"Wie wir wissen, besteht das Fortschreiten des Geistes nicht in einem stets mehr und mehr Weiserwerden, sondern nur in einem stets mehr und mehr mit Liebe zu Jesus Erfülltwerden."


 

Die drei Grade der inneren Lebensvollendung

oder

Die sieben Stufen der Wiedergeburt des Geistes

Gerd Kujoth



Inhaltsverzeichnis

1. Der natürliche, noch geistlose Mensch    
2. Wie kann ein Mensch erkennen, ob er noch in der Welt steht?     
3. Die erste Stufe der Wiedergeburt des Geistes    
4. Die zweite Stufe der Wiedergeburt des Geistes     
5. Die dritte Stufe der Wiedergeburt des Geistes     
6. Die vierte Stufe der Wiedergeburt des Geistes    
7. Die fünfte Stufe der Wiedergeburt des Geistes     
8. Die sechste Stufe der Wiedergeburt des Geistes     
9. Die siebte Stufe der Wiedergeburt des Geistes   
10. Beschreibung eines völlig Wiedergeborenen im Geiste   
11. Wie weit bin ich in der geistigen Wiedergeburt vorangekommen?   
12. Können wir das Erreichen der vollen Wiedergeburt beschleunigen?



1. Der natürliche, noch geistlose Mensch

Ein jeder Mensch, der zur inneren Lebensvollendung oder Vollkommenheit gelangen will, wie der Vater im Himmel vollkommen ist, (Math. 5,48) muss drei Grade durchlaufen, oder er muss sieben Stufen hinaufsteigen, um bis zur vollen Wiedergeburt des Geistes zu gelangen. Aber bevor sich ein Mensch aufmacht, die erste Stufe zu ersteigen, ist er noch der an der Welt hängende, materielle Naturmensch, dessen Geist noch in seiner Umhüllung eingeschlossen ist. (JJ 299,8-9) Seine Seele ist noch wüst und leer, und in der Tiefe seines Herzens ist es noch finster, (1.Mose 1,2) weil es angefüllt ist mit allerlei weltlichen Interessen. (1.GEJ 157,4) Die Freuden des weltlichen Lebens bedeuten ihm noch alles, und wenn er sie nicht haben kann, so wird er unzufrieden und setzt alles daran, sie zu bekommen. Die Gaumenfreuden bedeuten ihm noch sehr viel, und er isst und trinkt alles, was seinem Gaumen behagt, oft ohne Maß und ohne sich darum zu kümmern, ob diese Nahrung von Gott für den Menschen vorgesehen ist oder nicht. Auch die sexuellen Freuden bedeuten ihm noch sehr viel und er lebt sie aus, ohne sich darum zu kümmern, zu welchem Zweck und in welcher Ordnung die Sexualität von Gott eingerichtet worden ist. Er jagt auch dem Geld und den materiellen Besitztümern nach, und er hat eine große Freude, wenn er diese erlangen kann. Solch ein Mensch, wie er sich noch so lebensblind und unreif in der Welt bewegt, gleicht einem Weizenkorn, dessen Pflanzengeist noch im Keimhülschen ruht, weil es noch nicht ins fruchtbare Erdreich gelegt wurde. (8.GEJ 135,2)


Im natürlichen, weltlichen Menschen ruht sein Geist noch unerweckt in seinem Herzen. Er ist in einem winzigen Bläschen, das sich in seinem Seelenherzen befindet, eingeschlossen. Dieses Bläschen besteht aus einer siebenfachen geistigen Hülle. – Was sind das für Hüllen? – Diese Hüllen sind Untugenden, mit denen ein jeder Mensch mehr oder weniger geboren wird und heißen: Selbstsucht, Hochmut, Neid, Zorn, Genusssucht, Wollust und Trägheit zum geistigen Fortschreiten. Solange ein Mensch nicht darangeht, diese Untugenden in sich zu bekämpfen, werden die Hüllen nicht abgebaut und der Geist kann nicht heraustreten und zu wachsen beginnen.


Bei solch einem Menschen schwebt der Geist Gottes noch über den Wassern seiner schlechten Erkenntnisse, denn noch konnte dieser nicht in die Tiefe des Herzens eindringen, damit es dort Licht werde. Seine Erkenntnisse bestehen bis jetzt nur aus angelernten und einstudierten weltlichen Dingen und Erfahrungen, aber der Geist Gottes ist bestrebt, ihn zu göttlichen Erkenntnissen zu führen. (1.GEJ 157,4)


Jesus sagt: „Der natürliche, noch geistlose Mensch aber ist Materie in ihrem Gerichte, und sein Naturleben ist ihm vom Geiste Gottes aus nur als ein Mittel gegeben, dass er sich durch dasselbe das wahre, geistige Leben in sich erwecken kann, so er will.“ (7.GEJ 55,10)


2. Wie kann ein Mensch erkennen, ob er noch in der Welt steht?

Der natürliche, noch geistlose Mensch fühlt sich so, als sei er selbst der materielle Fleischleib. Er kann wohl den Glauben haben, dass er eine Seele und einen Geist besitzt, aber er fühlt sie nicht in sich, sondern er fühlt sich als der Fleischleib, weil seine Seele noch zu sehr mit dem Fleisch verbunden ist. Er hat auch zumeist keine klare Vorstellung davon, was Seele und Geist sind, und dass es den Geist zu erwecken gilt.


Wie kann nun ein Mensch erkennen, ob er sich noch in diesem Zustand befindet? – Er erkennt es daran, dass er noch den Tod seines Leibes fürchtet. Er kann wohl, wenn er sich über die jenseitigen Verhältnisse ein Wissen erworben hat, verstandesmäßig bekennen, dass er den Tod nicht fürchtet, aber wenn er sich in einer stillen Stunde seinen leiblichen Tod vorstellt, so fühlt er die Furcht vor ihm.


Wer noch irgendeine große Furcht vor dem Tode des Leibes hat“, sagt Jesus, „dessen Seele steht noch in einem starken Verbande mit dem Fleische und in einem äußerst schwachen mit dem Geiste; denn eine große Liebe zum Leben auf dieser Welt ist ein sicheres Kennzeichen, dass die Seele sich noch sehr wenig bekümmert hat um das ewige Leben ihres Geistes in ihr.“ (2.GEJ 226,2)


Ein weiteres Zeichen, dass eine Seele die Hüllen ihres Geistes noch nicht abgebaut hat, besteht darin, dass ein Mensch nicht an Gott und an ein Weiterleben nach dem Tode glauben kann oder zumindest Zweifel daran hat. Auch das liegt daran, dass die Seele noch zu sehr mit ihrem Fleische verbunden ist. Glaubt zwar ein Mensch an Gott und an das Weiterleben nach dem Tode, möchte aber Beweise dafür haben, ob sich auch alles so verhält, woran er einen schwachen Glauben hat, so ist das ebenfalls ein Zeichen, dass sein Geist noch nicht aus seiner Hülle herausgetreten ist.


Solange dein Verstand einen Beweis verlangt“, sagt Jesus, „um eine Lehre oder Offenbarung anzunehmen, so lange auch ist der Geist wie ein Gefangener im finstern Gefängnisse. Und da es ihn hungert und dürstet (nach Beweisen), schreit er nach Nahrung, die ihm durch Beweise (aber nur) wie spärliche Brosamen erteilt werden. Durch diese kann er aber nie zu jener Kraft gelangen, vermöge welcher er sich von seinen (Geistes-) Fesseln befreien könnte.


Nimmt aber der Verstand des Herzens frei, ohne Beweise etwas an, da zeigt das Herz sogleich seine freie Kraft, die in den Geist übergeht und ihn frei macht. Ist aber der Geist frei, dann ist alles frei im Menschen: die Liebe, das Licht und das Schauen! Da braucht es dann keines Beweises für die Wahrheit mehr, denn da ist der freie Geist selbst die klarste und vollste Wahrheit aller Wahrheit.“ (BM 162,10-11)


3. Die erste Stufe der Wiedergeburt des Geistes

Die erste Stufe der Wiedergeburt des Geistes entspricht dem Einlegen eines Weizenkorns in das fruchtbare Erdreich. (8.GEJ 137,2) Entsprechend beim Menschen führt nun die Seele dem noch eingeschlossenen Geist erstmals etwas Nahrung zu. Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit nach seinem Glauben zu leben zeichnet den Menschen der ersten Stufe aus. (SH Seite 12)


Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht“. (1.Mose 1,3) Licht wird es im Menschen, wenn der Mensch anfängt, das Wort Gottes bewusst anzunehmen und fest an Gott und an ein Weiterleben nach dem Tode zu glauben. (1.GEJ 157,5) Er hat seine Sünden bereut und Buße getan. Er will nun Gottes Wege gehen und hütet sich vor großen Sünden. Damit hat die Seele ihren Geist gerüttelt und ihm gewissermaßen gesagt: „Wach auf!“


Von dem Augenblick an“, sagt Jesus, „wo sich ein Sünder, der sich bisher mit Liebe in allerhand Sinnlichkeiten stürzte, durch den Willen aufrafft, um seine böse Liebe zu vernichten, kann in ebendemselben Maße die wahre Liebe einziehen und wirken.“ (11.GEJ 26,3)


Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis.“ (1.Mose 1,4) Während der Mensch vorher nur das für wahr hielt, was er sehen, messen und anfassen konnte, so ist nun sein Licht der Glaubenserkenntnis geschieden von seiner irdischen Verstandesbildung. (1.GEJ 157,6)


