Buchbesprechung von Peter Keune

 

 

Rupert Sheldrake

 

Der Wissenschaftswahn

Warum der Materialismus ausgedient hat

 

Rupert Sheldrake: Der Wissenschaftswahn.  O.W.Barth-Verlag 2012, 491 Seiten.  ISBN 978-3-426-29210-5


In diesem umfangreichen, 2012 erschienenen Buch „Der Wissenschaftswahn“ versucht der britische Biologe die Sackgasse aufzuzeigen, in die sich die materialistische Wissenschaft verirrt hat.

 

Im ersten Teil führt Sheldrake die verschiedenen Denkmodelle der Naturwissenschaften vor, die ursprünglich noch von einem geistbeseelten Schöpfungsmodell ausgingen, aber in dem letzten Jahrhundert diese Auffassung immer mehr zugunsten einer nur materialistischen Annahme aufgab. So wie Gott verabschiedet wurde, sind auch Seele und Geist des Menschen als bloße Gehirnaktivitäten heruntergespielt worden. Auch das Bewusstsein, das uns bewegt, ist aus jener Sichtweise als Täuschung erklärt worden.

 

Der Philosoph Paul Churchland beispielsweise meint, Geist sei nicht mehr, als was im Gehirn passiert. Wer glaubt, es gäbe Gedanken, Überzeugungen, Wünsche, Motive und andere Geistesregungen, ist Opfer der Populär-Psychologie eines unwissenschaftlichen Standpunktes, der alsbald durch die richtige Erklärung verdrängt werden wird, nämlich, dass es sich bei alledem um nichts weiter als Nervenimpulse handelt. Solcherart Populär-Psychologie sei eine Form von Aberglauben oder Dämonenglauben, der vom sicheren Gang der wissenschaftlichen Erkenntnis verdrängt werde. Bewusstsein ist für Churchland einfach ein Aspekt der Gehirntätigkeit. Gedanken und Empfindungen sind eine missverständliche Art, über die Aktivität in bestimmten Regionen der Großhirnrinde zu sprechen.“

Es führt hier zu weit, alle die verschiedenen Denkmodelle ausführlich wiederzugeben, die Sheldrake zur Illustration der gegenwärtigen Sachlage zusammengetragen hat. Wen diese interessieren, der sei auf das vorliegende Buch verwiesen. Da gegenwärtig auf der ganzen Welt nach der Formel gesucht wird, mit der die Existenz der materialistischen Welt überzeugend erklärt werden kann, erscheinen ständig neue Ansätze solcher Denkmodelle. Sheldrake fasst dies so zusammen:


Ein Philosoph stellt eine materialistische Theorie des Geistes auf . . . Er stößt auf Schwierigkeiten . . . Kritik an der materialistischen Theorie ist meist von mehr oder weniger fachspezifischem Charakter, aber hinter den formalen Gegenargumenten steckt ein viel tieferer Einwand, dass nämlich die fragliche Theorie einen Wesenszug des Geistes unberücksichtig ließ . . . Und das führt zu immer noch panischeren Bemühungen, an der materialistischen These festzuhalten.“


Sheldrake führt auch den materialistischen Philosophen Galen Strawson an, der sich immerhin über die Bereitschaft seiner Philosophenkollegen wundert, die realistischen Erfahrungen mit ihrem eigenen Bewusstsein zu leugnen:

 

Ich finde, die Macht der menschlichen Leichtgläubigkeit, dieser Hang des menschlichen Geistes, sich von Theorie und Gläubigkeit mitreißen zu lassen, sollte uns ernüchtern und auch ein wenig beängstigen. Gerade diese Leugnung nämlich ist das Absonderlichste, was in der Geschichte des menschlichen Denkens – nicht nur in der Geschichte der Philosophie – je vorgekommen ist.“


Mit anderen Worten, der Geist ist nicht wegzudiskutieren, sondern wird zu einer echten Belastung der materialistischen Welterklärung. Wie man sich auch dreht und wendet, überall stellt sich eine unbefriedigende Definition einer möglichst restlos erklärbaren Materiewelt in den Weg.

