"... Wer ein rechter Lehrer sein will, der muss seine Lehren also stellen, dass seine Jünger stets viel zu denken und zu suchen haben, sonst macht er sie zu faulen und trägen Forschern nach allerlei Wahrheiten." (GEJ.05_246,02)

"...Und so ihr dieses alles wisset, da lasset euch durch solche Mückenklüfte nicht mehr beirren, sondern werdet dafür eifrige und wahre Täter des Wortes, so werdet ihr gar bald an keinen Widerspruch mehr stoßen."
(HiG.03_42.03.28,20)

 

 

Widersprüche in der Neuoffenbarung?


1. Zur Einführung
2. Aussagen Jesu zum Thema Widersprüche
3. Widersprüche in Jesustexten? (Beispiele)
3.1. „Du sollst nicht töten“
3.2. "Liebe deinen Nächsten"
3.3. "Sie werden genesen..."
3.4. Bestimmung oder Selbstbestimmung?
4. Abschließende Texte


1. Zur Einführung

In der Neuoffenbarung Jesu gibt es nun einmal eine Reihe von Aussagen, die unserem Weltverstand nicht einleuchten wollen oder als Widersprüche erscheinen, insbesondere in naturwissenschaftlichen Fragestellungen. Das ist bekannt und in vielen Kommentaren behandelt worden.

1.1.
"Siehe, es erscheint im Lichte der Welt das Ding des Geistes gar oft als eine sich rein widersprechende Torheit. Allein dem ist nicht also! Denn so der Docht unter dem weißen Lichte schwarz wird und die Asche über der schwarzen Kohle weiß - ist das nicht auch sogar in der Natur ein Widerspruch? Und doch, wer zweifelt, dass es also wäre?! Daher, so ihr irgend auf Meinem Wege Widersprüche findet, wie in der Natur in eurem Welt- oder Leibesleben, dann denket, dass der Schiffer, so er seine Segel nicht gegen den Wind zu richten weiß, damit sein Schiff gegen den Wind und gegen alle die Wogen des sturmbewegten Meeres laufe, noch kein wohlunterrichteter Seemann ist!" (HiG.01_41.01.05,12 ff)

Zum Thema siehe linke Randspalte unter:
„Kommentare/Dokumentationen“
Wilfried Schlätz
. Unmittelbare Worte Gottes durch Jakob Lorber
. Kopfverstand - Herzensverstand
„Naturwissenschaftliches (2)“
Wilfried Schlätz
. Die Entstehung des Sonnenlichtes / Über die Urknallhypothese
. Evolution und göttliche Schöpfung
. Astronomische Irrtümer des Kopfverstandes
Peter Keune
. Wissenschaftliche Forschung und Neuoffenbarung
u.a.
„Kritik an der Neuoffenbarung“
Gerd Kujoth
. Enthält die Neuoffenbarung Fehler, Widersprüche und Irrtümer
Wilfried Schlätz
. Zur Kritik an Jakob Lorber
. Auch jede echte Offenbarung enthält etwas falsches
. Falsches bei Jakob Lorber
. Ablehnung von göttlichen Offenbarungen

Es gibt aber auch Lehren Jesu, die ohne zusätzliche Erklärungen zu falschen Schlüssen führen können, weil sie nur im „Wortsinn“ verstanden werden.

1.2.
Der größte Fehler, der bis jetzt immer zu verkehrten Resultaten geführt hat, ist, wenn selbst gute Menschen, um Meinen Gesetzen zu entsprechen, selbe nur im Wortsinne ausführen wollen, wo sie meistens sich täuschen und mehr Schaden anrichten als Gutes bewirken.“ (Gottfried Mayerhofer, „Nächstenliebe“ (Lebensgarten))

1.3.
"Der pure Buchstabe der Schrift tötet, nur der Geist macht lebendig." (GEJ.08_064,16)

Es gibt in der Neuoffenbarung Lehren, deren tieferen Sinn Jesus Selbst an verschiedenen Stellen erläutert hat.

Beispiele hierzu siehe linke Randspalte unter „Einführende Texte“, Thema „Zum Verständnis wichtiger Schriftstellen“.

Es gibt aber auch Aussagen Jesu, deren vollständiger Sinn bzw. deren Nutzanwendung sich erst durch Erklärungen Jesu an ganz anderen Stellen oder Büchern der Neuoffenbarung erschließen.

Beispiele siehe unten unter "3. Widersprüche in Jesustexten?"

In diesem Zusammenhang soll hier bezüglich des besseren Verständnises von Aussagen Jesu auch auf das schwierige Thema „Entsprechungen“ hingewiesen werden.

1.4.
Sagte Ich (Jesus): „…Weil von euch schon vor der babylonischen Gefangenschaft die alte innere Entsprechungswissenschaft gänzlich gewichen ist; denn diese Wissenschaft ist nur jenen Menschen zugänglich und eigen, die im wahren Glauben und Vertrauen an den einen, wahren Gott niemals wankend und schwach geworden sind, Ihn allzeit als den Vater über alles liebten und ihre Nächsten wie sich selbst.

Denn die besagte Wissenschaft ist ja die innere Schrift und Sprache der Seele und des Geistes in der Seele. Wer diese Sprache verloren hat, der versteht die Schrift unmöglich, und ihre Sprache kommt ihm in seinem toten Weltlichte wie eine Torheit vor; denn die Lebensverhältnisse des Geistes und der Seele sind ganz anderer Art als die des Leibes.

So ist denn auch das Hören, Sehen, Fühlen, Denken, Reden und die Schrift des Geistes ganz anders beschaffen als hier unter den Menschen in der Naturwelt, und darum kann das, was ein Geist tut und spricht, nur auf dem Wege der alten Entsprechungswissenschaft dem Naturmenschen begreiflich gemacht werden.

Haben die Menschen diese Wissenschaft durch ihre eigene Schuld verloren, so haben sie sich selbst außer Verkehr mit den Geistern aller Regionen und aller Himmel gestellt und können darum das Geistige in der Schrift nicht mehr fassen und begreifen. Sie lesen die geschriebenen Worte nach dem blind eingelernten Laut des toten Buchstabens und können nicht einmal das begreifen und dessen innewerden, dass der Buchstabe tot ist und niemanden beleben kann, sondern dass nur der innerlich verborgene Sinn es ist, der als selbst Leben alles lebendig macht.

Wenn ihr nun das begreifet, so trachtet denn auch vor allem, dass das Reich Gottes in euch lebendig und vollauf tätig werde, so werdet ihr auch wieder in die besagte Wissenschaft der Entsprechungen zwischen Materie und Geist gelangen, ohne welche ihr weder Moses noch irgendeinen Propheten je in der Tiefe der lebendigen Wahrheit verstehen könnt und dadurch in euch selbst bemüßigt seid, in Unglauben, in allerlei Zweifel und Sünden zu verfallen. Denn so ein Blinder auf einer Straße, auf der eine Menge Steine liegen, wandelt, wird er es wohl verhüten können, dass er beim Gehen an einen und den andern Stein stößt und dabei gar oft fällt? Und kommt auf des Weges Strecke irgendein Abgrund, wie wird er sich schützen, dass er nicht mit dem nächsten Tritt in denselben stürzt und darin den unvermeidlichen Tod findet?

Darum trachtet vor allem, dass ihr im Geiste ehest wiedergeboren und sehend werdet, sonst werdet ihr tausend Gefahren, die auf euch lauern und euch zu verschlingen drohen, nicht entgehen!“ (GEJ.09_093,02)*)

*) Siehe hierzu linke Randspalte unter „Einführende Texte“, Thema „Zum Verständnis der Entsprechungen“ sowie unter „Kommentare / Dokumentationen“ die Themen „Einführung in die Entsprechungslehre“ und „Die Wissenschaft der Entsprechungen“

Zunächst aber Aussagen Jesu zum Thema Widersprüche.


2. Aussagen Jesu zum Thema Widersprüche

2.1.
„Des Herrn Wort und Lehre ist gleich wie alle Seine Werke. Er gibt uns Seine Lehre in Samenkapseln; diese müssen wir erst säen ins Erdreich unseres Geistes, welches Erdreich da heißet Liebe, da wird der Same dann aufgehen und zu einem Baume der wahren Erkenntnis Gottes und unserer selbst werden, und wir werden von diesem Baume dann zur rechten Zeit vollreife Früchte zum ewigen Leben sammeln können.“ (GEJ.01_043,04)

2.2.
Sagte Ich: „Wären jene Bücher der inneren Geistesweisheit also geschrieben, dass sie für jeden natürlichen Weltverstand schon auf den ersten Blick durch und durch verständlich wären, so würde sie der Mensch dann bald zur Seite legen und nicht einmal mehr ansehen. Welchen Nutzen hätte er dann davon?!

