„Zwei Gebote, Gebote der Liebe, setzte Ich ein, als die zwei Grundpfeiler, auf denen Meine ganze Schöpfung ruhet; und es waren und mußten auch nur zwei Liebes-Gebote sein, weil Liebe der Grundfaktor alles Seins und die einzige Eigenschaft Meines Wesens selbst ist…“

 


Die Liebes-Gebote Jesu



1. Das größte Gebot
2. Nächsten-Liebe
3. Über die zwei Liebes-Gebote


1. Das größte Gebot


Matth.22,34-40: Da aber die Pharisäer hörten, daß er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: „Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz?“ Jesus aber sprach zu ihm: „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen beiden Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten.“


Über die Antwort, welche Ich dem Pharisäer auf seine Frage: `Welches ist das vornehmste Gebot?` gab, ist euch schon manches gesagt worden, und es wäre eigentlich nicht notwendig, hier über die beiden Liebesgebote: `Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst!` noch weiter etwas zu sagen. Allein da es hier als eine Sonntagspredigt besonders angeführt ist, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten Mich versuchten, um einen Anklagepunkt gegen Mich zu finden – weil ihnen Mein Treiben und Meine Wahrheiten lästig waren –, so wollen wir diese zwei Gesetze einer näheren Betrachtung unterziehen. Ich werde euch sowohl die dortige Lage der Dinge, als auch ihre analoge geistige in jetziger Zeit etwas näher auseinandersetzen, damit ihr den Zusammenhang Meiner Worte und Taten in jener Zeit mit den jetzigen Ereignissen leichter in Einklang bringen könnt.

 

Seht also, in jenen Zeiten meines Erdenwandels war die Priesterkaste ebenso ehr- und habsüchtig, wie sie es in allen späteren Zeiten gewesen ist, und wer ihre Macht schmälern oder gar vernichten wollte, war natürlich ein Feind der Kirche, weil er ein Feind der Priester war und das Volk von ihnen abwenden wollte, was sie dann besonders in Bezug auf ihre Macht und am meisten an ihren Geldsäcken verspürt hätten. Sobald also ein Lehrer auftrat, wie Ich es tat, dem sie wegen seiner klaren Worte wenig Widerspruch entgegensetzen konnten, waren sie nur darauf bedacht, ihn als gefährlichen Aufwiegler gegen die bestehenden politischen Einrichtungen unter irgendeinem Vorwand der Obrigkeit zur Bestrafung zu überliefern, welches ihnen auch gelang, als die Zeit Meiner Mission auf Erden zu Ende ging. So oft sie es früher versuchten, wich Ich ihren gelegten Fallen persönlich und ihren verfänglichen Fragen durch wohlbedachte Antworten aus.

 

In diesem Kapitel findet ihr verschiedene Fragen, verschiedene Versuche, Mich mit der Obrigkeit zu verwickeln, damit sie ihren Zweck erreichen könnten, ohne daß es den Anschein hätte, als wären sie die Urheber Meiner Gefangennahme, weil sie das Volk fürchteten, das Mir anhing und nachfolgte. Daher solche Fragen, wie die wegen des Zinsgroschens und mehrere andere dieser Art. Auch die Frage eines Schriftgelehrten: `Welches ist das vornehmste Gebot?` war auf einen Fang abgesehen; denn dieser Fragende erwartete von Mir eine Antwort, aus welcher eine Mißachtung der bestehenden weltlichen Gesetze herausgefunden werden könnte, worauf die Diener und Knechte des Statthalters triftigen Grund gehabt hätten, Mich den Gerichten zu überliefern. Da Ich jedoch ihre Gedanken und Absichten im voraus wußte, hütete Ich Mich wohl, ihnen vor der Zeit Anlaß zu lügnerischen Beschuldigungen zu geben. Meine Antwort fiel so aus, wie sie schon in ihren Gesetzen lag, nur war Meine Deutung dieser Gesetze von ihrer Deutung verschieden, verschieden war auch die Anwendung dieser Gesetze, also die Art und Weise, wie Ich sie befolgt haben wollte.

 

In den mosaischen Gesetzen waren die beiden einzigen und wichtigsten Gesetze ebenfalls enthalten. Doch die Deutungen und Erklärungen der Priester und Schriftgelehrten machten sie dem Volk nur von der Seite zugänglich, von welcher für den geistigen Menschen wenig herausleuchtete und es ihm schwer wurde, seine richtige Stellung zu Mir und zu seinem Nächsten, sowie zur ganzen Schöpfung herauszufinden, ein Verhältnis, welches auch jetzt noch von wenigen in dem Sinne aufgefaßt wird, wie es dem Geiste nach sein sollte. Damals hielt sich das Volk an den Buchstaben, und jetzt, nach mehr als tausend Jahren, klebt es noch immer ängstlich an demselben wie eine Fliege an einer Leimrute, welche gerne frei sein möchte, der aber die nötige Kraft fehlt, sich selbst frei zu machen.

 

Wenngleich Ich dem Pharisäer diese zwei einzigen Gebote als die größten bezeichnete, so begriff er sie ebensowenig wie die Antwort auf Meine Frage: `Was haltet ihr von Christus?` Diese Antwort war einem Psalm Davids entnommen und zeigte ihnen in Fernsicht, daß Mir als Herrn der Schöpfung am Ende doch alles untertan und zu einem Fußschemel wird, auf dessen Fläche Meine Füße ruhen werden, d.h. worauf Meine Lehre als Gebäude aufgerichtet werden wird.

 

Was es heißt: `Gott über alles lieben`, begriffen damals und begreifen heute noch viele nicht; und was es heißt: `Seinen Nächsten lieben` – ein Ergänzungsgebot des ersten –, ist vielen Menschen ebensowenig klar.

 

Seht, `Gott über alles lieben` ist ein Wort, das leicht auszusprechen, aber nicht so leicht verstanden und noch schwieriger auszuführen ist! Da muß Ich wieder zuerst fragen: `Warum sollen denn die Menschen Gott über alles lieben?` – Diese Frage muß zuerst beantwortet werden, ehe über Liebe und das Maß derselben gesprochen werden kann.

