschen und Völker


1.1.
Jesus in der Neuoffenbarung:Siehe, wenn Gott nicht die große Absicht gehabt hätte, auf dieser Erde Seine Menschengeschöpfe zu Seinen Kindern auszubilden, so hätte Er für sie die Erde auch ganz mager und höchst einfach mit ein paar Fruchtgattungen und nur mit wenigen zahmen Haustieren bevölkern können, gleichwie Er solches auf zahllos vielen anderen Weltkörpern getan hat, weil auf jenen die Menschengeschöpfe nicht dieselbe hohe Bestimmung haben! Damit aber auf dieser Erde der Mensch eine übergroß vorzügliche Gelegenheit habe, sich im Betrachten und Denken zu üben und dadurch die vollste Freiheit seines Willens kennenzulernen, so hat Gott für ihn diese Erde als sein Lebensschulhaus auch so außerordentlich mannigfaltig ausgestattet, dass der Mensch von seiner Wiege an bis zu seinem Grabe genug zu denken hat, allerlei Betrachtungen und Vergleiche anstellen kann und das eine als ein ihm zusagendes Gutes erwählen und das andere als ein ihm nicht zusagendes Schlechtes verwerfen kann.

So sind die zahllos vielen Gattungen der Tiere auf die mannigfachste Art tätig und lassen sich mit allerlei Stimmen hören und mit allerlei Gebärden sehen, und der Mensch hat da eine übergroße Gelegenheit, den Tieren allerlei nützliche Beschäftigungen abzulernen und sie zu veredeln und ins Große und Zusammenhängende zu übertragen. So waren die Vögel, manche Fliegen, Käfer, Grillen und sogar die Frösche die ersten Gesangslehrer der Naturmenschen, und die Meeresschnecken lehrten den Menschen die Schiffe bauen und mit Segeln weit umherfahren.

Aber wie Gott eben der Menschen wegen auf dieser Erde eine so außerordentliche Mannigfaltigkeit von allem möglichen in allen Reichen der Natur hervorgerufen hat, so hat Er aber auch die Menschen selbst in einer so außerordentlichen und nie abzusehenden Verschiedenheit sowohl in der Gestalt wie im Charakter werden lassen, dass ihr unter tausendmal tausend Menschen schwerlich je zwei finden dürftet, die sich so gleich sehen wie ein Auge dem andern. Das aber bewerkstelligte Gott auch aus dem Grunde, damit die Menschen sich in allem und vielem voneinander unterscheiden und eben dadurch sich auch gegenseitig mit mehr Liebe begegnen. Und auf dass sie sich gegenseitig stets mehr Liebe dienend bezeigen sollen, sind sie auch mit höchst verschiedenen Fähigkeiten wohl versehen worden.

Was da gesagt ist von einzelnen Menschen, ist auch für einzelne Gemeinden und gar für ganze Völker gültig. Weil es aber also ist – was auch tausendfache Erfahrungen lehren –, so ist dann aber auch wohl sehr zu berücksichtigen, dass nicht alle Menschen auf eine und dieselbe Art zu wecken und zu belehren und für Licht und Leben zu erwecken sind. Was aber gegenüber einzelnen Menschen gilt, das gilt auch gegenüber ganzen Gemeinden und gegenüber ganzen Völkern.“…

Überall ist vor allem darauf zu sehen, auf was für Boden sie erstens naturgemäß, und auf welchem sie moralisch stehen. Wenn man das erforscht hat, dann erst kann man die Wege bestimmen, auf denen man sich diesen und jenen Menschen fruchtbringend nähern und sie für die Wahrheit und für das Licht des Lebens gewinnen kann.“ (GEJ.06_152,09 ff)  

 

1.2.
Sagt die Jarah:O ja, Herr, Du meine alleinige Liebe, wahre Kinder bedürfen einer festeren Erziehung denn die Kinder der Sklaven; denn die Kinder des Hauses werden nach ihren Eltern, oder auch mit ihnen für das gesamte Hauswesen zu sorgen habend, erzogen, während die Kinder der Sklaven nur so viel zu wissen brauchen, als ihr stets gleicher und höchst einförmiger Dienst erfordert. Freilich wäre da noch sehr zu fragen, warum Gott der Herr es zulässt, dass auf dieser Erde ein Mensch dem andern als ein allzeit elender Sklave dienen muss und der Herr des Sklaven sogar vom Kaiser aus die Macht über sein Leben und über seinen Tod hat.“

Sage Ich:Ja, meine liebste Tochter, um das zu erörtern in der Fülle, würde uns alle viel zu weit führen; aber ein paar Gleichnisse will Ich dir und dadurch auch all den andern darüber geben. Wer sie fassen wird, dem wird nebst dem noch so manches klar werden; und darum merket und horchet wohl auf Mich:

Man hat verschiedene Getreidearten, als den glatten und bärtigen Weizen, die zweizeilige und vierzeilige Gerste, das hohe Korn, den Hafer, den großen Maisweizen; dann hat man die Linsen, die Wicken und verschiedenen Gattungen von Bohnen; und sehet, diese verschiedenen Gattungen brauchen auch stets einen verschiedenen Boden, ohne den sie gar nicht gedeihen würden. Eine Getreideart braucht einen festen Lehmboden, die andere auch einen Lehmboden, der aber stets gut gedüngt sein muss, ansonst aus dem Getreide nichts wird. Wieder braucht eine andere Getreideart einen lockeren und steinigen, und eine andere einen sandigen Boden. Manche Getreideart benötigt einen feuchten und wieder eine andere einen trockenen Boden. Das alles lehrt die Menschen die Erfahrung.

Gleichermaßen brauchen verschiedene Menschen auch eine verschiedene Erziehung, je nachdem ihre Herzen und Seelen vorderhand beschaffen sind. Wie es sich aber mit einzelnen Menschen als Kinder oft ein und desselben Vaters verhält, also verhält es sich auch mit ganzen Gemeinden und mit ganzen, großen Volksstämmen. Da ist ein Volksstamm, der braucht eine weiche, also mehr lockere Behandlung, und er gedeiht zum großen Segen der anderen Völker der Erde. Ein anderer Volksstamm braucht wieder eine harte Behandlung, ansonst er bald ausarten und verkümmern würde zum Fluche der Nachbarvölker. Wieder hat ein Volksstamm eine entschiedene Neigung zum Tyrannisieren und zum Herrschen über seine Nebenmenschen. Für die Seelen solcher Menschen ist dann nichts besser, als dass sie auf viele Jahre in eine rechte Sklaverei verfallen, da sie so recht durch und durch gedemütigt werden. Haben sie sich in der Demütigung wohl zurechtgefunden, und ertragen sie ihr Los endlich mit aller Geduld und ohne Murren, dann werden sie wieder zu freien Bürgern der Erde und werden nun als eine veredelte Frucht auf dem besten und fettesten Boden sicher bald überaus üppig fortkommen.

Sehet, das ist nun ein Bild, das eben für euch alle ganz leicht zu begreifen sein sollte, indem ihr doch schon so manches begriffen habt!

Um aber diese recht sehr wichtige Sache noch anschaulicher zu machen, so stelle Ich euch die Teile des menschlichen Leibes dar, von denen auch ein jedes Glied einer anderen Form, darum einer anderen Behandlung und, so es krank ist, natürlich auch eines anderen Heilmittels bedarf, damit es genese. So jemand einen Schmerz im Auge fühlt, muss er dagegen sicher ein ganz anderes Mittel gebrauchen als gegen den Schmerz in einem oder dem anderen Fuße. Wer da ein Leiden im Bauche hat, muss es anders behandeln, als hätte er eines in einer oder der andern Hand, und es muss bei den Krankheiten des Leibes auch darauf gesehen werden, ob sie junge oder alte und hartnäckige Übel sind. Ein junges Übel lässt sich oft mit einem leichten Mittel beheben, während ein altes einer starken Medizin nahezu auf Leben und Tod benötigt, um aus dem Leibe geschafft zu werden. Die Menschen aber entsprechen mit ihren Seelen immer auch den einzelnen Gliedern ihres Leibes. Je nachdem dann irgendeine Seele mehr einem edleren oder unedleren Gliede ihres Leibes entspricht, desto mehr muss sie auch entsprechend also behandelt werden wie das einzelne Glied, dem sie entspricht.

Aus diesem Bilde sind dann auch wieder die verschiedenen Verhältnisse der Menschen bezüglich ihrer seelisch-sittlichen Sphäre ebenso verschieden zu behandeln wie ihre einzelnen Glieder, denen sie in ihrer seelisch-sittlichen Sphäre entsprechen. Ein gar schlechter Zahn im Munde muss am Ende, wenn alle Mittel nichts helfen, ausgerissen und vertilgt werden, damit er die gesunden Zähne nicht anstecke; ebenso ein unverbesserlicher böser Mensch aus der Gemeinde, auf dass nicht die ganze Gemeinde durch ihn verdorben werde. Ebenso muss oft ein ganzes Volk, wenn schon nicht physisch, so doch moralisch vertilgt werden, auf dass am Ende nicht alle Völker der Erde durch dasselbe verdorben werden.