So aber enthalten sie durchgreifend Geistiges von der einfachsten Kreatur bis in das tiefst Himmlisch-Göttliche und können daher von keinem natürlichen Weltverstande je völlig begriffen werden, sondern allein von dem reinen, vollkommen jenseitigen Geiste des Menschen.*)


*) Siehe linke Randspalte unter „Grundbegriffe der Neuoffenbarung“, Thema „3. Materie / Materieleib…“, (unter „5. Der nieder-essentielle Reine Geist…“)

Eben das Nichtverstehen solcher Schriften ist ein Wecker des Geistes im Menschen und zeigt ihm, was und wie vieles ihm von der eigentlichen Lebensvollendung abgeht. Er wird daher solche Schriften öfter zur Hand nehmen und darüber Betrachtungen anstellen, wobei ihm von Zeit zu Zeit doch eines und das andere etwas klarer wird. Wenn er also durch seine Mühe und durch seinen Eifer hinter ein Lichtlein des Geistes gekommen ist, so wird er dann schon emsiger und emsiger im Forschen nach den inneren, geistigen Wahrheiten und wird sogestaltig zu stets mehr und mehr Licht und auch zu einer innigeren Verbindung mit seinem inneren, jenseitigen Geiste gelangen und wird dann auch seinen Nebenmenschen ein helleres Licht zu geben imstande sein, das ihnen sehr wohltun wird.

Das aber würde nie geschehen, so diese Schriften in einer bloß rein naturmäßigen Art gegeben wären; und wären sie also gegeben, so könnte kein Geistiges und Himmlisch-Göttliches in ihren Worten zugrunde gelegt sein, wie Ich euch solches schon zu öfteren Malen ganz klar gezeigt habe.“ (GEJ.06_101,09ff)

2.3.
„Wie es sich aber verhält mit den Dingen, also muss es sich auch verhalten mit allem dem, was da ist des Geistes.

Fände der lebendige Geist nichts, daran er sich stoßen möchte, so hätte er auch kein Bewusstsein und somit auch kein Leben.

Da Ich aber zulasse, das da sind für den Geist selbst eine Menge Gegensätze überall und allzeit, gute und schlechte, – die schlechten für die guten und die guten für die schlechten, – so stoßen sich die Geister gegenseitig einander und erwecken sich gegenseitig zum Leben.

Die Guten werden dadurch stets lebendiger, und die Schlechten werden endlich durch die Guten auch geweckt und nehmen dann eine andere Richtung und gehen über ins wahre Leben und werden dann stets freier von einem Hindernisse, darum sie übergehen in das andere des wahren Lebens.

Siehe, du Meine erwählte Pura, also beginnt Meine Ordnung und hat nimmerdar ein Ende; daher kümmere dich nicht mehr der Tiefe (Hanoch, siehe HGt), sondern glaube es Mir, dass Ich das alles schon von Ewigkeiten her vorgesehen habe, und dass alles, was da ist und geschieht, nach Meinem ewigen Rate geschieht!

Die Tiefe wird umgeändert werden, je nachdem die Höhe sich umändern wird; am Ende aber wird es dennoch geschehen, dass da sein wird ein Hirt und eine Herde!

In der Liebe aber ist alle diese Ordnung; daher sei ruhig, denn Ich weiß es am besten, was da ist, und warum es also geschieht!

Der Reine aber wird das alles in der Reinheit erschauen! Amen.“ (HGt.02_121,20ff)

2.4.
Widersprüche sind zugelassen, "...damit euer Geist einen neuen kleinen Stoß bekommen solle und darum emsiger und lebendiger suchen solle in dem, was Ich also lebendigst gebe aus Meiner Liebgnade; und solle Meine Gabe nicht betrachten als eine Alltagskomödie...

Siehe, Meine Schule ist eine andere als die der Menschen auf der Welt!

Ich lasse daher solches oft geflissentlich zu und lege, wo es immer nur sein kann, den `verworfenen Eckstein` auf alle Meine Wege, damit daran die Welt ihr Gericht finden solle. So aber dann jemand zu Mir kommt und bittet um die Wegräumung des Ecksteins, so will ich solches ja auch tun. Aber nur hüte sich da ein jeder vor Bemerkungen!

Wohl dem, der korrigiert nach Meiner Angabe! Denn der wird das Licht überkommen.

Wer aber Mir wollte die Zulassung solch kleiner Widersprüche zum Vorwurfe machen, der soll mit dem Unglauben bestraft werden!

Was immer da geschieht, hat seinen weisen und liebevollsten Grund.

Daher soll dir auch an Meinem Urteile mehr als an dem der Welt gelegen sein! –

Was Ich gebe, das gebe Ich nicht der Welt zu einem Vorteile, sondern nur zum gerichtlichen Anstoße! Daher tue, was Ich dir sage; und bedenke nie, was dereinst die Welt dazu sagen möchte! Denn Meine Gabe soll nicht vom Verstande, sondern vom Herzen in den Geist lebendig aufgenommen sein. Allda wird sich die rechte Ordnung schon vorfinden! - Verstehet solches wohl und beachtet es! Amen." (HiG.02_42.09.10,02)

2.5.
"Mein Wort und Meine Predigt an euch kann nicht in der gewissen weltvernünftigen Redeweise der Menschen und ihrer Weltweisheit gegeben werden, sondern sie besteht in der Beweisung des euch völlig unbekannten Geistes und seiner Kraft, damit euer Glaube und euer zukünftiges Wissen nicht auf der Weisheit der geistig blinden Menschen, sondern auf der wunderbaren Kraft des Geistes aus Gott beruhe.

Nun, diese Meine Lehr- und Redeweise erscheint vor den Augen der Weltweisen als eine Torheit, weil sie vom Geiste und seiner Kraft nichts wissen und nichts wahrnehmen mit ihren groben Sinnen; aber Meine Lehre ist dennoch eine Weisheit tiefster und höchster Art, nur vor den Augen, Ohren und Herzen der vollkommenen Menschen, die eines guten Willens sind und die Gebote Gottes allzeit beachtet haben. Aber für die Weisen und Obersten dieser Welt, die vergehen wie ihre Weisheit, ist Meine Lehre freilich wohl das nicht." (GEJ.07_055,03f)


2.6.
"...So ihr nun dieses wisset und, soviel es euch mit leiblichen Sinnen nur möglich ist, begreifet, so muss es euch ja doch endlich klar werden, dass somit alles, was sich nur immer materiell darstellt, im Grund dennoch nichts Materielles, sondern lauter Geistiges ist; nur könnet ihr das Geistige nicht schauen, weil ihr noch nicht in der geistigen Polarität seid. Werdet ihr euch aber einmal in der geistigen Polarität befinden, als dann wird sobald die entgegengesetzte Erscheinlichkeit eintreten, vermöge welcher ihr dann nur das Geistige schauen werdet; aber alles Materielle werdet ihr euch ebenso hinzudenken müssen wie jetzt das Geistige zum Materiellen. Darum muss es euch nun auch nicht allzusehr wundernehmen, so ihr im Verlaufe dieser Mitteilungen hier und da auf Punkte treffet, die euch nicht allzu klar werden können; denn sollten auch nun schon alle diese Verhältnisse klargemacht werden können, so müsstet ihr ganz aus der Materie ins rein Geistige hinübertreten, was jetzt noch nicht an der Zeit ist. Aber soviel es nur möglich ist, das Geistige hinein ins Materielle zu erfassen, soviel ist euch im Verlaufe dieser Mitteilung auch zur Genüge gezeigt, welch einen seichten Weg diejenigen einschlagen, welche nichts als die Materie vor sich haben; und wie unverständlich auch werden hingegen diejenigen, welche bei ihren Forschungen überall weit über die Materie ihre Weisheitssprünge machen!" (Fl.01_011,10)

2.7.
"... Wer (also) ein rechter Lehrer sein will, der muss seine Lehren also stellen, dass seine Jünger stets viel zu denken und zu suchen haben, sonst macht er sie zu faulen und trägen Forschern nach allerlei Wahrheiten."  (GEJ.05_246,02)


3. Widersprüche in Jesustexten? (Beispiele)

3.1. „Du sollst nicht töten“

3.1.1. Ausgangstext

Du sollst nicht töten (Ex 20,2-17 / Neuoffenbarung)

3.1.2. Vermeintlich gegensätzliche Texte

„Geht das mit purer körperlicher Züchtigung nicht, so geht es am Ende wirksam durch das Schwert.“

3.1.2.1.
Das ist an und für sich schon ganz klar, dass man einem erzbösen Menschen durch eine zu große Gegenfreundschaft nicht noch mehr Gelegenheit verschaffen soll, dass er dadurch in seiner Bosheit wachse und noch immer ärger werde, als er vorher war.

In diesem Fall wäre eine fortgesetzte Nachsicht nichts anderes als eine wahre Hilfeleistung für des Feindes überwachsende (zunehmende) Bosheit; dafür aber habe Ich in dieser Welt zu allen Zeiten strenge Richter aufgestellt und ihnen das Recht erteilt, die zu schlecht und böse gewordenen Menschen, nachdem sie es verdient haben, zu züchtigen und zu strafen, und habe euch darum auch dieses Gebot gegeben, dass ihr der weltlichen Obrigkeit untertan sein sollt, ob sie sanft oder strenge ist.

Wer demnach einen so argen Feind besitzt, der gehe zum Weltrichter hin und zeige ihm solches an, und dieser wird dem schon erzböse Gewordenen seine Bosheit austreiben.

Geht das mit purer körperlicher Züchtigung nicht, so geht es am Ende wirksam durch das Schwert.