 

Nun, wenn ihr diese Frage mit kühlem Verstand betrachtet, so geht aus dieser Betrachtung eine andere Frage hervor, nämlich die: `Warum soll ich denn Gott lieben?` Hier ist nun in Betracht zu ziehen, daß der kalt urteilende Mensch so antworten wird: `Wenn ich so recht nachdenke, finde ich keinen Grund, einen Gott zu lieben, erstens, weil ich etwas Unsichtbares nicht lieben kann und zweitens, weil ich dem Gott, der mich erschuf, nicht zum Dank verpflichtet bin. Als Er mich erschuf, hat Er mich nicht gefragt, ob es mir recht ist oder nicht! Er hat dabei nur sein Vergnügen des Erschaffens im Auge gehabt, aber nicht danach gefragt, ob ich als erschaffenes Wesen dann mit meinem Zustand und meiner Stellung, die Er mir unter den andern Wesen angewiesen hat, wirklich zufrieden bin, und ob ich mich glücklich fühle.`

 

Aus diesen Schlüssen ginge hervor, daß von seiten des Menschen gar keine Verpflichtung vorläge, seinen Schöpfer zu lieben, selbst wenn Er ihn auch in die glücklichsten Verhältnisse gestellt hätte, um so weniger aber, wenn in Betracht gezogen wird, mit welchen Drangsalen, Leiden und Mißhelligkeiten der Mensch von Geburt an bis zum Tode kämpfen muß. Deswegen sollten die Menschen Gott lieben, und dazu noch über alles? Das wäre doch etwas zuviel verlangt! So manche Menschen möchten zu ihrem Schöpfer sagen: `Wenn Du mich nicht als Mensch erschaffen hättest, könntest Du noch eher Anspruch auf meine Liebe erheben; aber unter diesen traurigen Lebensverhältnissen, gehört eine zu große Dosis Einfalt dazu, Den zu lieben, der mich im Materiellen in mancher Hinsicht unter das Tier gestellt hat, und der mir nur die Fähigkeit verlieh, meine Lage so recht beurteilen und beweinen zu können!`

 

Seht, Meine Kinder, so urteilt und nicht mit Unrecht, der Verstandesmensch, dem die kalte Wirklichkeit – d.h. das, was er vor sich sieht, mit Händen greifen und mit seinen Sinnen wahrnehmen kann – die ganze Welt ausmacht. Eine solche Denkungsweise war schon seit Entstehung des Menschen immer bei einzelnen die Basis ihrer Handlungen, und in jetziger Zeit predigen solches eure gelehrten Materialisten ohne Scheu und finden ein großes Publikum, welches ihren Ansichten ganz beistimmt und ihnen Beifall klatscht.

 

Wenn Ich also das Gebot: `Du sollst Gott über alles lieben!` in dieser Predigt wieder berühre, so geschieht es deswegen, um dem größten Teil der Menschen ihre falschen Ansichten von Mir und der Welt – nebst den damit zusammenhängenden Fehlschlüssen – vor Augen zu halten, und um derer willen, die noch für etwas anderes Sinn haben, als nur Verehrer der vergänglichen Materie zu sein, und welche fühlen, daß noch etwas Besseres und Tieferes sich in ihrem Innern bewegt und sie zu geistigem Leben antreibt.

 

Wenn Ich ein Gebot gegeben habe, so muß doch ein Grund dazu vorhanden sein, warum das Gebot ausgeführt oder befolgt werden soll. So muß also auch ein Grund bestehen, warum Ich dieses Gesetz der Liebe als das vornehmste und größte in Meiner Schöpfung bezeichnete und warum es zu deren Fortbestand, Zusammenhang und Vervollkommnung eingesetzt wurde.

 

Nun seht, bei jedem Gesetz kann leicht beurteilt werden, was der Beweggrund war, das Gesetz so und nicht anders zu geben und ob das Gesetz aus Liebe, also zum Besten anderer, oder nur aus Eigennutz für den Gesetzgeber selbst gegeben wurde.

 

Wenn nun Ich als Schöpfer Meinen geschaffenen, Mir gleichenden Wesen als erstes Gesetz die Liebe vorschreibe, die sie gegen ihren Erschaffer haben sollen, so ist doch klar, daß man den Grund oder das Warum dieses Gesetzes auch in Meinen Anordnungen erkennen muß und begreift, daß überall – es mag geschehen, was will – Liebe zugrunde liegt.

Was ist denn eigentlich ,Liebe‘?

Seht, auch diesen Begriff müssen wir erklären, um dessen Größe besser beurteilen zu können!

 

Liebe ist nichts anderes als eine gewisse Zuneigung zu einem belebten oder unbelebten Gegenstand. Diese Zuneigung bedingt die Erhaltung dieses Gegenstandes in dem Maße, in dem er eben unsere Liebe in Anspruch nimmt. Unter lebenden Wesen ist Liebe eine Zuneigung oder ein Hingezogenwerden zu anderen Wesen, die wegen ihrer Eigenschaften mit ihren Gefühlen harmonieren. Beim Menschen kommt hinzu, daß der, der Liebe gibt, auch wieder Liebe empfängt. Der Liebende möchte mit dem geliebten Wesen im Austausch seiner Gesinnung und Gefühle bleiben und, Liebe wieder von ihm zurückerhaltend, sich gleichsam mit ihm vereinen und ein geistiges Ganzes ausmachen. Die Liebe, welche keinen andern Zweck hat, als den Geliebten so glücklich wie möglich zu sehen, ist ferner die Eigenschaft, welche uns fähig macht, dem Geliebten alles zu geben und für uns nichts zu behalten als nur das Bewußtsein, ihn so glücklich gemacht zu haben, wie es unsere Kräfte erlaubten.

 

Nun, wenn der Mensch diese Liebe von seiten seines Gottes, Schöpfers und Herrn begriffen und erfaßt hat, dann ist ihm auch das Gesetz der Liebe leicht verständlich, welches ihm gebietet, dem Gott, der alles hergegeben hat, um Seine Geschöpfe glücklich, ja ewig selig zu machen, auch aus ganzer Seele und mit aller ihm möglichen Kraft zu lieben.

 

Wie beweist aber Gott dem Menschen diese Liebe, die Er für ihn geopfert hat, um seine menschliche Liebe so anzuregen, daß sie über alles Irdische, Sichtbare und Unsichtbare hinaus den Schöpfer des großen Universums über alles lieben lernt?

Seht, hier gibt es zwei Wege, die dem Menschen die Liebe seines Schöpfers beweisen und klar machen können: die geistige, unsichtbare, in ihm wohnende Welt, und die materielle, sichtbare, ihn umgebende Welt. Beide Wege, obwohl verschieden in ihrer Ausdrucksweise, führen zum gleichen Ziel, d.h.: den Schöpfer als liebenden Herrn und Vater zu erkennen.

Betrachten wir zunächst den ersten Weg.

In früheren Zeiten, als man die Natur weniger kannte, wurden durch die Gelehrten so manche Anfänge des Unendlichen im Großen wie im Kleinen aufgedeckt. In jener Zeit war es der innere Mensch, der die begeisterten Gesetzgeber, wie Moses und die Propheten und Seher beschäftigte. Sie machten den Menschen auf sein Inneres aufmerksam und stellten das als Gebot hin, was eigentlich aus freiem Antrieb geschehen sollte.

 

Damals stand dieses Gesetz der Gottesliebe als Gesetz, nicht aber als Liebesgebot vor dem Menschen. Deswegen fragte auch der Pharisäer, welches das vornehmste Gebot sei, weil er dieses Gebot nicht für so wichtig hielt und vielleicht glaubte, von Mir eine Antwort zu bekommen, welche auf ein bürgerliches Gesetz hindeutete. Denn Liebe, wie Ich sie gebot, war diesem Pharisäer und auch vielen anderen Menschen in jenen Zeiten fremd, wie auch jetzt noch die Liebe, wenn sie etwas anderes bedeutet als nur Liebe für sich, Millionen Lebender trotz aller Aufklärung ein unbekanntes Ding ist.

