"Siehe, das Wissen wird dir ewig nichts nützen zum Leben; aber so du handeln wirst nach der Wahrheit, so wirst du das Zeugnis der Wahrheit finden." (HGt I.71.34)


 

Offenbarungskritik:

Ein Problem der Wahrheitserkenntnis

 

Thomas Noack

 

 

1. Das Problem

2. Die Wahrheit ist erkennbar

3. Was verstehe ich unter Offenbarungskritik?

4. Die Wahrheit der Offenbarung ist geistig

5. Das Organ der Wahrheitserkenntnis

6. Wie kann das Herz als Erkenntnisorgan aktiviert werden?

7. Der Einwand des Verstandes

8. Das äußere Wahrheitskriterium

 


1. Das Problem


Das Problem der Offenbarungskritik ist ein Problem der Wahrheitserkenntnis. Einerseits ist es notwendig, den Wahrheitsgehalt sogenannter Offenbarungen zu prüfen, andererseits fragt man sich, ob das überhaupt möglich ist. Denn die geoffenbarte Wahrheit entstammt einem höheren, dem göttlichen Bewußtsein. Übersteigt sie damit nicht zwangsläufig unser Verständnis? Entzieht sie sich nicht jeglicher Überprüfung mit den bescheidenen Mitteln unseres Denkvermögens? Diese Fragen drängen sich uns besonders angesichts ständig neuer Offenbarungen und Vaterworte auf, die sich nicht selten erheblich widersprechen. Doch auch wenn es nur eine einzige Offenbarung gäbe, müßte man sie stellen: Kann der Mensch die Wahrheit, zumal die geoffenbarte, überhaupt erkennen? Oder muß er das von oben Gegebene als gegeben hinnehmen?

 


2. Die Wahrheit ist erkennbar


Eine Offenbarungskritik, die diesen Namen wirklich verdient, muß von der These ausgehen, daß die Wahrheit erkennbar ist. Es gab philosophische Richtungen, die das energisch bestritten. Und auch heute sind für die meisten Zeitgenossen glauben und erkennen meilenweit voneinander entfernt. Das war jedoch nicht immer so und entspricht auch nicht der Absicht Jesu, der ja als das Licht in die Welt kam. Wiederholt werden im Johannesevangelium "glauben" und "erkennen" als eng zusammengehörige Begriffe genannt:1 "Wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Heilige Gottes bist." (Joh 6.69) "Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr tatsächlich meine Schüler und werdet die Wahrheit erkennen." (Joh 8.31f) Die erkennbare Wahrheit, das ist die Botschaft des Johannesevangeliums. Sie wurde im Laufe der Zeit gründlich verdunkelt, steht aber dennoch am Anfang des Christentums.

 

In diesem Zusammenhang ist ein längeres Zitat aus den Lorberschriften erwähnenswert, das bezeichnenderweise eine ganze Reihe johanneischer Aussagen enthält. Die Offenbarungskritik taucht hier als das "Kriterium der Wahrheit Meiner Lehre" auf:

 

"Ja, wird mancher fragen: Wie soll man denn das [nicht leicht- noch abergläubisch sein, sondern allein die Wahrheit in allem suchen] anstellen? Die Antwort ... lautet ganz kurz also: 'Wer an Mich glaubt, nach Meiner Lehre lebt und handelt, zu dem werde Ich selbst kommen und Mich ihm gerade also getreuest offenbaren, wie nun euch' [Joh 14.21]. Daß darin auch das einzige Kriterium der Wahrheit Meiner Lehre liegt, habt ihr nun selbst mehr als handgreiflich in mehreren noch lebenden Beispielen vor euch; denn Ich sagte darum ja auch zu Meinen Aposteln, als sie selbst nicht so recht im klaren waren, für wen sie Mich eigentlich halten sollten: 'So ihr an Mich glaubet und nach Meiner Lehre handeln werdet, dann erst werdet ihr auch vollends in euch erkennen, daß die Worte, die Ich zu euch geredet habe, nicht Menschen-, sondern Gottes-Worte sind' [Joh 7.17]. Und wieder sagte Ich einst zu Meinen Aposteln: 'Nicht nur ihr, sondern in der Folge ein jeder Mensch, der wahrhaft zu Mir kommen will, muß von Gott aus gelehrt sein [Joh 6.45]. Denn den der Vater - oder die ewige Liebe in Mir - nicht ziehet, der kommt nicht zu Mir [Joh 6.44]', oder mit andern für euch faßlicheren Worten gesagt: Wen die wahre (reine) Liebe zur Wahrheit und zum Lichte nicht anziehet, und der in seiner Trägheit und Schläfrigkeit ganz behaglich verharret und sich in der Welt so viel als möglich allen Vergnügungen und Zerstreuungen in die Arme wirft, wird der wohl irgendeinmal zum Lichte der Wahrheit gelangen?" (Suppl 236f)

 

Abgesehen von den interessanten Interpretationen der johanneischen Stellen, sind zunächst die Stellen als solche beachtenswert. Johannes ist die mächtigste neutestamentliche Stütze unserer These, daß die Wahrheit erkennbar ist. Die Stellen ließen sich sogar noch vermehren. Jesus Christus verheißt "den Geist der Wahrheit", der uns "in alle Wahrheit einweisen wird" (Joh 16.13). Und er sagt: "Wer an mich glaubt … von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen." (Joh 7.38) Die Ströme lebendigen Wassers sind die aus dem Herzen quellenden Erkenntnisse.

