„Gedenket, dass ihr nach Meinem Ebenbilde, nach dem Ebenbilde der unbegrenzten Liebe und der unbegrenzten Weisheit geformt seid.“ (Sg.01_024,37)


Mann und Frau

Oder: männlicher und weiblicher Pol

 

1
Satana war soviel wie der Gegenpol gegen die Gottheit. Als Satana war dieser Geist von Gott aus wirklich also gestellt gegen die Gottheit, wie das Weib gestellt ist gegen den Mann. Die Gottheit hätte in sein Wesen ihre ewigen Ideen ohne Zahl hineingezeugt, daß sie reif geworden wären in seinem konzentrierten Lichte, und es wäre dadurch eine Wesenschöpfung aus dem Lichte dieses Geistes in höchster Klarheit hervorgegangen, und die ganze Unendlichkeit wäre fort und fort aus eben diesem Lichte stets mehr und mehr bevölkert worden; denn im unendlichen Raume hätte auch Unendliches Platz, und Ewigkeiten würden nie diesen Raum so erfüllen können, dass in ihm irgend einmal ein Wesengedränge werden könnte.

Aber wie ihr wisset: da dieser Geist eine so endlos große Bestimmung hatte, ein zweiter Gott neben Mir zu sein, so musste er auch eine seiner Bestimmung entsprechende Freiheitsprobe bestehen, welche er aber eben auch, wie ihr wisset, nicht bestanden hat, weil er sich über die Gottheit erheben und diese sich unterwürfig machen wollte.“ (Er.01_056,02)

2
Ihr wisset, dass die Erde einen Süd- und einen Nordpol hat. Diese beiden Pole bleiben in Hinsicht auf die Hauptwirkung der Erde stets das, was sie sind, nämlich der eine der Südpol und der andere der Nordpol, oder der eine negativ und der andere positiv, oder der eine anziehend und der andere abstoßend, – was dann zur Folge hat, dass sich zwei solche ungleiche Polaritäten notwendig sehr gut nebeneinander vertragen können; denn der eine Pol ist der Geber und der andere der Empfänger. Bei diesem Polverhältnisse tritt diese Wechselwirkung schon stark hervor. Ursprünglich oder in der Ausmündung ist der positive Nordpol der Empfänger, weil er die gesamte Nahrung für den Erdkörper in sich aufnimmt, und der Südpol ist in seiner äußeren Ausmündung derjenige, der von außen her nichts aufnimmt, sondern alles nur hintangibt; aber im Inneren ist der Nordpol gegen den Südpol der Geber und der Südpol der Empfänger.

Sehet, da geht schon etwas hervor, wie das Erdwesen innerlich durch seine polarische Aktion wechselweise in seinen beiden Polaritäten zum Teile männlich und zum Teile weiblich auftritt.

Noch auffallender geschieht diese wechselseitige, stets veränderte polarische Wirkung durch den Wechsel des Sommers und des Winters, da ein halbes Jahr auf der nördlichen Hälfte der Erde Winter ist, während zu gleicher Zeit auf der südlichen der Sommer waltet, und also im nächsten halben Jahre umgekehrt, was sich also verhält und auch also verstanden werden muss: der Winter ist der männliche Teil und der Sommer der weibliche; der Winter zeugt in dem weiblichen Sommer, und dieser gebiert dann aus, was der Winter gezeugt hat. Sonach ist zur Winterszeit die eine Erdhälfte männlich, während die andere ganz weiblich ist, und da tritt auch der sonst weibliche Südpol männlich auf gegen den weiblich gewordenen Nordpol, und also auch umgekehrt. Nur ist dabei doch immer der merkliche Unterschied, daß die Früchte von der südlichen Hälfte der Erde zwar süßer, weicher und voller, aber nicht so kräftig als die des Nordens sind, weil im südlichen Teile das Weibliche dem Männlichen vorschlägt, während im nördlichen Teile das Männliche vor dem Weiblichen sich mehr auszeichnet, und man könnte dies etymologisch also bezeichnen: Im Norden ist die Erde ein Mannweib, und im Süden ist sie ein Weibmann.

Aus dieser Darstellung wird das Doppelwesen der Erde sicher schon nahe ganz klar ersichtlich. Zur vollkommenen Anschauung aber gehört noch, daß man weiß, daß die Erde durch den Tag und durch die Nacht eben also ihr Wesen wechselt. Die Nacht ist stets weiblich und der Tag männlich; was der Tag gezeugt hat, das gebiert die Nacht in ihrem dunklen Schoße wieder aus. Demzufolge wird jeder Same von der Erde als männliches Wesen gezeugt und befruchtet und wird von derselben Erde als weibliches Wesen ausgereift und ausgeboren.“ (Er.01_014,13ff)

3
Die Erde (ist) gewisserart auch als ein Hermaphrodit zu betrachten, oder als Mann und Weib zugleich in einem Wesen, und ist in der Hinsicht ähnlich dem ersten Menschen, der ursprünglich auch in sich Mann und Weib zugleich war, und ähnlich den vollkommenen Geistern des Himmels, die auch männlicher- und weiblicherseits völlig eines sind.“ (Er.01_013,06)

4
Und nun siehe und begreife, was bis jetzt noch von niemandem gesehen und begriffen wurde: Die ewige Liebe nahm die Zahl aus Sich, und die Zahl war die Ordnung und das ewige Gesetz in Ihr, aus und in welcher Sie Selbst ewig bestand, besteht und bestehen wird in aller Macht und Kraft der Heiligkeit Gottes. Und Sie nahm denn Tonerde gleich dem Obers (Rahm) der geronnenen Milch und formte mit der Hand Ihrer Macht und mit der Hand Ihrer Kraft nach der Zahl Ihrer Ordnung den ersten Menschen und blies ihm durch die Nüstern den lebendigen Odem ein. Und der Odem ward in ihm zur lebendigen Seele, und die Seele erfüllte ganz den Menschen, der nun gemacht wurde nach der Zahl der Ordnung, aus welcher gemacht waren die Geister und gemacht wurden die Welten in den Räumen und die Erde und alles, was auf ihr ist, und der Mond und die Sonne.

Und nun siehe, dieser erste Mensch auf der Erde, der hervorging aus den Händen der Macht und der Kraft der ewigen Liebe, wurde benannt aus dem Munde der erbarmenden Gnade ,Adam‘ oder ,Sohn der Erbarmung und der Gnade‘.

Und nun merke wohl: Dieser Adam war an der Stelle des ersten der gefallenen Geister; es ward ihm nicht zu erkennen gegeben, wer er war, und siehe, da langweilte es ihn, da er sich nicht erkannte und auch nichts finden konnte, was ihm ähnlich wäre.

Und siehe, da wehte ihn, unsichtbar seinen noch blinden Augen der Seele, die ewige Liebe an, und er schlief zum ersten Male in der Anmut der erbarmenden Liebe ein. Und die Anmut der erbarmenden Liebe formte im Herzen des Adam, gleichsam wie in einem süßen Traume, eine ihm ähnliche Gestalt von großer Anmut und ebenso großer Schönheit.

Und die ewige Liebe sah, dass der Adam große Freude fand in sich durch die innere Anschauung seines zweiten Ichs. Da rührte ihn die erbarmende Liebe an der Seite, da ihm gegeben ward ein Herz gleich dem Herzen der Gottheit zur Aufnahme der Liebe und des Lebens aus der Liebe in Gott, und nahm ihm dadurch die Eigenliebe, um für Sich Selbst eine Wohnstätte zu bereiten durch das künftige Gesetz der erbarmenden Gnade, und stellte die Eigenliebe, an der er großes Wohlgefallen fand in sich, außer seinem Leibe körperlich und hieß sie ,Caiva‘ oder, wie ihr schon gewohnt seid zu sagen, ,Eva‘, das ist so viel als die vorbildende Erlösung von der Selbstsucht und die daraus hervorgehende Wiedergeburt.

Und siehe, da rührte ihn die erbarmende Liebe an und weckte ihn zur Anschauung seiner Eigenliebe außer ihm und sah, daß er ein großes Wohlgefallen an der Anschauung seiner Liebe außer ihm hatte und fröhlich war über die Maßen; und die Liebe außer ihm, die nun Eva hieß, ergötzte sich an dem Menschen Adam und neigte sich zu ihm und folgte jeder seiner Bewegung.