 

Um dieses Gesetz Meiner großen Schöpfung zur Geltung zu bringen, stieg Ich selbst auf eure dunkle Erde hernieder und zeigte euch durch Wort und Tat, was Liebe zu Gott und was Liebe zum Nächsten ist. So brachte Ich den Menschen aus seiner materiellen Richtung und erhob ihn zu einem geistigen Geschöpf, das zwar die Wurzel, seine Füße auf Erden, im Materiellen, jedoch seinen Kopf oder die geistige Blume in Regionen emporhebt, welche mit der Materie nichts zu tun haben.

 

So wie Ich Meinen Mitlebenden die Gottesliebe erklärte, so zeigte Ich ihnen auch in vielen Gleichnissen, Worten und Taten, was eigentlich Nächstenliebe ist, wie sie verstanden und ausgeübt werden soll, zeigte ihnen wie das zweite Gebot, das der Nächstenliebe, nur dann erfüllt werden kann, wenn man das erste ganz im geistigen Sinne aufgefaßt hat und wie umgekehrt die Gottesliebe nur dann echt und rein ist, wenn sie am Nächsten und an der ganzen, den Menschen umgebenden Welt als Bruderliebe ihren Ausdruck findet.

 

Der zweite Weg, die Liebe Gottes durch die Natur zu beweisen und in ihr Gottes Sprache auf jedem Schritt zu gewahren, war späteren Jahrhunderten vorbehalten, obwohl auch schon in jenen Zeiten Meines Erdenwandels und noch früher die Priesterkasten mit den Geheimnissen der Natur vertraut waren, so gut, wie es jetzt nur wenige sind. Lange blieb diese Stimme, durch welche Ich den Menschen von Meiner allumfassenden Liebe tausend und abertausend Beweise geben wollte, unbemerkt. Auch jetzt noch ist es nur einzelnen vorbehalten, diese Stimme bei ihren Forschungen zu vernehmen. Leider kennen die meisten im Gebiet der Naturwissenschaft Herumwühlenden nur die Materie und ihre von Mir ihr aufgedrungenen Gesetze, statt den leisen Ruf der Liebe zu vernehmen, der ihnen aus jedem Atom entgegenweht, weil eben in jedem Atom ein Liebeshauch Meines göttlichen Ichs verborgen liegt, der ebenfalls auf seine weitere Entwicklung nach den Liebesgesetzen wartet.

 

Es war für euch jetzt Lebenden das Fernrohr, das euch die weiten Räume über euch erschloß; es war das Mikroskop, welches euch die Wunder des Kleinsten enthüllte. Durch beide Instrumente könnt ihr die Unendlichkeit und den Unendlichen selbst wohl ahnen, aber nicht begreifen.

 

Beide Wissenschaften, Astronomie und Naturwissenschaft, sind dem Menschen gegeben, um seinen Stolz zu dämpfen, seinen Dünkel zu beseitigen und ihn doch als Geist hoch über alle Räume zu erheben, weil sie dem Endlichen die Fähigkeit gaben, das Unendliche zu erfassen und zu ahnen.

 

Beide Wissenschaften sollen zur Gottesliebe, die Gottesliebe zur Menschenwürde und die Menschenwürde zur Nächstenliebe führen, die sodann wieder zu Dem zurückführt, der alles so geordnet hat, daß jeder Funken Liebe seinen Kreislauf vollenden kann, indem er, von Mir als Gott ausgegangen, zu Mir wieder zurückkehrt.

 

So soll denn die Gottesliebe sich von selbst in den Herzen der Menschen bilden und ihren Ausdruck in der Nächstenliebe finden, indem diese auf die erstere gegründet den Kreislauf beschleunigt und sich so beide Gesetze, aus denen alles hervorgegangen ist und zu denen alles zurückzukehren sucht, als die höchsten, aber auch die einzigen bewahrheiten. So sind diese Gesetze die vornehmsten; denn sie sind auf Liebe, auf die Hinneigung von Gleichem zu Gleichem gebaut und können nur Harmonie, d.h. Ruhe, Glückseligkeit und Wonne bereiten.

 

Wenn auch der Mensch auf seiner Lebensbahn so manche Kämpfe und bittere Leiden zu ertragen hat, sieht doch der geistige Seelenmensch darin nicht die Folge materieller oder sozialer Verhältnisse, sondern er sieht in ihnen die Schulung zu einem höheren Leben. Es müssen zuerst die Versuchungen der materiellen Welt überwunden sein, ehe die geistige in ihrer ganzen Wichtigkeit erfaßt und verstanden werden kann. So sind ihm, dem Sohn eines Gottes, Kämpfe und Leiden nur ein Ansporn zum Vorwärtsschreiten, nicht aber ein Grund zur Enttäuschung; so fühlt er sich im Kampf mit der materiellen Welt erhaben und als geistiges Kind eines ihn ewig liebenden Vaters stark genug, sie zu besiegen, wie Ich zur größeren Bekräftigung euch als Jesus ein glänzendes Beispiel gegeben habe.

 

In diesem Bewußtsein begreift der Mensch, warum er Gott über alles – d.h. weit über jede andere Neigung hinaus – lieben, die Liebe zu Gott somit als Höchstes achten und nur ihr genügen soll, und warum er seinen Nächsten, ebenfalls ein aus Gottes Hand hervorgegangenes geistiges Wesen, ebenso wie sich selbst lieben, d.h. ihn so achten soll, wie er selbst, als Gottes Ebenbild, angesehen und geachtet sein will.

 

So sollt ihr Mich als Gott lieben, und diese Liebe an dem Nächsten beweisen, damit ihr die wahren Abkömmlinge dessen seid, der allem so viele Wunder eingehaucht hat. Dann wird euch klar werden, daß eine Welt nur dann bestehen kann, wenn Liebe ihr Grundwesen, Liebe ihr Bestehungs- und Vervollkommnungstrieb ist.

 

Das ist es, was Meine beiden Gesetze euch predigen, was sie euch von der Wiege bis zum Grabe in tausend Formen und Verhältnissen sagen und weit über dieses Erdenleben hinaus immer wiederholen werden, daß ohne Liebe kein Vater sein kann, aber ohne Liebe auch keine Kinder bestehen können. Amen.“

(Aus: Gottfried Mayerhofer, Predigten des Herrn. Am 17.Trinitatissonntage. PH.01_043,01)


2. Nächsten-Liebe


Der Herr:Mein lieber Sohn, in deinem letzten Briefe, welchen du an Meinen Schreiber gesendet hast, liegt so ganz dein Herz mit all seinen Zweifeln und nicht stichhaltigen Ansichten vor Mir. Ich leitete es und führe auch andere so, daß, durch Mein Wort angeregt, endlich auf die Oberfläche kommt, was im Grunde schlafend doch das menschliche Herz nicht zur rechten Klärung kommen läßt; und so hast auch du wieder in diesem letzten Briefe ausgekramt, was noch wie unverdaulich in deinem geistigen Magen lag.