 

Die urchristliche Botschaft, daß das Licht der Wahrheit in die Welt gekommen ist und wir somit nicht mehr Gefangene der Finsternis sein müssen, findet ihre wunderbare Fortsetzung in den beiden klassischen Neuoffenbarungen durch Swedenborg und Lorber. Swedenborg sah in einer Vision, die für unser Verständnis der neuen Kirche grundlegend ist, einen Tempel, darüber die Inschrift: "Nunc licet!" (WCR 508). Intuitiv erfaßte er den Sinn dieser Worte: Nun sei es erlaubt, mit Verständnis den Tempel der Wahrheit oder die Geheimnisse des Glaubens zu betreten. Damit brach das Zeitalter der ecclesia spiritualis an, in der das Bedürfnis, die Wahrheit zu verstehen, immer drängender werden sollte. Wenn man diese herrliche Vision vor Augen hat und dann von Offenbarungsaposteln belagert wird, die einem ihre Meinung aufschwatzen wollen, dann freilich bleibt einem der Freudenschrei über das neue Zeitalter schier im Halse stecken.

 

Interessanterweise stehen dem Sinne nach ähnliche Worte auch über dem Portal des Lorberwerkes, die Eingangsworte lauten nämlich:

 

"Wer mit Mir reden will, der komme zu Mir, und Ich werde ihm die Antwort in sein Herz legen; jedoch die Reinen nur, deren Herz voll Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme vernehmen." (HGt I.1.1)

 

Welch herrliche Verheißung! Die Wahrheit des Lorberwerkes will nicht stumm geglaubt, sondern in der Zwiesprache des Herzens erkannt werden. Das Lorberwerk knebelt somit unseren Geist nicht, sondern will ihn befreien, so daß er sich in der Erkenntnis des Herzens aussprechen kann. Diese Verheißung erinnert an eine Seligpreisung der Bergpredigt: "Selig, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott sehen." (Mt 5.8) Das reine Herz erkennt die Gotteswahrheit. Ihre Erkennbarkeit ist die unverzichtbare Voraussetzung der echten Offenbarungskritik.

 


3. Was verstehe ich unter Offenbarungskritik?


Daraus ergibt sich nun, was ich unter Offenbarungskritik verstehe. Sie ist der Versuch, Offenbarungen zu verstehen und aus dem Verständnis heraus zu beurteilen. Kritik ist ein mißverständliches Wort. Meist versteht man darunter kleinliches Nörgeln oder bloßen Tadel, somit etwas Negatives. Doch das ist nicht gemeint. Kritik im echten Sinne ist, entsprechend der griechischen Grundbedeutung, die Fähigkeit zu unterscheiden. Im Bereich der Offenbarung ist es die Fähigkeit, das Göttliche vom Menschlichen, das Echte vom Unechten und das Wahre vom Falschen zu unterscheiden. Wenn diese Scheidekunst Negatives zur Sprache bringt, dann nicht um des Negativen willen. Die echte Kritik zielt auf das Positive. Sie setzt daher eine gewisse Zuneigung voraus, denn kraft der Zuneigung achtet der Mensch auf das Gute und Wahre. Eine Kritik am Lorberwerk ohne Herzensbindung bleibt allzu oft beim Tadel stehen. Andererseits läßt die Herzensbindung vielfach keine Kritik zu. Irgendwo in der Mitte liegt die Wahrheit. Recht verstandene Offenbarungskritik ist ein Segen, weil sie uns gegen den blinden, auf Autorität beruhenden Glauben schützt. Der Papst in Rom darf nicht durch den Papst aus Graz ersetzt werden. So stelle ich mir das neue Zeitalter nicht vor. Gegen die Flut ständig neuer Offenbarungen helfen keine neuen Kanonbildungen. Der sicherste Schutz vor der Überschwemmung durch ein Pseudowissen, dürfte darin bestehen, das Organ der Wahrheitserkenntnis zu wecken. Der äußere Kanon, der immer ein behelfsmäßiger ist, ist durch den inneren, lebendigen Kanon des Herzens zu ersetzen. Ich vertrete also eine Offenbarungskritik, die auf Einsicht in die geistigen Zusammenhänge beruht.