Und siehe, da sprach die ewige Liebe zum ersten Male den Adam an: `Adam!` – Und er sprach zum ersten Male: `Hier bin ich, Herr der Glorie, der Macht und der Kraft!`

Und die ewige Liebe sprach abermals: `Siehe deine Gehilfin!` – Und die Eva antwortete: `Siehe, Herr, die Magd gehorsam zu den Füßen Deines Sohnes liegen und harren seiner Befehle!`

Und siehe, die erbarmende Liebe fand großes Wohlgefallen an den Werken Ihrer Macht und Kraft durch die Gnade Ihrer Erbarmung und sprach ferneres und unterrichtete sie in allem und lehrte sie alle Dinge kennen, benennen und gebrauchen. Und als sie alles verstanden, kannten und gebrauchen konnten, da sprach die erbarmende Liebe wieder zu ihnen: `Nun sehet, ihr erlerntet nun alles, ihr kennet nun alles und könnet den Gebrauch machen von allem bis auf eines, und dieses Letzte will Ich euch jetzt lehren und die Kraft in euch legen zur Fortzeugung und Fortpflanzung euresgleichen; aber ihr dürfet davon erst dann Gebrauch machen, wenn Ich wiederkommen werde, euch bekleidet werde finden mit dem Kleide des Gehorsams, der Demut, der Treue und der gerechten Unschuld. Wehe aber euch, so Ich euch nackt finde; Ich werde euch verstoßen, und der Tod wird die Folge sein!`

Und siehe, da verdeckte Sich die ewige Liebe das Angesicht und entfernte Sich nach der Zahl der Ordnung auf eine bestimmte Zeit und war blind aus Ihrer Tiefe der Erbarmung und wollte und konnte nicht wissen, was die Neugeschaffenen tun würden im Gerichte der Gottheit für die Probe ihrer Freiheit in der Zeit der Kürze auf der Erde durch die Liebe der Erbarmung. Und der Ort, der ihnen gegeben ward zur Wohnung auf den Festen des Landes, war ein Tal und war ein Garten und ward benannt das Paradies; und das war das Land, das später von Milch und Honig überfloss, und war die Stelle, die in der großen Zeit der Zeiten der größten der Taten der ewigen Liebe ,Bethlehem‘ hieß und so heißen wird fürder ewiglich, und war der Punkt, da das ewige Wort im Fleische körperlich zum ersten Male erschaute das Licht Seiner Gnade dem Tropfen der Erbarmung leuchten von der weiten Sonne, dem Monde und allen den Sternen.


Und siehe, ihre Begierde wuchs im Gerichte der versuchenden Gottheit in Ihrem Grimme. Und es stand ein Baum im Garten, und dieser Baum trug Äpfel der schönsten Art, und der Eva gelüstete nach denselben, und sie sprach zu Adam: `Siehe, Adam, mich gelüstet stark nach dieser Frucht! So du willst, will ich eine pflücken und verkosten und es dir dann reichen als erste Gabe aus meiner Hand!`

Und siehe, der Adam schwieg, nachdenkend über die Rede der Eva. Und eine innere Stimme, die heilig war, da sie aus der Gottheit in ihm kam, sagte ihm: `So ihr von der Frucht dieses Baumes essen werdet, so werdet ihr sterben!` Und der Adam erschrak darüber sehr, so dass er keine Antwort geben konnte der geliebten Eva.

Und die Begierde stieg in der Eva empor und zog sie unter den Baum und hieß sie pflücken einen Apfel vom selben. Und es gewahrte nun der Adam, daß die Eva untreu wurde seinem Herzen, und er ward traurig und sprach:

`Eva, Eva, was tust du? Siehe, wir sind noch nicht gesegnet vom Herrn der Macht und der Kraft und des Lebens! Siehe, du hältst die Frucht des Todes in deiner Hand; wirf sie von dir, damit wir nicht sterben in der Nacktheit vor dem Herrn der Gerechtigkeit!`

Und siehe, da erschrak die Eva in ihrer Begierde vor dem Ernste des Adam und ließ die Frucht des Todes fallen auf die Erde. Und ihre Begierde verließ sie, und sie ward frei von ihrer Begierde, und der Adam fand ein großes Wohlgefallen an der Befreiung aus den Schlingen der todbringenden Begierde Evas.

Aber siehe, die von der Eva aus ihrem Herzen verbannte Begierde lag nun auf der Erde und formte sich durch die Macht des richtenden Grimmes der Gottheit zur Gestalt einer großen Schlange, nahm die Frucht des Todes in ihren Rachen, kroch auf den Baum und umschlang denselben in allen Ästen und Zweigen von der Wurzel bis zum Scheitel und richtete starre Blicke auf die Eva. Und die Eva gewahrte es und sah die Schlange an, und der Adam gewahrte es auch durch die Eva; aber er sah die Schlange noch nicht.

Und siehe, die Eva näherte sich der Schlange und betrachtete mit großer Lust ihre verführerischen Windungen um den Baum und die schillernden Farben ihres kalten Schuppenpanzers.

Die Schlange aber bewegte sich und legte den Apfel in den Schoß der nun sitzenden Eva, erhob dann ihren Kopf wieder und redete die Eva mit folgenden Worten an:

`Eva, siehe deine Tochter, verstoßen von dir, umwinden den Baum deiner Lust! Verschmähe nicht die geringe Gabe, die ich dir in deinen Schoß legte, sondern genieße unbesorgt die Frucht deiner Liebe; du wirst nicht nur nicht sterben, sondern wirst dich sättigen für die Erkenntnis alles Lebens über Gott, den du fürchtest, wo Er doch schwächer ist denn du!`

Und siehe, da teilte sich die Zunge der Schlange und wurde spitziger denn ein Pfeil, und die Schlange neigte ihren Kopf zu Evas Brust, als wollte sie dieselbe küssen nach kindlicher Art; aber sie stieß nun ihre zwei Giftpfeile in die Brüste Evas, und die Eva erblickte ihre eigene Gestalt in der Schlange.

Und nun bemerkte auch der Adam, was da vorging unter dem Baume, und es gefiel ihm überaus die zweite Eva, und er bemerkte nicht, dass es nur eine Schlange war. Und siehe, da entbrannte auch er in seiner Begierde, in der Lust zur zweiten Eva, nahm die Frucht aus dem Schoße der Eva, wurde ungetreu seiner Liebe und genoss von der verbotenen Frucht aus dem Schoße Evas mit wollüstiger Begierde; und in dem Genusse erkannte er sich als den Ersten, der verlorenging durch die große Eitelkeit seiner blinden Selbstsucht im Reiche des Lichtes der ewigen Liebe und gefallen ist ins Zornmeer der ewig unerbittlich tötenden Gottheit.

Und nun siehe, wie er sich so erkannte und die verblendete Eva sich durch ihn, da stieg große Reue in ihm aus dem Grunde seines Herzens empor, und die Eva schämte sich ihrer gewahrten Nacktheit und der Nacktheit Adams und ward bestürzt vom Scheitel bis zur Sohle und bedeckte ihre Nacktheit mit Blättern von einem Feigenbaume. Und auch der Adam reckte seine Hände nach den Blättern zur Bedeckung seiner Blößen und verbarg sich in eine Höhle und weinte da Tränen großen Schmerzes; und die Eva verbarg sich hinter einem Dornstrauche und trauerte gewaltig über ihre verführende Schuld.

Und siehe, da zog die ewige Liebe durch die Macht und Kraft Ihrer Erbarmung die Hand der Macht und die Hand der Kraft von Ihren Augen der alles erleuchtenden Gnade, und das Licht der Gnade drang wesenhaft in die Höhle, da Adam weinte, und hinter den Dornbusch, da die Eva trauerte.“ (HGt.01_007,07ff)


Zeugungsweisen

"...Es soll freilich wohl nicht also sein, wie es ist, - und doch muß es wieder also sein, weil alles andere noch so ist. - Dem Abraham ist ein rechter Nachkomme erweckt worden geistig ohne sinnlichen Beischlaf, desgleichen ward Johannes gezeugt, die Maria, und in der Urzeit geschahen solche Zeugungen häufig, und so manche Propheten wurden auf diese Art gezeugt. Diese Zeugung ist freilich die rechte und kommt noch jetzt nicht selten ohne Wissen der Eltern vor, aber diese Art ist des Himmels und taugt für die Welt nicht, die aber doch auch ob der möglichen Teilnahme an der Erlösung sein muss. Was bleibt da aber dann anderes übrig, als der Welt ihre sinnliche Zeugungsweise zu belassen, und sonach die alte Sünde nebst der völligen Erlösung fortbestehen zu lassen, auf dass jede gefangene Naturseele in das Reich der Gnade und Erbarmung den ungehinderten Weg habe so oder so!" (HiG.03_47.05.29,01ff)

Zum Thema geschlechtliche und geistige Zeugungsweisen siehe auch linke Randspalte unter "Naturwissenschaftliches (2)", Thema "Menschen auf anderen Sternen?"


