„Habe Ich nicht in einem Meiner Worte gesagt, dass der Satan ausschließlich auf dieser Erde die meiste Gewalt hat…“



Des Christen-Menschen Kampf auf Erden


1. Des Christen-Menschen Kampf auf Erden
2. Liebe-, Licht- und Gnaden-Winke im Kampfe des Lebens
3. Ein Trost- und Licht-Wort fürs Leben


1. Des Christen-Menschen Kampf auf Erden

Jesus: Dein Bruder (M-b-ch) hat an Mich eine so innige und wie aus dem Innersten gekommene Generalbeichte gerichtet, dass Ich wirklich nicht euer Vater heißen möchte, wenn Ich nicht auf eine solch kindliche Bitte eine väterliche Antwort geben sollte. So höre denn auch du, es geht dir wie deinem Bruder und eigentlich gesagt, allen aus eurer Gesellschaft so, darum sende Ich euch so oft sanfte Mahnworte, um euch wieder zu erinnern an alle Meine väterlichen Ratschläge.

Ich kenne ja das menschliche Herz gar zu gut und sollte Ich es nicht kennen, der Ich es eben so und nicht anders schuf! Wer anders sollte denn es tiefer ergründen, als Ich allein! Doch Ich weiß und habe es in Meinem Beispiele (als Mensch) ja Selbst gezeigt, die Leidenschaften und Versuchungen der Welt drängen zu sehr den Menschen, als dass er nicht deren Einfluss gewahren sollte und je enger der Mensch seinen Tatenkreis zieht, da er der Vollkommenheit zustreben will, in dem er sich keinen, ja nicht der geringsten Fehler zeihen will, desto mehr scheint es ihm, dass die Versuchungen sich verdoppeln und vermehren.

Meine lieben Kinder!, noch immer muss Ich euch da zurufen: Begreifet und erforschet was es heißen will: `Meine Kinder` zu werden und ihr werdet auch klarer einsehen, dass dieses schöne und hohe Ziel nicht so leicht zu erreichen, als es ausgesprochen ist.

Es ist nicht so leicht, die Leidenschaften und Triebe, die in eurer Seele, in eurem Fleische selbst liegen, mit einem Male so bemeistern zu können, dass mit einigen gelesenen Zeilen aus Meinen göttlichen Kundgaben an euch, ihr schon hieb- und stichfest seid und nichts mehr euch von eurem Wege abbringen kann, der zu Mir führt. Wer sich dieser Idee hingibt, der täuscht sich gewaltig, ja er ist gänzlich am Irrwege.

Auf die Seelenklage deines Freundes sind die nämlichen Worte zu erwidern, die Ich einst Meinen Jüngern vor Meiner Gefangennehmung im Garten Gethsemane zurief: Wachet und betet, auf dass ihr nicht in Versuchung fallet!

Sehet, Meine Kinder, diesen Mahnruf an Meine Jünger, die schon bei weitem mehr an Verleugnungen aller menschlichen Leidenschaften gewöhnt und eingeübt waren als ihr, diesen Meinen damaligen Jüngern, die in einer anderen Zeit mit einfacheren Sitten und selbst in Armut geboren, weniger von der sie umgebenden Welt geplagt wurden, ebenso wenig wegen ihrer mageren Kost vom Fleische Anfechtungen auszustehen hatten; sehet, auch diese vielgeprüften Männer, unter Meiner persönlichen Leitung und Aufsicht, musste Ich dennoch zurufen: Wachet und betet!, auf dass ihr nicht in Versuchung fallet.

Vergleichet jene Zeit und den Lebenswandel Meiner Jünger mit dem eurigen! Wie viele Leidenschaften, Begierden und unlautere Gedanken drängt euch nicht die Welt mit ihren Lastern auf, die Welt, in der ihr jetzt leben müsset, - wie ist eure Nahrung gegen diejenige Meiner Apostel? –

Viel, Meine Kinder, habt ihr zu bekämpfen und – nicht um euch stolz darauf zu machen – sage Ich euch, manches noch schwerer als Meine Jünger es hatten.