 


4. Die Wahrheit der Offenbarung ist geistig


Die Wahrheit, welche die Offenbarungskritik zu untersuchen hat, ist geistig. Damit sei nicht geleugnet, daß Offenbarungen auch eine natürliche Aussagedimension haben. Das gilt besonders für das Lorberwerk. Ich denke beispielsweise an das Große Evangelium Johannis, das ohne Frage eine historische Dimension hat. Selbstverständlich können die natürlichen Inhalte kritisch untersucht werden, und das geschieht ja bereits hin und wieder, aber ich klammere diese Diskussion hier bewußt aus. Das Historische überlasse ich den Historikern; das Naturwissenschaftliche den Naturwissenschaftlern. Als Offenbarungstheologe interessiert mich vor allem die geistige Wahrheit. Ich glaube, daß die wesentliche Wahrheit einer Offenbarung immer die geistige und himmlische sein wird, denn eine göttliche Offenbarung will göttliche, und das heißt geistige und himmlische Dinge offenbaren. Wer daher eine Offenbarung beurteilen will, muß sich wohl oder übel mit der geistigen Dimension des Gotteswortes auseinandersetzen. Alles anderes ist eine Verlegenheitslösung oder eine Kapitulation des menschlichen Geistes vor dem göttlichen Wort.

 

Daß die Wahrheit von Offenbarungen geistig ist, hat Swedenborg für die Heilige Schrift mit geradezu mathematischer Genauigkeit nachgewiesen. Die von ihm wiederentdeckte Entsprechungswissenschaft verhalf ihm zur Erkenntnis des geistigen Sinnes des alten Gotteswortes. Die Wahrheit des Alten Testamentes ist, der damaligen Zeit entsprechend, stark verhüllt. Schon die Worte Jesu sind weniger verhüllt, jedoch sprach auch er meist in Gleichnissen und seine Wunder nannte der Evangelist Johannes "Zeichen", weil sie eine höhere Wahrheit bezeichnen. Der Verhüllungsgrad der Neuoffenbarung scheint noch geringer zu sein. Heißt das aber, daß die Wahrheit nun nicht mehr eine geistige ist? Ist sie im Zuge der Enthüllung zu einer natürlichen geworden? Ich meine, Gottes Wahrheit bleibt geistig, auch wenn sie noch so offen zutage liegt. Gottes Wort ist Geist und Leben (Joh 6.63).

 

Eine geistige Wahrheit ist nicht notwendigerweise eine verborgene Wahrheit. Vielmehr heißt sie geistig, weil sie im Geiste erkannt werden kann. Eine natürliche Wahrheit wird durch das Forschen in der natürlichen Welt aufgedeckt; eine geistige durch das Forschen in der geistigen Welt, die bekanntlich in uns ist. Da beide Welten einander entsprechen, sind gewisse Rückschlüsse vom Natürlichen auf das Geistige und umgekehrt möglich. Grundsätzlich sind aber beide Welten und somit auch ihre Wahrheiten voneinander geschieden. Daher wird eine geistige Wahrheit im Geist, eine natürliche hingegen in der Natur erkannt. Eine geistige Wahrheit ist zum Beispiel, daß Gott die Liebe und Weisheit ist. Dieser Wahrheit spürt man am besten im Geiste nach. Eine natürliche Wahrheit ist die Kaiserkrönung Karls des Großen. Wer sich darüber informieren will, sollte nicht meditieren, sondern in Geschichtsbüchern nachschlagen. Eine geistige Wahrheit bezieht sich immer auf das Gute und Wahre, das aus der geistigen Welt einfließt. Deswegen kann eine solche Wahrheit nur im Geiste des Betrachters verifiziert werden.

 

Was wir bisher abstrakt erschlossen haben, daß die Wahrheit der Offenbarung geistig ist, findet seine Bestätigung in den Offenbarungstexten. Aus dem Lorberwerk entnehme ich die folgende sehr deutliche Aussage:

 

"Vor Meinen Augen gibt es keine Materie; somit ist auch jede Gabe von Mir geistig und nicht materiell, wenn sie auch noch so materiell zu sein scheint. Ich tue, ob Ich es schon sage oder nicht, Meinen Mund [= Offenbarung] nur stets in Gleichnissen auf, damit sich die Welt [= der äußere Mensch] an ihnen stoße, und mit offenen Ohren [= der Wille des äußeren Menschen] das Lautgesprochene nicht vernehme, und mit offenen Augen [= der Verstand des äußeren Menschen] nichts sehe." (Erde (1856) 256f)

 

Angesichts der historischen und naturwisenschaftlichen Dimensionen des Lorberwerkes bereitet es uns erhebliche Mühe, solche und ähnliche Aussagen ernst zu nehmen. Daher sei noch ein Hinweis am Ende der "Haushaltung Gottes" erwähnt, der ebenso aufschlußreich ist.