Und so ist es auch der Fall mit der Ohrfeige. Erhältst du sie von einem minder bösen Menschen, den eine plötzliche Aufwallung seines Gemütes dazu verleitet hatte, so wehre dich nicht, (auf) dass er dadurch, dass du ihm mit keiner Ohrfeige entgegenkommst, besänftigt wird, und ihr werdet darauf leicht ohne Weltrichter wieder zu guten Freunden werden.

Aber so dir jemand mit einer mörderischen Ohrfeige in voller Wut entgegenkommt, so hast du auch ein volles Recht, dich zur Gegenwehr zu stellen; und siehe, wenn die Sache nicht also wäre, so hätte Ich zu euch nicht gesagt, dass ihr auch den Staub von euren Füßen über jene Menschen in einem Ort  schütteln sollet, die euch nicht nur nicht aufnehmen, sondern euch dazu noch verhöhnen und mit allerlei Verfolgung bedrohen.

Oh, sei du dessen sicher, dass Ich mit Meiner Predigt von der Nächstenliebe die Macht und Gewalt des Schwertes nicht im geringsten aufgehoben habe, wohl aber auf so lange hin gemildert, als die Feindseligkeit unter den Menschen nicht jenen Grad erreicht hat, den man mit vollem Recht den höllischen nennen kann!

Bei den Alten nach dem Gesetz Mosis und der meisten alten Richter hieß es wohl: `Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn!`, aber da soll es bei euch nicht also sein, dass man derlei Gesetze buchstäblich nimmt, und dass man seinem Feinde nicht öfter denn siebenmal vergeben solle, wovon Ich euch zu öfteren Malen auch eine Erklärung gegeben habe, und die ihr auch wohl begriffen habt!

Aber, wie gesagt, dadurch habe Ich das Gesetz Mosis, der Richter und Propheten nicht aufgehoben, sondern nur gemildert; denn diese nahmen das Gesetz zu buchstäblich und straften auch den mit gleicher Strenge, der oft sehr viel mehr zufällig als infolge seines bösen Willens seinen Nebenmenschen irgend eine oder die andere Beschädigung zugefügt hatte.“ (GEJ.10_215,09)

3.1.3. Erklärende Texte

…so sollst du auch nicht töten, außer nur im höchsten Notfalle…“

3.1.3.1.
Sagte Ich: "O Freund, ich weiß es wohl, was du Mir nun sagen willst! Siehe, du hast es durch einen Meiner Jünger erfahren, wie auch Ich vor einem Jahre in der Nähe von Cäsarea Philippi am Galiläischen Meere einmal eine Art Standrecht an etlichen grundbösen Häschern, die nach Mir fahndeten, ausgeübt habe, und hast Mich nun aus diesem Grunde also gefragt!

Ja, Ich sage es dir: Wenn du gleich Mir den Verbrecher derart erkennen kannst, dass er als noch ein Fleischmensch ein vollendeter Teufel ist, so verhänge über ihn auch sogleich die Todesstrafe, wie solches auch Moses aus Meinem Geiste erkannt hat; aber so du das nicht Mir und dem Moses gleich erkennen kannst, so übereile dich niemals mit der Todesstrafe! Mir steht wohl von Ewigkeit das Recht zu, alles Menschengeschlecht dem Fleische nach zu töten, und Ich bin sonach gleichfort ein Scharfrichter aller materiellen Kreatur in der ganzen ewigen Unendlichkeit; aber was Ich töte der Materie nach, das mache Ich geistig wieder für ewig lebendig.

Wenn du das vermagst, so kannst auch du töten, wen du willst und kannst, zur rechten Zeit; aber da du das nun nicht kannst, so sollst du auch nicht töten, außer nur im höchsten Notfalle, zum Beispiel in einem Verteidigungs- oder in einem von Gott aus gebotenen Strafkriege gegen unverbesserliche, böse Völker, und auch im Falle einer Notwehr gegen einen argen Mörder und Straßenräuber. In allen andern Fällen sollst du nicht töten und töten lassen, solange du nicht in dir selbst Mein volles Licht hast! - Hast du das nun wohl begriffen?" (GEJ.07_094,02 ff)

3.1.3.2.
Die Erde ist aber ein Schulhaus, wo die Geister durch Erfahrung klug werden sollen; daher ist ihnen auch hier die mannigfachste Gelegenheit gegeben, Erfahrungen über Erfahrungen zu sammeln, damit der Geist schnell ausreife.

Wie aber diese Summe schwerer, bitterer und unangenehmer Erfahrungen, welche einem wilden Bergstrom gleichen, zu einem sanft gleitenden, ruhigen Fluss eingedämmt wird, sagt Meine Lehre, und Mein Leben soll und wird stets ein Beispiel bleiben, wie alle Erfahrungen dazu dienen, den Geist im Menschen Gott nahe, ja innig nahe zu bringen.

Wenn ihr daher eure Erfahrungen missachtet, so werdet ihr auch niemals kluge Bauleute am Reiche Gottes werden können; denn allezeit heißt es bei Mir, auf praktischem Wege die Menschen zu erziehen. Meine Stimme kann aber in der Menschenseele meist erst dann klar ertönen, wenn durch viele bittere Erfahrungen aller Art die Seele verinnerlicht wurde und von dem Äußeren sich abgewendet hat.

Will also die Menschheit durch äußere Kämpfe und Kriege (hindurchgehen, in denen es) sich doch nur darum handelt, eine möglichst große Machtstellung zwischen zwei Staaten zu behaupten oder zu erringen, so wird die Erfahrung sehr bald lehren, wie wenig Glück und Zufriedenheit sowie innere Geistesentwicklung möglich ist, wenn Kriegsgeschrei die Länder durchtobt und alle Lebensfreuden untergräbt.

In späteren Zeiten wird denn auch der Krieg als ein Unding, als ein dem Menschen verabscheuungswürdiger und nicht rühmlicher Zustand erkannt werden, während jetzt noch Ehre und Ruhm von ihm erwartet wird, und der Krieg wird völlig verschwinden.

Das Menschengeschlecht wird sich nach Abwendung von diesen äußeren Kämpfen den inneren zuwenden, und jeder wird durch Besiegung des inneren Feindes mehr Ruhm vor Mir erringen können als der siegreichste Feldherr vor den Augen seines Imperators.

Zu dieser Erkenntnis ist aber die Erfahrung nötig, deren Weg durch viele Mühsale und Irrungen hindurchgeht. Diese Schule ist einzig und allein die, welche wirklich eine freie Entschließung der Menschenseele zulässt.

Dass aber Gott Selbst zusehen kann, liegt doch einfach darin, dass hier das Ziel höher steht als alles andere. Die Mittel, welche das Ziel erreichen helfen, sind jedoch höchst weise und schließen stets die sicherste Wirkung in sich.“ (GEJ.11_059,13)

3.1.3.3.
"Mit Liebe erreichet ihr alles, mit Gewalt aber wird der Teufel nur aus seinem Schlafe geweckt! Was für Gutes kann dann wohl vom Wachsein der Teufel über die Erde kommen?! Es ist also besser um endlos vieles, dass da unter den Menschen wachse die Liebe und Sanftmut und wachbleibe zu aller Zeit und dadurch die Teufel zum Schlafe und zur Ruhe nötige, dass sie der Erde nicht schaden, als dass man mit dem dröhnenden Gepolter der Gewalt die Teufel wecke und sie dann verderben die Erde und alles, was darauf ist!" (GEJ.01_076,04 f)

Siehe hierzu auch linke Randspalte unter „Texte der Neuoffenbarung zu…“, Themen „Vom Recht auf Gegenwehr“ und „Über die Zulassung des Krieges“

3.1.4. Kommentar

Die Formulierung „Du sollst nicht töten“ bedeutet nach „Die Geistige Sonne“, Seite 343:

3.1.4.1.
Saget demnach anstatt: Du sollst nicht töten – du sollst nicht zerstören, weder dich selbst, noch alles das, was deines Bruders ist; denn die Erhaltung ist das ewige Grundgesetz in Gott Selbst, demzufolge Er ewig ist und unendlich in Seiner Macht. Da aber auf der Erde auch des Menschen Leib bis zur von Gott bestimmten Zeit für die ewig dauernde Ausbildung des Geistes notwendig ist, so hat ohne ein ausdrückliches Gebot Gottes niemand das Recht, eigenwillig weder seinen eigenen Leib noch den seines Bruders zu zerstören.“ (GS.02_078,11)

Oder ein entsprechender Text im Johannes Band 7, Seite 70:

3.1.4.2.
Du sollst nicht töten! Das ist ganz richtig und wahr also gegeben im Gesetze. Aber warum? Weil unter ,töten‘ schon von uralters her Neid, Scheelsucht, Zorn, Hass und Rache verstanden ward.

,Du sollst nicht töten!‘ heißt demnach soviel wie: Du sollst niemanden beneiden, sollst den Glücklicheren nicht mit scheelen Augen ansehen und sollst nicht im Zorn erbrennen wider deinen Nebenmenschen; denn aus dem Zorn entsteht der Hass, und aus dem Hass geht die böse, alles verheerende Rache hervor!“ (GEJ.07_031,11)


Trotz dieser Erklärungen ist die Tötung unter bestimmten oben genannten Bedingungen erlaubt: z.B. Notwehr, Verteidigungskrieg.