 

Siehe, Mein Kind, das ist eben der Unterschied zwischen einem Worte von Mir und dem eines Menschen (oder Geistes), daß Ersteres Unendliches birgt, während das Menschen-Wort, wenn oft nicht gleich, doch meistens nach kurzem Nachdenken ganz begriffen und verstanden wird.

 

Mein Liebe-Gesetz, in Bezug auf den Nächsten, wo es heißt:
`Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!`
scheint so einfach, so leicht begreiflich auch für den Unmündigsten, und doch – wie die Erfahrung lehrt – haben eure weisesten Männer und Gottes-Gelehrten und auch ihr von Mir Selbst in die Schule genommenen Kinder, selbes noch immer nicht ganz im geistig praktischen Sinne erfaßt.

 

Auch du gehörst zu jenen Zweiflern und Grüblern, welche wohl das Wahre suchend, doch noch immer auf Irrwegen wandeln, und dieses einfache Liebe-Gesetz mit ihren Lebensverhältnissen nicht in Einklang bringen können, weil du, wie viele Andere, nicht weißt, wo und wie die Nächstenliebe auszuüben ist, um beides miteinander zu verbinden, um die volle Gewissensruhe zu finden, Recht getan und dem Nebenmenschen nicht geschadet zu haben.

 

Dieser Konflikt (Widerstreit) ist es, welcher auch dich zur Entäußerung deiner Zweifel treibt, Mir andernteils Gelegenheit gibt, dir und so auch anderen einen Weg zu zeigen, aus welchem man beiden, sich und den Pflichten gegen den Nächsten, als Ergänzung des ersten Liebegesetzes: `Liebe Gott – Über Alles!` genüge leisten kann.

 

So höre denn, Ich will dir nun im Großen und im Kleinen deine Zweifel näher beleuchten:

 

Siehe, Mein Sohn, in dem ganzen großen Schöpfungsbereiche, welches Ich euch schon anderswo auseinandersetzte, siehst du die Menschengestalt als Grundform alles Geschaffenen; du weißt auch, daß selbst die materielle sowie die geistige Welt als Total-Komplex eine Umkleidung hat, welche der Menschen- oder auch Meiner Gestalt gleichkommt.

 

Nun, wenn du den menschlichen Körper betrachtest, so wirst du ferner bemerken, daß derselbe aus verschiedenen Teilen oder Organen besteht, welche alle zusammen den Menschen ausmachen, demselben sein Leben geben und es erhalten und nachdem sie abgenützt sind, wieder durch Tod und Verwesung den Rückweg antreten, um sich in die einfachen Grundstoffe aufzulösen, die sodann neuen Verbindungen, neuen Schöpfungen zur Grundlage dienen.

 

Aus der Einrichtung des Körpers wirst du auch gelernt haben, daß aus Bewegung der einzelnen Gefäße, Fasern und Zellen das Leben hervorgeht; mit dem ersten Pulsschlag oder noch früher mit der ersten Lebensentwicklung im Embryo, fängt alles an zu vibrieren, sich zu bewegen, sich zu entwickeln, indem Nehmen und Geben im Stoffwechsel das Leben bedingt, es erhält und es dann endlich wieder zerstört und auflöst.

 

Nun, was du im menschlichen Organismus betrachten kannst, das findest du auf deiner Erde, nur stets wieder in anderen Verhältnissen bei jedem lebenden Geschöpfe und selbst die an und für sich tot scheinende Natur folgt diesen Gesetzen; nur ist in selber das `Nehmen und Geben`, das Bauen und Zerstören nicht so sichtbar, wie bei den lebenden Produkten eures Erdballes.

 

Was du nun beim Menschen, beim Tiere und beim Mineral- und Pflanzenreiche bemerken kannst, wenn du dein geistiges Augenlicht dazu anwendest, das ist eben auch in allen Welten, Sonnen und Planeten, also in der ganzen materiellen Welt und aber auch in der großen Geisterwelt selbst der Fall.

 

Wie im Menschen Zellgewebe, Haargefäße und Nervengeflechte, Venen- und Arterien-Systeme bestehen und dazu Millionen und Millionen von noch feineren Substanzen und Bestandteilen die einzelnen Organe und die Organe endlich den Menschen selbst ausmachen, so besteht in dem Komplexe der ganzen sicht- und unsichtbaren Schöpfung das nämliche Verhältnis, die nämliche Unterordnung zum Besten des Ganzen, das nämliche Prinzip zur Erschaffung, Erhaltung und Auflösung der einzelnen Teile, des Fortbestandes des Ganzen wegen.

 

Wie im Körper der Tiere und Menschen wichtige, wichtigere und sehr wichtige Organe das Leben beeinflussen und eines unter dem andern und alle miteinander zum Bestande des Ganzen materiellen Lebens bestehen, ebenso ist im Geister- und großen Welten-Reiche die nämliche Klassifikation, das nämliche `Warum so und nicht anders` gestellt, geformt und gebildet.

 

Materiell bildet sich die Welt fort und fort, stets erneuernd, stets schaffend, stets vernichtend (die ausgebrauchte Form); geistig das Nämliche; das Materielle ringt nach dem Geistigen, das Geistige nach dem Göttlichen; und so ist die Stufenleiter beschaffen, wo jedes Geschaffene auf dem Grade der Entwicklung, wo es steht, zufrieden mit seiner Lage, nicht den Blick nach rück-, sondern nach vorwärts richtet und nirgends ein Sehnen nach dem `was war ich`, sondern ein Sehnen nach `was werde ich` in sich fühlt, welches es antreibt, anreizt und so sein Leben und den Zweck seines Lebens bedingt.

 

Nun, was in der ganzen materiellen und geistigen Schöpfung das Grundgesetz alles Lebens ist, was dort im Großen Bestand, Fortdauer und Auflösung bedingt, das ist auch im sozialen Beisammenleben der Menschen ebenfalls wieder Grundgesetz; auch hier, analog den Organen des menschlichen Körpers, auch hier gibt es verschiedene geistige und weltliche Stufen, die, wenn auch durch das Zusammenleben vieler in größeren Orten, als Städte und Länder, hervorgerufen, doch am Ende nur im gemeinschaftlichen Wirken einen großen Endzweck haben sollten!

 

So gibt es Arbeitsleute, die Gegenstände verfertigen (Produzenten) und wieder andere, welche diese verfertigten Gegenstände wieder entweder zur Versüßung ihres Lebens oder wieder zu anderer Arbeit brauchen (Konsumenten), so gibt es Gehorchende und Befehlende, Arme und Reiche; - überall ist, gemäß der empfangenen Erziehung, die Anschauung der Welt anders und, während ein jeder wähnt, die rechte zu besitzen, arbeiten alle zum Bestand einer einzigen, zum Bestande Meiner geistigen Welt.

 

Wie die Menschen geistig verschieden sind, ja selbst körperlich sich zwei nie ganz gleichen und selbst am Körper die rechte Seite nicht völlig symmetrisch mit der linken ist, so ist auch die verschiedene Anwendung des Helfenwollens oder die Nächstenliebe für jeden anders, so zwar, daß was für den Einen gut, für den Andern schlecht sein kann.