 

"Wohl jedem, der das" in diesem Werke "durchleuchtende Gesetz der Liebe wird zum Grunde seines Lebens machen … Wer es aber nur lesen wird wie ein anderes märchenhaftes Geschichtsbuch, der wird eine sehr magere Ernte bekommen für den Geist!" (HGt III.365.20f)

 

Das heißt doch wohl, daß die geistige Wahrheit der wesentliche Inhalt der Haushaltung Gottes ist. Sie heißt hier das "Gesetz der Liebe", das den Buchstaben "durchleuchtet". Die Haushaltung Gottes beschreibt folglich die Ordnung oder Vorgehensweise der Liebe. Darauf soll der Leser achten. Die natürlichgeschichtliche Wahrheit ist demgegenüber relativ nebensächlich. Wer sich auf sie konzentriert und die Haushaltung zu einem "märchenhaften Geschichtsbuch" degradiert, muß sich nicht wundern, wenn die Ernte für den Geist, d.h. der Fortschritt in der Wiedergeburt, sehr mager ausfällt. Gottes Wort will demnach geistig gelesen und verstanden werden.

 

Da nun also die wesentliche Wahrheit des göttlichen Sprechens geistig und himmlisch ist, muß diese Wahrheit untersucht werden. Das einzige Organ im Menschen, das in der Lage ist an die Gotteswahrheit heranzureichen, ist das Herz. Ich vertrete daher eine Offenbarungskritik des Herzens. Aus der Sicht des Verstandes muß sie einseitig erscheinen, aber ebenso einseitig erscheint dem Herzens die Verstandeskritik. Man gestatte mir also meine Einseitigkeit in einer Welt, die auf ihre Weise ebenso einseitig ist.

 


5. Das Organ der Wahrheitserkenntnis


Die Offenbarung durch Lorber ist eine Offenbarung aus dem Herzen. Wen verwundert es da, daß folglich im Herzen das Organ der Wahrheitserkenntnis erblickt wird? Wen verwundert es, daß der Mond seinen Schein verliert, wenn die Sonne aufgeht? Nur der eitle Weltgeist kann es dem inneren Wort verübeln, wenn es das Ungenügen des Verstandes aufdeckt. Er ist unfähig, die innere Lebenswahrheit zu erkennen. Zwar ist ein "geläuterter Verstand" "das anfängliche Licht des Herzens" (Ev VII.38.2), aber grundsätzlich gilt: "Der Menschen Weltverstand begreift die inneren Dinge des Geistes und der lebendigen Wahrheit nicht." (Ev IX.132.16) "Denn der Verstand des Gehirns ist ein totes Weltlicht des Menschen." (Ev IX.83.3) Er "ist nichts, als bloß nur ein Aufnahmeorgan der Seele, durch welches diese zur Anschauung der Außenwelt gelangt". (HGt II.76.6) Die Anschauung der Gotteswahrheit erfolgt aber in der Innenwelt. Auch Swedenborg, der freilich kein Mystiker des Herzens war, hat diese Erkenntnis beschrieben:

 

"Das Licht der [Außen]welt aber, sobald es vom Lichte der oberen Region [Glaube; geistiges Schauen] getrennt wird, ist nichts als ein Irrlicht, in dem das Falsche als Wahres, das Wahre als Falsches, die Vernünfteleien aus dem Falschen als Weisheit und die Vernunftschlüsse aus dem Wahren als Torheit erscheinen." (WCR 40)

 

"Fließt nun kein geistiges Licht in das natürliche ein, so sieht der Mensch nicht, ob etwas Wahres wahr und folglich auch nicht, ob etwas Falsches falsch ist. Die Fähigkeit, wahr und falsch zu erkennen, beruht nämlich auf dem Einfließen von geistigem Licht in das natürliche Licht." (WCR 334f)

 

Das Herz ist die Quelle des geistigen, ja eigentlich des himmlischen Lichtes, denn dort ruht der göttliche Funke. Deswegen kann die innere Stimme durch Lorber sagen: "Im Geiste des Menschen liegen alle … endlos vielen Wahrheiten verborgen!" (Ev VIII.150.11) Dort müssen wir den Maßstab aller Wahrheit suchen. Der Mensch besitzt somit "ein doppeltes Erkenntnis-vermögen", von dem nur das eine bis an die Gotteswahrheit heranreicht:

 

"Siehe, ein jeder Mensch hat ein doppeltes Erkenntnisvermögen: ein äußeres, das da ist der Kopf- oder eigentliche äußere Seelenverstand. Mit diesem Erkenntnisvermögen läßt sich nie das göttliche Wesen erfassen und begreifen, weil es der Seele gerade nur darum gegeben ward, um den Geist in ihr von der Gottheit vorderhand zu trennen und ihn Diese gewisserart auf eine Zeitlang verlieren zu machen! … Aber die Seele hat noch ein anderes Vermögen, das da nicht in ihrem Kopfe, sondern in ihrem Herzen Wohnung hat. Dieses Vermögen heißt inneres Gemüt und besteht aus einem ganz eigenen Willen, aus der Liebe, und aus einer diesen beiden Gemütselementen entsprechenden Vorstellungskraft." (RB I.35.2f)