Der Mensch der ersten Stufe vertritt seinen Glauben aber noch mit Heftigkeit und Unduldsamkeit gegenüber Andersgläubigen und meint, andere Anschauungen bekämpfen zu müssen. Er hängt noch sehr am Buchstaben und kann den Geist noch nicht erfassen. Er ist noch lau, träge und kalten Herzens. Von den großen Kämpfen der Selbstüberwindung will er noch nichts wissen. Er hat das materiell Weltliche noch lange nicht vollständig überwunden, und er erkennt es auch nicht, wovon er sich noch lösen muss. Er meint, Gott und der Natur miteinander dienen und leben zu können. Er sucht seine Lust und Freude noch in den natürlichen Dingen und ist deshalb noch mit der Welt verflochten. Die Ehren und Annehmlichkeiten der Welt sind ihm noch sehr willkommen. Er hält sich selbst für einen ehrsamen und rechtlichen Menschen und meint, seine Lebensweise sei in Ordnung. Weil er keine großen Sünden begeht, ist er mit seinem Zustand zufrieden, aber sein Herz und seine Gedanken sind noch ungereinigt. Er kümmert sich nicht weiter um ein innigeres Leben und meint, dass ihm Gott sehr geneigt sei. Gar leicht fällt er wieder in größere Sünden zurück. (Nach DNF)*)

*) Quellenverzeichnis siehe am Schluß


Es ist für den“, sagt Jesus, „dessen Herz voll von allerlei weltlichen Dingen ist, freilich wohl schwer, sich von ihnen zu reinigen; aber ein fester Wille ist ein tüchtiger Arbeiter und macht das, was dir heute noch unmöglich dünkt, für morgen leicht und für noch weiterhin immer leichter und leichter ausführbar.“ (10.GEJ 98,9)


Und (Gott) nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.“ (1.Mose 1,5) Alle göttliche Erkenntnis ist wie das Licht des Tages, und alle Verstandesweisheit ist wie die Finsternis der Nacht. Des Menschen natürlich weltlicher Zustand ist wie der Abend mit seinem abnehmenden Licht, denn strebt der Mensch mit seinem Verstand nach irdisch weltlichen Dingen, so wird das göttliche Licht der Liebe und des geistigen Lebens in seinem Herzen immer schwächer. Aber das rechte Licht von Gott her, im Herzen des Menschen angezündet, ist wie der Morgen mit seinem zunehmenden Licht. So wird aus dem abendlichen und dem darauf folgenden morgendlichen Zustand im Menschen sein erster, wahrer geistiger Lebenstag. (1.GEJ 157,7-17)


4. Die zweite Stufe der Wiedergeburt des Geistes

Die zweite Stufe entspricht dem Zustand des Weizenkornes, wenn es ein paar Tage in der fruchtbaren Erde liegt. Da fängt das den Keim umgebende Korn zu verwesen an und geht als Nahrung und Stärkung in den Keimgeist über. (9.GEJ 100,7) Dadurch dehnt sich im Keim der Pflanzengeist aus und zersprengt sein kleines Hülschen. (8.GEJ 135,13) Beim Menschen fängt nun sein weltliches Wesen an abzusterben. Dadurch bekommt sein Geist Nahrung und fängt zu wachsen an. Der Geist im Menschen ist nun aufgewacht und zerreißt seine Hülle. Es zeichnet den Menschen der zweiten Stufe aus, dass er seinem Nächsten wirkliche Gerechtigkeit widerfahren lassen will. (SH Seite 16)


Der Mensch erkennt nun, dass er noch in manchem nicht dem Bild eines wahren Christen entspricht. Er möchte nun den Weg zu Gott weitergehen und macht sich auf mit einem tapferen, festen Gemüte. Seine Unduldsamkeit gegenüber Andersgläubigen hat sich gemildert. Er kommt zum Bewusstsein seiner Pflicht gegenüber den Nächsten und erkennt, dass bestehende Spannungen in seiner eigenen Brust gesucht werden müssen. Er gibt seine Fehler zu und beginnt sich zu überwinden, seine Natur zu bezwingen und der Welt den Rücken zu kehren, aber dazu bedarf es von Seiten des Menschen einer großen Willensanstrengung.


Die Erreichung des Reiches Gottes braucht nun Gewalt“, sagt Jesus. „Die es haben wollen, müssen es mit Gewalt ordentlich an sich reißen; die das nicht tun werden, die werden es auch schwerlich hier auf Erden schon vollkommen in ihren lebendigen Besitz bekommen.“ (7.GEJ 126,13)


Der Mensch fängt nun an, sich selbst zu erkennen, doch wird sich die Selbsterkenntnis in den höheren Stufen noch vertiefen. Er erkennt nun, welche Schwächen, Gewohnheiten, Gelüste und arge Leidenschaften ihn noch gefangenhalten. Dann muss er den festen Willen fassen und sich gerade in diesen Schwächen selbst verleugnen. (JJ 299,10-11) Das fällt ihm nicht so leicht, denn der Mensch wird immer wieder versucht durch die unlauteren Naturgeister, die aus seinem Fleisch in die Seele aufsteigen und sie verunreinigen. (7.GEJ 155,2)


Der Wille zur Sünde“, sagt Jesus, „findet im Menschen stets eine große Unterstützung und zwar in den Anreizungen und Leidenschaften seines Fleisches; aber für den Willen zum Guten findet er in seinem Fleische gar keine Unterstützung, sondern allein im Glauben an einen wahren Gott, und besonders in der Liebe zu Ihm, und dazu auch in der Hoffnung, dass die von Gott ihm gemachten Verheißungen in volle Erfüllung gehen werden.“ (7.GEJ 155,5)


Der Mensch beginnt nun zuzunehmen am inneren Leben, steht aber noch in der Gefahr, nachzulassen und zu erschlaffen des strengeren Lebens und der von Gott aus härteren Prüfungen wegen. Noch möchte er die Kreuze abschütteln, die Gott ihm auferlegt, und er erkennt noch nicht, dass diese ihn auf dem Weg zur geistigen Wiedergeburt weiterbringen sollen. Er fühlt sich zu schwach und meint, solch ein Leben nicht ertragen zu können. (Nach DNF)


Doch Jesus muntert diesen Menschen auf und sagt: „Ziehe du den alten, materiellen Adamsmenschen aus und ziehe den neuen aus Mir an, so wird dann der innere Mensch in dir schon von sich selbst heraus ebenso tätig werden wie der Geist im Keime“ (des Weizenkorns).


Deine weltlichen Begierden und Gelüste, die im Fleische toben und wüten, unterjoche du mit deinem freien Willen, und trachte nach dem Reiche Gottes in dir nach der euch allen nur schon zu klar bekannten Weise, so hast du dadurch den alten Menschen ausgezogen und einen neuen angezogen.“ (9.GEJ 100,7+9)


Damit der Mensch nicht nachlässt, und das Wasser des Verstandeslichtes sich nicht in das Wasser des Gotteslichtes ergießt und es verunreinigt, weil es für das Gotteslicht keine Beweise gibt und dann der Verstand das Gotteslicht verwirft, so spricht Gott: „Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern.“ (1.Mose 1,6) Die Feste ist der feste Glaube, der einem Felsen gleicht.


Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste.“ (1.Mose 1,7) Wenn im Menschen solche Feste gestellt ist und der Glaube mächtiger und mächtiger wird, so begibt sich dann der Weltverstand unter die Herrschaft des Glaubens, und der Mensch glaubt fest an das Gotteslicht. Das sind dann die Wasser unter und die Wasser über der Feste.


Und Gott nannte die Feste Himmel.“ (1.Mose 1,8) Die Feste ist der eigentliche Himmel im Menschenherzen und entspricht einem festen lebendigen Glauben. „Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag.“ (1.Mose 1,8) Aus des Menschen Abend und seinem stets heller werdenden Morgen entsteht der andere und schon bei weitem hellere Tag. (1.GEJ 158,1-5)


5. Die dritte Stufe der Wiedergeburt des Geistes

Auf der dritten Stufe überwindet der Mensch Hass und Lieblosigkeit und handelt mehr und mehr nach dem Willen Gottes. Dieses Handeln entspricht dem belebenden Regen, wodurch der Lebensgeist in die Seele des Weizenkornes, die im Fleische des Kornes ruht, überzugehen bewogen wird. (8.GEJ 137,3) Beim Menschen tritt sein Geist aus seiner Hülle heraus, wächst weiter und fängt an, sich in der Seele auszubreiten. Aber er ist noch so klein wie ein Embryo im Mutterleibe.