Denket es euch nur, welchen Einfluss würde Mein persönliches Erscheinen unter euch, Mein Leben, Mein Lehren und Mein Umgang mit euch auf euer Gemüt machen! Die Apostel und Jünger sahen Mich in Person, hörten Meine Stimme und konnten – frei in Mein Angesicht blickend – aus jedem Zuge desselben die göttliche Abkunft des Menschensohnes lesen. Alles dieses entbehret ihr, und sehet, während ihr Mich nicht sehet, keine Wunder, nicht Meine Gestalt, nicht Meinem seelenvollen Blicke begegnen könnet und doch verlange Ich – und das zwar unter weit schwierigeren Umständen – von euch, die ihr doch in anderen Verhältnissen lebet und leben müsset, in Verhältnissen, die ihr doch nicht abstreifen könnet, ebendasselbe, was Ich vor tausend und so vielen Jahren von Meinen Jüngern verlangte und vielleicht noch mehr! – Ist das nicht ungerecht? – Ist das nicht zu viel verlangt, Meinerseits von Euch?! – Ja, Meine Kinder, dem Anscheine nach habt ihr Recht, scheinbar ist es zu viel, o ja sehr viel, was Ich von euch verlange. Die Klagen gegen sich selbst, die dein Freund kundgab, zeugen zur Genüge davon.

Er fragt mit nach oben gerichtetem Blicke Mich und sagt: `Was ist das für ein Gemisch von Gefühlen, die im menschlichen Herzen sich so oft kreuzen und so leicht wechseln? Warum kann ich nicht beständig nur so fühlen, wie ich will? und muss unter der Last und dem Eindrucke oft erliegen, den andere Gefühle auf mich ausüben, die leider die schönsten und erhabensten Gefühle wieder verschwinden machen und statt dessen, rauchige, schmutzige und schwarze Gewitterwolken heraufbeschwören, die mir mein früher so rein strahlendes Licht aus den Himmeln zu verdunkeln drohen!? – Und so klagt er weiter über die Vergänglichkeit seiner Gefühle, die – genau betrachtet – so vergänglich sind, wie die Freuden der Welt selbst!

Mein lieber Sohn, du hast recht, es ist so und es freuen Mich deine Klagen, denn sie sind Klagen eines Erwachenden. Du klagst nicht Mich an, warum Ich dir und euch Menschen allen so ein beweglich Herz gegeben, nein, du klagst dich selbst an, du bittest bei Mir um Stärke und um Trost! – Nun denn, der Trost solle dir werden von Mir, die Stärke musst du dir selbst erwerben.

Siehe, Mein Kind, wäre Ich nicht ein Gott, sondern ein geschaffenes Wesen, so wäre auch das nicht so schwer, so zu werden, wie Ich Selbst bin und wie Ich will, dass Meine Kinder werden sollen; allein da Ich eben Gott, der Allerhöchste bin, den ihr euch nie ganz vorstellen könnet, so müssen auch Meine Kinder, um Mir nahe zu kommen, ebenfalls der höchsten Verleugnung aller Leidenschaften fähig sein und sich so im wahren Sinne als Meine Kinder bewähren.

Wenn ihr Meinen Erdenwandel, Mein Leiden und Meinen Tod betrachtet, was ist dieses, im Gegensatz zu Meiner göttlichen Würde? Welch namenloser Abstand und doch legte Ich Meine nur Mir allein gehörende Würde ab, verbarg Mich in einem menschlichen Körper (auf eurer kleinen finsteren Erde), wuchs dort vom Kinde bis zum Manne auf, machte also alle Leidenschaften vom Kindes- bis zum Mannesalter durch, ja alle, die die menschliche Seele heimsuchen*) und bedenket, Ich, Gott, unterzog Mich dieser Aufgabe und zwar im vollen Sinne, indem Ich nicht bloß Mensch der Form, dem Anscheine nach, sondern wirklicher Mensch, mit Seele und Körper ward; und eben durch den Sieg über die menschliche Natur dieses Erdballes allen Geistern zeigen wollte, dass wer diese Probe durchmacht, wahrlich die Feuerprobe bestanden hat, um dann mit Recht Anspruch darauf machen zu können, Mein Kind genannt zu werden! -
*) Siehe Jakob Lorber, „Die Jugend Jesu - Das Jakobus-Evangelium“ (Lorber Verlag)

Deswegen Mein Sohn, klage dich nicht an wegen der Wankelmütigkeit des menschlichen Sinnes; denn erstens stehst du in diesem Punkte nicht allein, sondern ein jeder hat zu kämpfen und zu dulden; es ist so als Prinzip von Mir festgestellt, dass auf dieser Erde nichts von bleibendem Bestand ist und zweitens, dass – wo das größte Licht – demselben auch der größte Schatten auf dem Fuße folgt.