 

Das Herz als Organ der Wahrheitserkenntnis, das ist zwar ein vielen Zeitgenossen seltsam anmutender, zugleich aber sehr alter Gedanke. Ja, man erkennt bald, wenn man sich nur ein wenig mit dieser Möglichkeit befaßt, daß man auf uralten Menschheitswegen wandelt, wenn man das Denken im Herzen übt. Die Urmenschheit kannte das sogenannte Innewerden aus der Liebe (= Herz). Dazu Swedenborg:

 

"Die Urmenschheit bezeichnete mit dem Sprechen Jehovahs das Innewerden, denn sie wußten, daß der Herr ihnen das Innewerden gab. Es konnte jedoch nur solange bleiben, wie die Liebe die Hauptsache war. Als die Liebe zum Herrn und somit zum Nächsten nachließ, ging das Innewerden verloren." (HG 371)

 

"Was Innewerden (od. inneres Wahrnehmen) ist, weiß man heutzutage nicht mehr. Es ist ein gewisses, ausschließlich vom Herrn kommendes Gefühl dafür, ob etwas wahr und gut ist. Der Ältesten Kirche war es wohlbekannt." (HG 104)

 

Das Innewerden oder die innere Wahrnehmung aus der Liebe ist meines Erachtens mit dem Herzdenken identisch, zumal Swedenborg keinen Zweifel darüber bestehen läßt, daß die innerste Erkenntnis aus der Liebe, also dem Herzen, quillt: "Es ist ein Geheimnis, daß schon in der Liebe [alle] Weisheit und Einsicht enthalten ist." (HG 2500)2 Die Wahrheit ist somit eigentlich nur der Ausdruck der Liebe, oder mit Swedenborgs Worten: "Das Wahre ist die Form des Guten." (HG 3049)3

 

Es ist gut möglich, daß ein Bewußtsein dieser uralten Denkmöglichkeit in die semitische Völkerwelt hinübergerettet wurde. Jedenfalls zeigt ein Blick ins Alte Testament, daß der Semit im Herzen dachte. Man könnte viele Belege dafür anführen. Ich nenne nur Daniel 2.30, wo "die Gedanken deines Herzens", und Richter 5.16, wo "die Erforschungen des Herzens" vorkommen. Die Übersetzungen verschleiern allerdings mitunter den Tatbestand des Herzensdenkens, weil der moderne Übersetzer oft nicht den Mut hat Herz tatsächlich auch mit Herz wiederzugeben.

 

In der Bibelwissenschaft hat sich der Verstand bis heute als unfähig erwiesen, die innere Gotteswahrheit auch nur anzuerkennen, obwohl sie doch seit Swedenborgs Zeiten bekannt sein könnte. Daher ist es umso notwendiger, die Wahrnehmungskraft des Herzens zu erwecken. Nur das Herz kann die Wahrheiten, die in den Offenbarungen zu Sprache kommen, ergründen.

 


6. Wie kann das Herz als Erkenntnisorgan aktiviert werden?


Die entscheidene Frage lautet: Wie kann das Herz als Erkenntnisorgan aktiviert werden? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Das Herz, Sinnbild der Liebe, kann nur durch den Geliebten, den Bräutigam des Herzens, nämlich Jesus Christus erweckt werden. Wer sonst könnte das Herz entflammen und somit erleuchten?

 

"… Um im Herzen denken zu können, muß man eine eigene Übung haben; und diese Übung besteht in der stets erneuerten Erweckung der Liebe zu Gott." (RB I.35.6)

 

Das Mittel zur Erweckung der Liebe zum Herrn "besteht in der klaren Vorstellung dessen, das man so ganz eigentlich mit der Fülle der Liebe erfassen will". (GS II.50.6) "Die Erkenntnis des Herrn ist die mächtigte Triebfeder, welche die Funken im Herzen zusammenzieht, und dann durch dieselben das ganze Herz in eine helle Flamme versetzt." (GS II.50.12) Damit ist klar, daß echte Offenbarungskritik nicht als ein rein theoretisches Geschäft betrieben werden kann. Der Intellekt, der sich mit der Theorie begnügt, wird immer nur an der Rinde des göttlichen Wortes nagen. Allein das Licht des Herzens, das ein Licht des Lebens ist, reicht an die Gotteswahrheit heran. Swedenborg hat die "Lebenslehre des Neuen Jerusalems" mit den tiefsinnigen Worten eingeleitet: "Alle Religion ist eine Sache des Lebens und das Leben derselben besteht im Tun des Guten". Deswegen ist auch die Wahrheit der Religionen letztlich eine Sache des Lebens und kann daher auch nur im Leben verifiziert werden. Nur eine gelebte Wahrheit ist eine verstandene Wahrheit, und nur eine verstandene Wahrheit kann man sachgerecht beurteilen. Dieser Zusammenhang ist bisher zu wenig bedacht worden. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn aus der Perspektive des Intellektualismus erscheint das Leben eher als ein Nebenumstand. Doch genau dieser Punkt ist entscheidend: "Das Leben schenkt die edelste Erkenntnis." (EQ 281.10) So hatte es Meister Eckehart ausgedrückt; so steht es auch in der Neuoffenbarung und - nochmals sei es gesagt - im Johannesevangelium.