5
Adam:Siehe, höre und verstehe! Als Kahin, mein allererstgeborener Sohn, aus großem Neide seinen Bruder Ahbel erschlug – zu welcher Tat ihn die arge Schlange, welche da ist der Satan oder Gefallene, in jegliches Menschen Fleische wohnend wie in aller Materie, verleitete –, da ward er von Gott gerichtet und hatte keine Ruhe bei Tag und Nacht. Die Erde wurde ihm zu klein und das weite Gewölbe des Firmaments zu nieder, also zwar, daß er kaum mehr mochte einen freien Atemzug machen.

Er seufzte und weinte gewaltig und ergrimmte über die Schlange so sehr, daß er ihr die ewige Feindschaft schwur.

Die Schlange aber suchte ihn darauf heim und war eifrigst bemüht, ihn wieder für sich zu gewinnen.

Kahin aber sah, daß er ein Meister der Schlange geworden war, darum sie ihm selbst in des Bruders Gestalt nicht zu konnte.

Da aber die Schlange dem Kahin schon lange abgelauert hatte, daß er ein großer Schwächling ist im Fleische, da nahm sie sofort die Gestalt eines überreizenden Weibes an und näherte sich also mit jungfräulicher Schüchternheit dem Schwachen, daß er unvermögend war, seinen Augen zu gebieten, daß sie sich nicht weideten an den lockendsten Formen ihres trüglichen Wesens.

Zu spät erst erkannte er es, welche Falle ihm da die Schlange bereitet hatte, daß er darob ihr mit eigenem Munde das noch jetzt in allen seinen Nachkommen sich forterhaltende Zeugnis gab, dem zufolge sie über alle seine Kinder, wie auch über die Kinder Gottes, mit der Zeit siegen werde.

Verstehest du nun schon, wo du dich nun im Geiste befindest?

Siehe, das ist die furchtbare Klippe, über der ihr alle gescheitert seid!

Ihr alle seid dem Zeugnisse zufolge Diener des Fleisches geworden, und wie das Fleisch den Kahin aus mir selbst berückt hatte, also hat es auch euch alle berückt.

Die Schlange hat eure Töchter geschmückt mit dem schönsten Fleische, und keiner kann diesem widerstehen; ihr habt daher die Vielweiberei eingeführt wider alle göttliche Ordnung, nach der doch nur ich als ein Mann und die Eva als ein Weib geworden sind durch die unendliche Liebekraft Dessen, der da noch unter uns weilt und dir soeben dreimal die Liebe anbefohlen hat darum, dass da soll alle Fleischliebe übergehen in das Leben der Seele, dann alles Leben der Seele in den Geist, und sonach alles vereinte Liebeleben aus dem Fleische sowohl als auch aus der Seele im Geiste – vom Geiste aus in Gott!

Wie könnet ihr aber solches tun an der Seite eurer Vielweiberei?!

So ihr aber in dieser Macht des Fleisches verbleibet, werdet ihr da nicht auch verbleiben in aller Lästerung tatsächlich, also, wie ihr wörtlich gekommen seid herauf auf diese geheiligten, reinen Höhen?!

Denn so die göttliche Ordnung dem Manne nur ein Weib gibt, damit sein Kampf ein einfacher sei und er desto leichter besiege den durch die Lüsternheit Kahins bedungenen Feind, – wie wollet ihr da je vollkommen siegen über diesen ärgsten Feind, so ihr euch also weidlichst in seine feisten Arme werfet?!

Daher entschlaget euch der Vielweiberei, und tretet zurück in die alte Ordnung Gottes, so werdet ihr erst vollkommen siegen können über den Tod, welcher da haust als eine allergiftigste Schlange in eurem Fleische als der alte Satan, der da nicht wollte zurückkehren in mir, sondern hat sich im Fleische getrennt von mir und lebt nun sich selbst in allem Fleische ein alter Fürst aller Lüge!“ (HGt.02_105,08)

6
„…Wie die Eva aus dem Adam hervorging, muß in jedes Mannes Weibe sie wieder völlig eins werden mit ihm, und er in sich eins durch die Wiedervereinigung mit dem Weibe.

Steht er nun also wieder da als ein Mensch vor Mir, dann erst kann er mit Mir wieder völlig eins werden; aber solange er noch getrennt ist, ist er auch für bleibend der höchsten Liebe aus Mir und wieder zu Mir nicht fähig.

Es hat aber ja schon eure Weisheit gelehrt, daß da ohne den Gegensatz kein Ding möglich ist; siehe, solches ist richtig!

Das Weib aber ist dem Manne gegeben worden zum Gegensatze; wenn demnach der Mann zuvor nicht eins wird mit seinem Gegensatze, da kann er ja auch in sich selbst Mir gegenüber nicht zum Gegensatze werden.

Solange er aber das nicht wird, so lange auch ist er Mir völlig gleichsätzig; ist er aber das, so ist er nicht aufnahmefähig, sondern, Mir gleich, sich stets nur mitteilend.

Darin aber liegt ja der große Unterschied zwischen Vater und Kind, dass der Vater austeilt, die Kinder aber empfangen und eben dadurch eins sind mit dem Vater, dass sie Ihm sind zum Gegensatze.

Wenn aber die Kinder nichts annehmen wollten, sondern sich nur stellten mit dem Vater in eine Linie, um gleich Ihm nur auszuteilen, sage Mir: Wer wird denn da den aufnehmenden Gegensatz bilden?

Wenn aber dieser mangelt, was wird da mit der Zeit aus den Kindern werden? Ich sage dir, sie würden sich vergeben bis auf den letzten Tropfen ihres Seins, und der Vater müsste da Seine Mitteilung für immer aufheben und dadurch in Sich Selbst den Gegensatz bilden, damit Er bleibe, was Er war in Sich von Ewigkeit her; ein Sich Selbst vollkommen genügender, ewiger, mächtiger Gott!

Du stehst aber jetzt mit Mir auf einer und derselben Linie und bist Mir noch kein Gegensatz, sondern ein Gleichsatz; daher ist dir ein Weib nötig, damit du Mir ein vollkommener Gegensatz wirst und Ich dir dadurch vollkommen ein Vater.“ (HGt.02_088,05ff)

7
O du holdeste, liebste, herrliche Perle Meiner Liebe und Erbarmung, wahrlich, dein jugendlich Herz hat mehr Liebe und Leben in sich denn die ganze Erde! Was dir nun widerfahren, solches hat noch kein allerreinster und weisester Engel erfahren!

Ich will dich segnen für alle Zeit! Siehe, du herrliche Ghemela, wie Ich, dein Schöpfer, dein ewiger, heiliger Vater, dich jetzt trage auf Meinem Herzen, welches ist das ewige Fundament alles Lebens und alles Seins der ganzen Unendlichkeit, also soll dereinst eine dir völlig ähnliche Tochter aus deinem Blute (Maria) – höre! – Mich Selbst, Mich, den ewigen, unendlichen Gott, das ewige Leben, den allmächtigen Schöpfer aller Kreatur vom Atome bis zum allerhöchsten Engelsgeiste, Mich, den alleinigen Herrn aller Macht und Kraft, unter ihrem Herzen tragen!

Dir aber werde Ich gar bald einen Sohn geben durch Meinen Lamech; diesen wirst du Noah nennen, und er wird ein Retter deines Volkes werden.

Wie aber solches geschehen wird und wann, das wird dein künftiger Sohn zur rechten Zeit unmittelbar, wie du jetzt diese Verheißung Meiner Erbarmung, von Mir empfangen. Beachte dieses wohl, und du wirst dann auch bald erfassen und hinreichend begreifen, was das Leben ist, und wie sich jeder Mensch desselben bewußt wird und dann im Leben frei tun kann, was er will!“ (HGt.01_185,16ff)

8
Zufolge dieser Beheissung trat aus den Morgenkindern ein junger Mann von etlichen fünfzig Jahren hin zum Herrn voll Mut und Eifer und fragte den Herrn: `Allmächtiger Schöpfer, Gott, unser aller überheiliger Vater! Darf auch ich, ein bestaubter Wurm vor Dir, mich erkühnen, in aller Demut meines Herzens an Dich nur bittweise eine mir wenigstens überwichtig vorkommende Frage zu stellen?`

Und der Herr sprach: `Muthael, Ich sage dir, rede!
Denn Ich sehe, dass du eine gute Frage in deinem Herzen birgst.`

Der Muthael dankte dem Herrn allerinbrünstigst für diese allergnädigste Erlaubnis und kam dann mit folgender denkwürdigen Frage zum Vorschein, welche da also lautete:

`O Herr, Gott, Du liebevollster, heiligster Vater! Siehe, ich bin über fünfzig Jahre schon und weiß, dass schon gar manche, um etliche Jahre jünger denn ich, sich Weiber genommen haben; allein mir war es bis jetzt noch nicht gegeben, mich zu nahen einem weiblichen Geschöpfe.

