„Gewöhne dich daran, die Welt zu nehmen, wie sie ist

und nicht, wie sie sein sollte!“

 

 

Die Welt nehmen wie sie ist…

 

1. Soziale Lebenswinke
2. Des Christenmenschen Kampf auf Erden
3. Lebensschule der Liebe


1. Soziale Lebenswinke

Mein Sohn, du hast gestern durch dein Bekenntnis menschlicher Schwächen vor Meinem Schreiber (Gottfried Mayerhofer) das Zeugnis abgelegt, dass auch du noch sehr weit weg bist von der eigentlich richtigen Auffassung, wie das menschliche Leben, wie das geistige Leben im Menschen, und wie das Soziale mit Menschen beschaffen ist!

Nun, da du in dem Wirrwarr deiner Ideen und Begriffe nicht zurecht kommen kannst, indem du nicht weißt, wo eigentlich du dich hinwenden sollst, so will Ich Mich ins Mittel legen und dir dein Inneres enthüllen, und zwar wie es eigentlich ist, und nicht wie es dir scheint; denn schon  geraume Zeit lügst du dich selbst an, und willst behaupten, was nicht existiert.

Siehe, Mein lieber Sohn, es ist schon eine Zeit her, dass sich in dir Neigungen kund geben, welche dir zwar nicht neu, aber doch dieses mal dir ungelegen kommen. –

Du willst dich selbst belügen, indem du dir selbst ein Herz, d.h. ein Gefühl abstreiten willst, welches nur zu sehr mit der menschlichen Natur verwebt ist. –

Siehe, Mein Kind, du glaubtest in Reduzierung deiner Bedürfnisse, im Entfernen alles dessen, was die Menschen aneinander bindet, in Hintansetzung und Verachtung aller Konvenienz des sozialen Lebens, deine Heimat verlassend, zu leben wie es dir beliebt, frei von allen Fesseln zu sein, und nur die allein geduldig tragend, welche im Falle der Not du dir selbst auflegen willst.

Du glaubtest dich auf diese Weise mit Riesenkraft ausgerüstet, nur dem Geistigen allein zu leben, und so in einer idealen Welt schwärmend, der wirklichen nicht mehr zu bedürfen. Du wähntest dich vor jedem äußeren Feinde sicher, und trautest dir zu, den allenfallsigen im Innern dann leicht zu  bekämpfen.

Du glaubtest, Herr deiner Selbst zu sein, - und eben jetzt zeigt sich, dass, wenn du auch viele Nebenfeinde besiegt hast, doch der Hauptfeind in deinem Herzen unbesiegt geblieben ist*), und dir jetzt drohet, alle deine Kombinationen über den Haufen zu werfen und dich in Verbindungen und Verhältnisse reist, denen du längst Meister geworden zu sein glaubst. -
*) was ist das?, die täuschenden Einflüsterungen der Eigenliebe? (d.Hsg)

Du kommst mir vor, wie ein Riese von früher in eurer Zeit, dem seine große Kraft ebenso wenig nützt seit der Erfindung des Schießpulvers, da ein Kind mit ein paar Körnern dieses Pulvers den Riesen darnieder strecken und ihn ohnmächtig machen kann.

Du mit deinen starken, festen Vorsätzen wolltest die Welt und dein eigenes Ich in die Schranken rufen, du fühltest dich stark genug, den Kampf mit beiden aufzunehmen, und siehe, das Kind – die Zivilisation und die bei euch herrschenden sozialen Verhältnisse werfen dich zu Boden, erdrücken dich und lassen dich mit einem Blicke die ganze Verkehrtheit deiner Ansichten und Begriffe fühlen.

Sieh, Mein Sohn, du flohst vom elterlichen Hause, weil du keinen Widerspruch ertrugst; du gingst, weil du nicht verstanden hast die äußerlichen Verhältnisse mit den Bedürfnissen der Menschen zu vereinen.