Sehe nach in der Chronika, und ihr werdet es finden, welch ein großes Volk einst die Babylonier, die Niniviten, die Meder, die Perser, die Ägypter, die alten Griechen und vor ihnen die Phönizier und die Trojaner waren! Wo sind alle diese Völker nun? Wo sind die Gomorriten und die Sodomiten und wo die Völker der zehn Städte? Ja, physisch bestehen sie wohl noch in ihren verwahrlosten Nachkommen, die aber nirgends mehr einen Namen haben und auch nie wieder unter dem alten Namen zu irgendeinem Volke dieser Erde werden; denn es ist kaum etwas noch irgend Schlechteres denn ein alter Name, an dem viel eitler, nichtssagender Ruhm klebt. Solcherart Menschen oder Völker halten sich am Ende eines solchen uraltberühmten Namens wegen für vieles besser und ehrwürdiger als irgendeine junge Völkerschaft, die durch Sanftmut, Demut und Liebe gegen ihre Brüder sich im vor Gott gerechtesten und somit seelisch gesündesten Zustande befindet.

Wenn ihr das nun so nur mit einiger Aufmerksamkeit betrachtet, so werdet ihr es bald finden, wie gut und gerecht der Vater im Himmel ist! Denn diese Erde hat einmal die feste Bestimmung, dass auf ihr für die ganze Ewigkeit Kinder des Geistes Gottes erzogen werden, und es ist darum nötig, dass der Boden stets mehr hart und mager als zu locker und zu fett gehalten wird. Das mit dem edlen Getreide aufschießende Unkraut hindert darum, weil es mit wächst und reift, das gesegnete Gedeihen der edlen Frucht nicht, dieweil es nachderhand dennoch wieder zum Düngen des hie und da zu hart und mager gewordenen Erdreichs gar sehr dienlich ist. Kurz und gut: Was Gott zulässt, ist gut, und am Ende ist dem vollends reinen Menschen dennoch alles rein, was die Erde in und auf sich und über sich trägt. - Saget, ob ihr alle dies nun von Mir Gesagte ganz verstanden habt?“ (GEJ.02_205,01 ff)

 

 

2. Die Erde, ein Gemeingut aller Menschen

2.1.
Denn siehe, als Ich die Welt erschaffen habe, da habe Ich keine Grenzsteine gesetzt, die Erde nicht mit dem Faden abgemessen und somit auch nicht gesagt: ,Siehe, dieser Teil gehört dem, ein anderer dem andern!‘, sondern Ich habe die ganze Erde zu einem Gemeingut für alle Menschen gemacht. Erst mit der Zeit hat der Geiz, die Habgier und Herrschlust der Menschen angefangen, die Erde abzumessen und mit Gewalt zu bestimmen: ,Dieser große Teil des Landes gehört mir, und wer mir dienen und arbeiten will, der soll auch ein kleines Stück Land gewisserart in Pacht bekommen; dessen ungeachtet aber bleibe ich der Herr des ganzen großen Stück Landes!‘

Und siehe, das war die erste sogenannte patriarchalische Verfassung unter den Menschen, – und so ungerecht sie auch an und für sich war, so war sie dabei aber dennoch die beste und gerechteste; denn war wie gewöhnlich der Patriarch ein guter und gottesfürchtiger Mann, so hatten es an seiner Seite seine Untertanen oder Kleinpachtbesitzer ebenfalls auch gut, denn er sorgte für das gemeinsame Wohl des großen Stück Landes.

Er besaß freilich für seine Person und sein Haus viele tausend Male mehr, als er benötigte, und war somit auch ein ungerechter Haushalter, – aber er verwendete seinen ungerechten Mammon zu lauter guten und Mir wohlgefälligen Zwecken und machte sich dadurch aus seinen Untertanen eine große Menge Freunde nach Meinem Willen und Wohlgefallen, und Ich musste ihm ebenfalls Mein Wohlgefallen und Mein Lob zukommen lassen.“ (GEJ.10_216,07 ff)

2.2.
Von Gott aus gehört die ganze Erde, so wie das im Anfange der Fall war, allen Menschen gleich; die Weisen sollen sie einteilen nach dem Bedarf der Menschen und sollen sie lehren, diese zu bebauen, und die Früchte sollen dann von den Weisen zum Teile verteilt und der Überfluss in den dazu errichteten Kammern und Speichern aufbewahrt werden, auf dass niemand in der Gemeinde Not zu leiden habe!

Aber so irgend die Reichen und Mächtigen alles an sich ziehen, so müssen dadurch dann ja auch gar viele tiefst verarmen und in allem Elende und großer Not ihr Leben dahin bringen, weil alles nur den wenigen Reichen und Mächtigen, den Armen aber nichts gehört – außer was ihnen die Reichen und Mächtigen für die für sie verrichtete schwere Arbeit kärglichst geben wollen.

Es kann aber nun die Sache nicht anders werden, daher seid ihr Reichen und Mächtigen wahre Freunde gegenüber euren armen Brüdern und Schwestern und erweiset ihnen Liebe; speiset die Hungrigen, tränket die Durstigen, bekleidet die Nackten, tröstet die Traurigen und erlöset die Gefangenen, die durch eure Habsucht, durch eure Macht und eure Gesetze unnötigerweise in den Kerkern dem Leibe nach schmachten, und noch mehr aber in den Kerkern der Nacht ihrer Seelen! Gehet hin und befreiet sie, und Ich werde euch erlösen aus der Macht des Todes und des Gerichts!

Seid in der Folge mit euren Erdengütern nur Meine Sachwalter, und Ich werde euch dafür geben das ewige Leben; denn Ich habe die Macht dazu und kann es geben, wem Ich es will! Mit dem Maße ihr ausmessen werdet, mit dem Maße wird euch wieder von Mir zurückgemessen werden.“ (GEJ.08_182,07 ff)

2.3.

… „Die Wanderung wird nun fortgesetzt, und in kurzer Zeit wird des Berges Höhe erreicht, wo das bekannte Grenzmonument steht. Hier wird wieder eine kleine Pause gemacht. Und Kaiser Karl tritt hervor und sagt: `Herr und Vater, siehe dieses Zeichen an! Es ist ein Werk aus meiner irdischen Zeit. Der Grund davon waren stete Grenzreibungen. Um solchen ein Ende zu machen, habe ich an besonders strittigen Punkten Grenzsteine setzen lassen. Und hie und da hat man sie dann auch mir zu Ehren gesetzt. Sage mir armem Sünder, ob ich da wohl recht gehandelt habe?`


Sage Ich: `Mein Freund, Grenzsteine sind nichts als Aushängschilder der Härte menschlicher Herzen! Es ist traurig genug, so ein Bruder dem anderen sagen muss: ,Bis hieher und nicht weiter!‘ Aber sind die Menschen einmal vom bösen Geist der Selbstsucht besessen, da werden sanktionierte Grenzsteine eine Notwendigkeit, weil sie der unersättlichen Habgier gewisse Schranken ziehen. Auch sind Marksteine zwischen Provinzen eine Notwendigkeit geworden. Das ist aus dem Gesichtspunkt der Notwendigkeit betrachtet gut, obschon an und für sich schlecht, weil der Grund, der sie notwendig macht, schlecht ist.


Lebten die Menschen nach Meiner leicht verständlichen Lehre und pulsten in ihrer Brust wahre Bruderherzen, dann wären auf der ganzen Erde keine Grenzsteine vonnöten. Die Habsucht, Herrschgier, der Geiz, der Neid und der Hochmut aber sind grundböse Dinge. Daher müssen ihnen Grenzen gezogen werden, auf dass sie nicht wie ein Krebsschaden stets weiter um sich greifen. Aus dem kannst du nun leicht beurteilen, ob deine Grenzmarken gut oder schlecht waren. Sie sind beides zugleich, so wie ein Gericht und der Grund des Gerichts, nämlich das Gesetz. Aber weder das Gesetz noch das Gericht sind gut, weil beide eine Folge des Bösen des menschlichen Herzens sind.


Siehe, in Meinem Reiche gibt es kein Gesetz und somit auch kein Gericht mehr. Denn Gesetz und Gericht sind nur Wächter und halten das Falsche und Böse in bestimmten Schranken. In den Himmeln aber können weder Gesetze noch Gerichte Platz haben, außer das Gesetz der reinen Liebe, welches aber eigentlich die höchste Freiheit selbst ist. – Ich sehe daher Grenzsteine sehr ungern an, weil sie nichts als Denksteine der Härte und Lieblosigkeit des Menschenherzens sind. Nun weißt du, lieber Freund, alles und brauchst daher über solche Nichtigkeiten nicht weiter nachzudenken.“ (RB.02_256,06 ff)


2.4.

