„…Der Glaube, den Ich Meine Jünger lehrte, und den Ich ihnen durch die Heilung der zehn Aussätzigen zeigen und begreiflich machen wollte, ist eine weit mächtigere Kraft in der Geisterwelt, als ihr glaubt und wähnt; denn dieser Glaube ist die feste Überzeugung, dass dies oder jenes unwiderruflich geschehen muss, wie es sich bei Meinem Wort ereignete.“ (PH.01_39,09)

„Wer da fest glaubt, der wird in seinem Glauben auch seine Hoffnung realisiert finden!“ (Ste.01_022,03)

 

 

Die Kraft des Glaubens


1. Die Kraft des Glaubens
2. Wer an mich glaubt…
3. Eine Lüge?
4. Und er sprach zu ihnen…
5. Weiterer Texte zum Thema Glauben


1. Die Kraft des Glaubens

„Im Glauben liegt die große Verheißung und die Auferstehung. Wie Ich, der Eine, auferstanden bin aus eigener Kraft und Macht, so wird jeder auferstehen durch die Kraft des Glaubens in ihm, so der Glaube Den erfasst hat, der das Leben Selbst ist. Denn da hat der Glaube das Leben selbst und bedarf nicht, dass ihn jemand erwecke vom Tode, sondern er selbst ist der Wecker in dem, der ihn hat.

Und so ist es, dass da jedweder `seines Glaubens leben` wird und leben muss. Denn der Glaube ist der Leib der Liebe. Er ist die reine Seele oder die Intelligenz des Seins.

Die Liebe ist der ewige Geist in diesem Leibe. Und so der Glaubensleib da ist und gebaut aus Dem, der ewig das Leben selbst war, ist und sein wird – wie könnte der ohne Liebe, ohne Geist sein, der der Liebe entwachsen ist, die da ist das Leben selbst?!

Wer also glaubt an Den, der da kam, kommt und kommen wird von Ewigkeit als ein Leben aus Gott, Selbst Gott, das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, ohne Anfang und ohne Ende – der hat das ewige Leben schon in sich.

Niemand aber kann leben ohne einen Glauben, weder zeitlich noch ewig. Ist der Glaube dumm, so ist es auch das Leben; ist der Glaube gerichtet, so ist es auch das Leben. Wer im Glauben gebunden ist, der ist es auch im Leben, außer der Geist macht ihn frei.

Darum glaubet recht und an Mich, der Ich das Leben und die Auferstehung Selbst bin, so werdet ihr auch auferstehen in euerem Glauben und werdet eueres Glaubens ewig leben! Amen.

Das spricht, Der die Auferstehung und das Leben Selbst ist. Amen. Amen. Amen.“ (HiG.02_47.04.02,01ff)


2. „Wer an Mich glaubt, aus dessen Leibe werden,

wie die Schrift sagt, Ströme des lebendigen

Wassers fließen.“ (Johannes 7,38)

„`Wer an Mich glaubt, aus dessen Leibe werden, wie die Schrift sagt, Ströme des lebendigen Wassers fließen.`

Dieser Text ist gegeben wie eine Mausefalle und ist gemacht wie eine Grube, in die man Löwen, Panther und Tiger fängt; auch ist er wie ein Eckstein, über den gar viele in der Nacht stolpern und zerfallen sich gewaltig. Und Ich sage: Wer sich daran stößt und fällt, der wird viel Mühe haben, um wieder aufzustehen.

Warum das? Ich gebot ja doch hie und da den Glauben und predigte allenthalben die Liebe durch Tat und Worte. Ich sagte: `So ihr Glauben hättet, möget ihr Berge versetzen!`

Ich sagte auch, was der gegenwärtige Text anzeigt; und dennoch sage Ich wieder: Ich sagte nicht, was der Text anzeigt; denn Ich sagte: `Seid Täter und nicht alleinige Hörer Meines Wortes!`

Also sagte Ich auch, dass diejenigen, die zu Mir `Herr, Herr!` sagen, also an den Sohn Gottes glauben, nicht werden in das Himmelreich eingehen, sondern allein nur, die den Willen Meines Vaters tun!

Also sagte Ich auch: `Wer nach Meinem Worte lebt, der ist es, der Mich liebt; wer Mich aber liebt, zu dem werde Ich kommen in aller Fülle und werde Mich ihm Selbst offenbaren!`

Also sagte Ich auch: `Nur ein einziges Gebot gebe Ich euch, dass ihr euch untereinander liebet, also wie Ich euch liebe! Daran wird man erkennen, dass ihr wahrhaft Meine Jünger seid.`

Nun frage Ich: Was soll denn der Mensch tun? Soll er sich einerseits bloß begnügen mit dem Glauben, der angeraten ist für sich, oder soll er bloß sich an die Liebe halten und nichts glauben, als was ihm die Liebe zu Mir gibt, die er sich durch die Tätigkeit nach Meinem Worte zu eigen gemacht hat?

Denn die Liebtätigkeit habe Ich ja Selbst als das einzig geltende Kriterium angeführt, dadurch man erkennen kann, ob Meine Lehre menschlich oder göttlich ist; denn Ich sagte es ja: `Wer nach Meinem Worte handeln wird, der wird es erkennen, ob Meine Lehre von den Menschen oder von Gott ist!`

Wie heißt es denn hernach hier: `Wer an Mich glaubt, aus dessen Leibe oder Lenden werden Ströme des lebendigen Wassers fließen!`? Das lebendige Wasser bezeichnet aber ja auch die lebendige Weisheit aus den Himmeln, welche doch auch als ein sicheres Kriterium über die Göttlichkeit Meines Wortes gelten muss!

Und so hätten wir hier zwei Prüfungsgründe vor uns, wo der eine immer in dem andern seinen Gegner findet. Denn unter dem `Herr, Herr!`-Sagen wird auch der vollkommene Glaube an den Menschensohn verstanden; aber da heißt es, dass dieser Glaube das Himmelreich nicht erwirken wird, – und im vorliegenden Texte werden auf den alleinigen Glauben Ströme des lebendigen Wassers verheißen.

