"Teile die Liebe im Menschen in 666 Teile; davon gib Gott 600, dem     Nächsten 60 und dir selbst 6!" (GEJ.02_077,01f)

 


Was bedeutet Nächstenliebe?

(Kurzfassung)


Klaus Opitz

 


Die wichtigste Botschaft des AT sind die 10 Gebote. Die wichtigste Botschaft des NT sowie der Neuoffenbarung Jesu durch Jakob Lorber ist die Zusammenfassung der 10 Gebote in den zwei Liebesgeboten Jesu, wobei das zweite Liebesgebot Thema dieser Texte sein soll.

Jesus: Meine Lehre aber ist in sich ganz kurz und leicht zu fassen; denn sie verlangt vom Menschen nichts, als dass er an einen wahren Gott glaube und Ihn als guten Vater und Schöpfer über alles liebe und seinen Nebenmenschen wie sich selbst, das heißt, ihm alles das tue, von dem er vernünftigermaßen wünschen kann, dass ihm auch sein Nebenmensch tue…“ (GEJ.07_140,03)

 

...Hierauf wandte er sich zu Mir und sprach: "Meister, du hast recht geantwortet; aber da man schon den Nächsten wie sich selbst lieben soll, so fragt es sich denn, wer so ganz eigentlich mein Nächster ist."

Sagte Ich: "Zuerst ein jeder Mensch, der irgend möglich deiner Hilfe bedarf, und zum zweiten dann auch jeder Fremde, ob er auch ein Heide wäre vom Ende der Welt her. Ich will euch aber ein Gleichnis geben, nach dem ihr dann urteilen möget, wer ein ganz rechter Nächster zu euch ist."

Hierauf erzählte Ich ihnen allen das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und fragte dann den Fragesteller: "Wer war da des Halberschlagenen Nächster?"

Sagte er: "Der ihm die Wohltat erwies!"

Sagte Ich: "Gut, so gehe hin und tue desgleichen, so wirst du Gott ein höchst angenehmes und wahres Opfer darbringen, das besser sein wird als eure Brand- und Schlachtopfer!" (GEJ.06_206,21)


Diese Liebesgebote Jesu gelten nicht nur für unsere Mitmenschen, sondern sie gelten universell für die gesamte Menschheit sowie für das jenseitige Geisterreich.

 

Jesus stellt aber nicht nur Gebote auf, sondern Er gibt wo nötig auch Erklärungen und beleuchtet den Sinn hinter dem Wort. Siehe z.B. die Erklärungen zu den 10 Geboten (GEJ.07_028,01ff u.a.), die Erklärungen zur Bergpredigt (GEJ.01_039,15ff) oder das „Schulhaus der 12 göttlichen Gebote“ (GS.02_073,01ff).

Einen ersten Hinweis auf das rechte Verständnis des zweiten Liebesgebotes gibt uns Jesus mit folgenden Worten an Judas:

Ich will dir denn ein Maß geben, nach welchem du und ein jeder Mensch wissen soll, wie er mit der Eigenliebe stehen soll, wie mit der Liebe zum Nächsten und mit der Liebe zu Gott.

Nimm die Zahl 666, die in guten und schlechten Verhältnissen entweder einen vollendeten Menschen oder einen vollendeten Teufel bezeichnet.
Teile die Liebe im Menschen in 666 Teile; davon gib Gott 600, dem Nächsten 60 und dir selbst 6!

Willst du aber ein vollendeter Teufel sein, dann gib Gott 6, dem Nächsten 60 und dir selbst 600 Teile!“ (GEJ.02_077,01f)

Nächstenliebe allein aber bewirkt noch nicht automatisch das Gute, sondern kann auch schaden. Falsch verstandene Nächstenliebe kann durchaus das Gegenteil des erwünschten Zieles bewirken, wenn z.B. mit dem „Gutestun“ nur ein Laster des Bittenden genährt wird oder jemand in seinem Nichtstun bestärkt wird, statt zur Arbeit angeleitet zu werden oder der Bosheit aus Nächstenliebe Vorschub geleistet wird oder Handlungen wider die Gebote begünstigt werden. Deshalb gehört zur rechten (Nächsten)Liebe allzeit auch die rechte Weisheit sowie der Verstand, wenn letzterer auch der Welt und ihren materiellen Bedürfnissen angehört. Aber wir leben eben auch (noch) in dieser Welt, die wir gestalten können, zum Guten oder zum Bösen - und damit hat uns der Herr eine gewaltige Verantwortung übertragen.

