"Das alles redete Jesus in Gleichnissen zu dem Volk, und ohne Gleichnisse redete Er nichts zu ihnen, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Psalm 78,2): `Ich will Meinen Mund auftun in Gleichnissen und will aussprechen, was verborgen war vom Anfang der Welt an.`" (Matth.13,34+35)


 

14 Gleichnisse Jesu

 

 

Teil 1

1. Heilung des Kranken am Teiche Bethesda (WS-A3253.01)

2. Jesus rettet eine Ehebrecherin (WS-A3253.02)

3. Jesus und Seine Widersacher (WS-A3253.03)

Teil 2

Fortsetzung: Jesus und Seine Widersacher (WS-A3253.03)

Teil 3

4. Die Mutter und die Geschwister Jesu (WS-A3253.04)

5. Die Hand an den Pflug legen und zurückschauen (WS-A3253.05)

6. Die Jünger reißen am Sabbat Ähren aus (WS-A3253.06)

Teil 4

7. Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler (WS-A3253.07)

8. Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum (WS-A3253.08)

9. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (WS-A3253.09)

Teil 5

10. Das Gleichnis vom Sämann (WS-A3253.10)

11. Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (WS-A3253.11)

12. Das Gleichnis vom Senfkorn (WS-A3253.12)

13. Das Gleichnis vom Sauerteig (WS-A3253.13)

14. Das Gleichnis vom Schatz bzw. von der Perle (WS-A3253.14)

 

 

1. Heilung des Kranken am Teiche Bethesda

WS-A3253.01

Der Herr und die Tempelpriester. (Joh.5)

1.Kapitel

Die Heilung des Kranken am Teiche Bethesda: Joh. 5,1 –13:

[GEJ.06_001,01] Ich aber zog mit Meinen Jüngern an diesem Tage bis in die Nähe von Jerusalem, allwo wir in einer Mir und den Jüngern wohlbekannten Herberge die Nachtruhe nahmen. Der Wirt hatte eine große Freude an uns und erzählte uns viel von dem nunmaligen argen Treiben in Jerusalem und ließ uns ein recht gutes Abendmahl zurichten.

[GEJ.06_001,02] Ich aber sagte zu ihm: „Komme du morgen nur hinauf zum Tempel, und du wirst da sehen, was Ich mit den Pharisäern für ein Wesen haben werde! Morgen sollen sie es genau und ohne allen Vorbehalt erfahren, mit wem sie es in Mir zu tun haben!“

[GEJ.06_001,03] Dessen war unser Wirt sehr froh und brachte uns noch Brot und Wein zur Genüge. Er hatte zwar schon vieles von Mir gehört, aber auch er wusste noch nicht, wer Ich so ganz eigentlich sei, obwohl ihm Meine Jünger so einige Winke gaben, die er gut aufnahm. – Bald darauf begaben wir uns zur Ruhe.

[GEJ.06_001,04] Am Morgen des Sabbats zogen wir hinauf nach Jerusalem. (Joh.5,1) Warum denn hinauf? Weil die große Stadt und vor allem der Tempel auf einem ziemlich weitgedehnten, klippigen Bergrücken lag und nahe zuhöchst der Tempel mit seinen weiten Hallen, Ringmauern und Hochgärten. Dass uns der Wirt, dessen Haus in einem Tale stand, hinaufbegleitete, versteht sich von selbst.

[GEJ.06_001,05] Als wir in die Nähe des Tempels kamen, da mussten wir zuerst an dem Teiche Bethesda (Vedes da = er gibt Erweckung oder Genesung) vorübergehen, der zunächst bei dem Schafstalle des Tempels sich befand und ringsum fünf Hallen hatte. (Joh.5,2) In diesen Hallen lagen stets viele Kranke, wie Blinde, Lahme, Dürre und noch mit allerlei anderen Krankheiten Behaftete, und warteten, bis sich das Wasser bewegte. (Joh.5,3) Nach einer sehr alten Sage seit Melchisedeks Zeiten und nach dem festen Glauben, besonders des armen Volkes, fuhr ein Engel von Zeit zu Zeit vom Himmel herab und bewegte das Wasser. Die Menschen sahen zwar den Engel nicht und schlossen auf seine Gegenwart nur aus der eigentümlichen Bewegung des Wassers.

[GEJ.06_001,06] Die gelehrten Pharisäer glaubten selbst zwar nicht an die Niederfahrt des Engels, sondern hielten den Teich nur für eine besondere Heilquelle, sowie desgleichen auch die Römer und Griechen; aber sie verstanden es zu ihrem Vorteile dennoch, das Volk bei dem frommen, alten Glauben zu erhalten.

[GEJ.06_001,07] Wenn aber das Wasser sich bewegte – was etwa alle Wochen ein- bis zweimal der Fall war –, so hatte es wahrlich eine so außerordentliche Heilkraft, dass ein jeder mit was immer für einer Seuche Behaftete geheilt war, so er das Glück hatte, als der erste ins Wasser zu kommen. (Joh.5,4) Es versteht sich von selbst, dass da auch nur die reichen und wohlhabenden Kranken den Vorzug hatten, und dass die Armen, weil sie nichts zahlen konnten, oft viele Jahre da vergeblich warteten, bis irgendein etwas barmherzigerer Wärter einen solchen Armen zuerst ins Wasser tauchte, worauf er dann auch gesund wurde.

[GEJ.06_001,08] Der uns begleitende Wirt hielt sich darüber sehr auf und erklärte dieses Treiben für eine höchst schmutzig-ungerechte Sache. Er zeigte Mir auch einen sehr alten, armen Menschen, der bereits achtunddreißig volle Jahre da auf die Heilung warte (Joh.5,5); aber noch nie sei es einem schmutzigen Wärter eingefallen, ihn nach so vielen Jahren doch endlich einmal in das bewegte Teichwasser als ersten steigen zu lassen.

[GEJ.06_001,09] Mich erregte das offenbar sehr, und Ich sagte zum Wirt: „Obwohl heute ein Sabbat ist, so soll diesem Menschen dennoch sogleich geholfen werden!“

[GEJ.06_001,10] Da Ich zuerst Selbst wusste und auch von dem biedern Wirte vernommen hatte, wie es mit dem Menschen stand, da trat Ich sogleich hin zu ihm und sagte: „Willst du gesund werden?“ (Joh.5,6)

[GEJ.06_001,11] Da antwortete mit trauriger Miene der Kranke: „Bester Herr! Ich habe keinen Menschen, der mich zuerst in den Teich ließe, wenn das Wasser bewegt wird; und wenn ich selbst komme, so steigt ein anderer, der begünstigt ist, vor mir ins Wasser. (Joh.5,7) Wie möglich kann ich da gesund werden?!“

[GEJ.06_001,12] Darauf sagte Ich: „So stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin, von wannen du gekommen bist!“ (Joh.5,8)

[GEJ.06_001,13] Und alsbald ward der Kranke gesund, hob sein mageres Bett auf und ging nach der Sitte hin zu einem Priester als Genesener, und das an einem Sabbat, an dem das Wasser nach vielen Erfahrungen nahezu gar nie bewegt ward. (Joh.5,9) Daher war es den Juden gleich auffallend, wie dieser Mensch an einem Sabbat gesund geworden war.

[GEJ.06_001,14] Sie (die Juden) hätten aber eben zu dem Gesundwerden nicht soviel gesagt; aber da er an einem Sabbat sein Bett trug, so war das bei ihnen schon ein großer Fehler, und sie sagten: „Es ist heute Sabbat, und es ziemet sich nicht, das Bett zu tragen!“ (Joh.5,10)

[GEJ.06_001,15] Er (der Geheilte) aber entgegnete ihnen: „Höret! Der mich gesund machte, der auch sagte zu mir: Nimm dein Bett, und gehe hin! (Joh.5,11) Der aber solch eine Macht hat und Der mir solch eine Wohltat erwies, dem gehorchte ich auch an diesem Sabbat! Denn volle achtunddreißig Jahre hindurch hat mir niemand solch eine Wohltat erwiesen wie jener Mensch! Warum sollte ich ihm dann nicht gehorchen auch an einem Sabbat?!“

[GEJ.06_001,16] Da fragten die Juden ihn: „Wer ist denn hernach jener Mensch, der zu dir sagte als heute an einem Sabbat: Nimm dein Bett, und gehe hin!?“ (Joh.5,12)

[GEJ.06_001,17] Der Gesundgemachte und Gefragte aber wusste nicht, wer Ich war und welchen Namen Ich führte. Er konnte auch nicht mit dem Finger nach Mir hindeuten, da Ich die Stelle schnell verließ des vielen Volkes wegen, das hier versammelt war. (Joh.5,13)

2. Kapitel

Der Herr zeugt für Sich und Seiner Mission als Messias: Joh. 5,14 –27:

[GEJ.06_002,01] Ich ging etwa nach einer Stunde Zeit mit den Jüngern in den Tempel, nachdem wir zuvor mit der Familie des Lazarus von Bethanien, mit der Ich schon von Meinem zwölften Jahre an bekannt war, und die Ich alljährlich bei unseren Wallfahrten nach Jerusalem zu besuchen pflegte, zusammentrafen und so manches besprachen über die Führung Meines Lehramtes. Die Familie wie auch unser bekannter Wirt geleiteten uns in den Tempel, und als wir in den Tempel kamen, da fand Ich den Geheilten, und der drängte sich, als er Mich ersah, zu Mir hin und fing von neuem an, zu loben und zu danken.

[GEJ.06_002,02] Ich sagte zu ihm: „Sieh zu, so du nun gesund geworden bist, dass du in der Folge nicht mehr sündigest, auf dass dir nicht noch etwas Ärgeres widerfahre!“ (Joh.5,14)

[GEJ.06_002,03] Er beteuerte das und erfuhr bei dieser Gelegenheit Meinen Namen, was eben ein leichtes war, da Mich viele von früheren Zeiten her kannten. Da verließ uns der Mensch und ging zu den scharfen Tempeljuden und verkündigte es ihnen, dass Ich, Jesus, es war, der ihn geheilt hatte. (Joh.5,15)

[GEJ.06_002,04] Da ergrimmten alsbald diese Tempeljuden, fingen an, Mich verfolgend, sich zu Mir hinzudrängen, um Mich sogleich zu ergreifen und zu töten, weil Ich solches – an einem so großen Sabbat noch dazu! – getan habe. (Joh.5,16)

[GEJ.06_002,05] Der Wirt ersah die grimmige Bewegung der ihm über alles verhassten Juden und riet Mir, so schnell als möglich zu entweichen, ansonst Mir leicht etwas Übles begegnen könnte.

[GEJ.06_002,06] Ich aber vertröstete ihn und sagte: „Fürchte dich nicht; denn bevor Ich Selbst es nicht will, werden sie Mir nichts tun können! Aber Ich werde ihnen, sowie sie Mich zu fragen anfangen werden, eben erst ganz unverhohlen sagen, wer Ich bin, und da wirst du dann erst ihren Grimm sehen, vor dem sich aber nun niemand zu fürchten hat!“

[GEJ.06_002,07] Während Ich solches privatim zum Wirte geredet hatte, waren die Ergrimmten auch schon bei Mir und fuhren Mich an: „Warum tatest du solches an einem hohen Sabbat und hast ihn vor allem Volke geschändet? Hättest du das nicht morgen tun können, und dem Kranken wäre noch früh genug geholfen gewesen, und der hohe Sabbat wäre nicht geschändet worden?!“

[GEJ.06_002,08] Da sah Ich die Ergrimmten sehr ernst an und sagte ganz einfach zu ihnen: „Mein Vater (im Himmel) wirket bisher, und Ich wirke auch!“ (Joh.5,17)

[GEJ.06_002,09] Da ergrimmten die Tempeljuden noch mehr und trachteten Mich zu ergreifen und gleich zu töten; denn sie schrien zum Volke: „Nicht genug, dass er den hohen Sabbat geschändet hat, sondern er lästerte auch Gott, indem er Ihn seinen Vater nannte und sich Ihm ganz gleichstellte! Darum ergreifet und erwürget ihn sogleich!“ (Joh.5,18)

[GEJ.06_002,10] Da entstand ein förmlicher Tumult im Tempel, und es machten einige Miene, Mich zu ergreifen. Ich aber erregte Mich und gebot Ruhe.

[GEJ.06_002,11] Alsbald ward auch alles ruhig, und Ich sagte zu den ergrimmten Juden: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage es euch: Ich als der Sohn kann nichts von Mir Selbst aus tun – außer nur das, was Ich sehe den Vater tun! Was demnach Mein Vater tut, dasselbe tue auch Ich! (Joh.5,19) Der Vater aber hat den Sohn lieb und zeigt Ihm alles, was Er Selbst tut, und wird Ihm noch größere Werke zeigen, dass ihr selbst euch darob höchlichst verwundern werdet! (Joh.5,20) Denn gleich wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, also macht auch der Sohn lebendig, welche Er will. (Joh.5,21) Ich sage es euch, ihr Blinden: Der Vater im Himmel richtet nun niemand; denn alles Gericht hat Er Mir, Seinem Sohne, übergeben (Joh.5,22), auf dass alle Menschen – Juden und Heiden – den Sohn ebenso ehren sollen, wie sie den Vater ehren. Wer aber den Sohn nicht ehrt, der ehrt auch den Vater nicht, der Ihn gesandt hat.“ (Joh.5,23)

[GEJ.06_002,12] Als Ich also redete, da war die größte Ruhe und die ergrimmten Juden schwiegen; denn Ich wollte es also.

[GEJ.06_002,13] Und Ich redete darum weiter und sagte: „Wahrlich, wahrlich, wer Mein Wort hört und glaubt wahrhaft an Den, der Mich zu euch Menschen auf diese Erde gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt seiner Seele nach nimmer in ein Gericht, das der Tod der Materie ist, sondern er ist durch solchen ernsten und lebendigen Glauben vom Tode zum wahren, ewigen Leben durchgedrungen! (Joh.5,24)

[GEJ.06_002,14] Und wieder sage Ich euch: Wahrlich, wahrlich, es kommt die Stunde und ist schon jetzt da, wo die Toten an Leib und Seele die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gläubig hören werden, die werden dadurch auch leben ewiglich! (Joh.5,25) Denn wie der Vater das Leben hat in Sich Selbst, ebenalso hat Er auch dem Sohne gegeben von Ewigkeit her, das Leben zu haben in Sich Selbst. (Joh.5,26) Auch hat Er Ihm die Macht gegeben, das Gericht zu halten über alle Menschen, und das darum, weil der ewige Sohn Gottes [= die unendliche Liebe Gottes = das Liebezentrum Gottes = das Gotteszentrum] nun für diese Zeit auch ein Menschensohn ist.“ (Joh.5,27)

3. Kapitel

Der Herr spricht von dem Zeugnis Seiner Werke: Joh. 5, 28 –39:

[GEJ.06_003,01] Hier machten viele große Augen und fingen an, sich über solche Meine Worte sehr zu verwundern. Einige meinten, das sei eine Frevelei, die noch nie dagewesen sei.