 

„. . . die mechanistische Philosophie gab also den Gedanken der finalen Ursache auf und fortan gab es in der Natur keine in ihr selbst liegenden Zielsetzungen mehr. Heutige Theologiestudenten denken nicht in Zwecken, sondern müssen alles unter dem Gesichtspunkt eines neodarwinistischen Evolutionsdenkens betrachten: Ein Auge ist nicht dazu da das Sehen zu ermöglichen, sondern ist einfach ein Produkt genetischer Zufallsmutationen, die sich im Prozess der natürlichen Auslese entweder durchsetzen oder nicht. Augen haben sich entwickelt, weil Tiere, die sehen können, bessere Vermehrungschancen haben als solche, die nicht sehen können. Das problematische an solchen Darstellungen ist, dass sie die Zweckorientierung lebendiger Organismen nicht erklären, sondern schon voraussetzen. Lebewesen existieren, weil bereits ihre Vorfahren „zweckmäßig“ waren, was daran zu erkennen ist, dass sie wachsen, überleben und sich vermehren können. Was ihre diesbezügliche Chance verbesserte, wurde von der natürlichen Auslese begünstigt. Aber diese grundlegende Zielorientierung war bereits in den ersten lebenden Zellen gegenwärtig.

. . . aber Menschen haben Ziele, Pflanzen und Tiere verhalten sich zielorientiert. So tauchen Zweck und Ziel also doch immer wieder auf, nur wurden sie in neue Vokabeln wie „Teleonomie“1 verpackt oder erscheinen als „egoistische Gene“ mit, wie Richard Dawkins meint, einem unwiderstehlichen Drang, sich durch Vermehrung fortzusetzen: „Sie sind in Ihnen und mir, sie haben uns an Körper und Geist geschaffen, ihre Erhaltung ist letztlich der Grund für unser Vorhandensein."

1) Teleonomie (von griech. τέλος télos „Zweck“, „Ziel“, „Ende“, „auf ein Ziel hin strebend“ und -nomie) bezeichnet in der Biophilosophie eine kausalanalytische Erklärungsweise für einen zielgerichtet scheinenden Vorgang. Als teleonomisch bezeichnet werden Prozesse, wenn sie aus ihren Komponenten und Strukturen selbst erklärt werden. Sie bedürfen dadurch keiner Zusatzannahmen über mögliche externe teleologische oder intentionale Einflüsse. Dies unterscheidet das Konzept der Teleonomie von dem der Teleologie bzw. der Entelechie. Beispielsweise scheint ein Tier, das seine Jungen versorgt, obwohl es sich selbst durch die Abgabe von Futter bzw. Muttermilch körperlich schwächt, das Ziel zu verfolgen, den Fortbestand seiner Gene und – als Folge davon – seiner Art zu erhalten. Teleonomisch wird dieses Verhalten mithilfe von Instinkten erklärt, die sich im Verlauf der Stammesgeschichte entwickelt haben, weil Individuen mit diesen Instinkten eine höhere Wahrscheinlichkeit hatten, sich erfolgreich fortzupflanzen, und die Gene für diese Instinkte sich damit gegen andere Gene „durchgesetzt“ haben. (Aus Wiki¬pedia)

 

Die meisten Biologen sind zwischen der praktischen Anerkennung der Teleologie oder Teleonomie einerseits und ihrer Ablehnung zugunsten einer mechanistischen Ideologie andererseits hin- und hergerissen. Fast überall in der modernen Biologie geht dieses Thema in einem Wust teleologischer Ausdrucksweise und pflichtschuldiger Leugnung unter, verschlimmert noch durch die Verwechslung zweier unterschiedlicher Bedeutungen von „Ziel und Zweck“: einerseits im Hinblick auf die Wachstums-, Selbsterhaltungs- und Vermehrungsfähigkeit der Lebewesen, die in ihrem Lebenszyklus normalerweise vererbte, also von den Vorfahren übernommene Muster wiederholen; und zweitens im Hinblick auf die Frage, ob der Evolutionsprozess insgesamt an Zielen oder Zwecken orientiert ist. Das sind unterschiedliche Fragen . . .“

Die traditionellen Religionen entstanden in einer Zeit, in der der bekannte Kosmos noch klein war. Mit Radioteleskopen und Weltraumteleskopen können wir heute weit über unsere Galaxie hinausblicken. Und das Universum erweist sich als unermesslich viel größer als irgendjemand sich hätte vorstellen können. Wenn die Evolution auf Transformation des menschlichen Bewusstseins abzielt, wozu dann Milliarden Sterne außer unserer Sonne in dieser Galaxie und wozu Milliarden anderer Galaxien? Ist menschliches Bewusstsein einzigartig? Oder entwickelt sich das Bewusstsein überall im Kosmos? Und wenn es Bewusstsein auch anderswo gibt, werden wir irgendwann in Kontakt mit ihm kommen? Lauter offene Fragen und weder die konventionellen Naturwissenschaften noch die traditionellen Religionen haben Antworten parat. Denker wie Teilhard de Chardin und Sri Aurobindo erkennen Bewusstsein als von zentraler Bedeutung für die Evolution und deuten Möglichkeiten an, die über die Spekulationen der Naturwissenschaftler hinausgehen. Doch ein Wissenschaftler vermag noch so materialistisch eingestellt sein, auch für ihn spielt das Bewusstsein eine herausragende Rolle als das, was menschliche Erkenntnis im Allgemeinen und Naturwissenschaft im Besonderen ermöglicht.