Nun fragt es sich: War Ich ein Doppellehrer? Oder war Ich einer, der bei jeder Gelegenheit den Mantel nach dem Winde gedreht hat, und habe bei Gelegenheit einer gläubigen Gesellschaft vom alleinigen Wert des Glaubens und bei einer tätigen Gesellschaft vom alleinigen Wert der Tätigkeit gepredigt? Auf diese Weise musste Ich ja in Mir Selbst im offenbarsten Widerspruche stehen.

Die Pharisäer glaubten ja eisenfest an die Satzungen Mosis, und das aus zeitlichen und einst auch geistigen Rücksichten, und dennoch wurden sie sämtlich von Mir ihres Unglaubens willen zu öfteren Malen auf das allerempfindlichste angegriffen.

Warum begnügte Ich Mich hier nicht mit ihrem ersten Glauben, und warum griff Ich sie an, dass sie an Mich nicht glauben wollten, und wurden von Mir ‚Täter des Übels‘ genannt, weil sie im buchstäblichen Sinne lebten nach dem Gesetze und wollten sich nicht kehren an Meine Lehre?

Warum ließ Ich den das Gesetz allzeit erfüllenden Pharisäer ungerechtfertigt und den mit Sünden belasteten Zöllner gerechtfertigt aus dem Tempel ziehen?

Warum überhaupt respektierte Ich denn nicht die Satzung Mosis, dass Ich darum nicht achtete des Sabbats? Warum ärgerte Ich Selbst dadurch die Pharisäer und lehrte Selbst: `Wehe dem, der seinen Nächsten ärgert!`?

Ja, Ich gab sogar eine Lehre, laut welcher ein Mensch ein Glied, das ihn ärgert, von sich entfernen solle und solle lieber verstümmelt ins Himmelreich als geraden Wesens in die Hölle eingehen. Saget hier: Wie verhält sich alles dieses? Ein ganzer Haufen von Widersprüchen liegt vor euch; wie werdet ihr alle diese Widersprüche übereinbringen?

Ich sage euch: Aus euch selbst möchtet ihr aus diesem Labyrinthe wohl nimmer den Ausweg finden; Ich aber will hier, gleich dem Helden Mazedoniens, den Knoten mit einem leichten Hiebe entwirren. Und so höret denn!

Es ist ein Unterschied zwischen dem, was Ich nur sagte, und dem, was Ich anbefohlen habe. Es liegt aber auch ein Unterschied zwischen dem Sagen und Sagen: das eine Sagen ist wie ein verneinendes und das andere wie ein bejahendes. Ein verneinendes ist gleich wie ein naturmäßiges, – ein bejahendes gleich wie ein geistiges. In dem naturmäßigen liegt kein Gebot, aber in dem geistigen liegt ein Gebot.

Darum, wenn es heißt: `Ich sagte nicht`, so heißt das so viel als: `Ich habe es nicht geboten`; und wenn es heißt: `Ich sagte es`, so heißt das so viel als: `Ich habe es geboten.`

Wenn Ich aber vom Glauben sprach, so verstand Ich darunter allzeit den lebendigen, also mit Liebe gepaarten Glauben; aber einen Glauben für sich allein verwarf Ich allzeit.

Darum sagte Ich euch auch letzthin: `Ich sagte nicht: Wer glaubt an den Menschensohn, aus dessen Lenden werden Ströme des lebendigen Wassers fließen!` Das ist soviel als: `Niemand wird durch den alleinigen Glauben zum Lichte gelangen, sondern allein durch die Tat nach Meinem Worte!`

Wie Ich aber hier sage: `Wer an Mich glaubt, aus dessen Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen!`, da sage Ich soviel als: Wer einen lebendigen, also mit Liebe gepaarten Glauben hat, der wird in die Weisheit der Himmel eingeführt werden; und so ihr nur einigermaßen denken könnt, so werdet ihr leicht ersehen, dass damit nur der Himmel unterster Grad verheißen ist.

Dass aber auf den lediglichen Glauben gar kein Himmelsgrad verheißen ist, das lehrt euch eure eigene Erfahrung. Denn ihr habt ja auch von Kindheit an geglaubt an Mich; fraget euch aber selbst, wie viele Tropfen irgendeines lebendigen Wassers darum aus eurem Leibe geflossen sind. Habt ihr es durch euren vierzig Jahre alten Glauben dahin gebracht, dass ihr in euch zufolge irgendeines lebendigen Wassertropfens die Unsterblichkeit eures inneren Wesens vollkommen evident gefunden hättet?

Ich habe euch jetzt schon so viel des allerechtesten lebendigen Wassers zukommen lassen, und noch seid ihr in so manchem über euer inneres Fortbestehen nach dem Tode des Leibes nicht im reinen. Ich aber bin doch kein Lügner; Ich habe auf den Glauben Ströme des lebendigen Wassers verheißen. Wo sind sie denn bei euch Gläubigen?

Aus dieser eurer eigenen Erfahrung aber könnt ihr ja hinreichend abnehmen, dass Ich als die ewige Wahrheit und Weisheit Selbst im vorliegenden Texte unmöglich den alleinigen Glauben habe verstehen können, sondern nur den allen Meinen Jüngern wohlbekannten, mit der Liebe zu Gott und dem Nächsten gepaarten.

Denn der alleinige Glaube für sich kann ebenso wenig Ersprießliches zum ewigen Leben wirken, als wie wenig ein Ehegatte mit und aus sich selbst Kinder zu zeugen vermag. Er muss sich vermählen mit einer Gattin und kann erst im Brande seiner Liebe Kinder zeugen mit der Gattin.

Die Kinder sind in naturmäßiger Bedeutung gleich entsprechend den Strömen des lebendigen Wassers aus den Lenden des Leibes. Zudem besagt eben der ‚Leib‘ oder die ‚Lenden‘ in diesem Text als ein materielles Bild die Liebtätigkeit selbst, und der ganze Text lautet im enthüllten Zustande also: `Wer in seinem Herzen auf Mich hält, dessen Tätigkeit wird ersprießlich sein zum ewigen Leben!`

Aus dieser höchst klaren Bedeutung aber geht ja doch auch höchst klar hervor, dass Ich vom alleinigen Glauben allzeit nur verneinend, aber nie bejahend gesprochen habe; denn sonst hätte Ich Mir ja offenbar vor den Augen und Ohren aller Welt auf das allerschmählichste widersprochen.