Wenn dein Geist in dir wach wird“, sagt Johannes, „so wirst du seine Stimme wie lichte Gedanken in deinem Herzen vernehmen. Diese musst du wohl anhören und dich danach in deiner ganzen Lebenssphäre richten, so wirst du dadurch deinem eigenen Geiste einen stets größeren Wirkungsraum verschaffen; also wird der Geist wachsen in dir bis zur männlichen Größe und wird durchdringen deine ganze Seele und mit ihr dein ganzes materielles Wesen.“ (4.GEJ 76,10)


Erst hier hat der Mensch die rechte Straße betreten, den Weg, der zu Gott führt. Er erkennt nun mehr und mehr den Willen Gottes und erkennt, dass er noch weit von der Vollkommenheit entfernt ist. Er streitet nicht mehr um die Wahrheit, sondern versucht, den andern zu verstehen, anstatt ihn zu bekämpfen. Der Geist brüderlicher Duldung hat gesiegt und es ist ihm nun bewusst, dass jeder nach der Kraft seiner Erkenntnis glauben darf, was er für richtig hält. Er vergibt nun allen, die ihm im Leben mit Hass, Neid und Bosheit begegneten und sucht den Schaden wieder gutzumachen, den er anderen zufügte. (SH Seite 20) Er will seinen eigenen Willen aufgeben und nach dem Willen Gottes handeln. Aber noch ist sein eigener Wille längst nicht völlig tot, denn es gibt noch oft Rückfälle. Er will nun seine immer noch weitgehend materielle Natur bekämpfen und alle Unreinheiten aus seiner Seele schaffen. Er trennt sich wohl schon von manchem Weltlichen, wodurch seine Seele sich schon mehr von der Materie ihres Fleisches isoliert, doch hat er das heimliche Wünschen der Natur und ihr listiges Begehren noch nicht von Grund aus erkannt und abgeschnitten. (Nach DNF)


Jesus sagt: „So da jemand im allgemeinen zwar wohl nach Meiner Lehre ganz ernstlich leben und handeln, aber so geheim bei sich doch auch noch in seine alten Gewohnheiten verfallen wird, ja, da wird er diesseits auch nicht die völlige Wiedergeburt der Seele im Geiste erlangen können und wird sich‘s am Ende in aller Demut und Geduld schon müssen gefallen lassen, so er beim Scheiden mit noch manchen Leiden zu kämpfen haben wird. Denn da werden die Leiden das Feuer sein, durch das des Menschen Lebensgold von gar manchen Schlacken gereinigt wird; denn etwas geistig Unreines kann in den Himmel nicht eingehen, was so viel gesagt haben will als: Der reine Geist aus Gott kann sich nicht eher völlig einen mit der Seele, als bis diese alles der Materie und ihrem Gerichte Angehörige völlig aus sich für immer verbannt hat.“ (8.GEJ 82,10)


Das sexuelle Verlangen hat er zwar zum großen Teil überwunden, aber er gerät immer noch leicht in Versuchung und wenn es sich um einen Mann handelt, so schaut er noch gerne jungen hübschen Frauen nach. (3.Hi. Seite 213,1) Das Essen und Trinken genießt er noch sehr gerne. Auch hat er noch eine Lust daran, aus den Zeitungen, dem Fernsehen oder dem Internet zu erfahren, was da alles in der Welt geschieht, und macht dabei nicht selten einen Parteigänger, wünscht seiner Partei den Sieg und der ihm widrigen die Niederlage. Wird seine Partei geschlagen, so ärgert er sich, denn er bringt es noch nicht fertig, Freunde und Feinde mit gleicher Liebe zu umfangen. (3.Hi. Seite 214,2) Noch urteilt er über diese und jene Länder und über die Großen der Welt und sagt: Diese haben Recht und jene haben Unrecht und überlässt nicht alles ganz allein dem Herrn. (3.Hi. Seite 448,3) Auch ärgert er sich noch über der Menschen Ungerechtigkeit und Falschheit (3.Hi. Seite 214,3) und macht sich noch so manches Mal Sorgen um weltliche Dinge.


Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, dass man das Trockene sehe. Und es geschah also.


Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,9-10)


Der Mensch sieht nun, dass sich das Wahre oder „das Wasser unter dem Himmel“ bewähren muss, aber es ist da in ihm noch keine rechte Ordnung und er ist darum auch noch für keine rechte Tat entschieden. Gott hilft nun dem Menschen weiter, indem Er das Wasser an besondere Örter sammelt. Diese werden Meer genannt und sind die Gesamtheit seiner Erkenntnisse. Es kommt nun zu einer Ordnung und Klarheit seiner Erkenntnisse, aus der die Liebe oder das Trockene, als ein Früchte zu tragen fähiges Erdreich hervorgeht.


Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also.“ (1.Mose 1,11)


Nach solchem Gebote von Gott im Herzen bekommt der Mensch einen festen Willen, Kraft und Mut und legt nun Hand ans Werk. Seine rechten Erkenntnisse erheben sich als regenschwere Wolken über das geordnete Meer, ziehen über die trockene Erde und befeuchten sie. Und der in die Erde gelegte Same der Erkenntnis geht auf und fängt an zu grünen.


Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich besamte, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,12)


So wie der Same, wenn er in die Erde gelegt wird, bald aufgeht und eine vielfältige Frucht bringt, ebenso wirken die rechten Erkenntnisse des Menschen, so sie ins lebensvolle Erdreich des Herzens gelegt werden. Die rechte Erkenntnis wird zuerst im Herzen zur Tat, und aus dieser Tat gehen dann allerlei äußere Werke hervor. Das sind die Gräser und Kräuter mit Samen und die fruchtbaren Bäume.


Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag in der Bildung des Herzens und des geistigen Menschen im Menschen. (1.GEJ 158,6-16)


6. Die vierte Stufe der Wiedergeburt des Geistes

Die vierte Stufe entspricht dem Zustand, in dem der Lebensgeist in der Seele des Weizenkorns tätig zu werden beginnt und die Nährwurzeln ins Erdreich der Gotteskraft schlägt. Die Wurzeln saugen dann gierig die Gotteskraft ein und treiben den Lebenshalm aus dem Erdreich nach oben zum Gotteslichte empor. (8.GEJ 137,3) Der Weizenhalm ist nun unter der Einwirkung des Sonnenlichtes über dem Boden der Erde bis etwa eine Spanne hoch gewachsen, aber von einer Fruchtähre ist noch nichts zu merken. (9.GEJ 100,1) In der vierten Stufe zeichnet sich der Mensch durch unbedingten Gehorsam, Festigkeit und Treue gegenüber dem Willen Gottes aus. (SH Seite 26)


Der Mensch lernt, seine eigenen Wünsche zu verleugnen und den weltlichen Obrigkeiten, sei es dem Vorgesetzten am Arbeitsplatz oder dem Staat, denen er unterstellt ist, und der geistlichen Obrigkeit, solange er deren Glaubens ist, vollen Gehorsam zu leisten, außer, wenn sie etwas Widergöttliches anordnen sollten. Durch das Handeln des Menschen nach dem Willen Gottes, hat sein eigener Geist, der nun herangewachsen ist, die immer noch zum halben Teile materielle Seele zu bearbeiten angefangen und breitet sich in ihr immer mehr aus. (8.GEJ 136,9) Der Mensch ist nun soweit fortgeschritten, dass der neue Geist aus Gott (oder der Geistfunke) seine Hülle sprengt und aus ihr heraustritt.


Der Mensch sieht nun ein, wie eigenwillig er war, denn er tat so manches, ohne sich darum zu kümmern, ob seine beabsichtigte Tat auch dem Willen Gottes entsprach. (11.GEJ 51,9) Er hat nun die Weltlust zum großen Teil überwunden, seine Natur streng und tapfer angegriffen und übt sich darin Tag und Nacht. Gott lässt nun zur Stärkung des inneren Menschen dann und wann eine Versuchung über ihn kommen, denn der Mensch ist nun bestrebt, die kleinsten Begehren seiner Natur mit aller Macht zu überwinden und unter die Herrschaft seines Geistes zu bringen. Er hadert nicht mehr mit Gott und der Widerwille gegen Gottes Führungen ist überwunden. Das erfordert viel Selbstverleugnung, Geduld, Sanftmut und vollste Ergebung in den Willen Gottes. (3.GEJ 1120,7) Er sucht nur Seinem Willen zu dienen, sei es äußerlich in Liebeswerken oder innerlich im stillen Einkehren in sich Selbst.


Wer Gott, als die reinste Liebe, suchen und finden will“, sagt Jesus, „der muss Ihn auch in der reinsten Liebe im eigenen Herzen, an der keine noch so geringfügig scheinende schmutzige Weltliebe klebt, suchen; und sucht er Ihn also, so wird er Ihn auch allersicherst finden.“ (10.GEJ 98,4)


Der Mensch muss nun in seine Lebenstiefen gehen durch die wahre Demut, durch die Geduld, Sanftmut, durch die wahre Liebe zum Nächsten und durch die rechte Barmherzigkeit. Er muss alles, was er von der Welt hat, bis auf den letzten Heller der Welt zurückgeben, also auch die hochmütig machenden Wissenschaften seines Kopfes, sonst wird es mit der Wiedergeburt und Krafttaufe seines Geistes ganz entsetzlich schmal aussehen. (Ste. 30,13)


Noch ist er unstetig, aber er bleibt doch immer öfter in dem gelassenen Zustande und erträgt meistens willig das Leid, das über ihn kommt. Er ist auch bestrebt, seine Reizbarkeit zu beherrschen. (11.GEJ 47,6) Aber ab und zu, obwohl er sich davor zu hüten sucht, steigen noch Untugenden in ihm auf und er wird ärgerlich oder ungeduldig oder mürrisch, traurig, verzagt oder kleinmütig. Auch bekommt er leicht einen geistigen Hochmut, weil er meint, der Welt weitgehend entsagt zu haben. Er erkennt diesen Hochmut bei sich selbst noch nicht und dünkt sich so weise, dass er niemandes Rat noch Hilfe bedarf.


Der Mensch genießt nun schon manchen Trost und erquickende Süßigkeit von Gott und ist begierig, noch mehr davon zu empfangen. Daran hängt er noch mit großer Eigenliebe und ist diesem Verlangen noch nicht völlig abgestorben. In diesen Dingen mangelt es ihm noch an der gänzlichen Vollkommenheit. (Nach DNF)


Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf Erden. Und es geschah also.


Des Menschen Himmel ist der aus der rechten Erkenntnis und der rechten Liebe hervorgegangene lebendige Glaube. Die Feste des Himmels ist nun der aus dem lebendigen Glauben hervorgegangene feste Wille, nach der göttlichen Ordnung zu handeln. Die Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre bedeuten, dass nun der Mensch in allen Erscheinungen und Ereignissen, die sich bei ihm und anderen und auf der ganzen Welt ereignen, die göttliche Liebe, Weisheit und Gnade erkennt.


Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sterne.


Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,14-18)


Nun ist im Menschen am vierten Tag das große Licht oder der neue, göttliche Liebefunke aufgegangen und regiert den geistigen Lebenstag. Das kleine Licht ist die Seele, die vom großen Licht ihren Schein erhält und die Nacht oder das Naturmäßige des Menschen regiert. Das heißt: Die Seele kann durch den Gottesgeist das Göttliche erschauen und der Gottesgeist durch die umgestaltete Seele das Naturmäßige. Die Sterne sind die zahllosen nützlichen Erkenntnisse in allen einzelnen Dingen, die aus der göttlichen Erkenntnis kommen und deshalb auch an die Himmelsfeste gestellt sind. (1.GEJ 160-161)


7. Die fünfte Stufe der Wiedergeburt des Geistes

In der fünften Stufe ist der Halm bis zur Ähre gediehen und bildet sich nun im reinen Sonnenlicht bis zur Blüte aus. (8.GEJ 137,4) Beim Wachsen des Halmes bilden sich bis zu sieben Ringe, die jedes Mal einen immer feineren Saft durchlassen, so dass nur der allerfeinste, ätherische Saft bis zur Ähre gelangt. (2.GEJ 216,7-10)


Was bedeuten nun die Ringe? „Die Ringe, die der Geist zieht“, sagt Jesus, „sind (beim Menschen) die Demütigungen der Seele. Ist der letzte einmal gezogen, dann entwickelt sich der Geist endlich von selbst und nimmt alles ihm Verwandte aus der Seele in sich auf, konsolidiert sich und nimmt am Ende die ganze Seele, und was im Leibe mit der Seele verwandt war, in sich auf und ist dann für ewig völlig unzerstörbar.“ (2.GEJ 217,7)


Durch die Demütigungen, die Gott über den Menschen kommen lässt, wird er bereit, sich unter alle seine Brüder herabzusetzen. Es macht ihm dann Freude, allen zu dienen nach seiner Fähigkeit, denn wahrhaft göttlich großen Geistes ist nur derjenige, der sich unter alle menschliche Kreatur herabzuwürdigen vermag! (2.GEJ 76,4)


Die letzten Reste seelischer Unreinheiten werden von Gott durch das Feuer des Leidens herausgeschafft, und er erträgt die seelischen und körperlichen Leiden, die über ihn kommen, mit der größten Geduld. (SH Seite 32)


Wer sonach“, sagt Jesus, „durch den festen und lebendigen Glauben, durch die Liebe zu Gott und zum Nächsten und durch die ungezweifelte Hoffnung alle die argen Leidenschaften seines Fleisches bekämpfen kann und sonach völlig Herr über sich wird“, (7.GEJ 155,6) „so dringt der Geist Gottes schon auch insoweit in seine Seele, inwieweit diese in der Beachtung der Gebote Gottes und im Glauben an den einen Gott und in der Liebe zu Ihm und zum Nächsten vorwärtsgedrungen ist,“ (7.GEJ 55,10) „und befindet sich eben dadurch, dass er vollkommen Herr über sich geworden ist, auch schon im ersten Grade der wahren, inneren Lebensvollendung, (oder auf der fünften Stufe der Wiedergeburt des Geistes,) obwohl es da noch zu öfteren Malen an allerlei Versuchungen keinen Mangel haben wird, die ihn zur Begehung einer oder der andern leichten Sünde reizen werden.“ (7.GEJ 155,6)


Die Seele ist nun so rein geworden, dass ihr Geist sie ganz durchdringt, aber auch der Geist aus Gott ist schon zum Teil in die Seele eingedrungen. Das ist die Wiedergeburt der Seele in ihrem Geiste und entspricht dem Weisheitshimmel.


Der Mensch hat sich nun so völlig Gott ergeben, dass Er mit ihm tun kann, was Er will, in Zeit und Ewigkeit. Alle zeitlichen, natürlichen Dinge lässt er gänzlich um Gottes willen los und verleugnet sich darin Gott zu Ehren. Er hat sich aller seiner zeitlichen Mittel und Güter entledigt oder er besitzt sie, dass ihm gar nichts daran liegt, indem er sie Gott übergeben hat, dem sie auch gehören. (Nach DNF) Alle äußere, zeremonielle Frömmigkeit hat er abgelegt zugunsten der inneren Verbindung mit Gott. Er sucht keine Ehre für sich, freut sich aber neidlos über das Glück und die Ehre seines Nächsten. Er macht keinen Unterschied mehr zwischen Freund und Feind, zwischen Angehörigen seines Volkes und denen eines anderen und lässt sich nicht mehr bewegen von Sympathie und Antipathie. Es ist keine Spur von Selbstsucht und Lieblosigkeit mehr in ihm zu finden und kein Rest von Eitelkeit und Weltsinn.


Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren, und Gevögel fliege auf Erden unter der Feste des Himmels.


Und Gott schuf große Walfische und allerlei Getier, dass da lebt und webt, davon das Wasser sich erregte, ein jegliches nach seiner Art, und allerlei gefiedertes Gevögel, ein jegliches nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.“
(1.Mose 1,20-21)


Die Erschaffung der gesamten Tierwelt und endlich des Menschen selbst bezeichnet die volle Lebendigwerdung und sichere Realisierung alles dessen, was der Mensch in seinem naturmäßigen Teile in sich fasst.


Das Meer und all das Gewässer, als die Gesamtheit der Erkenntnisse der Seele, werden voll Lebens. Mit den Walfischen und anderen Fischen wird angedeutet, dass der Mensch in seinem nun rein göttlichen Lichte die zahllose und endlos mannigfache Fülle der schöpferischen Ideen und Formen erschaut.


Auch die lichtdurchflutete Luft des Menschen, als der lebendige Glaube, wird voll lebendiger Vögel. Das heißt: Er erkennt nun rein Himmlisches und er fühlt in sich seine göttlichen Abkunft. (1.GEJ 162,1-2)


Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt das Wasser im Meer; und das Gefieder mehre sich auf Erden.“ (1.Mose 1,22)


Was aus Gott hervorgeht und von Ihm gesegnet wird, vermehrt sich bis ins Unendliche. So werden auch die schöpferischen Ideen des Menschen von der Gottesliebe befruchtet, mehren sich und erfüllen schließlich das ganze Meer. Und der lebendige, liebtätige Glaube dringt immer mehr in die himmlischen Geheimnisse des Wortes Gottes ein, denn der Geist erforscht selbst die Tiefen der Gottheit.


8. Die sechste Stufe der Wiedergeburt des Geistes

In der sechsten Stufe zeigt sich die Fruchtähre und sie fängt an, sich zu entfalten und reif zu werden. (8.GEJ 136,8) Dasselbe geschieht beim Menschen, wenn sein Gottesgeist bis zur vollen Größe emporgewachsen ist. Die Seele des Menschen ist nun völlig gereinigt und fängt an, durch die Liebe des Geistes ganz entzündet, in den Geist überzugehen und alle ihre immer noch mit der Materie verwandte Substanz in die rein geistige Essenz umzugestalten. (8.GEJ 136,10) In dieser Stufe hat des Menschen Verantwortungsgefühl für die von Gott übernommenen Aufgaben den höchsten Grad erreicht. (SH Seite 40)


Versteht er (der Mensch) nun auch“, sagt Jesus, „mit allen seinen Sinnen dahin einen festen Bund zu schließen, dass sie (die Seele) sich von allen irdischen Anreizungen abwenden und sich pur dem rein geistigen Wesen zukehren (kann), so ist das schon ein sicheres und lebenslichtvolles Zeichen, dass der innere Geist aus Gott die Seele ganz durchdrungen hat, und der Mensch befindet sich da im zweiten Grade der inneren, wahren Lebensvollendung“ (oder der sechsten Stufe der Wiedergeburt des Geistes, die dem Liebeweisheitshimmel entspricht.)


In diesem Grade ist dem Menschen auch jene Stärke und Lebensfreiheit eigen geworden, dass er, weil er in seiner Seele ganz erfüllt ist mit dem Willen Gottes und nach demselben handeln kann, keine Sünde je mehr begehen kann; denn da er selbst rein geworden ist, so ist ihm auch alles rein.“ (7.GEJ 155,7-8)


Der Mensch empfängt nun von Gott eine besondere Gnade. Er fasst den festen Vorsatz, nicht mehr aus eigenem Willen und Leben etwas zu tun, zu wissen und zu wirken. Aber noch ist sein eigener Wille nicht völlig tot und er gebraucht die große göttliche Gnade auf eigene Weise. In diesen Dingen lässt er Gott nicht wirken, was, wo und mit wem Er will. Dieser kleine Eigenwille ist aber so verborgen in ihm, dass er es selbst noch nicht erkannt und somit auch noch nicht von Grund aus abgelegt hat. (Nach DNF)


Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art. Und es geschah also.


Und Gott machte die Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,24-25)


Die lebendigen Tiere, die nun ein jegliches nach seiner Art die Erde hervorbringt, sind die in der Seele erwachten heiligen Triebe und Begierden, Tugenden und guten Neigungen. Das Verlangen nach dem himmlischen Vater, ist die grundlegendste aller Begierden und dem Nächsten zu dienen, der heiligste aller Triebe.


Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.“ (1.Mose 1,26)


Durch die Erschaffung des ersten Menschen wird die Erreichung seiner Vollkommenheit dargestellt. Der vollendete Mensch ist nun ein kleines Abbild Gottes und hat dieselben Eigenschaften wie Gott. Er beherrscht nun die in ihm erschauten schöpferischen Ideen und Formen, die himmlische Erkenntnis, die erwachten heiligen Triebe und guten Neigungen und seine ganze umgestaltete Seele.


Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.“ (1.Mose 1,27)


Im vollendeten Menschen entspricht der Mann der Gottesliebe und das Weib der göttlichen Weisheit.


Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde.“ (1.Mose 1,28)


Des Menschen Wahrheit wird von seiner Liebe zu Gott befruchtet, und das Gute und Wahre wächst ins Unermessliche und soll die Seele erfüllen.


Und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (1.Mose 1,28)


Es beherrscht nun der Mensch alle Eigenschaften der Seele und wirkt mit den schöpferischen Ideen, den himmlischen Erkenntnissen und den heiligen Trieben im Verein mit dem göttlichen Willen.


Und Gott sprach: Seht da, ich habe euch gegeben allerlei Kraut, das sich besamt, auf der ganzen Erde und allerlei fruchtbare Bäume, die sich besamen, zu eurer Speise.“ (1.Mose 1,29)


Jesus sagte, dass es Seine Speise ist, den Willen dessen zu tun, der Ihn gesandt hat. (Joh. 4,34) So ist der Entschluss, nach dem erkannten Willen Gottes zu handeln, die Speise des vollendeten Menschen. Das Kraut, das sich besamt, zeigt an, dass der Wille Gottes zuerst im Herzen zur Tat wird, und die Bäume, die sich besamen sind die vollbrachten Taten der Gottes- und Nächstenliebe.


Und allem Getier auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das da lebt auf Erden, dass sie allerlei grünes Kraut essen. Und es geschah also.“ (1.Mose 1,30)


Die Speise des Getiers, also die Speise der heiligen Triebe, der guten Neigungen, der schöpferischen Ideen und der Erkenntnis der himmlischen Geheimnisse ist das Wort Gottes. Da dieses noch nicht in die Tat umgesetzt ist, so ist das Wort Gottes ein grünes Kraut, das noch keinen Samen hat.


Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.“ (1.Mose 1,31)


Jetzt heißt es zum ersten Mal „sehr gut“, weil nun der Mensch vollendet ist. Zum letzten Mal heißt es: „Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag“, weil das nun der letzte abendliche Zustand im Menschen war.


9. Die siebte Stufe der Wiedergeburt des Geistes

In der siebten Stufe ist die Fruchtähre völlig reif geworden. (8.GEJ 137,5) Der Halm ist vertrocknet, weil alle Lebenskraft der Pflanze in den Keimgeist übergegangen ist. (2.GEJ 217,9) Beim Menschen sind nun seine eigenen Interessen ganz vertrocknet, und sein ganzes Interesse ist in die Liebe zu Gott übergegangen. In diesem Zustande wird der Mensch ganz ins Licht gehoben und einigt sich mit dem Geiste der Liebe Gottes. Er fängt an, vom Licht ernährt zu werden mit stets helleren und ewig festen und unwandelbaren Wahrheiten. Je mehr Nahrung er aus den Himmeln erhält, desto weniger nimmt seine vergeistigte Seele Nahrung von der seelisch-materiell substantiellen Sphäre an. (8.GEJ 136,11) In der siebten Stufe ist der Mensch völlig eins mit Gott geworden. (SH Seite 43)


Der vollendete Mensch weiß wohl“, sagt Jesus, „dass er nun als ein mächtiger Herr der ganzen Natur ohne Sünde tun kann, was er nur immer will, aber dennoch seine Willenskraft und Macht demütig und sanftmütig im Zaume hält und bei jedem seinem Tun und Lassen aus der pursten Liebe zu Gott nicht eher etwas tut, als bis er unmittelbar von Gott aus dazu beordert wird, – was eben für den vollendeten Herrn der Natur auch noch eine recht starke Aufgabe ist, weil er in seiner vollen Weisheit allzeit erkennt, dass er nach dem in ihm selbst wohnenden Willen aus Gott nur recht handeln kann.“ (7.GEJ 155,12)


Wenn ein vollendeter Mensch noch mehr in die Tiefe geht, so erkennt er es auch, dass zwischen dem in ihm wohnenden Willen Gottes, nach dem er nie eine Sünde begehen kann und dem besonderen Willen Gottes, der aus tiefer gehenden Gründen etwas anderes will, noch ein großer Unterschied besteht. So er nun seinen allgemeinen göttlichen Willen ganz dem besonderen Willen Gottes vollkommen unterordnet und nur dann aus eigener Kraft etwas tut, wenn er dazu unmittelbar von Gott aufgefordert wird, so ist er zur innersten und allerhöchsten Lebensvollendung gelangt, welche die Lebensvollendung im dritten Grade oder die siebte Stufe der Wiedergeburt des Geistes ist. Der Mensch hat nun die volle Wiedergeburt des Geistes durch den Geist der Barmherzigkeit erreicht (7.GEJ 20,7) und ist mit Feuer getauft worden. Er steht nun im Stande der vollen Gotteskindschaft, was dem Liebehimmel entspricht, sieht den Himmel offen und kann mit aller Geisterwelt in den lichtesten und lebendigsten Verkehr treten. (8.GEJ 136,13)


Wer diese erlangt“, sagt Jesus, „der ist auch völlig eins mit Gott und besitzt gleich Gott die höchste Macht und Gewalt über alles im Himmel und auf Erden, und niemand kann sie ihm ewig mehr nehmen, weil er vollkommen eins mit Gott ist.“ (7.GEJ 155,13-14)


Wie ein neuer Tag aus der Nacht durch die Lichtkraft der Sonne neu geboren wird, so wird auch der Mensch durch die Kraft des Wortes Gottes und aus dem durch die stets steigende Liebe zu Gott und zum Nächsten geistig wiedergeboren, denn darin besteht die geistige Wiedergeburt, dass der Mensch Gott stets mehr und mehr erkennt und sonach auch stets mehr und mehr liebt. Hat es ein Mensch in seinem Herzen zu einer wahren Liebesglut gebracht, so geht in ihm der Gottesgeist gleich der Morgensonne auf und im Menschen ist es vollkommen Tag geworden.


Jesus sagt: „Wer sich den Willen Gottes durch die Haltung der Gebote zu eigen gemacht hat, der hat sich auch zu eigen gemacht die göttliche Macht und die göttliche Freiheit und hat den Zustand der wahren Wiedergeburt des Geistes erreicht und ist als ein wahres Kind Gottes so vollkommen wie der Vater im Himmel Selbst.“ (7.GEJ 54,12)


Und werdet ihr euch in diesem Zustande befinden, dann werdet auch ihr schon zum Voraus Bürger des neuen Jerusalems sein.“ (7.GEJ 54,13)


Im Zustand der vollen Gotteskindschaft, wie er im neuen Jerusalem des obersten Himmels besteht, herrscht die vollste Freiheit. (2.RB 286,8) Für ein volles Gotteskind ist es keine starke Aufgabe mehr, seinen sonderheitlichen Willen dem alleinigen und eigensten Willen Gottes unterzuordnen, denn da ist der Wille Gottes auch der Wille des vollendeten Gotteskindes, weil Seele und Geist völlig eins mit dem Liebegeist Gottes sind.


Jesus sagt zu Robert Blum, als er sich im obersten Liebehimmel befindet: „Hier kannst du tun, was du nur immer willst, und es ist alles recht getan. Denn es kommt niemand hierher als nur ein solcher, der seinen irdischen Weltwillen ganz aus sich hinausgeschafft und dafür für ewig den Meinen in sich vollkommen aufgenommen hat. Da du solches getan hast, bist du hier und kannst unmöglich etwas anderes wollen, als was Ich Selbst will. Nun aber besteht nirgends und niemals eine höhere und vollkommenere Freiheit, als wie da ist die Meines eigenen Willens. Da du diesen nun völlig inne hast, wie solltest du da bei irgendeinem Handeln beschränkt sein können?“ (2.RB 288,1)


Petrus bestätigt das und sagt: „Von einer Einförmigkeit der Tätigkeit ist in den Himmeln nie die Rede, überall herrscht freieste, mannigfaltigste Abwechslung. Wozu jemand Lust hat, mit dem beschäftigt er sich, solange es ihm Freude und Seligkeit bereitet. Freut ihn dann irgendeine Beschäftigung nicht mehr sehr, hat er sogleich eine große Auswahl vor sich und kann sich wählen, was er nur immer will. Das wird doch Freiheit in Übergenüge abgeben?“


Sagt Robert: „Bei Gott ja! Das heiße ich ein freies Leben! O Erde, von solch grenzenloser Freiheit hat dir wohl sicher nie etwas geträumt!“ (2.RB 288,12-13)


Die vollste göttliche Freiheit ist die allerhöchste Seligkeit einer vollendeten Seele, die mit dem himmlischen Vater durch die Liebe völlig vereint, sich im neuen Jerusalem des höchsten Himmels befindet. (7.GEJ 67,4) Doch eine Art Seligkeit wird in Ewigkeit stets gesteigert werden.