Du durchzogst die Welt, dir allerlei Entbehrungen auflegend, nur um frei zu sein, du gingst bald da – bald dorthin, und überall war es wieder die Welt, die zuerst dich anzog, und dann wieder dich vertrieb. –

Enttäuschungen überall, den Menschen oder die Welt – vollkommen, wie du sie in deinem Gehirne ausgeheckt hattest – fandest du nicht; und auch jetzt, wo Ich dich bis an die Quelle alles Geistigen bis zu Meiner direkten Kundgebung führe, auch hier findest du dasselbe, dass selbst das Höchste, was der Mensch sich denken kann, die direkte Führung durch Mein Wort, vermischt ist mit den Kamalitäten des menschlich-sozialen Lebens.

Du söhntest dich zwar damit aus, alles – um diesen Preis der direkten Mitteilung von Mir – ertragen; du wähntest, so entfließe dein Leben, entweder in steter Sucht nach Aufbauung des eigenen geistigen Ichs, oder – wenn es möglich – auftretend als Lehrer und Führer deiner verirrten Brüder und Schwestern.

Mitten unter diesen lobenswerten Plänen überraschte dich dein eigenes Innere, indem es durch die Zusammenkunft mit einem Wesen andern Geschlechtes dich fühlen ließ, dass, so emanzipiert du dich dachtest von allen Neigungen; deren die menschliche Natur fähig ist, doch das Gefühl der Liebe, nicht bloß der Nächstenliebe, sondern das Gefühl, welches ein Herz unwillkürlich zum andern zieht, weil es im selben die nämlichen Triebe erkennt, welche es an ein Drittes (an Mich) drängt, jetzt fühlst du, dass diese Gefühle sich nicht mit Füßen treten lassen, dass sie zwar übertäubt, aber nicht vernichtet werden können.

Jetzt siehst du deine Lage, kennst jetzt die Kluft, die unerbittlich das soziale Leben deinen Wünschen entgegen stellt, und weißt nun nicht, was tun. Jetzt, im Drange des Herzens, weil du nicht weißt, wie du die geistige Ruhe wieder gewinnen kannst, wendest du dich an Mich, du willst fliehen, wieder hinaus wandern in die Welt, bis du einen Ort gefunden hast, der deinen Begriffen und Ideen entspricht. – Mein Kind, dein Suchen, dein Irren ist vergebens, überall wirst du den Kampf der materiellen sozialen Welt antreffen.

Sieh, wenn ihr beide – und alle Meine Kinder – im Jenseits wäret, wo Rang- und Geburtsunterschiede aufgehört haben, wo es keine Nahrungssorgen mehr gibt, dort könnet ihr euch leicht vereinigen, und den schon eingeschlagenen Weg zu Mir dann fortwandeln, aber hier auf dieser Welt ist solches nicht möglich. Ihr beide müsst noch manche Leidensschule durchkämpfen, müsst lernen, wie – das Harte der materiellen Welt ertragen – man doch sein geistiges Inneres ausbilden und vervollkommnen kann.

Schaue deine Mitbrüder und Schwestern an, wie leiden nicht auch sie unter dem Drucke weltlicher Verhältnisse; gehen wir noch weiter, nehme Mein eigenes Beispiel während Meines Erdenwandels, und dort siehst du, wie Ich als Gott und Herr der Unendlichkeit Mich dem Bitteren nicht entziehen wollte und konnte und willig den Kelch des Leidens austrank, willig Mein Kreuz auf Meine Schultern nahm, um die Verherrlichung Meiner Mir vorgenommenen Mission zu vollenden, damit Ich am Kreuze dann ausrufen konnte: `Es ist vollbracht!`

Was Ich dort mit dem Kreuzestode besiegelte, das müsset auch ihr alle tun, ihr alle müsset das Kreuz ruhig tragen, welches euch die Verhältnisse auflegen, die die Welt, die materielle und die soziale, geschaffen hat.

Niemand entgeht dieser Probe, die Tochter deines Bruders wird des Bitteren genug durchmachen müssen, als Prüfungsschule; es ist die Feuerprobe, wie beim Golde, welches zur Läuterung in einen Schmelzofen gelegt, nicht mit geringen Wärme-Graden, sondern nur durch starke Hitze zum Flusse gebracht wird. Auch sie wird ihr Kreuz tragen müssen, wie alle, die Mir nachfolgen wollen, und du wirst demselben ebenso wenig entgehen. –

Gewöhne dich daran, die Welt zu nehmen, wie sie ist und nicht, wie sie sein sollte!