Sheldrake greift hier eine Reihe von ungelösten Fragen auf, um aufzuzeigen, wie das materialistische Denkmodell unliebsame Konsequenzen ausblendet. Vom geistigen Standpunkt her ist der ganze Ansatz der materialistischen Welterklärung von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn der gegenwärtige Entwicklungsstand der Schöpfung bis hin zum Menschen kann unmöglich Ergebnis einer endlosen Kette von blinden Zufällen sein. Dieses Denkmodell ist in sich absurd, wird aber doch gegenüber einer von Gott gelenkten Schöpfung bevorzugt. Nun muss sich die Naturwissenschaft immer neue Windungen einfallen lassen, um die einzig logische Konsequenz aus dem Desaster weiterhin ausblenden zu können.

 

Die Annahme von Sheldrake, dass auch die Religion keine aufklärenden Beiträge zu bieten hat, ist allerdings ein Fehlschluss. Denn seit Swedenborg und Lorber sind die wesentlichen Fragen bereits im 18. Jahrhundert detailliert beantwortet worden. Das Problem dabei ist jedoch, dass mit der Annahme dieser göttlichen Welt- und Jenseitserklärungen vor allen Dingen auch Gott anerkannt werden müsste, und dazu ist weder die Naturwissenschaft noch die Philosophie bisher bereit. Sogar die Kirchen stehen diesen tiefgreifenden Aufhellungen ablehnend gegenüber, weil damit ihre theologischen Grundmauern erschüttert würden.2

2) U.a. die These, daß die Offenbarung Gottes mit der des Johannes ein für allemal abgeschlossen ist.

 

Da aber der menschlichen Willensfreiheit von Gott her alles gewährt werden muss, geht das Spiel weiter. Es sind nicht so sehr die Forschungsarbeiten selbst, die in die Irre führen, sondern die falschen Grund-Annahmen, die zu entsprechenden Fehlinterpretationen führen. Wie man aus Sheldrakes Buch klar entnehmen kann, ist es die felsenfeste Doktrin besonders der Naturwissenschaften, dass es weder Geist noch Seele oder eine transzendente Welt gibt.


In der Folge beschreibt Sheldrake, wie die vollständige Entzifferung der Gene Ende des vorigen Jahrhunderts riesenhafte Erwartungen emporschießen ließen, dass nun endlich jede Krankheit und genetische Abweichung „in den Griff“ zu bekommen wäre. Viele Patente auf Gene wurden angemeldet und die Börse stieg in schwindelerregende Höhe. Aber die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Sheldrake beschreibt dies so:

 

Marktspekulationen großen Umfangs lösten in den neunziger Jahren einen Technologieboom aus, der 2000 einen Höhepunkt erreichte. Neben dem offiziellen Humangenomprojekt initiierte die Fa. Celera Genomics ihr eigenen Genprojekt, das nun von Craug Venter geleitet wurde. Man hatte vor, sich Hunderte menschlicher Gene patentieren zu lassen, um in den Besitz aller damit verbundenen Rechte zu kommen. Der Marktwert von Celera Genomics kletterte, wie bei vielen Biotechnologieunternehmen, in den ersten Monaten des Jahres auf schwindelerregende Höhen.

Und ausgerechnet diese Rivalität zwischen dem öffentlichen und privaten Genomprojekt ließ die Blase platzen, bevor die Sequenzierung des menschlichen Genoms abgeschlossen war. Im März 2000 gab Francis Collins, der Leiter des offiziellen Humangenomprojekts öffentlich bekannt, alle Forschungsergebnisse würden jedermann zur Verfügung stehen. Das veranlasste Präsident Bill Clinton, am 14. März 2000 folgende Erklärung abzugeben: ’Unser Genom, das Buch, in dem alles menschliche Leben niedergeschrieben ist, gehört allen Menschen . . . Sorgen wir dafür, dass der Gewinn der Humangenomforschung nicht in Dollar, sondern in spürbarer Verbesserung des Lebens gemessen wird.’ . . . Die Börse reagierte prompt und katastrophal. Es kam zu einem Absturz, bei dem einem, wie Venter es ausdrückte, ‚nur schlecht werden konnte’. Innerhalb von nur zwei Tagen verzeichnete Celera einen Wertverlust seiner Papiere von sechs Milliarden Dollar und der gesamte biotechnische Aktienmarkt brach um 500 Milliarden Dollar ein.“

