„Die größten Einwürfe, die er mit seinem Verstandesleben gegen diese Gnaden-Mitteilungen (Neuoffenbarung) macht, sind vorerst, dass selbe nicht überall mit der Bibel übereinstimmen…“



„Bibel-, Geistes-, Gottes-Wort“

Zum Alten und Neuen Testament

 


Wenn es deinem Bruder nicht so ernst wäre mit seinem Ich und mit seinem geistigen Fortschritte, so würde Ich auf seine Zweifel nicht antworten, weil Ich, stets den freien Willen des Menschen respektiere, ihm die Wahl gelassen hätte, entweder den Eingebungen eines andern, auf Irrwegen gehenden Menschen oder Meinen Ratschlägen zu folgen.

 

Dein Bruder kann überzeugt sein, dass es Mir ganz gleichgültig ist, ob er glaubt, dass alle diese Mitteilungen, die er bis jetzt durch dich bekommen und gelesen hat, von Mir herrühren oder nicht; wenn er nur, was in diesen Mitteilungen euch allen gegeben ist, befolgen würde, so glaube Ich, es würde dann bald in seinem Gemüte so viel Licht werden, das er den rechten Geber schon herausfinden könnte.

 

Die größten Einwürfe, die er mit seinem Verstandesleben gegen diese Gnaden-Mitteilungen (Neuoffenbarung) macht, sind vorerst, dass selbe nicht überall mit der Bibel übereinstimmen. Gut, nun frage Ich aber: `Was ist denn eigentlich die Bibel?` Ist sie ein von Mir direkt und ohne fremde Einmischung gegebenes Werk, so nur Meine Worte enthalten sind, oder ist sie ein zusammengetragenes, teils wahr und teils falsches Menschenwerk, welches sich die Vertreter Meiner Lehre und Ausüber derselben (der Klerus nämlich) seit frühesten Zeiten nach ihren Interessen eingerichtet haben?`*)

*) Siehe auch linke Randspalte „Zum Alten und Neuen Testament“, die Offenbarungen zu den verschiedenen Evangelien

 

Siehe nun, Mein lieber Sohn, hier muss Ich dir antworten: `Die Bibel ist nicht Mein, nicht Gottes-, sondern ein Menschenwerk` (d.h. kritisch, historisch und äußerlich betrachtet).

 

`Was ist das Alte Testament?`

 

Das Alte Testament ist, von der Schöpfungsgeschichte Mosis angefangen bis ans Ende, mit allen Propheten, vorerst ein Bild der geistigen und materiellen Schöpfung, welches die meisten Leser und Ausleger bis heute noch nicht im wahren Sinne entziffern und verstehen können.

 

`Die weiteren Mitteilungen, was sind sie?`

 

Die geschichtlichen Darstellungen der Kriege der Juden mit den angrenzenden Völkern und die Mahnworte der Propheten, die zwar durch Mich getrieben schreiben mussten, was Ich ihnen in die Feder diktierte, um dieses Judenvolk zu warnen und zu retten, dieses Volk, welches Ich zu so großer Mission erkoren hatte, was aber trotz alledem nicht möglich war zu erreichen, wie es die Geschichte bis auf den heutigen Tag klar beweist. Nur vereinzelt findest du da oder dort Mitteilungen von Mir, wo es heißt: `Und der Herr Gott Jehova Zebaoth sprach zu mir!`(Besonders häufig in Ezechiel)

 

Wo existiert eine so lange Folge von Lehren, Mahnungen und Aufklärungen, wie Ich selbe nun schon seit mehr als 50 Jahren (seit 1840) Selbst gegeben habe? Nirgends! Überall waren es Propheten, aber nur `Menschen`, die da schrieben, ja schreiben mussten, von Meinem Geist getrieben.