Ihr werdet aber in der Folge auch dafür sorgen, dass dem alten Unfug gesteuert wird. Denn es solle nun nach Mir unter den Menschen also werden, wie es war in den Zeiten der ersten Menschen der Erde: Sie sollen als wahre Brüder freien Wandel haben auf dem Lande, das ihnen eigen ist, und sollen sich allenthalben mit der wahren Liebe begegnen und im Notfalle unterstützen nach Möglichkeit; aber sich gegenseitig in der gerechten Freiheit durch allerlei Quälereien beschränken, das ist nicht mehr himmlisch, sondern höllisch! Je mehr der Beschränkungen in der gerechten Freizügigkeit unter den Menschen durch habgierige und herrschsüchtige Menschen vorkommen werden, desto mehr der Hölle und desto weniger des Himmels wird unter den Menschen daheim sein.“ (GEJ.08_198,15 ff)


3. Weiteres über die Armut

3.1.
„…Es wäre darum nicht gut, den Menschen also zu stellen, dass er so ganz versorgt wäre dem Leibe nach; denn dann würde er am Ende so träge werden, dass er sich aber dann auch um nichts mehr kümmern würde. Und dieses Bestreben nach der trägen, sorgenlosen Ruhe ist wieder eine Eigenschaft des an und für sich toten Körpers; die Seele, die zum größten Teile ihre formelle Konsistenz sich erst bei gerechter Tätigkeit aus dem Leibe zu schaffen hat, würde in der sorglosen Ruhe des Leibes auch mit ruhen, da auch in ihr ursprünglich der Hang zur Untätigkeit überwiegend vorhanden ist…

Wenn der Mensch durch die Not so recht zum Denken genötigt wird, dann fängt bald die Erde unter seinen Füßen zu grünen an; ist er aber versorgt, so legt er sich gleich dem Tiere auf die faule Haut und denkt und tut nichts.

Siehe, Ich dürfte der Erde nur hundert nacheinander folgende sehr gesegnete Fruchtjahre geben, und alle Menschheit würde vor Faulheit wie die Pest zu stinken anfangen; aber da Ich stets gute und schlechte Fruchtjahre auf der Erde miteinander abwechseln lasse, so muss die Menschheit gleichfort tätig sein, muss in dem guten Fruchtjahre für ein möglich nächstkommendes schlechtes fürsorgen, um da nicht Hungers zu sterben. Und so bleibt die Menschheit wenigstens einerseits gleichfort in einer Tätigkeit; wogegen sonst die Menschheit nur zu bald in die vollste Lethargie übergehen würde. – Verstehst du auch solches?“ (GEJ.02_212,04 ff)

3.2.
So ihr aber nach Meiner Lehre Gott über alles liebet und darum auch euch untereinander also, wie sicher ein jeder sich selbst liebt und nach allen Richtungen hin für sein Bestes sorgt, so werdet ihr euch untereinander nie über irgendeine Not zu beklagen haben; denn die Not und die Armut unter den Menschen auf dieser Erde erzeugt einzig und allein ihre gegenseitige Lieblosigkeit, – diese aber ist stets die Folge des Un- oder finsteren Aberglaubens. Denn wer den Glauben an den einen, ewig allein wahren Gott nicht hat, – wie sollte er Ihn dann ehren und über alles lieben und aus solcher Liebe seinen Nächsten wie sich selbst?“ (GEJ.09_210,04)

3.3.
Wie aber kann sich denn ein Mensch vor dieser allerbösesten Leidenschaft (Hochmut) verwahren, da doch in einer jeden Seele der Keim dazu vorhanden ist und schon gar oft bei den Kindern einen beträchtlichen Wucherhöhepunkt erreicht hat? Durch die Demut allein ist dieses möglich!

Und es ist auf dieser Erde eben darum die Armut so überwiegend groß vor der Wohlhabenheit der Menschen, um dadurch den Hochmut gleichfort am scharfen Zügel zu haben. Versuche du, einem ärmsten Bettler eine Königskrone aufzusetzen und du wirst dich alsbald überzeugen, wie seine frühere Demut und Geduld mit mehr denn Blitzesschnelle verdampft sein wird. Und es ist darum sehr gut, dass es sehr wenig Könige und sehr viele demütige Bettler gibt.“ (GEJ.04_083,01 f)

3.4.
Es gibt in der Welt eine große Menge der Gefahren für die Seele. Auf der einen Seite hast du die Armut; ihre Begriffe von Mein und Dein werden desto schwächer, je mehr ein Mensch von derselben gedrückt wird. Darum lasset unter den Menschen die Armut nie zu groß werden, wollet ihr sicheren Weges wandeln!

Wer aber schon arm ist, der bitte die wohlhabenderen Brüder um eine nötige Gabe; stößt er an harte Herzen, so wende er sich zu Mir, und es soll ihm geholfen werden! Armut und Not entschuldigen den Diebstahl und den Raub nicht, und noch weniger den Totschlag eines Beraubten!

Wer arm ist, der weiß nun, wohin er sich zu wenden hat!

Es ist zwar die Armut eine gar große Plage für die Menschen, aber sie trägt den edlen Keim der Demut und wahren Bescheidenheit in sich und wird darum auch stets unter den Menschen verbleiben; dennoch aber sollen die Reichen sie nicht mächtig werden lassen, ansonst sie sehr gefährdet werden hier und dereinst auch jenseits.

Wenn ihr unter euch Arme habt, so sage Ich es euch allen: Ihr brauchet ihnen nicht zu geben, dass auch sie reich würden; aber Not sollet ihr sie nicht leiden lassen! Die ihr sehet und kennet, denen helfet nach Recht und Billigkeit! Es wird aber noch gar viele geben auf dieser weiten Erde, die gar entsetzlich arm sind und eine übergroße Not leiden. Allein ihr kennet sie nicht und vernehmet auch nicht ihr Jammergeschrei; darum lege Ich sie euch auch nicht ans Herz, sondern die nur, die ihr kennet und die irgend zu euch kommen.

Wer von euch ein Freund der Armen sein wird aus vollem Herzen, dem werde auch Ich ein Freund und ein wahrer Bruder sein, zeitlich und ewig, und er wird nicht nötig haben, die innere Weisheit von einem andern Weisen zu erlernen, sondern Ich werde sie ihm geben in aller Fülle in sein Herz. Wer seinen nächsten armen Bruder lieben wird wie sich selbst und wird nicht hinausstoßen eine arme Schwester, welchen Stammes und welchen Alters sie auch sei, zu dem aber werde Ich Selbst kommen allzeit und Mich ihm treulichst offenbaren. Seinem Geiste, der die Liebe ist, werde Ich's sagen, und dieser wird damit erfüllen die ganze Seele und ihren Mund. Was der dann reden oder schreiben wird, das wird von Mir geredet und geschrieben sein für alle Zeiten der Zeiten.

Des Hartherzigen Seele aber wird ergriffen werden von argen Geistern, und diese werden sie verderben und sie einer Tierseele gleichmachen, wie sie dann auch jenseits also offenbar werden wird.

Gebet gerne und gebet reichlich; denn wie ihr da austeilet, so wird es euch wieder zurückerteilt werden! Wer ein Hartherz besitzt, das wird von Meinem Gnadenlichte nicht durchbrochen werden, und in ihm wird wohnen die Finsternis und der Tod mit all seinen Schrecken!

Aber ein sanftes und weiches Herz wird von Meinem Gnadenlichte, das gar zarter und übersanfter Wesenheit ist, gar bald und leicht durchbrochen werden, und Ich Selbst werde dann einziehen in ein solches Herz mit aller Fülle Meiner Liebe und Weisheit.

Solches möget ihr wohl glauben! Denn diese Worte, die Ich zu euch nun rede, sind Leben, Licht, Wahrheit und vollbrachte Tat, deren Realität ein jeder erfahren muss, der sich danach kehren wird.“ (GEJ.04_079,01 ff)


4. Winke über soziale Fragen

Es lässt sich nun fragen, da der Herr nie ein Eigentumsrecht eingeführt und daher auch unmöglich je ein Gebot gegeben hat, durch welches man besonders ein erwuchertes Vermögen so vieler geiziger Wucherer respektieren soll, und das gegenüber einer Unzahl der allerärmsten Menschen, – ob man dann wohl stehlen dürfte, das nämlich, was sich solche `Wucherer`, dem göttlichen Gesetze zuwider, zusammengescharrt haben? Denn man nimmt doch einem Diebe nach den irdischen Gesetzen, sobald man ihn ertappt, seine gestohlenen Sachen weg. Sollte man denn nicht umso mehr das Recht haben, den allerbarsten Dieben und Räubern gegenüber dem göttlichen Gesetze ihre zusammengeraubten Reichtümer wegzunehmen und sie unter die Bedürftigen zu verteilen?

