Gibt es Wunder?

 

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„…Nun frage ich dich, was heißt denn eigentlich Wunder? Siehe, so manche Erfindung, die jetzt bei euch das kleinste Kind begreift, wären vor einigen Jahrhunderten Wunder gewesen. Was waren sie denn eigentlich?

Es waren Naturgesetze oder Kräfte, die die Menschen noch nicht kannten oder, falls sie diese auch kannten, sie doch nicht zu benutzen verstanden!

Glaubst du denn, das Land der Entdeckungen sei schon ausgebeutet? Liegt nicht vielleicht noch das meiste im dunkeln begraben, besonders was geistig ist; und wenn Ich bald da oder dort solches Auffinden der Zugänge zum geistigen Leben zulasse, damit die Menschen Mich, den reinsten Geist, näher kennenlernen sollten; muß es deswegen denn gerade ein Wunder sein, welches die Menschen dann willenlos zum Glauben zwingen würde?

Wie du in deinem Briefe schreibst, `wenn sich deine Stahlfeder plötzlich in einen Bleistift verwandelte, so wolltest du glauben`; aber wenn Ich solches zuließe, was geschähe dann? Siehe, du wärest gezwungen, wenigstens im ersten Augenblick an eine Möglichkeit einer solchen Verwandlung zu glauben, und doch weiß Ich nicht, ob in ein paar Stunden du selbst nicht wieder dieses Wunder weggestritten hättest; hättest vielleicht gedacht, es muß eine Verwechslung beider Gegenstände stattgefunden haben, die du in Gedanken selbst verübt hast, ohne derselben gerade ansichtig geworden zu sein!

Mein liebes Kind, Wunder gibt es keine, denn alles hängt von den schon längst von Mir geordneten Gesetzen ab!

Weißt Du, was eigentlich ein Wunder ist oder wäre? Sieh, Ich will es dir sagen: Ein Wunder wäre, wenn entgegengesetzt Meinen von Anbeginn der Schöpfung festgesetzten unwandelbaren Gesetzen Ich etwas zulassen oder bewerkstelligen würde, was schnurstracks gegen diese Gesetze wäre, und Ich Mich damit einer Inkonsequenz (Widerspruch) beschuldigen müßte; denn wisse, Meine Gesetze sind so gemacht, daß ein Handeln dagegen nicht möglich ist, wenigstens nicht von Meiner Seite.

Ihr handelt zwar oft gegen Meine Gesetze, allein dem Überschreiten derselben folgt die Strafe auf dem Fuße nach.

Wo aber Meine Gesetze anfangen und aufhören und wie viele noch vorhanden sind, wovon eure Forscher und Philosophen keine Ahnung haben und sie auch nie entdecken werden, das ist eine ganz andere Sache.“ (Lg.01_031,27, vollständiger Text siehe linke Randspalte unter „Einführende Texte“, Thema „Worte an einen Rationalisten (2)")

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Raphael:Das aber merke dir vor allem ja höchst wohl: Je mehr des erkannten reingöttlichen Willens du in dein Herz als unablässige Richtschnur deines Lebens – in dein Herz, wohlverstanden – aufgenommen hast, desto wunderbar mächtiger werden die Wirkungen deines Willens aus Gott sein!

Das Wissen, Erkennen und das Loben des erkannten göttlichen Willens nützt dir gar nichts; denn es ist das alles ein leerer Beifall alles des großartigen und wunderbaren Geschehens vor deinen Augen. Du erkennst daran das Gute, Schöne und Erhabene und weißt es recht gut, daß es von dem Erkennen und Wollen des Künstlers ausgeht.

Setzen wir aber den Fall, du hättest auch die Kenntnisse davon, aber natürlich bei weitem den Willen des Künstlers nicht dazu, - würdest du mittels des Erkennens allein wohl etwas leisten? Oder du hättest zwar wohl so ungefähr des Künstlers Willen, aber seine Einsicht und durch Mühe und Fleiß errungene Fertigkeit nicht, würdest du da auch etwas zu leisten imstande sein?

Ich sage dir: da muß ein wahrstes Erkennen, ein von Gott ausgehender fester Wille und eine große Fertigkeit in der Anwendung desselben vorhanden sein! Sodann kannst du freilich zu einem oder dem andern Berge sagen: `Hebe dich und stürze dich ins Meer, da es am allertiefsten ist`, - und es wird unfehlbar geschehen, was du gewollt hast!

Aber mit dem Erkennen und mit dem festen Wollen allein ist nichts oder nur sehr wenig ausgerichtet! Die Fertigkeit in der Anwendung des Willens Gottes im eigenen Herzen erlangt man aber einzig durch die Macht der reinen Liebe zu Gott und dadurch zum Nächsten; denn solche allein rechte Liebe schafft in der Seele den lebendigen Glauben und ein unerschütterlich allerfestestes Vertrauen, ohne das auch der Allergeläutertste nichts oder nur wenig vermag.“ (GEJ.05_082,05ff)