 

Eine weitere und noch gravierendere Ernüchterung ergab sich durch die Feststellung, dass die Zahl der menschlichen Gene weitaus geringer war, als zuvor vermutet. Statt 100 000 waren es nur 23 000, wobei der Seeigel mit  26000 und der Roggen mit 38 000 weitaus darüber lagen. Eine Kernfrage war, worin sich der Mensch vom Tier unterschied (beispielsweise vom Schimpansen)? Man stand wieder am Anfang.


Sheldrake meint nun, dass die Impulse, denen die materiellen Formen unterliegen und sie zu Aktionen drängen, nicht in sich selbst entstehen, sondern in einem jenseits der Materie angesiedelten, noch weitgehend unbekannten Feld liegen. Als Beispiel wählt er einen Fernseher, der unzweifelhaft in der Lage ist Bilder zu erzeugen. Dies tut er aufgrund der Anordnung von Drähten, Kondensatoren und vielem mehr. Es wäre aber falsch zu glauben, dass die genannten Materialien diese Bilder herstellen könnten. Sie vermögen dies nur, weil das dahinter liegende System eines Senders Strahlen aussendet, die durch den Fernseher selbst sichtbar gemacht werden. Diese vermutete ursächliche Welt nennt er morphisches Feld, ein „hypothetisches Feld, das als `formbildende Verursachung` für die Entwicklung von Strukturen sowohl in der Biologie, Physik, Chemie, aber auch in der Gesellschaft verantwortlich sein soll“ (nach Wikipedia). U.a. hat Sheldrake die Beobachtungen beschrieben, dass Lernergebnisse, die einzelne Tiere in Versuchen erzielten, bald von anderen freilebenden der gleichen Art übernommen wurden, bzw. bei entsprechendem Training sehr leicht nachvollziehen konnten.

 

Dies wäre eine Theorie, die über die Materie als alleinige Lebensform hinausreichen würde. Welch anderer Art diese jedoch sein könnte, bleibt bei ihm noch unklar. Die meisten Biologen lehnen aber sogar ein solches offenes Erklärungsmodell strikt ab.

 

Sheldrake wendet sich auch dem Erinnerungsvermögen zu, das den Forschern bis heute Rätsel aufgibt und nach materialistischer Auffassung allein dem Gehirn zugeschrieben wird. Zweifellos ist diese Fähigkeit jedoch auch außerhalb der Materie vorhanden und kann sogar dann abgerufen werden, wenn große Teile des Gehirns zerstört, bzw. entfernt wurden. Wo sind die Erinnerungen abgelegt worden? Sheldrake widmet sich umfänglich diesem Phänomen und der Suche nach Aufklärung. Er stellt alle möglichen bisher durchgeführten Untersuchungen vor, die aber durchweg kein plausibles Ergebnis zeitigten.3

3) Hier sei auch aus Mayerhofer „Schöpfungsgeheimnisse“ S. 61 zitiert: „Nur einmal (spricht der Herr) schuf und dachte Ich Mir die materielle Welt in ihrem gesamten Bereich und Umfange, und da ward auch durch ihre fernere Selbständigkeit durch Selbsterhaltung bestimmt, bis, wie im Kleinen so im Großen, die Körper und Welten und alle geschaffenen Wesen so weit ausgebildet sind, daß sie dann für eine höhere (rein geistige) Stufe geeignet wären..."

 

So lenken Beobachtungen bei der Übertragung von Lernergebnissen (z.B. Ratten, die ihre Erfahrungen während der Tests offenbar an ihre weltweit entfernten Artgenossen weitergeben konnten) erneut auf die von Sheldrake postulierten morphischen Felder, die ja offenbar außerhalb der Materie angesiedelt sein müssen. Interessant dürfte hierbei der Bedriff der „Außenlebenssphäre“ sein, wie sie bei Jakob Lorber beschrieben ist. Hierzu einige Hinweise zum Gehirn.