Nach dem Verstandesschlusse könnte man gegen diese Forderung gerade nichts einwenden; aber der rechte Mensch hat noch höhere Kräfte in sich als seinen Verstand. Was werden aber diese zu dieser Verstandesbilligung sagen?

Fragen wir unsere Nächstenliebe und unsere Gottesliebe. Was spricht sie in ihrem inwendigsten, ewig lebendigen Geiste aus Gott? Sie spricht nichts anderes, als was der Herr Selbst gesprochen hat, nämlich: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt! – Und wer sein äußeres Leben liebt, der wird das innere verlieren; wer aber sein äußeres Leben flieht und gering achtet, der wird das innere behalten. Das spricht alsdann der innere Geist.

Wir sehen nirgends eine Aufforderung, dass wir uns über die Güter der Reichen hermachen sollen. Der Herr Selbst spricht: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ So befiehlt Er auch nicht dem reichen Jünglinge, seine Güter zu verkaufen, sondern erteilt ihm nur den freundschaftlichen Rat nebst der Verheißung des ewigen Lebens.

Da wir sonach nirgends auf ein Gebot vom Herrn stoßen, durch welches Er ausdrücklich befohlen hätte, sich irgendwie des Reichtums der Wucherer zu bemächtigen, so liegt es auch sicher klar am Tage, dass ein wahrhaftiger Christenmensch nicht das Recht hat, sich über die Güter der Reichen herzumachen. – Selbst derjenige, der in der größten Not ist, hat vom Herrn aus kein irgend nachzuweisendes Recht, sich der Güter selbst eines barsten Diebes zu bemächtigen; wohl aber hat bei einem großen Notzustande ein ganzes Volk das Recht dazu.

Warum denn? Weil dann der Herr Selbst im Volke waltend auftritt und bewirkt dadurch für die nimmer satten Wucherer ein gerechtes Gericht. – Nur sollte sich da niemand, außer im höchsten Notfalle, erlauben, die Wucherer und die reichen Hartherzigen zu ermorden, sondern ihnen nur so viel von ihren höchst überflüssigen Schätzen wegzunehmen, als das Volk zu seiner Unterstützung nötigst bedarf, um sich wieder auf die Füße des friedlichen Erwerbes stellen zu können.

Dem reichen Wucherer aber solle noch immer so viel gelassen werden, dass er auf der Welt keine Not leide; denn das ist ja sein einziger Lohn für seine Arbeit. Der Herr aber will niemanden strafen, sondern jedermann nur belohnen nach der Art seiner Tätigkeit.

Da der Reiche und Wucherer aber nach diesem Erdenleben nichts mehr zu erwarten hat, da ist es ja recht und billig, dass er für sein Talent dort seinen Lohn findet, wo er gearbeitet hat.

Zudem will der Herr auch keinen Menschen auf dieser Welt völlig richten, damit da für einen jeden die Möglichkeit noch vorhanden bleibe, sich freiwillig von der Welt abzuwenden und zum Herrn zurückzukehren. Würde nun solch einem reichen Wucherer alles weggenommen werden, so erscheint er schon als völlig gerichtet; denn Verzweiflung wird sich seiner bemächtigen und eine endlose Zornwut, in der er unmöglich je den Weg des Heils betreten kann. Ist ihm aber noch ein genügendes Vermögen gelassen worden, so ist er fürs erste keiner irdischen Not ausgesetzt und erscheint auch nicht als völlig unbelohnt für sein Spartalent; fürs zweite aber kann er in diesem Zustande als nicht völlig gerichtet ja auch noch den Rat befolgen, den der Herr dem reichen Jünglinge gegeben hat, und kann dadurch zum ewigen Leben gelangen.

Am wenigsten aber sollen bei solchen äußersten Unternehmungen von Seiten eines tiefverarmten Volkes blutige Grausamkeiten ausgeübt werden; denn sobald solches geschieht, da wirkt nicht mehr der Herr mit dem Volke und das Volk wird seine Tat nicht gesegnet sehen! Denn wenn es heute siegen wird, so wird es morgen wieder geschlagen, und da wird ein Blut wider das andere fließen! Nie soll der Mensch vergessen, dass alle Menschen seine Brüder sind. Was er unternimmt, das soll er stets mit einem liebeerfüllten Herzen unternehmen; niemandem soll er je etwas Böses tun wollen, sondern allezeit nur etwas Gutes, besonders im geistigen Teile zum ewigen Leben Wirkendes.

Ist so sein Sinn beschaffen, dann wird der Herr seine Handlung segnen, im Gegenteile aber verfluchen! Denn so der Herr Selbst niemandem ein ewig tödlicher Richter sein will, dem doch alle Gewalt im Himmel und auf Erden eigen ist, und Er niemanden zu fragen hat, was Er tun oder nicht tun soll, um so weniger soll ein Mensch auf der Erde etwas nach seinem argen Willen tun.

Wehe aber dem Volke, welches ohne die äußerste Notwendigkeit sich gegen die Reichen und Mächtigen erhebt! Das wird für seine Tat bitterst gezüchtigt werden; denn die Armut ist des Herrn. Wer den Herrn liebt, der liebt auch die Armut; der Reichtum und das Wohlleben aber ist der Welt und des Satans! Wer nach diesem trachtet, was der Welt ist, und es liebt, der hat sich vom Scheitel bis zur Zehe dem Satan einverleibt!

Solange also irgendein Volk sich des Tages nur einmal halbwegs sättigen und noch das Leben erhalten kann, so lange auch soll es sich nicht erheben. Wenn aber die Reichen und Wucherer beinahe alles an sich gerissen haben, so dass Tausenden von armen Menschen augenscheinlichst der Hungertod droht, dann ist es Zeit, sich zu erheben und die überflüssigen Güter der Reichen untereinander zu teilen; denn dann will es der Herr, dass die Reichen bis zu einem großen Teile für ihre schändliche Eigenliebe und Habsucht gezüchtigt werden sollen.“ (GS.02_084,01 ff)


5. Hilfe durch Nächstenliebe

5.1.
Nirgends kann soviel Schaden gestiftet werden, als mit dem wörtlich genommenen Begriff der Nächstenliebe.“ (PH.01_038,34)

5.2.
Liebe ohne Weisheit und Weisheit ohne Liebe (können) nicht bestehen!“ (Sg.01_031,16)

5.3.
Simon Juda zu Jesus: „…Siehe, bei der Gelegenheit, als Du uns (die Apostel) und das Volk von der Liebe zu Gott und von der Liebe zum Nächsten belehrtest, da gabst Du auch an, dass man sogar die Erzfeinde lieben solle, und dass man segnen solle diejenigen, die einem fluchen, und Gutes tun denjenigen, die einem Böses tun, und dass man dem, der einem eine Ohrfeige gibt, noch die andere Backe hinhalten sollte, statt ihm eine Ohrfeige zurückzugeben.“…

Jesus:Das ist an und für sich schon ganz klar, dass man einem erzbösen Menschen durch eine zu große Gegenfreundschaft nicht noch mehr Gelegenheit verschaffen soll, dass er dadurch in seiner Bosheit wachse und noch immer ärger werde, als er vorher war. In diesem Fall wäre eine fortgesetzte Nachsicht nichts anderes als eine wahre Hilfeleistung für des Feindes überwachsende (zunehmende) Bosheit

Oh, sei du dessen sicher, dass Ich mit Meiner Predigt von der Nächstenliebe die Macht und Gewalt des Schwertes nicht im geringsten aufgehoben habe, wohl aber auf so lange hin gemildert, als die Feindseligkeit unter den Menschen nicht jenen Grad erreicht hat, den man mit vollem Recht den höllischen nennen kann! Bei den Alten nach dem Gesetz Mosis und der meisten alten Richter hieß es wohl: `Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn!`, aber da soll es bei euch nicht also sein, dass man derlei Gesetze buchstäblich nimmt, und dass man seinem Feinde nicht öfter denn siebenmal vergeben solle, wovon Ich euch zu öfteren Malen auch eine Erklärung gegeben habe, und die ihr auch wohl begriffen habt!“ (GEJ.10_215,04 f)

5.4.
„…Diese über alles sich ausbreitende Liebe soll der Maßstab für die Menschenliebe sein, welche in jedes Menschen Brust ihren Wohnort aufschlagen und als bleibendes Denkmal einer höheren Abkunft auch alle Gedanken, Worte und Taten auf sie beziehen soll.

Diese Liebe soll aber auch, wie die Meine, keinen andern Zweck kennen als den, alles zum Besten seiner Mitmenschen und seiner mitlebenden Wesen zu tun, wobei man natürlich dem Nächsten das von ihm Gewünschte nicht immer gewähren darf, sondern ihm auch manches versagen muss, so das Gewähren vielleicht Schaden statt Nutzen bringen würde.