[GEJ.06_003,02] Andere wieder sagten: „Nein, wahrlich, da muss etwas daran sein; denn so etwas hat noch nie ein Mensch von sich geredet!“

[GEJ.06_003,03] Ich aber sagte zu ihnen: „Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, sogar die in den Gräbern sind (hier wurden die Heiden gemeint, was die Juden nicht verstanden), Meine Stimme hören werden und werden hervorgehen, die danach Gutes getan haben, zur wahren Auferstehung des Lebens, – die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichtes, das da ist der wahre Tod der Seele.“ (Joh.5,29)

[GEJ.06_003,04] Da fingen wieder einige an zu murren, und andere wieder sagten: „Der Mensch hat sich übernommen und fängt nun ganz ordentlich zu faseln an! Er redet von sich ja gerade also, als so er und Gott ganz eins wären!? Wer hat je so etwas gehört?!“

[GEJ.06_003,05] Ich aber sagte: „Ihr irret euch sehr, so ihr über Mich also urteilet; denn Ich kann als Mensch auch nichts von Mir Selbst tun. Ich höre aber allzeit die Stimme des Vaters in Mir, und wie Ich sie höre, ebenso handle, rede und richte Ich, und Mein Gericht ist sodann recht, weil Ich nicht Meinen Menschenwillen, sondern nur den Meines Vaters erfülle, der Mich in diese Welt gesandt hat. (Joh.5,30) So Ich als Mensch von Mir Selbst zeugen würde, so wäre solch Mein Zeugnis unwahr (Joh.5,31); aber ein Anderer, den ihr nicht kennet und noch nie erkannt habt, ist es, der durch Meine Taten, die schon allbekannt sind, von Mir zeuget, und darum weiß Ich nur zu bestimmt, dass das Zeugnis, das Er Mir allzeit gab und gibt, vollwahr ist. (Joh.5,32)

[GEJ.06_003,06] Ihr schicktet hinaus zu Johannes dem Täufer und sahet, dass er von der Wahrheit zeugte. (Joh.5,33) Ich aber nehme, wie ihr sehet, kein Zeugnis von den Menschen; denn Ich zeuge von Mir Selbst vom Vater aus, und das tue Ich, damit ihr alle wahrhaft selig werden sollet. (Joh.5,34) Warum mag euch solches denn nicht gefallen?“

[GEJ.06_003,07] Da sagten einige: „So Johannes nach deinem Worte von der Wahrheit zeugte, so war sein Zeugnis ja ohnehin gut und genügend; wozu sollte uns nun noch dein sonderliches Zeugnis dienen?! Denn nach dem Zeugnisse des Johannes können wir ja ohnehin selig werden.“

[GEJ.06_003,08] Sagte Ich: „Johannes war wohl ein brennendes und hell scheinendes Licht; aber ihr ginget nur darum hinaus, weil ihr euch bei seinem Lichte nur so ein wenig fröhlich machen wolltet. (Joh.5,35) Ich aber habe ein größeres Zeugnis für Mich, als da war das Zeugnis des Johannes; denn die Werke, die Mir Mein Vater zu verrichten gegeben hat, dass nur Ich allein sie vollende, diese Werke also, die Ich allein tue vor aller Welt Augen, zeugen aller Wahrheit gemäß, dass Mich der Vater als Seinen Sohn zu euch gesandt hat. (Joh.5,36)

[GEJ.06_003,09] Und eben dieser Vater, der Mich nun zu euch gesandt hat, hat schon lange durch den Mund der Propheten von Mir gezeugt, obwohl keiner von euch je Seine Stimme gehört und Seine Gestalt gesehen hat. (Joh.5,37) Ihr habt zwar Sein Wort aus der Schrift der Propheten wohl vernommen; aber ihr habt es nicht in euch, weil ihr nun Dem nicht glaubet, den Er zu euch gesandt hat. (Joh.5,38)

[GEJ.06_003,10] Suchet es selbst in der Schrift, von der ihr meinet, dass euer ewiges Leben darin sei! Und sehet, gerade sie ist es, die hundert- und tausendfältig von Mir zeugt! (Joh.5,39)

[GEJ.06_003,11] „Was habt ihr wider Mich? Ist es denn nicht recht also, dass Ich ohne irgendein äußeres Ansehen zu euch komme, um euch nicht kleinmütig und verzagt und sehr furchtsam zu machen?! Hat Elias, als er eine Weissagung von Meiner Ankunft im Geiste, also auch geistig, erhielt, Jehova etwa im Sturmwinde oder im Feuer vorüberziehen sehen, als er in der Höhle verborgen war? Nein, in einem sanften Säuseln zog Jehova vorüber! Und sehet, das ist nun hier vor euren Augen! Warum wollet ihr es denn nicht glauben? Geben Mir denn nicht Meine Werke, die Ich unter tausend und abermals tausend Zeugen schon gewirkt habe, das wahrhafteste Zeugnis dafür? Hat denn je jemand auf der Welt solche Taten verübt?“

4. Kapitel

Von der Verstocktheit der Tempeljuden:  Joh. 5,40 – 47:

[GEJ.06_004,01] Sagten einige Juden: „Deine Taten sind wohl stark außergewöhnlich, aber du selbst hast doch nicht das entfernteste Ansehen dazu, und zudem wirken die Essäer ebendasselbe, obwohl sie unsere Feinde sind, aber dennoch den Juden angeben, dass der Messias aus ihnen hervorgehen werde.“

[GEJ.06_004,02] Sagte Ich: „Oh, Ich kenne euch nur zu gut! Ihr wisset nicht erst jetzt, sondern schon seit lange her, wie die Essäer ihre Wunderwerke wirken, und habt dagegen auch schon mit Recht geeifert und habt dem Volke die essäische Blindfechterei auch schon zu öfteren Malen mit gutem Erfolg gezeigt; denn auf derlei Künste und Kniffe versteht ihr euch ebensogut wie die Essäer, und das Ansehen Meiner Person ist gerade auch nicht das letzte unter euch. Also darin liegt es gar nicht, darum ihr Mich als das, was Ich allerwahrst bin, nicht anerkennen und annehmen wollt, – sondern ihr wollet, ganz einfach gesagt, nicht zu Mir kommen, dass ihr von Mir und aus mir das ewige Leben haben möchtet. (Joh.5,40)

[GEJ.06_004,03] Ich nehme freilich – irgendeines größeren und äußeren Ansehens wegen – nicht Ehre von den Menschen (Joh.5,41), da sie Mir ohnehin ewig nie eine größere geben können, als die in Mir wohnt; aber Ich kenne euch von einer ganz andern Seite! Eures Hochmutes, eurer Welt- und Selbstliebe wegen ist die Liebe Gottes schon lange nicht mehr in euch, – und darum nehmet ihr Mich nicht an!“ (Joh.5,42)

[GEJ.06_004,04] Sagten abermals einige Juden: „Das sind wohl recht feine und kluge Worte, aber sie beweisen noch lange nicht, dass nun auf einmal eben du der verheißene Messias bist! Du kannst, was wir allenfalls annehmen können, wenn wir wollen, ein Weissager in Seinem Namen sein, obwohl es geschrieben steht, dass aus Galiläa kein Prophet ersteht; aber von einem Messias wird bei dir wohl noch lange keine Rede sein! Haben wir recht oder nicht?“

[GEJ.06_004,05] Sagte Ich: „Mitnichten; aber Ich will euch allerwahrhaftigst sagen, wie sich die Sache verhält! Und so höret: Ich bin nicht als ein Weissager im Namen des kommenden Messias, sondern als Selbst der verheißene Messias im Namen Meines Vaters, mit dem Ich völlig eins bin, zu euch gekommen, wofür Mir die Werke und Taten, die Ich wirke, das wahrhaftigste Zeugnis geben, und ihr nehmet Mich dennoch nicht an! Wenn aber ein anderer mit großem Pomp kommen wird in seinem eigenen, höchst eigennützigen Namen, den werdet ihr sicher ohne Bedenken annehmen! (Joh.5,43) Aber wie könntet ihr Mir auch glauben, die ihr alle die Ehre voneinander nehmet und euch auch von aller Welt ehren lasset, aber jene bescheidene Ehre, die von Gott ist, nie gesucht habt und nun auch nicht suchet!“ (Joh.5,44)

[GEJ.06_004,06] Sagten die Juden: „Nun gut, – du sagst ganz frei heraus, dass der allmächtige Gott dein Vater ist! So wir denn nun unrecht tun, dass wir dir nicht glauben, da verklage uns bei deinem Vater, und es wird sich dann schon zeigen, was uns dafür begegnen wird!“

[GEJ.06_004,07] Sagte Ich: „Oh, meinet ja nicht, dass Ich euch bei Meinem Vater verklagen werde! Es ist ein anderer, der euch verklagen wird, und das ist Moses, auf den ihr hoffet, dass er zuvor noch einmal kommen wird mit Elias. (Joh.5,45) Und er ist auch gekommen, aber von euch ebenso wenig erkannt worden wie nun Ich Selbst. (Notabene: Mosis Geist war in Zacharias und Elias' Geist in Johannes.)

[GEJ.06_004,08] Hättet ihr in eurem Weltsinne je an Moses geglaubt, so glaubtet ihr auch Mir; denn Moses hat von Mir gezeugt. (Joh.5,46) Da ihr aber seinen Schriften noch nie geglaubt habt, wie könnet ihr nun Meinen Worten glauben?!“ (Joh.5,47)

[GEJ.06_004,09] Sagten die Juden: „Wie kannst du sagen, dass wir, die wir auf seinem Stuhle sitzen, Moses nicht geglaubt hätten?“

[GEJ.06_004,10] Sagte Ich: „Was der Mensch glauben soll, das muss er zuvor wissen, Ich aber sage euch, dass ihr nur ums Geld Priester geworden seid und seit eurer Kindheit es nicht einmal der Mühe wert gefunden habt, Mosis Schriften durchzulesen. Warum auch; denn es ist euch ja ohne solche Mühe immer sehr gut gegangen! Wisset ihr, wer zu allen Zeiten euer Moses und eure Propheten waren? Ich sage es euch: Das war euer Bauch!“

[GEJ.06_004,11] Da machten die Judenpriester etwas verdutzte Gesichter, und einer sagte: „Wird uns denn nicht allwöchentlich die Schrift in der gewissen Tageszeit vorgelesen?! Wir besitzen nur fünf Exemplare und die Urschrift, die als Heiligtum außer dem Hohenpriester niemand anrühren darf, ohne mit dem Tode bestraft zu werden. Wie kannst du da sagen, wir wüßten nicht, was Moses und die Propheten niedergeschrieben haben?! Selbst können wir's freilich wohl nicht lesen, aber wir hören sie allzeit, wenn sie gelesen wird!“

[GEJ.06_004,12] Sagte Ich: „Mit den Ohren höret ihr wohl, so ihr mit euren vollen Bäuchen während des Lesens nicht einschlafet; aber mit dem Herzen habt ihr sie noch niemals angehört, weil dieses stets in aller Welt herum zerstreut ist mit seinen Begierden. Die Gebote beachtet ihr ohnehin nur zum Scheine vor den Augen der Welt, weil ihr in priesterlichen Gewändern einhergehet; für euch aber haltet ihr nichts darauf! Das sage Ich euch, dieweil Ich euch um vieles besser kenne als je jemand in der Welt.“

[GEJ.06_004,13] Hier fingen viele aus dem Volke, die das mit angehört hatten, ganz gewaltig an zu schmähen und über diese Judenpriester zu murren, und diese zogen sich alsbald in ihre Gemächer zurück. Ich aber ging mit den Meinen ebenfalls aus dem Tempel und begab Mich mit den Jüngern und dem Wirte zufolge der Einladung mit Lazarus nach Bethanien hin, das ein Flecken war, ungefähr fünfzehn Feldweges (nach jetzigem Maße nahezu an sieben viertel Stunden gemächlichen Schrittes) von Jerusalem entfernt. Dass wir dort überaus gut aufgenommen waren, versteht sich von selbst.


2. Jesus rettet eine Ehebrecherin

WS-A3253.02


196. Kapitel

Der Herr lehrt im Tempel. Die Urteile des zuhörenden Volkes. Joh.8,2:

[GEJ.06_196,01] Als der Tempel aber geöffnet ward, da ging Ich also sehr zeitig morgens mit den Jüngern in den Tempel und war sonach einer der ersten darin. (Joh.8,2) Und als das Volk sah, dass Ich in den Tempel gegangen war, da kam es in großer Menge zu Mir, und Ich setzte Mich und fing an es zu lehren durch Gleichnisse, Bilder und Beispiele, wie solche vielfach in den Evangelien vorkommen.

[GEJ.06_196,02] Ich zeigte ihnen die große Liebe, Güte und Gerechtigkeit Gottes des Vaters, und also zeigte Ich ihnen auch, worin eigentlich das Reich Gottes besteht, das nun so nahe zu ihnen gekommen ist.

[GEJ.06_196,03] Und gar viele glaubten an Mich.

[GEJ.06_196,04] Und es sagten etliche: „Das ist wahrlich ein großer Prophet, und es wundert uns sehr, dass die Pharisäer das nicht anerkennen wollen! Er ist zugleich im höchsten Grade uneigennützig; denn so vielen er auch schon unseres guten Wissens übergroße Wohltaten erwiesen hat, so hat er sich doch nie von jemandem etwas bezahlen lassen, und es ist ganz gewiss, dass er überall, wo man ihn und seine Jünger noch nach altem Brauch gastfreundlich aufgenommen und bewirtet hat, dem Wirte stets auf eine wunderbare Weise eine Wohltat erwies, die offenbar mehr wert war als tausend Male das, was er vom Wirte empfangen hat. Dazu ist er kein Kopfhänger und geht mit allen Menschen gleich um, und so er nun sagt: ,Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und belastet seid, Ich will euch alle erquicken, und ihr sollet bei Mir den rechten Trost des Lebens und seine wahre Ruhe finden!‘, so müssen wir es ja glauben!