Wenn demnach irgendwo in Meinem Worte vom Glauben die Rede ist, da ist derselbe allzeit also zu nehmen, als wenn ihr von einer Börse redet. Wer da sagt: `Ich habe ihm meine Börse gegeben!`, da versteht sich das ‚gefüllt‘ von selbst; denn mit einer leeren wird wohl niemand in etwas gedient sein. Also ist es auch, von Meiner Seite aus betrachtet, mit dem Glauben der Fall. Ich verstehe darunter nie den leeren, sondern allzeit den mit Liebe gefüllten.

Darum sage Ich noch einmal: Ich sagte nicht: `Wer an Mich glaubt, aus dessen Leibe oder Lenden werden Ströme des lebendigen Wassers fließen!`, – sondern Ich sagte: `Wer an Mich glaubt, aus dessen Leibe oder Lenden werden Ströme des lebendigen Wassers fließen!“

Im ersten Verneinungsfalle wird bloß der leere Glaube verstanden, der nie auch nur den kleinsten Tropfen des lebendigen Wassers gibt; im zweiten Falle aber wird der gefüllte Glaube verstanden, dem dann freilich die Ströme des lebendigen Wassers folgen, und es ist das, wo Ich darauf bejahend sage: `Wer den Willen Meines Vaters tut, der wird es erkennen, woher die Lehre ist!`

Der Vater aber ist die Liebe, und diese begnügt sich nie mit einem luftigen Schein, sondern ganz allein nur mit dem wirklichen Sein. Was nützt euch des alleinigen Glaubens mattester Laternenschimmer in dem unendlichen Schöpfungsgebiet? Du magst greifen hin und her und blicken auf und ab: matte Strahlen nur kommen dir entgegen; aber ferne sind diejenigen Dinge, von denen du von weiter Ferne her nichts als matte Strahlen empfängst. Denn dem Schlafenden genügt wohl der Traum. Er hält ihn so lange für Wirklichkeit, als er schläft; wenn er aber erwacht, da sucht er Wirklichkeit und Bestimmtheit überall.

Wie aber, wenn der Mensch sein ganzes irdisches Leben hindurch schläft und hält die Traumgebilde für Wirklichkeiten? Was wird sein, wenn er nach der Ablegung seines Leibes aus solch einem irdischen Traumleben erwacht? Wonach wird er greifen? An was wird er sich halten? Von allen Seiten wird er mit Nacht umlagert sein; woher wird er das Licht nehmen, um die wirreste Nacht um sich zu erleuchten?

Ich sage darum: es ist besser für den, der sich hier in allerlei Zweifel gefangengenommen fühlt, denn der bekundet, dass er einen wachen Geist hat, der sich aber noch in der Nacht befindet. Er hat die Nichtigkeit der Traumbilder frühzeitig erfahren und ruft mit großer Sehnsucht den Tag in sich.

Aber der Träumer weiß nichts von der eigenen Nacht; er ist ein Herr, tut, was er will, isst und trinkt und meint, alles das sei Wirklichkeit. Wenn er aber erwachen wird, dann erst wird er der großen Leere in sich gewahr werden; aber freilich leider zu spät. Denn wenn der Glaube, der gefüllte nämlich, nicht bei Leibesleben Ströme des lebendigen Wassers aus den Lenden bewirkt, wie soll er es hernach bewirken, wenn die Lenden abgefallen sind?

Oder so jemand kein Geld in der dazu geeigneten Börse erhalten kann, wie wird er es denn erhalten, wenn er keine Börse und kein Geld hat? Oder wenn jemand das Leben nicht erhalten kann, wenn er es hat samt dem dazu nötigen Lebenssacke, wie wird er es denn erhalten, wenn er des Sackes samt dem Leben ledig wird?

Wer nicht sein kann, wenn er ist, – wie wird er denn sein, wenn er nicht ist? Es wird aber nur dem gegeben, der es hat, und der nichts hat, dem wird auch genommen, was er hat!

Ich meine, diese ziemlich gedehnte Erklärung dürfte wohl klar genug sein. Trachtet daher auch ihr nach dem gefüllten Glauben; denn der leere ist nichts als ein purer Traum. Wollt ihr Ströme des lebendigen Wassers aus euren Lenden fließen sehen, da muss euer Glaube durch die Werke der Liebe lebendig werden! Amen.“ (Ste.01_034,01ff)


3. Eine Lüge?

Heute gab uns der liebevollste Vater durch Seinen Knecht Jakob Lorber nachfolgende Lehre, und zwar mit der angegebenen Überschrift.

Es wird euch sonderbar vorkommen, so ihr zufolge dieser Überschrift etwa denken möchtet, Ich sei imstande euch anzulügen. – Allein es ist natürlich dem nicht so; sondern die Sache verhält sich ganz anders. Und es ist nicht alles Lüge, was als solches erscheint – wie auch nicht alles Wahrheit ist, was als solches erscheint. – Dass die Sache sich aber so verhält, soll euch alsbald eine kleine Erzählung belehren.

Es erzählte jemand seinem Freunde, dass er in einer Gegend dieses Landes einen ungeheuren Drachen gesehen habe und beschrieb sogar dessen Gestalt haarklein. Er machte dadurch seinem Freunde die Sache so wahrscheinlich, dass dieser sich alsbald bewogen fand, selbst an den Ort hinzureisen, wo sein Freund den Drachen gesehen haben wollte.

Als nun der Freund in die benannte, genau beschriebene Gegend kam, da fand er auch nicht die leiseste Ähnlichkeit dieser Gegend mit der von seinem Freund beschriebenen, ja sogar der Name war falsch; und auf Frage wurde ihm berichtet, dass in diesem Lande wohl keine Gegend unter diesem Namen und dieser Gestalt aufzufinden sein dürfte.