Merke dir diese beiden Grundgesetze, das erste beweist dir, dass alles vergänglich und nach höherem Ziele, nach etwas Beständigerem drängt, welches auf dieser Erde nicht seinen Abschluss erhält und auch in der anderen geistigen Welt nicht so nahe liegt, als so mancher sich`s vorstellt. Das zweite ist, dass – wo die größten Forderungen an den Menschen im Moralischen gestellt werden, wohl der Lohn groß ist, allein eben auch die mächtigsten Versuchungen ihn von diesem Streben anzuziehen beständig bemüht sind, sein Streben scheitern zu machen.

Habe Ich nicht in einem Meiner Worte gesagt, dass der Satan ausschließlich auf dieser Erde die meiste Gewalt hat und wisset ihr warum?, eben weil Ich euch Erdbewohner zu Meinen Kindern bestimmt habe und da der Satan mein größter Gegner ist, so wird er auch der eurige sein; er tut alles möglich, um Mein Machwerk (Schöpfung) hier auf der Erde zu Schanden zu machen; aber am Ende wird er doch sehen müssen, dass, obwohl er viele zu Falle gebracht und viele Tausende von Seelen auf lange Zeit von Meinen Wegen abwendig gemacht hat (weil sie die härtesten, schlechteren und engern waren, als seine mit lauter Vergnügungen und Annehmlichkeiten gefüllte breite Heerstraße, die jedoch statt zum Lichte, nur zur Finsternis führet); so wird er doch noch einst sehen müssen, dass am Ende alle Geister und Seelen die veränderlichen Glückseligkeiten seiner Straße verachtend, lieber duldend und kämpfend den Weg zu Mir emporklimmen werden; dann wird der Moment gekommen sein, wo auch er seiner Knie vor Mir wird beugen müssen, und so – zwar gegen seinen Willen – die Macht der Liebe anerkennen wird! -

Also nicht verzagt! Meine lieben Kinder. Ich weiß es ja besser als ihr, was Ich jedem auferlege; wenn er auch unter der Last fällt, Ich helfe ihm schon wieder auf und so lange ein jeder nur den Willen hat, so viel als möglich gegen seine Versuchungen anzukämpfen, so soll er auch versichert sein, dass Ich den guten Willen weit höher als das Werk rechne. Schon der Apostel Paulus in seinem Briefe an die Corinther sagte: `Der Geist ist stark, aber das Fleisch ist schwach!` Was er damit bekannte, bekennet auch ihr; kämpfet nur dagegen und einst in der andern (geistigen) Welt werdet ihr erfahren, wie viel von euren Taten und Gedanken in euer Lebensbuch eingezeichnet und wie viel in den Sand geschrieben ward.

Ich bin ja kein unerbittlicher, sondern ein liebender, guter Vater; Ich habe, hatte und werde mit Meinen Kindern stets Geduld haben, sie sind ja – wie es der Name sagt – noch `Kinder`! Und ihr, die ihr Familienväter seid, rechnet denn ihr so strenge mit euren Kindern, wenn sie fehlen oder gar, wenn sie nach dem Fehler ihn einsehen, bereuen und euch um Verzeihung bitten? – Was tut ihr dann? – Ihr verzeihet, ihr schließet das Kind in eure Arme mit den Worten: `Komm her, mein Kind an deines Vaters (Mutters) Brust, ich kann dir nicht zürnen, hier ruhe von deinen Mühen aus und sehe zu, dass du nicht wieder fällst!` So tut ihr, - und glaubt ihr denn, Ich werde in dieser Hinsicht an Vaterliebe hinter euch zurückbleiben? Gewiss nicht! Was ein Menschenvater kann, das kann und werde auch Ich tun und zwar im göttlichen Maße, nach Meiner unbegrenzten Liebe, die euch – trotz aller Fehler, die ihr früher an euch hattet, euch doch zu erziehen wusste und um euch in die rechte Schule zu nehmen durch Leiden euch führte, damit ihr das, was euch allein nicht möglich, doch wenigstens mit ihrer Hilfe werden könnet, d.h. Meine Kinder! Amen.“
(Gottfried Mayerhofer, „Des Christen-Menschen Kampf auf Erden“, „Lebensgarten“, Lorber Verlag)