[GEJ.06_196,05] Ein Mensch aber, der also weise und herzlich gut redet und selbst auch also handelt und so große Zeichen wirkt, ist doch wahrlich ein großer Prophet, und komme er her, von wannen er wolle! Und so der Messias kommen wird, da fragt es sich, ob Er größere Zeichen tun wird! Wenn Er nicht mit Donner, Blitz und Schwefelregen kommt, so werden die Pharisäer an Ihn ebenso wenig glauben wie an diesen!“

[GEJ.06_196,06] Andere wieder, die noch gläubiger waren, sagten: „Wir brauchen auf gar keinen andern Messias mehr zu warten; denn wir halten Den schon für den ganz rechten! Denn Seine Worte haben Kraft und Leben, und Seine Taten sind völlig göttlicher Art, und so ist Er schon ganz vollkommen der rechte Messias für uns. Die auf einen andern warten wollen, die sollen warten und sich selbst betrügen!“

[GEJ.06_196,07] Sagten wieder andere: „Wir stehen noch zu sehr unter der Gewalt der Pharisäer und können nicht tun, was wir wollen. Was nützet uns die Wahrheit und der Glaube, solange die Pharisäer die Gewalt in ihren Händen haben, und das eben jetzt unter den Römern mehr denn jemals zuvor?!“

[GEJ.06_196,08] Da sagte aber Ich: „Gott Selbst ist die ewige Liebe und die Wahrheit selbst! Nichts in der Welt kann euch frei machen als allein nur die Wahrheit. Wer die Sünde, welche allzeit eine Lüge war, tut, der ist auch der Sünde Knecht und ein Sklave der andern noch größeren Sünder, die kein Gewissen und keine Liebe haben als allein nur für ihr schmähliches Ich. Wer aber die Wahrheit in sich hat, der ist ein mächtiger Feind der Lüge und der Sünde und ist frei; denn niemand kann ihn einer Sünde überführen. Darum erwählet die Wahrheit und fürchtet die nicht, die wohl euren Leib töten, aber eurer Seele weiter nichts tun können; aber fürchtet vielmehr Gott, der eure Seele samt dem Leibe töten und verderben kann!

[GEJ.06_196,09] Den Schaden am Leibe wird euch Gott dereinst tausendfach vergelten; aber den Schaden an eurer Seele wird euch Gott nimmerdar vergelten. Denn darum hat Gott der Seele den Verstand, die Vernunft, das Gewissen und den freien Willen und das Gesetz gegeben, damit sie wohl beurteilen kann, was da gut und böse ist, und sie kann mit ihrem Willen das eine oder das andere erwählen. Was sie aber erwählen wird, danach wird sie auch aus sich selbst gerichtet werden, entweder zum Tode oder zum Leben.

[GEJ.06_196,10] Der Vater im Himmel aber will, dass ihr alle das ewige Leben überkommen sollet, und hat Mich darum in diese Welt zu euch gesandt. Darum sage Ich euch noch einmal: Wer an Mich glaubt, der wird das ewige Leben haben; wer aber nicht glaubt, dass ich vom Vater aus zu euch gesandt wurde, der wird um das Leben kommen, das er sich nun leicht hätte nehmen (erwerben) können. Der Vater im Himmel aber hat Mich lieb und so auch alle, die an Mich glauben, und Ich Selbst werde ihnen geben in der Wahrheit Meiner Worte das ewige Leben!“

[GEJ.06_196,11] Hier sagten einige: „Es ist doch sonderbar, wie der Mensch aus sich redet und sich selbst Gott nahezu gleichstellt. Es ist nur ein wahres Wunder, dass ihn heute die Pharisäer so lange ertragen können!“

[GEJ.06_196,12] Sagten wieder andere: „Er redet frei und offen, und wir finden nichts Ungebührliches in seinen Worten! Er spricht offen die volle Wahrheit, und die Pharisäer müssten erst suchen, dass sie etwas wider ihn fänden!“

[GEJ.06_196,13] Sagten wieder andere: „Oh, sorget euch um etwas anderes; die werden bald etwas haben!“

[GEJ.06_196,14] Sagte ein daneben stehender Zöllner: „O ja, womit sie wieder, wie noch allzeit, abziehen werden! Diese Faulhäute erfinden schon lange nichts mehr wider diesen Wahrhaftigen!“

[GEJ.06_196,15] Darauf ward eine kleine Weile Ruhe, und die Pharisäer wurden voll Grimm und sannen nach, wie sie Mich etwa mit einem Worte oder mit einem von Mir begehrten Rechtsspruche fangen könnten, auf dass sie Mich dann einer Unwahrheit zu zeihen imstande wären, um dem Volke mit allem Pompe zu sagen: ,Da sehet nun euren wahrhaftigen Propheten oder gar euren schönen Messias! Wie steht er nun als ein Lügner vor euch!‘ Aber trotz ihres gewaltigen Nachsinnens wollte sich nichts so recht Haltbares finden lassen.

197. Kapitel

Die Ehebrecherin. Joh. 8,3 – 11:

[GEJ.06_197,01] Aber während sie so nachsannen, da brachten ihre ausgesandten Schergen eine Ehebrecherin zu ihnen, die auf frischer Tat ertappt wurde und nun nach Mosis gesteinigt werden sollte, – was aber von den gegenwärtigen Pharisäern, wenn die Ehebrecherin eine Reiche war, stets in eine große Geldbuße umgewandelt wurde. Und war sie arm, aber jung und schön, so ward sie gewöhnlich gestäupt und musste dann den Templern dienen; eine Alte und Hässliche aber war ja schon durch die Natur vor dem Ehebruch gesichert. Die gegenwärtige Ehebrecherin aber war noch sehr jung, aber arm und wollte sich bei dieser Festzeit von einem sehr reichen Fremden einen ausgiebigen Notpfennig verdienen, um sich dann leichter fortzubringen. Diese wäre dem Tempel offenbar auch verfallen gewesen, wenn Ich nicht dagewesen wäre, und wenn die Templer nicht genötigt gewesen wären, sie zu einem Hauptmittel zu gebrauchen, um Mich durch dasselbe nach ihrer Meinung ganz sicher zu fangen.

[GEJ.06_197,02] Also diese arme Ehebrecherin ward von den weisesten Pharisäern sogleich vor Mich hingestellt und somit in die Mitte des Volkes, das Mich natürlich von allen Seiten dicht umgab. (Joh.8,3)

[GEJ.06_197,03] Und als das Weib, von der Todesangst geplagt, nun vor Mir stand, da fragte Mich einer der hochweisen Pharisäer: „Dies Weib ist auf frischer Tat im Ehebruch ergriffen worden. (Joh.8,4) Moses hat uns in einem Gesetze geboten, solch eine Person zu steinigen, – und Mosis Gesetz ist soviel wie Gottes Gesetz. Was sagst du nun dazu?“ (Joh.8,5)

[GEJ.06_197,04] Es versteht sich von selbst, dass sie das nur darum taten, um Mich dahin zu versuchen, dass Ich teils durch das harte Gesetz Mosis und teils durch Meine Rede von der großen Barmherzigkeit Gottes des Vaters und auch durch Meine ihnen wohlbekannte Güte gegen die Sünder in eine nach ihrer Rechnung unvermeidliche Verlegenheit käme, sie dann eine Sache wider Mich fänden und dann dem Volke, wie schon bemerkt, mit großem, feierlichem Pompe sagen könnten: ,Da seht nun den großen Betrüger und Volksverführer, den wir nun mit Recht ergreifen und der Gerechtigkeit überliefern!‘

[GEJ.06_197,05] Aber Ich gab ihnen auf ihre Frage so schnell, wie sie solche haben wollten, keine Antwort, sondern bückte Mich nieder und schrieb der Sünderin Schuld in den Sand des Bodens (Joh.8,6); denn es gab bei so großen Festen stets viel Sandes am Boden, weil der Tempel erst nach dem ganz verstrichenen Feste wieder gefegt wurde und der Kehricht darauf verkauft ward an allerlei abergläubische Juden.

[GEJ.06_197,06] Als aber die Pharisäer und die Tempeljuden mit ihren Fragen anhielten, da richtete Ich Mich auf und sagte zu ihnen: „Es ist vollkommen wahr, dass Moses ein solches Gesetz gegeben hat; aber die, die solch eine Sünderin zu steinigen das Recht hatten, mussten ohne Sünde sein, – das stehet auch geschrieben! Wenigstens musste der, welcher den ersten Stein nach der Sünderin warf, völlig rein und ohne Sünde sein! Wer also unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein nach dieser Sünderin! (Joh.8,7) Gottes Barmherzigkeit leidet dadurch keinen Schaden; denn Moses gab dem Menschen weise Gesetze. Wer sie kennt und nicht beachtet, der hat sich selbst gerichtet und sein Todesurteil besiegelt.“

[GEJ.06_197,07] Darauf bückte Ich Mich wieder zu Boden und schrieb wie zuvor. (Joh.8,8)

[GEJ.06_197,08] Als sie aber solche Worte von Mir vernahmen mit denen sie nicht gerechnet hatten, und ihr Gewissen ihnen sagte: ,Ihr seid ja selbst vielfache Sünder und Ehebrecher, und alles Volk kennt euch als das!‘, da sagte vom Größten bis zum Geringsten keiner ein Wort mehr, und ein jeder verließ, so geschwind er nur konnte, den Tempel und zog sich hinaus.

[GEJ.06_197,09] Nun war nach einigen Augenblicken von den Pharisäern und Tempeljuden und von den Leviten und Knechten und Schergen niemand mehr in der Mitte des Tempels als Ich und die Sünderin und natürlich weit herum im Kreise das Volk und Meine Jünger alle. (Joh.8,9) Da staunte das Volk ganz wohlgemut, wie Ich die Pharisäer mit ganz wenigen Worten aus dem Felde in die Flucht getrieben hatte.

[GEJ.06_197,10] Und mehrere sagten ganz laut: „Oh, die hätten nur einen Stein aufzuheben brauchen, so hätten wir sie zerrissen, diese alten Sündenböcke! Denn ein Sünder kann und darf besonders einen viel kleineren schon gar nie richten.

[GEJ.06_197,11] Bei dieser Gelegenheit richtete Ich Mich wieder ganz auf und sah niemand von den Richtern im Kreise, sondern das Weib nur, das da hätte gesteinigt werden sollen.

[GEJ.06_197,12] Und Ich fragte es: „Nun, wo sind denn deine Verkläger? Hat dich denn niemand verdammt?“ (Joh.8,10)

[GEJ.06_197,13] Sagte die Ehebrecherin: „Nein, Herr, es hat mich niemand verdammt, sondern sie gingen alle eiligst hinaus!“ (Joh.8,11)

[GEJ.06_197,14] Darauf sagte Ich zu ihr: „So verdamme auch Ich dich nicht! Aber gehe nun hin in deine Heimat und sündige hinfort nicht mehr! Denn wo du sündigst, wird es dir übel ergehen!“ (Joh.8,11)

[GEJ.06_197,15] Da dankte die Sünderin für die ihr erwiesene Gnade, bat Mich aber, dass Ich ihr einen Rat geben möchte, wie sie sicher nach Hause käme; denn sie fürchte dennoch, dass die Schergen der Pharisäer ihr unterwegs aufpassten und ihr Übles zufügten.

[GEJ.06_197,16] Da sagte Ich: „Habe keine Furcht vor ihnen; denn sie werden froh sein, dir nicht so leicht unters Gesicht zu kommen! Gehe nun aber unters Volk, das wird dich schon schützen und dich ganz wohl nach Hause bringen! Da sieh nur dorthin gegen den Vorhang des Tempels, und du wirst sie alle sehen, die ehedem da standen! Denn sie wurden draußen von dem Volke befragt, was es denn gegeben habe, dass sie alle so eilig aus dem Tempel flöhen. Sie schämten sich aber, die Wahrheit zu sagen, machten dann eine plumpe Ausrede und kehrten bei dem Tore, das gegen Morgen geht, wieder ganz still zurück. Aber gehe du nun nur unters Volk, das an Mich glaubt, und du wirst ganz wohlbehalten bleiben! Ich werde das Volk nun weiter lehren, und da werden sie sich gleich wieder melden und zu Mir vordringen; denn sie haben nun einen um so größeren Grimm auf Mich, weil Ich sie beschämt und dich aus ihren Klauen gerettet habe. Aber gehe nun nur getrost dahin, wohin Ich dich beschieden habe, sei fromm und sündige hinfort nicht mehr!

[GEJ.06_197,17] Da ging sie schüchtern hin unters Volk, und das nahm sie gut auf und flößte ihr unter lauten Drohungen gegen die Pharisäer Mut ein.

198. Kapitel

Des Herrn Bekenntnis im Tempel: Joh.8,12 – 29:

[GEJ.06_198,01] Als es darauf wieder ruhig im Tempel wurde, da sagten einige aus dem Volke: „Herr und Meister, lass Dich von den Pharisäern nicht beirren, und lehre uns weiter Deine Sendung und das Reich Gottes kennen; denn so Du redest, da sind wir alle ganz Aug und Ohr, und unsere Herzen schlagen wahrlich Dir allein laut entgegen!“

[GEJ.06_198,02] Sagte Ich darauf zum Volke: „So habet denn acht und merket wohl auf; denn Ich will es euch offen sagen und euch nicht mehr hinhalten, wer Ich bin!