 

Nach den Ausführungen im Lorberwerk wird die Niederlegung der optischen und akustischen Eindrücke eines Menschen mechanisch auf „Gehirntäfelchen" übertragen, was vermittels von Lymphe durch sogenannte „Schreibstifte“ geschieht4, wobei die Eindrücke je nach ihrem Form- und Gefühlsanteil im Groß- und Kleinhirn getrennt abgelegt werden.

4) Im "Großen Evangelium Johannes" (Lorber) werden dieser Tatsache am Beispiel der ägyptischen Pyramiden lange Kapitel gewidmet.


[Großes Evangelium Johannes Band 4_228,01] (Der Herr:)Solange die Seele den Leib bewohnt, ist und bleibt das Gehirn das Hauptsehorgan der Seele. Ist dieses recht gebildet, so wird die Seele die aus dem Gemüte dem Gehirn eingeprägten Lebensbilder gut und genau erschauen und wird auch danach denken, schließen und handeln; denn kann die Seele auch in gewissen entzückten Momenten durch die Auflegung der Hände eines Glaubens- und Willensstarken aus der Magengrube für sich allein helle sehen, wie euch unser Zorel ein Beispiel abgab, so nützt ihr das fürs reelle Leben wenig oder nichts, denn es kann ihr davon in der finstern Behausung ihres Fleischleibes auch nicht die allerleiseste Rückerinnerung bleiben.

Wo bei irgendeinem Schauen und Wahrnehmen der Seele während ihres Leibeslebens das Gehirn des Hauptes nicht mitbetätigt ist, da bleibt der Seele keine Erinnerung, sondern höchstens nur eine dumpfe Ahnung; denn für das, was die Seele in ihres Hauptes Gehirn aufnimmt, hat sie ebensowenig irgendeine Sehe, als der Leib irgendeine Sehe hat, die inwendig das besehen könnte, was alles sich durch die Augen und durch die Ohren in die vielen Gehirntäfelchen bildlich eingeprägt hat. Solches kann nur die Seele beschauen, die inwendig alles Fleischlichen ist.

Was aber dann entsprechend im seelischen Gehirne haften bleibt, das kann die Seele mit ihren Augen, die so wie die des Leibes nur nach außen gerichtet sind, nicht erschauen und mit ihren Ohren nicht vernehmen, sondern das kann nur der Geist in ihr, darum ein Mensch auch erst dann etwas rein Geistiges vollends erkennen kann, so der Geist, in der Seele vollauf erwacht, in diese übergegangen ist.

Was aber inwendig im Geiste ist, das erkenne Ich und aus Mir dann wieder des Menschen Geist, der mit Mir oder mit Meinem Geiste identisch ist; denn er ist Mein Abbild in der Seele also, wie die Sonne ihr volles Abbild legt in einen Spiegel.

Solange demnach eine Seele den Leib bewohnt, ist ihr ein recht gebildetes Leibesgehirn zum wahren, hellen Schauen unumgänglich nötig; aber ein verbildetes Gehirn nützt ihr fürs geistige Schauen gar nichts, wie ihr auch das Schauen durch die Magengrube nichts nützt, weil sie davon, wie es gezeigt wurde, keine Rückerinnerung behalten kann. Denn wenn solches auch in ihrem geistigen Gehirne haften bleibt für ewig, so hat sie dafür doch kein Auge und kein Ohr, was erst der in ihr erwachte Geist hat.

Wenn sonach das Gehirn aus dem Herzen richtig und recht nach Meiner Ordnung gebildet wird und die geistigen Lebensbilder, welche ein Licht sind, sich den Gehirntäfelchen eher einprägen als die materiellen, so werden dann die darauf folgenden außenweltlichen durchleuchtet und dadurch leicht in allen ihren Teilen gar wohl verständlich und der wahren Weisheit nach begreiflich und fasslich. Und das daraus durchgehende Licht erfüllt dann nicht nur den ganzen menschlichen Organismus, sondern strömt in geistig hellen Strahlen noch weit über denselben hinaus und bildet so die Außenlebenssphäre, mit der ein Mensch dann, wenn sie mit der Zeit notwendig stets dichter und kräftiger geworden ist, in die Außenwelt auch ohne die Wiedergeburt des Geistes Wunderbares wirken kann.

Ist aber beim Menschen das Gehirn verkehrt gebildet und haften auf dessen Gehirntäfelchen nur matte Schattenbilder, zu deren Beschauung die Seele am Ende all ihr Lebenslicht verwenden muss, um sie nur höchst oberflächlich nach den äußersten Formumrissen zu erkennen, so kann die Seele selbst ja nie also leuchtend werden, dass sich aus ihrem überschwänglichen Lichte ein Außenlebenskreis bilden könnte.