 

"Worin aber liegt denn das Kriterium der Echtheit einer wirklich notwendigen göttlichen Offenbarung? Das Kriterium liegt endlich im Handeln nach irgend einer Offenbarung ... Also steht es ja auch geschrieben: 'Wer da tun wird nach Meinen Worten, der wird es erkennen, ob sie von Gott, oder ob sie von Menschen sind.' [Joh 7.17] ... Ein jeder aber lese den ersten Brief Pauli an die Korinther und zwar das zweite Kapitel, dort wird er auch ein Hauptkriterium finden." (Lorber, Religion und Offenbarung)

 

Das Zitat aus dem Johannesevangelium ist Jesu Beitrag zur Offenbarungskritik, denn unmittelbar zuvor hatte Jesus behauptet: "Meine Lehre ist nicht von mir (= nicht Menschenwort), sondern von dem, der mich gesandt hat (= Gotteswort)." (Joh 7.16) Doch wie konnte man diese Behauptung überprüfen? Wie konnte man nachvollziehen, daß sich in diesem Menschensohn Gott offenbarte? Jesus selbst sah sich demnach mit dem Problem der Offenbarungskritik konfrontiert und gab eine sehr weise Antwort: "Wenn jemand den Willen dessen [der mich gesandt hat] tun will, wird er erkennen, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede." (Joh 7.17) Damit ist klar gesagt, daß die bloß gedankliche Betrachtung einer Lehre ohne ihre praktische Anwendung zu nichts führt. Das Gotteswort erweist sich im Leben als wahr, - wo sonst?

 

Die zitierte Stelle aus dem Lorberwerk schließt mit einem Lektürehinweis. Im 1.Korintherbrief 2.6-16 spricht Paulus von der Weisheit Gottes und sagt dort: "denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit." (Vers 10), "So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes." (Vers 11) Dazu fand ich zwei Ergänzungen aus dem Lorberwerk:

 

"Was sind denn die Tiefen der Gottheit? Das ist das zerstreute Wort Gottes in dem Buchstabensinne vor euch, in welchem niemand ohne den Geist Gottes [die Liebe, s.Org.] den inneren Sinn oder die Tiefen der Gottheit erforschen kann." (Suppl 302.3)

 

"Kein äußerer Weltverstand kann es je ergründen und erschauen, was im Menschen ist; das kann allein nur der Geist im Menschen. Und also kann auch niemand Gott erkennen als nur der erweckte und vollauf tätig gewordene Geist Gottes im Menschenherzen, der gleich wie Gott Selbst die reinste Liebe ist und ein ewiger Sabbat im Menschenherzen." (Ev V.62.7)

 

Angesichts solcher Worte wird man demütig und beginnt zu ahnen, daß die Erkenntnis der Gotteswahrheit ohne eine Einweihung in dieselbe nicht zu haben ist. Die Einweihung aber erfolgt durch das Leben nach der Wahrheit.

 

"... und wer nach ihr [der Wahrheit] leben und handeln wird, der wird es schon in sich lebendigst innewerden [vgl. Swedenborgs percipere], daß Meine Lehre Gottes- und nicht Menschenwort ist." (Ev IX.83.1)

 

Das Innewerden des qualitativen Unterschiedes zwischen Gotteswort und Menschenwort erfolgt durch das Tatchristentum. Die Wahrheit einer Offenbarung ist nicht rein verstandlich zu ergrübeln, aber dennoch durch das innere Licht aus dem Lebensvollzug nachvollziehbar und somit überprüfbar. Das Dilemma, Offenbarung überprüfen zu wollen und nicht überprüfen zu können, besteht also nur in den Köpfen der Gelehrten, die die Wahrheit nur wissen, aber nicht leben wollen.