[GEJ.06_198,03] Höret! Ich Selbst bin das Licht der Welt; wer Mir folgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern er wird das wahre Licht des Lebens haben.“ (Joh.8,12)

[GEJ.06_198,04] Da jubelte das Volk hell auf und sagte laut: „Ja, das ist vollwahr; denn Du, Meister, bist als ein hellscheinendes Licht in diese Welt gekommen, und wie wohl tut Dein Licht uns, die wir so lange in der dicksten Nacht der Seele umhergeirrt sind!“

[GEJ.06_198,05] Das war für die grimmerfüllten Pharisäer zuviel, so dass sie darob wieder zu Mir vordrangen und sagten: „Da du von dir selbst zeugst, so ist dein Zeugnis nicht wahr!“ (Joh.8,13)

[GEJ.06_198,06] Darauf sagte Ich: „So Ich auch von Mir Selbst zeugen würde, so wäre Mein Zeugnis dennoch wahr; denn Ich weiß, von wannen Ich gekommen bin, und weiß auch, wohin Ich gehen werde. Nur ihr Pharisäer allein wisset es eures Hochmutes wegen nicht, von woher Ich gekommen bin, und wohin Ich gehen werde. (Joh.8,14) Ihr urteilet und richtet alles nach dem Fleische, da ihr keinen Geist kennet. Darin aber richte Ich niemanden. (Joh.8,15) So Ich aber richte, da ist Mein Gericht recht; denn Ich bin hier nicht allein, wie ihr es meinet, sondern Ich und der Vater, der Mich gesandt hat, sind es. (Joh.8,16) Steht es aber nicht in eurem Gesetze geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis gültig sei? (Joh.8,17) Und so bin erstens Ich, der Ich von Mir Selbst zeuge, und zweitens der Vater, der Mich in diese Welt gesandt hat. Wie viele Zeugen wollet ihr dazu noch?“ (Joh.8,18)

[GEJ.06_198,07] Da fuhren die Pharisäer auf und sagten: „Hältst du uns denn für Narren? Wo ist denn dein Vater, dass er dir Zeugnis gäbe vor uns?“

[GEJ.06_198,08] Da erhob Ich Mich und ging hin an den Pfeiler, an dem der sogenannte Gotteskasten sich befand, der wegen der Opfer für den Tempel solchen Namen hatte, und redete laut in den Kasten hinein: „Ihr Blinden kennet weder Mich noch Meinen Vater! Denn kenntet ihr Mich, so kenntet ihr auch Meinen Vater!“ (Joh.8,19)

[GEJ.06_198,09] Als Ich diese Worte laut in den Gotteskasten hineingeredet hatte, da fragten sie Mich, warum Ich nun in den Kasten hineingeredet hätte.

[GEJ.06_198,10] Sagte Ich: „Weil das einerlei ist, ob Ich die Worte euch ins Angesicht rede oder in jenen nun leeren und toten Kasten! Der Kasten hat die Worte wenigstens geduldig angenommen, was bei euch nicht der Fall gewesen wäre.“

[GEJ.06_198,11] Das nahm das Volk gut auf und forderte die Pharisäer auf, Mich ungehindert reden zu lassen. Da zogen sich die Pharisäer wieder etwas zurück.

[GEJ.06_198,12] Ich aber lehrte das Volk weiter und ließ Mich schonungslos über die Pharisäer aus, und je mehr Ich ihre Schandtaten vor dem Volke enthüllte und ihnen ordentlich an den Fingern ausrechnete, für was alles sie desto mehr Verdammnis ernten würden, desto mehr jubelte das Volk, und desto grimmiger wurden die Pharisäer. Aber sie griffen Mich nicht an, da Meine Zeit noch nicht gekommen war. (Joh.8,20)

[GEJ.06_198,13] Da traten aber einige andere Juden zu Mir, die es noch sehr mit den Pharisäern hielten, aber Mir in so mancher Hinsicht auch nicht ganz unrecht gaben, und sagten: „Aber sage uns doch, wohin du mit solchen deinen Reden kommen willst!“

[GEJ.06_198,14] Da sagte Ich abermals zu ihnen: „Wisset! Ich werde von hier hinweggehen auf eine Weise, die ihr nicht kennet, und ihr werdet Mich suchen und nicht finden und dabei in euren Sünden sterben! Denn wo Ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen.“ (Joh.8,21)

[GEJ.06_198,15] Da redeten sie untereinander (die Juden): „Will er sich etwa nun, da er die Pharisäer zu sehr ergrimmt hat und ihrer Rache nicht leichtlich mehr entgehen wird, aus Verzweiflung selbst töten? Denn sonst könnte er bei gesunder Vernunft nicht sagen: ,Wo Ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen!‘ (Joh.8,22)

[GEJ.06_198,16] Ich aber sagte mit ganz heiterer Miene zu ihnen: „Zerbrechet euch darum die Köpfe nicht! Ich werde euch gleich Selbst den wahren Grund zeigen, und ihr werdet dann leicht und gleich einsehen, warum ihr also, wie ihr nun seid, nicht dahin kommen könnet, dahin Ich gehen werde.

[GEJ.06_198,17] Sehet! Ihr seid von unten her und werdet wieder dahin kommen; Ich aber bin von oben her und werde ganz sicher auch wieder dahin zurückkehren, und ihr werdet Mir nicht nachfolgen können.“ (Joh.8,23)

[GEJ.06_198,18] Da wurden auch diese Juden ärgerlich und sagten: „Was soll das heißen? Kannst du uns etwa gar die Hölle verheißen?“

[GEJ.06_198,19] Sagte Ich: „O nein, aber die Sache ist also: Ihr seid von dieser Welt auch eurer Seele nach; Ich aber bin nicht von dieser Welt!“

[GEJ.06_198,20] Und die Juden sagten: „Wo ist denn nachher eine andere Welt? Wir kennen keine andere!“

[GEJ.06_198,21] Sagte Ich: „Ja, wohl kennet ihr keine andere! Und Ich habe darum solches zu euch gesagt, weil ihr bei eurem Unglauben sterben werdet in euren Sünden. Denn so ihr es nicht glaubet, dass eben Ich der verheißene und nun zu euch gekommene Messias bin, so werdet ihr sterben in euren Sünden und nimmer dorthin kommen, wo Ich sein werde mit Meinen Erwählten. (Joh.8,24) Und wäre es nicht also, wahrlich, als ein purer Mensch, wie ihr es seid, hätte Ich nimmer den Mut, euch solches zu sagen!“

[GEJ.06_198,22] Da sprachen die Juden: „Was sagst du von dir? Rede klar und wahr, wer du denn wohl so ganz eigentlich bist!“

[GEJ.06_198,23] Und Ich sagte: „Es ist schwer, zu ganz tauben Ohren zu reden. Weil ihr Mich ehedem nicht verstanden habt, so höret denn jetzt Mich an! Erstens bin Ich Der, der Ich soeben mit euch rede!“ (Joh.8,25)

[GEJ.06_198,24] Sagten die Juden: „Nun, und wer bist du denn dann zweitens?“

[GEJ.06_198,25] Sagte Ich: „Nur Geduld, das ,Zweitens‘ werdet ihr selbst schon aus Meiner Rede finden; denn Ich habe noch vieles vor euch zu reden und zu richten! Höret! Der Mich gesandt hat, ist im höchsten Grade wahrhaftig, und nur, was Ich von Ihm allzeit gehört habe, das verkünde Ich nun vor der Welt, die ihr alle seid.“ (Joh.8,26)

[GEJ.06_198,26] Da aber diese blinden Juden abermals nicht verstanden (Joh.8,27), dass Ich vom Vater oder von der ewigen Liebe in Mir zu ihnen redete, so fragten sie abermals und sagten: „Aber beim Tempel und Sinai! Wer ist denn der, der dich gesandt hat?“

[GEJ.06_198,27] Da sagte Ich, auch mit sehr ernster Miene, zu ihnen: „Höret! Wenn ihr des Menschen Sohn werdet erhöhet haben, dann werdet ihr, wenn auch zu spät, erkennen, dass Ich es bin, der Ich als Mensch nichts von Mir Selbst aus tue, sondern wie Mich allzeit Mein Vater gelehrt hat, also rede und handle Ich. (Joh.8,28) Und wisset noch ein mehreres und Näheres: Der Vater, der Mich gesandt hat, ist nicht irgend ferne von hier, sondern Er ist hier mit Mir. Der Vater läßt Mich nimmerdar allein; denn Ich allein tue allzeit das, was Ihm wohlgefällt, und fürchte gleich Ihm keinen Menschen in der ganzen Welt. (Joh.8,29) Denn wäre es nicht also, so würde Ich es euch nicht sagen.“

199. Kapitel

Der Herr und Seine Gegner: Joh.8,30 –49:

[GEJ.06_199,01] Als Ich solches voll Ernstes zu den Juden geredet hatte, da machten viele große Augen und sagten: „Wahrlich, der Mensch redet wie einer, der Gewalt hat, und es wagt sich niemand, ihn anzurühren oder ihm zu verbieten, also zu reden im Tempel! Wenn unsereiner das offen im Tempel wider die Pharisäer geredet hätte, so hätten sie ihn ja schon zehnmal gesteinigt, – und diesen lassen sie reden zu ihrem offenbarsten Nachteil und getrauen sich nicht mehr hervor. Das ist wahrlich etwas Übermenschliches, und wir wollen seinen Worten glauben!“ (Joh.8,30)

[GEJ.06_199,02] Sagte Ich darauf zu den Juden, die an Mich zu glauben anfingen: „So ihr bleiben werdet an Meiner Rede, so werdet ihr dadurch auch Meine rechten Jünger. (Joh.8,31) Ihr werdet die darin liegende Wahrheit erkennen, und diese Wahrheit wird euch frei machen, wie Ich solches schon zuvor berührt habe.“ (Joh.8,32)

[GEJ.06_199,03] Darauf antwortete der ungläubigere Teil der Juden, sagend: „Wisse, wir sind Abrahams Samen und sind nie jemandes Knechte oder gar Sklaven gewesen! Wie sollen wir denn als freie Herren und Bürger noch freier werden?“ (Joh.8,33)

[GEJ.06_199,04] Darauf sagte Ich zu ihnen: „Wahrlich, wahrlich sage Ich euch: Wer da Sünde tut, der ist auch der Sünde Knecht, wie Ich dessen schon zuvor erwähnt habe! (Joh.8,34) Der Knecht ist aber kein Freier, da er stets den Gelüsten und Leidenschaften seines Fleisches gehorchen muss. Der Knecht bleibt nicht ewig im Hause, sondern nur der Sohn. (Joh.8,35) Knecht aber ist jeder Sünder, und das Haus ist das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und der Sohn ist die Wahrheit. So euch aber nun Ich als der wahre Sohn des Reiches Gottes frei mache, so seid ihr denn auch wahrhaft und recht frei.“ (Joh.8,36)

[GEJ.06_199,05] Sagten die Ungläubigen abermals: „Vergiss nicht, dass wir Abrahams Samen sind und sind nie jemands Knechte gewesen! Was sprichst du denn immer, dass du uns frei machen wirst?“

[GEJ.06_199,06] Sagte Ich: „Oh, Ich weiß es wohl, dass ihr Nachkommen Abrahams seid, – Ich bin es dem Leibe nach aber auch! Aber obschon ihr saget, dass ihr als Samen Abrahams niemals jemandes Knechte gewesen seid, so waren es aber doch eure Väter in Ägypten und später in Babylon, und jetzt seid ihr Knechte Roms, – wenn ihr schon von dem äußeren Verhältnisse redet. Ich aber rede von dem inneren Lebensverhältnisse, und dem nach waret ihr allzeit Knechte eurer Leidenschaften und ließet euch von ihnen wie Besessene beherrschen. Dass es aber also ist, das beweist der Umstand, dass ihr Mich zu töten suchet, so wie das gleiche auch die Pharisäer allereifrigst zu tun trachten. Und das tut ihr darum, weil Meine Rede nicht unter euch fährt, ihr sie nicht fasset und Mich darum hasset, weil Ich die volle Wahrheit zu euch rede. (Joh.8,37) Ich rede zu euch nur das, was Ich allzeit von Meinem Vater sehe und höre, und ihr achtet des nicht, sondern nur gleichfort dessen, was ihr auch von euren Vätern gesehen und gehört habt, das aber zu nichts nütze ist.“ (Joh.8,38)

[GEJ.06_199,07] Als Ich ihnen solches unter die Nase gerieben hatte, da sagten sie abermals (die Juden): „Vergiss nicht, dass Abraham unser Vater ist! Das hebt alle deine Beschuldigungen gegen uns auf. – Verstehst du das?“

[GEJ.06_199,08] Sagte Ich: „Oh, gar wohl verstehe Ich euch! Oh, wäret ihr Abrahams Kinder, so würdet ihr auch Abrahams Werke tun! (Joh.8,39) Nun aber sucht ihr Mich zu töten wie einen ärgsten Verbrecher, und das bloß darum, weil Ich euch die Wahrheit sage, die Ich von Gott allzeit gehört habe. Wahrlich, das hat Abraham den drei Jünglingen niemals tun wollen, weil sie ihm die Wahrheit gesagt haben. (Joh.8,40) Ihr tut zwar wohl eures Vaters Werke, – aber nicht die des Vaters Abraham! Verstehet es!“

[GEJ.06_199,09] Da sagten die schon ganz ergrimmten ungläubigen Juden: „Freund, wir sind nicht unehelich geboren! Wir haben alle einen Vater, und der ist Gott Selbst!“ (Joh.8,41)

[GEJ.06_199,10] Sagte Ich zu ihnen: „Oh, wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr Mich also, wie die Mich lieben, die Mich erkannt haben; denn Ich bin dem Geiste nach von Gott ausgegangen und komme von Gott. Denn wahrlich, Ich bin nicht etwa gleich einem Menschen von Mir Selbst gekommen, sondern Gott hat Mich gesandt, das heißt diesen Leib, durch den Er Sich Selbst euch nun offenbart, und welchen Leib ihr zu töten trachtet. (Joh.8,42) Aus welchem Grunde aber könnet denn ihr Meine Stimme nicht hören, so ihr Gottes Kinder seid?“ (Joh.8,43)

[GEJ.06_199,11] Sagten die Juden: „Hören wir dich etwa nicht?“

[GEJ.06_199,12] Sagte Ich: „O ja, ihr höret Mich wohl sicher mit euren Fleischesohren, – aber Ich frage euch nur, warum euch der Sinn Meiner Worte nicht behagt. Warum behagt er denn gar vielen anderen, sogar den Römern dort, die sich um den Gotteskasten aufgestellt haben?“

[GEJ.06_199,13] Da schwiegen sie und wussten nicht, was sie Mir darauf hätten antworten sollen; denn sie fürchteten das Volk und getrauten sich mit ihrer Antwort nicht laut zu werden, die natürlich eine sehr grobe und beleidigende gewesen wäre.