Denn sah ich ihr mir weich und reizend vorkommendes Fleisch an, da kamen mir die meisten Weiber sehr sanft, zartfühlend und somit auch überaus anlockend vor, und ich bekam dann auch allzeit eine große Sehnsucht nach einem Weibe; aber wenn ich mich dann, von solch einem innern Drange genötigt, einer oder der andern Maid näherte, um mit ihr aus der Tiefe meines Herzens die sanftesten Liebesworte zu tauschen, da entsetzte ich mich aber bis jetzt noch allzeit, da ich nirgends fand, was ich zu finden wähnte.

Ich dachte mir oftmals dabei: Aber wie ist doch solch ein Widerspruch in diesen zarten Wesen denkbar? Äußerlich furcht und wellt ein leiser Abendhauch schon über ihr zartestes Fleisch, – und ihr Inneres ist unempfänglich für einen Geistessturm sogar, und männliche Orkane von Weisheit können nicht rühren ihr Herz, wohl aber männliche Weiberschwächen, als da sind die Fleischliebe, läppisches Weiberlob, vielverheißende männlich-sinnliche Befriedigung und dann eine förmliche Anbetung ihres Fleisches und dergleichen mehr.

Siehe, bei solchen Erscheinungen habe ich denn auch einen förmlichen Widerwillen gegen alles Weibervolk bekommen, und es ekelt mich vor ihnen allzeit so sehr, dass ich mich darum keiner mehr nahen kann!

O Herr, Gott und Vater, ist das aber auch recht von mir? Habe ich dadurch nicht gesündigt vor Dir? Und was ist der Grund solcher Erscheinung in Mir? – Was ist denn das Weib, dieses von außen lebendige, aber von innen tote Wesen?`

Hier wandte Sich der Herr zu ihm und sprach: `Höre, Mein geliebter Sohn Muthael, – deine Erscheinung ist gewichtiger, als du glaubst!

Der erste Grund solcher Erscheinung liegt darinnen, daß du von oben her bist; das Weib aber ist von unten her.

Du bist erfüllt mit dem, was des lebendigen Liebegeistes aus Mir ist, das Weib aber ist erfüllt mit dem, was da ist des Geistes der Welt.

Darum auch bist du weich und zart von innen, während das Weib es nur von außen ist.

Du bist ein Grundgeschöpf aus Meiner Tiefe, – das Weib aber nur ein Nachgeschöpf, eine Zusammenfassung Meiner Ausstrahlung.

Du bist gemacht aus dem Kerne der Sonne, – das Weib nur aus den flüchtigen Strahlen der Sonne.

In dir ist volle Wahrheit, – im Weibe nur der Wahrheit Schein.

Du bist ein Sein aus Mir, – das Weib ein Schein nur aus Mir.

Siehe, das sind die Hauptgründe deiner Erscheinung!

Die Frage aber, ob du dich dadurch vor Mir versündigt hast, ist eitel. Denn nur dann kannst du dich vor Mir versündigen, wenn du von Mir ein Gebot hast, etwas zu tun oder nicht zu tun; ohne das ist keine Sünde denkbar, da du ohne Gebote in Meiner Richtung handelst.

Nun aber sage Ich dir, daß Ich auch das weibliche Geschlecht zu Meinen Kindern angenommen habe, und es hat in der Purista ein Vorbild, also ein Gebot von Mir, wie es sein soll.

Zwei haben sich in ihren Herzen ihr fest angeschlossen, die Ghemela und die Mira.

Wenn aber das Weib ist denen gleich, dann trägt sie auch Mein Bild in sich; und so du dich einem solchen nahen wirst in der Erhabenheit deines Herzens, da wirst du auf keinen Stein mehr stoßen.

Da du aber des reinsten Herzens aus dem Morgen bist, so will Ich dir in der Kürze auch das reinste Weib geben, das dir sicher in allem entsprechen wird; bis dahin aber verbleibe nur, wie du bist gewesen bis jetzt! Amen.“

Hier ward dem Muthael helle vor den Augen, und er sah in die Tiefe und lobte und pries den Herrn in seinem reinen Herzen.

Der Herr aber berief auch andere zu sich und hieß sie Ihn fragen um alles, was sie irgend nur bedunkele in ihren Herzen.

Es hatte aber – mit Ausnahme des Henoch, Lamech und Kisehel – diese Antwort des Herrn an den Muthael alle ganz gewaltig stutzen gemacht; sie wußten sich darüber nicht zu raten und zu helfen und waren demnach außerordentlich bedrängt in ihren Herzen, indem alle die Väter damals zu ihrer großen Herzensehre ihre Weiber überaus lieb hatten und sie für die größten Geschenke aus den Himmeln hielten, und gar viele hielten die guten und braven Weiber auch für höher und Mir ums bedeutende näher gestellt als sich selbst, und das zwar aus dem sehr leicht begreiflichen Grunde, weil damals die Jungfrauen, wie die Weiber, gar züchtig, sanft, duldsam, ergeben, gehorsam, friedlich, häuslich, dabei aber auch urständlich von bedeutend größerer weiblicher Anmut und Schönheit waren denn in dieser jetzigen, geistig wie leiblich gänzlich verdorbenen Zeit.

Daher also befremdete diese Antwort gar so sehr alle die Väter überaus tief, und sie wandten sich daher alle zu Mir und sprachen in ihren Herzen:

`O Herr, Du allerliebevollster Vater! Gib uns allen zu unserer Beruhigung über Deine erhabenste Antwort an den Muthael ein größeres Licht; denn in dem Lichte über unsere sittlichsten, besten Weiber können wir nicht glücklich, sondern nur unglücklich sein, da sie nach Dir doch unser allergrößtes Gut sind und wir Dir für dieses ewig nie genug werden danken können.

Wenn der etwas schroff-weise Muthael sie bisher noch nie hat schätzen gelernt, so erleidet dabei die alte herrlich-gute Ordnung, aus Dir, o Vater, in unser Herz gelegt, doch sicher noch keinen Stoß! Im Gegenteile stellt sich dadurch eben der echt weibliche Sinn in den Weibern in unserm Gesichtskreise ja nur um so vorteilhafter und lobenswürdiger hervor, indem eben durch solch ein festes Halten der Weiber an ihrer Tugend der Mann zuvor gedemütigt werden muss, bevor er einer solchen Gnadengabe von Dir aus, o lieber Vater, würdig sein soll!

Wenn der Mann im Weibe eine Härte findet, so ist das sicher nur die seinige; hat er diese gesänftet, so wird er sicher nur das herrlichste Gegenteil im Weibe finden!

O lieber Vater, lass daher unsere lieben Weiber samt uns von oben sein – und nicht von unten!`

Und der Herr öffnete Seinen Mund und sprach zu den Vätern: `Ihr redet wie völlig Blinde noch in Meiner Ordnung!

So ihr nicht wisset, was im Geiste ,oben‘ und was ,unten‘ besagt, warum fraget ihr denn nicht danach, sondern verlanget dafür von Mir da ein Licht nur, wo ihr keines bedürfet, und dass Ich eures törichten Wunsches halber Meine ganze ewige Ordnung verkehren solle?!

Saget Mir: Verliert denn dadurch vor Mir das Weib etwas, so Ich von ihr gegenüber dem Manne aussage, daß sie von unten sei und also gegen den Mann den notwendigsten Gegenpol ausmacht, ohne den weder der Mann für sich, noch das Weib für sich bestehen könnte?!

Was werdet ihr denn aber sagen, so Ich nun zu euch sage: Ihr seid Mir gegenüber alle von unten her, und nur Ich allein bin von oben!

Höre Ich aber darum nun etwa auf, euer Schöpfer und alleiniger, ewig heiliger Vater zu sein?! Oder habe Ich nicht dich, Adam, aus der Erde Lehm, wie dein Weib, die Eva, aus deiner Rippe erschaffen?!

Da ihr aber alle wisset, daß der ,Lehm‘ meine Liebe und die ,Rippe‘ meine Gnade und Erbarmung bezeichnen, da Meine Gnade und Erbarmung eben also euer Leben einschließt, wie da einschließt und verwahrt des Leibes Leben dessen festes Gerippe, so müsset ihr euch ja doch selbst als überblind erkennen, wenn ihr da einen untröstlichen Unterschied findet, wo ihr einen nur übertröstlichen finden sollet!

Saget Mir, was wohl lobenswerter ist: die leuchtende Sonne selbst, oder ihr ausgehendes Licht? Was haltet ihr für höher da?

Ihr saget in euch: ,O Herr, da ist ja das eine so notwendig und gut wie das andere!‘

Gut, sage Ich; so die Sonne als die gesetzte Höhe in sich zu betrachten ist, was ist aber da mit ihrem ausgehenden Lichte für ein Standverhältnis dann?