Und so kehrte denn der Freund wieder zurück und sprach zu dem andern mit heftigen Worten: `Ei du loser, böser Freund, was habe ich dir getan, dass du mich so arg mit deiner Lüge bedient und mich dem Gelächter der Unsinnigen preisgegeben hast!?` – Sein erzählender Freund aber behauptete dennoch, dass er ihm keine Lüge gesagt habe. `Denn,` sagte er, `ich habe nun einmal das Ungetüm gesehen, wie ich dir beschrieben habe; und als ich mich bei den Menschen erkundigte, wie diese Gegend heiße, da sagten sie mir, dass sie so heiße, wie ich dir angegeben habe.`

Nun aber forderte den Erzähler sein Gegenfreund auf, ihn an den Ort zu führen, auf dem seine Lüge gewachsen war. Der Erzähler willigte ein und führte seinen Freund an einen Ort, der ungefähr eine leichte Ähnlichkeit mit dem vorbeschriebenen hatte. Allein als er, der Angelogene, die dortigen Menschen um den Namen dieser Gegend befragte, da hatte dieser auch nicht die leiseste Ähnlichkeit mit dem von dem erzählenden Freunde angegebenen. Und von irgendeinem Drachen wusste niemand eine Silbe daselbst.

Nun, was meint ihr denn, nachdem ihr solche Erzählung vernommen habt – hat der Erzähler seinen Freund angelogen oder nicht? – Ja, sage Ich, er hat ihn angelogen, und das weidlich – und wieder hat der Erzähler seinem Freunde dennoch eine allerreinste Wahrheit gesagt.

Aber nun fragt sich, wie kann denn eine Sache zu gleicher Zeit Lüge und Wahrheit sein? – Das bringt freilich ein natürlicher Menschenverstand so wenig überzeugend heraus, wie dass schwarz weiß und weiß schwarz ist. – Jedoch nicht also ist es bei Mir! – Denn es kann eine Sache, mit geistigen Augen betrachtet, recht gut schwarz und weiß zu gleicher Zeit und auf derselben Stelle sein. – Und so wird sich auch zeigen, wie dieser vorbenannte, lügenhafte Erzähler dessen ungeachtet die Wahrheit geredet hat.

Dieser Mensch hatte nämlich an einem Tage, da er unter dem kühlenden Schatten eines Baumes einschlief, einen so lebhaften Traum, in welchem er das Erzählte so leiblich und lebhaft gesehen hat, dass er unmöglich umhin konnte, bei sich selbst anders zu gedenken, als er habe wirklich dieses alles also gesehen.

Denn obschon er wieder unter dem nämlichen Baume erwachte, unter welchem er sich einige Stunden vorher zur Ruhe gelegt hatte, so war aber doch sein Traum so beschaffen, dass es ihm vorkam, er sei alsbald unter dem Baume aufgewacht, habe dann die Stelle verlassen und sei zufolge eines weiteren Spazierganges in die vorbeschriebene Gegend gekommen. Und als er daselbst in seinem Traum alles früher Erwähnte gesehen und erfahren hatte, kehrte er alsbald zurück, kam gerade zum selben Baume wieder, legte sich wieder, schlief ermüdet auf eine kurze Zeit ein und erwachte dann wirklich unter demselben Baume, unter dessen Schatten er sich einige Stunden früher in Wirklichkeit wohlbehalten begeben hatte.

Nun sehet, in der Natürlichkeit ist das von dem Träumer Erzählte zwar eine Lüge, da im ganzen Lande keine Gegend jener Art und kein Drache ausfindig gemacht werden kann. Allein es ist gerade nicht nötig, dass, so irgend etwas in der Natur nicht vorgefunden wird, es deswegen nicht geistig bestehend da wäre.

Und so verhält es sich überhaupt mit einer jeden geistigen Anschauung! Nehmet nur einen Blinden und erzählt ihm von diesem und jenem Gegenstande, den ihr sehet, dass er da ist! Ist für den Blinden die Erzählung etwa eine Lüge, da er den Gegenstand eurer Erzählung nicht selbst sehen kann? – Und so können viele Dinge vorhanden und wahr sein, wenn sie auch nirgends aufgefunden werden – da neben der naturgemäßigen Welt, ja sogar in derselben eine noch bei weitem größere Geisterwelt besteht. – Wer möchte z.B. wohl behaupten, dass die Hölle eine Lüge sei, da sie doch nur aus lauter Lüge besteht? Oder wer möchte behaupten, es gebe darum keinen Himmel, weil er dem Auge des Forschers nicht ersichtlich ist?

So ist demnach das Sein und Nichtsein und Doch-Sein keine Lüge! Denn ein materielles Sein ist kein geistiges Sein, wie das geistige kein materielles – und doch ist das materielle durch das geistige, wie auch wieder umgekehrt das geistige durch das materielle bedingt.

Ein Beispiel wird euch dieses hinreichend beleuchten! – Betrachtet einen Apfel, wie er da noch hanget am Baume, so werdet ihr gewiss sagen, dass dieser Apfel auf diesem Baum gewachsen ist. Und wieder werdet ihr sagen müssen, dass dieser ganze Baum aus einem solchen Apfel gewachsen ist. Und so werdet ihr bald einen Apfel aus dem Baume und bald wieder einen Baum aus dem Apfel entstehen sehen.

Nun fraget euch selbst, was ist denn hier eigentlich die Frucht und welches ist das die Frucht Hervorbringende? – Saget ihr, der Apfel sei die Frucht, so sage Ich: `Was ist demnach aber der Baum, so er aus dem Apfel hervorwächst?!` – Und saget ihr: `Ja, so ist doch der Baum die Frucht!` – da sage Ich aber: `Was ist demnach der Apfel, wenn er aus dem Baume zum Vorscheine kommt?`

Sehet, auch hier kann jede Behauptung an und für sich zu gleicher Zeit eine Lüge und eine Wahrheit sein. Denn der Apfel ist so gut Frucht wie der Baum – und eben auch so gut Hervorbringer wie der Baum.

Jedoch, wenn man sagt: `Ja, es kann doch nur eines wahr sein!` – so sage Ich: `Es ist ganz richtig, dass die Wahrheit nur eine ist!` Aber töricht ist es von Menschen, in der Beschränktheit ihrer Urteile zu behaupten und zu sagen: Dieses oder jenes sei `das Erste` – während ihr doch aus diesem Beispiele leicht ersehet, dass das eine so gut wie das andere `das Erste` sein kann.