Schon in einem anderen Worte habe Ich euch allen gesagt, dass jedem männlichen Geiste ein weiblicher zugesellt werden wird, der die Ergänzung des ersteren sein soll, dieses ist ein Gesetz Meiner ganzen Schöpfung, es ist das Gesetz der Liebe. Entziehen kann sich niemand demselben ganz, verleugnen teilweise wohl; wo also eben nicht gerade Welt- und Sonderinteressen eine eheliche Verbindung öfters bedingen, da wird es von Mir manchmal zugelassen, dass der Mann seine im Jenseits stete Begleiterin auch schon hier auf Erden findet, was jedoch in der jetzigen Welt zu den Seltenheiten gehört. –

Aber angenommen – es wird einem diese Gnade geschenkt, so ist doch das erste, was er denken sollte: `es ist da meine erste Pflicht, mich in solchen Verhältnissen zu befinden, die wenigstens die weltlichen Bedürfnisse decken könnten, damit die geistige Vereinigung sich verwirklichen lässt`.

Sieh, Mein Sohn, dieses ist die Hauptfrage, die du an dich selbst machen musst: Hat mein Leben, so wie ich es jetzt führe, einen Zweck?, oder ist dieser Zweck – so wie ich ihn mir denke – ausführbar?!

Sich ganz der ehelichen Bedürfnisse entschlagen, straft sich oft von selbst. Mir zu lieb demselben entsagen, ist eben auch nicht so leicht, wie du vielleicht meinst; in dir lebt noch zu viel Lebenskraft, du traust dir noch zu viel zu, das auszuführen du dich (für) stark hältst. –

Als Mein Apostel und Vorläufer wie einst Johannes zu leben, das wäre dir wohl möglich, aber mit Takt und wohl erwogener Rede Meine verirrten Kinder auf den rechten Weg zu bringen, dazu fehlt es dir an Erfahrung, denn eben gerade dadurch, weil du dich von der Welt ferne hältst, eben dadurch kennst du ihre schwachen Seiten nicht, wo selbe am leichtesten für Meine Schule tauglich gemacht werden könnten.

Daher sei jetzt dein erstes Augenmerk darauf gerichtet, dir eine bleibende Existenz zu gründen; für Mich wirken kannst du überall und in allen Verhältnissen, nur musst du weise zu Werke gehen, nicht von dir und nicht von anderen verlangen, was der menschlichen Natur zuwider ist.

Fange doch einmal an zu begreifen, dass Meine Worte, welche Ich in Tausenden an euch verschwende, einen tieferen Sinn noch haben, als der nur flüchtig gelesene ist.

Meine Worte, ja selbst Mein künftiges Wiederkommen werden und sollen dem geselligen Beisammensein der Menschen nicht zuwiderlaufen, sie sollen nicht soziale Verhältnisse aufheben, die mit Meiner Lehre sich vereinen lassen, sie sollen die Menschen nicht zu Schwärmern, nicht zu Anachoreten (Einsiedlern oder Sonderlingen) machen; die Menschen sollen durch Meine Worte zu Menschen werden, wie Ich sie schuf, und wie selbe als Meine Ebenbilder Meiner würdig werden können.

Das ist der praktische Sinn all Meiner seit mehr als 30 Jahren (Diktat an Gottfried Mayerhofer) an euch alle gerichteten Worte. Verbinde auch du die weltlichen Verhältnisse mit deinen geistigen Überzeugungen, suche, wo du kannst, selbe zu veredeln, zu verbessern, aber entziehe nicht dich, nicht andere deren Bereich, sonst werden sie und auch du religiöse Schwärmer und Kopfhänger, die stets sich nach einem Zustande sehnen, der eben auf dieser Erde nicht ausführbar ist.

Was deine jetzige Neigung betrifft, so bezähme sie, da dein materieller Zustand, den du dir selbst geschaffen, der größte Hemmstein an der Ausführung von Plänen ist, die unvorhergesehen dich überraschen.

Vertraue auf Mich! Ich werde schon die Umstände so fügen, die dir dann Gelegenheit geben werden, deinen grünenden Lebensbaum mit der äußeren athmosphärischen Weltluft in der Art zusammen zu bringen, dass der Baum keinen Schaden leidet, sondern wie alle andern Bäume auf Erden zum Wohlsein und weiteren Fortkommen der übrigen Mitmenschen beitragen wird.