Betrachtet Mich! Ich liebe euch Menschen alle, liebe euch mit einer Liebe, die ihr nicht begreifen, nicht fassen und nicht erwidern könnt, und doch sage Ich nicht zu allen Bitten, mit denen ihr Mich überhäuft: `Ja!`, sondern meistens das Gegenteil: `Nein!` Und warum? Weil ihr oft Dinge wünscht, die euch geistig schädlich wären! Und wenn diese Verweigerung dann Leiden und Kämpfe, Unglücks- und Trauerfälle über euch und die Eurigen bringt, so ist sie doch nur Ausfluss der Liebe, der Liebe eures himmlischen Vaters, der euretwegen alles erschaffen, euretwegen so manches erduldet hat und euch stets Undank, Verhöhnung, Verleugnung mit Segen vergilt.

Hier seht ihr, wie die Liebe aufgefasst werden muss, wenn sie nicht Böses, sondern Gutes bewirken soll. So müsst auch ihr eure Menschen- oder Nächstenliebe auffassen! Wie ein Vater auf Erden seinen unmündigen Kindern nicht alles gewährt, was sie in ihrem Unverstand von ihm verlangen, sondern immer den höheren Erziehungszweck im Auge behält, ebenso sollt auch ihr nur dann eurem Nächsten Gutes tun, wenn ihr überzeugt seid, dass gemäß eurer Einsicht nicht etwa ein Laster genährt oder euer Nächster im Nichtstun bestärkt, statt zur Arbeit gewöhnt wird.

Dies ist die Liebe, mit welcher Ich aus Meiner Weisheit heraus Meine Welten regiere. Ebenso sollt auch ihr mit euren Verstandeskräften den Trieb des Wohltuns bezähmen und regeln, damit nicht das entgegengesetzte Resultat die Folge eures, wenngleich edelsten Willens ist.“ (PH.01_038,11 ff)

5.5.
„…Es versteht sich aber von selbst, dass ihr dem, der Handlungen wider Gottes Gebote begeht, dazu nicht behilflich sein, sondern ihn davon abhalten sollet. So ihr das tut, dann übet ihr auch die Nächstenliebe aus, und euer Lohn im Himmel wird groß sein…“ (GEJ.10_139,03f)

5.6.
Wer immer dich um einen Dienst bittet oder um eine Gabe, dem verweigere nichts, vorausgesetzt, dass der von dir verlangte Dienst nicht den Geboten Gottes und den Gesetzen des Staates zuwider ist.“ (GEJ.04_078,06)

5.7.
"Als wir in unserem schönen Olivenhaine uns nun so ganz gemütlich wohl geschehen ließen, da sagte einer von den etlichen siebzig, unter denen sich die gewisse Ehebrecherin befand:

`Oh, wie sehr wohl geht es uns hier! Die höchste geistige Nahrung für unsere Seelen und die beste Kost für unseren Leib! Wie glücklich sind wir! Oh, möchten doch alle, die nun gleich uns unverschuldet in großem Elende stecken, in einen so glücklichen Zustand gelangen! Ich möchte, dass allen Menschen, die Not leiden, geistig und leiblich geholfen werde, so es möglich wäre!`

Sagte Ich: `Mein Freund, möglich wäre alles, aber aus gar vielen weisen Rücksichten nicht tunlich und zulässig. Es gibt eine Menge sehr dürftiger und mit allerlei Übeln behafteter Menschen, denen du nach deinem Mir sehr wohlgefälligen Herzen sicher gerne helfen möchtest; und siehe, wenn du ihnen nach deinem besten Wissen und Gewissen geholfen hättest, so wäre ihnen wahrlich gar nicht geholfen, sondern es würde an ihnen dadurch gerade nur das Entgegengesetzte bewirkt werden!

Es ist darum wohl sehr löblich von dir, dass du dich in deinem Wohlsein der Notleidenden und Elenden erinnerst und den Wunsch hast, ihnen zu helfen; aber es wäre da wahrlich nicht jedem geholfen, dem du geholfen hättest.

Siehe, niemand kennt die Not und das Elend der Menschen besser als Ich, und niemand ist barmherziger und liebevoller als eben auch Ich; aber es wäre allen Menschen mit Meiner alleinigen Liebe und Erbarmung wenig geholfen, wenn nicht Meine höchste Weisheit mit der Liebe und Erbarmung mitwirkte.

Ja, da geht es einer armen Familie schlecht! Sie hat keine Arbeit, kein Dach und Fach, kein Brot und leidet Hunger und Durst. Sie bettelt von Haus zu Haus, von Ort zu Ort und erbettelt sich im Tage oft kaum so viel, dass sie sich zur Not sättigen kann, während andere im vollen Überflusse leben und schwelgen und solch einer armen Familie die Tür weisen, so sie bittend zu ihnen kommt.

Es ist das von den Reichen, die solch einer armen Familie mit harten Herzen begegnen, gewiss böse, und du möchtest bei dem Anblick einer solchen harten Begegnung gewiss sagen: ,Aber, du großer, allgütiger und allmächtiger Gott, kannst Du wohl solch eine himmelschreiende Unbarmherzigkeit ungestraft dahingehen lassen? Vernichte solche Menschen mit Blitz und Feuer aus Deinen Himmeln!‘ Und siehe, Gott würde solchem deinem Anflehen dennoch kein Erhören schenken! Ja, warum denn aber das nicht?

,Soll die Lieblosigkeit der Menschen denn fort und fort wuchern auf dieser Erde?‘ Nein, sage Ich dir, das sei ferne! Aber sieh, es muss nach dem weisen Ratschlusse Gottes alles seine Zeit haben auf dieser Erde, auf der die Menschen zur wahren Kindschaft Gottes reif werden sollen!

Es hat somit der Reiche seine Zeit, reich zu sein und mit seinem Überflusse den Armen Barmherzigkeit zu erweisen, und der Arme hat seine Zeit, sich in der Geduld und Selbstverleugnung zu üben und seine Not und sein Elend Gott aufzuopfern, und Gott wird dem Armen bald auf die für sein Seelenheil beste Art helfen und eben also den harten Reichen zur rechten Zeit züchtigen. Denn es ist der Reiche wie der Arme zur Kindschaft Gottes berufen.

Es war aber unsere arme Familie einstens auch wohlhabend und war hart gegen andere Arme, und es hatte sich das Blatt ihres irdischen Glückes zum Heile ihrer Seelen notwendig einmal wenden müssen.

Würdest du ihr nun plötzlich helfen, so würde sie bald sehr übermütig werden und Rache an jenen üben, die ihr mit Härte begegnet sind. Wenn sie aber einmal in der Geduld recht durchgeprüft sein wird, so wird ihr nach und nach, und zwar so unmerklich wie möglich, geholfen werden, und sie wird darin die Fürsorge Gottes besser und heller erkennen, als so man sie von heute auf morgen in einen sehr glücklichen Wohlstand erhoben hätte.

Der harte Reiche aber wird auch nach und nach und von Punkt zu Punkt in einen misslicheren Zustand versetzt werden. Er wird bald da und bald dort in seinen Spekulationen einen Missgriff machen, wird eine schlechte Ernte haben, Schaden bei seinen Herden erleiden, er wird entweder selbst krank werden oder sein Weib oder eines seiner liebsten Kinder, und kurz, es wird Schlag auf Schlag über ihn kommen.

Wird er in sich gehen und sein Unrecht erkennen, so wird ihm auch wieder geholfen werden; wird er aber nicht in sich gehen und sein Unrecht nicht erkennen, so wird er um alles kommen, und dann auch den Bettelstab oder nach Umständen noch etwas Schlimmeres zum Verkosten bekommen.

Wer ihn dann in seiner Armut trösten und ihm unter die Arme greifen wird, der soll auch von Gott aus getröstet und belohnt werden; doch ganz helfen wird ihm niemand eher können, als bis es Gottes Wille zulassen wird. Daher sei du, Mein Freund, nun nur ganz ruhig und heiter; denn Ich weiß es schon, wer da zu einer Hilfe reif geworden ist!`“ (GEJ.07_092,01 ff)

5.8.
Es gilt beim Geben ebenfalls als erstes Gesetz, weise den Mittelweg einzuhalten, und auch hier gilt das Sprichwort: `Seid einfältig wie die Tauben, und vorsichtig wie die Schlangen`!

Der größte Fehler, der bis jetzt immer zu verkehrten Resultaten geführt hat, ist, wenn selbst gute Menschen, um Meinen Gesetzen zu entsprechen, selbe nur im Wortsinne ausführen wollen, wo sie meistens sich täuschen und mehr Schaden anrichten als Gutes bewirken.