[GEJ.06_199,14] Das Volk aber rief zu Mir: „Herr und Meister, siehe doch, dass Du diese reichen Finsterlinge loswirst; denn wir möchten nur von Dir heilsame Lichtworte vernehmen, nicht aber dieser Blinden stete und allerdümmste Gegenreden. Sage es ihnen einmal klar und rund heraus, was und wer sie sind, auf dass sie dann gehen!“

[GEJ.06_199,15] Sagte Ich: „Nur Geduld! Ich habe es ihnen schon gesagt, dass sie keine Gotteskinder sind, und das sollte ihnen ja doch genügen!“

[GEJ.06_199,16] Sagten die Juden ganz erbittert: „Wie kannst du sagen, dass wir keine Gotteskinder sind?!“

[GEJ.06_199,17] Sagte Ich denn auch vollernstlichen Angesichtes: „Ich habe euch den Grund klar und wahr gezeigt. Was fragt ihr Mich da noch weiter?! Ja, Ich will euch denn auch weiter sagen, was ihr seid, dieweil ihr Mich weiter gefragt habt! Wisset, wessen Kinder ihr seid: Ihr seid Kinder von dem Vater der Teufel! Der war ein Mörder von Anfang an und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit war niemals in ihm (in der Materie). Wenn dieser Geist, der euer Vater ist, die Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er war allzeit ein Lügner und ein Vater der Lügen.“ (Joh.8,44)

[GEJ.06_199,18] Sagten die ganz ergrimmten Juden: „Wer berechtigt dich dazu, solches vor allem Volke von uns zu reden? Warum sind wir Kinder des Satans?“

[GEJ.06_199,19] Sagte Ich: „Weil Ich die Wahrheit zu euch rede und ihr Mir nicht glaubet!“ (Joh.8,45)

[GEJ.06_199,20] Sagten die Juden: „Warum sollen denn wir dir glauben?“

[GEJ.06_199,21] Sagte Ich: „Auf dass ihr nicht sterbet in euren Sünden und selig werden möchtet!“

[GEJ.06_199,22] Sagten die Juden: „Du bist auch ein Mensch wie wir; warum soll uns gerade dein Wort selig machen?“

[GEJ.06_199,23] Sagte Ich: „Jawohl, Ich bin nun auch nur ein Mensch, – aber ein Mensch, der da sagen kann: ,Welcher unter euch kann Mich einer Sünde zeihen?‘! So Ich aber als ein vor Gott und allen Menschen sündenfreier Mensch die Wahrheit sage, warum glaubet ihr Mir denn nicht? (Joh.8,46) Wer aus Gott ist, der hört auch gerne Gottes Wort. Und ihr wollet nun aber eben Mein Wort, das Gottes Wort ist, nicht hören, weil ihr nicht aus Gott seid!“ (Joh.8,47)

[GEJ.06_199,24] Sagten die Juden, schon ganz dumm vor lauter Grimm: „Sagen wir nicht recht, dass du ein Samariter bist und den Teufel in dir hast anstatt des Geistes Gottes?“ (Joh.8,48)

[GEJ.06_199,25] Sagte Ich: „Ich bin kein Samariter und habe noch weniger einen Teufel, wie solches Tausende von Mir bezeugen können, sondern Ich ehre allzeit wahrhaft Gott, Meinen Vater. Warum verunehret ihr Mich? (Joh.8,49) Warum verunehren Mich denn so viele andere nicht, die Mich und den Vater wohl erkannt haben?“

200. Kapitel

Das Wesen des Herrn: Joh.8,50 – 59:

[GEJ.06_200,01] Hier ward das gläubige Volk wieder ungeduldig und sagte: „Herr, wir bitten Dich, schaffe diese blinden Narren von Dir; denn sie stören Dich und uns! Wenn sie nicht bald Ruhe geben, so werden wir mit Gewalt Ruhe schaffen; denn wir sind Deinetwegen hiergeblieben, wollen Dich hören und nicht diese dummen Finsterlinge. Denn da ist ja ein Kind in der Wiege gar oft schon vernünftiger als diese unsinnigen Narren!

[GEJ.06_200,02] Wir alle, über zweitausend an der Zahl, sind völlig im klaren über Dich und Deine göttliche Sendung. Wir haben recht gut gemerkt, was Du damit anzeigtest, als Du sagtest: ,Ich bin nicht allein da, sondern der Vater ist allewege bei Mir!‘ Aber diese Dummen merkten es nicht und werden es ewig nicht merken, dass der Vater und Du ein und dasselbe seid, und dass, so Du sagst: ,Der Vater hat Mich gesandt!‘, Du damit nur andeuten willst für der Menschen schwachen Verstand, dass Du, Ewiger, Dir Selbst einen Leib geschaffen hast, um uns Würmern dieser Erde ein sichtbarer Gott, Lehrer und Tröster zu sein in unserer großen Not. Dein heiliger Leib ist Dein Sohn, und Du, Vater, bist in Dir vor uns armen Sündern und Würmern dieser Erde!

[GEJ.06_200,03] Und diese Narren begreifen das nicht und wollen doch alle die Propheten verschluckt haben, die doch ausdrücklich genug die Zeit mit allen ihren Farben und Zuständen bestimmt haben, in der der Messias kommen wird. Und diese Zeit ist nun vollends da; warum soll denn der Verheißene unterwegs geblieben sein?

[GEJ.06_200,04] Haben aber die großen, von Gottes Geist erfüllten Seher diese jetzige Zeit vor nahezu tausend Jahren so bestimmt, wie sie nun ist, anzeigen können, und ist diese Zeit nun auf ein Haar also gekommen, wie sie damals voraus beschrieben ward, warum sollte der eben in dieser Zeit zu kommen verheißene Messias ausgeblieben sein?! Er ist aber auch nicht ausgeblieben, sondern Er ist da unter uns; wir haben Ihn bald und leicht erkannt!

[GEJ.06_200,05] Aber diese blinden Nachkommen derer, die schon in der Wüste, am Fuße des Sinai, während Jehova auf dem Berge dem Moses unter Blitz und Donner die heiligen Gesetze gab, das goldene Kalb angebetet und Jehovas nicht geachtet haben – obschon Er ihnen ordentlich vor ihren Nasen laut Seine Gesetze verkündete –, sind nun im Angesichte Gottes noch dieselben Anbeter ihrer goldenen Kälber und sind bei aller ihrer unermesslichen Dummheit dennoch keck genug, sich an Dir, o Herr, sogar zu vergreifen. O Herr, lass sie gehen, und lehre uns Dich besser und tiefer erkennen – und auch unsere großen Sünden, die wir sooft vor Dir begangen haben!“

[GEJ.06_200,06] Sagte Ich zum Volke: „Seid ruhig; denn Ich muss ja auch diesen sagen, wer Ich bin, auf dass sie sich dereinst nicht werden entschuldigen können, dass es ihnen nicht wäre gesagt und gezeigt worden! Ich habe zu ihnen schon gesagt, dass Ich nicht Meine Ehre suche, und bei diesen Menschen wahrlich schon gar nicht, und dass da Einer ist, der sie sucht und richtet. (Joh.8,50) Aber diese blinde und verschlagene Art wird das nimmer einsehen und begreifen, bis ihr die Axt an die Wurzel gelegt wird. Darum aber sage Ich zu ihr noch einmal: Wahrlich, wahrlich, so jemand Mein Wort halten wird, der wird den Tod nicht sehen ewiglich!“ (Joh.8,51)

[GEJ.06_200,07] Sagten die nun schon ganz blind ergrimmten Juden: „Nun erkennen wir erst recht, dass du den Teufel in dir hast! Wenn dein Wort so gut wie Gottes Wort ist, so war ja das auch Gottes Wort, das Abraham, Isaak und Jakob und alle die Propheten gehalten haben, und dabei sind dennoch alle gestorben! Ist denn dein Wort mehr göttlich als jenes der Väter und Propheten, dass du sagst: ,Wer Mein Wort halten wird, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich!‘? (Joh.8,52) Bist du denn mehr denn unser Vater Abraham, der gestorben ist, und die Propheten, die alle gestorben sind? Was machst du aus dir selbst?“ (Joh.8,53)

[GEJ.06_200,08] Sagte Ich: „So Ich Mich Selbst ehrte, da wäre Meine Ehre nichts; es ist aber Mein Vater, der Mich ehrt, von dem ihr sprecht, dass Er euer Gott sei. (Joh.8,54) Ihr kennet Ihn aber nicht; Ich aber kenne Ihn. Und wenn Ich sagen würde: ,Ich kenne ihn nicht!‘, da würde Ich wahrlich, gleichwie ihr, ein Lügner sein, die ihr saget, dass Er euer Vater ist! Ich kenne Ihn aber wahrlich und halte darum Sein Wort! (Joh.8,55)

[GEJ.06_200,09] Ich sage euch aber noch etwas, woraus ihr ersehen möget, dass Mir euer Vater Abraham nicht unbekannt ist. Sehet, Abraham freute sich, dass er Meine Zeit auf dieser Erde sähe! Ihr saget aber, dass Abraham gestorben sei; Ich aber sage euch, dass er dennoch diese Meine Zeit von Meinem ersten Tage an stets gesehen hat und darob eine übergroße Freude empfand (Joh.8,56); er sieht Meine Zeit noch und freut sich!

[GEJ.06_200,10] Das war für die blinden Juden etwas zu unglaublich, und sie sagten mit weit aufgesperrtem Munde: „Was?! Du bist noch nicht fünfzig Jahre und hast Abraham gesehen?“ (Joh.8,57)

[GEJ.06_200,11] Sagte Ich: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Endlos eher als Abraham war Ich!“ (Joh.8,58)

[GEJ.06_200,12] Das machte der Juden Grimm platzen. Sie hatten keine Worte mehr, um ihre vollste Entrüstung auszudrücken. Sie bogen sich denn zu Boden und hoben die lockeren Steine auf, an denen es im Tempel keinen Mangel hatte, da man auf den Boden selten etwas verwendete, und wollten sie nach Mir werfen; aber Ich verbarg Mich schnell, ward völlig unsichtbar und ging aus dem Tempel, mitten durch sie hinstreichend. (Joh.8,59) Die Jünger und Lazarus mit den Römern kamen Mir schnell nach, und wir begaben uns darauf schnell wieder auf unseren Ölberg.

[GEJ.06_200,13] Aber im Tempel gab es nun einen seltenen Auftritt, der sich in den Festzeiten wohl kaum je einmal ereignet hatte. Das Volk fiel über die Juden her und fing an, sie derart zu würgen, dass Soldaten herbeigeholt werden mussten, um die Ruhe nur einigermaßen wieder herzustellen. Das Volk aber ließ sich kaum besänftigen und verlangte von den römischen Soldaten, alle die bösen und die Ruhe so gewaltig störenden Juden zu binden und sie den Gerichten zu überliefern, was denn – wenigstens pro forma – auch geschah. Dann erst gab sich das Volk wieder zufrieden.

[GEJ.06_200,14] Es trat aber darauf ein Schriftgelehrter in die Mitte und wollte das Volk gegen Mich belehren; aber er hatte kaum zehn Worte geredet, so musste er schon das Weite suchen.

201. Kapitel

Die Entlarvung des Verführers der Ehebrecherin


[GEJ.06_201,01] Es war schon weit über die Mittagszeit hinaus, als auch das große Volk den Tempel verließ und in seine Herbergen ging und also auch unsere Ehebrecherin nach ihrer Wohnung trachtete und ihrem Manne alles entdeckte, was sich im Tempel mit ihr zugetragen hatte.

[GEJ.06_201,02] Da wurde der Mann traurig und sagte: „Nicht dies, mein braves Weib, sondern ich trage die Hauptschuld daran!“

[GEJ.06_201,03] Da fragte ihn einer von denen, die ihm das Weib zurückgebracht hatten: „Wie ist das wohl möglich, dass du die Schuld am Ehebruche deines Weibes trägst?“

[GEJ.06_201,04] Da sagte der Mann: „Freunde, nur die wahrhaft größte Not hat mich und das Weib dazu gezwungen, dem glänzenden Antrage eines Fremden Gehör zu leihen! Aber der Fremde muss entweder ein verkleideter Scherge oder gar ein geiler Pharisäer gewesen sein, der auf dies mein Weib schon lange lüstern war. Denn als ich das Geld nahm und es in ein anderes Gemach trug, da kamen auch schon die Häscher, rissen das Weib aus den Armen des Fremden, und ich musste es mir leider selbst zuschreiben, mein teuerstes Weib in das größte Unglück gestürzt zu haben. Da es nun wieder da ist, so muss etwas Besonderes vorgefallen sein; denn es ist noch keines aller der vielen auf diese Weise Eingefangenen je wieder ans Tageslicht gekommen. Was war es denn, dass dies mein Weib frei wurde? Ihr lieben Männer waret ganz sicher Zeugen alles dessen, was sich im Tempel ereignet haben muss. Möchtet ihr es mir nicht kundgeben, was ihr gesehen habt?“

[GEJ.06_201,05] Sagten die Männer: „Das alles wird dir dein Weib erzählen. Dem großen Propheten aus Galiläa allein hat diese Arme ihre Befreiung zu danken. Aber das sagte er auch, dass sie in der Folge nicht mehr sündigen solle; denn so sie das täte, würde es ihr dann noch um vieles schlimmer ergehen. Das also zu eurer Lebensrichtschnur!“

[GEJ.06_201,06] Hier fragte der Mann, ob er selbst nicht das große Glück haben könnte, mit dem Propheten irgendwo zusammenzukommen, auf dass er ihm den gebührendsten Dank abstatten könne.

[GEJ.06_201,07] Sagten die Männer: „Wo er sich etwa nun aufhalten dürfte, das können wir dir wohl nicht angeben; aber so viel haben wir wohl erfahren, dass er sich, sooft er nach Jerusalem kommt, stets bei Lazarus von Bethania aufhält. Dahin wollen wir selbst ihn aufsuchen gehen. Tut ihr desgleichen! Wenigstens erfahren wir dort, wohin er etwa gezogen ist.“

[GEJ.06_201,08] Sagte der Mann: „Da ist er vielleicht auf dem Ölberge, weil Lazarus sich in den Festzeiten gewöhnlich auf dem Ölberge aufzuhalten pflegt, da er dort eine große Herberge unterhält, die von den Fremden stark besucht wird.“

[GEJ.06_201,09] Sagten die Männer: „Um so besser! Da werden wir ihn zuerst dort aufsuchen! Und ist er dort nicht, so ziehen wir nach Bethania!“

[GEJ.06_201,10] Hier dankte der Mann samt dem Weibe den Männern für diese Nachricht und machte sich samt dem Weibe auf, versperrte seine kleine Behausung und zog gleich mit den Männern, was die Männer ganz gut aufnahmen. Aber unterwegs stießen sie auf etliche Pharisäer, und da war einer, den das Weib und auch der Mann sogleich als jenen Fremden gar wohl erkannten, der in römischer Kleidung an diesem Morgen das schöne junge Weib ums Geld zur Ehebrecherin machte. Solches sagten die beiden den sie begleitenden Männern.