2. Liebe-, Licht- und Gnaden-Winke

im Kampfe des Lebens

Nachdem schon seit längerer Zeit du dein Gemüt mit Grübeleien, Zweifeln und sonstigen Dingen angefüllt hast und weder Meine früheren noch jetzigen Worte noch die Tröstungen Meines Schreibers (Gottfried Mayerhofer) dich beruhigen können, ja selbst über Mein Verfahren du dich hermachst und quasi Mir sagen möchtest, was Ich tun oder lassen sollte, - so will Ich Selbst statt Meines Schreibers dir antworten und versuchen, ob es nicht möglich ist, dir eine klarere An- und Übersicht der Dinge zu verschaffen wie sie sich vor deinen Augen in der Welt abwickeln.

Schon öfter habe Ich dir und allen gesagt, dass Meine Ansichten von Glück oder Unglück von denen der Menschen sehr verschieden sind und eben deswegen auch Meine Wege, um das Ziel zu erreichen, welches Ich mir vorgesteckt habe, von den euren differieren müssen!

Du Mein Kind glaubst, es sollte den Tugendhaften hier schon mehr beschieden sein, gemäß ihres Verdienstes und nicht alles erst auf das Jenseits aufgespart werden! Hier bei dieser Stelle deines Briefes hast du doppelt gefehlt, denn erstens, was heißt denn `Verdienst?`

Siehe, `verdienen` heißt: eine gewisse Entschädigung für das erhalten, was man für jemand anderen getan hat; nun, was tun die Menschen wenn sie tugendhaft sind? Tun sie etwas für Mich, dass Ich sie belohnen sollte für den Gefallen, welchen sie Mir erweisen oder tun sie das meiste nicht für sich selbst? –

Denn die versprochenen Seligkeiten im Jenseits, wovon ein Tugendhafter, Rechtlicher schon hier oft einen Vorgeschmack hat, sind selbe nicht in der eigenen Brust des Handelnden, des Leidenden, des Kämpfenden?

Zweitens, ist dir bei dieser Stelle eine weltliche Entschädigung im Kopf gesteckt statt derer geistigen inneren eines jeden, dessen Bewusstsein rein ist und diesen Frieden gibt ihm die Welt nicht (und) kann ihm selben aber auch nicht rauben.  

Ferner will Ich dich noch aufmerksam machen, warum es den Guten im allgemeinen auf dieser Welt mehr schlecht als gut geht. Siehe erstens, eben weil ihr Denken und Handeln dem der Masse entgegengesetzt ist, und zweitens, weil die Tugend nur als Tugend sich zeigt, befestigt wird und ihren Wert erhält, wenn sie siegreich aus einem Kampfe hervorgeht! Es muss also bei diesem Siege doch Mühe kosten ihn zu erwerben, sonst ist es ja doch nicht der Mühe wert, dass man kämpft und es kann kein befriedigendes Bewusstsein aus Dingen erwachsen, die nicht mit Kraftanstrengung erworben wurden.

Ihr leset ja selbst in Meinen Worten so viel von Vertrauen, Liebe zu Mir und Zuversicht! Wann sollen denn diese Eigenschaften erprobt werden?!, solange es dem Menschen gut geht oder wenn bittere Verhältnisse und Umstände eintreten, tatsächlich zu beweisen, was er in hoher Begeisterung beim Lesen Meines Wortes schon glaubt zu besitzen!

Siehe, nur Hindernisse spornen den eigentlichen festen Charakter an, seinen Zweck mit noch mehr Eifer zu verfolgen; im Feuer reinigt sich jedes grobe, materielle Metall und so auch das Geistige.

Auch dir geht es seit einiger Zeit nicht wie du willst und schwankend wie ein Schilfrohr stehst du da, möchtest dich an manchen `Wortlaut` halten, der dir gegeben wurde, aber das Wort allein tröstet nicht, nur der Geist, der darin verborgen, der gibt dir Aufschluss über manches, was dir so ein Rätsel scheint!

Siehe, du sagst, sein Leben für etwas hingeben, womit man anderen nützlich sein kann, das findest du ganz recht und wohl möglich, nur setzest du bei, man müsste in Aussicht haben, dass dieses Opfer etwas nützt.