 

"Nirgends kann soviel Schaden gestiftet werden, als mit dem wörtlich genommenen Begriff der Nächstenliebe." (PH.01_038,34)

 

Gott hat einem jeden Menschen die Vernunft und den Verstand und daneben den freien Willen gegeben und in diesen drei Stücken auch zugleich drei Hauptgesetze; und zwar: durch die Vernunft, daß der Mensch alles Gute und Wahre vernehmen solle, und durch den Verstand, daß er das Vernommene ordne und das ganz Reine erkenne, und durch den freien Willen, daß er darnach das ganz Reine frei erwähle, behalte und darnach tätig werde.“ (HGt.03_172,08)

Simon Juda zu Jesus: „…Siehe, bei der Gelegenheit, als Du uns (die Apostel) und das Volk von der Liebe zu Gott und von der Liebe zum Nächsten belehrtest, da gabst Du auch an, daß man sogar die Erzfeinde lieben solle, und daß man segnen solle diejenigen, die einem fluchen, und Gutes tun denjenigen, die einem Böses tun, und dass man dem, der einem eine Ohrfeige gibt, noch die andere Backe hinhalten sollte, statt ihm eine Ohrfeige zurückzugeben.“ …

Jesus: “Das ist an und für sich schon ganz klar, dass man einem erzbösen Menschen durch eine zu große Gegenfreundschaft nicht noch mehr Gelegenheit verschaffen soll, dass er dadurch in seiner Bosheit wachse und noch immer ärger werde, als er vorher war. In diesem Fall wäre eine fortgesetzte Nachsicht nichts anderes als eine wahre Hilfeleistung für des Feindes überwachsende (zunehmende) Bosheit. …

Oh, sei du dessen sicher, daß Ich mit Meiner Predigt von der Nächstenliebe die Macht und Gewalt des Schwertes nicht im geringsten aufgehoben habe, wohl aber auf so lange hin gemildert, als die Feindseligkeit unter den Menschen nicht jenen Grad erreicht hat, den man mit vollem Recht den höllischen nennen kann! Bei den Alten nach dem Gesetz Mosis und der meisten alten Richter hieß  es wohl: `Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn!`, aber da soll es bei euch nicht also sein, dass man derlei Gesetze buchstäblich nimmt, und dass man seinem Feinde nicht öfter denn siebenmal vergeben solle, wovon Ich euch zu öfteren Malen auch eine Erklärung gegeben habe, und die ihr auch wohl begriffen habt!“ (GEJ.10_215,04 f)

„…Es versteht sich aber von selbst, daß ihr dem, der Handlungen wider Gottes Gebote begeht, dazu nicht behilflich sein, sondern ihn davon abhalten sollet.  So ihr das tut, dann übet ihr auch die Nächstenliebe aus, und euer Lohn im Himmel wird groß sein…

Doch es werden in Meinem Namen gar bald auch eine Menge falscher Propheten aufstehen, das Volk lehren für ihren Sack und werden es berücken durch falsche Zeichen, die sie werden von den Magiern erlernt haben. Derlei falsche Lehrer und Propheten, so sie auch laut schreien werden: `Seht, hier oder dort ist der Messias, der Gesalbte Gottes!`, nehmet nicht auf, sondern zeiget es ihnen mit Liebe und ernst, daß sie wider Mich sind und handeln. Werden sie euch hören und von ihrer Falschheit abstehen, dann möget ihr sie denn auch als Freunde ansehen und behandeln; werden sie euch aber nicht anhören und sich nicht bekehren, dann treibet sie aus der Gemeinde!“ (GEJ.10_139,03f)

 

So gilt auch bei der Frage nach der Nächstenliebe wie in allen anderen Fragen des Lebens das Jesus-Wort:

 

"Liebe ohne Weisheit und Weisheit ohne Liebe (können) nicht bestehen!" (Sg.01_031,16)


In dem Text „Und Jesus weinte“ aus Lorbers „Schrifttexterklärungen“ lesen wir:

Als nachzuahmendes Beispiel aber zeigen sie (die Tränen Jesu), daß auch ihr aus der wahren Lebenstiefe heraus barmherzig sein sollet; denn eine durch Romanlektüre bewirkte Weichherzigkeit und Erbarmung hat bei Mir durchaus keinen Wert und ist nicht vieles besser als eine Blindliebe und Heirat auf dem Theater. Solchen `barmherzigen` Menschen will Ich einst auch den Lohn geben, der der Grund ihrer Barmherzigkeit war. Sie sollen auch jenseits große Bibliotheken von zahllosen Romanen antreffen und werden nicht eher aus denselben gelangen, bis sie es lebendig an sich erfahren werden, daß eine geschriebene Liebe und ein geschriebenes Leben durchaus keine Liebe und kein Leben sind.

Wer nicht aus Mir liebt und nicht von Mir lernt, der tut alles, was er tut, wie ein Toter und wird nicht eher seinem Grabe entsteigen, als bis Jesus nicht über seinem Grabe weinen wird. – Verstehet solches wohl; es ist eine große Tiefe darinnen, und so sei das Leben euer Amen!“ (Ste.01_024,15f)

 

(JLIB 12/2015)

 

Siehe auch linke Randspalte unter "Texte der Neuoffenbarung zu...", Thema "Selbst- und Nächstenliebe", unter "Kurztexte" "Wer ist mein Nächster" sowie unter "Gebet / Meditation / Gesundheit" "Die Liebesgebote Jesu".