In solchem Zustande“, sagt Jesus, „ist aber ein Mensch dann auch ganz vollendet und kann in der Wesenheit nicht noch mehr vollendet werden; nur im Erkennen und im steten Vollkommenerwerden in der reinsten Liebe und Weisheit der Himmel und ihrer die ganze Unendlichkeit ordnenden, regierenden und führenden Macht ist ein stetes Zunehmen in Ewigkeit und dadurch auch die Erreichung einer stets höheren Seligkeit als Folge der stets höheren Liebe, Weisheit und Macht zu gewärtigen.“ (4.GEJ 54,14)


Die Ausbildung der Seele bis zur Wiedergeburt des Geistes kann schon im Leibe erfolgen, doch das erreichen auf Erden nur höchst wenige, aber kurz nach dem Leibestode recht viele. Erfolgt die ganze Ausbildung einer Seele erst im Jenseits, so dauert sie um vieles länger und kann dennoch den ganz allerhöchsten Grad nie erreichen, als wenn sie schon diesseits im Leibe erfolgt wäre. Das hat darin seinen Grund, weil ein auf Erden schon vollends geistig Wiedergeborener dann auch nahezu alles Fleisch vergeistigen kann, das dann für ewig ein mit Seele und Geist vollends vereintes Wesen bildet. (5.GEJ 184,8) Das ist auf Erden nur bei wenigen erfolgt, unter denen sich Henoch, Elias, Maria und einige andere befanden. Bei ihnen durchdrang die große Liebe ihrer Seele zu Gott und den Nächsten ihr Fleisch und vergeistigte es. Wenn das auf Erden auch nur höchst wenige erreichen, so sollte aber doch wenigstens die halbe Wiedergeburt erlangt werden, bevor ein Mensch ins Jenseits abgerufen wird, damit er in der geistigen Welt nicht zu lange auf einem Fleck stehen bleibt oder gar abwärts rutscht, sondern rasche Fortschritte machen kann. (JS Seite 104,9)


Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.“ (1.Mose 2,1) Das heißt: Also ward vollendet der innere und äußere Mensch.


Und also vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er machte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, darum dass er an demselben geruht hatte von allen seinen Werken, die Gott schuf und machte.“ (1.Mose 2,2-3)


Der siebte Tag ist der lebendige Tag des Herrn im Menschen, den er fortwährend mehr erkennen und durch alle seine Handlungen heiligen soll. Das ist der ewige Lebenstag, der kein Ende mehr hat und der wahre Sabbat oder Ruhetag im Menschen, denn die inneren Kämpfe haben aufgehört, und des Menschen Seele ruht in Gott. Das ist die volle Neu- oder Wiedergeburt des Geistes Gottes in der Menschenseele, (7.GEJ 1,4-5) die nun völlig eins mit dem Geist aus Gott ist – dem Gott im Menschen – womit sie auch eins mit Gott geworden ist.


10. Beschreibung eines völlig Wiedergeborenen im Geiste

Woran können wir einen völlig geistig Wiedergeborenen erkennen? Es folgt nun aus dem Buch „Die neun Felsen“ ein Auszug, wie ein Mensch, der sich auf der obersten Stufe befindet, beschrieben wird:


Solch ein Mensch hat sich Gott so völlig ergeben und gelassen, dass ihm alles im Innersten wohlgefällt, was Gott mit ihm und mit allen Dingen tut. Gibt Er ihm, so lässt er es gut sein; nimmt Er ihm, so lässt er es gut sein und steht so über allen Dingen. Er hat sich selbst im Innersten verloren und aller Kreatur, und alles, was je geschaffen wurde in Zeit und Ewigkeit. Blut und Mark sind in ihm völlig verdorrt. (Hiermit wird ein Mensch verstanden, der von seinen weltlichen Gelüsten und Begierden abgestorben ist. 3.Hi. Seite 233,2) Dafür hat Gott ihn mit so unaussprechlich großer Liebe erfüllt, dass es aus ihm leuchten muss, doch das weiß er selbst nicht und begehrt es auch nicht zu wissen. Er lebt in dieser Sache in einem Unwissen und hat sich so einfältig und lauter zum Glauben gewendet, dass er weder begehrt, noch sucht etwas zu wissen, denn er hält sich für unwürdig. Er hält sich auch für unwürdig aller göttlichen, verborgenen, trostreichen Geschenke und verlangt dieselben auch nicht. Sendet ihm Gott eine vergnügende Erquickung, so erschrickt er mehr darüber, als wenn Er ihn darben ließe, denn er begehrt nichts, als dem Bilde Christi einfältig im Glauben nachzufolgen. Er liebt und sucht und begehrt keine tröstliche Ergötzung und scheut mehr süß als sauer, denn er liebt das Kreuz, dessen läuternde Kraft er kennt.


Er hat keinen anderen Wunsch, als dass die Ehre Gottes vollbracht werde und sonst nichts. Er fürchtet weder Hölle, noch Hades, noch Feinde, weder Tod noch Leben; alle Furcht hat ihn verlassen, außer dass es ihm vorkommt, er folge dem Bilde Christi nicht so nach, wie er es gerne möchte und schuldig wäre. Er ist so demütig, dass er sich selbst und alle seine Werke, die er je getan hat, für völlig nichts achtet. Er stellt sich unter alle menschliche Kreatur und will sich mit niemand vergleichen, weder in Zeit noch in Ewigkeit. Er hat alle Menschen lieb in Gott, und wen Gott liebt, den liebt auch er. Er ist der Welt im Innersten abgestorben und alles Wirken der eigenen Vernunft hat in ihm aufgehört. Er ist es, der Gott liebt und Ihn meint mit all seinem Tun und Lassen. Sich selbst aber meint, noch liebt er nicht, noch sucht er irgend das Seine oder sich selbst in Zeit und Ewigkeit.


Durch diesen Menschen sind die Feinde des göttlichen Lebens gefahren mit allen Anfechtungen, die jemand erdenken mag; wovon ein Teil über menschliche Weise und Sinne geht; und er hat keinen anderen Willen, als, wollte Gott dieselben wieder gegen ihn senden, sie mit Freuden zu empfangen. Alle Leiden, die Gott ihm sandte, hat er erduldet; und gäbe ihm Gott dieses Kreuz wieder, er wollte es gerne empfangen, denn sein Herr und Gott ist mit dem Kreuz vorangegangen. Er begehrt nur diesen Weg zu gehen und keinen anderen bis an seinen Tod.


Solche Menschen sind der Welt unbekannt, aber die Welt ist ihnen wohlbekannt. Sie sind die rechtgläubigen Menschen, die wahren Anbeter, die den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit. Einer von diesen Menschen ist Gott teurer, lieber und werter und der Christenheit nützlicher denn tausend andere Menschen, die aus ihrer eigenen Weise leben. Wie wenige dieser Menschen auch sind, so lässt Gott doch die Christenheit auf ihnen stehen, und wo sie nicht wären, da ließe Gott die Christenheit untergehen. Er gäbe alsobald dem Teufel Gewalt, die Welt mit seiner Verführungskunst nach unten zu ziehen. Wäre einem dieser Menschen die ganze Christenheit anbefohlen, er würde sie viel besser regieren mit aller Ordnung als es sonst irgendjemand vermöchte, und es wäre ihm auch leicht, solches zu tun; aber obgleich der Heilige Geist in ihnen ist, werden sie dennoch unterdrückt, für nichts geachtet und verspottet. Träte einer dieser edlen Menschen auf und wollte den Leuten raten in weltlichen und geistlichen Sachen, sie machten es zu einem Spott und achteten ihn für einen Toren.


Gott aber hat diese Menschen so unsäglich lieb, dass, wenn es geschähe, dass einer dieser Menschen allein Gott um eine Sache bäte und alle Christenheit in dieser Zeit bäte miteinander wider die Sache, so erhörte Gott lieber diesen Menschen allein, als eine ganze Christenheit miteinander. Die allerkleinste Freude, die sie in Gott haben, geht weit über alle Freuden dieser Welt und ob sie auch alle in einer Stunde beisammen wären. Auch wird ihnen zuweilen ein kleiner Blick in den Ursprung allen Seins geschenkt, woran sie dann merken, dass sie ein inneres Leuchten besitzen. Haben sie daran noch etwas Selbstgefallen und widerstehen dem nicht, so können sie auch wieder fallen, solange sie sich im Fleische auf der Erde befinden.


Wen sieht man aber in dieser Zeit eine große Begierde danach zu haben, diesen Weg zu Gott zu gehen? Ja, wenn die Menschen es durch ihre Glaubenserkenntnis haben könnten und nach ihrem Willen, dann gäbe es viele dieser Menschen. Wenn Gott Menschen fände, die nach Seinem Willen handeln würden, so würde Er ihnen jederzeit Seine Gnade schenken. Die jetzigen Menschen suchen alle das Ihre und lieben die Gabe. Diesen wird die Gabe Gottes nicht zuteil. Darum erlangen die Menschen wenig besondere Gnade, denn sie sind derselben nicht empfänglich, weil sie nicht in sich gehen mit einem tapferen, kühnen Gemüt und mit einer rechten, demütigen Selbstverleugnung und Unterwerfung unter den Willen Gottes. Wo aber solch ein Mensch wäre, der es täte, in dem wäre Gott jetzt bereiter als je, gute Dinge zu wirken. (Nach DNF)


„Seht nun“, sagt Jesus, „welche Mühe, Langmut und große Geduld es Mich allezeit kostet, aus Tausenden kaum einen erlösen zu können, und wie oft werden selbst von einem solchen Meine Bemühungen verkannt, verachtet, geflucht und mit Füßen getreten, – und seht, doch lasse Ich nie ab, euch beständig zuzurufen: Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch alle erquicken!“ (3.Hi. Seite 16,23)


11. Wie weit bin ich in der geistigen Wiedergeburt vorangekommen?

Es wird sich sicher mancher fragen: „Wie weit bin ich in der geistigen Wiedergeburt schon vorangekommen? – Wie kann ich es erfahren, auf welcher Stufe ich stehe? – Wie kann ich erfahren, ob meine Seele schon eins geworden ist mit ihrem Geiste oder gar mit dem Geiste Gottes in ihr?“