3.2. "Liebe deinen Nächsten"

3.2.1. Ausgangstexte

"Meine Lehre aber ist in sich ganz kurz und leicht zu fassen, denn sie verlangt vom Menschen nichts, als dass er an einen wahren Gott glaube und ihn als guten Vater und Schöpfer über alles liebe und seinen Nebenmenschen wie sich selbst, das heißt, ihm alles das tue, von dem er vernünftigermaßen wünschen kann, dass ihm auch sein Nebenmensch tue..." (GEJ.07_140,03)

3.2.1.1.
Die wahre Nächstenliebe im Herzen eines Menschen – ob Jude oder Heide ist gleich – ist das einzige, wahrhaft geistige Lebenselement, durch das alle Sinnenwelt und auch alle Himmel in der Bestandsordnung erhalten werden. So ein Mensch die wahre Nächstenliebe hat und übt, so lebt er dadurch auch in der rechten Ordnung Gottes und gründet in sich das ewige Leben seiner Seele.“ (GEJ.10_146,11)

3.2.1.2.
Es ist aber bei weitem nicht genug, zu sagen: ,Ich liebe meine Nächsten und bin ihnen sehr freundlich! Die wahre und vor Gott allein gültige Liebe muss in Werken bestehen, wenn die Nächsten derselben bedürfen, geistig oder leiblich. Diese Liebe ist der wunderbare Schlüssel zum Lichte aus Gott im eigenen Herzen.“ (GEJ.03_207,14)

3.2.1.3.
Ihr sollet in der Erweisung der Nächstenliebe keine Ausnahme machen, sondern jedem Gutes erweisen; denn wer da eine Ausnahme macht, bei dem werde auch Ich allerlei Ausnahmen machen.

Wenn jemand in einer Not steckt und zu euch kommt, so erweiset ihm die Nächstenliebe entweder geistig oder auch materiell; die geistige Nächstenliebe aber soll der materiellen vorangehen!

Habt ihr einen Sünder bekehrt, und er steckt in einer irdischen Not, so helfet ihm auch aus dieser. Hat er darauf abermals gesündigt, so ermahnet ihn in Liebe und werdet ihm nicht feind! Denn mit welchem Maße ihr in Meinem Namen ausmessen werdet, mit demselben Maße wird es euch wieder zurückgemessen werden!“ (GEJ.09_159,11)


3.2.2. Vermeintlich gegensätzliche Texte

„Oh, sei du dessen sicher, dass Ich mit Meiner Predigt von der Nächstenliebe die Macht und Gewalt des Schwertes nicht im geringsten aufgehoben habe.


3.2.2.1.
Simon Juda zu Jesus: „…Siehe, bei der Gelegenheit, als Du uns (die Apostel) und das Volk von der Liebe zu Gott und von der Liebe zum Nächsten belehrtest, da gabst Du auch an, dass man sogar die Erzfeinde lieben solle, und dass man segnen solle diejenigen, die einem fluchen, und Gutes tun denjenigen, die einem Böses tun, und dass man dem, der einem eine Ohrfeige gibt, noch die andere Backe hinhalten sollte, statt ihm eine Ohrfeige zurückzugeben.“

Jesus: “Das ist an und für sich schon ganz klar, dass man einem erzbösen Menschen durch eine zu große Gegenfreundschaft nicht noch mehr Gelegenheit verschaffen soll, dass er dadurch in seiner Bosheit wachse und noch immer ärger werde, als er vorher war. In diesem Fall wäre eine fortgesetzte Nachsicht nichts anderes als eine wahre Hilfeleistung für des Feindes überwachsende (zunehmende) Bosheit…

Oh, sei du dessen sicher, dass Ich mit Meiner Predigt von der Nächstenliebe die Macht und Gewalt des Schwertes nicht im geringsten aufgehoben habe, wohl aber auf so lange hin gemildert, als die Feindseligkeit unter den Menschen nicht jenen Grad erreicht hat, den man mit vollem Recht den höllischen nennen kann! Bei den Alten nach dem Gesetz Mosis und der meisten alten Richter hieß es wohl: `Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn!`, aber da soll es bei euch nicht also sein, dass man derlei Gesetze buchstäblich nimmt, und dass man seinem Feinde nicht öfter denn siebenmal vergeben solle, wovon Ich euch zu öfteren Malen auch eine Erklärung gegeben habe, und die ihr auch wohl begriffen habt!“ (GEJ.10_215,04f)

3.2.3. Erklärende Texte

"Nirgends kann soviel Schaden gestiftet werden, als mit dem wörtlich genommenen Begriff der Nächstenliebe."

3.2.3.1.
“Liebe ohne Weisheit und Weisheit ohne Liebe (können) nicht bestehen!“ (Sg.01_031,16)

3.2.3.2.
Liebe mit Ernst und Weisheit, das ist ein ewiges Gesetz; wer danach handelt, macht keinen Fehltritt, und die Früchte davon werden köstlich sein.“ (GEJ.02_055,06)

3.2.3.3.
Der pure Buchstabe der Schrift tötet, nur der Geist macht lebendig!“ (GEJ.08_064,16)

3.2.3.4.
„…Diese über alles sich ausbreitende Liebe soll der Maßstab für die Menschenliebe sein, welche in jedes Menschen Brust ihren Wohnort aufschlagen und als bleibendes Denkmal einer höheren Abkunft auch alle Gedanken, Worte und Taten auf sie beziehen soll.

Diese Liebe soll aber auch, wie die Meine, keinen andern Zweck kennen als den, alles zum Besten seiner Mitmenschen und seiner mitlebenden Wesen zu tun, wobei man natürlich dem Nächsten das von ihm Gewünschte nicht immer gewähren darf, sondern ihm auch manches versagen muß, so das Gewähren vielleicht Schaden statt Nutzen bringen würde.

Betrachtet Mich! Ich liebe euch Menschen alle, liebe euch mit einer Liebe, die ihr nicht begreifen, nicht fassen und nicht erwidern könnt, und doch sage Ich nicht zu allen Bitten, mit denen ihr Mich überhäuft: `Ja!`, sondern meistens das Gegenteil: `Nein!` Und warum? Weil ihr oft Dinge wünscht, die euch geistig schädlich wären! Und wenn diese Verweigerung dann Leiden und Kämpfe, Unglücks- und Trauerfälle über euch und die Eurigen bringt, so ist sie doch nur Ausfluss der Liebe, der Liebe eures himmlischen Vaters, der euretwegen alles erschaffen, euretwegen so manches erduldet hat und euch stets Undank, Verhöhnung, Verleugnung mit Segen vergilt.

Hier seht ihr, wie die Liebe aufgefasst werden muss, wenn sie nicht Böses, sondern Gutes bewirken soll. So müsst auch ihr eure Menschen- oder Nächstenliebe auffassen! Wie ein Vater auf Erden seinen unmündigen Kindern nicht alles gewährt, was sie in ihrem Unverstand von ihm verlangen, sondern immer den höheren Erziehungszweck im Auge behält, ebenso sollt auch ihr nur dann eurem Nächsten Gutes tun, wenn ihr überzeugt seid, dass gemäß eurer Einsicht nicht etwa ein Laster genährt oder euer Nächster im Nichtstun bestärkt, statt zur Arbeit gewöhnt wird.

Dies ist die Liebe, mit welcher Ich aus Meiner Weisheit heraus Meine Welten regiere. Ebenso sollt auch ihr mit euren Verstandeskräften den Trieb des Wohltuns bezähmen und regeln, damit nicht das entgegengesetzte Resultat die Folge eures, wenngleich edelsten Willens ist.“ (PH.01_038,11ff)

3.2.3.5.
„Siehe, niemand kennt die Not und das Elend der Menschen besser als Ich, und niemand ist barmherziger und liebevoller als eben auch Ich; aber es wäre allen Menschen mit Meiner alleinigen Liebe und Erbarmung wenig geholfen, wenn nicht Meine höchste Weisheit mit der Liebe und Erbarmung mitwirkte.

Ja, da geht es einer armen Familie schlecht! Sie hat keine Arbeit, kein Dach und Fach, kein Brot und leidet Hunger und Durst. Sie bettelt von Haus zu Haus, von Ort zu Ort und erbettelt sich im Tage oft kaum so viel, dass sie sich zur Not sättigen kann, während andere im vollen Überflusse leben und schwelgen und solch einer armen Familie die Tür weisen, so sie bittend zu ihnen kommt.

Es ist das von den Reichen, die solch einer armen Familie mit harten Herzen begegnen, gewiss böse, und du möchtest bei dem Anblick einer solchen harten Begegnung gewiss sagen: ,Aber, du großer, allgütiger und allmächtiger Gott, kannst Du wohl solch eine himmelschreiende Unbarmherzigkeit ungestraft dahingehen lassen? Vernichte solche Menschen mit Blitz und Feuer aus Deinen Himmeln!‘ Und siehe, Gott würde solchem deinem Anflehen dennoch kein Erhören schenken! Ja, warum denn aber das nicht?