Ihr saget: ,Das muss dann ja notwendig allenthalben unter der Sonne sein!‘

Gut, sage Ich; so aber die Sonne an und für sich keinen höheren Wert hat denn ihr ausgehendes Licht, indem doch die Sonne ohne das ausgehende Licht so gut wie gar keine Sonne wäre und auch gar keinen Wert hätte, so wird das ja dem Weibe doch sicher auch nichts schaden und seinen Wert nicht im geringsten beeinträchtigen, wenn es dem Manne gegenüber notwendigerweise unten steht.

Ich aber sage: Wenn das Weib ist, wie es sein soll, so hat es vor Mir den Wert des gerechten Mannes und ist ebensogut ein liebes Kindlein von Mir als der Mann; verirrt sich aber das Weib, so werde Ich es so gut suchen wie den Mann.

Ein arges Weib aber ist ebensogut arg, als wie arg da ist der Mann; denn der Strahl aus der Sonne ist wie die Sonne selbst.

Es wird aber eine Zeit kommen, da Ich den Strahl sammeln werde im Weibe (Maria), um die erloschene Sonne im Manne zu erleuchten!

Verstehet solches, und lasset einmal ab von eurer alten Torheit! Liebet eure Weiber gerecht, aber machet aus ihnen nicht mehr oder weniger, als sie von Mir aus sind! Es ist genug, so ihr sie euch gleich achtet; darüber wie darunter soll eine Sünde sein!“ (HGt.03_029,01)

9
Von der Heiligkeit der Ehe

Sagt Er zu ihnen: Moses hat euch eurer Herzenshärtigkeit wegen gestattet, eure Weiber zu entlassen; von Anfang aber ist es nicht so gewesen. Ich sage euch aber: Wer seine Frau entläßt, es sei denn wegen Unzucht, und eine andere heiratet, bricht die Ehe. –

Sagen zu Ihm die Jünger: Wenn das Recht zwischen Mann und Frau so ist, dann ist es nicht gut heiraten. –

Er aber sagte zu ihnen: Nicht alle fassen dieses Wort, sondern die, welchen es gegeben ist. Denn es gibt Verschnittene, die so geboren sind vom Mutterleib her, und gibt Verschnittene, die von den Menschen verschnitten wurden, und gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Reichs der Himmel willen. Wer es zu fassen vermag, fasse es. (Matth.19,8-12)

In dieser Stelle des Evangeliums wird hauptsächlich der Ehebruch angezogen und was alles als ein Ehebruch angesehen werden kann, wenn die Gesetze der Ehe vorher entschieden und hinreichend bekanntgegeben sind; denn ohne eine solche Entscheidung und Bekanntmachung der Ehegesetze hört natürlich auch der Ehebruch auf, als eine bare Sünde zu gelten.

Wer für die Ehe völlig untauglich ist aus einem oder dem andern Grunde, der da im Matthäus Kap.19, Vers 12, angeführt ist, der kann auch keinen Ehebruch begehen, indem er völlig zeugungsunfähig ist. Wer immer aber zeugungsfähig ist, ob ledigen Standes oder ob verehelicht, kann ein Ehebrecher werden, so er ein Weib beschläft, das da verehelicht ist, ob sie mit dem Manne lebt oder vom selben durch einen Scheidebrief getrennt ist.

Dasselbe ist auch von einer ledigen oder verehelichten Weibsperson der Fall, wenn sie mit einem verehelichten Manne eine Sache hat, der schon ein Weib hat – außer das Weib wäre entschieden unfruchtbar. In diesem Falle kann der Mann auch eine oder mehrere Mägde mit der Einwilligung des rechtmäßigen Weibes beschlafen, um sich aus ihnen Kinder zu zeugen. Aber ohne Einwilligung des rechtmäßigen Weibes begeht er ebenfalls den Ehebruch, so wie jede Dirne, die sich wider den Willen des rechtmäßigen Weibes dem Manne hingibt.

Das Weib aber bricht allezeit die Ehe, so sie mit einem andern eine Sache macht – es müsste nur sein, daß der Mann erweislichermaßen die im Evangelium angezeigten Gebrechen hätte und das Weib hätte vor der Ehe nichts davon gewusst, oder der Mann hätte sich, als er schon verehelicht war, ohne Wissen des Weibes selbst verschnitten oder verschneiden lassen. Wenn aber das jemand an dem Manne gewaltsam verübt hätte aus was immer für argem Grunde, so wird das Weib zur Ehebrecherin, so sie sich ohne Wissen, Willen und Verlangen des unglücklich gemachten Mannes hätte von jemandem beschlafen lassen. Wenn aber der Mann solches will und verlangt, so begeht das Weib auch keinen Ehebruch, so sie sich von einem Ledigen oder einem reinen Witwer beschlafen lässt; ließe sie sich aber von einem Verehelichten beschlafen, dann würde sie auch die Ehe brechen mit dem, von dem sie sich beschlafen ließe.

Ließe sich aber ein Weib bloß der Wollust wegen beschlafen, sei es von wem immer, dann begeht sie neben dem Ehebruche auch die Sünde der Hurerei und der völligen Unzucht, wodurch sie sich dann eine dreifache Strafe an den Hals zieht, und sie wäre nach Moses mit dem Feuer zu bestrafen.

So aber ein Lediger mit einer Ledigen Unzucht treibt, und es vermeiden beide die Zeugung, dann begehen beide das Verbrechen des Kindesmordes und sollen danach bestraft werden. Möchten aber beide einen Nachkommen zeugen, da soll dem ledigen Manne die Dreiviertelverpflegung des Kindes zufallen nebst der Verpflichtung, das Mädchen ehestmöglich zu ehelichen oder wenigstens alle Sorge zu tragen, dass das Mädchen an seiner Stelle einen Mann bekommt – und er soll nicht ehelichen, bis das Mädchen verehelicht ist; läßt er aber das Mädchen im Stiche und ehelicht eine andere, so wird er einst als ein Ehebrecher gezüchtigt werden in der Hölle!

So ein Lediger oder ein Witwer aber einem Mädchen die Liebe zusagt unter eidlichen Beteuerungen und das Mädchen hat es angenommen, er aber heiratet dennoch eine andere, so begeht er auch ein Ehebruch – außer das Mädchen hätte ihn verlassen, in welchem Falle aber dann sie sich des Ehebruchs schuldig macht, so sie ihm ihre Liebe entgegen beteuert hatte.

Solche aber, die im sogenannten freien Zöllibate leben und nicht verschnitten sind, aber dennoch Weiber und Mädchen beschlafen, diese sind allezeit die gröbsten Ehebrecher, indem sie allezeit ihr freies Gelübde brechen. Denn jede Brechung eines Gelübdes ist ein Ehebruch, außer das Gelübde wäre ein erzwungenes oder ein im Rausche gemachtes, das niemand zu halten schuldig ist, außer er habe sich nachträglich dazu bekannt oder weltliche Gesetze verlangen es wegen des allgemeinen Wohles.

So aber irgend Verschnittene geilen möchten, da sollen sie mit Ruten gezüchtigt werden, indem sie wohl sehen sollen, dass da in ihnen keine Zeugungskraft mehr vorhanden ist.

`Aber`, wird jemand sagen, `da sieht für den gesunden Verstand nirgends ein haltbarer Grund heraus, warum die Menschheit gerade in diesem Punkte gar so sehr eingeschränkt sein soll wider alle Anforderungen der Natur! Fürs Pissen und Kotlassen gibt es kein Gesetz, und das sind doch auch häßliche Verrichtungen, die die Natur verlangt! Gerade für diesen Akt nur, den ebendieselbe Natur verlangt, gibt es Regeln und Gesetze, daß man darob zu einem Narren werden möchte!`

Ich aber sage darauf: Eben in diesem Punkte kommt es darauf an, worauf das Evangelium mit den Worten hindeutet: Wer es fassen mag, der fasse es!

Ist denn nicht der Mensch der Kulminationspunkt aller Schöpfung?! – So er aber das doch unleugbar ist, kann da seine Zeugung ein gleichgültiger Akt sein?!

Die Zeugung der Tiere ist eine gerichtete und kann darum nicht anders als in der strengsten Ordnung verrichtet werden.

Die Zeugung des Menschen aber ist eine freie; durch sie soll schon der erste freie Same in den Embryo gelegt werden, aus dem wieder ein freier Mensch hervorgehen soll. Wie soll aber dieser heilige Zweck erreicht werden, so mit diesem allerersten und allerwichtigsten Akte, bei dem es sich um das Allerhöchste handelt, die barste Schindluderei zu treiben gestattet wäre?!

Durch Pissen und Kotlassen wird nichts erzeugt; aber bei dem Akte der Zeugung handelt es sich um die Werdung des Kulminationspunktes der ganzen Schöpfung!

Es handelt sich um das Wunder aller Wunder; um einen freien Menschen handelt es sich, der berufen ist, für ewig als ein Gott mit Gott zu leben und zu verrichten Gottes Taten!