 

`Das Neue Testament,

 

was weist denn dieses auf, ist es Gottes- oder Menschen-Werk?` Die Antwort auf diese Frage ist wieder die nämliche: Ein Menschenwerk, verstümmelt, zugeschnitten und mit andern Dingen ergänzt, je nach dem Bedürfnisse des Zeitalters, wo es (ab-)geschrieben wurde und wie es der damaligen Geistlichkeit am besten anpasste.*)

*) Siehe auch linke Randspalte unter „Zum Alten und Neuen Testament“, Thema „Die Entstehung des Neuen Testaments“

 

Die Offenbarung Johannis ist das einzige von Meinem Apostel geschriebene Werk, das aber bis jetzt noch niemand versteht, so sehr sich viele die Mühe geben, selbe zu entziffern, und zwar vor der Zeit, als Ich es will.*)

*) Siehe auch linke Randspalte „Zum Neuen Testament“, Thema „Zum Evangelium Johannes“

 

Alles andere, was nun im Neuen Testament steht, was Meine Lebens- und Leidensgeschichte betrifft, ist zumeist nach den Aussagen Meiner Apostel und weniger von ihnen selber aufgezeichnet worden, daher kommen die verschiedenen Abweichungen in der Erzählung von einzelnen Begebenheiten Meines Lebens und Leidens.*)

*) Siehe auch linke Randspalte unter „Zum Neuen Testament“ die Offenbarungen Jesu zu den verschieden Evangelien sowie „Einführende Texte“, Thema „Zu den Büchern des Jesuswerkes durch Jakob Lorber“

 

Nicht einmal die Briefe Meiner Apostel an verschiedene Gemeinden sind unangetastet geblieben. Manches wurde verändert, vieles als apokryph erklärt, ausgemerzt oder auch falsch übersetzt.

 

`Das ist also die Bibel in ihrem jetzigen Zustande, die so manche fanatischen Eiferer als (ganz) Mein Werk, als Mein (reines) Wort betrachten wollen.` Diese Blinden (oder Geblendeten) maßen sich an, sich und andere führen zu wollen, und wenn ein Blinder den andern führt, so kannst du dir schon denken, was da herauskommt.

 

Doch wisse, dass `in der Bibel dasjenige, was Ich darin für die Menschheit als bleibendes Gut niederlegen wollte und derselben als ewige Richtschnur in Beziehung ihrer Bestimmung bleiben sollte, wohl im innern Sinne, trotz der vielen Veränderungen, unversehrt und rein geblieben ist.`

 

Aber es gehört zu dem Auffinden dieses Sinnes ein Geschlecht von geistigeren Menschen dazu, (geistig) Wiedergeborene*), welche die Schale vom Kern zu unterscheiden wissen, dann werden auch die vorhandenen Widersprüche in den Auslegungen und Übersetzungen nichts mehr in dieser Hinsicht beeinträchtigen.

*)  Siehe Themenregister unter „Wiedergeburt“

 

Du siehst also aus allem diesem, `dass die Bibel als Gotteswerk` nicht so gemeint ist, wie es die meisten Ausleger derselben wollen; weil dieses einzige Buch in einer Zeit geschrieben wurde, wo die Spitzfindigkeiten des Klerus noch nicht so weit gediehen waren als jetzt.

 

Dass Ich aber den eigentlichen Sinn dieses Buches bis auf weitere Zeiten verbergen musste, dazu war der Grund, weil, sobald wieder eine Zeitperiode in der Menschheitsgeschichte verlaufen sein würde, Ich wieder, wie einst Meine Propheten, dann Seher erweckete, welche den reiferen Menschen Meine Wahrheit unverhüllter vortragen sollten, wie es eben jetzt geschieht (Neuoffenbarung), und zwar nicht in einzelnen abgebrochenen Sätzen, sondern in größeren Mitteilungen, wovon du selbst die Beweise in Händen hast.

 

Dem weiteren Einwurf begegnend, nämlich als wären diese Eingebungen nicht von Mir, sondern zwar von einem höheren Geist, aber geschaffenen Wesen, den Ich zur Belehrung für euch bestimmt habe, so muss Ich dich nur fragen: Was glaubst du denn, dass Ich eigentlich bin? Glaubst du denn nicht, dass, wenn ein Gott existiert, Er doch der Gott der Wahrheit ist und keiner Lüge fähig, welche er auch gegen euch Würmer gar nicht nötig hätte.