[GEJ.06_201,11] Die Männer aber traten zu dem Pharisäer hin und fragten ihn ganz barsch: „He, Freund, kennst du dies Weib, das du heute morgen ums Geld zum Ehebruch verlocktest in der Tracht eines Römers? Dass du es warst, das beweist dein geschorenes Haupt, und die beiden haben dich auch schon von weitem erkannt! Was sagst du nun dazu? Sieh, wir sind unser bei zweiundsiebzig an der Zahl und werden nun dich vor das römische Gericht ziehen. Was sagst du nun dazu?“

[GEJ.06_201,12] Da wollten die drei davonlaufen; aber die Männer ließen das nicht zu, hielten sie auf und fragten den Geschorenen noch einmal. Der aber fing an, sie zu verfluchen und zu schwören, dass er es nicht wäre.

[GEJ.06_201,13] Aber der Mann und das Weib sagten: „Dieses elende Schwören nützt dir gar nichts; denn du weißt, dass das Zeugnis zweier Menschen vor dem Gerichte gültig ist. Daher gehe nun nur mit uns zum Gerichte, auf dass du Elender in das Grab stürzest, das du für uns gegraben hast!“

[GEJ.06_201,14] Da fingen die drei an zu bitten und wollten dem Manne viel Geld geben. Der Mann aber nahm es nicht an, sondern begehrte von ihnen, dass er in Zukunft Ruhe vor dem Tempel habe. Das versprachen sie denn auch auf das feierlichste, und die Männer ließen dann die drei weiterziehen, aber wohl nur unter der sehr fatalen Versicherung, dass sie sogleich zum Landpfleger gehen würden, sowie sie nur das Geringste irgend vernehmen würden, dass der Tempel sich über sie ungünstig geäußert habe. Dass danach dies Ehepaar vor den Templern volle Ruhe hatte, das kann man sich wohl leicht denken.

[GEJ.06_201,15] Und also war denn auch dieser Zwischenfall durch Meinen Willen herbeigeführt; denn ohne ihn hätte das arme Ehepaar einen schlechten Stand in Jerusalem gehabt und stünde immer in großer Gefahr.


3. Jesus und Seine Widersacher

WS-A3253.03


[7.GEJ 186 – 204:  Jesus und Seine Widersacher im Tempel: Joh.9 und Matth. 21,23 – 23,33]

186. Kapitel

Die Heilung des Blindgeborenen vor dem Tempel: Joh 9,1 – 34

[GEJ.07_186,01] Als wir aber auf dem großen, freien Platze vor dem Tempel ankamen, da ersahen wir alsbald auf einem Steine sitzend einen noch ganz jungen Bettler von etlichen zwanzig Jahren, der schon als völlig blind zur Welt geboren worden war. (Joh.9,1)

[GEJ.07_186,02] Als das Meine Jünger sahen, da wussten sie schon, dass dieser eben der Blindgeborene sein werde, dessen Ich schon auf dem Berge erwähnte, und sie fragten Mich darum, sagend: „Herr und Meister! Wer hat denn da gesündigt – dieser selbst oder seine Eltern –, dass er darum blind zur Welt geboren worden ist?“ (Joh.9,2)

[GEJ.07_186,03] Sagte Ich: „Aber wie ihr doch noch gar so unsinnig fragen möget! Wie kann der im Mutterleibe gesündigt haben und darum zur Strafe blind geboren worden sein? Ich sage euch aber: Weder dieser Blinde noch seine Eltern haben da gesündigt, sondern es ward das also zugelassen, auf dass die Werke Gottes offenbar würden an ihm vor den Menschen. (Joh.9,3) Denn Ich muss nun wirken die Werke Dessen, der Mich gesandt hat, solange der Tag währt (auf Erden nämlich durch des Herrn persönliche Gegenwart). Es wird auch kommen die gewisse Nacht, von der Ich euch schon geredet habe, und da wird niemand etwas wirken können. (Joh.9,4) Dieweil Ich in dieser Welt bin, bin Ich offenbar das Licht der Welt. (Joh.9,5) Nach Mir kommt die Nacht.“

[GEJ.07_186,04] Da sahen die Jünger einander an und sagten: „Was nützt da den Menschen der jetzige Geistestag, so es nach Seiner Heimkehr wieder Nacht wird ärger denn jetzt?“

[GEJ.07_186,05] Sagte Ich: „Will Ich denn etwa, dass es hernach Nacht werde? O nein, aber der Menschen Trägheit wird das wollen, und der Wille muss dem Menschen frei gelassen werden, auch dann noch, so er durch ihn zu einem zehnfachen Teufel würde; denn ohne den freiesten Willen hört der Mensch auf, Mensch zu sein, und ist nichts als eine Maschine, – was Ich euch schon oftmals klar gezeigt habe.“

[GEJ.07_186,06] Hierauf sagte keiner etwas, da sie Meinen Ernst merkten.

[GEJ.07_186,07] Als Ich aber das den Jüngern sagte, beugte Ich Mich zur Erde, nahm etwas Lehm, bespützte ihn mit Meinem Speichel und machte daraus einen Kot, den Ich dann auf die Augen des Blinden strich. (Joh.9,6)

[GEJ.07_186,08] Darauf sagte Ich zum Blinden: „Nun gehe hin zu dem Teiche Siloah (das heißt, Ich sandte ihn hin, und er ward geführt von seinem Führer), und wasche dich!“

[GEJ.07_186,09] Da ging er hin, wusch sich und kam sehend wieder zurück. (Joh.9,7)

[GEJ.07_186,10] Seine Nachbarn aber und die ihn zuvor gesehen hatten, dass er ein blinder Bettler war, sprachen: „Ist dieser nicht eben der Blinde, der zuvor auf dem Steine saß und bettelte?“ (Joh.9,8)

[GEJ.07_186,11] Da sagten einige: „Ja, ja, er ist es!“

[GEJ.07_186,12] Andere wieder sagten: „Der war blind geboren, und es ist noch nie erhört worden, dass je ein solcher wäre sehend gemacht worden! Aber er sieht dem Blinden sonst in allem ganz ähnlich.“

[GEJ.07_186,13] Aber der Blindgewesene sagte endlich selbst: „Was ratet ihr über mich? Ich bin es, der zuvor blind war, und sehe!“ (Joh.9,9)

[GEJ.07_186,14] Da fragten ihn, die um ihn waren: „Wie sind dir deine Augen zum Sehen geöffnet worden? Wer tat dir das?“ (Joh.9,10)

[GEJ.07_186,15] Und er antwortete ihnen, sagend: „Der Mensch, der zu mir im stillen sagte, dass er Jesus (Mittler, Heiland) heiße, machte einen Kot, beschmierte damit meine Augen und sagte dann, dass ich hingehen solle zum Teiche Siloah und dort waschen meine Augen waschen. Und ich tat das, ging hin, wusch meine Augen und ward sehend.“ (Joh.9,11)

[GEJ.07_186,16] Da sprachen sie weiter zu ihm: „Wo ist denn nun derjenige Jesus?“

[GEJ.07_186,17] Sagte er: „Das ist doch eine sonderbare Frage von euch! Ihr waret doch sehend, als er mir die Augen mit dem Kote bestrich und habt ihn nicht bemerkt, – wie hätte ich ihn denn als ein Blinder bemerken sollen? Da mir solches unmöglich war, so kann ich nun auch nicht wissen, wo er ist, obwohl ich es selbst wissen möchte, wo er und welcher es ist, damit ich ihm meinen vollsten Dank darbringen könnte.“ (Joh.9,12)

[GEJ.07_186,18] Als der Mensch aber den Fragenden solch eine Antwort gab, da sagten, die um ihn waren: „Ah, das ist ein rechtes Wunder, und der Mensch, der dich sehend gemacht hat, muss ein großer Prophet sein! Das müssen unsere Erzjuden und Pharisäer, die da behaupten, dass in dieser Zeit wegen der Heiden so lange kein Prophet mehr auferstehen werde, bis die Juden alle die Heiden aus dem Lande geschafft haben würden, erfahren, dass es dennoch jetzt, wie zuvor, große Propheten gibt trotz der Heiden in unserem Lande! Darum lass dich von uns nur hinführen zu den Pharisäern; wir alle werden dir Zeugenschaft abgeben!“

[GEJ.07_186,19] Damit war auch der vormals Blinde ganz einverstanden und ließ sich vor die Pharisäer in den Tempel führen. (Joh.9,13)

[GEJ.07_186,20] (Es muss hier noch einmal eigens bemerkt werden, dass es nicht nur Sabbat war, an dem Ich diesen Blinden geheilt habe; es war der Nachfestsabbat, der noch um vieles strenger gefeiert werden musste als irgendein mehr gemeiner Sabbat. (Joh.9,14) (NB.: Es war damals bei den Juden derselbe Unfug, wie er nun in den so genannten Oktaven nach den großen Festsonntagen bei euch gang und gäbe ist.) An einem solchen Sabbat war es bei den Pharisäern ein um so größeres Verbrechen, so man da irgendein Werk verrichtet hatte.)

[GEJ.07_186,21] Als der Geheilte nun vor den Pharisäern stand, da erzählten ihnen die, die ihn hingeführt hatten, alles, was sich da als völlig Wunderbares ereignet hatte.

[GEJ.07_186,22] Als die Pharisäer solches erfahren hatten, da wandten sie sich an den Geheilten und fragten ihn selbst, obgleich sie von den Zeugen schon alles erfahren hatten, dennoch abermals, und mit ihnen zur größeren Bekräftigung auch noch die Zeugen, wie er wäre sehend geworden.

[GEJ.07_186,23] Und er sagte: „Kot legte er mir auf die Augen; darauf wusch ich mich nach seinem Rate mit dem Wasser des Teiches Siloah und ward sehend, wie ich auch jetzt vor euch sehend bin!“ (Joh.9,15)

[GEJ.07_186,24] Darauf sagten einige der Pharisäer: „Der Mensch, der diesen Blinden geheilt hat, kann nicht von Gott (zu einem Propheten) erweckt sein, weil er einen so hohen Sabbat nicht hält und heiligt!“

[GEJ.07_186,25] Dagegen aber sagten die Zeugen und auch etliche hellere Juden und Pharisäer: „Wie möglich aber kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?“

[GEJ.07_186,26] Und es entstand dadurch eine Zwietracht und ein Streit unter ihnen. (Joh.9,16)

[GEJ.07_186,27] Als sie eine Zeitlang also miteinander stritten und nicht eins werden konnten, da wandten sich jene, die Mich für einen sündigen Menschen erklärt hatten, wieder an den Geheilten und fragten ihn abermals (die Pharisäer): „Was sagst denn du selbst von dem, der dir die Augen aufgetan hat, dass er sei?“

[GEJ.07_186,28] Und er sagte: „Ich sage das, was die, die mich hierher führten, von ihm sagten: Er ist ein Prophet!“ (Joh.9,17)

[GEJ.07_186,29] Da sagten die, welche Mich als einen sündigen Menschen erklärt hatten (die Pharisäer): „Wir glauben aber gar nicht, dass dieser je blind war, sondern ihr habt euch also verabredet, um eine Sache wider uns an den Tag zu fördern!“

[GEJ.07_186,30] Da sagten die Zeugen, und das mit einem bedeutenden Nachdruck: „Es hat dieser Mensch auch noch seine Eltern! Er wird es wissen, wo sie wohnen. Lasset sie kommen, und fraget sie! Die werden es wohl am besten wissen, ob dieser Mensch je gesehen hat!“

[GEJ.07_186,31] Da ließen sie seine Eltern kommen, die noch nichts davon wussten, dass ihr Sohn sehend geworden war. (Joh.9,18)

[GEJ.07_186,32] Als diese bald daher kamen, wurden sie sogleich verfänglich befragt (die Pharisäer): „Ist das euer Sohn, von welchem ihr saget, dass er blind geboren sei? Wenn also, wie ist er denn nun sehend geworden?“ (Joh.9,19)

[GEJ.07_186,33] Die Eltern aber antworteten ganz schlicht und einfach: „Dass dieser Mensch wahrlich unser Sohn ist, und dass er blind geboren ward, das wissen wir (Joh.9,20); wie er aber nun sehend geworden ist, und wer ihm die Augen aufgetan hat, das wissen wir nicht! Er ist aber ja schon alt genug, und so lasset ihn für sich selbst reden!“ (Joh.9,21)

[GEJ.07_186,34] Solches aber redeten die Eltern, die Mich schon kannten und vermuteten, dass Ich den Sohn sehend gemacht haben dürfte, darum also vor den Pharisäern und Juden, weil sie sich vor ihnen fürchteten; denn sie wussten es, dass sich die Haupt- und Erzjuden schon lange dahin in ihrem Urteil geeinigt hatten, jeden, der Mich als den Gesalbten Gottes bekennte, in den schwersten Bann zu tun. (Joh.9,22) Und darin lag der ganz kluge Grund, warum die Eltern zu den Pharisäern und Erzjuden gesagt haben: „Er ist alt genug – fraget ihn selbst!“ (Joh.9,23)

[GEJ.07_186,35] Da riefen sie zum andern Male den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm (die Pharisäer): „Gib Gott allein die Ehre; denn wir wissen, dass der Mensch, der dich sehend gemacht hat, ein Sünder ist!“ (Joh.9,24)

[GEJ.07_186,36] Da erwiderte ihnen der geheilte Mensch und sagte: „Ob der Mensch ein oder auch kein Sünder ist, das weiß ich wahrlich nicht; aber das eine weiß ich sehr wohl, nämlich dass ich von Geburt an vollkommen blind war und nie den Tag von der Nacht unterscheiden konnte, und dass ich nun so vollkommen alles sehe wie ihr!“ (Joh.9,25)