Solch ein Akt, solch ein großer Akt sollte unter gar keiner Regel, in gar keiner Ordnung ausgeübt werden?! –

O du kurzsichtiger Menschenverstand, der du dich gesund nennst und bist dennoch über und über voll Beulen und Geschwüren.

Die Ehe ist ja eben die erste Ordnung, in der die Menschheit gezeugt werden muss, so sie je in eine höhere Ordnung eingangsfähig werden soll! Die Ehe ist eine freie Einung zweier Herzen, zweier Seelen, zweier Geister, aus welcher einst die große Einung in Mir und mit Mir Selbst hervorgehen soll als ein Endzweck alles Seins.

Wie und wann aber sollte das erreicht werden, wenn dazu nicht der erste Same durch eine wohlgeordnete, rechte Ehe und durch die durch sie bedingte geordnete Zeugung gelegt werden soll?!

Also fasse es, wer es fassen kann! –

Durch Unzucht, Geilerei und Hurerei des Fleisches, also durch Ehebruch aller Art, kann für Gott keine Frucht gezeugt werden! – Darum ist derlei Sünde über Sünde! Denn Ich, Gott der Herr, bin die allerhöchste und vollkommenste Ordnung und kann daher nicht zugeben, daß der Mensch, als der Schluß all Meiner Schöpfung, gleich den Fröschen in stinkenden Pfützen gezeugt werden soll!

Das fasse, wer es fassen kann! Amen.“ (HiG.02_47.06.10)

10
Das Kindlein (Jesus) aber richtete Sich sogleich auf und sprach: `Ich bin nicht ein Herr dessen, was der Welt ist; daher seid ihr von Mir aus in allem Weltlichen frei.

Habt ihr aber wahre Liebe in euren Herzen zueinander gefasst, da sollet ihr dieselbe nicht brechen!

Denn es gibt bei Mir kein anderes Gesetz für die Ehe, als welches da mit glühender Schrift geschrieben steht in euren Herzen!

Habt ihr euch aber schon beim ersten Anblick laut dieses lebendigen Gesetzes erkannt und verbunden, da sollet ihr euch auch nicht mehr trennen, so ihr nicht sündigen wollet vor Mir!

Ich halte aber kein weltlich Eheband für gültig, sondern allein das des Herzens; wer dieses bricht, der ist ein wahrhaftiger Ehebrecher vor Mir!“ (JJ.01_102,11ff)

11
Das Haupt des Mannes, des Weibes und Christi

„`Ihr sollt aber wissen: Jeglichen Mannes Haupt ist Christus; das Haupt des Weibes ist der Mann; das Haupt Christi ist Gott.` (1.Kor.11,3)

Dieser Text ist ein ganz natürlich-leicht zu fassender, wie sobald kein anderer. – Nur muss man hier wohl wissen, wer und was da ein `Mann` ist.

Der `Mann` ist die Polarität des Göttlichen, das da ist das Allerhöchste, nämlich der Kulminationspunkt des Gotteslichtes.

Dieses Gotteslicht aber ist Christus, der da in die Welt kam als ein Licht, das erleuchtete die Finsternis der Welt (d.h. der Weltmenschen). – Wie aber da ist Christus ein Licht des Lichtes, also ist auch das Haupt das Licht des Menschen und ist dessen oberste, also positive Polarität.

Ein Haupt aber, das da blind ist und taub und stumm, ist für des Menschen Leib kein Licht, also auch keine oberste positive Polarität. –

Ebenso steht es auch mit der christlichen Männlichkeit! –

Ein Mensch ist erst dann ein `Mann`, wenn er im Lichte Christi ein Mann oder wenn Christus des Menschen eigentliche positive Polarität ist – ohne welches Licht kein männlicher Mensch ein eigentlicher Mann, sondern nur eine schale Gestalt ist.

So aber Christus des rechten Mannes Licht ist, so ist er auch desselben `Haupt` (weil das Haupt das Licht des Menschen ist). –

Ich meine, das dürfte wohl mit den Händen zu greifen sein!

Und dass hernach der in Christo erleuchtete Mann ebenso des Weibes Haupt oder Licht ist, wie da Christus ist das Haupt und Licht des Mannes, das gibt schon die Natur der Dinge, da der Mann an und für sich der positive Pol, also der Lichtpol des Weibes ist.

Daß aber Gott das Haupt Christi ist, das scheint freilich etwas sonderlicher zu klingen, ist aber dennoch ein und dasselbe Verhältnis.

Denn `Gott` oder die `Liebe` ist in Sich das Urfeuer und das Urlicht und ist alsonach auch das eigentliche Feuer und Licht in dem Gottmenschen Christus Jesus. Durch dieses Lichtes endlose Fülle wohnt die `Fülle der Gottheit` in Ihm, Christus, körperlich, d.h. wirklich, und nicht nur durch die Überstrahlung, wie etwa die Sonne in einem Spiegel. Denn in Christus ist die (Gottheits-)Sonne Selbst und nicht etwa bloß ihr Abbild!

Wie aber die naturmäßige Sonne ist das Haupt oder das Licht oder der positive Pol aller anderen Weltkörper, also ist die Gottheit als das wesenhafte Grundlicht alles Lichtes, als das Grundsein alles Seins auch das Haupt Christi, der da ist der eigentliche vollkommenste Gottmensch und somit Gott in aller endlosen Fülle dieses allerhöchsten Begriffes!

Christus aber wäre ohne Gott nicht Christus, und Gott ohne Christus nicht Gott – gleichwie der Mensch ohne Haupt kein Mensch wäre, und das Haupt ohne Mensch ein Unding!

Und so ist auch der Mensch oder Mann ohne Christus kein Mensch und kein Mann. Und Christus ohne den Menschen – wer sollte Den denken können?! Wäre wohl das Weib ohne Mann ein Weib? Sicher nicht! Denn wo nichts Positives da ist, da kann auch kein Negatives gedacht werden. Und wo das Negative fehlt, da kann auch das Positive niemals sich äußernd auftreten. Gleich wie, wenn einem Menschen das Haupt abgeschlagen wird, dann weder das eine noch das andere für sich fortleben kann, obschon beide ganz eigene Lebensfunktionen für sich besitzen – desgleichen kann auch kein Mensch, so er sich von Mir in seinem Herzen getrennt hat, ein Leben haben.

Ich meine, dieser Text dürfte euch nun wohl klar und einleuchtend sein. Beachtet ihn aber nun auch nach dieser seiner Klarheit! Amen.“ (HiG.02_47.12.21ff)

12
Ist es denn nicht schon etwas Altes, dass das in allem bei weitem schwächere Weib nichts sehnlicher will und wünscht, als gerade das, dem sie am wenigsten gewachsen ist, und das ist Herrschen und Regieren.

Wenn Männer irgendein Amt bekleiden und nehmen oder haben schon Weiber, so ist es allezeit nur zu sicher der Fall, dass das Weib am Ende mehr regiert, denn der eigentlich zur Regierung berufene Mann.

Damit sie ihre Pläne durchsetzen, gebrauchen sie zu dem Behufe die ganze Fülle der weiblichen List; und es gehört außerordentlich viel Festigkeit von seiten des Mannes dazu, so er nicht von seiner „Eva“ übertölpelt werden will.

Ihr fraget wieder: Ja, worin liegt denn aber der Grund, dass das Weib durch seine List gewöhnlich den Sieg davonträgt? Ich sage euch: Der Grund ist ganz natürlich und daher auch sehr leicht begreiflich. Wenn ihr bedenket, daß das Weib so ganz eigentlich die Wurzel des Mannes ist, so wird euch dadurch alles andere leicht erklärbar werden.

Der Stamm eines Baumes steht zwar mit seinen Ästen unter dem Lichte des Himmels und schlürft eine ätherische Kost aus den Strahlen der Sonne und niemand merkt, dass er dessen ungeachtet zuallermeist von der Wurzel seine Hauptnahrung bekommt. Wenn nun die Wurzeln sich gegen den Baum verschwören möchten und zufolge dieser Verschwörung sich von ihm lossagen, was würde da wohl gar bald mit dem Baume werden? Er würde verdorren und endlich keine Früchte mehr tragen.

Nun sehet, solches weiß das Weib in seinem Gemüte und empfindet es genau, welch ein Bedürfnis sie dem Manne ist. Wenn sie aber eine schlechte Bildung hat und daher ein verdorbenes Gemüt, so tut sie dasselbe, was da nicht selten die Wurzeln eines Baumes tun, nämlich sie schlagen aus der Erde neue Triebe empor, nähren dieselben, und dem Baume wird dadurch die ihm gebührende Nahrung entzogen. Es wird aus solchen Wurzelausschlägen wohl nie ein kräftiger und Früchte tragender Baum, aber dafür ein dem Baume ähnliches Gesträuch. Wenn der Baum nicht kräftig mit der höheren Kost des Himmels solchem Unfuge der Wurzel dadurch entgegenarbeitet, dass er seine Äste und Zweige mächtig ausbreitet und die argen Wurzeltriebe mit seinem starken Schatten abwelken macht und endlich bei einer günstigen Jahreszeit, etwa durch Beihilfe des Winters, erstickt, so ist er offenbar dadurch in großem Nachteil für seine eigene Existenz und für seinen Wirkungskreis.