 

Siehe nun, Mein Sohn, jetzt sind wir dort angekommen, wo du einen tieferen Einblick in das dem Anscheine nach so einfache Gesetz der Nächstenliebe machen kannst. Siehe, aus dem Kulturzustande der jetzt lebenden Menschheit gingen die verschiedenen Stände hervor und das Bedürfnis, welches einen an den andern bindet. – Dieses sind die Organe eines großen Staatskörpers, wie die Organe den menschlichen Körper zusammengesetzt ausmachen.

 

Nun, um also die Nächstenliebe im geistigen Sinne nach Meinem Willen auszuüben, so verweise Ich dich wieder auf dein eigenes Verfahren, wenn du jemanden in Meine Lehre, so wie ihr sie schon seit längerer Zeit erhaltet, einführst.

 

Willst du jemand für Mich gewinnen, was tust du denn? –

 

Siehe, du – wie ihr sagt – fällst nicht gleich mit der Tür ins Haus, du wendest dem Blinden sein Auge nicht plötzlich der Gnadensonne zu, sondern du versuchst, ob er einen kleinen Lichtstrahl vertragen kann, und wie er selben aufnimmt! Je nach diesem Resultate berechnest du deine weiteren Schritte, denn zu grelles Licht blendet ja ebenfalls und schadet dem Sehenden und dem Blinden nutzt es ebenfalls nichts.

 

Was du nun bei dieser Frage tust, das wende auch in Bezug auf deinen Nächsten an, tue ihm Gutes nur insofern, als es deiner Ansicht gemäß nicht schädlich ist; reiche dem Durstigen ein Glas, aber nicht ein Maß stärkenden Getränkes, mit dem Ersteren stärkt er sich, mit dem Zweiten wird er vielleicht seiner Sinne beraubt und du hast nicht geholfen, sondern geschadet; dort hast du der augenblicklichen Not abgeholfen, hier aber ein Laster unterstützt.

 

Es gilt beim Geben ebenfalls als erstes Gesetz, weise den Mittelweg einzuhalten, und auch hier gilt das Sprichwort: `Seid einfältig wie die Tauben, und vorsichtig wie die Schlangen`!

 

Der größte Fehler, der bis jetzt immer zu verkehrten Resultaten geführt hat, ist, wenn selbst gute Menschen, um Meinen Gesetzen zu entsprechen, selbe nur im Wortsinne ausführen wollen, wo sie meistens sich täuschen und mehr Schaden anrichten als Gutes bewirken.

 

Ich will dir einige Beispiele anführen. – Höre also:
Nehmen wir an, du hast in deiner Begeisterung für Meine Lehre den Entschluß gefaßt, dich all deiner Habe zu entäußern; du gibst – laut dem Wort im Evangelium – alles was du hast, den Armen, oder wenigstens Denen, welche sich vor dir als solche darstellen; glaubst du, du habest mit dieser Tat Meinen Willen und Meinem Gesetze entsprochen? Mitnichten, du hast vorerst dich von allem entäußert; heute tatest du, wie du meinst, sehr viel Gutes und morgen bist du selbst ärmer als die, welchen du gestern gegeben; du hast dich nicht allein deiner Habe entledigt, sondern du hast dir auch die Gelegenheit abgeschnitten, fürder Gutes zu tun und in manchen Fällen eine Träne zu trocknen, die aus einem Auge der Dankbarkeit geflossen wäre.

 

Deswegen ist richtig-helfen nicht eben so leicht, als man glaubt; du wendest Mir dagegen ein: `Ich habe als Christ meine Schuldigkeit getan, diese wird der Herr mir allein anrechnen; ob meine Gabe genützt oder geschadet, das geht mich nichts mehr an.` So vielleicht urteilst du, und Ich sage dir, du hast als blinder Wortreiter geglaubt des Guten etwas getan zu haben, aber du hast durch dein unzeitiges und etwa zu viel Geben vielleicht eine Seele von Mir entfernt, welche Ich auf dem Weg der Not zu Mir führen wollte.

 

Hättest du mäßig gegeben, so wäre für den Augenblick geholfen und für die Zukunft nicht geschadet gewesen, allein auf einmal einen Armen z.B. aller seiner Sorgen zu entheben, ist gefährlich, denn er vergißt seinen früheren Zustand gleich, und kann sich im neuen nicht leicht fassen.

 

Das beste Geben an Notdürftige ist, wenn man ihnen – so es möglich – Arbeit verschafft, damit sie arbeitend ihr Brot verdienen, welches besser ist als faulenzend von Tür zu Tür zu wandern; und wo dieses nicht sein kann, so macht es so wie Ich einst sagte: `Speiset die Hungrigen und kleidet die Nackten` usw. – dieses schadet niemand und wendet die Herzen euch selbst und Mir zu; alles andere aber artet leicht in Missbrauch aus!

 

Wie Ich schon früher sagte: Es gibt verschiedene Zustände in der menschlichen Gesellschaft. So wie du eine Menge Menschen unter dir hast, welche durch Geburt und Umstände, ob schuldig, ob unschuldig – in dürftigen Verhältnissen leben müssen, ebenso viele siehst du ober dir, die vom Glücke, wie ihr sagt, verfolgt, oft gar nicht wissen, was sie mit all dem Geld oder Gut tun sollten, welches sie besitzen, nicht eingedenk der Ehren und hohen Stellen, die sie vielleicht einnehmen, von Geburt aus, oder weil sie mit wohl berechnendem Verstande die Umstände zu benützen wußten, um vorwärts zu kommen.

 

Nun, gegen diese soll deine Nächstenliebe nur insofern sich äußern, daß du ihnen gegenüber – haben sie dir Vertrauen geschenkt, weil sie dich als rechtlichen Mann betrachten – dein Gewissen rein hältst und pflichtschuldigst erfüllst, was du ihnen beim Antritte deines Amtes gelobtest.

 

Deine Macht ist auf keinen Wirkungskreis angewiesen, höchstens durch Fürsprache dort Gutes zu wirken, wo eigene Mittel nicht auslangen. Was das geistige Wohl der über dir Gestellten betrifft, so lasse nur Mich machen, Ich finde schon die rechten Mittel, sie zur geeigneten Zeit mürbe zu machen, damit dann eigenes Unglück ihr Ohr geneigter gegen fremdes macht. So wirke du in deinem Wirkungskreise, gebe stets mit Liebe, gebe aber nur so viel, als den Umständen gemäß du für gut erachtest, das Andere laß dann Mir übrig.