Dieses Mein Wort an dich möge dich einesteils beruhigen, andernteils dir die geistigen Augen öffnen, damit du erkennen mögest – erstens den wahren und einzigen Sinn Meiner Worte, und zweitens deren richtige Anwendung, ohne gerade alle weltlichen Verhältnisse mit Füßen treten zu wollen.

So wenig du dich jetzt deines Körpers entledigen kannst, weil er zu innig mit deiner Seele verbunden ist, außer durch einen Selbstmord, wo du aber mit dem Körper auch geistig die Seele zerstören würdest, ebenso wenig kannst du dich aller weltlichen Verbindungen entäußern, beide sind da zur Bildungsschule deines geistigen Menschen; dein Körper als steter Antagonist (Behinderer) deiner geistigen Bildung, als Wecker und Anreizer zum Kampfe gegen seine tierischen Leidenschaften, und die Welt mit ihren schlechten Tendenzen und Beispielen, als Übungsmittel, selbst mitten im Schlamme sich nicht zu beschmutzen, inmitten des Lasters doch tugendhaft, rein bleiben zu können.

Hier ist das Verdienst, wo geduldet, gelitten und gekämpft wird, um sein eigenes Ich doch rein und unbefleckt aus diesem Kampfe zu retten; das Fliehen vor der Gefahr ist nicht heldenmütig, sondern das Bestehen, das Siegen über selbe, solches ist Sache Meiner Kinder, Kinder eines Gottes, eines höchsten Geistes.

So wie Ich Mich der Erniedrigung Meines Gottwesens freiwillig unterzog, ebenso sollst auch du und alle Menschen diesen erniedrigenden Verhältnissen, welche oft dem Menschen Schweigen und Dulden aufbürden, euch nicht entziehen.

Was Ich in jener Zeit als Mensch getan, habe Ich ja so nur deswegen erduldet, um euch Menschen und allen Meinen Geistern zu zeigen, dass es möglich ist, wenn man nur will!

Schaue die Welt an, wie sie jetzt ist, was geschieht nicht alles!, wie triumphiert nicht überall die schlechteste Leidenschaft, der Egoismus; und sieh, Mein Kind, Ich, der Schöpfer eines Universums, der mit einem Hauche eure ganze Erde zerstören könnte, Ich sehe diesem Treiben geduldig zu; entziehe den, wenn gleich verirrten Menschen Meine Gnade, Meine Liebe nicht, komme zu ihnen, rate ihnen, tröste sie bei Unglücksfällen, die ihre eigene Verblendung angerichtet, - Ich, der Herr der Heerscharen, ziehe Mich nicht zurück, und werde doch durch Meine leisen Einwirkungen am Ende siegen, wie willst du, schwaches Kind, durch Fernhaltung von der Welt, deinen Mitbrüdern und Schwestern und auch indirekt dir selbst nützen wollen!

Daher lasse die Welt gehen, wie sie eben geht, benütze jede Gelegenheit, selbst aus dem Bittersten heilsame Nahrung zu ziehen, stähle dadurch deinen eigenen Charakter, und lerne besiegend deine eigenen Leidenschaften, die Schwächen anderer leichter ertragen!

So wirst du Mein wahres Kind werden, dem Ich nie Meinen Segen entziehen werde, und wenn auch Prüfungen über dich hereinbrechen, dir so viel Stärke geben, dass du Meiner Worte und Meiner Taten stets eingedenk Mir ein würdiges Kind und deinen Mitmenschen ein tüchtiger Helfer in der Not werden kannst! Dieses dir zum Troste und geistigen Verständnisse. Amen.“
(Gottfried Mayerhofer, „Soziale Lebenswinke I“, „Lebensgarten)


2. Des Christen-Menschen Kampf auf Erden

Dein Bruder (M-b-ch) hat an Mich eine so innige und wie aus dem Innersten gekommene Generalbeichte gerichtet, dass Ich wirklich nicht euer Vater heißen möchte, wenn Ich nicht auf eine solch kindliche Bitte eine väterliche Antwort geben sollte.