Nur durch eine rechte Demut, durch die mächtigste Liebe zu Gott und zum Nächsten und durch ein besonderes Streben nach geistigen Dingen werden die materiellen Bilder im Gehirne erleuchtet und dadurch in geistige verkehrt, und das Gehirn wird dadurch zu einiger Ordnung gebracht.“


Bei dem Versuch, Materialisten zu überzeugen, widmet Sheldrake dem Sehen als hochkomplexen Vorgang einen längeren Abschnitt. Er zeigt auf, dass dieser Vorgang unmöglich auf zufällige Mutation zurückgeführt werden kann. Dem schon angeführten Argument der Evolutionsanhänger, das Auge sei zufällig auf der Suche nach Weiterentwicklung entstanden und im Nachhinein dann als praktisch und vorteilhaft beibehalten worden, tritt Sheldrake mit gegenteiligen Argumenten entgegen. Er widmet sich in diesem Zusammenhang dem Phänomen der magischen Blickkraft, wobei jemand genau spüren kann, wenn er z.B. von hinten fixiert wird. Er schildert umfangreiche Laborversuche, in denen dieser Vorgang sogar über Spiegel oder durch Ferngläser und Objektive ausgelöst werden kann. Dieses, von den meisten Menschen schon selbst erlebte Gefühl, habe mit dem materiellen Gehirn als angeblichem alleinigen Ort des Geistes keinen Zusammenhang mehr und müsse sich eindeutig vermittels außerkörperlicher Kräfte abspielen. Zu dem verweist er auch auf ebensolche Beobachtungen bei Tieren, die gleichfalls spüren, ob sie (z.B. auf einer Pirsch) beobachtet werden. Darüber hinaus kommt er auf die ausgeprägten Fähigkeiten von Haustieren zu sprechen, die die Ankunft ihres „Herrchens“ schon lange voraus spüren. Als weiteres Phänomen auf dem Wege „von der Materie weg“ schlägt Sheldrake das Kapitel der Telepathie mit den unzähligen bestätigten Versuchsanordnungen auf. Alles zeigt auf, dass es nichtmaterielle Kräfte in und um uns gibt, von der die „Schulweisheit“ noch nichts wissen will. Dazu zitiert er die Aussagen des Physikers und Physiologen Hermann von Helmholtz (1910) über die damals neu aufgekommene Gesellschaft der „British Society for Psychical Research“6, also der Parapsychologie:

6) Zielsetzung: "Vorurteils- und voraussetzungslos und im Geist der Wissenschaftlichkeit, um all jene realen oder vermuteten Fähigkeiten des Menschen zu untersuchen, die nach keiner allgemein anerkannten Hypothese erklärbar erscheinen."

 

Weder das Zeugnis sämtlicher Fellows der Royal Society noch auch das, was meine eigenen Sinne mir sagen mögen, können mich je glauben machen, es gebe andere Wege der Übertragung des Denkens von Mensch zu Mensch als die anerkannten Sinneskanäle. Es ist eindeutig nicht möglich.“ Sheldrake fügt hinzu: „Seither hat sich nicht viel geändert.

 

Auch hebt Sheldrake die Vorahnung der Tiere7 von Katastrophen hervor, die zwar überall in der Welt beobachtet, aber nicht konsequent genutzt wird. So auch bei den jüngsten Tsunamis mit ihren verheerenden Folgen in Südostasien. Hätten die Menschen die auffallenden Verhaltensweisen der Tiere weit vor dem Eintritt der Ereignisse besser beobachtet und ihre Schlüsse daraus gezogen, wären viele gerettet worden. So schildert er, wie z.B. Elefanten laut trompetend die Küstenregion verlassen und das höhere Land aufgesucht hätten. Aber auch Hunde, Vögel und andere Tiere stießen Warnsignale aus und zeigten Verhaltensauffälligkeiten8. Sheldrake hat hierzu, wie auch zu den anderen geschilderten Phänomenen, ganze Archive von Beobachtungen angelegt. Seiner Meinung nach wären Tiere bessere Warnsysteme als kostspielig angelegte seismografische Stationen - wenn man die Bevölkerung besser schulen würde, tierische Warnsignale zu erkennen. Aber auch da blockt die Wissenschaft geschlossen ab.

7) Sheldrake hat auch viele Beispiele von Menschen mit diesen Fähigkeiten gesammelt.