Also geht es auch dem Manne, der da hat ein herrschsüchtiges und somit in allem imponieren wollendes Weib. Wenn er ihr nicht vollkräftig mit seiner Männlichkeit entgegenzuwirken vermag, wird das Weib ihn bald ganz umzingelt haben mit den Afteraustrieben, und er wird schwächer und schwächer werden, am Ende abdorren und alle seine Kraft in den männlich sein wollenden Wurzelauswüchsen des Weibes unbesiegbar erschauen. Und das ist der weibliche Herrsch- und Regierungstrieb.

Ein anderes Beispiel bieten euch die Kinder, die in ihrer Schwäche nicht selten stärker sind denn ein allergrößter Held, vor dem Tausende und Tausende zittern. Nehmen wir an, der Held ist ein Vater und hat ein kleines Kind, das noch kaum verständig zu lallen imstande ist. Es dürften Tausende zu diesem Helden kommen, um ihn von einer Idee abzuhalten, so würden sie sicher nichts ausrichten. Dieses Kind aber darf ihn nur ansehen, anlächeln und dann zu ihm sagen: Vater, bleib bei mir, geh diesmal nicht aus, denn ich fürchte mich gar sehr, dass du unglücklich wirst; und der Held wird weich und folgt seinem Kinde.

Von diesem Beispiele wenden wir uns wieder an die Weiber. Der Mann, wie ihr wisst, ändert schon in seinen Jünglingsjahren die Stimme des Kindes und bricht dieselbe in einen männlichen Kraftton; das Weib behält die Skala des Kindes bei. Sehet, wie das Weib diese Skala beibehält, so behält es auch fortwährend in einem gewissen Grade mehr oder weniger sämtliches kindliche Wesen in sich. Zufolge dieses Vermögens besitzt es dann auch die kindliche Macht, welche, wie schon gesagt, nicht selten größer ist denn die Willensmacht eines noch so großen, weltbezwingenden Feldherrn.

Zufolge dieses Vermögens aber kann dann das Weib ja eben auch von der Wurzel aus auf den Mann wirken. Sieht sie, dass mit dem Manne auf dem Wege der gewöhnlichen `weiblichen Politik` nichts auszurichten ist, so ergreift das Weib gar bald die ihr eigentümliche schwach scheinende Kindlichkeit, mit welcher sie dann auch zuallermeist den Sieg über den kräftigen Mann davonträgt.

Ich meine, aus diesem Beispiele wird euch die Sache noch klarer, und ihr werdet daraus mit der leichtesten Mühe von der Welt entnehmen können, aus welchem Grunde dieser Gesellschaft auch weibliche Wesen einverleibt sind. Solches aber müsstet ihr noch wissen, dass das Weib in der geistigen Welt einem Manne so lange anhangen bleibt, solange der Mann sich nicht völlig gereinigt hat von all seinen Schlacken der Welt.

Es würde so mancher Mann eher, ja um gar vieles eher zur geistigen Reinheit gelangen, wenn ihn sein allzeit unter gleichen Verhältnissen sinnlicheres Weib nicht daran hindern würde. Also ginge es auch unserer Gesellschaft männlicherseits schon lange um vieles besser, wenn sie nicht mit Weibern unterspickt wäre.

Sooft irgendein Mann einen bessern Entschluss fasst und will in seinem Gemüte einen besseren Weg einschlagen, so weiß ihn das Weib infolge der ihr innewohnenden Herrschsucht allzeit davon abzuhalten und ihm einen anderen Weg zu zeigen. Mit anderen Worten gesagt: ein Mann, der ein solches Weib besitzt, wird in der geistigen Welt noch um vieles schwerer los von ihr denn auf der Welt. Will er sich auch von ihr entfernen, so weiß sie ihn wieder durch ihr Bitten und durch allerlei kindlich-schwach geartete Vorstellungen zu bewegen, dass er wieder bei ihr verbleibt und ihr alle erdenklichen Versicherungen gibt, dass er sie ewig nie verlassen wolle.

Ja, es ist gar oft der Fall, dass Männer von gutem Herzen an diesem Orte mit Weibern anlangen, welche sich an und für sich offenbar für die Hölle ganz reif gemacht haben. Solche Weiber sind die gefährlichsten und zugleich auch die hartnäckigsten; denn ihr Herz hängt an dem, was der Hölle angehört, dessen ungeachtet aber dennoch auch aus verschiedenen gewinn- und herrschsüchtigen Rücksichten an ihrem Manne.

Da aber ihr Sinn offenbar zur Hölle zieht und der bessere Mann nicht eine hinreichende Kraft besitzt, sich von ihr zu trennen und sich somit der scheinbaren Schwäche seines Weibes hingibt, so zieht ihn nach und nach das Weib über die Grenzen dieses Gebietes über den euch schon bekannten Strom mit sich, wie ihr zu sagen pflegt, auf die allerunschuldigste Art in die Hölle. Es braucht da selbst für die kräftigsten Engel eine überaus große Geduld und mühevolle Arbeit, solch einen Mann seinem höllischen Weibe zu entwinden. Nach eurer Zeitrechnung dürfte eine solche Arbeit nicht selten mehrere hundert Jahre betragen; und sehet, auch in dieser Gesellschaft sind einige solche Weiber vorhanden.

Ihr saget freilich wohl: Aber hier könnte ja doch der Herr einschreiten und einen gewaltigen Strich durch die Rechnung solcher Weiber machen. –

Eine solche Intervention lässt sich freilich wohl hören, solange jemand mit den höheren Wegen der göttlichen Ordnung nicht bekannt ist; wer aber diese kennt, der weiß es auch nur zu gut, dass solches unter der Bedingnis der Erhaltung des Lebens des Geistes so gut wie rein unmöglich ist.

Solches müsst ihr wissen, daß die Liebe des Menschen sein Leben ist, und dieses trägt er in sich. Wodurch aber hat ein Mann einem Weibe über sich den Sieg eingeräumt? Dadurch, dass er sie zu sehr in seine Liebe aufgenommen hat. Nun sollte sich aber dann der Mann prüfen und die Liebe zu seinem Weibe und die Liebe zum Herrn auf eine überaus fühlbare Waage legen und diese beiden Liebarten dann mit der ängstlichsten Sorgfältigkeit abwägen und wohl achthaben, wo sich das Übergewicht herausstellt. Er sollte sich dabei allertiefst in sich genau erforschen, welcher Verlust für ihn erträglicher wäre, ob er sein geliebtes Weib verlieren möchte und alle ihm von selbem entspringenden Vorteile oder die Liebe des Herrn.

Solches aber muss, wie gesagt, nicht etwa bei einer oberflächlichen Äußerung verbleiben, indem etwa jemand sagen möchte: Ich opfere der Liebe des Herrn nicht nur ein, sondern zehn Weiber; sondern diese Frage des Lebens muß allzeit mit der Wurzel desselben beantwortet sein.

Nehmen wir den Fall, wenn der Herr einem solchen Manne, der mit dem Worte vorgibt, dass er den Herrn ums Zehnfache mehr liebt denn sein Weib, dasselbe nähme, d.h. durch den Tod des Leibes.

Wenn da der Mann in sich selbst im Ernste ganz lebendig fühlend sagen kann: Herr! Ich danke Dir, dass Du solches an mir getan hast; denn ich weiß ja zufolge meiner Liebe zu Dir, dass alles, was Du tust, am allerbesten getan ist. Wenn dazu noch ein solcher Mann bei dem möglichen Verluste seines Weibes wirklich in der Liebe zum Herrn den allergenügendsten Ersatz findet, so ist wirklich die Liebe zum Herrn in ihm größer denn die zu seinem Weibe.

Wird er aber traurig über solch ein Werk des Herrn und spricht: Herr! Siehe, ich habe Dich so lieb; warum hast Du mir solche Traurigkeit und solchen Schmerz bereitet? – Wahrlich, ihr könnt es glauben, ein solcher Mann liebte sein Weib mehr als den Herrn!

Wenn ein solcher Mann auch noch um mehrere Jahre sein Weib überlebt, mit der Zeit ihrer vergessen und sich ganz zum Herrn gewendet hat, so hat er aber dessen ungeachtet solche Liebe nicht völlig aus seinem Herzen verbannt. Denn es dürfte nach zehn Jahren sein Weib nur wieder zurückkehren, so wäre er wie bezaubert und würde sein Weib mit der größten Liebe aufnehmen, besonders wenn sie ihm dazu noch gewisserart geistig verjüngt entgegenkäme.