Denn es stünde zum Beispiel irgendein außerordentlicher Gelehrter auf und würde behaupten, Gott habe zuerst den Baum erschaffen; ein anderer aber würde hinzutreten und ihm sagen: `Wenn Gott zuerst den Baum erschaffen hat, warum hat er dann die Fähigkeit in den Apfel gelegt, dass, so dieser in die Erde gelegt wird, ein Baum aus ihm zum Vorschein kommt, der wieder ebensolche Früchte trägt, aus denen er selbst hervorgegangen ist? Somit ist ja doch ersichtlich, dass Gott nicht zuerst den Baum, sondern nur einen Apfel erschaffen hat!` – Und wieder würde ihm auf diese Äußerung der erste Gelehrte einwenden: „Ich glaube, dass es der Ordnung gemäßer war, zuerst den Baum zu erschaffen und diesen mit der Reproduktionskraft zu versehen.` – Sehet, und so würden diese zwei Gelehrten sich in einem ewigen Kreise herumtreiben, ohne je ans Ziel zu gelangen. – Und würde einer, der da zwei ineinandergreifende Uhrräder vor sich hätte, behaupten: `Dieser Zahn dieses Rades greift in die Zähne des andern Rades!` – und ein anderer würde ihm entgegnen: `Aber lieber Freund, bist du denn blind, dass du nicht siehst, dass die Zähne des andern Rades nur in die Zähne dieses Rades eingreifen?` – Welcher von diesen beiden hätte da wohl nun wieder recht?

Ich sage: Es hat ein jeder recht und redet die Wahrheit – und wieder: Es lügt einer so gut wie der andere. Der Anteil der Lüge besteht hier freilich bloß in der Einseitigkeit der Behauptung, wodurch die eine Wahrheit sich wieder die andere auflehnt. Und in dem Grade, als sie die andere Wahrheit anficht, ist sie Lüge. An und für sich aber ist sie so gut wahr wie das von ihr Angefochtene.

Die eine Wahrheit aber ist diese: Es besteht und entsteht eines aus dem andern – und eines ist für das andere da. Ich aber bin der ewige Urgrund alles Seins und habe alles so eingerichtet, daß das Naturmäßige entsteht und besteht aus dem Geistigen und das Geistige aber wieder, umgekehrt, im beständigen und unwandelbaren Kreislaufe aus dem Naturmäßigen.

Daraus wird euch auch klar, wie die Geisterwelt beständig hineinragt in die naturmäßige und die naturmäßige wieder in die geistige. Denn so irgendein Geist frei wird, so liebt, denkt und handelt er in seiner ihm zugewiesenen Sphäre. Dieses Handeln und Wirken eines Geistes, da es nun einmal vor sich ging, kann aber unmöglich so spurlos vorübergehen, als wäre da gar keine Handlung und Wirkung vor sich gegangen. Es fragt sich demnach, wie wird denn aber die Handlung und Wirkung des freien Geistes ersichtlich?

Da sage Ich: Seht die Dinge an, wie sie sind, wie sie entstehen und bestehen, und ihr werdet euch dabei sagen müssen, dass jede diese Erscheinungen irgendeinen ausreichenden Grund der Entstehung haben muss – aber wo liegt dieser Grund? – Gewiss nicht in der Materie, sondern in dem geistigen Wirken und Handeln, welches Wirken und Handeln ein inwendiges ist.

Wenn aber irgendein Baumeister ein Haus aufbaut, so hat er doch gewiss das Haus nicht des Hauses selbst wegen aufgebaut, sondern er hat mit dem Gebäude einen Zweck verfolgt, der seiner Absicht völlig entspreche. Da schon ein Baumeister solches tut und selbst als sterblicher Mensch seinem Werke eine ewige Dauer verschaffen möchte, um wie viel mehr wird ein freier, ewiger Geist seine Handlungen und Wirkungen so einrichten, dass sie seiner Liebe und seinem Wesen entsprechen!

Und so liegt ja wieder klar am Tage, dass die Materie selbst nur ein Mittel ist, aus dem ein geistiger Zweck in der Absicht des geistigen Erzeugers erstehen soll.

Und wenn ihr dieses so recht betrachtet, so muss euch klar werden, wie das eine für das andere da ist und wie immerwährend eines in das andere greift und hineinragt. Und aus dem werdet ihr weiter deutlich ersehen, was die Lüge und was die Wahrheit ist, und werdet erkennen, wie für den Reinen alles rein und wahr, für den geistig Blinden aber die Wahrheit Lüge ist. – Auf diese Weise kann auch in Mir, als dem ewigen Urgrunde aller Wesenheit, keine Lüge stattfinden; ja ihre Existenz ist in Meinem Angesichte eine Unmöglichkeit.

Dem Blinden ist freilich die Existenz eines Dinges wie auch die formelle Beschaffenheit desselben eine unglaubliche Tatsache, da er sich von deren Wirklichkeit nicht überzeugen kann. Wenn er aber glaubt, dass die Sache so ist, so hat er die Wahrheit. Glaubt er aber nicht, so ist sein beharrlicher Unglaube die Lüge selbst, in der ihn seine Blindheit gefangen hält.

Der Glaube ist demnach eine Augensalbe für die Blinden. So sie ihn gebrauchen wollen in der Einfalt ihres Herzens, werden sie bald zum Lichte ihrer Augen gelangen und die Dinge schauen, wie sie sind. Und sollten sie dieselben auch anders finden, als sie ihnen beschrieben wurden, so ist doch das, was ihnen gesagt wurde, auch für sie wahr, weil sie es glauben, dass es so ist.

Daher auch wird jeder alles früher oder später im Geiste finden, wie er es geglaubt hat! Denn wie das Licht, so die Farbe der erleuchteten Gegenstände. Der Glaube aber ist das Licht des Geistes; daher der Mensch auch sehen wird, wie sein (Glaubens-)Licht beschaffen ist.

Es wird aber aus dem Baume kein anderer Apfel zum Vorschein kommen, als der in den Baum gelegt ist; wie wieder aus dem Apfel kein anderer Baum, als in den Keim gelegt ist.

Und so ist auch jeder Mensch die Frucht seines ihm eigenen Glaubens und der Glaube selbst die Frucht der Liebe des Menschen. – Und daher kurz gesagt: Wie einer glaubt, so wird er schauen, und wie er liebt, so wird er leben.

Wer aber Meinen Worten glaubt, der hat Mich in sich aufgenommen, insoweit er glaubt, dass Ich es bin, der ihm solches kundgebe. Und da jeder Mensch im Grunde seines Wesens seine eigene Liebe ist, so werde dann Ich, wenn er Mich durch den Glauben in seine Liebe aufnimmt, seine Liebe, wie er die Meinige wird. Denn wie er Mich aufgenommen hat, so habe auch Ich ihn aufgenommen. Und so werden wir dann eins werden, wie der Baum und der Apfel im Grunde doch nur eins sind – und werden ineinandergreifen wie die Räderzähne einer Uhr – und daraus wird dann eine Wahrheit werden.