 

"Es können darum zehntausend falsche Evangelien geschrieben werden, so wird immer nur das das einzig wahre sein und verbleiben, das sich im Menschen, so er nach Meinen Worten leben und handeln wird, nach Meiner Verheißung [Joh 14.21] lebendig offenbaren wird, - und dieses lebendige Evangelium wird auch bis ans Ende aller Zeiten der einzige Prüfstein sein und bleiben, ob ein geschriebenes Evangelium echt oder falsch ist." (Ev VIII.79.18)

 

"Siehe, das Wissen wird dir ewig nichts nützen zum Leben; aber so du handeln wirst nach der Wahrheit, so wirst du das Zeugnis der Wahrheit finden." (HGt I.71.34)

 


7. Der Einwand des Verstandes


Die echte Offenbarungskritik ist ohne das existentielle Wagnis, nach der Wahrheit zu leben, unmöglich. Gegen diese Einsicht formuliert der Verstand nun aber seinen Einwand. Wenn man die sogenannte Wahrheit erst praktizieren muß, bevor man sie verstehen und beurteilen kann, dann muß man ja die Katze im Sack kaufen, dann kann man sich ja überhaupt nicht sicher sein, ob die angebliche Wahrheit tatsächlich wahr ist. Der Verstand will Beweise, erst dann will er sich auf das Wagnis einlassen. Doch indem er diese Position bezieht, wird er zum ernsthaften Hindernis auf dem spirituellen Weg, denn die Wahrheit der Religionen läßt sich nicht beweisen. Auch Swedenborg, dessen Lebensaufgabe es immerhin war, "himmlische Geheimnisse" für den Verstand begreiflich darzulegen, mußte einräumen, daß ein gewisser Vertrauensvorschuß unumgänglich ist:

 

"Die Lehrgegenstände des Glaubens, wie auch das Wort [= die schriftlich fixierte Offenbarung], waren ohne die innere Wahrnehmung vielfach von der Art, daß man sie nicht glauben konnte. Die geistigen und himmlischen Dinge übersteigen nämlich das menschliche Fassungsvermögen unendlich, daher ja auch das Vernünfteln. Doch wer nicht glauben will, bevor er es erfaßt, kann nie glauben." (HG 1071)

 

"Von der Vernunft auf die Glaubenslehre blicken bedeutet dem Wort oder seiner Lehre erst dann glauben, wenn man aufgrund vernünftiger Erwägungen überzeugt ist, daß es sich so verhält. Hingegen von der Glaubenslehre auf die Vernunft blicken bedeutet dem Wort und seiner Lehre erst glauben und sie dann durch vernünftige Überlegungen bekräftigen. Die erste Ordnung ist verdreht und bewirkt, daß man nichts glaubt. Die zweite ist richtig und bewirkt, daß man besser glaubt … Es gibt also zwei Prinzipien: das eine führt zu Torheit und Unsinn; das andere zu Einsicht und Weisheit." (HG 2568)

 

Das Hauptkennzeichen des Intellektualismus ist die ob-Frage. So nennt es Swedenborg; gemeint ist der wissenschaftliche Zweifel. Der Verstand beginnt seine Untersuchungen mit der Frage, ob das Gesagte wahr ist. Da jedoch geistige Wahrheiten nicht zwingend beweisbar sind, bleiben die Anhänger des Intellektualismus bei der ob-Frage stehen. Sie sind wie Leute, die vor dem Eingang zum Heiligtum stehen und unablässig darüber diskutieren, ob es sich lohnt das Heiligtum zu betreten. Swedenborg hat der ob-Frage scharfe Worte gewidmet.

 

"Solange man bei der Streitfrage, ob es sei und ob es so sei, stehen bleibt, kann man in der Weisheit keinerlei Fortschritte machen. … Die heutige Bildung geht über diese Grenzen, nämlich ob es sei und ob es so sei, kaum hinaus. Deswegen sind ihre Vertreter auch von der Einsicht in das Wahre ausgeschlossen." (HG 3428)

 

"Die Tatsache, daß Engel Menschen sind, könnte man erfassen, wenn man nur ohne seine Grundüberzeugungen, die man über Engel und Geister aufgenommen hat, dächte. Das geschieht, wenn man von der Fragestellung und dem unmittelbaren Gedanken den Zweifel fernhält, ob es so sei. Jeder besitzt nämlich eine allgemeine Vorstellung, daß Engel eine menschliche Gestalt haben … aber diese allgemeine Idee, die aufgrund des Einflusses aus dem Himmel vorhanden ist, wird augenblicklich zunichte, wenn sich bei der geistigen Betrachtung der Gedanke einstellt, ob es so sei, was vor allem bei den Gebildeten der Fall ist." (HH 183)

 

Damit soll nun allerdings nicht gesagt sein, daß man alles, was einem an Offenbarung angeboten wird, ungeprüft annehmen muß. Ganz im Gegenteil! Jenseits des Intellekts gibt es bei denen, die das Wahre suchen, ein Gefühl für das Wahre. Es gehört nicht der Sphäre des Verstandes an, ist aber dennoch verläßlich. Freilich muß diese Wahrnehmungsfähigkeit geübt werden; die Übung besteht in der Liebe zur Wahrheit und somit letztlich zum Göttlichen, denn das Göttliche ist das Wahre.