Nun frage Ich dich, wann du Meine ganze Leidensgeschichte, Meine Jugend, Meine Lehrjahre, Meinen Tod als Mensch betrachtest und noch dazu die Folgen davon, wie sie die Geschichte der vergangenen und der heutigen Zeit beweist, - sage Mir, Ich, der wohl voraus wusste, wie es nach Mir gehen wird, welche Aussichten hatte denn Ich und habe Ich noch heute?! Und wo waren die gerechten Vergeltungen für Mich, der Ich doch gewiss auch zu den Tugendhaften zählen konnte!

Sieh, was Ich als Mensch Mir Selbst auferlegt habe, um eine Probeschule für Mein ganzes Geisterreich zu gründen, das werden, ja das müssen alle Meine Nachfolger ebenfalls durchmachen, sonst können sie nicht `Kinder` des allerhöchsten Wesens werden in der ganzen Schöpfung, sondern würden nur auf einer Stufe bleiben, wo sie vielleicht einem sehr untergeordneten Geiste als seine Kinder Ehre machen würden!

Von diesem Standpunkte aus musst du Mich und die Führungen Meiner Kinder beurteilen lernen und du wirst begreifen, erstens, dass es eine geraume Zeit braucht solche Kinder, welche nebenbei nicht gezwungen werden dürfen, zu erziehen und zweitens, dass wegen der Individualität auch verschiedene und oft drastische Mittel angewendet werden müssen, um die Menschen dazu zu bewegen, Leidenschaften und Begierden zu bekämpfen, welche gerade des Kampfes wegen in sie gelegt wurden.

Solange du nicht die Spuren Meiner Wege auf geistigen Bahnen suchest, so lange wirst du auf Widersprüche und scheinbare Ungerechtigkeiten stoßen, so lange wirst du die Eroberungen des Lasters, des Truges auf dieser Welt mit Missgunst ansehen und selbst in deinem Familien- und weltlichen Verhältnis nicht das Wahre vom Falschen unterscheiden lernen, wirst mürrisch auf das Treiben der Welt und traurig auf dein eigenes Gebaren herabsehen. Nur erst, wenn du auf höherem Standpunkt dir eine größere Fernsicht wirst errungen haben, dann werden dir Meine Worte nicht mehr zweifelhaft, nicht unklar, nicht widersprechend erscheinen!

Solange du dich nicht auf diesen Standpunkt wirst emporgearbeitet haben, werden die Welt-Nebel deinen Fernblick beschränken und du dich statt glücklich unglücklich fühlen. Nur wenn der Spruch wahr wird: `Dem Reinen ist alles rein!`, dann erst wirst du auch im Schlechten den Keim des Guten, im Düstern das werdende Licht achten.

Befleiße dich dorthinauf zu gelangen, wo schon manchmal du dich befandest, wenn gleich nur auf Augenblicke, dann wird der Zweifel schwinden, das Vertrauen wiederkehren und du wirst erfahren, dass dein Vater nicht Seine Kinder irre führen will, sondern sie in das Reich des Friedens und der Seligkeit, welches hier auf Erden nur in eurem Innern, dort aber auch von außen euch umgeben soll! Amen!
(Gottfried Mayerhofer, „Liebe-, Licht- und Gnaden-Winke im Kampfe des Lebens“, „Lebensgarten“, Lorber Verlag)


3. Ein Trost- und Licht-Wort fürs Leben

Mein lieber Sohn!, du hast in zwei an Mich gerichteten Worten deinen Dank für erhaltene Gnaden und deine Zweifel über die Führungen, die Ich dir angedeihen lasse, ausgesprochen.

Auf der einen Seite dankst du für das Empfangene, sei es für dich, sei es für deinen Freund und auf der anderen Seite siehst du mit Schrecken, dass mit all dem Empfangenen von Mir und mit all dem Eifer, mit welchem du dasselbe praktisch in deinem Leben ausüben willst, dir doch noch viel mangelt und wenn du auch heute glaubst aufgeräumt zu haben, du doch morgen vor der Schwelle deines Herzens wieder eine Masse unreines, unlauteres Zeug entdeckest.

Um dir in diesem letzten Punkte etwas mehr geistige Ruhe zu verschaffen, so muss Ich mit dir in weitere Details eingehen in Bezug auf Meine Schöpfung – Mein Ich – und Meine Mission als Mensch, damit du klar begreifen lernst, wie man eigentlich Meine Worte, Meine Lehren mit der Welt und mit der körperlichen Organisation eures Leibes vereinbar machen könne und nicht auf Widersprüche stößt oder mit eurem Gewissen in steten Konflikt kommt.