Denn wer Mich durch den Glauben aufgenommen hat in seine Liebe, der hat die ewige Wahrheit in sich aufgenommen und wird selbst zur ewigen Wahrheit. Und da Ich die ewige Liebe Selbst bin, so bin Ich auch dann in aller Wahrheit als solche das Eigentum des Menschen, der Mich zu seiner Liebe gemacht hat.

Und da wird der Mensch sein gleich einem veredelten Baume, der das Höhere in sich aufgenommen hat, damit dieses sein Eigentümliches werde, und wird darob tragen viele edle und kostbare Früchte, in welchen dessen ungeachtet seine freie Selbständigkeit doch nie zugrunde gehen wird. Denn wie ihr aus dem Samenkorne eines veredelten Baumes die Urwesenheit des Baumes wieder zurückbekommen könnt (da sie trotz des Adels noch immer selbständig vorhanden ist) – so ist es auch mit dem durch Mich veredelten Menschen, dass er ebenfalls, trotz Meiner Aufnahme und der dadurch erfolgten Veredelung, seine Selbständigkeit frei und ewig behalten wird.

Sehet, diese euch nun gegebene Lehre ist gar wichtig, und ohne sie könnet ihr nicht leichtlich zu der inneren Festigkeit eures Glaubens gelangen, und eure Liebe würde beständig ein in sich selbst zurückkehrender Kreislauf bleiben. Allein so ihr wisst, dass euch die Vereinigung mit Meiner Liebe in den unendlichen Kreis Meines ewigen Wirkens aufnimmt, so könnt ihr denn auch mit größter Sicherheit den Schluss machen, dass da neben der Unendlichkeit Meines Wirkens wenig Raum bleiben wird, wohin sich eine Lüge verbergen möchte. Denn wer sich vom Lichte absondert, der wird freilich nur auf einer Seite erleuchtet sein und auf der entgegengesetzten Seite einen Schatten entdecken, der ein lichtloses Trugbild der eigenen Selbständigkeit ist, wer aber in der Mitte der leuchtenden Flamme Meiner Liebe sich befindet – fraget euch selbst, ob auch da irgendein Schatten möglich ist?

Daher machet Mich durch den Glauben in eurer Liebe zu eurer Liebe, damit euch das Licht umfasse und durchdringe und ihr selbst zum Lichte werdet aus Mir. – Das sage Ich, die Ewige Liebe und Wahrheit. Amen.“  (HiG.01_40.11.08,01 ff)


4. „Und Er sprach zu ihnen: ‚Wahrlich, Ich sage

euch, es stehen etliche hier, die den Tod nicht

kosten werden, bis sie sehen das Reich Gottes

kommen in der Kraft!‘“ (Markus 9,1)

Und Er sprach zu ihnen: ‚Wahrlich, Ich sage euch, es stehen etliche hier, die den Tod nicht kosten werden, bis sie sehen das Reich Gottes kommen in der Kraft!‘

Das ist wieder ein etwas längerer Text und braucht daher eine etwas kürzere Erklärung. Man darf nur wissen, wer die einigen sind, die den Tod nicht verkosten werden, bis sie werden kommen sehen das Reich Gottes in seiner Herrlichkeit; weiß man die, so weiß man dann auch schon beinahe den ganzen Sinn dieses Textes.

Wer sind also die etlichen? Das sind die Gläubigen und die danach Hoffenden. Wer da fest glaubt, der wird in seinem Glauben auch seine Hoffnung realisiert finden; denn es heißt ja auch: `Wer da Glauben hat so groß wie ein Senfkörnlein und zweifelt nicht an dem, was er glaubt, der kann Berge versetzen mit der Kraft seines Glaubens!`

Also werden unter den ‚etlichen‘ die Gläubigen verstanden, und das geht noch ferner aus dem hervor, dass der Gläubige fortwährend von dem Wunsche beseelt ist, das zu sehen mit seinen Augen, was er glaubt. Darum ist denn diese Verheißung auch also gestellt, dass sie anzeigt, wie der innere Wunsch solcher Gläubigen solle realisiert werden; und sie sollen nicht eher irgendeinen Tod verkosten, als bis sie das erschauen, was sie glauben.

Was glaubten denn diese etlichen? Diese etlichen glaubten fest, dass Ich der verheißene Messias bin, glaubten auch, dass durch Mich die Herrlichkeit des Reiches Gottes, also eine vollkommene Theokratie auf der Erde gegründet wird und fürder nimmer ein Ende haben wird. Des Menschen Sohn wird die Herrlichkeit des Vaters auf der Erde übernehmen, und vor Seiner Macht werden sich dann beugen müssen alle Königreiche und alle Knie derjenigen, die unter der Erde, auf der Erde und über der Erde sind.

Das war der feste Glaube dieser etlichen. Darum ward es denn auch zu ihnen gesagt, dass sie nicht eher irgendeinen Tod schmecken sollen, als bis sie die Herrlichkeit des Reiches Gottes werden kommen sehen; freilich nicht in der Art, wie sie es glaubten, sondern nur in der Entsprechung ihres Glaubens.

Was meint ihr aber, warum diesen etlichen nach der Anschauung der Ankunft der Herrlichkeit des Reiches Gottes dennoch das Verkosten des Todes bedingungsweise belassen ist, das heißt, dass sie, nachdem sie die Ankunft des Reiches Gottes werden gesehen haben, dennoch den Tod werden verkosten müssen? Der Grund liegt darin, weil der Glaube für sich, wenn er noch so fest ist, kein Leben erzeugt, wenn er nicht die Liebe voraus zum Grunde hat, die allein unsterblich ist!