8) So z.B.Kröten, die während ihrer Paarung plötzlich ohne sichtbaren Anlaß das Weite suchten und erst nach der später eingetretenen Katastrophe wieder zu ihrer Kopulation zurückkehrten.

 

Seine Schilderungen von „Gesprächsrunden“ mit Materialisten im Fernsehen, u.a. auch mit Dawkins, zeigen die Verbohrtheit der Nur-Materie-Verfechter. Sie lehnen jedes noch so ausführliche Argument von ihm als „unwissenschaftlich“ ab und auf „Beweise“ für ihre Gegenargumentation angesprochen war nur zu hören, dass es nichts über die Materie hinaus gebe und daher jede andere Beweisführung falsch sein müsse! Erschreckend ist, dass auch die öffentlichen Medien diese Denkweise im Mainstream der herrschenden Wissenschaft vertreten. Sie wollen diese Glaubensauffassung mit allen Mitteln weiter verbreiten.

 

Schließlich widmet sich Sheldrake dem Kapitel der Arzneimittelherstellung und zeigt (sehr interessant zu lesen!) die anfängliche Entwicklung der Forschung zu besseren Ergebnissen und deren Segnungen im Kampf gegen Krankheiten. Dann aber auch die inzwischen eingetretene Kostenexplosion in der Pharmaindustrie und die sich daraus ergebende Notwendigkeit durch höhere Verkaufszahlen von Medikamenten (gewissermaßen auf Gedeih und Verderb) die steigenden Kosten zu kompensieren, da ein Überangebot konkurrierender Konzerne einen Kampf ums wirtschaftliche Überleben hervorgerufen hat. Das Kapitel, wie die Konzerne ihre Produkte mit allen Mitteln in den Markt drücken, ungeachtet ob diese (außer für sie selbst) von Nutzen sind, steht gegenwärtig im Fokus der Öffentlichkeit. Die alternative Medizin wird dabei an den Rand gedrängt, obwohl die Zahl der Befürworter in der Bevölkerung immer größer wird. Auf diesem Gebiet hat sich inzwischen zudem die erstaunliche Erkenntnis etabliert, dass es nicht unbedingt Medikamente zur Gesundwerdung braucht, sondern dass der Mensch ein inneres Abwehrsystem besitzt, das nur stimuliert werden muss. Sheldrake beschließt dieses Kapitel mit der Hinwendung zur Hypnose, die nachweislich wirksam ist. Alles dies soll von Seiten des Autors aufzeigen, dass Geist eben nicht nur „Gehirnmasse“ ist, sondern dass es im Umfeld von Menschen, Tieren und der gesamten Materie noch Strukturen gibt, die offenbar nichtmateriell sind. Wie diese geartet sein könnten, müsste nach seiner Auffassung noch untersucht werden. Er stellt fest: „Die wissenschaftliche Erforschung der Wechselwirkung von Geist und Körper ist so unterentwickelt wie die Erforschung des Geistes von innen.“9

9) Zum Thema "Körper, Seele und Geist" siehe auch linke Randspalte unter "Kurztexte"

 

Last but not least verweist Sheldrake darauf, dass die Wissenschaftler in ihren Forschungen und Experimenten bei aller Fachkompetenz auch Menschen wie alle anderen sind, also ihre Vorurteile und Grundannahmen haben und insofern hinsichtlich ihrer Erwartungshaltung und in ihren Interpretationen der Ergebnisse nicht wirklich objektiv sein können. Das bedeutet, dass sie bewusst oder unbewusst selektieren. Auch die bekannten offensichtlichen Betrugsfälle wurden angesprochen und wie wenig bei diesen Fällen die Kontrollmechanismen gegriffen haben. So ist das Ergebnis seiner Bitten, Forschungsmaterial (besonders wenn es sich um die Bestätigungen materieller Welterklärung handelt) zur Überprüfung zur Verfügung zu stellen. Dies sollte üblicherweise zwar sowieso gängige Praxis sein, wird aber in sehr vielen Fällen mit fadenscheinigen Gründen verweigert. Eine derartige Zurückhaltung wird immer wieder festgestellt10, besonders gravierend bei der von der Großindustrie in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studien, die die angebliche Unschädlichkeit bestimmter Produkte entgegen anders lautenden Studien über Jahre vernebeln konnten (so beispielsweise über die offensichtlichen Schäden durch den Tabakkonsum).

10) "William Broad und Nicholas Wade haben in einer scharfsinnigen Studie über Schwindel und Täuschung in der Wissenschaft zeigen können, daß Täuschungen ohne Weiteres durchgehen, solange sie nur den vorherrschenden Erwartungen entsprechen."