 

Warum sollte Ich, der allmächtige Schöpfer und Herr, euch hinters Licht führen wollen und einen Engelsgeist beauftragen, in Meinem Namen mit euch sich in Verbindung zu setzen, und zwar aus diesem Grunde, damit ihr dann dessen Worten mehr Glauben schenken sollet! Bedenke nur selbst einmal, wie läppisch und geringfügig dieser Kunstgriff wäre für einen Menschen, geschweige erst für einen Gott! Wer zwingt Mich, euch etwas mitzuteilen? Und wenn Ich Mich eurer erbarme, wer schreibt denn Mir die rechten Wege und Mittel vor, welche am besten wären, um euch auf den rechten Weg zu führen?!

 

Wenn Ich es für angemessen gehalten hätte, einen Engel mit dieser Mission zu beauftragen, so wüsste Ich nicht, warum Ich euch solches verbergen sollte; da ihr ja doch nicht wegen dem Engel oder wegen Mir Selbst, sondern wegen eurem eigenen geistigen Wohl das befolgen sollet, was in diesen Kundgebungen euch zu eurem Seelenheil angeboten wurde.

 

Nicht das Lesen dieser Meiner heiligen Lehre führet zum Heile, sondern das danach leben. Also, ob Ich es euch sage oder ein Engel (höherer Geist) in Meinem Auftrage, wäre gleichgültig; nur wer nach Meinen Worten lebt, erreicht das ewige Leben; alles andere hilft nichts!

 

Sobald als jemand nicht in der Befolgung Meiner Worte den Frieden seines Herzens und den wahren Ursprung dieser Lehre tagtäglich mehr fühlt, solange wird er den Geber alles dessen weder lieben noch schätzen können.

 

Nur im Fortschreiten zur Wiedergeburt wird derjenige sein Inneres stets lichter werden sehen und wird seinen Schöpfer als seinen liebevollsten Vater stets mehr erkennen, Der ihm seinem finsteren Erdenwandel mit so vieler Liebe und Gnade aus dem Wuste von Irrlehren und Irrtümern heraus den rechten  Weg zeigen will!

 

Sage Mir einmal, Mein lieber Sohn, wenn du alle diese neuen Kundgebungen und Mitteilungen über Mich, über Meine Schöpfung und über dein eigenes Ich gelesen und verstanden hast, wen wirst du mehr zu lieben anfangen, Mich oder den Engel, welcher Dir vermeintlich solche Kunde gab?

 

Die Antwort ist leicht zu finden und Ich überlasse selbe dir selbst. Dass eben Ich Selbst diese Mitteilungen übernommen, schmeichelt bloß eurer Eigenliebe, hat aber in Bezug auf die Befolgung Meiner Lehre gar keinen Einfluss. Ihr sollt ja nur (mehr) eurethalben Meine Lehre befolgen, damit ihr freiwillig das werden möget, zu was Ich euch auch zwingen könnte, d.h. Mir ähnlich zu werden, wenn Ich wollte!

 

Dass Ich gerade euch hier diese Gnade angedeihen ließ, ist ganz einfach: Nur der Mich sucht und auf dem Wege, wie Ich will, nur von dem lasse Ich mich finden!

 

`Der Mich um Brot bittet, dem gebe Ich selbes, aber nachtragen will Ich niemand eine Kost, die er für den Augenblick nicht nötig zu haben glaubt!`

 

Ihr müsset aber nicht glauben, dass ihr jetzt, weil ihr diese Gnade genießet, schon Wiedergeborene und fehlerfreie Menschen seid! O nein! Nicht im Mindesten, deswegen erlanget ihr diese Gnade (und Mein Schreiber die Fähigkeit, Mein geistiges Wort euch mitzuteilen). Nein, da wärst du in großer Irre! Ihr alle seid noch voller Fehler, fehlt täglich, seid noch weit weg `wiedergeboren` zu sein! Nur eines habt ihr vielen voraus, und das ist: Dass es euch ernst ist, `Menschen` und auch `Meine Kinder` zu werden wie es eure Mission und Mein heiligster Wunsch ist.