 

Die Welt, wie sie jetzt ist, das Jagen nach Glücksgütern, um jeden Preis und mit jedem Mittel – ist das Nämliche, was in deinem Körper der natürliche Verlauf oder die Abnützung der Organe selbst ist. Die Reichen, die Mächtigen auf eurer Welt, welche diese Erde zum Paradies des Friedens machen könnten, es ergeht ihnen, wie dem durch unordentliche Genüsse verdorbenen Organismus eines Menschen; so wie die Organe im menschlichen Körper ihren weisen Zweck hatten und denselben auch gewiss erfüllen würden, so lange nicht der ihnen angemessene Bereich überschritten wird, ebenso die höher Gestellten, so lange sie den Zweck nicht vergessen, warum sie als Teile eines größeren Organismus da sind. Eben jetzt, wo sie die unter ihnen Stehenden meist so ganz außer acht lassend, nur ihren Wirkungs- und Macht-Kreis ins Unendliche ausbreiten wollen, ergeht es ihnen wie den einzelnen Organen im menschlichen Körper, wenn eines auf Kosten des anderen seine Existenz fristen will, er geht seiner Auflösung entgegen; und jetzt, wo in eurem Staatenleben ebenfalls kein rechtes Gleichgewicht mehr ist zwischen reich, bemittelt und arm, jetzt sehen mit Schrecken die Obenstehenden, wie ihre Füße nicht auf festem Boden stehen, und das künstlich hinaufgeschraubte Gebäude, seiner Grundfesten bald entledigt, zu Staub zusammensinken wird, um dann aus demselben, oben nicht mehr brauchbaren Elementen, unten ein desto kräftigeres Gebäude aufzuführen, welches auf mäßiger Arbeit, aber auch mäßigem Gewinne gegründet, diese großen Klüfte zwischen Reich und Arm ausfüllen wird. –

 

So wie diese fatalen Umstände, durch den Mißbrauch herbeigeführt, die Zerstörung des Ganzen beschleunigen, ebenso im Kleinen, in der Ausübung der Nächstenliebe, wenn Mein Wort mißverstanden zu Ausschreitungen führt, wir ihr sie überall sehen könnet!

 

Welches Resultat haben und hatten nicht die Anachoreten (Einsiedler), welche nur ein Leben der Betrachtung führen wollten, wie oft strafte sie ihre eigene Natur und zu was waren sie ihrem Nebenmenschen nütze? Was ist das Resultat des klösterlichen Lebens? Wo wurden mehr Schandtaten begangen, als gerade in jenen Mauern, die Mir geheiligt sein sollten!? -

 

Was ist aus dem christlichen Kultus, aus der ganzen Priesterschaft und aus dem größten Teile der röm.-kath. Völker geworden, welche alle nur den Hauptwert auf Äußeres verlegten und mit dem Mich im Kultus und in Zeremonien zu verehren, glauben alles getan zu haben, was einem Christen gehört.

 

Überall wirst du Ausschreitungen fanatischer Wut, Laster und Rache, aber keine versöhnende Liebe, keine Duldung mit den Schwächen des Nächsten finden. Nirgends besser, als in der Kulturgeschichte eurer Völker selbst, könnet ihr es lesen, wie oft dieses einfache Gesetz der Bruder- und Schwester-Liebe mißverstanden wurde.

 

Daher, Mein lieber Sohn, übe du die Nächstenliebe im Sinne deines Heilandes, schreibe die Unbilden und Schwächen anderer in den Sand und die von Dir erwiesenen Taten in den Grund deines Herzens; erhebe dich höher, höher an Meine Seite, sehe von da aus dieses Wirrwarr und Regen der geschäftigen Geisterwelt mit klarem Blicke an, und du wirst bald begreifen, wo Bruder- oder Nächstenliebe auszuüben und wie selbe auszuüben ist.

 

Erhebe dich aus der Kloake der menschlichen Ansichten und Vorurteile, werde Geist, durchblicke Meine ganze Schöpfung mit geistigem Auge und du wirst überall ersehen können: Die nämlichen Ursachen haben die nämlichen Wirkungen.

 

Messe nichts einen größeren Wert bei, als es eigentlich in geistiger Hinsicht hat, dann wirst du leichter erkennen, wo und wie man den Bruder materiell unterstützen und ihm geistig helfen kann, - dann wird dir klar, wie Mein Wort in seiner Einfachheit, einst nur armen Fischern gepredigt, eine Licht- und Freuden-Quelle des menschlichen Herzens werden kann, wenn die freigebige Hand, mit weiser Umsicht gepaart, dort und nur so hilft, daß das Fortschreiten zur geistigen Weihe dadurch nicht aufgehoben, sondern eher befördert wird.

 

Erhebe dich zu Mir, Mein Sohn, zum einstigen Zimmermann-Sohne, Der einfach, wie er geboren, einfach, wie Er lebte, in Seinem kleinen Wirkungskreise als Mensch das Größte geleistet hat, indem Er den Menschen in seine geistige Würde wieder einsetzte, ihm wieder gab, was er verloren hatte und so die Kette des Eigennutzes und der materiellen Herrschaft, als Gott – Seiner würdig – in jene der Liebe, der Duldung und Versöhnung umbildet hat.

 

Erhebe dich zu dem Dulder am Kreuze und wenn du Meine Worte und Gesetze klar verstanden hast, dann blicke auf Mich und rufe aus, wie einst Ich, deine Mission als Mensch genau erkennend: `Dank Dir, o Herr, jetzt weiß ich, wie ich Dich, und wie der Menschen lieben soll! Es ist vollbracht!` Amen!“

(Gottfried Mayerhofer, „Nächsten-Liebe“. Aus: „Lebensgarten“, Seite 15ff, Lorber Verlag)


3. Über die zwei Liebes-Gebote


Der Herr:Aber, Mein lieber Sohn, wie hast du dich doch in eine Sackgasse verrannt, daß du solche Zweifel über Meine Worte hegen kannst und dein Mir schon so lange ergebenes Herz mit solchen Grübeleien durchfurchen lässest. Was willst du denn eigentlich? Siehe, Ich sage es dir, du weißt es selbst nicht. Damit du aber wieder klar sehen lernest und deinen Frieden erlangen kannst, so will Ich dir Meine zwei Gebote vorerst noch näher erklären, als es bisher geschehen und dir dabei deutlich zeigen, was Buchstaben, was geistiger und was himmlischer Sinne ist, welcher in selben enthalten und du denselben noch nicht ganz herausgefunden hast und deswegen auch nicht ganz beurteilen kannst.

 

Du bekennst ja doch offen selbst, daß der Buchstabe oder das Wort individuell von jedem verschieden aufgefaßt werden kann, je nach seiner geistigen Stufe und sagst und versicherst, daß es doch nur eine Wahrheit geben kann. In dieser Hinsicht hast du auch Recht, doch die Anwendung dieses Satzes ist bei dir falsch; und eben daher der Unfriede oder das Herauskommen aus dem vermeintlichen Ruhe-Himmel, wie es dir eben jetzt begegnet, wo du dir so ein bequemes Betrachtungsleben dachtest, und die dich umgebende Welt und deren Verhältnisse so ganz außer acht setzen wolltest.

 

In Meiner Schöpfung ist alles so geordnet, daß jeder Fehler gegen Gesetze, seien es moralische oder physische, sich von selbst straft; du willst dir eine eigene ideale Welt machen, abgesondert von der faktisch wirklichen und selbst aus Meinen Worten mußt du ersehen, es geht nicht. Du kannst eine Seelen-, eine Geistes-Welt in deinem Innern tragen und doch mitten unter dem wüsten Treiben der verkehrten Menschheit dir allein treu deine eigene Ruhe und Frieden bewahren und im seligen Bewußtsein auch andern Suchenden und Zweiflern dazu verhelfen. Die Anwendung der Mittel und die Betrachtung der Verhältnisse und Umstände müssen aber der Art sein, daß selbe nur in ihrem eigentlichen Wert beurteilt werden. Sich von der Welt ganz losmachen, ist so wenig möglich, als wie bei Lebzeiten `aus der Haut fahren` – wie ihr sagt – und wohin denn?