Solche etliche gibt es jetzt auch eine Menge auf der Welt, die pur auf den allein seligmachenden Glauben halten, aber nicht bedenken, dass der Glaube nur eine Ausstrahlung des Gnadenlichtes Meiner Liebe ist, der wohl vorbereitet und im Inneren so wirkt, wie das Licht wirkt naturmäßig auf der Erde. Wenn es im Sommer stark auffällt, so erwärmt es auch das Erdreich und lockt allerlei Früchte aus demselben; aber das Licht kann nicht immer gleich stark sein, und wenn demnach der Winter anrückt und der Sonnenstrahl schwächer und schwächer wird, da sterben bald alle die Produkte des Sommerlichtes ab und werden unter Schnee und Eis begraben.

Warum belebt denn da die Erde im Winter ihre im Sommer so prunkenden Kinder nicht? Warum müssen sie den Tod schmecken, wenn sie auch zuvor die Herrlichkeit des Lichtes aus der Sonne empfunden haben? Weil die Erde viel zu wenig eigene Wärme besitzt.

Gerade also steht es auch mit den Glaubenshelden. Sie glauben fest und sind voll Eifer und voll Tätigkeit, solange sie von Meinem Gnadenstrahl durchleuchtet und erwärmt werden; wenn sie aber dann auf die Probe gestellt werden, wie viel der eigenen Wärme sie in sich haben, da werden sie welk, die Früchte samt den Blättern fallen von den Bäumen, und sie stehen nackt und kahl da, und statt der früheren Früchte rastet bald Schnee und Eis über ihren Ästen und Zweigen.

In Meinem höchsten Sommergnadenlichte erblicken sie sicher die Herrlichkeit Meines Reiches in den Früchten, die sie aus diesem Lichte bringen; aber diese Früchte sind fremden Ursprungs, das heißt, sie werden nicht durch die Kraft der eigenen Wärme erzeugt, und darum bleibt die Verkostung des Todes unfehlbar im Hintergrunde.

Aber nicht also steht es mit denen, welche in ihrem Inneren in ihrer großen Liebe zu Mir selbst eine Sonne haben; zu denen sage Ich: Wahrlich, wahrlich, die Mich lieben und sind tätig nach Meinem Worte, die werden den Tod in Ewigkeit weder fühlen noch irgend schmecken!

Der Glaube kann auch durch die Lesung rechter Bücher erreicht werden; aber die Liebe kommt nur aus dem Herzen. Daher fraget auch ihr mehr euer Herz als die Bücher, wie dieses gegen Mich beschaffen ist, und ihr werdet dann nicht zu den etlichen gehören. Solches bedenket allzeit! Amen.“ (Ste.01_022,01ff)


5. Weitere Texte zum Thema Glauben

5.1.
Jesus:Jetzt musst du freilich das alles nur glauben; so aber dein Glaube durch Werke lebendig wird, so wirst du durch den lebendigen Glauben schon auch ins Schauen, Selbstfühlen und tiefstes dich überzeugendes Erkennen übergehen, und das ist für die Seele des Menschen um gar vieles besser, als so sie erst etwas als für überzeugend wahr annimmt, was sie durch ihr eigenes Suchen und Forschen mühevoll auf dem Erfahrungswege sich als eine Wahrheit zu eigen gemacht hat.

Es ist wohl solch eine suchende und emsig forschende Seele sicher auch ihres Lohnes wert, da doch jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist, aber besser ist eine Seele, die, so sie die Wahrheit – sage – aus dem Munde Gottes vernimmt, da glaubt und danach tätig ist; denn dadurch eint sie durch die Liebe Meinen Geist mit sich, der ihr in einer Stunde Zeit mehr der lichtvollsten Weisheit geben kann und auch gibt, als sie sich auf dem Wege des höchsteigenen Forschens in hundert Jahren erwerben kann. Aber darum sollte auch eine frommgläubige Seele das gerechte Suchen und Forschen nicht auf die Seite setzen! Denn es sollte ein jeder Mensch alles prüfen, was er von Menschen vernimmt, und das Gute, das auch allzeit wahr ist, behalten; doch was leicht erkennbar von Mir Selbst den Menschen geoffenbart wird, das braucht der Mensch nicht viel zu prüfen, sondern nur zu glauben und danach zu handeln, und die lebendige Wirkung wird sich ihm bald sehr bemerkbar zu machen anfangen.

Wer an Mich glaubt, Meinen Willen tut und Mich liebt über alles und seinen Nächsten wie sich selbst, zu dem werde Ich Selbst kommen und Mich Ihm treulich offenbaren. In der Folge aber wird es also sein, dass am Ende ein jeder, den es wahrhaft nach Mir als der ewigen Wahrheit dürstet, von Mir belehrt werden wird; denn Ich, als die Wahrheit im Vater, bin gleich wie ein Sohn, der Vater aber ist die ewige Liebe in Mir. Wen sonach die Liebe oder der Vater zieht, der kommt auch zum Sohne oder zur Wahrheit.

Darum ist es besser, sich Mir durch die Liebe zu nahen als durch das Erforschen der puren Wahrheit. Denn mit der Liebe kommt auch der Geist der Wahrheit unfehlbar gleich also, wie mit dem Feuer, so es sich zur lebendigen Flamme gesteigert hat, das Licht; aber so jemand ein irgend fernes Licht wohl ersieht und demselben nacheilt, da wird er sicher länger zu tun haben, bis er an die Stelle des Lichtes gelangen mag, um daselbst auch von des Lichtes lebendiger Flamme zum Leben erwärmt zu werden.

Wer Gott wahrhaft sucht, der muss Ihn im eigenen Herzen, also im Geiste der Liebe, in der alles Leben und alle Wahrheit verborgen ist, suchen, und er wird Gott und Sein Reich auch so leicht und bald finden, – auf jedem andern Wege aber schwer und in dieser Welt oft wohl gar nicht.“ (GEJ.09_037,01ff)

5.2.
…„Sagte da wieder der erste Sprecher: `Meister, wir glauben ja, was uns gesagt worden ist, und dennoch ist uns nicht geholfen worden! Was sollen wir denn da noch glauben!`

Antwortete Ich: `Ihr sollt glauben, dass Gott, der Vater von Ewigkeit, von unendlicher Güte ist und zu jedem kommt, der Ihn allen Ernstes anruft!