Jesus sagt: „Das erfährt er (ein Mensch) aus sich überaus leicht! Wenn du in dir keinen Hochmut, keinen unnötigen Ehrgeiz, keine Ruhmsucht, keinen Neid, keine Hab- und Glanzsucht, keine Eigenliebe, aber dafür desto mehr Liebe zum Nächsten und zu Gott lebendig und wahr fühlen wirst und es dir eine wahre, dich tief rührende Herzensfreude machen wird, dein ganzes Hab und Gut im Notfalle an arme und sehr notleidende Brüder und Schwestern verteilt zu haben, ja, wenn du ein ordentliches Leid in deinem Herzen fühlen wirst, irgendeinem Armen nicht helfen zu können, wenn dir Gott alles und die ganze Erde mit allen ihren Schätzen und Schätzen nichts sein werden, dann ist deine Seele schon völlig eins mit dem Geiste Gottes in ihr, hat das vollkommene, ewige Leben erreicht, ist weise und wo nötig durch ihr pures Wollen wundertatkräftig!“ (5.GEJ 51,4)


Es darf aber niemand glauben, sogleich schon eins mit dem Geiste Gottes zu sein, wenn jemand sein ganzes Vermögen an die Armen verteilt hätte, doch dabei von sich denken würde: „Herr! Wie ich barmherzig war, also sei auch Du barmherzig gegen mich!“ Wer so denkt, dem fehlt noch ziemlich viel vom Reiche Gottes und ist noch nicht eins mit Gott, weil er Ihm noch billige Bedingungen vorschreiben will. Auch wenn er sagt: „Ich habe getan, und ich habe gegeben!“ so ist er noch ferne von dem, der da spricht: „Ich bin allzeit ein fauler und unnützer Knecht gewesen!“ (Luk. 17,10)


Der Ärmste unter den Menschen ist immer Jesus oder die Liebeskraft des eigenen Herzens. Diese muss zuerst reichlich mit der Liebe zu Jesus beschenkt werden, wenn eine andere Beschenkung nach außen einen Wert haben soll. Jesus muss die ganze Liebe des Herzens ausmachen; dann erst kann ein Mensch aus dieser Liebe wahrhaft Verdienstliches zum ewigen Leben wirken, weil das Verdienstliche allein Jesus zukommt. Wir aber bleiben bloß reine Konsumenten Seiner Liebe, Gnade und Erbarmung.


Wer dann in sich lebendig bekennt und spricht: „Herr, mein Gott und Vater! Ich bin in allem nichts, wie auch alle Menschen vor Dir gar nichts sind, sondern Du allein bist Alles in Allem!“, der ist der Wiedergeburt des Geistes nahe. (Ste. 30,14-16)


Jesus sagt: „Es wird oft so manchem gar nicht vieles fehlen von der vollen Besitznahme des Gottesreiches in seiner Seele, und dennoch wird er es nicht einnehmen, weil er sich zu wenig prüft und nicht acht darauf hat, was etwa noch Irdisches an seiner Seele klebt. Wird er sich aber sorgfältiger prüfen, so wird er bald finden, dass er entweder noch sehr empfindlich ist und ihn gar bald eine Kleinigkeit beleidigt… Sowie ihr aber darob noch so eine Art kleinen Grolles in euch merket und werdet auf den Menschen bitter und unfreundlich, so ist das noch eine Folge eines kleinen, in eurer Seele verborgenen Hochmutes, der allein noch lange gut genügt, die Vereinigung eurer Seelen mit Meinem Lichtgeiste in euch zu verhindern.“ (5.GEJ 125,4+6)


Alles hängt davon ab, wie ernstlich und eifrig ein Mensch durch die Demut und durch die Liebe zu Gott und zum Nächsten seinen Geist und den Geist aus Gott freigemacht hat. (EM 51,16)


Wenn ein Mensch sich demütigt, sich als der Geringste unter den Geringen fühlt, aber ohne dies mit dem Munde oder in Gedanken zu bekennen, sondern sich nur im Herzen so fühlt, dann wächst der Gottesgeist schnell heran.


Der Gottesgeist macht auch gewaltige Fortschritte in seinem Wachstum durch die uneigennützige Nächstenliebe, wenn ein Mensch auf etwas verzichtet, was er für sich selbst wollte, so dass er um des Nächsten willen seiner selbst ganz vergisst. Durch die Liebe zum Nächsten geht dann die Seele immer mehr in die lebendiger werdende Liebe zu Gott über, und in dem Maße wird auch der Gottesgeist immer tätiger in der Seele und breitet sich in ihr immer mehr aus.


Nun wird vielleicht mancher denken: „Da fehlt mir noch so manches bis zur vollen Wiedergeburt des Geistes; wie lange dauert es denn noch, bis ich die Wiedergeburt im Geiste erreicht habe?“


Jesus antwortet darauf: „Geistige Arbeiten und geistige Wege werden nicht nach Stunden und Ellen gemessen, sondern pur nach der Kraft des Willens, Glaubens und der Liebe zu Gott und zum Nächsten.


Wer sich auf einmal so weit selbst verleugnen könnte, von aller Welt ganz abzulassen, seine Schätze – im rechten Maße – nur den Armen widmete aus purer Liebe zu Gott, und kein Wesen triebe mit dem Fleische der Weiber, der würde wahrlich in einer kürzesten Zeit schon als vollendet dastehen! Wer aber offenbar eine längere Zeit dazu vonnöten hat, um sich von allen irdischen Schlacken und Anhängseln zu reinigen, bei dem muss der allerbeseligendste Zustand der wahren geistigen Vollendung auch länger auf sich warten lassen.“ (7.GEJ 223,3-4)


Gott wird die Einung der Seele mit dem Geiste aus Ihm freilich wohl nicht mit Seiner Allmacht erzwingen, aber Er wird des Menschen Herz stets mehr erleuchten und es erfüllen mit wahrer Weisheit aus den Himmeln, und der Mensch wird dadurch geistig wachsen und kräftiger werden und wird alle Hindernisse, die sich ihm zu seiner größeren Probung noch irgendwo in den Weg stellen könnten, stets leichter und zuversichtlicher überwinden.


Je mehr Liebe ein Mensch aber zu Gott und zum Nächsten in sich wird lebendig zu fühlen anfangen, und je barmherziger er in seinem Gemüte wird, desto größer und stärker ist auch schon der Geist Gottes in seiner Seele geworden. Denn die Liebe zu Gott und daraus zum Nächsten ist ja eben der Geist Gottes in der Seele des Menschen. Wie diese zunimmt und wächst, also auch der Geist Gottes in ihr. Ist am Ende der ganze Mensch zur reinen und allerwohltätigsten Liebe geworden, so ist auch schon die völlige Einung der Seele mit dem Geiste aus Gott erfolgt, und der Mensch hat für ewig das von Gott ihm gestellte allerhöchste Ziel des Lebens erreicht.


Wird die Seele durch ihr freies Wollen ganz ähnlich der Liebe des Geistes aus Gott, so ist es dann ja auch klar, dass sie mit dem Geiste aus Gott in ihr eins wird. Wird sie aber das, dann ist sie auch vollendet. Nun, dafür aber lässt sich keine genaue Zeit bestimmen, sondern das muss der Seele ihr eigenes Gefühl sagen und anzeigen.“ (7.GEJ 223,9-10+12)


12. Können wir das Erreichen der vollen Wiedergeburt beschleunigen?

Vielleicht fragt sich jetzt jemand: „Wie kann ich schneller die Wiedergeburt des Geistes erreichen?“ Dazu gibt uns Johannes, der Jünger der Liebe, ein bemerkenswertes Beispiel.


Er fordert uns auf, unsere Schritte zu beschleunigen, wodurch wir eher ans Ziel kommen, denn nicht nur der Leib kann seine Schritte verzögern oder beschleunigen, sondern auch der Geist. Wie aber verzögert der Geist seine Schritte und wie beschleunigt er sie?


Wie wir wissen, besteht das Fortschreiten des Geistes nicht in einem stets mehr und mehr Weiserwerden, sondern nur in einem stets mehr und mehr mit Liebe zu Jesus Erfülltwerden. Wie sollen wir es aber anfangen, dass wir schneller zur Liebefülle zum Herrn gelangen?


Sicher, wir haben alle schon viel Liebe zu Jesus, aber wenn wir gefragt werden, wie es um unsere Vollkommenheit steht, so können die meisten von uns doch nichts anderes sagen, als wie uns Johannes die folgenden Worte in den Mund legt:


Was unsere geistige Vervollkommnung betrifft, so wird es der liebe Gott wissen, was es damit etwa für eine Bewandtnis hat. Wir halten Seine Gebote so viel, als es uns nur immer möglich ist; wir beobachten alle anderen Regeln, wir halten die tägliche Sabbatsruhe und beten viel zu Gott dem Herrn und bitten Ihn auch zu jeder Zeit um die baldmöglichste Vollendung unseres Geistes. Aber dessen ungeachtet gewahren wir nur kaum merkliche Fortschritte, und wenn wir nicht sehr auf uns achtgeben, so kommt es uns noch überdies vor, als hätte unser Geist nicht nur keinen Fortschritt, sondern eher einen Rückschritt gemacht, so dass wir uns darüber schon so manchmal ganz leisen Zweifeln überlassen und uns so heimlich gedacht haben: Entweder sind wir für solch einen geistigen Fortschritt gar nicht berufen oder die ganze Behauptung von der Vervollkommnung des Geistes ist wenigstens im irdischen Leben nichts anderes als eine fromme Fabel oder doch wenigstens eine Hypothese.“ (2.GS 54,6)


Johannes macht uns klar, dass dies bei den Menschen auf der Erde die gewöhnliche Antwort auf die Frage über den zögerlichen Fortschritt des Geistes ist. Es gab aber auch Menschen auf der Erde, die alles daran setzten, die geistige Wiedergeburt zu erreichen. Der Hauptmann Kornelius z.B. war solch ein Mensch, denn über ihn kam der Geist Gottes eher, als er vom Petrus getauft wurde. Wie aber haben diese Menschen das geschafft? Wer es dem Kornelius nachmachen will, für den ist es von der größten Wichtigkeit, zu erfahren, wie er es anstellen kann, schneller ans Ziel zu kommen.