So höre denn auch du, es geht dir wie deinem Bruder, und eigentlich gesagt, allen aus eurer Gesellschaft so, darum sende Ich euch so oft sanfte Mahnworte, um euch wieder zu erinnern an alle Meine väterlichen Ratschläge.

Ich kenne ja das menschliche Herz gar zu gut, und sollte ich es nicht kennen, der Ich es eben so und nicht anders schuf! Wer anders sollte denn es tiefer ergründen, als Ich allein! Doch Ich weiß und habe es in Meinem Beispiele (als Mensch) ja Selbst gezeigt, die Leidenschaften und Versuchungen der Welt drängen zu sehr den Menschen, als dass er nicht deren Einfluss gewahren sollte, und je enger der Mensch seinen Tatenkreis zieht, da er der Vollkommenheit zustreben will, in dem er sich keinen, ja nicht den geringsten Fehler verzeihen will, desto mehr scheint es ihm, dass die Versuchung sich verdoppeln und vermehren. –

Meine lieben Kinder!, noch immer muss Ich euch da zurufen: Begreifet und erforschet was das heißen will: `Meine Kinder` zu werden!, und ihr werdet auch klarer einsehen, dass dieses schöne und hohe Ziel nicht so leicht zu erreichen, als es ausgesprochen ist.

Es ist nicht so leicht, die Leidenschaften und Triebe, die in eurer Seele, in eurem Fleische selbst liegen, mit einem Male so bemeistern zu können, dass mit einigen gelesenen Zeilen aus Meinen göttlichen Kundgaben an euch, ihr schon hieb- und stichfest seid, und nichts mehr euch von eurem Wege abbringen kann, der zu Mir führt. Wer sich dieser Idee hingibt, der täuscht sich gewaltig, ja er ist am Irrwege.

Auf die Seelenklage deines Freundes sind die nämlichen Worte zu erwidern, die Ich einst Meinen Jüngern vor Meiner Gefangennehmung im Garten Gethsemane zurief: Wachet und betet, auf dass ihr nicht in Versuchung fallet!

Sehet, Meine Kinder, diesen Mahnruf an Meine Jünger, die schon bei weitem mehr an Verleugnungen aller menschlichen Leidenschaften gewöhnt und eingeübt waren als ihr, diesen Meinen damaligen Jüngern, die in einer anderen Zeit mit einfacheren Sitten und selbst in Armut geboren, weniger von der sie umgebenden Welt geplagt wurden, ebenso wenig wegen ihrer mageren Kost vom Fleische Anfechtungen auszustehen hatten; sehet, auch diesen viel geprüften Männern, unter Meiner persönlichen Leitung und Aufsicht, musste Ich dennoch zurufen: Wachet und betet!, auf dass ihr nicht in Versuchung fallet.

Vergleichet jene Zeit und den ganzen Lebenswandel Meiner Jünger mit dem eurigen! Wie viele Leidenschaften, Begierden und unlautere Gedanken drängt euch nicht die Welt mit ihren Lastern auf, die Welt, in der ihr jetzt leben müsset, - wie ist eure Nahrung gegen diejenige Meiner Apostel? – Viel, Meine Kinder, habt ihr zu bekämpfen, und – nicht um euch stolz darauf zu machen – sage Ich es euch, manches noch schwerer als Meine Jünger es hatten.

Denket euch nur, welchen Einfluss würde Mein persönliches Erscheinen unter euch, Mein Leben, Meine Lehren und Mein Umgang mit euch auf euer Gemüt machen! Die Apostel und Jünger sahen Mich in Person, hörten Meine Stimme, und konnten – frei in Mein Angesicht blickend – aus jedem Zuge desselben die göttliche Abkunft des Menschensohnes lesen. Alles dieses entbehret ihr, und sehet, während ihr Mich nicht sehet, keine Wunder, nicht Meine Gestalt, nicht Meinem seelenvollen Blicke begegnen könnet, und doch verlange Ich – und das zwar unter weit schwierigeren Umständen – von euch, die ihr doch in anderen Verhältnissen leben müsset, in Verhältnissen, die ihr doch nicht abstreifen könnet, ebendasselbe, was Ich vor tausend und so vielen Jahren von Meinen Jüngern verlangte, und vielleicht noch mehr! – Ist das nicht ungerecht? – Ist das nicht zu viel verlangt, Meinerseits von euch?! – Ja, Meine Kinder, dem Anscheine nach habt ihr Recht, scheinbar ist es zu viel, o ja sehr viel, was Ich von euch verlange. Die Klagen gegen sich selbst, die dein Freund kundgab, zeugen zur Genüge davon.