,Soll die Lieblosigkeit der Menschen denn fort und fort wuchern auf dieser Erde?‘ Nein, sage Ich dir, das sei ferne! Aber sieh, es muss nach dem weisen Ratschlusse Gottes alles seine Zeit haben auf dieser Erde, auf der die Menschen zur wahren Kindschaft Gottes reif werden sollen! Es hat somit der Reiche seine Zeit, reich zu sein und mit seinem Überflusse den Armen Barmherzigkeit zu erweisen, und der Arme hat seine Zeit, sich in der Geduld und Selbstverleugnung zu üben und seine Not und sein Elend Gott aufzuopfern, und Gott wird dem Armen bald auf die für sein Seelenheil beste Art helfen und eben also den harten Reichen zur rechten Zeit züchtigen. Denn es ist der Reiche wie der Arme zur Kindschaft Gottes berufen.

Es war aber unsere arme Familie einstens auch wohlhabend und war hart gegen andere Arme, und es hatte sich das Blatt ihres irdischen Glückes zum Heile ihrer Seelen notwendig einmal wenden müssen. Würdest du ihr nun plötzlich helfen, so würde sie bald sehr übermütig werden und Rache an jenen üben, die ihr mit Härte begegnet sind. Wenn sie aber einmal in der Geduld recht durchgeprüft sein wird, so wird ihr nach und nach, und zwar so unmerklich wie möglich, geholfen werden, und sie wird darin die Fürsorge Gottes besser und heller erkennen, als so man sie von heute auf morgen in einen sehr glücklichen Wohlstand erhoben hätte.

Der harte Reiche aber wird auch nach und nach und von Punkt zu Punkt in einen misslicheren Zustand versetzt werden. Er wird bald da und bald dort in seinen Spekulationen einen Missgriff machen, wird eine schlechte Ernte haben, Schaden bei seinen Herden erleiden, er wird entweder selbst krank werden oder sein Weib oder eines seiner liebsten Kinder, und kurz, es wird Schlag auf Schlag über ihn kommen.

Wird er in sich gehen und sein Unrecht erkennen, so wird ihm auch wieder geholfen werden; wird er aber nicht in sich gehen und sein Unrecht nicht erkennen, so wird er um alles kommen, und dann auch den Bettelstab oder nach Umständen noch etwas Schlimmeres zum Verkosten bekommen.

Wer ihn dann in seiner Armut trösten und ihm unter die Arme greifen wird, der soll auch von Gott aus getröstet und belohnt werden; doch ganz helfen wird ihm niemand eher können, als bis es Gottes Wille zulassen wird. Daher sei du, Mein Freund, nun nur ganz ruhig und heiter; denn Ich weiß es schon, wer da zu einer Hilfe reif geworden ist!“ (GEJ.07_092,04ff)

3.2.3.6.
Sooft Ich als Christus auf der Welt Meinen Vater im Himmel anrief, war es stets die Weisheit, welche die Liebe anrief, um durch dieses Anrufen ihr unbegrenztes Wirken zu zügeln. So wie die Weisheit und Liebe nur miteinander bestehen können, ebenso war Ich als Christus mit Meinem Vater, der Liebe, verbunden nur eins, und deswegen konnte Ich sagen:

`Mich kennt niemand als der Vater im Himmel, und nur Ich kenne Ihn!` oder `Ich gehe heim zum Vater!` usw. Dadurch wollte Ich sagen: Die ganze Welt ist geschaffen aus Liebe; aber die Weisheit hat ihre Bedingungen geregelt. Die Liebe schuf, die Weisheit erhält. Die Liebe als ,Vater‘ stellte das höchste Symbol der Reinheit auf, und Ich, die Weisheit, als ,Sohn‘ bewies sie durch die Tat. Und wie Liebe und Weisheit, nur vereinigt, das ganze Ich Meines eigenen Wesens ausmachen und dort im vollkommensten Abbild bestehen, so soll auch der Mensch als Abkömmling von Mir der Ausdruck der Liebe und Weisheit werden. Er soll zuerst lieben und dann weise sein lernen, um Mich, Meine Schöpfung und seine Mission ganz zu erkennen und zu begreifen.“ (PH.01_005,17)


3.2.3.7.
Siehe Meine eigene Lebensbahn auf Erden an, habe ich Mich zurückgezogen? Habe ich bloß die Guten, die Mir Anhänglichen leiten und beglücken wollen? Habe Ich nicht vielmehr wie ein jeder Arzt die Kranken statt der Gesunden aufgesucht? Habe Ich nicht auch gesagt: Ich bringe euch nicht den Frieden, sondern das Schwert! – was so viel sagen will, als: Ich bin nicht gekommen, euch in eurem bequemen Religionstaumel vollends einzulullen, eure falschen irrigen Begriffe zu bestätigen, sondern Ich stoße das Schwert des Zweifels in euer Herz, damit es aufwache von dem gemütlichen Schlummer, damit der Mensch endlich einmal anfange zu begreifen, dass es nicht so leicht ist, Mensch zu sein, so wie Ich es wollte und zu welchem Zwecke Ich ihn schuf und dass es noch bei weitem schwerer ist, erst Mein Kind, Kind eines großen, geistigen, ja des höchsten geistigen Wesens genannt zu werden und einst gerechten Anspruch zu haben auf all die Seligkeiten, die Ich jenen aufbewahrt habe, welche Mich und Meine Lehre nicht allein ganz begreifen, sondern handelnd selbe sich zu ihrem zweiten Ich gemacht haben.

Werde in Zukunft vorsichtiger im Geben und lasse nicht allein die Liebe, sondern auch den Verstand (Weisheit) mit walten, soweit es deiner Einsicht gestattet ist, das Wahre vom Falschen zu erkennen.

So lange du unter Menschen lebst, musst du die Menschen nehmen, wie sie sind und sie nicht verlangen, wie sie sein sollten; zudem werde schon Ich nach und nach die Mittel finden, sie alle zusammen unter ein Dach zu bringen.

Siehe auf Mich, wie Ich einst lebte unter euch Menschen und welche Lehre Ich euch hinterlassen habe, um eure geistige Würde wieder herzustellen; folge dieser Lehre der Demut, der Duldung und bereitwilligen Aufopferung und es wird Friede und deine Ruhe wieder zurückkehren, die du jetzt verloren wähnest.

Bedenke stets: Du bist Mensch und musst unter Menschen leben und nur im Ertragen ihrer Schwächen wächst deine geistige Stärke. Durch Absonderung von ihnen gewinnst du nichts, denn dein Geist schreitet nicht vorwärts, weil ihm die Nahrung, der Widerstand gegen sein eigenes Prinzipienleben fehlt, welches der Anreger zum geistigen Fortschritte, zur geistigen Vervollkommnung ist.“

(Aus: Gottfried Mayerhofer, „Über die zwei Liebes-Gebote“. Siehe linke Randpalte unter „Texte der Neuoffenbarung zu…“, Thema „Die Liebesgebote Jesu“

3.2.4. Kommentar

Nächstenliebe allein also bewirkt nicht automatisch das Gute, sondern kann auch schaden. Falsch verstandene Nächstenliebe kann durchaus das Gegenteil des erwünschten Zieles bewirken, wenn z.B. mit dem „Gutestun“ nur ein Laster des Bittenden genährt wird oder jemand in seinem Nichtstun bestärkt wird, statt zur Arbeit angeleitet zu werden oder den „Geber“ selbst in den Ruin führt und er dann selbst nicht mehr wohltätig sein kann oder der Bosheit aus Nächstenliebe Vorschub geleistet wird oder Handlungen wider die Gebote begünstigt werden.

Deshalb gehört zur rechten (Nächsten)Liebe allzeit auch die rechte Weisheit sowie der Verstand, wenn letzterer auch der Welt und ihren materiellen Bedürfnissen angehört. Das heißt, wir dürfen nicht nur blind auf den Buchstaben setzen, sondern die wahre Intention Jesu verstehen und beachten.

Siehe auch linke Randspalte unter „Texte der Neuoffenbarung zu…„ Thema
. „Was bedeutet Nächstenliebe?“
. „Die Liebesgebote Jesu“
. „Selbst- und Nächstenliebe“,
unter „Kurztexte
. „Wer ist mein Nächster?“



3.3. "Sie werden genesen..."

3.3.1. Ausgangstexte

„Sie werden genesen und werden erquickt werden wie das Gras nach einem Gewitterregen.“


3.3.1.1.
"Den Kranken aber sage: sie sollen sich in ihrer Krankheit nicht betrüben, sondern sollen sich ernstlich an Mich wenden und sollen Mir ja ganz trauen. Ich werde sie trösten, und ein Strom des köstlichen Balsams wird sich in ihr Herz ergießen, und des ewigen Lebens Quelle wird unversiegbar in ihnen offenbar werden, sie werden genesen und werden erquickt werden wie das Gras nach einem Gewitterregen.“ (HGt.01_001,03)

3.3.1.2.
"Wer zu Mir kommt, mit was immer für einem Bedürfnisse und schlingt das lebendige Band des Glaubens um Mich, den allein Lebendigen, wie soll dem nicht werden, darum er sich mit Mir durch den lebendigen Glauben verband?" (HiG.01_41.06.26.b,05)

3.3.2. Vermeintlich gegensätzliche Texte

Den Kelch des Leidens bis zum letzten Tropfen leeren…

3.3.2.1.
„Was das Fleisch angezogen hat (Sünde), wird dasselbe auch wieder ausziehen müssen. Ob nun mit oder ohne Schmerz, das ist eine ganz gleichgültige Sache.“ (GEJ.05_0,02)75

3.3.2.2.
"Daher nehmt alle Ereignisse, die euch betreffen, als Übungsschule, um in euch selbst erst das fest zu begründen, was ihr andern nicht bloß in Worten, sondern in Taten zeigen sollet, nämlich: dass die Lehre, wie Ich sie euch gegeben, die wahre und einzige ist, die aus Menschen - geläuterte Geister und aus Geistern - Meine Kinder machen kann!