 

Als Fazit des Buches will Sheldrake auf die ungenügenden Forschungsergebnisse verweisen, die durch wissenschaftliches Fehlverhalten und durch das ungerechtfertigte Festhalten an einer immer weniger zu haltenden Ideologie besteht, die objektives Forschen zunehmend verhindert. Den Durchbruch, auch die offensichtlichen Kräfte außerhalb der Materie in die Forschungszusammenhänge mit einzubeziehen, erhofft er sich durch weitere Beobachtungen.


Sheldrake endet sein umfangreiches Buch so:

 

Da die Tabus des Materialismus kraftlos zu werden beginnen, können neue wissenschaftliche Fragen gestellt und hoffentlich beantwortet werden . . . Vorhandene Forschungsansätze werden natürlich weiterlaufen. Nichts ändert sich schnell, wenn große Institutionen beteiligt sind, wenn gewaltige Geldsummen und eine große Zahl von Arbeitsplätzen auf dem Spiel stehen. Wir haben auf der Welt gegenwärtig sieben Millionen wissenschaftliche Forscher, die 1.58 Millionen Publikationen im Jahr produzieren. Mein Vorschlag geht dahin, einen Bruchteil dieser Ressourcen für die Auseinandersetzung mit neuen Fragen einzusetzen. Mit der Entdeckung von wirklich Neuem ist eher zu rechnen, wenn wir die ausgetretenen Wege der normalen Forschung verlassen und uns Fragen zuwenden, die uns bisher durch Dogmen und Tabus verschlossen waren. Dass die Wissenschaft alle grundlegenden Fragen bereits beantwortet habe, ist ein Wahn, der den Geist des Forschens geradezu erstickt.

Das einst so befreiende Materialismus-Projekt ist jetzt nur noch erdrückend. Wer daran glaubt, ist seiner eigenen Erfahrung entfremdet, von allen religiösen Traditionen abgeschnitten und der Gefahr der Isolation und Vereinsamung ausgesetzt. Die Macht aber, die unsere naturwissenschaftliche Erkenntnis auf den Plan gerufen hat, bewirkt jetzt ein massenhaftes Artensterben und gefährdet auch die Spezies Mensch. Mit der Einsicht, dass die Wissenschaften eben nicht alle wesentlichen Antworten bereithalten, wird Bescheidenheit einkehren und die alte Arroganz ablösen, wird Aufgeschlossenheit an die Stelle des Dogmatismus treten. Viel bleibt zu entdecken und wiederzuentdecken, auch Weisheit.“


Wir Geistesfreunde Swedenborgs und der Neuoffenbarung haben es scheinbar sehr leicht, über die vergeblichen Versuche der Wissenschaften hinsichtlich der Weltformel zu befinden. Wir sollten uns aber nicht täuschen. Der Herr spricht immer in Gleichnissen. Deshalb sind die Offenbarungen zwar ein großes Hilfsmittel zum Verständnis, auch hinsichtlich der Naturgeheimnisse, aber keine reine Naturbeschreibung, die uns alle Rätsel löst. Sicher, die direkte Offenbarung Gottes vermag viele ungelöste Rätsel und die noch größeren verborgenen Einblicke in die Schöpfung ins Blickfeld zu rücken - von denen noch lange keiner ahnt - und die unserem Verständnis angepasst erklärt werden. Trotzdem sollten wir uns nicht erheben, denn die noch sehr beschränkte Sichtweite der Wissenschaft und deren Weltbild ist meist auch unsere Grenze des Verständnisses, da sich der innere Zusammenhang von Geist und Materie auch für den Leser geistiger Bücher keineswegs automatisch erschließt. Aber der Herr wird diese „Festung“ zu nehmen wissen und Sheldrake ist so gesehen für Gott einer der vielen „Rammböcke“, die die Mauern der Begrenzungen zu gegebener Zeit mit zum Einsturz bringen. Zuvor müssen aber immer mehr Fakten auf den Tisch, die nicht so einfach wegzuwischen sind. Bis dahin werden Forscher herangewachsen sein, die schon eine andere Sichtweise haben könnten. Dann wird vielleicht auch Swedenborg „aus der eigenen Gilde der Wissenschaftler“ als ein auf allen Gebieten überragender Forscher, wieder gefragt sein.

 

(Mit Genehmigung des Verfassers aus: DAS PROGRAMM Okt. bis Dez. 2013, Swedenborg Zentrum Berlin)