Er fragt mit nach oben gerichtetem Blicke Mich und sagt: `Was ist das für ein Gemisch von Gefühlen, die im menschlichen Herzen sich so oft kreuzen und so leicht wechseln? Warum kann ich nicht beständig nur so fühlen, wie ich will?, und muss unter der Last und dem Eindrucke oft erliegen, den andere Gefühle auf mich ausüben, die leider die schönsten und erhabensten Gefühle wieder schwinden machen und statt deren, rauchige, schmutzige und schwarze Gewitterwolken heraufbeschwören, die mir mein früher so rein strahlendes Licht aus den Himmeln zu verdunkeln drohen!?`- Und so klagt er weiter über die Vergänglichkeit seiner Gefühle, die – genau betrachtet – so vergänglich sind, wie die Freuden der Welt selbst!

Mein lieber Sohn, du hast recht, es ist so, und es freuen Mich deine Klagen; denn sie sind Klagen eines Erwachenden. Du klagst nicht Mich an, warum Ich dir und euch Menschen allen so ein beweglich Herz gegeben, nein, du klagst dich selbst an, du bittest bei Mir um Stärke und um Trost! – Nun denn, der Trost solle dir werden von Mir, die Stärke musst du dir selbst erwerben.

Siehe, mein Kind, wäre Ich nicht ein Gott, sondern ein geschaffenes Wesen, so wäre auch das nicht so schwer, so zu werden, wie Ich Selbst bin, und wie Ich will, dass Meine Kinder werden sollen; allein da Ich eben Gott, der Allerhöchste bin, den ihr euch nie ganz vorstellen könnet, so müssen auch Meine Kinder, um Mir nahe zu kommen, ebenfalls der höchsten Verleugnung aller Leidenschaften fähig sein, und so sich im wahren Sinne als Mein Kind  bewähren.

Wenn ihr Meinen Erdenwandel, Mein Leiden und Meinen Tod betrachtet, was ist dieses, im Gegensatz zu Meiner göttlichen Würde? Welch` namenloser Abstand, und doch legte Ich Meine nur Mir allein gehörende Würde ab, verbarg Mich in einem menschlichen Körper (auf eurer kleinen finsteren Erde), wuchs dort vom Kinde bis zum Manne auf, machte also alle Leidenschaften vom Kindes- bis zum Mannesalter durch, ja alle, die die menschliche Seele heimsuchen, und bedenket, Ich, Gott, unterzog Mich dieser Aufgabe, und zwar im vollen Sinne, indem Ich nicht bloß Mensch der Form, dem Anscheine nach, sondern wirklicher Mensch, mit Seele und Körper ward; und eben durch den Sieg über die menschliche Natur dieses Erdballes allen Geistern zeigen wollte, dass wer diese Probe durchgemacht, wahrlich die Feuerprobe bestanden hat, um dann mit Recht Anspruch darauf machen zu können, Mein Kind genannt zu werden!

Deswegen, Mein Sohn, klage dich nicht an wegen der Wankelmütigkeit des menschlichen Sinnes, denn erstens stehst du in diesem Punkte nicht allein, sondern ein jeder hat zu kämpfen und zu dulden; es ist so als Prinzip von Mir festgestellt, dass auf dieser Erde Nichts von bleibendem Bestande ist, und zweitens, dass – wo das größte Licht – demselben auch der größte Schatten auf dem Fuße folgt.

Merke dir diese beiden Grundgesetze, das erste beweist dir, dass alles vergänglich und nach höherem Ziele, nach etwas Beständigerem drängt, welches aber auf dieser Erde nicht seinen Abschluss erhält, und auch in der anderen geistigen Welt nicht so nahe liegt, als so mancher sich`s vorstellt. Das zweite ist, dass – wo die größten Forderungen an den Menschen im Moralischen gestellt werden, wohl der Lohn groß ist, allein eben auch die mächtigsten Versuchungen ihn von diesem Streben abzuziehen beständig bemüht sind, sein Streben scheitern zu machen.