 

Deswegen greife Ich euch unter die Arme, unterstürze euch und helfe so dem schwachen Kinde die Stufenleiter, und zwar die einzige, zu mir leichter zu erklimmen. Zu diesem Zwecke sind alle diese Mitteilungen. Beharrung führt zum Ziele! Harret aus! Und auch du wirst am Ende schon sehen, wie viel Wahres und Falsches an allen diesen Mitteilungen klebt, und ob selbe von Mir oder einem Engel gegeben, und ob, wenn du selbe genau befolgest, diese Befolgung sich vom oder zum Endziel geführt hat.

 

Es ist aber ein unerschütterlicher Glaube nötig, ja zu vielem ist er der einzige Grundbau.

 

Du glaubst an eine andere Welt, denn sehen kannst du sie nicht. Du glaubst an einen Einfluss höherer Geister, auch diese kannst du nicht fühlen. Du glaubst an Meine Existenz, und doch siehst du Mich nicht. Du glaubst an ein Fortleben in einem anderen Geisterreich und die faktischen Beweise davon, wenn vielleicht auch im Einzelnen, aber im Ganzen hast du sie nicht. Und so ist der erste Grund der Glaube, ohne den ein weiteres Aufbauen eines geistigen Systems unmöglich ist.

 

Mangelt dir der Glaube, so hilft alles Beweisen nichts, denn es sind Worte in den Wind gesprochen. Glaubst du also, diese Worte kommen direkt aus Meinem Munde, und hat dieser Glaube auf dich einen besonderen Einfluss, so richte deine Taten und Werke danach aus. Glaubst du, es sei ein anderer Geist, der dir sagt, wie du Mein Kind werden kannst, so lasse den Engel Engel sein; und wenn du in ihm ein höheres Wesen erkennst, so suche wenigstens durch Befolgung Meiner Lehre einst das zu werden, was jener schon wäre, d.h. ein tüchtiges Werkzeug für Meine unerforschlichen Ratschläge und Pläne!“

(Empfangen durch Gottfried Mayerhofer am 29.9.1870. Quelle: Lorber Verlag, vergriffen)

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"...Deswegen blieb auch die Bibel erhalten, damit sie euch den größten und stärksten Beweis geben soll, wie dort schon alles aufgezeichnet ward, was in späteren Zeiträumen sich stufenweise entwickeln mußte, was aber nur dem Wiedergeborenen, dem mit geistigen Augen Sehenden, deutlich wie in einem Zukunftsspiegel vorleuchtet.

So möget ihr getrost den Blick zu Mir richten und eingedenk sein des Spruches: `Wer Mich nicht verläßt, den verlasse auch Ich nicht!` (PH.01_021,20)

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"Sehet, es wird von euch – wie Ich schon öfters gesagt habe – so manches Wort ausgesprochen, ohne daß ihr nur im mindesten eine Ahnung davon habt, was es eigentlich bedeutet! Dies ist ein Zeichen, wie wenig ihr die Tiefe, Kraft und Gewalt des Wortes, als Ausdruck eines Gedankens kennt. Deswegen bin Ich öfters gezwungen, euch vorher auf die einzelnen Worte, aus denen ein aus der Bibel angeführter Satz besteht, aufmerksam zu machen, um euch so nach und nach in ihr Verständnis einzuführen. Solange ihr die Zerlegung der Worte und ihre entsprechende Deutung nicht kennt und zu finden vermögt, solange ist von einem eigentlichen Verstehen der Bibelstellen, auch der einfachsten, keine Rede. Die Bibel mit all dem in ihr niedergelegten Weisheitsschatz bleibt dann für euch unverständlich; höchstens gewährt sie, wenn man sich mit dem oberflächlichen Buchstabensinne begnügt, dem einen oder andern in schweren Momenten des irdischen Lebens einigen Trost und Frieden. (PH.01_024,04)