Ich will dir einige Beispiele anführen. – Höre also: Nehmen wir an, du hast in deiner Begeisterung für Meine Lehre den Entschluss gefasst, dich all deiner Habe zu entäußern; du gibst – laut dem Wort im Evangelium – alles was du hast, den Armen, oder wenigstens Denen, welche sich vor dir als solche darstellen; glaubst du, du habest mit dieser Tat Meinen Willen und Meinem Gesetze entsprochen? Mitnichten, du hast vorerst dich von allem entäußert; heute tatest du, wie du meinst, sehr viel Gutes und morgen bist du selbst ärmer als die, welchen du gestern gegeben; du hast dich nicht allein deiner Habe entledigt, sondern du hast dir auch die Gelegenheit abgeschnitten, fürder Gutes zu tun und in manchen Fällen eine Träne zu trocknen, die aus einem Auge der Dankbarkeit geflossen wäre.

Deswegen ist richtig-helfen nicht eben so leicht, als man glaubt; du wendest Mir dagegen ein: `Ich habe als Christ meine Schuldigkeit getan, diese wird der Herr mir allein anrechnen; ob meine Gabe genützt oder geschadet, das geht mich nichts mehr an.` So vielleicht urteilst du, und Ich sage dir, du hast als blinder Wortreiter geglaubt des Guten etwas getan zu haben, aber du hast durch dein unzeitiges und etwa zu viel Geben vielleicht eine Seele von Mir entfernt, welche Ich auf dem Weg der Not zu Mir führen wollte.

Hättest du mäßig gegeben, so wäre für den Augenblick geholfen und für die Zukunft nicht geschadet gewesen, allein auf einmal einen Armen z.B. aller seiner Sorgen zu entheben, ist gefährlich, denn er vergisst seinen früheren Zustand gleich, und kann sich im neuen nicht leicht fassen.

Das beste Geben an Notdürftige ist, wenn man ihnen – so es möglich – Arbeit verschafft, damit sie arbeitend ihr Brot verdienen, welches besser ist als faulenzend von Tür zu Tür zu wandern; und wo dieses nicht sein kann, so macht es so wie Ich einst sagte: `Speiset die Hungrigen und kleidet die Nackten` usw. – dieses schadet niemand und wendet die Herzen euch selbst und Mir zu; alles andere aber artet leicht in Missbrauch aus!

Wie Ich schon früher sagte: Es gibt verschiedene Zustände in der menschlichen Gesellschaft. So wie du eine Menge Menschen unter dir hast, welche durch Geburt und Umstände, ob schuldig, ob unschuldig – in dürftigen Verhältnissen leben müssen, ebenso viele siehst du ober dir, die vom Glücke, wie ihr sagt, verfolgt, oft gar nicht wissen, was sie mit all dem Geld oder Gut tun sollten, welches sie besitzen, nicht eingedenk der Ehren und hohen Stellen, die sie vielleicht einnehmen, von Geburt aus, oder weil sie mit wohl berechnendem Verstande die Umstände zu benützen wussten, um vorwärts zu kommen.

Nun, gegen diese soll deine Nächstenliebe nur insofern sich äußern, dass du ihnen gegenüber – haben sie dir Vertrauen geschenkt, weil sie dich als rechtlichen Mann betrachten – dein Gewissen rein hältst und pflichtschuldigst erfüllst, was du ihnen beim Antritte deines Amtes gelobtest.

Deine Macht ist auf keinen Wirkungskreis angewiesen, höchstens durch Fürsprache dort Gutes zu wirken, wo eigene Mittel nicht auslangen. Was das geistige Wohl der über dir Gestellten betrifft, so lasse nur Mich machen, Ich finde schon die rechten Mittel, sie zur geeigneten Zeit mürbe zu machen, damit dann eigenes Unglück ihr Ohr geneigter gegen fremdes macht. So wirke du in deinem Wirkungskreise, gebe stets mit Liebe, gebe aber nur so viel, als den Umständen gemäß du für gut erachtest, das Andere lass dann Mir übrig.“
(Aus: Gottfried Mayerhofer, „Die Liebes-Gebote Jesu“, Abschnitt „2. Nächsten-Liebe“*)
*) Siehe linke Randspalte unter „Texte der Neuoffenbarung zu…“, Thema „Die Liebes-Gebote Jesu“

5.9.
„…In Meiner Schöpfung ist alles so geordnet, dass jeder Fehler gegen Gesetze, seien es moralische oder physische, sich von selbst strafen (kurz- oder erst langfristig!).

Nicht die Tat selbst ist es, die dein Gemüt adelt und es erhebt, es ist der Wille, mit welchem du sie verrichtest hast. Das Übrige überlasse Mir; wirst du auch betrogen, d.h., verwendest du manchmal deine Gaben an Unwürdige, das geht nicht mehr dich, das geht den Empfänger und vorerst auch Mich an. Das Betrogenwerden, wenn du es später auch erfährst, ist eine Lehre, nicht eine traurige Erfahrung für dich und soll dich erinnern an Mein Wort: Seid vorsichtig wie die Schlangen und dabei einfältig wie die Tauben!

Werde in Zukunft vorsichtiger im Geben und lasse nicht allein die Liebe, sondern auch den Verstand (Weisheit) mit walten, soweit es deiner Einsicht gestattet ist, das Wahre vom Falschen zu erkennen.

So lange du unter Menschen lebst, musst du die Menschen nehmen, wie sie sind und sie nicht verlangen, wie sie sein sollten; zudem werde schon Ich nach und nach die Mittel finden, sie alle zusammen unter ein Dach zu bringen.

Siehe auf Mich, wie Ich einst lebte unter euch Menschen und welche Lehre Ich euch hinterlassen habe, um eure geistige Würde wieder herzustellen; folge dieser Lehre der Demut, der Duldung und bereitwilligen Aufopferung und es wird Friede und deine Ruhe wieder zurückkehren, die du jetzt verloren wähnest.

Bedenke stets: Du bist Mensch und musst unter Menschen leben und nur im Ertragen ihrer Schwächen wächst deine geistige Stärke. Durch Absonderung von ihnen gewinnst du nichts, denn dein Geist schreitet nicht vorwärts, weil ihm die Nahrung, der Widerstand gegen sein eigenes Prinzipienleben fehlt, welches der Anreger zum geistigen Fortschritte, zur geistigen Vervollkommnung ist.

So, Mein Sohn, wirst du dann Meine beiden Liebesgebote im wahren Sinne erfüllen und Mir ein würdiges Kind hier und im Jenseits werden! Amen!“
(Aus: Gottfried Mayerhofer, „Die Liebesgebote Jesu“, Abschnitt 3, „Über die zwei Liebes-Gebote“)*)
*) Siehe linke Randspalte unter „Texte der Neuoffenbarung zu…“, Thema „Die Liebes-Gebote Jesu“

5.10.
Nach himmlischer Art kümmert man sich um nichts, denn nur allein um die Liebe und die Erkenntnis Gottes, für alles andere sorgt der Herr.“ –

Diese Stelle aus der `geistigen Sonne`*) führtest du an, um wegen deinem Zweifel einen Anhaltspunkt zu haben, auf welchem du dich stützend deine Gottes- und Nächstenliebe regeln und beweisen willst. Auch in den Evangelien findest du ähnliche Worte, welche denselben Sinn nur mit anderen Worten ausdrücken, - z.B. wo Ich zu Meinen Jüngern sagte: Sorget nicht für den morgigen Tag, denn jeder Tag hat seine Sorgen! – oder wenn Ich ihnen sagte: Sehet an die Lilien im Felde, sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht, und doch ist Salomos Kleid ein Nichts gegen ihre Pracht, - oder wenn Ich Meinen Jüngern verbot, weder zwei Röcke, noch einen Sack, noch einen Stock mit sich zu führen, usw. – Alle diese angeführten Stellen haben Wahres an sich, und dieses soll befolgt werden; allein wörtlich sie zu deuten, ist falsch, ist verkehrt.
*) Jakob Lorber: „Die geistige Sonne“, 2 Bände, Lorber Verlag

Der erste Satz, den du anführst, ist schon im ersten Worte widerlegt, indem es heißt: nach himmlischer Art. –

Wo bist du denn nun? Bist du schon im Himmel oder noch auf der Erde?

Siehe, jedes Verhältnis, in welches ein Mensch oder Geist gerät, hat auch seine Gesetze, nach denen gehandelt werden muss.

Du kannst also auf Erden lebend nicht ganz so handeln wie im Geisterreich, wie im Himmel es gang und gäbe ist; - Du sollst diese Begriffe modifizieren, du kannst bei deinen Handlungen hier auf Erden himmlische Seligkeiten durch dein eigenes Bewusstsein dir bewirken, aber diese Gefühle bleibend zu erhalten, oder ganz das Irdische hintan setzend, kannst du nicht handeln; denn du bist Mensch und nicht Geist; - Du musst von anderen Grundsätzen und Begriffen ausgehen.