Nun sieh, Mein Sohn, mit allem dem, was Ich euch bis jetzt über Meine Schöpfung gesagt und erklärt habe*), mit allem dem, was Ich euch über Mein eigenes geistiges Ich kundgab und mit allem dem, was ihr bis jetzt wisset über euren eigenen Körper, mit allen den Grundeigenschaften, Lebensprinzipien und Fundamental-Gesetzen einer Geister- und Materiewelt werdet ihr ersehen haben, dass, wenn ihr und auch du, Mein Kind, noch so eifrig nach Vervollkommnung strebet, selbe nicht so leicht erreicht, selbe nicht so leicht erhalten werden kann; ja, dass selbst die heiligsten Vorsätze nicht einmal von langer Dauer sind und dass das Wort, welches Ich einst zu Meinen Aposteln sagte, seinen guten Grund hatte, indem Ich ihnen bemerkte: `Und wenn ihr alles getan habt was in euren Kräften steht, so bekennet doch nur, dass ihr faule Knechte waret!`
*) Siehe unter Themenregister, Stichwort „Schöpfung“

Sieh, Mein Sohn, dieses Wort liest du in der ganzen Schöpfung, dieses Wort zeigt dir Meine Größe als Geist und deinen Weg bis zu Mir, dieses Wort zeigt dir das zweite große Naturgesetz, die Vervollkommnung in seiner ganzen Tragweite.

In der Schöpfung siehst du das nimmer sattwerden des Emporsteigens von einem Grade der Vervollkommnung zum andern, das ewige Fortschreiten zum notwendigen Bestande des Ganzen; an deinem eigenen Ich kannst du das Nämliche gewahr werden, es ist ein ewiges Drängen aufwärts?, sieh, du erkennst es durch seinen Gegensatz, das Rückwärts; wie erkennst du in der weiten Schöpfung die zweite Stufe?, durch die Vernichtung des Bestehenden auf der ersten Stufe; wie erkennst du das Licht?, als nur durch den Schatten, wie die Wärme?, als nur durch den Mangel – die Kälte, wie das Gute?, als nur durch den Bestand des Bösen.

Was ist aber alles das eigentlich? Siehe die Gegensätze der schlechten Eigenschaften gehen nur aus dem Missbrauch oder Entgegenhandeln des Guten hervor!

Ich habe nichts Böses erschaffen und nichts in der Welt wirkt bösartig, solange es am rechten Orte, zu rechter Zeit und mit Maß und Ziel gebraucht wird.

Wendet der Mensch das an und für sich unschuldigste Mittel falsch an, so bringt es ihm Schaden, so nützlich es auch bei weiser Anwendung sein möchte.

Aus allem dem siehst du also, Mein lieber Sohn, deine Klagen über Entdeckung von neuen schlechten Eigenschaften in deinem Herzen rühren nur daher, weil du vergisst, wo du lebst, weil du vergisst, dass du einen Körper hast, der auch seine Rechte fordert und dich sogar am Ende zwingt, willst du später Herr im Hause sein, ihm nachzugeben.

Denn sieh`, so ganz dem Geistigen leben und einen fleischigen Körper als Überkleidung haben, ist unmöglich.

Du musst denken, dass Ich euch Menschen geflissentlich mit solch einem Körper geschaffen habe, um euch eben durch Kampf mit ihm stets wach zu halten, um euch einen steten Widersacher als Begleitung auf eurer irdischen Lebensbahn mitzugeben, damit ihr euch geistig stärket, die Oberhand über euren Körper gewinnen und sein Verlangen und seine Bedürfnisse auf ein gerechtes Maß heruntersetzen sollet; aber ihn ganz bei Seite setzen wollen oder ihn für gering achtend mit eiserner Strenge zu knechten, das recht sich an euch selbst! – Deswegen: `Gebet dem Kaiser (der Welt, dem Fleische) was des Kaisers und Gott, was Gottes ist!` Das will so viel sagen als:

Räume deinem Körper die Rechte ein, die Ich ihm gegeben habe!, tritt nicht Meine Gesetze mit den Füßen!, denn wollte Ich euch als Geister, so hätte Ich euch keinen Körper gegeben!