Viele von euch wollen diese Idee nicht fassen, sie möchten noch immer ihr bequemes Weltleben mit Meinem Geiste verbinden; sie scheuen Verleugnung, Entbehrung, Aufopferung; allein es ist umsonst; wollet ihr Meine Kinder werden, so müsset ihr, wie einst Ich, den Kelch des Leidens bis zum letzten Tropfen leeren!

Auch Ich habe im Garten Gethsemane ausgerufen: `Vater, nimm den Kelch von Mir!` Ich tat es, als Ich (momentan) von Meiner Liebe verlassen, Meine Lage als Mensch ganz fühlen musste, und doch, so gerne die Liebe nur beglücken, nur selig machen will, so musste sie dort ihre Grundeigenschaft verleugnen, eines höheren Zweckes wegen, und Ich trank den Becher des Leidens bis zur Neige aus.

So ruft auch so mancher von euch: `Herr, nimm den Kelch des Leidens von mir!` Und Ich, der alles liebende Vater, der Ich Meine Kinder nur glücklich machen möchte, kann um seiner selbst willen diesem Wunsche nicht willfahren, muss zum Besten seines eigenen Ichs und zum Besten Meiner großen Zwecke ihn leiden, ihn den Becher ganz leeren lassen, damit er auch, wie einst Ich Selbst, dann nach ausgestandenem Kampfe, glorreich daraus hervorgehend, die Hand segnen lerne, die ihn aus der bitteren Nacht des Leidens zum hellen Lichte der Seligkeit geführt hat.

Alle möglichen misslichen Verhältnisse, die euch begegnen können, sie sind alle von Mir Selbst einst auch durchgemacht worden; eben deswegen wurde Ich ganz Mensch, so wie ihr es seid, ließ über Mich alle möglichen Weltstürme hereinbrechen, damit nie ein Mensch sagen kann: `Predigen ist leicht, aber selbst ausführen und durch Taten beweisen ist schwer!`

Daher machte Ich euer ganzes menschliches Leben von der Wiege an durch, um euch zu zeigen, dass, wenn der Geist stark ist, er alles überwinden, alles besiegen und alles ertragen kann, nur muss er vorausgesetzt fest überzeugt sein von seiner Mission und von seiner geistigen Bestimmung, von welchem Gesichtspunkte aus dann alle Misshelligkeiten ihren rechten Wert und Aufklärung erhalten werden." (Sg.01_012,05ff)


3.3.2.3.
"Die Not des Lebens aber ist ein Gefäß des Lebens, in welchem dieses gefestet wird gleich einem Diamanten, der da auch nur ein gefesteter Äthertropfen ist, obschon nicht ein Lebenstropfen.

Daher nehme jeder das Kreuz auf seine Schulter und folge Mir in aller Liebe nach, so wird er sein Leben erhalten ewig!

Wer mit seinem Leben zärtelt, der wird es verlieren. Wer es aber kreuzigt und von Mir kreuzigen läßt, der wird es erhalten für alle Ewigkeiten.

Das sage Ich, der Gekreuzigte. Amen!"
(HiG.01_41.04.28,02)


3.3.2.4.
"So aber auch ihr, was in dieser Welt schon also zu sein und zu geschehen hat, von so manchen Prüfungen und Versuchungen heimgesucht werdet, so ertraget es in Geduld und werdet nicht unwillig, und sie werden euch zum Segen gereichen; denn welche Ich liebhabe, die prüfe Ich auch und suche sie mit allerlei Proben heim." (GEJ.08_149,04)

3.3.3. Erklärende Texte

Hilfe durch einen starken, festen Glauben…

3.3.3.1.
Wer da Mein Wort liest und lebt danach und hat einen starken, festen Glauben, dem wird das Wort durch seinen Glauben helfen, wie es in den Evangelien gar oft zu ersehen ist.

Fehlt aber der rechte, lebendige Glaube, da wird das ‚Stehe auf und wandle` nur von geringer Wirkung sein.

Alsonach sind Mein Wort und der lebendige Glaube allezeit das beste Heilmittel auch fürs Fleisch, und es hat keine Apotheke ein besseres.

Aber der Schwäche eures Glaubens und der ängstlichen Mattigkeit eures Vertrauens genügt diese reinste Medizin nicht und kann nicht genügen, weil ihr noch zu ängstlich am Leben des Fleisches haltet und werdet nur zu bald überkleinmütig und schwachgläubig, so über dasselbe etwas kommt.“ (HiG.03_48.09.03,05f)

3.3.3.2.
„Wann aber das Gebet die gerechte Glaubenskraft erreicht hat, das weiß nur Ich. Das Gelingen richtet sich allezeit nach der selbsttätigen Glaubenskraft. Je mehr diese fest und unerschüttert anhält an Meinen Namen, desto näher liegt auch das Gelingen, welches allezeit in der gänzlichen, ungezweifelten Ergebung, Geduld und aller Liebe und Sanftmut liegt.

Wann aber diese den rechten Grad erreicht hat, das weiß nur Ich, wie schon gesagt. Daher darf in jeder Bitte die Geduld nicht ausgeschlossen werden, damit sich ein jeder selbst prüfe, wie stark er an Meinem Namen hält.“ (HiG.01_41.04.18,03f)


3.3.3.3.
„Ich selbst (aber) kann da nicht heilen, wo Ich die Krankheit eben als Heilmittel für die Seele zugelassen habe!“
(Gottfried Mayerhofer, „Die Macht des Gebetes“, s. linke Randspalte unter „Gebet / Meditation / Gesundheit“)

3.3.3.4.
Also sind die meisten Krankheiten, die die Menschen zu durchleiden haben, nichts als Verhütungen, dass die Seele nicht eins werde mit dem Fleische…“ (GEJ.02_169,12)

3.3.3.5.
Daher müsset ihr auch vor allem Meinen Willen, der ein wahrer Wille Gottes ist, vollkommen zu dem euren machen, und es wird euch dann unmöglich etwas misslingen, das ihr aus Mir und somit aus Meiner ewigen Ordnung heraus wollen werdet.“ (GEJ.05_075,07)

3.3.4. Kommentar

In unsere menschliche Alltagssprache übersetzt bedeutet das Wort Jesu etwa: Jesus will und kann uns helfen. Mit dem gewünschten Ergebnis kann aber erst dann gerechnet werden, wenn die Voraussetzungen dazu erfüllt sind bzw. die Bitten können nur erfüllt werden in dem Maße, wie es den Seelen des Bittenden frommen kann. Oder: Jesus kann nicht helfen, wo er z.B. die Krankheit als Heilmittel für die Seele zugelassen hat. „Dein Wille geschehe!“

Vollständige Texte siehe auch linke Randspalte unter „Gebet / Meditation / Gesundheit (2)“, Thema „Heilung durch Gebet?“


3.4. Bestimmung oder Selbstbestimmung?

3.4.1. Ausgangstexte

„Es ist kein Zufall, wenn der eine in diesen, der andere in jenen Verhältnissen geboren oder erzogen worden ist…“

3.4.1.1.
Als nun die Welten von den Urzentralsonnen abwärts ausgebildet waren, da auch erst wurde jedes Welten-Atom genau auf den tausendsten Teil einer Sekunde berechnet, wann es solle gelöst werden. Und war die große Rechnung einmal bestimmt, da erst begannen die organischen Schöpfungen auf den Weltkörpern durch alle Stufen in der allerhöchsten, weisesten, wohl berechneten Ordnung. Und hernach kam endlich erst der Mensch, als ein vollkommenstes Aufnahme-Organ aller ihm vorangegangenen endlosen Stufen und als ein vollkommener Wiedervereinigungspunkt des einst aus Mir gegangenen Lebens!“ (HiG.02_42.10.13,08)

3.4.1.2.
Seht, es hängt nichts, was ihr auch immer ansehen möget, ja selbst nicht die Bewegung eines Sonnenstäubchens, von einem sogenannten Zufall ab – sondern dieses alles ist von Mir schon von Ewigkeit her auf das allergenaueste berechnet und bemessen. Und wäre es einem Menschen oder selbst einem Engelsgeiste möglich, darinnen eine Abänderung zu finden, und wirkete dabei Meine ewige Sorge nur einen Augenblick nicht mit, so würdet ihr erfahren, welche Verheerungen aus der unordentlichen Wendung auch nur eines Sonnenstäubchens vor sich gehen würde.“ (HiG.01_40.09.27,23 bzw. Bd.1, Seite 137, Erdbeben und deren Ursachen)

3.4.1.3.
„Es ist kein Zufall, wenn der eine in diesen, der andere in jenen Verhältnissen geboren oder erzogen worden ist; es ist kein willkürliches Zusammentreffen von Umständen, welche bestimmten, den einen so, den andern anders zu leben und zu wirken.