Habe Ich nicht in einem Meiner Worte gesagt, dass der Satan ausschließlich auf dieser Erde die meiste Gewalt hat, und wisset ihr warum?, eben weil Ich euch Erdbewohner zu Meinen Kindern bestimmt habe, und da der Satan Mein ärgster Gegner ist, so wird er auch der eurige sein; er tut alles Mögliche, um Mein Machwerk hier auf dieser Erde zu schanden zu machen; aber am Ende wird er doch sehen müssen, dass, obwohl er viel zu Falle gebracht und viel Tausende von Seelen auf lange Zeit Meinen Wegen abwendig gemacht hat, (weil sie die härteren, schlechteren und engern waren, als seine mit lauter Vergnügungen und Annehmlichkeiten gefüllte breite Heerstraße, die jedoch statt zum Lichte, nur zur Finsternis führet); so wird er doch einst sehen müssen, dass am Ende alle Geister und Seelen die veränderlichen Glückseligkeiten seiner Straße verachtend, lieber duldend und kämpfend den Weg zu Mir emporklimmen werden; dann wird der Moment gekommen sein, wo auch er seine Knie vor Mir wird beugen müssen, und so – zwar gegen seinen Willen – die Macht der Liebe anerkennen wird!

Also nicht verzagt!, Meine lieben Kinder. Ich weiß es ja besser als ihr, was Ich jedem auferlege; wenn er auch unter der Last fällt, Ich helfe ihm schon wieder auf, und so lange ein jeder nur den Willen hat, so viel als möglich gegen seine Versuchungen anzukämpfen, so soll er auch versichert sein, dass Ich den guten Willen weit höher als das Werk rechne. Schon der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther sagte: `Der Geist ist stark, aber das Fleisch ist schwach!` Was er damit bekannte, bekennet auch ihr; kämpfet nur dagegen und einst in der anderen Welt werdet ihr erfahren, wie viel von euren Taten und Gedanken in euer Lebensbuch eingezeichnet, und wie viel in den Sand geschrieben ward.

Ich bin ja kein unerbittlicher, sondern ein liebender, guter Vater; Ich habe, hatte und werde mit Meinen Kindern stets Geduld haben, sie sind ja – wie es der Name sagt – noch `Kinder`! Und ihr, die ihr Familienväter seid, rechnet denn ihr so strenge mit euern Kindern, wenn sie fehlen, oder gar, wenn sie nach dem Fehler ihn einsehen, bereuen und euch um Verzeihung bitten? – Was tut ihr dann? – Ihr verzeihet, ihr schließt das Kind in eure Arme mit den Worten: `Komm her, mein Kind an deines Vaters (Mutters) Brust, ich kann dir nicht zürnen, hier ruhe von deinen Mühen aus, und sehe zu, dass du nicht wieder fällst!` So tut ihr, - und glaubt ihr denn, Ich werde in dieser Hinsicht an Vaterliebe hinter euch zurückbleiben? Gewiss nicht! Was ein Menschen-Vater kann, das kann und werde auch Ich tun, und zwar im göttlichen Maße, nach Meiner unbegrenzten Liebe, die euch – trotz all eurer Fehler, die ihr früher an euch hattet, euch doch zu erziehen wusste, und um euch in die rechte Schule zu nehmen durch Leiden euch führte, damit ihr das, was euch allein nicht möglich ist, doch wenigstens mit ihrer Hilfe werden könnet, d.h. Meine Kinder! Amen.“
(Gottfried Mayerhofer, „Des Christen-Menschen Kampf auf Erden“, „Lebensgarten“)


3. Lebensschule der Liebe

Ohne Liebe gibt es kein Leben, und ohne Licht keine Wahrheit! Jede Wirkung, die ein aufmerksamer Beobachter in was immer für einer Sphäre des Daseins und in welchem Reiche der Natur entdeckt, stammt von der Liebe und vom Lichte her.