 

"Gott, der Herr Himmels und dieser Erde, hat einem jeden nach Wahrheit strebenden Menschen ein Gefühl in sein Herz gelegt, das die Wahrheit noch viel eher erkennt und erfaßt als ein noch so durchgebildeter Verstand. In diesem Gefühle weilt auch die Liebe zur Wahrheit." (Ev V.177.5f)

 

"Es gibt eine geistige Idee, von der Wenige etwas wissen. Sie fließt bei denen ein, die in der Neigung zum Wahren sind, und gibt innerlich ein, daß das, was man hört oder liest, wahr ist oder nicht."4 (LG 5) "Man muß das Wort durchforschen und dabei sehen, ob [die kirchlichen Lehren] wahr sind. Wenn das aus Neigung zum Wahren geschieht, dann erleuchtet der Herr den Menschen, so daß er - ohne zu wissen woher - innerlich wahrnimmt (appercipiat), was wahr ist." (HG 6047) "Der vernünftige Mensch nimmt durch die innere Erleuchtung vom Herrn bei vielem, wenn er es hört, sogleich wahr, ob es wahr oder nicht wahr ist." (GV 168)

 

Weil es das Gefühl für das Wahre oder, wie Swedenborg sagt, die geistige Idee, die in die Neigung zum Wahren einfließt, gibt, deswegen ist der Einwand des Verstandes eitel, d.h. gegenstandslos, nichtig und leer. Der Einwand belegt nur den Stolz des Verstandes, der sich für die einzige Leuchte im ganzen Universum hält. Bei näherem Hinsehen ist jedoch das Licht der Welt bare Finsternis. Und das Licht des Herzens, das sich in jenen inneren Gewißheiten ausspricht, ist der wahre Tag des Geistes. Sicherlich, diese Einsicht kann von Kleingeistern mißbraucht werden, indem sie nun erst recht ihre Mitmenschen mit ihrem ganz persönlichen Gefühl für das Wahre drangsalieren. Aber damit ändert sich der Sachverhalt nicht. Das objektive, für alle nachvollziebare Kriterium für die Wahrheit einer Offenbarung gibt es nicht und wird es auch nie geben. In der Welt des Geistes herrscht die Freiheit; deswegen wird es dort logisch zwingende Beweise nie geben. Der einzige Beweis ist das innere Licht, denn wenn der Tag anbricht, verflüchtigen sich alle Zweifel. Doch dieses Licht ist keine Hirngeburt.

 


8. Das äußere Wahrheitskriterium


Es gibt freilich auch ein äußeres Echtheitskriterium. Es besteht in der Übereinstimmung einer neuen Offenbarung mit der alten, etablierten.

 

"Also ist auch ein älteres Wort der Grund zu einem neueren und eine ältere Lehre der Grund zu einer neuen ... danach wird Mein (neues) Wort beurteilt in seiner Wahrheitsfülle, ob es hat den wahren alten Grund!" (Suppl 309)

 

Dieser Maßstab ist jedoch keineswegs leichter zu handhaben als das Herzdenken. Denn man muß schon erleuchtet sein, um die Übereinstimmung wirklich erkennen zu können. Eine neue Offenbarung ist ja nicht einfach nur eine Wiederholung des bisher Geoffenbarten, sondern eröffnet neue Perspektiven. Als Jesus Christus vor zweitausend Jahren eine neue Offenbarung Gottes brachte, sagte er: "Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen." (Mt 5.17) Doch viele Gesetzeskundige waren ganz anderer Meinung. Sie sahen die provokativen Verstöße gegen das Sabbatgebot und konnten die Übereinstimmung des Handelns Jesu mit den Weisungen der Väter nicht erkennen. Ähnliches gilt für die Neuoffenbarung. Grobe Abweichungen einer neuen Offenbarung von der alten wird man zwar auch mit dem Verstand erkennen können, aber die Behauptung, daß die Neuoffenbarung der Heiligen Schrift in keiner Weise widerspricht ist ein Glaubensurteil. Denn beides, Übereinstimmung und Widerspruch, kann man begründen. Deswegen bleibt es dabei, das Urteil über die Echtheit einer Offenbarung ist subjektiv. Offenbarungskritik wird man nie zu einem technischen Verfahren vereinfachen können. Offenbarungskritik ist eher eine Kunst als eine Wissenschaft, und in dieser Kunst ist der Verstand nicht der Künstler, sondern Knecht.

 

(Mit Genehmigung des Verfassers, 07/11. Weitere Kommentare von Thomas Noack siehe  unter "Links")


Anmerkungen:

1) Nach Eduard Lohse, Grundriß der neutestamentlichen Theologie, 1984, S.138. 2) Ganz ähnlich Lorber: "Wer...die Liebe Gottes in sich hat, dem wird auch die Weisheit in demselben Grade zukommen, in welchem er die Liebe hat." (GS I.5.5) 3) "Das Wahre kann nicht anderswoher sein und entstehen als aus dem Guten." (HG 2803) 4) Anschließend ausdrücklicher Verweis auf Jes.54,13; Joh.6,45 (wie Lorber! Suppl. 236) und Jer.31; 31,33,34.