Das Beispiel, das uns Johannes erzählt, handelt vom Erlernen der Musik. Da sollen in einer größeren Stadt viele Schüler das Violinspielen erlernen. Begabt sind alle, aber wie viele der Schüler werden wirklich hervorragende Künstler oder Virtuosen werden? – Johannes meint: „Aus zehn Jahrgängen vielleicht einer oder zwei!“ – Woran liegt das? – Das wird uns sofort klar, wenn uns Johannes einen Einblick in die verschiedenen Studierzimmer der Musikschüler gewährt.


Im ersten Haus schläft der Schüler recht sanft und hübsch weit weg von seinem Instrumente. Wird er wohl ein Künstler? – Johannes meint: „Im Schlafe lernt man die Kunst nicht.“ Im zweiten Haus zieht sich der Schüler gerade an, um vom schönen Tage zu profitieren und einen kleinen Landausflug zu machen. Wird er wohl ein Künstler? – Johannes meint: „Auf den Straßen, am Felde und im Walde lernt man die Kunst nicht.“ Im dritten Haus sitzt ein Schüler bei seinem Instrumente und übt gähnend seine Aufgabe. Wird er wohl ein Künstler? – Johannes meint: „Für die Kunst ist ein gähnender Eifer zu gering.“ Im Haus Nr. 4 ist gar kein Schüler anzutreffen, und die liederlich durcheinander liegenden Musikalien geben einen hinreichenden Beweis vom Eifer unseres Schülers. Wird etwa aus diesem ein Künstler herauswachsen? – Johannes meint: „Da könnte eher das ganze Instrument zu Gold werden, als der Schüler zu einem Künstler.“ Im nächsten Haus übt ja einer der Schüler. Aber seine Augen sind voll Tränen, denn er ist von seinem Vater, der sich’s für seinen Sohn viel kosten lässt, soeben dazu geprügelt worden. Wird aus diesem ein Künstler? – Johannes meint: „Aus der geprügelten Liebe zur Kunst wird nicht sehr viel Künstlerschaft zum Vorschein kommen.“


Auch in weiteren Häusern sieht es nicht viel anders aus. – Aber halt! – In einem ganz unansehnlichen Haus lernt ein Kind einer ärmlichen Familie die Musik. Der Knabe hat an diesem Tage schon acht Stunden geübt; aber abends will ihn der Vater, des Knaben Gesundheit wegen, auf einen kleinen Spaziergang mitnehmen. Aber der Knabe möchte am liebsten gar nicht mit, drückt sein Instrument an sein Herz und liebkost es, als wäre es sein größter Lebensfreund! Nur mit großer Überredung von Seiten des Vaters trennt sich unser Kunstjünger mit Tränen in den Augen von seiner Violine und spricht: Du mein teuerstes Kleinod! In kurzer Zeit komme ich zurück und gehöre wieder ganz dir an! Johannes fragt nun: „Wird aus diesem ein Künstler?“ – Ja, dieser Jünger wird sicher ein großer Künstler. Hört euch nur seine Töne an, die er in kurzer Zeit auf seinem Instrumente zu spielen gelernt hat, und ihr werdet sagen: „Ach, das sind Wundertöne!“ Dieser hat schon den rechten Lehrmeister in seiner Brust, und dieser lehrt ihn, alles der Kunst zum Opfer zu bringen, denn er findet nirgends ein größeres Vergnügen, als eben in seiner zu erlernenden Musik.


Alle früheren Musikschüler sollten wohl auch die Kunst erlernen, aber sie hatten keine Liebe zu ihr und werden es deshalb ohne diesen Meister auch nie weit bringen. Warum aber hatten sie keine Liebe? – Weil sie zu allerlei anderen Interessen Liebe hatten! In diesen anderen Interessen wollten sie sich nicht selbst verleugnen und der Liebe zur Musik ein Opfer bringen. Deshalb werden sie, solange sie nicht umkehren, es auch im Violinspielen nicht zur Meisterschaft bringen.


An diesem Beispiel mit dem Üben des Violinspielens wird uns das tägliche Üben der Sabbatruhe dargestellt, das Versenken in die Liebe zu Gott, wie es uns Jesus in der Kundgabe „Das aber ist der kürzeste Weg zur Wiedergeburt“ empfohlen hat. Wer also schneller zur vollen Wiedergeburt des Geistes gelangen will, der übe die Sabbatruhe zur Erweckung der Liebe zu Gott so fleißig, wie der Knabe aus dem ärmlichen Hause. Wer das aber nicht will, der kann wohl auch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen, aber er wird längere Zeit dazu vonnöten haben. Aber es kann niemand die geistige Wiedergeburt erreichen, der nicht die Weltinteressen aufgegeben will. Dazu gibt uns Johannes die Regel: Je mehr Weltinteressen, desto weniger geistigen Fortschrittes; je weniger Weltinteressen, desto beschleunigter die Fortschritte des Geistes. Mit gar keinen Weltinteressen aber kann ein jeder Mensch schon in kurzer Zeit als vollendet dastehen. (7.GEJ 223,3-4)


Zum reichen Jüngling sprach Jesus: „Gib alles hintan und folge Mir nach, so wirst du dir einen Schatz im Himmel bereiten“, oder mit andern Worten: Gib alle anderen Interessen auf und vereine all dein Streben auf einen Punkt, auf Jesus, dem himmlische Vater, so wirst du bald die Vollendung deines Geistes erlangen! Wer diesem Rufe nicht so folgt, wie wir es von den Aposteln wissen, wie diese dem Herrn auf den ersten Ruf gefolgt sind, der muss es sich denn auch gefallen lassen, dass bei ihm die Vollendung seines Geistes auf sich warten lässt. (2.GS 54,4-18)


Es bleibt nun nur noch übrig, auf das letzte Hindernis zur Erreichung der geistigen Wiedergeburt einzugehen. Da hat jemand mit allem Eifer und gerechter Liebe der Wiedergeburt des Geistes nachgestrebt. Er „weiß es“, sagt Jesus, „dass die Liebe zu Gott und zum Nächsten dazu der einzige und alleinige Weg ist. Er hält nun alle Gebote Gottes streng, liebt in seinem Herzen nach Möglichkeit Gott, erweist allen nach seinen guten Kräften nur Gutes und unterstützt die Armut reichlich, und wo er einen wahrhaft Gottesweisen weiß, begibt er sich zu ihm, unterstützt ihn reichlich und macht sich ihn zum Freunde.“ (5.GEJ 160,2)


Dieser Mensch hat nun jahrelang hindurch alles getan, um die Wiedergeburt des Geistes zu erreichen, aber sie erfolgte dennoch nicht. Er steht nach zwanzig Jahren noch immer auf demselben Fleck, auf dem er angefangen hat, danach zu leben und zu streben. Er merkte bei sich wohl dann und wann lichte Momente, die wie Blitze aufleuchteten, aber sie gingen jedes Mal rasch vorüber und hatten keinen Bestand. Nun fängt er an, die ganze Sache von der geistigen Wiedergeburt für eine fromme Fabel zu halten, verwirft alles, gibt auch die Übung der Versenkung in Gott auf und lebt zwar ein ordentliches, aber doch weltliches Leben weiter.


Nun stellt sich die Frage: „Was hat dieser recht ehrlich strebende Mensch unbeachtet gelassen, dass er nicht zur Wiedergeburt des Geistes gelangen konnte?“


„Eben darum“, sagt Jesus, „weil er alles Gute nur darum tat, um sie (die Wiedergeburt) zu erreichen! Wer Gott und den Nächsten eines anderen Motives wegen als Gott um Gottes und den Nächsten um des Nächsten willen liebt, der kommt nicht zur völligen Wiedergeburt, weil diese ein allerunmittelbarster Verband zwischen Gott und dem Menschen ist.


Durch ein solches Motiv setzt der Mensch stets eine wenn auch noch so dünne, aber dennoch das geistige Licht nicht durchlassende Scheidewand zwischen sich und Gott und kann darum nicht völlig eins werden mit dem Geiste Gottes. Solange aber diese Einung nicht vor sich geht, kann von der völligen Wiedergeburt keine Rede sein.


Ich sage es dir: Es muss aus der Seele jede Art irgendeines Eigennutzes weichen, und der Mensch muss als vollkommen frei dastehen, sodann erst kann er das Höchste erreichen!“ (5.GEJ 160,1-7)


Diese Ausarbeitung ist nicht dafür da, um sich mit anderen zu vergleichen und von sich zu meinen, schon weiter als andere zu sein. Sie ist erst recht nicht dafür da, seinem Nächsten verlauten zu lassen, dass man schon weiter als er wäre. Es darf aber ein jeder für sich beurteilen, auf welcher Stufe er steht, so dass sie ihm eine Hilfe sein kann, zu erkennen, wo es bei ihm noch mangelt und was noch zu tun bleibt, um zur vollen Wiedergeburt des Geistes zu gelangen.


(Mit Genehmigung des Verfassers, 5/18)

Quellenverzeichnis

GEJ    Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981
11.GEJ    Das große Evangelium Johannes, Leopold Engel, 1987
GS    Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955
RB    Von der Hölle bis zum Himmel, (Robert Blum) 2 Bände, 1963
BM    Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960
Hi.    Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände
Ste.    Schrifttexterklärungen, Jakob Lorber, 1958
JS    Jenseits der Schwelle, Jakob Lorber, 1990
Lorber Verlag, 74308 Bietigheim/Württ.
DNF    Die neun Felsen, Privatdruck nach Pfarrer Lämmert’s Ausgabe von 1850
SH    Sieben Himmelsstufen, Urgemeinde Verlag, Wiesbaden-Schierstein, 1958