Ihr sollt glauben, dass Gott nicht erst der Menschen bedarf, um seine Kraft zu ihnen zu senden, sondern dass diese Kraft von jedem Menschen durch die Liebe zu Gott angezogen werden kann, sodann in dem Menschen sich entfaltet und zur Wirkung gebracht werden kann.`“ (GEJ.11_067,24)

5.3.
Aber so ein Mensch sich auch dann und wann recht ernst vornimmt und sagt: ,Herr, von nun an werde ich unerschütterlich verharren bei meinem Vorsatze!‘, geht aber dann hinaus, und es kommen ihm wieder so reizende Dinge in der Welt vor, dass er seine Sinne nicht davon abwenden kann und er von neuem wieder schwach, wenn auch nicht böse wird, – ja, solch ein Mensch kommt nicht weiter, bleibt stets auf dem gleichen Flecke stehen und gelangt dadurch auch nicht zu einer Viertelsmeisterschaft über seiner Sinne Begierden.

In diesem Falle, wo seine Liebe zwischen den Reizen der Welt und Mir hin und her schwankt und nicht zu einer halben Stärke auf Meiner Seite gelangt, ja, da kann Ich solch einer Windfahne von einem Menschen noch nicht unter die Arme greifen und ihm eine volle Festigkeit geben.

Denn den guten Anfang muss der Mensch infolge des ihm zu dem Lebensbehufe verliehenen freien Willens selbst machen; die volle Vollendung ist dann erst Meine Sache! Wenn du das so recht aufgefasst hast, dann tue danach, und Meine Hilfe wird nicht unterm Wege verbleiben!“ (GEJ.08_151,05f)

5.4.
…„Er (Jesus) begünstigt Petrum wegen der Festigkeit seines Glaubens; wieder heißt Er den einen klugen Mann, der auf einen Felsen baut, wieder spricht Er von Johannes dem Täufer, dass er kein Rohr ist, das von dem Winde hin und her bewegt wird. Gar oft spricht Er: `Es geschehe dir nach deinem Glauben; dein Glaube hat dir geholfen!` – Also spricht Er auch offenbarlich aus, indem Er sagt: `Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist`, wodurch Er ebenfalls sagen will, dass sie, nämlich zu denen Er gesprochen hat, einen Gott gleich festen Willen haben und sich durch nichts aus der festen Richtung ihres Geistes bringen lassen sollten. Also preiset Er auch die Macht des festen Geistes mit folgenden Worten an: `So ihr Glauben hättet wie ein Senfkörnlein groß, so könntet ihr zu diesem Berge sprechen: Hebe dich von hinnen und stürze ins Meer! – Es wird geschehen nach eurem Glauben.`“ (GS.02_018,15)

5.5.
Aber: "Was heißt eigentlich `Glauben`? Nun, die meisten von euch werden mit einer Antwort verlegen sein, oder sie wird so ausfallen: `Ich glaube heißt soviel als: ich bin überzeugt, dass dies oder jenes so ist, wie man es mir sagte oder mich lehrte. - Glauben stützt sich auf die Autorität desjenigen, welcher mir dies oder jenes sagt. Ich glaube es, weil mir derjenige, der es mir sagte, davon überzeugt sein wird.` Solche und ähnliche Antworten werdet ihr überall zu hören bekommen, die aber alle auf eins hinauslaufen und nur immer besagen, dass dieser Glaube auf so schwachen Füßen steht, dass der leiseste Windstoß ihn umwirft oder zunichte macht. Einen solchen Glauben meinte ich nie...

Der Glaube also, den Ich Meine Jünger lehrte, und den Ich ihnen durch die Heilung der zehn Aussätzigen zeigen und begreiflich machen wollte, ist eine weit mächtigere Kraft in der Geisterwelt, als ihr glaubt und wähnt; denn dieser Glaube ist die feste Überzeugung, dass dies oder jenes unwiderruflich geschehen muss, wie es sich bei Meinem Wort ereignete. Dieser Glaube ist ein Eingreifen in Meine Macht, eine Teilung Meiner Macht, die Ich gerne denjenigen Kindern zulasse, die wahrhaft diesen Namen verdienen, die aber auch - wohlgemerkt - diese ungeheure Kraft nie missbrauchen werden, weil sie nur zu klar und deutlich einsehen, wie groß dieses Geschenk von seiten des allmächtigen Schöpfers ist, das nur ein liebendes Kind als Geschenk vom Vater erhalten kann. Dieser Glaube war es, welchen die zehn Aussätzigen so fest erfasst hatten, dass sie noch mit der Krankheit behaftet ruhig zu den Priestern hingingen, fest überzeugt, Mein Wort - als göttliches Wort - könne nicht trügen und müsse sich erfüllen, weil Ich es wollte und sie es glaubten und ganz darauf vertrauten." (PH.01_39,09 f)

5.6.
Wer Gott und Sein ewiges Lebensreich finden will, der muss das in sich, also in seines Herzens stillem Kämmerlein in der Liebe zu Gott und zum Nächsten zu suchen anfangen. Und wer da ernstlich zu suchen angefangen hat und im Suchen nicht nachlässt, der wird auch das finden, was er gesucht hat; aber wer im Suchen lau wird, der wird das, was er wohl finden möchte, so es ihm keine zu große Mühe kostete, auf dieser Welt und auch jenseits schwerlich oder auch gar nicht finden.“  (GEJ.08_108,13)

5.7.
Wollt ihr aber wirken in Meinem Namen, so muss Ich auch in aller Fülle der Wahrheit ganz in euch sein durch die Liebe und durch den lebendigsten Glauben. Seid ihr aber das, so möget ihr zu jenem Berge sagen: ,Hebe dich und stürze dich ins Meer!‘, – und es wird geschehen nach eurem Willen! Aber wohl gemerkt, ohne Mich vermöget ihr nichts!“ [GEJ.05_069,06f)

5.8.
Ohne Mich vermöget ihr nichts, mit Mir aber vollkommen alles!“ (HGt.02_234,04)

5.9.
„Mit Mir vermöget ihr alles, ohne Mich aber nichts!“ (GS.01_098,13)


Siehe auch linke Randspalte unter „Gebet / Meditation / Gesundheit (1)“, Thema „Glaube, Vertrauen, Zuversicht“, unter „Gebet / Meditation / Gesundheit (2)“, das Thema „Heilung durch Gebet“, insbesondere Kapitel 11, Gebetstexte „Worauf es ankommt“, unter "Persönliche Erfahrungen",  Thema "Leben im Christusbewußtsein", Kapitel  "Das Gesetz des Glaubens"