 

Siehe Meine eigene Lebensbahn auf Erden an, habe ich Mich zurückgezogen? Habe ich bloß die Guten, die Mir Anhänglichen leiten und beglücken wollen? Habe Ich nicht vielmehr wie ein jeder Arzt die Kranken statt der Gesunden aufgesucht? Habe Ich nicht auch gesagt: Ich bringe euch nicht den Frieden, sondern das Schwert! – was so viel sagen will, als: Ich bin nicht gekommen, euch in eurem bequemen Religionstaumel vollends einzulullen, eure falschen irrigen Begriffe zu bestätigen, sondern Ich stoße das Schwert des Zweifels in euer Herz, damit es aufwache von dem gemütlichen Schlummer, damit der Mensch endlich einmal anfange zu begreifen, daß es nicht so leicht ist, Mensch zu sein, so wie Ich es wollte und zu welchem Zwecke Ich ihn schuf und daß es noch bei weitem schwerer ist, erst Mein Kind, Kind eines großen, geistigen, ja des höchsten geistigen Wesens genannt zu werden und einst gerechten Anspruch zu haben auf all die Seligkeiten, die Ich jenen aufbewahrt habe, welche Mich und Meine Lehre nicht allein ganz begreifen, sondern handelnd selbe sich zu ihrem zweiten Ich gemacht haben.

 

Zwei Gebote, Gebote der Liebe setzte Ich ein, als die zwei Grundpfeiler, auf denen Meine ganze Schöpfung ruhet; und es waren und mußten auch nur zwei Liebes-Gebote sein, weil Liebe der Grundfaktor alles Seins und die einzige Eigenschaft Meines Wesens selbst ist; denn wäre Ich nicht die Liebe, so würde Ich auch keiner Schöpfung bedürfen, keiner andern Wesen, die Mir dieses Liebegefühl wieder zurückgeben sollten, aus Dankbarkeit für ihre eigene Existenz, und als Anerkennung für alles dieses, was Ich erschaffen, um gerade allen Wesen Meine Liebe verständlich, begreiflich zu machen. Je mehr aber ein Wesen Meine beiden Gebote versteht, desto mehr wird es auch selbst Liebe an andere abgeben und so sich Frieden erringend, andern ihr Los erleichtern.

 

Das richtige Auffassen nun dieser zwei Gebote ist es, welches dir noch fehlt, und Du zwischen dem Buchstaben und geistigen Sinne hin- und herschwankst. – Um dir nun, - wie Ich es früher dir versprach, deinen verlorenen Frieden wieder erkämpfen zu helfen, so will Ich dir diese beiden Gebote näher erklären, und dir durch diese Erklärung zeigen, daß du diese Gebote wohl schon oftmals gelesen, überdacht, aber doch noch nie so aufgefaßt hast, wie Ich es will, und wie diese Auffassung dir Ruhe und einen richtigen Anhaltspunkt während deiner ganzen irdischen Laufbahn geben könnte.

Nun so höre:

Das erste Gebot heißt: Liebe Gott über `Alles`!

Was will denn das eigentlich sagen?

Was heißt denn eigentlich beim Menschen dieses `Alles`? Siehe, du hast schon oft dieses Gebot gelesen, bedacht und ausgesprochen und doch nie dir Rechenschaft darüber gegeben, was will denn dieses `Alles` sagen? Denn wenn du etwas ausüben willst, so mußt du doch einen Maßstab, eine gewisse Grenze haben, zwischen welcher deine Handlungen sich bewegen, die dir den Frieden geben oder nehmen können. Nun siehe, dieses `Alles` bezeichnet dir diese Grenze.

Was ist aber das `Alles` nach menschlicher Denkkraft?

Dieses Wort ist so klein und so groß, je nachdem der menschliche Geist selbst seine Forderungen an sich stellt, denn dem Einen beschränkt sich seine Welt auf einen sehr kleinen Kreis, der Andere hat eine große Wirkungssphäre vor sich. Dem Einen – arm von Geburt und arm an geistigen Fähigkeiten – ist sein Alles mit wenigen Worten ausgesprochen, dem Andern – mit Reichtümer überhäuft und mit weit ragenden ehrgeizigen Plänen, oft einen ganzen Erdteil und Millionen von Menschen umfassend – ist sein Alles ein ewig nie endendes Pläneschmieden und Streben selbe auszufüllen. Wieder ein anderer, welcher nur der Ausbildung seines Verstandes durch Gelehrsamkeit lebt, diesem ist die Forschung nach neuen Naturgeheimnissen seine ganze geistige Welt usw. So ist millionenfach verschieden die Auslegung dieses einzigen Wortes: `Alles`!

 

Siehst du hier, wenn du dich nur in dieses Wort allein vertiefen willst, welch großartige Geisteswelt sich dir öffnet, welche Verschiedenheit, welche Mannigfaltigkeit und doch ist nur diese einzige Wahrheit als Grundbasis darin verborgen, die mit den wenigen Worten zusammengefaßt werden kann: `Opfere alles, was dir teuer und wert sein kann – der Liebe zu Gott!`

 

Auf diesem Punkt kommen alle diese Verschiedenheiten und Mannigfaltigkeiten des Ausdrucks, was der Mensch am meisten liebt, zusammen, daß er alles dieses gering achten und die Liebe zu seinem Schöpfer, seinem Herrn und Vater bei weitem größer sein sollte als die Anhänglichkeit an andere Dinge, welche ihm auf seiner Lebensbahn als die wichtigsten und erhabensten erscheinen.

 

Willst du also auch deinen Verhältnissen gemäß deinen Gott lieben, wie Er es verdient, so mußt du im Falle bereit sein, alles aufzuopfern, ehe du diese Gottesliebe verlieren möchtest.

 

So lautet das erste Gebot; es verlangt eine unbegrenzte, höchste, geistige Liebe, welche dem Schöpfer nur allein würdig und den Menschen fähig machen kann, einst diese Würde mit Seinem Gott, im Verhältnis wie Kind und Vater, zu teilen.

 

Dieses Gebot: `Liebe Gott über Alles!` besagt aber auch, daß der Mensch in allen Verhältnissen, in welche er kommen kann, stets nach dem Willen des Vaters handeln und sich auch stets dem Willen Desselben unterordnen will. Wer den Gottesgedanken so in sich eingeprägt hat, daß er `Alles`, was er tut, nur im Hinblick auf die Fügungen einer höheren liebenden Vaterhand ausübt, der hat seine Ruhe und seinen Frieden leicht erkämpft, denn er begnügt sich mit jedem Resultate, wie und ob seine Wünsche erfüllt werden oder nicht; denn er unterordnet Alles der höheren Liebe zu seinem Gott, zu seinem Vater. So betrachtet, ist das Gebot dann in steter Ausübung erfüllt, macht Mir eine Freude und gibt dem Ausüber seine Ruhe, seinen Frieden.