Die wahre Liebe, die man das Leben nennt, ist jene ewige Wärme aus dem göttlichen Zentrum, welches Ich, der Herr, mit dem Ausdruck `Vater` bezeichne. – Aus diesem `Vater` geht infolge der ewig gleichen Lebenswärme das Licht, welches Ich Selbst (als „Sohn“) bin, in alle Unendlichkeit aus.

Wer demnach von Mir das Licht, das in Meiner Lehre besteht, tätig aufnimmt, der nimmt auch die Liebe oder das Leben des Vaters auf. Hat er diese aufgenommen, so hat er auch den göttlichen Geist zum ewigen Leben in sich erweckt – alles Wirkung der wahren Liebe und des wahren Lichtes!

Es gibt aber neben dem allein wahren Lichte, das aus der wahren Liebe entspringt, besonders auf eurer materiellen Erde, eine unzählige Menge von Liebe- und Licht-Arten, die zwar auch Produkte bewerkstelligen; aber diese Produkte sind ebenso vergänglich wie diese Liebe und Licht-Arten und hinterlassen stets mehr oder weniger böse Folgen. Besonders häufig dann, wenn sie in Selbstsucht und Eigenliebe ausarten und ihr vermeintes Licht in geistiger Beziehung zur barsten und dicksten Finsternis wird, indem solche Menschen dann unter das Tierreich hinabsinken und nicht selten dahin kommen, dass sie manche Tiere für weiser halten als sie selbst sind.

Und sie haben in dieser Hinsicht nicht Unrecht! Es steht mit ihnen wahrlich nicht anders, wenigstens mit dem besseren Teile von ihnen, als mit dem falschen Naturpropheten Bileam, der sich von seinem Esel musste belehren lassen, wie es mit den geistigen Dingen stehe. Also derartige Menschen haben gar keine Liebe, somit kein Leben und kein Licht, wissen nicht einmal, dass sie eine Seele haben und dass diese unsterblich ist.

Jene vielen Menschen, besonders in dieser Zeit, die es in solcher Welt- und Selbstliebe und somit in der Lebensfinsternis so weit als nur immer möglich gebracht haben, werden jenseits auf eben dem Punkte wieder anfangen und werden nach Umständen immer ärger und materieller. Und so wahr Ich der Herr bin, der dieses sagt, sie werden wieder in die tote Materie übergehen, und zwar durch einen unsäglich schmerzlichen Prozess, und das durch lange und lange Zeiten, bis sie selbst wieder zur harten, starren Materie werden, endlich in viele Teile zerteilt und nach langen Zeiten wieder zu Menschen oder zu Geschöpfen, entweder auf diese Erde oder auf andere Weltkörper gestellt, werden. Denn bei Mir sind tausend Erdjahre wie ein kurzer Tag.

Was sich vermöge des ihm innewohnenden freien Willens Meinem allen Menschen geoffenbarten Willen nicht unterordnen will, das geht darum nicht verloren, aber es hat eine große und langwierige `Korrektion` zu erwarten.

Es leben gegenwärtig Menschen auf dieser Erde bereits das siebente Mal, und es geht mit ihnen nun das siebente Mal besser. Sie werden aber noch einige Weltkörper mit einem leichten leiblichen Überwurf durchzumachen haben, bis sie in eine rein geistige Sphäre aufgenommen werden, welche ihr das `untere Paradies` nennen könnt, aus dem es noch viele Stufen gibt bis in das innere, wahre Himmelsreich, in welchem die Liebe des Vaters, das Licht des Sohnes und die Kraft des ewigen Geistes waltet und jeden Geist als Engel durch und durch belebt.

Darum bedenket diese Meine Worte wohl! Erkennet und liebet Mich als Gott, den Herrn über alles dadurch, dass ihr euren Nächsten womöglich noch mehr liebet als euch selbst – so habt ihr dann schon die wahre Liebe als das wahre Leben und das wahre Licht als die ewige Wahrheit für Zeit und Ewigkeit in euch und seid so dem Geiste nach schon hier – dort wo Ich bin! Denn also bleibe Ich ja bei euch bis ans Ende der Welt! Das sage Ich euch, den ihr aus Seiner Sprache und ihrem Sinne wohl erkennen möget! Amen.“ (HiG.02_64.03.09,01ff)