[GEJ.07_186,37] Da sprachen sie wieder zu ihm (die Pharisäer): „So sage es uns denn recht und wahr: Was tat dir der Mensch, und wie hat er dir die Augen aufgetan?“ (Joh.9,26)

[GEJ.07_186,38] Antwortete der Geheilte mit sichtlicher Ungeduld: „Ich habe es euch soeben gesagt, – habt ihr mich denn nicht angehört? Was wollet ihr denn nun dasselbe noch einmal hören? Wollet ihr etwa gar seine Jünger werden, – was euch wahrlich nicht schaden würde?!“ (Joh.9,27)

[GEJ.07_186,39] Da wurden die Pharisäer und die Erztempeljuden schon zornig, verfluchten den Menschen gleich wegen solcher Frage und sagten dann ganz voll Grimmes: „Du wohl magst sein Jünger sein, – wir aber sind Jünger Mosis. (Joh.9,28) Wir wissen, dass Gott mit Moses geredet hat; von diesem Menschen aber, der dich sehend gemacht hat, wissen wir nicht, von wannen er ist!“ (Joh.9,29)

[GEJ.07_186,40] Der Geheilte aber sah sie alle mit einer forschenden Miene an und sagte darauf: „Das ist wahrlich ein sehr wunderbares Ding, dass ihr noch nicht wisset, von woher der wundertätige Mensch sei! Und dennoch sehet ihr doch augenscheinlich an mir, dass er mir Blindgeborenem das Augenlicht gegeben hat. Der Mensch hat schon sicher mehrere solcher Zeichen getan, und ihr saget noch, dass ihr nicht wisset, von woher er sei?!“ (Joh.9,30)

[GEJ.07_186,41] Sagten darauf mit heftiger Stimme die Pharisäer und Erztempeljuden: „Wir wissen aber, dass Gott die Sünder nicht erhört! Gott erhört nur einen Gottesfürchtigen, der ohne Sünde ist und in allem den Willen Gottes tut.“ (Joh.9,31)

[GEJ.07_186,42] Sagte darauf der Geheilte: „Hm, sonderbar! Von aller Welt aber ist es noch niemals erhört worden, dass je jemand einem – sage – Blindgeborenen die Augen aufgetan hätte! (Joh.9,32) Wäre dieser Mensch nicht von Gott aus mit solch einer Macht und Kraft erfüllt, wahrlich, er könnte so etwas nicht zustande bringen (Joh.9,33), gleichwie auch ihr, obwohl ihr saget, dass ihr Mosis Jünger seid, sicher nicht imstande seid, einem Blindgeborenen die Augen zu öffnen; denn könntet ihr das, so wüsste das schon lange die ganze Welt, und eure Häuser wären von unten bis oben mit Gold gesteckt voll!“

[GEJ.07_186,43] Auf diese Antwort des Geheilten wurden die Pharisäer und Erztempeljuden noch grimmiger und schrien förmlich vor Wut: „Was, du bist in allen Sünden schon zur Welt geboren und willst uns hier noch lehren?“

[GEJ.07_186,44] Darauf ergriffen sie ihn und stießen ihn samt seinen Eltern und Zeugen hinaus. (Joh.9,34)

[GEJ.07_186,45] Als alle diese nun draußen waren, da rief der Geheilte noch laut zurück: „Gott vergelte es euch, ihr Übermütigen, und Gott erleuchte eure Seelenblindheit!“

[GEJ.07_186,46] Da warfen sie die Türe zu und kümmerten sich weiter nicht um den Geheilten, der ihnen die Wahrheit ganz trocken ins Gesicht gesagt hatte.

187. Kapitel

Der Herr spricht mit dem Geheilten und den Pharisäern. Joh. 9, 35 – 41

[GEJ.07_187,01] Dieser Mensch kam darauf natürlich mit allen, die mit ihm waren, sogleich in die große Tempelhalle, in der sich alles Volk ansammelte, und jeder fragte ihn, was denn mit ihm in der Ratshalle der Pharisäer und Erzjuden vorgefallen sei.

[GEJ.07_187,02] Und der Mensch erzählte das ganz frei und offen, und alle, die das hörten, wurden erbittert über die verstockte Härte der Pharisäer und Tempeljuden.

[GEJ.07_187,03] Und so kam es denn auch zu Meinen Jüngern und auch vor Mich, dass die Templer den Geheilten samt seinem Anhange hinaus gestoßen hatten.

[GEJ.07_187,04] Und Ich sagte zu den Jüngern: „Lasset uns ihn aufsuchen, auf dass der Arme Den kennen lerne, der ihm das Augenlicht gegeben hat!“

[GEJ.07_187,05] Und wir gingen und fanden ihn auch bald unter dem Volke.

[GEJ.07_187,06] Es waren ihm aber auch einige jener Pharisäer, die nicht strenge wider ihn waren, in die große Volkshalle gefolgt, um zu vernehmen, was er etwa da zum Volke reden werde, und wie sich etwa das Volk darüber äußern werde.

[GEJ.07_187,07] Ich aber trat sofort vor den Geheilten hin und sagte zu ihm: „Höre Mich, du, der du von den Pharisäern und von den Erztempeljuden hinaus gestoßen worden bist! Glaubst du an den Sohn Gottes?“ (Joh.9,35)

[GEJ.07_187,08] Da antwortete der Geheilte: „Herr, welcher ist es? Ist Er hier im Tempel? Und hat Er mir das Augenlicht gegeben? Zeige mir Ihn, auf dass ich an Ihn glaube!“ (Joh.9,36)

[GEJ.07_187,09] Sagte Ich: „Du hast Ihn schon gesehen, obwohl noch nicht erkannt; aber Der ist es, der nun mit dir redet!“ (Joh.9,37)

[GEJ.07_187,10] Da sagte der Geheilte: „Ja, Herr, das glaube ich! Du bist es! Ich habe Dich, als ich vom Teiche zurückkam, sicher gesehen, aber nicht erkannt! Wärest Du nicht Gottes Sohn, nicht Christus, der Verheißene, nimmer hättest Du mich Blindgeborenen sehend machen können! Darum glaube ich, dass Du wahrhaft der Sohn Gottes bist!“

[GEJ.07_187,11] Hierauf fiel er vor Mir auf seine Knie nieder und betete Mich an. (Joh.9,38) Ich jedoch hieß ihn, sich wieder zu erheben.

[GEJ.07_187,12] Als die umstehenden Pharisäer und mehrere Tempeljuden, obschon der mehr gemäßigten Partei angehörend, das von Mir wie auch von dem Geheilten vernahmen, dass Ich der verheißene Gesalbte Gottes sei, da fingen sie an, sehr ihre Nasen zu rümpfen, und wurden geheim sehr ärgerlich und gallig.

[GEJ.07_187,13] Da Ich aber solches alsbald merkte, so sagte Ich laut: „Ich bin zum Gericht auf diese Welt gekommen, auf dass jene, die nicht sehen, sehend werden, und jene, die da sehen, blind werden!“ (Joh.9,39)

[GEJ.07_187,14] Als die Pharisäer und die Tempeljuden, die da um Mich waren, solches vernahmen, da konnten sie sich nicht mehr halten, sondern öffneten den Mund und sagten zu Mir: „Sind denn wir auch schon blind, oder werden wir nach deiner Sentenz erst blind werden, weil wir nun noch sehend sind?“ (Joh.9,40)

[GEJ.07_187,15] Sagte Ich darauf: „Wäret ihr blind an eurer Seele, so hättet ihr auch keine Sünde an euch; da ihr euch aber selbst das Zeugnis gebt, dass ihr sehend seid, so bleibt eure Sünde an euch haften, mit ihr das Gericht und der ewige Tod. (Joh.9,41) Denn Ich bin in diese Welt gekommen von Gott gesandt als die Wahrheit, das Licht und das Leben. Wer an Mich glaubt und tut nach Meinem Worte, der wird haben in sich das ewige Leben und wird nicht sehen und fühlen den Tod!“

[GEJ.07_187,16] (NB. Was von nun an im Tempel verhandelt wurde, ist zum Teil wohl von den andern Evangeliumsaufzeichnern niedergeschrieben worden, aber in keiner ganz passenden Reihenfolge, darum man ihre Aufzeichnungen auch unharmonisch nannte. Johannes aber zeichnete die weitere Verhandlung darum nicht auf, weil derlei bei Meinen Reden sehr häufig vorkam und auch den wichtigsten Punkten nach aufgezeichnet wurde.

[GEJ.07_187,17] Das folgende 10. Kapitel [Joh.10] ergibt sich erst um drei Monde später, auch wieder im Tempel zu Jerusalem, im Winter, bei Gelegenheit des so genannten Tempelweihfestes.

[GEJ.07_187,18] Diese Bemerkung war darum nötig, auf dass ihr wisset, in welcher Ordnung das Wort von Mir an die Juden und Pharisäer ergangen ist.

[GEJ.07_187,19] Da das aber nun gezeigt ist, so will Ich hier die weitere Verhandlung im Tempel vor den Juden und Pharisäern folgen lassen.)

188. Kapitel

Der Herr beleuchtet die Widersprüche der Pharisäer

[GEJ.07_188,01] Hierauf sagten die Pharisäer: „Wir sehen es wohl ein, dass dir besonders in der Heilung verschiedener menschlichen Erzkrankheiten, die sonst wohl kaum je ein Arzt zu heilen imstande sein dürfte, eine ungewöhnliche Kraft innewohnt, wie bis auf diese Zeiten noch niemals erhört worden ist. Ja, es ist uns sogar nicht unbekannt, dass es dir sogar möglich sein soll, jüngst verstorbene junge Menschen ins Leben zurückzurufen oder zu erwecken! Also haben wir auch vernommen, dass du sonst ein ganz nüchterner, sittlicher und äußerst wohltätiger Mensch seist und für deine außerordentlichen Heilungen noch nie von jemandem etwas verlangt hast. Siehe, das sind deine unbestreitbar guten und ausgezeichneten Seiten!

[GEJ.07_188,02] Aber dass du dich dabei vor aller Welt für den Sohn Gottes ausgibst und sagst, dass du der verheißene Gesalbte Gottes seist, und dabei aber nicht achtest der Satzungen Mosis und umgehst mit Heiden, Zöllnern und Sündern aller Art und Gattung, – siehe, das sind deine schlechten und sehr üblen Seiten, die der Tempel, der streng auf die Satzungen Mosis hält, niemals wird gutheißen können!

[GEJ.07_188,03] Warum erhöhst du dich denn wegen deiner besonderen Eigenschaften so sehr vor den Menschen, während du doch sichtlich auch nur ein Mensch bist? Wer von uns kann dich achten, so du auch von uns verlangst, dass wir glauben sollen, dass du Gottes Sohn seist und der verheißene Gottesgesalbte, und verdammest den, der das aus gar manchen Gründen nicht glauben kann? Du sagtest wohl, dass du die Wahrheit, das Licht und das Leben seist, – aber womit kannst du uns das denn wohl beweisen, dass sich die Sachen also verhalten? Beweise uns das, und überzeuge uns davon, und wir wollen an dich glauben!“

[GEJ.07_188,04] Sagte Ich: „Sehet diese Steine an, die da zerstreut am Boden herumliegen! Eher denn euch überzeuge Ich diese Steine, dass eben Ich Derjenige bin, von dem Moses und die Propheten geweissagt haben!

[GEJ.07_188,05] So Ich Zeichen wirke, die vor mir nie ein Mensch, noch der größte aller Propheten gewirkt hat, so sollten euch denn doch die Augen aufgehen, damit ihr die Zeichen dieser Zeit wohl erkennen möchtet zu eurem Heile! Aber ihr seid blind, taub und verstockt in euren Herzen und sehet, vernehmet und empfindet darum nichts. Und darin liegt auch das Gericht über euch in euch selbst und mit ihm der sichere Tod eurer Seelen.

[GEJ.07_188,06] Ihr übertünchet wohl jährlich die Gräber der Väter und der Propheten; aber eben das, was die übertünchten Gräber sind, das seid auch ihr. Dem Außen nach seid ihr wohl bekleidet nach der Ordnung Mosis und Aarons, auf deren Stühlen ihr sitzet, – aber inwendig seid ihr voll Moders und Ekelgeruchs!

[GEJ.07_188,07] Ihr sagtet nun, dass es von Mir eine schlechte und sehr üble Seite sei, dass Ich mit Heiden, Zöllnern und Sündern umgehe, und dass Ich ein Sabbatschänder sei und die Satzungen Mosis nicht halte. Wie haltet aber ihr dessen Satzungen? Ich sage es euch aber, dass eben ihr die Satzungen Mosis nicht einmal dem Scheine nach ganz ordentlich haltet; wohl aber habt ihr selbst eine Menge nichtiger und wertloser Satzungen gemacht, die ihr zu eurem irdischen Besten haltet und dabei das arme Volk bedrücket und aussauget. Hat das wohl auch irgend Moses geboten? So es aber nach den Satzungen Mosis gar wohl gestattet und sogar befohlen ist, auch am Sabbat dem Esel, dem Ochsen und den Schafen das Futter zu reichen und sie zur Tränke zu führen, und einem Esel, der in eine Grube oder in einen Brunnen gefallen ist, herauszuhelfen, sollte es da nicht um so mehr recht und billig sein, einem bedrängten Menschen auch an einem Sabbat zu helfen? O ihr Blinden, ihr Tauben und ihr Toren am Herzen und am Verstande! Ist denn ein Mensch vor Gott weniger wert als ein Tier?!

[GEJ.07_188,08] Hat nicht Moses geboten, sagend: ,Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest und es dir wohl ergehe auf Erden!‘? Warum saget denn ihr dann den Kindern: ,Kommet her und bringet dem Tempel ein Opfer; das wird euch dienlicher sein!‘ Wenn ihr solches lehret, handelt ihr da nach dem Gesetze Mosis?!

[GEJ.07_188,09] Hat Moses nicht auf das feierlichste jedermann geboten, dass man die Witwen und Waisen nicht unterdrücken soll?! Was tut aber ihr? Ihr schützet den Witwen und Waisen lange und wirkend sein sollende Gebete vor und bemächtiget euch dabei ihrer Habe, und wenn dann die Witwen und Waisen, so ihnen eure Gebete nichts nützen, sich weinend darum bei euch beschweren, so stoßet ihr sie hinaus und saget, dass sie Sünder seien, für die Gott auch die kräftigsten Gebete nicht erhöre! Saget, hat Moses wohl je ein solches Tun und Treiben geboten? Ihr handelt in allem wider die Gesetze Mosis, und Mir saget ihr, dass Ich den Gesetzen Mosis zuwiderhandle?!