Ihr fraget hier freilich wieder: Wie ist solches wohl möglich, wenn sogestalt ein Witwer sich ganz dem Herrn hingegeben hatte? Ich aber frage euch: War diese Hingebung eine freiwillige oder vielmehr nur eine notgedrungene? – Hätte er solches getan, wenn ihm der Herr das Weib nicht genommen hätte? – Bei dem Herrn aber gilt nur allein der freie Wille, und demzufolge die gänzliche Selbstverleugnung in allem.

Dieser Mann ward traurig um den Verlust seines Weibes; daher wandte er sich an den Herrn, um bei Ihm den gebührenden Trost und die Beruhigung und völlige Wiederheilung seines gebrochenen Gemütes zu finden.

Was war ihm in dieser Hinsicht wohl der Herr? War Er wohl die Zentralliebe im Herzen eines solchen Mannes, oder war Er nicht vielmehr nur ein beruhigendes Mittel und ein Deckmantel über den erlittenen Schmerz und somit auch ein denselben heilendes Pflaster? Hier könnt ihr sicher nichts anderes sagen, als dass der Herr hier nur das Zweite war, nämlich Mittel, Deckmantel und Pflaster. Wer aber kann sagen, daß eine Liebe aus Dankbarkeit der Grundliebe des Herzens gleichkomme?

Oder ist da nicht ein solcher Unterschied, als wie ein Mensch einen Wohltäter liebt, so ihn dieser glücklich gemacht hat, und zwischen der Liebe, wie dieser glücklich gemachte Mensch das ihm zuteil gewordene Glück liebt? – Ich meine, zwischen diesen beiden Liebarten liegt ein gar großer Unterschied; denn die Liebe zum Wohltäter ist ja nur die Folge der Grundliebe, welche in der empfangenen Glückseligkeit wohnt, und ist somit keine Grund-, sondern nur eine Afterliebe.

Wie stellt sich aber solche dem Herrn gegenüber dar, wo der Mensch das allergrößte Glück allein in den Herrn setzen solle, von welchem aus betrachtet ihm alles andere null und nichtig und somit für ewig entbehrlich sein soll? – Denn er soll ja in sich selbst lebendig sagen können:

Wenn ich nur den Herrn habe, so frage ich weder nach einem Himmel noch nach einer Erde und somit noch viel weniger nach einem Weibe. –

Aus diesem könnt ihr gar wohl begreifen, warum ich euch darauf inwendigst aufmerksam gemacht habe, wie außerordentlich lebendig tief der Mann seine Liebe zwischen dem Herrn und seinem Weibe prüfen solle; denn es spricht ja der Herr Selbst: Wer seinen Vater, seine Mutter, sein Weib, seinen Bruder und seine Kinder mehr liebt denn Mich, der ist Meiner nicht wert!

Ihr fraget hier freilich wieder: Ist denn hernach ein solcher Mann zufolge einer solchen Afterliebe zum Herrn verloren? – Das ist er mitnichten; aber er kann nicht eher zum Herrn gelangen, als bis er dem eigentlichen Grund seiner Liebe den gänzlichen Abschied gegeben und seine Afterliebe zur Hauptliebe gemacht hat.

Welche Schwierigkeiten aber das nicht selten in diesem geistigen Reiche mit sich führt, haben wir zum Teil bei dieser Gesellschaft dargetan; wir werden aber diesen überaus wichtigen Punkt bei einer nächsten Szene noch um vieles klarer und gründlicher praktisch erschauen. Da werdet ihr sehen, wie oft eine solche scheinbar gänzlich erloschene, falsche Ehegattenliebe wieder neu aus dem Grunde erwacht, so solche Gatten in der Geisterwelt wieder zusammenkommen. – Somit lassen wir diese Gesellschaft ungestört ihren Weg verfolgen und begeben uns wieder etwas vorwärts!“ (GS.01_034,03ff)
(Fortsetzung siehe 35. Kapitel (GS.01_035,01) – Ein Ehepaar im Jenseits.)

13
Das könnet ihr euch wohl vorstellen, dass, als Ich den ersten Menschen schuf, als Ich ihn nach Meinem Ebenbilde formte, Ich alles in seine Formen hineinlegte, was möglich war, um eine göttliche Idee in menschlichen Formen auszudrücken. Ich formte den Mann als Ausdruck der Kraft, entsprechend der Weisheit, und das Weib als Ausdruck der Milde, entsprechend der Liebe.

Beide vereint sollten geistig das werden, was Ich in Mir vereine, das heißt Liebe mit Weisheit gepaart, so sollten sie dem Vereinigungsakt der höchsten geistigen Stufe entgegeneilen, wo sie gebunden durch den Drang zum Dritten, zu Mir, die reinste Seligkeit genießen könnten, weil jede Freude des einen in dem andern widerhallend ihren Ausdruck gefunden hätte.

So war Mein erstes oder letztes Werk auf den Welten, vom letzten Atom bis zum Menschen in der Form stets Liebe und Weisheit entwickelnd, und gestaltete sich in der menschlichen Form zum harmonischen Ganzen, zu jener Form, wo aus der kleinsten Wellenlinie des Körpers die größte geistige Idee stets hervorleuchten sollte und jedem zurufen möchte:

`Gedenket, dass ihr nach Meinem Ebenbilde, nach dem Ebenbilde eines Gottes, nach dem Ebenbilde der unbegrenzten Liebe und der unbegrenzten Weisheit geformt seid!`

Dass dann die Menschen als freie Wesen diese Form geschändet, mißbraucht und verdorben haben, das war Sache ihres freien Willens; jedoch in Mein Reich werden sie nicht eingehen können, bis nicht ihre äußere Umkleidung, von so feinen Stoffen sie auch geformt sei, den Typus einer reinen, einer schönen Seele trägt. So wie Ich einst den Menschen als Mein Ebenbild in die Schöpfung hinausstellte, so muss er wieder zu Mir zurückkommen, das heißt geistig und körperlich schön, wo die Außenhülle der Abdruck des in ihm wohnenden göttlichen Geistes ist." – (Sg.01_024,34)

14
„Es hat das Weib gleichwie ein Mann das volle Recht auf Meine Liebe und Gnade, die von Gott dem Vater ausgeht durch Mich.“ (GEJ.02_016,14)

15
Es kam aber nun auch der Adam hinzu und lobte und pries den Abedam darum, weil Er Sich sogar gegen das weibliche Geschlecht so herablassend gnädigst und barmherzigst bezeige.

Und der Abedam erwiderte ihm: „Adam, ist denn die Eva nicht aus Meiner Hand hervorgegangen?! Warum soll denn das Weib in Meiner Liebe zurückstehen?!

Ich sage dir aber, dass, so Ich dereinst einen neuen Himmel bauen werde, Ich denselben in einem Weibe (Maria) werde zu bauen anfangen, und nimmer in einem Manne!

Doch darob soll Mich niemand weiter fragen; es werden zuvor noch große Dinge geschehen! Amen.“ (HGt.01_181,32)

16
Meine Apostel waren die erste und somit vorzüglichste christliche Gemeinde in der Welt, weil sie unmittelbar von Mir gestiftet war!

Als Ich am dritten Tag wieder aus dem Grab erstand, wen wohl sandte Ich zuerst zu den Brüdern hin, ihnen Meine Auferstehung zu verkünden? Siehe, ein Weib, ungefähr von deiner irdisch moralischen Beschaffenheit! – Nun, wenn das nachträgliche Gebot Pauli für noch ganz weltliche Weiber überall, d.h. auch bei Gott wohlgefälligen Weibern, soll in die Anwendung kommen – wie hätte sich dann eine Magdalena je unterstehen können, an Meine ersten Apostel selbst einen Boten zu machen?!

Zudem habe Ich auch einmal den Sadduzäern gezeigt, dass im Himmelreich alle irdischen Unterschiede aufhören, d.h. die irdischen Geschlechtsrechte. Alle sind den Engeln Gottes gleich und genießen das eine Recht, nämlich Gottes Kinder zu sein.“ (RB.01_084,07)


Weitere Texte zum Thema siehe auch unter:

Texte der Neuoffenbarung zu…
. Vom Menschen
. Männliche und weibliche Stufenleitern (Knabe, Jüngling, Mann und Greis / Mädchen, Jungfrau, Mutter und Weib)
. Ehe und Sexualität

Kritik an der Neuoffenbarung

. Der Kampf gegen die Jesusworte durch Jakob Lorber, Thema 4
Kommentare / Dokumentationen
. Die Himmlische Ehe

Siehe auch den Text Gottfried Mayerhofer, "Das Weib", "Lebensgarten", Lorber Verlag