Was dein Körper dir für Schwierigkeiten macht, eben dieselben setzt dir auch die Welt entgegen; es wiederholt sich der nämliche Prozess im großen, wie in deinem Organismus im kleinen; hier hast du den steten Gegner, der dich an jedem Aufschwung nach oben hemmen will und dort tut dasselbe der Einfluss der Welt. So wenig du dich des Umgangs mit der Welt entheben kannst (und auch sollst), ebenso wenig kannst du dich des Einflusses deiner irdischen Natur entäußern, du musst gegen beide kämpfen und streiten, denn nur durch Übung stärkt sich die Kraft, wie die Muskeln am Körper.

Denke dir den Zustand, z.B. du wärest auf einer hohen Stufe moralischen Wertes angekommen, wo nach deinen Begriffen kein Fortschreiten mehr möglich ist – was tust du dann?, oder es gäbe keine Versuchung, keine Prüfung, was wirst du von dem Vorwärts wissen, wenn du kein Rückwärts kennst? Du siehst aber, es würde ein Verbleiben auf der nämlichen Stelle, eine Langeweile das Resultat sein und du selbst würdest dir Tätigkeit, ja Kampf wünschen, um nur aus diesem Zustand herauszukommen.

Hier siehst du also aus allem diesem klar, dass Untugenden da sein müssen, um die Tugend erst recht zu schätzen, und je mehr Widerstand, mit desto größerem Eifer sie zu verfolgen.-

Wenn Ich dir und auch noch andern aus `Meiner Pflanzschule`, wie du Meine kleine Gesellschaft nennst, die noch in der Blüte ihrer Jugend sind, Meine heiligen Lehren und die große Aufgabe des Menschen auf dieser Erde mitgeteilt habe, so weiß ich wohl, dass für euch auch noch bei weitem mehr zu überwinden ist, als für jene, welche schon weit über den Lenz des Lebens hinaus ins Sommer- oder Herbstleben der menschlichen Laufbahn eingetreten sind. Diese haben freilich nicht mehr so viel zu überwinden wie ihr, weil die noch zu lebende Zeit kürzer ist als die eurige; allein sie haben aber dabei auch die Aufgabe, eben wegen der Kürze der Lebenszeit, schneller das zu bewerkstelligen, wozu euch ein längerer Zeitraum gegeben ist.

Ihr jungen Leute habt (gleichsam) noch einen guten Rock am Leibe, der euren Körper warm hält, selben zur Tätigkeit anreizt, allein der Rock der älteren Brüder ist schon mehr abgenützt, es sind hie und da schon Löcher darin, der höhere Geisteswind eines anderen Lebens zieht leichter ein als bei eurem wohl verschlossenen Weltrocke und so müssen sie auch mehr in Eile noch gutmachen, was sie – obwohl unbewusst – in der Jugend versäumt hatten.

Diese älteren Brüder und Schwestern wählte Ich geflissentlich, weil sie eher die Erhalter und Bewahrer Meiner Lehrer werden können als ihr jungen, noch allen Einflüssen der Welt ausgesetzten Kinder.

Nehmet das Beispiel nur aus dem menschlichen Leben, ein geschlagenes Heer besteht deswegen nicht aus schlechten Soldaten, weil es geschlagen oder mächtigen Umständen weichen musste, nein, so wie die Soldaten nach einer Schlappe sich ermutigen und von neuem den Kampf beginnen und zwar mit noch größerer Tatkraft, ebenso auch du, Mein Sohn, und alle deine Jugendbrüder: fallet ihr, so richtet euch wieder auf!, erkennet eure unlauteren Flecken in eurem Herzen, merzet selbe aus!, morgen werden sich andere zeigen und so polierend und reinigend wird euer Seelenmensch stets glatter, glänzender und kann wie eine fein polierte Stahlfläche die Strahlen des göttlichen Lichtes von oben nicht allein aufnehmen, sondern auch andern mitteilen, wie er sie empfangen hat.

Tröste dich Mein Kind, das Erkennen der Makel an deiner Seele ist schon der größte Schritt, den du geistig machen konntest, es bleibt dir nun nichts mehr übrig, als das Erkannte zu modifizieren, es deinem Leben in der Welt anzupassen; wie der Schiffer auf dem Meere auch die Klippen und Untiefen nicht wegzaubern kann, sondern mit Klugheit sie umschiffen und ihnen ausweichen muss, so mache es auch du und bei ruhiger Beurteilung des Bestehenden wirst auch du deine eigene Ruhe wieder erlangen! Amen!“
(Gottfried Mayerhofer, „Ein Trost- und Licht-Wort fürs Leben“, „Lebensgarten“, Lorber Verlag)