„Die schaubare Materie (ist) im Grunde nichts als gefesseltes und fixiertes Geistiges.“ (Er.01_027,01)

 

 

Entstehung und Zweck der Materie

 


Bei Betrachtung des geistigen Teiles der Erde werden wir nicht aus der Tiefe in die Höhe, sondern aus der Höhe in die Tiefe steigen, weil man sich von außen nach innen kehren muß, um zu dem Geistigen zu gelangen, das bei jedem Ding das Tiefste und Inwendigste ist. Es ist euch schon oft gezeigt worden, dass innerhalb des Materiellen sich immer Geistiges birgt, und wie die schaubare Materie im Grund nichts anderes ist als gefesseltes und fixiertes Geistiges.

 

Jede Materie ist teilbar, weil sie aus Teilen besteht, und zwischen diesen sind noch immer kleine Räume, Poren genannt. Niemand kann aussagen, in welche endlich kleinsten Teile die Materie teilbar ist.

 

Man nehme z.B. ein Körnchen Moschus und lege es in ein großes Gemach. In kurzer Zeit wird dieses mit dem Moschusduft erfüllt sein. Man kann ein solches Stückchen viele Jahre liegen lassen, und es wird weder an Volumen noch an Gewicht merklich verlieren. Und doch mussten sich in jeder Sekunde viele Millionen Teilchen von diesem Stückchen ablösen, um das ganze Gemach mit dem Duft zu erfüllen.

 

Wenn nun alle Materie bis in ein fast unendliches Minimum teilbar ist, so ist es deutlich, dass sie notwendig aus Teilen zusammengesetzt sein muß. Was aber zieht diese Teile zusammen und fügt sie so fest aneinander, dass sie wie eine feste Masse aussehen?

 

Da ist schon die erste Stufe, auf der das Geistige beginnt!

 

Diese endlos kleinen Teile sind ursprünglich nichts als lediglich eine Ideenkraft aus Mir, dem Schöpfer aller Dinge.

 

Diese Idee bekommt Form, und die Form erhält Leben aus dem Leben des Schöpfers. Er gibt die neubelebte Form frei von sich, gibt ihr aus seinem Urlicht ein Eigenlicht und mit diesem lebendigen Licht die eigene Intelligenz, durch die die neubelebte Form sich erkennt und ihrer selbst wie ein selbständiges Wesen bewusst wird.

 

Hat sich die Form so erkannt, dann wird ihr die Ordnung – ein Gesetz alles Seins – gegeben, mit dieser Ordnung das innerste Feuer der Gottheit, ein Funke der ewigen Liebe; aus diesem geht hervor der Wille. Nun hat die neubelebte Form: Licht, Selbsterkenntnis, Selbstbewusstsein, Ordnung und Willen, und sie kann ihren Willen der Ordnung gemäß einrichten oder auch dawiderhandeln.

 

Bewegt sich ein neues Geschöpf der Ordnung gemäß, so wird es als ein vollkommenes, freies Wesen im großen Schöpfungsraum auftreten zum ewigen Fortbestehen, weil sein ganzes Wesen aus Mir, der Ich ewig bin und sein werde, geschöpft ist.

 

Darum ist der Mensch ein „Geschöpf“, weil sein Wesen aus Mir geschöpft ist, und sein Los kann kein anderes sein als Mein eigenes. So, wie wenn jemand aus dem Brunnen Wasser schöpft, das Wasser im Gefäß die gleiche Art und Bestimmung hat wie das Wasser im Brunnen, aus dem es geschöpft wurde.

 

Wenn aber so ein neues Wesen mit seinem Willen der gegebenen Ordnung nicht Folge leistet, so geht es seinem Untergang, seiner Auflösung entgegen.

 

Nehmen wir an, eine Pflanze hätte freies Bewusstsein und könnte sich Wasser, Licht und Wärme nehmen, wollte aber nicht – was wird aus ihr? Sie wird verdorren und vergehen.

 

Mir, dem Schöpfer kann es nicht gleichgültig sein, ob ein Wesen, das aus der Fülle Meiner göttlichen Wesenheit geschöpft wurde, nur eine Zeitlang oder ewig besteht. Wäre das erste der Fall, müsste offenbar ein Teil aus Mir vernichtet werden können, was unmöglich ist. Es kann somit, wenn es einmal besteht, nur für die Ewigkeit geschaffen sein.

 

Aber ein solches Geschöpf kann sich freiwillig aus Meiner Ordnung entfernen, und das bedeutet ebensoviel wie für Mich aufhören zu sein. Auf diesem Weg würde sich mit der Zeit neben Mir eine entgegengesetzte Kraft bilden, die Meinem freien Wirken Störungen entgegensetzen könnte.

 

Ich, die höchste Vollkommenheit, müsste selbst unvollkommen sein, um eine Unvollkommenheit neben Mir zu dulden.

 

Weil dies unmöglich ist, wird ein solches Geschöpf sogleich gefangengenommen und an einem Ort fixiert.

 

Sehet, diese Fixierung ist das, was ihr als Materie seht und empfindet.

 

In den endlos vielen Teilchen der Materie ruht die Intelligenz des nun gefangengenommenen Wesens. Seine Intelligenz kann nie zugrunde gehen. Aber sie ist so lange gefestet, bis sie zur geistigen Reife gelangt und ein solches Wesen anfängt, in all seinen Teilen die Gottheit aufzunehmen. Dann erst ist es reif, wieder dahin zurückzukehren, von wo es gekommen ist.

 

Aus diesem Grunde muß alle Materie wieder in das Kleinste aufgelöst werden, damit kein Teilchen mehr existiert, das nicht fähig wäre, das Bild der ewigen Sonne aufzunehmen. Und in dieser Aufnahme des ewigen Urbildes liegt die neue Schöpfung, in der sich die nun frei gewordenen Intelligenzen eines Wesens ergreifen, in die erste Urform zurückgehen und wieder das werden, was sie schon im Urbeginn hätten werden sollen.“ (Er.01_027,01ff)