 

Das zweite Gebot, welches eigentlich nur das erste wieder ist, aber in praktischer Auslegung sagt: `Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!` weil eben die Gottesliebe durch Taten bewiesen, und an dem Nächsten erprobt und bewiesen werden kann; denn der geistige Mensch kann nur wieder an lebenden Wesen eine vernünftige Liebe ausüben, den Stein, die Luft oder das Wasser kann er wohl, ihrer Eindrücke gemäß, stets bei und um sich wissen, aber lieben, geistig lieben kann er sie nur dann, wenn auch sie des materiellen Kleides entbunden als Parzellen Meines eigenen Ichs erscheinen. Die eigentliche, also werktätige Liebe, wie man seinen Nächsten lieben sollte, ist der Maßstab: `Wie sich selbst.` Nun, hier sind wir wieder auf demselben Punkte angekommen, wie oben mit dem `Alles` im ersten Gebote.

Was heißt denn: `Wie sich selbst?` –

Dieses Wort `Selbst` ist ebenso elastisch und vieler Deutungen fähig, indem es beim Menschen mit der höchsten Potenz des Egoismus anfängt und mit der gänzlichen Vernichtung dieser Selbstliebe beim Selbstmörder aufhört. Zwischen diesen beiden Extremen liegt eine ganze Welt von Begriffen, Ansichten und Meinungen, welche ebenso, wie die Individuen selbst, bei Jedem recht, und im Ganzen doch alle falsch sein können.

 

Den Nächsten also wie sich selbst zu lieben, ist, vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet, vielen Bedeutungen unterworfen, während, als zweites Liebesgesetz von Mir gegeben, es doch nur eine Wahrheit enthält, und diese heißt mit anderen Worten:

Was du nicht willst, das man dir tue, das tue auch Anderen nicht!

Hier liegt dieses Gesetz in seiner einfachen Wahrheit vor dir, und wenn du selbes in diesem Sinne in allen Verhältnissen beachtest und dessen eingedenk bist, so wirst du gewiß stets den rechten Maßstab finden, in wie fern die Nächstenliebe Mir gefällig auszuüben ist.

 

Du sagst da: der Wille ohne Tat sei ein unweises Ding; - hier hast du ganz Unrecht, denn Meine Welt ist eine geistige, - dort werden die Beweggründe, die Gedanken abgewogen und die Taten – als Resultate von ersteren – in so weit geregelt, als deren Erfüllung oder Nicht-Gewährung in das große Geistes-Netz des Fortschrittes aller geschaffenen Wesen passt oder nicht. Als Täter seid ihr alle nur blinde Handwerker, denn wenn ihr tun könnet, was ihr wollt, die Folgen einer jeden Tat sehet ihr doch nicht, aber Ich; - und so muß Ich da oft den Eifer wohl durch Hindernisse dämpfen und dort den Langsamen durch Ereignisse erwecken oder zum Handeln zwingen. Nichts in Meiner ganzen Schöpfung steht allein. Alles ist verbunden; von dem kleinsten Ätherteilchen bis zur größten Zentralsonne ist es eine Kette von Ursachen, Folgen und Wirkungen, und wie materiell, so ist es geistig das Nämliche.

 

Kein Mensch – will er seine Mission erfüllen – kann sich aus dieser Kette entfernen, sein eigenes Leben vom Gesamtleben lostrennen. Wo es aber doch geschieht, da straft es sich selber. Das zweite Gebot der Nächstenliebe ist eben dieses Band, welches den Einen an den Andern kettet und der Endsatz dieses Gebotes ist die Grenze, wie weit solche Bruder-, solche Schwesterliebe gehen soll. Daher halte auch du nicht am Buchstaben, aus ihm erwächst dir kein Friede. Das Heer der Zweifel hat deinen Geist aufgeregt, nun suchst du deine Ruhe wieder zu gewinnen und Ich kann dir den Weg dazu mit wenig Worten zeigen, und diese Worte heißen:

 

Handle gegen deinen Nächsten in allen Verhältnissen so, daß stets die Gottes-Liebe der Grund und die Nächstenliebe der Ausdruck dieser Gottesliebe ist.

 

Bekümmere dich nicht um die Verhältnisse, in denen du leben mußt. Die Verhältnisse sind zum Teil Mein Werk, du kannst ihnen den Stempel der Göttlichkeit durch dein eigenes Handeln aufdrücken, du kannst in deinen und in allen Verhältnissen dem Notleidenden ein tröstender Engel werden, du kannst durch das Bewußtsein des edelsten Willens auch die kleinste, geringste Tat als höchstes Beispiel von Aufopferung, von Gottes- und Bruderliebe hinstellen.

 

Nicht die Tat selbst ist es, die dein Gemüt adelt und es erhebt, es ist der Wille, mit welchem du sie verrichtest hast. Das Übrige überlasse Mir; wirst du auch betrogen, d.h., verwendest du manchmal deine Gaben an Unwürdige, das geht nicht mehr dich, das geht den Empfänger und vorerst auch Mich an. Das Betrogenwerden, wenn du es später auch erfährst, ist eine Lehre, nicht eine traurige Erfahrung für dich und soll dich erinnern an Mein Wort: Seid vorsichtig wie die Schlangen und dabei einfältig wie die Tauben!

 

Werde in Zukunft vorsichtiger im Geben und lasse nicht allein die Liebe, sondern auch den Verstand (Weisheit) mit walten, soweit es deiner Einsicht gestattet ist, das Wahre vom Falschen zu erkennen.

 

So lange du unter Menschen lebst, mußt du die Menschen nehmen, wie sie sind und sie nicht verlangen, wie sie sein sollten; zudem werde schon Ich nach und nach die Mittel finden, sie alle zusammen unter ein Dach zu bringen.

 

Siehe auf Mich, wie Ich einst lebte unter euch Menschen und welche Lehre Ich euch hinterlassen habe, um eure geistige Würde wieder herzustellen; folge dieser Lehre der Demut, der Duldung und bereitwilligen Aufopferung und es wird Friede und deine Ruhe wieder zurückkehren, die du jetzt verloren wähnest.

 

Bedenke stets: Du bist Mensch und mußt unter Menschen leben und nur im Ertragen ihrer Schwächen wächst deine geistige Stärke. Durch Absonderung von ihnen gewinnst du nichts, denn dein Geist schreitet nicht vorwärts, weil ihm die Nahrung, der Widerstand gegen sein eigenes Prinzipienleben fehlt, welches der Anreger zum geistigen Fortschritte, zur geistigen Vervollkommnung ist.

 

So, Mein Sohn, wirst du dann Meine beiden Liebesgebote im wahren Sinne erfüllen und Mir ein würdiges Kind hier und im Jenseits werden! Amen!“

(Gottfried Mayerhofer, „Über die zwei Liebes-Gebote“. Aus: „Lebensgarten“, Seite 30ff, Lorber-Verlag)