Überall, seid versichert, ist ein geistiges `Warum`, welches sodann das praktische  `Darum` festsetzte.

Das, was die südlichen Völker `Fatum` und ihr `Schicksal` nennen, wo die Freiheit des Menschen im Handeln dadurch beschränkt wäre, ist nirgends vorhanden.

Wahr ist es, klimatische Verhältnisse, Nahrung, soziale Stellung und Erziehung stempeln den Menschen auf Erden zu dem, was er scheint; aber doch ist ebenfalls wieder der Seele die Macht gegeben und durch den ihr beigegebenen Gottesfunken fest bedingt, alle diese Einwirkungen insofern zu beherrschen und zum geistigen Nutzen zu verwerten, dass das Geist-Seelische stets die Oberhand behält und der Körper, wenn er durch diese Beschränkung auch leidet, doch der Seele gehorchen muss.

Und hier seht ihr oder könnet wenigstens ahnen, wie viele Umstände oft eintreten müssen, um die verschiedenen Seelen mit all ihren verschiedenen geistigen Anlagen doch zu einem gemeinsamen Ziel zu führen.

Hier könnt ihr begreifen lernen, wie Ich das Regiment führe, da Ich alle Handlungen der Menschen, alle ihre Taten doch wieder so verwende, dass Mein Zweck, das heißt ein allmählicher Fortschritt in der ganzen geschaffenen Welt dadurch gefördert wird, indem selbst das Schlechteste, von Menschen ausgeheckt und vollführt, doch nur Gutes hervorbringen muss.“ (SG.01_029,28)

3.4.2. Erklärende Texte 1

„Und siehe, daher geht es bei der Bildung der Menschen nicht, dass man ihren freiesten Willen durch ein wie immer geartetes göttliches Muss hemme…“

3.4.2.1.
Siehe, alle Geschöpfe bestehen unter Meinen Mussgesetzen, und auch der Mensch seinem Leibe nach, - nur des Menschen Seele und Geist nicht, das heißt, was da betrifft den Willen und das freie Erkennen! Die Form und die Lebenseinrichtung der Seele in allen ihren Teilen ist natürlich auch ein Musswerk, von Mir ausgehend, doch aber nur also, dass sie eben durch den freien Willen im Menschen entweder sehr veredelt und befestigt oder auch sehr verunedelt und geschwächt werden kann. Es würde aber dem Menschen der freie Wille wenig oder nichts nützen ohne die Fähigkeit eines freien Erkennens und den aus dem Erkennen abgeleiteten Verstand, der dem Willen erst zeigt, was gut und wahr und was falsch und böse ist. Erst so der Mensch sich Erkenntnisse gesammelt und seinen Verstand geschärft und geweckt hat, kommt die Offenbarung des göttlichen Willens hinzu, die dem Menschen die rechten Wege zum ewigen Leben und zu Gott zeigt. Der Mensch kann dann eine solche Offenbarung annehmen oder nicht, da er einen vollkommen freien Willen auch Gott gegenüber haben muss, ohne den er kein Mensch, sondern ein Tier wäre, das keinen eigenen freien Willen, sondern nur einen Trieb hat, dem es nicht widerstehen kann. (GEJ.07_121,04f)

3.4.2.2.
Die Menschen dieser Erde sind bestimmt, freie und völlig selbständige Kinder Gottes zu werden, und so müssen sie auch also geleitet werden, dass dabei ihr notwendig freiester Wille ja nicht die geringste Nötigung von einer mächtigeren Seite eines Geistes erfahre, sondern allein durch Offenbarung und Lehre und durch äußere Gesetze dahin geleitet werde, aus sich selbst das Wahre und Gute, das sie gelehrt wird, mit ihrem freien Willen zu ergreifen und aus eigener Selbstbestimmung danach tätig zu werden.

Sieh, die Achtung des freien Willens der Menschen dieser Erde geht von Gott aus sogar so weit, dass Er nicht einmal stets darauf sieht, was ein oder auch mehrere Menschen denken, wollen und tun. Nur wenn sie zu weit von Gott abgewichen sind, dann erst sieht Gott sie an und erweckt wieder Seher, Lehrer und Propheten, damit sie den Menschen wieder den Willen Gottes und Seine Absichten mit ihnen von neuem verkünden sollen. Kehren sich die Menschen daran, so geht es dann schon wieder ganz gut; kehren sie sich aber nicht daran, und verspotten und verfolgen sie die für sie von Gott erweckten Seher, Lehrer und Propheten, so muss Gott dann notwendig ein äußeres Strafgericht über die Menschen und oft über ein ganzes Volk kommen lassen. Aber selbst ein solches Gericht geht niemals unmittelbar von dem allmächtigen Willen Gottes aus, sondern ein solches Gericht kommt stets von der blinden und böswilligen Verkehrtheit der Menschen.“ (GEJ.06_225,07f)


3.4.2.3.
Gott aber hat die Menschen Sich nicht zu gewissen Spielpuppen, sondern zu Ihm völlig ähnlichen Ebenbildern erschaffen, die Er nicht als pure Geschöpfe Seiner allmächtigen Laune, sondern als wahre Kinder Seiner ewigen Vaterliebe aus Sich ins Dasein gestellt und sie mit der Ihm ganz ähnlichen schöpferischen Eigenschaft begabt hat, sich ganz frei aus der eigenen Lebenskraft von selbst nach dem eigenen freiesten Willen bis zur völligsten Gottähnlichkeit heranzubilden. Und siehe, daher geht es bei der Bildung der Menschen nicht, dass man ihren freiesten Willen durch ein wie immer geartetes göttliches Muss hemme, sondern man muss ihnen unter selbst den bösesten Umständen den freiesten Willen belassen, und das sogar dann, wenn es Mich Selbst das irdische Leben am Kreuzpfahle kosten sollte!

Seht, so viel Liebe hat die göttliche Weisheit für die Menschen, die sie einmal als ihre Kinder in diese Welt gestellt hat zur Probung des ihnen gegebenen freiesten Willens! Daher fasset das, begreifet es, und richtet keine weiteren unnützen Fragen an Mich; denn Gott hat aus Sich eine Ordnung für ewig gestellt, und bei der wird es auch ewig verbleiben!“ (GEJ.07_215,08)

3.4.3. Erklärende Texte 2

„Von Mir aus bekommt er nur das Material geistig und nach Bedarf auch naturmäßig…“

3.4.3.1.
Ja, Mein Freund, eine Sonne, eine Erde und alle die Dinge auf ihr zu erschaffen, ist eine leichte Sache! Dazu bedarf es keiner so langen Zeit. Auch gerichtete Tier- und Pflanzenseelen erschaffen, ist nicht schwerer. Aber eine Seele herzustellen, die in allem Mir völlig ähnlich sei, ist auch für den allmächtigen Schöpfer eine durchaus schwere Sache, weil Mir da die Allmacht nichts nützen kann, sondern nur die Weisheit und die größte Geduld und Langmut!

Denn bei der Hervorbringung einer Mir völlig ähnlichen Seele, also einer zweiten [relativen] Gottheit, darf Meine Allmacht nur sehr wenig, alles aber der neu werdende [relative] Gott aus Mir zu tun und zu versehen haben. Von Mir aus bekommt er nur das Material geistig und nach Bedarf auch naturmäßig. Und wäre es nicht also, und könnte es anders sein, so würde Ich wohl nicht, als der ewigste Urgeist, Mir Selbst infolge Meiner Liebe die saure Mühe aufgebürdet haben, Selbst Fleisch anzunehmen, um die bis zu einem gewissen Punkte gediehenen Seelen nicht etwa durch Meine Allmacht, sondern lediglich durch Meine Liebe weiterzuleiten und ihnen zu geben eine neue Lehre und den neuen Gottgeist aus Mir, auf dass sie nun, so sie es ernstlich wollen, mit Mir in kürzester Zeitenfrist vollkommen eins werden können.