Siehe, Ich will euch darauf hinleiten, und zwar mit einer einzigen Frage, welche du selbst bei jeder Handlung an dich stellen solltest, und diese Frage ist:

`Wie und unter welchen Verhältnissen kann ich das meiste Gute wirken?` -

Hierauf wird dir dein eigenes Herz antworten: Wenn du die Güter der Erde, welche der himmlische Vater dir anvertraut hat, benutzest, dass du mit deinen Gaben keinen Schaden machst, und dir stets zu ferneren Wohltaten Mittel genug übrig bleiben.

Wo kannst du mehr wirken, wenn du dich selbst zum Bettelstab verdammst, oder wenn du nach Maßgabe den Armen hilfst wie und wo du kannst?

Siehe, zu Meiner Zeit gab es auch Reiche und Bemittelte, welche zum Teil Meine Freunde waren, und Ich ihnen nichts nahm, sondern sogar noch mehr gab; Ich tat es, weil Ich wusste, wie sie die Glücksgüter der Erde zu verwerten wussten, und gab es ihnen deswegen, um die Tugend der Nächstenliebe im größten Maßstabe auszuüben.

Die Stellen, welche Ich oben aus dem Evangelium anführte, diese waren mehr jenen Verhältnissen anpassend, in denen Meine Jünger lebten, und in welche sie noch kommen sollten; ihnen war eine große Aufgabe zugemessen, deswegen mussten sie – um Mir nachfolgen zu können – Weib und Kind, Haus und Hof verlassen, weil als Lohn die Welt ihr Haus, und ihre Familie die Menschheit geworden war.

Du musst also alles den Umständen anzupassen verstehen; denn sonst geht es dir, wie einzelnen Menschen, die von allen Mitteln und Stoffen, welche ihnen von Mir zum zeitlichen Unterhalte gegeben wurden, nur zu großem Missbrauch machen.

Nehme die einfachsten Dinge, welche, missbraucht, Krankheit und Tod herbeiführen, während sie, mäßig angewendet, zur Gesundheit und zum Wohle des Menschen sind. Siehe, Feuer und Wasser usw., welche tödliche Wirkung des Missbrauchs und welcher Segen in geregelter Anwendung.

Eure neu erfundenen Kuren und Urheilmittel – wie wirken sie, wenn Vernunft sie leitet? Und was ist das Resultat, wenn übertriebener Eifer zu Extremen führt? -

Daher lasse deinem Geiste das Drängen nach Vereinigung mit der Seele; folge seinen Wünschen, aber verbinde sie mit deinen Lebensverhältnissen, in welche Ich dich gestellt habe, und sei versichert, dass Ich am besten wusste, dass unter diesen Verhältnissen deine Geistesfrucht am leichtesten zur Reife gelangen kann.

Siehe, was du gerne anstreben möchtest, ist mit denjenigen Menschen zu vergleichen, die in alten Zeiten als Märtyrer für Meine Lehre starben; Ich verlangte diese Opfer nicht von ihnen; sie hätten Mir bei Weitem mehr genützt, wenn sie am Leben geblieben wären, - sie stehen als Beispiele von höchster Aufopferung für sich selbst wohl da; aber mehr, ja bei weitem mehr hätten sie Mir genützt, wären sie in ihrem Amtseifer nicht zu weit gegangen und hätten durch längere Zeit nach und nach bewiesen, was sie mit ihrem heroischen Tode auf ein Mal mit einem Schlage vollenden wollten. –

Auch die Zweifel deines Mannes in Bezug auf Nächstenliebe `im Sinne Jesu` wie er sagt – gehören hierher; auch ihm will es nicht klar werden, dass es eigentlich nicht auf das Geben ankommt, was man gibt, sondern wie man es gibt.

Im Wie liegt der himmlische Jesus-Sinn; mit geistiger Nächstenliebe müssen die materiellen Opfer gebracht werden, dann wird der göttliche, der Jesus-Sinn überall Segen verbreiten, - der ausgestreute Samen wird Früchte tragen, wenn gleich nicht immer für den Empfänger, doch für den Geber. –

So muss die Nächstenliebe geübt werden; so übte Ich sie während Meines Lebenswandels, und so sollet auch ihr selbe bertachten, dann kehrt erst der wahre echte Friede in euer Herz ein.

Der göttliche Funke, Mein Geist der Liebe in euch gelegt, findet dann Nahrung, und kann seiner Vereinigung mit der Seele nachstreben, dann – obwohl mit irdischer Materie umkleidet – handelt die Seele göttlich.
(Aus: Gottfried Mayerhofer, „Lebensgeheimnisse“: „Gerechte Liebe, himmlischer und irdischer Art“ vom 28. Jan. 1872. Nach „Geistiges Leben“, Heft 2, 2016)


6. Hilfe durch den Herrn

6.1.
Sagt Petrus: … „Ich sage dir, es bleibt ewig bei dem, dass Menschen für sich allein gar nichts tun können. Tun sie dennoch etwas, so machen sie nur, dass ihr Zustand verschlimmert, nie aber gebessert wird. Ganz etwas anderes ist es, wenn eine reinere Gesellschaft von Menschen den Herrn um Hilfe und Schutz anfleht. Da legt dann der Herr Selbst die Hand ans Werk, und mit der Tyrannei hat es dann für immer ein Ende. Nur die Allmacht kann jede andere Macht schlagen! Des Menschen Ohnmacht aber vermag nichts ohne den Herrn. – Im Übrigen weiß der Herr genau, wie weit Er eine Tyrannei fortkommen lassen kann.

Ich sage dir: Der Herr misst eines jeden Zeit. Und so ist auch aller Tyrannen Zeit genauest bemessen. Es fehlt oft nur der letzte Tropfen, fällt dieser, dann ist die Zeit zu Ende. Darum sorge dich nicht mehr um die Verhältnisse der Erde! Der Herr versteht sie am besten zu leiten und zu schlichten.“ (RB.02_290,03 f)

6.2.
Der Apostel Petrus zu Robert Blum:Die Menschen der Erde sind freiesten Willens. Ja sogar die Erde liegt in ihren Händen. Beleidigen sie diese, so wird diese sie auch strafen wie zu den Zeiten Noahs. So aber Menschen sich an den Herrn wenden und Ihn bitten um eine gute Regierung, um Ruhe, Frieden und gute Ordnung – dann greifen auch wir in die Zügel des Regenten und leiten dann ihn und sein Volk auf den Weg, auf dem allein Glück erreicht werden kann. Darum sollen die Menschen ihren Regenten nie grollen und sie gar hassen, da auch sie Menschen sind. Sie sollen sie lieber segnen und den Herrn bitten, dass Er sie als ihre irdischen Herrscher lenke und segne. Dann werden sie glücklich sein in Hülle und Fülle. – Nun, habe ich recht geredet oder nicht?“ (RB.02_289,09)

6.3.
Jesus zu der Chinesin Chanchah in „Bischof Martin“:Aber es lässt sich diese (gegenwärtige) Ordnung ewig nimmer ändern, da unmöglich jedermann ein Herr sein kann. Würden vom Lama aus auch alle Menschen zu Herren gemacht sein, so dass da jeglicher hätte sein Haus und sein gutes Auskommen und niemand den andern zu bitten brauchte, was wäre dann mit der Nächsten- und Bruderliebe, und was mit der Liebe zum Lama? Sieh, diese ginge da rein unter, und doch müsste am Ende der Lama Geber und alle Menschen gebundene Empfänger sein, wie sie es nun sind und ewig sein werden!“ (BM.01_097,09)

6.4.
Ich sage:Eines tut not, nämlich rechte Liebe und ein wahres Licht; alles andere würde sich von selbst geben. Weg mit den zu übermäßigen Steuern, besonders mit herrschaftlichen, und weg mit dem Heidentume*), sonst wird es nimmer besser, sondern nur ärger von Stunde zu Stunde!...
*) Siehe aber auch linke Randspalte unter „Religionen / Kirchen (1)“, Thema „Von der Toleranz gegen Andersgläubige“

Wo ist denn einer, der nun Buße täte? Wo dann erst ein Volk, das sich zu Mir wendete zur Zeit der Drangsale?!