[GEJ.07_188,10] Sehet, dieweil ihr eben von Moses ganz abgewichen seid, so seid ihr mit Blindheit geschlagen worden und könnet nun den hellsten Tag vor euren Augen nicht mehr ersehen, – und das ist euer Gericht, euer Tod und eure Verdammnis! So säuget ihr die Mücken mit euren leeren und teuerst bezahlten Gebeten und verschlinget dafür ganze Kamele, und dennoch saget ihr, dass ihr Mosis Jünger seid! Wie könnet ihr aber Mosis Jünger sein, so ihr – wie schon gesagt – allen Satzungen Mosis, ärger denn alle Heiden, zuwiderhandelt? Darum aber wird das Licht auch von euch genommen und den Heiden gegeben werden.

[GEJ.07_188,11] Ich bin in diese Welt gekommen, um euch auf dem freundlichsten und liebevollsten Wege durch Lehre und Taten auf die rechten Lebenspfade zu bringen; ihr aber verfolget Mich auf allen Wegen und Stegen und suchet Mich zu fangen und zu töten, da ihr saget und behauptet, Ich sei ein Volksverführer und Volksaufwiegler. Ich aber habe auch Zeugen, und Gott Selbst, der in Mir ist wie Ich in Ihm, ist Mein Zeuge, dass ihr alle böse Lügner seid vor Gott und vor allem Volke.

[GEJ.07_188,12] Die Römer, die nun die irdischen Herren des Landes der sein sollenden Kinder Gottes sind, und die mit ihren scharfen Augen alles sehen und bemerken, was irgend nur im geringsten ihrer Herrschaft gefährlich werden könnte, hätten Mich, so sie an Mir irgendeine Volksaufwieglerei entdeckt hätten, schon lange vor die Gerichte gezogen! Da sie aber von allem dem, dessen ihr Mich beschuldiget, noch nie auch das Allergeringste entdeckt haben, so begegnen sie Mir auch auf allen Wegen auf das freundlichste und erweisen sich als Menschen voll Glaubens, voll Liebe und voll Achtung gegen Mich, Meine Lehre und Meine Taten. Darum aber werden sie auch in Mein Licht und Leben aufgenommen werden; ihr aber werdet hinaus gestoßen werden in die äußerste Finsternis, wie es geschrieben steht, und da wird sein viel Heulens und Zähneknirschens!“

[GEJ.07_188,13] Als Ich solches geredet hatte, da wurden auch diese noch gemäßigteren Juden und Pharisäer voll Ärgers und sagten: „Siehe, wie du doch unsinnig redest! Wer verfolgt dich denn, und wer sucht dich zu töten? Wenn du Gutes lehrst und den Menschen Gutes erweisest, darum verfolgt dich niemand und sucht dich auch niemand zu töten; aber wenn du als ein Mensch, wie auch wir nur Menschen sind, vorgibst, dass du ein Gottes-Sohn seist und somit der Verheißene, der Gesalbte Gottes – was nach dem Ausspruche der Propheten soviel sagen will als Jehova Selbst –, so musst du denn doch selbst einsehen, dass wir das so lange als eine allerärgste Gotteslästerung ansehen müssen, als wie lange du uns entweder nicht die genügenden Beweise dartust, dass du der vollsten Wahrheit nach der verheißene Gesalbte Gottes bist und wir an dich glauben können, oder du musst vor uns und vor dem Volke dein Zeugnis über dich selbst widerrufen! Solange du aber da weder das eine noch das andere tun wirst, wirst du dir auch gefallen lassen müssen, dass dich der Tempel als einen Gotteslästerer verfolgen wird! Haben wir nicht recht, wenn wir dir das nun vor allem Volke vorhalten?!“

[GEJ.07_188,14] Sagte Ich: „So, – ihr habt nun geredet, und das also geredet, gleichwie ein Stockblinder über die Farben des Lichtes urteilt und redet; und weil ihr also urteilet und redet, so sprechet ihr damit auch selbst euer eigenes Verdammungsurteil aus. Ich werde euch nicht richten, sondern das Wort, das Ich schon so oft vergeblich zu euch geredet habe, wird euch richten.

[GEJ.07_188,15] So ihr den Propheten Jesajas gelesen und nur in Wenigem verstanden habt, so müsset ihr denn doch wissen, was das sagen will: ,Eine Jungfrau wird uns einen Sohn gebären, und Sein Name wird sein ,Emanuel‘, das heißt, ,Gott mit uns‘!‘ Hat sich denn das nicht wie auch alles andere eben an Mir erfüllt?! Wenn es aber also und ewig nicht anders ist, – würde Ich da nicht euch gleich ein Lügner sein, wenn Ich nun eurer finstersten Ansicht zuliebe bekennen würde, Ich sei nicht Der, der Ich doch vor Gott, vor allen Himmeln und vor aller diesirdischen Kreatur bin?!

[GEJ.07_188,16] Ihr wollet andernteils einen solchen Beweis von Mir haben, der euch unwiderruflich und ganz sonnenklar überzeugte, dass eben Ich der verheißene Gesalbte Gottes bin. Saget Mir aber, wie Ich für euch und eure Stockblindheit denn das anstellen soll!

[GEJ.07_188,17] So Ich vor euch Werke und Taten verrichte, die vor Mir kein Mensch je verrichtet hat, so Ich Lahme und Krüppel heile, dass sie dann völlig gesund und kräftig einherspringen wie Hirsche, wenn Ich weiter Gichtbrüchige, Aussätzige heile, den Tauben und Stummen das volle Gehör und die Rede gebe, die Blinden sehend mache, die Besessenen von ihren argen Plagegeistern befreie, sogar die Toten durch die Macht Meines Wortes wieder zum Leben erwecke und bei Gelegenheiten noch gar manche andere Taten verrichte, die außer Gott niemandem möglich sind, und dabei den Armen am Geiste das Evangelium von der lebendigen Ankunft des Reiches Gottes auf Erden predige und Mich kein Mensch je einer Sündenbegehung zeihen kann – und ihr dann saget, dass Ich alles das durch die Hilfe Beelzebubs, des Obersten aller Teufel, zustande bringe, so frage Ich euch, welche anderen Zeichen soll Ich vor euren Augen noch wirken, auf dass ihr glauben würdet, dass Ich wahrhaft der Gesalbte Gottes bin?

[GEJ.07_188,18] So Ich euch noch tausend und abermals tausend andere Zeichen leisten würde, so würdet ihr abermals sagen, dass Ich solches alles durch die Hilfe des Obersten der Teufel gewirkt habe! Was würden bei solcher eurer stockblinden Ansicht euch dann Meine ferneren Zeichen wohl nützen? Ich sage es euch aber: Ebenso wenig als man einem Blindgeborenen einen Begriff von irgendeiner Farbe beibringen kann, gleich also kann man auch euch keinen für euch begreiflichen Beweis von dem geben, dass Ich der vollsten Wahrheit nach der Gesalbte Gottes bin!

[GEJ.07_188,19] Und sehet, diese böse Nacht in eurer Seele ist denn auch euer Untergang, euer eigenes Gericht und euer wahrer Tod! Denn Ich allein bin der Weg, das Licht, die Wahrheit und das ewige Leben. Wer an Mich glaubt und nach Meinem Worte lebt und handelt, der auch überkommt von Mir den Geist des ewigen Lebens, und Ich allein werde ihn zum Leben erwecken an seinem jüngsten Tage [= das ist der irdische Sterbetag] in Meinem Reiche; wer Mich aber flieht, verachtet und verfolgt, der flieht, verachtet und verfolgt auch sein eigenes Leben und kann es ewig nie von woanders her erhalten als nur allein von Mir.

[GEJ.07_188,20] Wer sonach von Mir das ewige Leben seiner Seele nicht annehmen will und sich gegen alles von Mir Ausgehende sträubt, der bleibt auch tot in Ewigkeit.

[GEJ.07_188,21] Wer aber das Leben haben will, der muss es von Dem nehmen, der das Leben selbst ist, also das Leben hat und dasselbe geben kann, wem Er es geben will. Aber dieser Er gibt das Leben nur dem, der danach dürstet.

[GEJ.07_188,22] Mein Wort und Meine Lehre aber sind eben das nun allen Menschen dargebotene Leben. Wer demnach, wie schon gesagt, Mein Wort und Meine Lehre tatsächlich annimmt, der nimmt auch das Leben der Seele von Mir an.

[GEJ.07_188,23] Wenn aber unmöglich anders denn also nur, wie Ich es euch und allen andern nun hier gezeigt habe, sich die Sache des ewigen Lebens verhält, – woher wollet und werdet ihr denn euer erhofftes ewiges Leben für eure Seelen hernehmen?“

189. Kapitel

Ein Pharisäer entwickelt seine Weltanschauung

[GEJ.07_189,01] Sagte ein Pharisäer, der sich für einen Hochweisen dünkte: „Siehe, aus dieser deiner Rede habe ich nun erst so recht klar erkannt, dass du daherredest, als wärest du ein Wahnsinniger, der von dem wahren Wesen Gottes, von Seiner endlosen Weisheit, Macht und Größe und von Seiner Einrichtung der Verhältnisse dieser Welt und ihrer Geschöpfe gar keinen wahren Begriff hat und auch nicht haben kann. Denn siehe, so das ewige Leben einer Menschenseele nun bloß an den vollen Glauben an dich, an dein Wort und an deine Lehre gebunden ist und eine jede Seele, die entweder an dich nicht glaubt und sich nicht richtet nach deiner Lehre oder – was zum allermeisten der Fall ist – von dir ohne ihr Verschulden nichts weiß und wissen kann, den ewigen Tod zu gewärtigen hat, so bist du samt dem Gott, der dich in die Welt gesandt hat, das allerunweiseste und allerungerechteste Allmachtswesen, das sich ein hellerer Menschenverstand je denken kann!

[GEJ.07_189,02] Was können denn die Menschen dafür, die vor Hunderten und Tausenden von Jahren vor uns gelebt haben und von deiner allein alle Seelen belebenden Lehre unmöglich je etwas haben vernehmen können? Diese Armen sind nach deinem Worte also alle samt und sämtlich im ewigen Tode!?

[GEJ.07_189,03] Weiter, – was können denn die zahllosen Völkerschaften dafür, die auf der weiten Erde irgendwo leben und fortbestehen und von deiner Lehre vielleicht in tausend Jahren noch keine Silbe werden vernommen haben?! Diese Armen sind demnach auch als für ewig tot anzunehmen und anzusehen?!

[GEJ.07_189,04] So hätte denn dein Gott mit aller seiner unergründlich tiefen Weisheit und Güte mit all dem von ihm Erschaffenen endlich dahin die größte Freude und darin sein größtes Wohlgefallen, dass er alle seine so höchst weise eingerichteten Geschöpfe nach einem kurzen Dasein wieder töte und gänzlich vernichte!

[GEJ.07_189,05] Wozu kam dann ein Moses und alle die anderen Propheten? Wozu waren die stets schwer zu haltenden Gesetze Mosis gut, und wozu die oftmaligen und vielen Plagen, die Gott über die Juden und anderen Völker verhängte, so sie nicht nach Seinem geoffenbarten Willen handelten und lebten?

[GEJ.07_189,06] Ich meine: Zur Erreichung des ewigen Todes der Seele nach dem Abfalle des Leibes wäre schier ein jedes Hundeleben völlig gut genug gewesen. Wozu da Menschen erziehen und geistig ausbilden?! Für die Gewinnung des sicheren ewigen Todes der Seele eines Menschen nach dem Tode des Leibes benötigt der Mensch nichts Weiteres, als dass er gleich den Tieren nur seinen täglichen Fraß kennt; wozu ihn da denken lehren und urteilen und schließen? Das verbittert ja offenbar sein elendstes Dasein! Ja, alle nun leider geistig geweckten Menschen sollten alle Kinder gleich nach der Geburt erwürgen, auf dass diese als später erwachsene und denkend ihrer selbst bewusste Menschen weiter nicht mit allerlei geplagt würden und auch niemals in die Furcht kämen, das oft doch süß schmeckende Leben endlich für ewig verlieren zu müssen.

[GEJ.07_189,07] Ich gestehe es hier offen, dass ich nach deiner Lehre dem von dir gepredigten Gott auch selbst von der weitesten Ferne her nicht den allergeringsten Dank schulde; denn er hat mich ja nicht zu irgendeinem Glücke von Bestand, sondern nur zum größten, die ganze Zeit meines Lebens bitterst gefühlten Unglück in diese Welt gesetzt. Je eher er mich wieder vernichtet, eine desto größere Wohltat erweist er mir!

[GEJ.07_189,08] Und wahrlich gesagt: Ein ausnahmsweise ewiges Leben der Seele durch den nunmaligen Glauben an dich, an dein Wort und an deine Lehre möchte ich schon darum nicht, weil ich als eine ewig fortlebende Seele denken müsste, dass zahllose Menschenscharen ganz schuldlos für ewig von deinem Gott vernichtet worden sind! Da ist mir ein ewiges Nichtsein ja doch endlos lieber als irgendein leidiges ewiges Dasein!

[GEJ.07_189,09] Aus diesen meinen Worten wirst du, wenn du nur eines gesunden Gedankens fähig bist, samt deinen blinden Jüngern einsehen, dass deine Lehre zur wahren Beglückung der Menschen noch um vieles untauglicher ist als die Lehre der Sadduzäer, die sie nach dem griechischen Weltweisen Diogenes umgestaltet haben, und die für alle Menschen weit tröstender ist als deine Lebenslehre, nach der man nur allein durch den Glauben an dich zum ewigen Leben der Seele gelangen kann. Wahrlich, für solche deine Lehre wird dir kein wahrer Menschenfreund je dankbar sein! Und nun soll alles Volk im Tempel und auch außerhalb des Tempels urteilen, ob ich da auch nur ein ungerechtes Wort dir gegenüber geredet habe! – Entgegne mir, wenn du das kannst!“

 

Fortsetzung "14 Gleichnisse Jesu" Teil 2


(Redaktion Wilfried Schlätz 6/16)