Ich sage es euch: für Meine ewigen Vorarbeiten fängt nun erst die Ernte an, und ihr werdet wohl Meine ersten ganz vollendeten Kinder sein, was aber noch immer bei eurem und nicht bei Meinem Willen steht. Und nun meine Ich, dass du, Mathael, Mich bei dir wohl entschuldigen wirst, da du nun hoffentlich alles das einsehen wirst, was du früher noch nicht eingesehen hast! – Bist du nun im klaren?“ [GEJ.04_246,05]

3.4.3.2.
(Der Herr:) „Denket euch aber nicht, dass das etwas Derartiges sei, das die gewissen blinden Weltweisen ,Bestimmung‘ nennen, als habe Gott schon für jeden Menschen bestimmt, was er in seinem kurzen oder längeren Leben zu gewärtigen hat! Etwas Derartiges zu denken und zu glauben kann der Seele den Tod bringen, weil das eine Lehre ist, die eine heimliche Ausgeburt der Hölle ist und zu den wahren Lebensprinzipien aus Gott für die Menschen gerade das schroffste Gegenteil darstellt. Die Bestimmung machen sich die Menschen selbst durch die Verkehrtheit ihres freien Willens und dadurch, dass sie nicht erwecken wollen alle die sieben Lebensgeister*) in sich, wodurch sie auch nicht zu der wahren Anschauung ihres innern, wahren und unvergänglichen Lebensschatzes kommen. Dadurch kommen sie auf Abwege und wollen dann auch im Lichte der Welt das wahre, innere Licht des Lebens aufsuchen und frohen Mutes nach demselben wandeln und handeln.
*) Liebe, Weisheit, Wille, Ordnung, Ernst, Geduld, Barmherzigkeit (Sanftmut)

Wenn eine Menschenseele aber einmal so recht in der dicksten Nacht ihres selbstgeschaffenen Weltdünkels steckt, so können ihr bei Belassung ihrer inneren Willensfreiheit auch alle Engel der Himmel keine andere Richtung geben, und es kann da dann niemand sagen: ,Siehe, das war schon also die Bestimmung für diesen Menschen!‘ Ja, es war wohl allerdings eine Bestimmung, aber nicht etwa von Gott ausgehend, sondern vom Menschen selbst.

Von Gott aus war es nur eine Zulassung, und das eben infolge des vollkommen freien Willens des Menschen. Und was Ich nun sagte von einem Menschen, das gilt denn auch von einem ganzen Volke. Es [Jedes Volk und jeder Mensch] ist und bleibt der Selbstschöpfer seiner zeitlichen und seiner ewigen Schicksale.“ [GEJ.07_052,01]

3.4.3.3.
Es ist umsonst, Ich kann die Welt nicht abändern, denn sonst hätte Ich sie nicht vollkommen gemacht, sie wurde geschaffen im Großen wie im Kleinen perfekt, d.h. vollkommen, wenn aber die Menschen gegen Meine Natur- und Lebens-Ordnung sündigen, so ist es weder `Bestimmung`, `Schicksal`, noch `Strafe Gottes`, sondern eine natürliche Folge, wo das eine Gesetzwidrige stets wieder Unnatürliches herbeiführen muss.“ (Mayerhofer, „Bestimmung“, „Lebensgarten“)

3.4.3.4.
"...Ich habe es ja gesagt, dass Gott beim Menschen in Bezug auf seine innere, geistige Entwicklung mit Seiner Allmacht nicht leitend und lenkend einwirken darf, und das aus Seiner ewigen Ordnung heraus. Denn täte Gott das, so würde der Mensch in sich zur toten Maschine und könnte nie zu einer freiesten Lebensselbständigkeit gelangen." (GEJ.07_052,07)

3.4.3.5.
„Ein Mensch, der in sich nicht die vollste Fähigkeit hat, ein vollendeter Teufel zu werden, kann auch nie ein völlig gottähnliches Kind Gottes werden. (GEJ.06_165,08)

3.4.3.6.
„Die vollste und selbständigste Freiheit des Willens im Menschen ist der große Plan Gottes im Menschen.“ (GEJ.07_062,07)

3.4.3.7.
"Ich sage dir, gar seltsam sind des Herrn Wege; ihre Zahl heißt Unendlichkeit. Und jeder Weg, den der Herr mit einem Menschen einschlägt, ist ein neues, selbst für den tiefsinnigsten Cherub unerforschliches Wunder und heilig unter jeder noch so sonderbaren Erscheinung!" (BM.01_073,04)

3.4.4. Kommentar

Aus diesen und anderen Neuoffenbarungstexten geht hervor, dass die Bildung des gesamten Universums einschließlich der dafür notwendigen Naturgesetze von Gottes Hand vorgegeben ist und zwar bis zum Pflanzenreich, Tierreich und bis zum Menschen seinem Leibe nach. (Mussgesetze)

Die Reifung des geistigen Menschen allerdings ist durch Gott in die alleinige Hand des Menschen selbst gegeben, dass er in völliger Freiheit seinen Weg wähle (Willensfreiheits-Lebensprobe) – entweder einen „Liebesweg“ zurück zu seinem Ursprung in Gott oder er wird sich selbst im Jenseits einen sehr langen und steinigen Weg bereiten.

Der kürzeste Weg ist die Lehre Jesu.

Siehe auch linke Randspalte unter „Texte der Neuoffenbarung zu…“, Themen
. Gibt es Zufälle?
. Ist das Schicksal vorbestimmt?
. Der Mensch zwischen gut und böse
. Die Führung Gottes in der Welt
. Woher kommen Leid und Elend?
Und unter „Kommentare / Dokumentationen“
. Erbsünde und Erlösung
. Fragen zur Willensfreiheit
. Ursachen so verschiedener Lebenswege
. Warum lässt Gott das zu?



4. Abschließende Texte

4.1.
"Es ist stets notwendig, dass ihr bei Betrachtung aller Dinge, die sich im menschlichen Leben dem Auge zeigen, niemals nach der Außenseite urteilt, sondern stets nach dem inneren Wesenheitskern. Materielle, äußere Dinge und geistige, innere, das heißt entsprechende Dinge können im scheinbar größten Widerspruch stehen, weil sie sich oftmals polar zueinander verhalten, ja, als sich völlig entgegenstehende Begriffe so verhalten müssen, trotzdem eines ohne das andere nicht bestehen kann. Treten diese Gegensätze recht grell vor eure Augen, so glaubt ihr unerklärliche Widersprüche zu entdecken, die jedoch für des Geistes Auge durchaus keine solche bedeuten." (GEJ.11_059,03)

4.2.
„…Und der Joseph antwortete (im Beisein Jesu einem röm. Hauptmann) und sprach: `Halte du vorderhand von allem dem, was dir gesagt ward, so viel, als dir gesagt wurde; alles andere aber erwarte in aller Geduld von der Folge, so wirst du am besten fahren!

Denn siehe, in Fragen und Antworten besteht das heilige Reich des Messias nicht, sondern allein nur in der Geduld, Liebe, Sanftmut und in der völligen Ergebung in den göttlichen Willen!

Denn bei Gott lässt sich nichts übers Knie brechen, nichts erzwingen und am allerwenigsten aber etwas ertrotzen!

Wann es der Herr aber für gut befinden wird für dich, dann auch wird Er dich in die höhere Offenbarung leiten!

Fasse aber sofort lebendige Liebe zu dem dir von mir ganz rein geoffenbarten Gotte; durch sie wirst du am ersten dahin gelangen, wo du so ganz eigentlich sein möchtest!

Ja! – Solche Liebe wird dir in einem Wurfe mehr geben lebendig, als was du mit einer Million toter Fragen erbeuten möchtest!`

Und der Hauptmann fragte und sprach: `Gut, mein geachtetster weisester Freund! Ich will solches alles tun; aber nur das musst du mir sagen, wie man deinen Gott liebt, den man noch zu wenig kennt?`

Und der Joseph sprach: `Wie du deinen Bruder und deine allfällige Braut liebst, also auch liebe Gott!

Liebe deine Nebenmenschen als lauter Brüder und Schwestern in Gott, und du wirst dadurch auch Gott lieben!

Tue allzeit und allenthalben Gutes, so wirst du die Gnade Gottes haben!

Sei barmherzig gegen jedermann, so wirst du auch bei Gott die wahre lebendige Barmherzigkeit finden!

Ferner sei in allen Dingen gelassen, sanft und voll Geduld, und fliehe den Stolz, den Hochmut und den Neid wie die Pestilenz, dann wird der Herr eine mächtige Flamme in deinem Herzen erwecken, und das gewaltige Licht dieser geistigen Flamme wird alle Finsternisse des Todes aus dir verscheuchen, und du wirst dann in dir selbst eine Offenbarung finden, in der du alle deine Fragen auf das glänzendste lebendig beantwortet finden wirst!

Siehe, das ist der rechte Weg zum Lichte und Leben aus Gott, das ist die rechte Liebe zu Gott; diesen Weg wandle!`

Als der Hauptmann diese kräftige Lehre von Joseph erhielt, da hielt er sobald inne mit seinen noch vielen übrigen Fragen und versenkte sich in tiefe Gedanken.“ (JJ.01_146,01ff)

4.3.
Last euer Herz nicht von Zweifeln bestürmen, nicht mit Grübeleien euer Vertrauen schwächen! Meine Kinder sollen ihr Herz nicht verschlossen halten; sie sollen, erhaben über alles Weltliche den Blick nach oben richtend, stets Meines Opfers eingedenk sein, Meiner Liebe und Meiner väterlichen Fürsorge für sie und alle lebenden Kreaturen, damit ihr Herz, ein steter Tempel Meiner Liebe und des unerschütterlichen Glaubens an Meine Unfehlbarkeit, ihnen eine echte Stütze in allen Misshelligkeiten des Lebens und ein fester Hort gegen alle Anfechtungen von Zweifeln und Unglauben sei. Dann werdet ihr stets den Ruf in euch ertönen hören: `Der Friede sei mit euch!` Denn wo im Hinblick auf Mich und Meine Liebe der Friede schon im Herzen thront, brauche Ich ihn nicht erst zu bringen, sondern kann ihn nur bestätigen!“ (PH.01_020,17)