Ich aber sage: Wer nun durch andere Mittel als durch Mich nur suchen wird, sich Recht und Hilfe zu verschaffen, der wird untergehen, da er steht, und hätte er hundert Waffen um sich gestellt!“ (HiG.03_48.03.19,09f)

6.5.
Als nachzuahmendes Beispiel aber zeigen sie (die Tränen Jesu), dass auch ihr aus der wahren Lebenstiefe heraus barmherzig sein sollet; denn eine durch Romanlektüre bewirkte Weichherzigkeit und Erbarmung hat bei Mir durchaus keinen Wert und ist nicht vieles besser als eine Blindliebe und Heirat auf dem Theater. Solchen `barmherzigen` Menschen will Ich einst auch den Lohn geben, der der Grund ihrer Barmherzigkeit war. Sie sollen auch jenseits grosse Bibliotheken von zahllosen Romanen antreffen und werden nicht eher aus denselben gelangen, bis sie es lebendig an sich erfahren werden, dass eine geschriebene Liebe und ein geschriebenes Leben durchaus keine Liebe und kein Leben sind.

Wer nicht aus Mir liebt und nicht von Mir lernt, der tut alles, was er tut, wie ein Toter und wird nicht eher seinem Grabe entsteigen, als bis Jesus nicht über seinem Grabe weinen wird.

Verstehet solches wohl; es ist eine große Tiefe darinnen, und so sei das Leben euer Amen!“ (Ste.01_024,15 f)


7. Zusammenfassung

Im ersten Kapitel dieser Texte zeigt Jesus, dass die „außerordentliche Mannigfaltigkeit“ in allen Reichen der Natur genau so gewollt ist wie die Menschen „in einer so außerordentlichen und nie abzusehenden Verschiedenheit sowohl in der Gestalt wie im Charakter.“ Das bezieht sich ebenso auf Gemeinden wie ganze Völker, auf welchem Boden sie naturmäßig wie moralisch stehen.

Im zweiten Kapitel wird gezeigt, dass die Erde im Grunde ein „Gemeingut aller Menschen“ ist. „Von Gott aus  gehört die ganze Erde, so weit das im Anfange der Fall war, allen Menschen gleich; die Weisen sollen sie einteilen nach dem Bedarf der Menschen.“ „Sie sollen als wahre Brüder freien Wandel haben auf dem Lande, das ihnen eigen ist und sollen sich allenthalben mit der wahren Liebe begegnen…“

Im dritten Kapitel geht es um die Armut. Dazu sagt Jesus: „Die Not und die Armut unter den Menschen auf dieser Erde erzeugt einzig und allein ihre gegenseitige Lieblosigkeit, - diese aber ist stets die Folge des Un- oder finsteren Aberglaubens. Denn wer den Glauben an den einen, ewig allein wahren Gott nicht hat, - wie sollte er ihn dann ehren und über alles lieben und aus solcher Liebe seinen Nächsten wie sich selbst?“

Wer aber schon arm ist, der bitte die wohlhabenden Brüder um eine nötige Gabe; stößt er an harte Herzen, so wende er sich zu Mir und es soll ihm geholfen werden!“

Immer wieder wird von Jesus darauf hingewiesen, dass die Armen sich im Notfall an Ihn wenden sollen und es wird ihnen geholfen; also soll man weder `Revolutionen` anzetteln noch dass `angestammte Land` („das Land, das ihnen eigen ist“) verlassen, sondern zunächst Hilfe beim Herrn erbitten.

Aufschlussreich ist die Aussage Jesu im 4. Kapitel „Winke über die soziale Frage“ wo es heißt: „dass ein wahrer Christenmensch nicht das Recht hat, sich über die Güter der Reichen herzumachen…, wohl aber hat bei einem großen Notzustande ein ganzes Volk das Recht dazu…, weil dann der Herr Selbst im Volke auftritt und bewirkt dadurch für die nimmer satten Wucherer ein gerechtes Gericht“…

Wenn aber die Reichen und Wucherer beinahe alles an sich gerissen haben, so dass Tausenden von armen Menschen augenscheinlichst der Hungertod droht, dann ist es Zeit, sich zu erheben und die überflüssigen Güter der Reichen untereinander zu teilen; denn dann will es der Herr, dass die Reichen bis zu einem großen Teile für ihre schändliche Eigenliebe und Habsucht gezüchtigt werden sollen.“… „Nur sollte sich da niemand, außer im höchsten Notfalle, erlauben, die Wucherer und die reichen Hartherzigen zu ermorden, sondern ihnen nur so viel von ihren höchst überflüssigen Schätzen wegzunehmen, als das Volk zu seiner Unterstützung nötigst bedarf, um sich wieder auf die Füße des friedlichen Erwerbes stellen zu können…“

Im 5. Kapitel geht es um die Nächstenliebe, den Kern der christlichen Botschaft, wo Jesus eindeutig aussagt, dass eine falsch verstandene Nächstenliebe mehr Schaden als Nutzen anrichten kann und „ihr aus der wahren Lebenstiefe heraus barmherzig sein sollet; denn eine durch Romanlektüre bewirkte Weichherzigkeit und Erbarmung hat bei Mir durchaus keinen Wert und ist nicht vieles besser als eine Blindliebe und Heirat auf dem Theater.“

Neben einer falsch verstandenen Nächstenliebe soll diese Liebe „keinen anderen Zweck kennen als den, alles zum Besten seiner Mitmenschen und seiner mitlebenden Wesen zu tun, wobei man natürlich dem Nächsten das von ihm Gewünschte nicht immer gewähren darf, sondern ihm auch manches versagen muss, so das Gewähren vielleicht Schaden statt Nutzen bringen würde“ und „dass ihr dem, der Handlungen wider Gottes Gebote begeht, dazu nicht behilflich sein, sondern ihn davon abhalten sollet. So ihr das tut, dann übet ihr auch die Nächstenliebe aus und euer Lohn im Himmel wird groß sein.“


Ebenso kann das zu viel geben oder sich seiner Habe zu entäußern entgegen der Gesetze Jesu sein: „du hast dich nicht allein deiner Habe entledigt, sondern du hast dir auch die Gelegenheit abgeschnitten, fürder Gutes zu tun und in manchen Fällen eine Träne zu trocknen, die aus einem Auge der Dankbarkeit geflossen wäre.“ „Deswegen ist richtig-helfen nicht eben so leicht, als man glaubt!“

Und als letzte Beherzigung: „Werde in Zukunft vorsichtiger im Geben und lasse nicht allein die Liebe, sondern auch den Verstand (Weisheit) mit walten, soweit es deiner Einsicht gestattet ist, das Wahre vom Falschen zu erkennen.“

Zum 6., letzten und vielleicht wichtigsten Kapitel „Die Hilfe durch den Herrn“: Der Apostel Petrus zu Robert Blum: “Die Menschen der Erde sind freiesten Willens. Ja sogar die Erde liegt in ihren Händen. Beleidigen sie diese, so wird diese sie auch strafen wie zu den Zeiten Noahs. So aber Menschen sich an den Herrn wenden und Ihn bitten um eine gute Regierung, um Ruhe, Frieden und gute Ordnung – dann greifen auch wir in die Zügel des Regenten und leiten dann ihn und sein Volk auf den Weg, auf dem allein Glück erreicht werden kann. Darum sollen die Menschen ihren Regenten nie grollen und sie gar hassen, da auch sie Menschen sind. Sie sollen sie lieber segnen und den Herrn bitten, dass Er sie als ihre irdischen Herrscher lenke und segne. Dann werden sie glücklich sein in Hülle und Fülle.“ –

Alles hat seine Zeit auf dieser Erde, auf der die Menschen zur wahren Kindschaft Gottes reif werden sollen!

Ohne Mich vermöget ihr nichts, mit Mir aber vollkommen alles!“ (HGt.02_234,04)

Es gibt in der Neuoffenbarung auch eine Reihe von Texten, die sich kritisch mit dem Zusammenleben zwischen Christentum und Heidentum auseinandersetzen, wo geschildert wird, wie die z.B. im Jenseits ankommenden Heiden strikt von den ankommenden Christen getrennt werden und getrennt werden müssen (GS.01_040,01ff) oder wie gegen blinde Heiden vorzugehen ist (GEJ.04_251,01ff. / HiG.03_48.03.19,09) oder wo die Begattungen unter verschiedenen Rassen angeprangert wird und der totale Verfall der Sitten. (RB.01_022,02ff sowie Gottfried Mayerhofer: „Erklärung der Offenbarung Johannis“.)*)
*) „Erklärung der Offenbarung Johannis“ siehe linke Randspalte unter „Über die Zukunft (1)“, Text nach dem siebenten Siegel.

Jetzt begnüge sich jeder mit dem Gebotenen und folge Meiner Lehre nach, damit diese Zeit bald ganz nahe komme; denn die Völker sollen (einander) genähert werden und die Erde eine Stätte des Friedens werden. Amen!“ – (GEJ.11_077,03)


Siehe auch linke Randspalte unter

Texte der Neuoffenbarung zu…“, Themen „Was bedeutet Nächstenliebe“, „Die Liebesgebote Jesu“, „Selbst- und Nächstenliebe“.
Religionen / Kirchen (2)“, Themen „Von der Toleranz gegen Andersgläubige“, „Christentum und andere Religionen“